In meinem nächsten Buch wird es, so ein Zufall, um Eltern gehen. Um Paare, die scheitern, und das nicht nur am Schlafmangel. Um Menschen, die sich nach ein paar Jahren mit Kleinkindern allmählich wieder auf sich besinnen und dabei erstaunliche Entwicklungen feststellen, Mangelerscheinungen und Sehnsüchte. Menschen, die plötzlich wieder über das Glück nachdenken, nachdem sie ein paar Jahre gedankenlos in einer Art Familienrausch verbracht haben. So in etwa. Das wird also nicht autobiographisch, denn die Herzdame und ich sind als Paar bisher nicht gescheitert. Nein, das wird einfach ein Spielplatzroman, der – noch so ein Zufall – in einem kleinen Hamburger Bahnhofsviertel spielt.

Dabei gibt es nun jedenfalls einen amüsanten Effekt. Da die Lebenssituation der Hauptfiguren sich mit den Lebenssituationen der echten Bewohner dieses Viertels in etwa deckt, kann ich schreiben, was ich will, es wird sich immer jemand vermeintlich wiedererkennen. Ich muss nur eine Frau auf einem Spielplatz eine rote Jacke tragen lassen, schon wird jede Frau in meinem Freundeskreis, die des öfteren eine rote Jacke trägt, denken aha, jetzt komme ich. Ein Mann hat einen Bart – das ist doch der Vater von B.! Ein Vater ist Ingenieur, na, wer soll das schon sein, den kennen doch auch alle hier. Und wenn ich die Frau in der roten Jacke dann eine Affäre haben lasse, werden sich ihre Freunde fragen, ob ich etwas weiß, das sie nicht wissen. Und wenn der Vater abends fünf Bier trinkt, wird man sich fragen, ob der das womöglich jeden Abend so macht. Ich glaube, es ist tatsächlich fast unmöglich, die Personen und die Szenen so zu gestalten, dass dieser Effekt nicht eintritt.

Darüber sprach ich neulich mit der Herzdame, die mir schließlich vorschlagen wollte, den geradezu klassischen Satz ”Sämtliche Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig” vor das Buch zu setzen. Allerdings fiel ihr nicht ein, wie der Satz genau ging, die Bestandteile kamen dann nicht ganz korrekt und in der richtigen Reihenfolge aus ihr heraus, sie sagte:

“Sämtliche Zufälligkeiten der Personen sind rein äußerlich.”

Und das ist selbstverständlich ein großer und wirklich schöner Satz von tiefer Wahrheit, den man sehr wohl vor einen Roman stellen kann. Vor fast jeden Roman.

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