Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wir tragen wieder etwas zur allgemeinen Verwirrung bei und sehen ein wenig beim Hessischen Rundfunk zu – ist die vegane Ernährung nur eine Modeerscheinung und außerdem eine Mangelernährung?

Und da muss man das ewige Hin und Her der Expertenmeinungen aus Sicht der mehr oder weniger interessierten Konsumenten auch einmal klar benennen: Das ist doch wirklich blöd, dass man nie irgendwas wirklich wissen kann, das ist, seien wir ehrlich, wirklich Mist.  Aber das wiederum ist auch egal, aus Mist kann man immerhin Strom machen, und so ist am Ende doch wieder alles gut. Wobei Toiletten ohnehin ein interessantes Thema sind, auch für einen Wirtschaftsteil. Doch, doch. Man lese hier etwa den ersten Satz und denke kurz über die Zahl nach: “Mehr als die Hälfte der 1,2 Milliarden Inderinnen und Inder hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen.”

Und ohnehin bleibt spannend, was man aus was macht. Gerade beim Thema Energiegewinnung. Hier bahnt sich gewissermaßen gerade eine ganz neue Viehhaltung an, auch wenn es um Kleinvieh geht. Sehr, sehr kleines Kleinvieh.

Noch einmal zurück zum ersten Link, das war eine recht konventionelle Sendung des HR. Eine ganz andere, deutlich modernere Aufbereitung eines Beitrags zum Thema Ernährung findet man beim WDR: “Hippe Kochwelten.”

Na, und wenn wir schon so schön dabei sind, dann bleiben wir noch bei der Ernährung und fragen uns mit SPON, ob die Milch es nun macht oder nicht. Wobei man im Grunde schon nach der Überchrift keine Lust mehr auf die Lektüre hat. “Der Milch-Quark der Veganer” – herrje. Muss das denn sein?

Bei der FAZ wiederum bereitet man ein Chlorhuhn zu und tischt uns damit auch den TTIP-Link der Woche auf. Und beim Wurstsack geht es um eine andere Manifestation der amerikanischen Küche, es geht um die Küche bei Burger King. Und um Gott. Warum auch nicht.

Das Stichwort regional kam heute noch gar nicht vor, das ist eigentlich verblüffend. Auf der Suche nach überraschendem Content dazu landen wir ausgerechnet bei der Schweizer Armee und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Genug vom Thema Ernährung, auf Dauer verdirbt einem die Beschäftigung damit nur den Appetit. Wenden wir uns anderen Wirtschaftsthemen zu, etwa großen Konzernen und ihren Führungskräften. Aber da das hier ja eine Kolumne zu den etwas spezielleren Themen der Wirtschaft ist, gucken wir uns an, wie so eine Führungskraft auf einen Obdachlosen trifft und auch sonst etwas zu guten Werken zu sagen hat. Und zwar bei einem Konzern, der ansonsten oft ziemlich schlecht wegkommt, bei der Deutschen Bahn. Da wird es dem einen oder anderen leicht fallen, darüber zu spotten, andererseits hat so ein Manager natürlich schlicht keine Chance. Engagiert er sich nicht, ist es verkehrt, engagiert er sich, findet man auch immer einen Fehler daran.

Überhaupt ist es eine interessante Frage: Wie ist man wohltätig? Wie geht man z.B. mit Bettlern um? Eine längere Erörterung dazu in der FAZ. Und in der NZZ wird das unter dem Schlagwort “Verhaltensökonomie” sogar noch weiter getrieben. Aber wie auch immer man darüber denkt, wir halten fest: Uns geht’s ja noch gold, wir können noch geben. Auch wenn uns das zu einsamen Gewinnern macht.

Und zum Konsumverhalten von Gewinnern können wir natürlich abschließend auch im Kulturteil etwas beisteuern, gar kein Problem. Der musikgeschichtlich Interessierte wird sich auch für die Anmerkungen unter dem Film interessieren: The winner takes it all.

GLS Bank mit Sinn

Der Hof

Untitled

Was hier noch fehlt, ist der Hinweis auf den Ferienbauernhof, den wir auf Eiderstedt besucht haben. Da mehrere Leserinnen nachgefragt haben und das natürlich auch kein Geheimnis ist: Es handelte sich um den Ferienhof Reigardt in Tetenbüll. Da also hat man, wenn man die richtige Wohnung nimmt, die Schwalben im Zimmer, wobei die natürlich in Kürze wieder gen Afrika abreisen. Und da hat man auch, wenn man mit den anderen Kindern etwas Glück hat, den hier beschriebenen Bullerbü-Effekt.

Der Hof liegt etwas abseits der größeren Straßen, sehr ruhig, kaum Verkehr. Ganz im Gegensatz zu unserem Alltagserleben in Hamburg-Mitte sieht man hier übrigens kaum jemals SUVs, man sieht eher so etwas:

Untitled

Ringsum also nichts als Gegend, sogar unfassbar viel davon. Darüber der spezielle Eiderstedter Himmel, ich schrieb hier darüber.

Ich stelle gerade fest, dass ich kaum Bilder vom Hof gemacht habe, man hat eben auch als Blogger so seine Aussetzer, pardon. Wenn man vom Hof geht, kann man auf den Weiden ringsum Kühe oder Schafe sehen, auf Eiderstedt gibt es noch sehr viel Viehhaltung, die ziemlich idyllisch aussieht, geradezu bilderbuchkompatibel.

Untitled

Die Kühe gucken zurück – und wenn man stehen bleibt, dann gucken sie auch sehr lange und man kann mit ihnen ein wenig über die Weltlage sprechen. Kühe sind durchaus interessierte Zuhörer. Wenn man an ihnen vorbei joggt, gucken sie allerdings immer etwas fassungslos, Sport ist nicht so ihr Ding.

Untitled

Der Hof hat größtenteils auf Ferienwohnungen umgeschwenkt, wie so viele in der Gegend. Aber es gab doch etliche Pferde, sehr viele Schafe, zwei Schweine mit Ferkeln, viele Hühner, Katzen und Hasen, für die Kinder war das allemal Bauernhof genug. Wenn man im Frühjahr hinfährt, kann man dabei sein, wie der Chef des Hauses Schafen beim Lammen hilft, alleine das wäre auch schon einen Besuch wert. Die Kinder können dreimal in der Woche reiten, ansonsten laufen die Tiere bemerkenswert frei herum, das fanden wir ganz großartig.

Ein Hof ist keine Appartmentanlage, das ist immer noch ein Betrieb mit ziemlich viel Getier und sehr vielen Kindern, die marodierend durch die Ställe ziehen. Wer eine geleckte Anlage erwartet, in welcher der Zimmerservice das Frühstück auf dem Tablett bringt, der ist hier natürlich falsch. Wer die Kinder laufen lassen möchte und froh ist, sich irgendwo in einer Hofecke in Ruhe in einen Strandkorb verkrümeln zu können – der ist hier genau richtig. Man sitzt da sehr gut. Ab und zu kommt ein Huhn vorbei, guckt auf den Buchtitel und legt kritisch den Kopf schief. Oder ein Schwein geht grummelnd über den Hof und sieht schmatzend zu, wie eine Horde Kinder jungen Katzen hinterherrennt.

Die Wohnungen sind anständig ausgestattet und, da ist man bei Ferienwohnungen ja immer dankbar, nicht hässlich. Normaler Ikeastil, da ist man geschmacklich in Sicherheit. Wer öfter Ferienhäuser online sucht, der weiß, dass das für ein Segen ist. WLAN ist vorhanden, aber ziemlich schwachbrüstig. Für etwaigen Bilderupload braucht man also stabile Nerven, reines Lesen ist okay. Wer O2-Kunde ist, der hat ringsum und auf der ganzen Halbinsel allerdings verlässlich gar keinen Empfang, der ist auf das WLAN angewiesen.

Zum Einkaufen oder ans Meer muss man mit dem Auto, das geht auf Eiderstedt aber generell nicht anders, jedenfalls so lange die Kinder noch keine größeren Fahrradtouren machen können. Husum, Sankt Peter-Ording, Tönning, Friedrichsstadt kann man gut erreichen, ebenso die kleinen Badestellen abseits der großen Strände vor Sankt Peter-Ording. Ich blogge später noch eine kleine Liste mit Empfehlungen zum Aufenthalt auf Eiderstedt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir da noch einmal hinfahren, ist tatsächlich ziemlich hoch, im Grunde hat noch kein Urlaub so gut funktioniert wie dieser. Wenn Sie da auch einmal hinfahren – grüßen Sie Carola und Hansi Reigardt bitte von den Buddenbohms.

Was hilft

Es ist schon eine Weile her, ich komme nämlich wirklich zu gar nix, da bat mich das Nuf in diesem Artikel von ihr um eine Antwort auf mehrere Fragen. Mache ich morgen, dachte ich. Mache ich nächste Woche, dachte ich kurz darauf und mache ich bald, dachte ich dann in der Woche darauf. Wie das immer so geht.

Da sie mir aber heute noch einmal ein Stichwort an den Kopf geworfen hat, werde ich doch endlich einmal anfangen, die Fragen zu beantworten – und zwar einzeln. Die sind nämlich komplex und passen alle nicht gerade leicht in einen Satz. Ich beginne heute mit der Frage “Was hilft Dir in anstrengenden Zeiten?”

Die Frage wurde im Elternkontext gestellt, die bezieht sich also auf den familiären und beruflichen Gesamtstress, den man als Mutter oder Vater täglich erlebt. Sie nannte als Beispiel die Autonomiephase und den Schlafmangel, ich würde das aber gerne steigern, denn es braucht da keine Beispiele für Phasen. Es gibt, wenn man das einmal ehrlich betrachtet und den rosafarbenen Feenglitzerstaub aus den Elternblogs pustet, verblüffend wenig wirklich entspannte Eltern. Vielleicht ändert sich das noch mit älteren Kindern, mag sein, ich werde dann berichten. Aber fast alle Eltern, die ich kenne, haben einen Beruf und die Familie oder einen Beruf und ein zu groß geratenes Hobby. Oder sonstige Extraverpflichtungen. Oder auch einen Beruf und die dauernd nagende Sehnsucht nach einer weiteren Beschäftigung, sei es im Nähzimmer, am Klavier oder auf dem Fußballplatz, das sollte man auch nicht unterschätzen. Im Grunde haben berufstätige Eltern nie Zeit, sehr selten Ruhe, Muße schon gar nicht und Wellness ist ein Begriff aus dem Reisekatalog, mehr nicht. Wenn man zwei Kinder hat, dann haben diese sehr schnell jeweils zwei Nachmittagstermine in der Woche, wenn man selbst auch etwas macht und der Mann oder die Frau auch, dann hat man also ganz fix acht Termine in der Woche zu regeln, aus denen auch zwölf werden können, wenn man sich am Wochenende etwas vornimmt. Und wer macht das nicht.

Zwölf Termine, von denen vielleicht kein einziger zuhause stattfindet, wo es praktisch wäre, sondern in mehr oder weniger entlegenen Stadtteilen, Schwimmhallen, Schulen usw. Wenn Eltern über Termine reden oder versuchen, sich mit anderen Eltern zu verabreden, enden die Gespräche oft in hysterischem Gelächter und einem abschließenden Verweis auf das nächste Jahr, und das klingt jetzt nur nach Satire, das ist aber gar keine. Tatsächlich wacht man so gut wie nie auf und denkt: “Ach, heute mache ich mal irgendwas. Oder nichts. Mal sehen.” Was vermutlich ein guter und wohl auch gesunder Gedanke wäre. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern. Nein, man wacht auf und denkt: Wenn ich jetzt in einer halben Stunde dies schaffe, könnte das noch klappen, so dass dann hinterher jenes knapp funktionieren könnte… und immer so weiter. Na, und was hilft nun?

Mir hilft tatsächlich dieses Blog. Mir hilft auch Twitter, mir helfen auch Facebook und Instagram, mir helfen alle sozialen Medien, in denen ich Scherze machen kann. Ich glaube tatsächlich, dass sie mich schon mehr als einmal nervlich gerettet haben. Während viele diese Medien lediglich als Zusatzbelastung und Zeiträuber zu erleben scheinen, finde ich sie befreiend, erleichternd und entspannend. Weil ich versuche, die Pointen im Leben zu bemerken und zu teilen. Und ich versuche das nicht nur nebenbei, ich versuche das mit einiger Leidenschaft und Beharrlichkeit. Ich zerbreche mir den Kopf, wenn etwas nicht lustig ist, ich möchte unbedingt herausfinden, ob nicht doch etwas daran sein könnte, was unter einem bestimmten Blickwinkel für Heiterkeit sorgen könnte. Ihre und meine, versteht sich, wobei meine gar nicht so nebensächlich ist. Wenn ich mich irgendwo unmenschlich langweile, dann wird vielleicht wenigstens ein Tweet daraus? Das muss doch gehen? Wenn ich in unmenschlich öder Gegend bin, ergibt sie vielleicht wenigstens ein brauchbares Foto? Wenn wir uns in dieser Familie hier alle wieder einmal in die Haare kriegen, weil die Zeit hinten und vorne nicht reicht und alle hektisch werden – ich kann mich vielleicht wenigstens in einem Blogartikel darüber amüsieren. Und mich darüber lustig machen. Über mich, über das Leben, über die Ansprüche, über alles.

Ich treibe das natürlich bis zum Exzess und ich habe Gott sei Dank auch die richtige Familie dafür. Ich bin der Typ, der mitten in einem erbitterten Ehestreit an den Computer springt, weil der Dialog mit der Herzdame gerade unerwartet eine prächtige Pointe ergeben hat, und nach all den Jahren weist sie mich jetzt auch schon mal darauf hin, wenn ich unaufmerksam war und eine Stelle verpasst habe. Bei uns enden Ehekrisen regelmäßig in Artikeln oder Kolumnen und warum auch nicht, irgendwo müssen sie ja enden.

“Seid zur Heiterkeit bereit”, hieß es früher bei Bugs Bunny. Tatsächlich ist das eine Aufforderung, der man nicht immer einfach so nachkommen kann. Niemand ist immer heiter, ich nicht und das Leben auch nicht. Aber so lange man nicht gerade von den ganz großen Dramen erwischt wird, hilft es doch sehr, nach den Scherzen zu suchen, die im Alltag versteckt sind wie früher die kleine Maus auf den Kinderseiten der Brigitte. Und geteilte Scherze wirken besser, viel besser.

Und wenn ich völlig zerwühlt vom hektischen Alltag, aufgerieben zwischen mehreren Deadlines, Terminen und Verabredungen, mit den Söhnen streitend und der Herzdame hinterherfluchend, vor der Eingangstür der Wohnung stehe, den Schlüssel nicht finde und die Apfelsaftflasche dabei aus dem Rucksack fällt und auf den Fliesen zerschellt, während drinnen das Telefon klingelt – natürlich kann man daran komplett wahnsinnig werden. Man kann aber auch darüber schreiben. Und dann geht es schon wieder.

 

Vegetarisches Essen bestellt [Sponsored Post]

Ein Sponsored Post, falls das nicht bekannt ist, ist ein Artikel, für den ich bezahlt werde. Werbung also, damit da keine Missverständnisse aufkommen. Davon wird es in diesem Monat zwei geben, das ist ein Zufall und eher ungewöhnlich. Aber jedenfalls war es ein netter Zufall, zumindest was unsere Urlaubskasse betrifft. Eigentlich habe ich sogar drei Artikel zugesagt. Einen habe ich verkauft, weil ich das Produkt tatsächlich sehr interessant fand (Technikklimbim), einen weil ich bei Küchengeräten so einen immerhungrigen Habenwollenreflex habe und dann noch diesen hier. Das Technikklimbimgerät hat allerdings nicht funktioniert, es befindet sich schon auf dem Rückflug und wird also keinen Artikel ergeben. Ein Montagsprodukt, das kann passieren.

Das Küchengerät und ich, wir starren uns noch etwas ratlos an, da muss ich noch etwas herumprobieren, um überhaupt eine Meinung zu haben. Manchmal ist so etwas viel komplizierter als gedacht.

Sehr einfach war es dagegen, auf Kosten der Firma Pizza.de Essen zu bestellen und zu sehen, wie das klappt. Wobei das andere routinierter als ich gemacht hätten, denn ich bestelle nie Essen. Das letzte Mal ist sicher Jahre her, ich habe diese Möglichkeit tatsächlich völlig aus den Augen verloren. Was auch daran liegt, dass ich gelieferte Pizza immer ganz furchtbar fand. Lauwarm, labberig, fettriefend, schauderhaft. Und es lag auch daran, dass ich hier nur vor die Tür gehen muss, um -zig Imbisse, Restaurants usw. in nächster Nähe zu haben. Ich habe also keineswegs Pizza bestellt, ich habe das etwas sportlicher genommen und nachgesehen, was man an vegetarischem Essen bestellen kann. Falls das nicht bekannt ist, man findet bei Pizza.de keineswegs nur Pizza, das ist ein Portal, in dem etliche Lieferanten gelistet werden.

Da sieht man nach dem entsprechenden Filter im Verzeichnis der hier liefernden Restaurants natürlich nur noch asiatische Spezialitäten. Wenn ich es richtig gesehen habe, kann man anderes vegetarisches Essen tatsächlich nicht oder kaum bekommen. Also abgesehen von den Verzweiflungspommes, mit denen sich Vegetarier überall sättigen, versteht sich. Vegetarische Lieferküchen – gibt es wohl nicht, oder zumindest noch nicht im Verbund eines Großanbieters.

Was es aber gibt, sind Viatnamesen, Chinesen, Inder etc. und das ist ja auch gut. Nicht einfach, sich da für etwas zu entscheiden, die Söhne lehnen sowieso alles ab, was neu aussieht, nahm ich jedenfalls an. Dann dachte ich, wenn es schon neu aussieht, dann kann es auch richtig fremd aussehen, dann essen wir eben mal indisch. Da ist es natürlich überhaupt kein Problem, vegetarische Gerichte zu finden, da gibt es auch genug Vorspeisen und kleine Gerichte, die man für Kinder bestellen kann. Ich ging nicht davon aus, dass die Söhne irgendwas essen würden, bestellte aber dennoch reichlich. Wenn man schon dabei ist, dann will man sich auch durchtesten. Wir haben sehr hungrig bestellt, das machte die bestellte Menge nicht gerade kleiner.

Die Bestellung war problemlos, die Lieferung kam flott. Es gibt im System keine Angabe, wie lange die Lieferanten zu brauchen gedenken, aber das geht vielleicht auch gar nicht. Nicht alle Gerichte brauchen gleich lange. Wir bestellten verschiedene Curryvarianten, Pakora, Naanbrot. Und große Überraschung – die Söhne aßen Pakora, und zwar mit Begeisterung, damit hatte ich niemals gerechnet.

Pakora

 

Das ist immerhin zubereitungsbedingt nicht eben hübsch aussehendes Gemüse, und das war sogar unverkennbar Brokkoli, den sie da in überraschenden Mengen vertilgten. Allerdings würden sie frittiert vermutlich auch Batterien essen, man weiß es nicht. Danach fanden sie auch noch die Currys sehr interessant, jedenfalls die Varianten, in denen zumindest ein Hauch an Süße zu schmecken war. Indisch für Kinder ist anscheinend ganz einfach, das wusste ich tatsächlich nicht. Pakora gibt es hier jetzt öfter.

Das Essen war vom Paradise Food Service, wenn man in Hamburg wohnt und indisches Essen ans Sofa gebracht haben möchte, das kann man gut machen, fand ich. Sehr großzügige Portionen, das Essen war tadellos, nett waren sie auch. Im Grunde könnte man sogar “gerne wieder” sagen.

Und wenn eine Bestellung für vier Personen nicht so unfassbar viel Müll machen würde, ich würde es tatsächlich sofort sagen. Irgendwas ist wirklich immer.

Untitled

Junges Glück, älteres Glück

Auf dem Ferienbauernhof an der Küste auf Eiderstedt waren vierzehn Kinder. Zur Freude der Söhne waren es größtenteils Mädchen im passenden Alter. Mädchen, mit denen sie sich bestens verstanden haben, Mädchen, die sie toll fanden, schön, nett und was man will, da passte wirklich alles. Die Söhne sind fast 5 und fast 7, es ist nicht selbstverständlich, dass sie Mädchen auch nur ansehen. Da hatten wir also großes Glück, der Urlaub war dadurch geradezu unfassbar erholsam. Die Kinder waren mit den Kindern beschäftigt, Erwachsene wurden nur noch zur Zubereitung der Verpflegung benötigt, ansonsten war man weitgehend entbehrlich. Wenn ich nachsehen ging, saß Sohn I flüsternd mit einem Mädchen im Stroh, Sohn II lief mit dem wilden Kampfruf „Knutschen! Knutschen!“ einer kleinen Schönheit quer über den Hof in den Stall nach. Idylle pur also, Bullerbü mit Liebe. Als wir abreisten, sammelten die Söhne die Telefonnummern von fünf Mädchen ein, bevor sie ins Auto stiegen und wild winkend auf ihren Kindersitzen saßen.

Ich sah mir das im Rückspiegel an und erinnerte mich an die Kinderzeit, in der man in der Liebe alles noch vor sich hatte und allem mit froher Erwartung entgegentrat. Die Zeit, in der das Kennenlernen nur zehn Minuten dauerte, und in der mit jedem Menschen eine neue Aufregung und Verrücktheit ins Herz und ins Leben wirbeln konnte. Das war schon schön, damals. Wann hat das eigentlich aufgehört? Ich reagiere mittlerweile doch etwas gemächlicher auf neue Menschen.

Ich saß vorne neben der Herzdame, ich konnte mich schon nach den ersten Kilometern nicht mehr an die Namen der Mütter der Mädchen erinnern, die ich auf dem Hof kennengerlernt habe und mit denen ich gerade eine ganze Woche verbracht hatte. Die Herzdame und ich sahen uns an, wir fuhren zufrieden und entspannt nach Hause. Doch, es ist alles gut so, wie es ist.

Und ich muss mich schließlich auch gar nicht an die Namen der übrigens sehr netten Mütter erinnern. Ich hab ja ihre Nummern gespeichert. Die Kinder sind natürlich noch viel zu klein für eigene Handys.

(Dieser Text erschien in einer etwas kürzeren Version als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Untitled

In den Kommentaren zum letzten Wirtschaftsteil fand sich der Hinweis, dass auch in Deutschland spannende Nahverkehrsprojekte angeschoben werden, etwa in Osnabrück. Da geht es zwar bisher nur um die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie, aber wir wollen nicht undankbar sein, oh nein. Das könnte in der Tat noch spannend werden. Beim Deutschlandradio gibt es übrigens gerade etwas über das Radfahren in verschiedenen Städten, das ist auch interessant. Wir bleiben ja erst einmal dabei, dass für Deutschland eher so etwas typisch ist: things on bike lanes.

Zum Nahverkehr nur noch einen Link, denn auch der Landwirt von heute muss schnell von A nach B – und was nimmt er da? Den Ziesel. Zählt das schon als Gamification des Berufs? Wird die Landwirtschaft plötzlich wieder attraktiv für den Nachwuchs? Spannend!

Zu anderen Themen. Die Journalisten der Henri-Nannen-Schule haben ein aufwändiges Stück über illegale Flüchtlinge produziert. Das ist lang und das ist gut, nehmen Sie sich die Zeit für dieses Stück der Zeit. Eine gute Nachricht aus der tieferen Provinz soll da aber gleich hinterher auch erwähnt werden, schon wegen der Erwähnung der Funktionen Lotsen und Kümmerer: Nordfriesland etabliert die Willkommenskultur. Dann können das andere Regionen ja nachmachen. Man kann aber natürlich auch das Gegenteil der Willkommenskultur vorantreiben – und das wird auch gerade gemacht.

Aber weiter mit guten Nachrichten, ein Achtzehnjähriger legt sich mit der Deutschen Post AG und ihrem Plastikverbrauch an. Die Jugend von heute! Das lässt hoffen. Hoffnung machen auch die Erfinder dieses Solar-Ofens, der immerhin 300 Brötchen an einem Tag schaffen soll. Überhaupt findet man gerade etliche Meldungen mit guten Ideen, sehr schön. Auch mit Aufklebern am Briefkasten z.B. kann man etwas bewirken, das mit Wirtschaft zu tun hat.

Das macht ja wieder richtig Spaß hier, mit so positiven Meldungen – aber Vorsicht. Wenn es Spaß macht – sind wir womöglich Komiker? Da mal drüber nachdenken, wie der olle Kempowski gesagt hätte.

Etwas zum Nachdenken finden wir auch bei Herrn Lumma, der ein neues Buch mit einem Wirtschaftsthema bespricht. Der Inhalt passt hier ganz gut rein, wie es scheint. Und von da kommen wir dann ganz zwanglos zu weiteren tiefschürfenden Fragen zur Arbeit, zum Leben und überhaupt, wir kommen sogar zu so tiefschürfenden Fragen, dass wir sie uns lieber von einem Philosophen beantworten lassen.

Kurz vorm Schluss werfen wir noch den wöchentlichen TTIP-Link in die Runde, es geht diesmal um das Zahlenwerk, mit dem die Lobby-Arbeit zum Abkommen gerne begleitet wird: “Malen nach Zahlen.”

Und nun? Wie beenden wir eine Linksammlung, die mit dem Nahverkehr beginnt und bei der Philosophie endet? Mit dem Kulturteil natürlich. Und mit der Liebe auf dem Fahrrad.

GLS Bank mit Sinn

Kurz und klein

Anders Anziehen

Es folgt ein Gastbeitrag von Patricia Cammarata. Die kennen Sie entweder von ihrem eigenen Blog oder von ihrem letzten Artikel bei mir – nämlich hier. Sie schreibt eine Reihe, in der es darum geht, was sich für Erwachsene durch Kinder ändert. Jetzt ihr neuer Text:

Ich sitze in einem Meeting und langweile mich ein bisschen. Neben mir sitzt eine Frau in einem schwarzen Kostüm. Sie trägt dazu eine weiße, gebügelte Bluse. Ich schaue auf ihre rechte Hand und finde einen Ehering. Sie hat ungefähr mein Alter. Bestimmt hat sie Kinder. Sehr brave, unkomplizierte Kinder? Sonst fände sie nicht Zeit ihre Blusen zu bügeln. Oder sie verdient gut. Dann gibt sie ihre Blusen in die Reinigung. Das kostet pro Bluse um die sieben Euro. Das ist eine Menge Geld. Aber Blusen werden immer handgebügelt – im Gegensatz zu Männerhemden – die werden auf eine Puppe gezogen und von unten trocken und glatt gepustet. Weil das halbautomatisiert ist, kann man Hemden schon für unter zwei Euro waschen und bügeln lassen.

Ich schaue auf ihren Blazer. Makellos schwarz. Also schwarz schwarz. Ich schaue auf meinen Blazer. Er ist auch schwarz. Mit Mustern. Wohlwollend könnte man sagen “meliert”. Er ist wirklich mehliert. Das ursprüngliche Wort “meliert” kommt aus dem Französischen von “Melange” und bedeutet gemischt, aus verschiedenfarbigen Fasern gemischt. Mein Blazer hingegen hat Mehlflecken. Viele kleine, glücklicherweise mehr oder minder regelmäßige Flecken. Würde die Dame neben mir mein Blazermuster näher betrachten, dann würde sie Abdrücke kleiner Fingerkuppen entdecken. Heute Morgen ging es nämlich heiß zu. Ich hatte vergessen Brot einzukaufen und deswegen habe ich schnell Waffeln zum Frühstück gebacken. Ich bin extra um 6 Uhr aufgestanden, damit mir die Kinder nicht helfen. Aber ich war offenbar zu laut, denn zehn Minuten später standen zwei enthusiastische Kinder in der Küche und unterstützten mich bei der Mehlzerstäubung. NATÜRLICH hatte ich meinen Blazer um 6.10 Uhr nicht an. Wir aßen, putzen uns die Zähne und zogen uns an. Ich ziehe mich grundsätzlich ca. 20 Millisekunden bevor wir das Haus verlassen an. Die Kinder standen schon im Flur und ich wollte die Tür schließen, als dem Jüngsten einfiel, dass es dringend nochmal Pipi müsse. Wir warteten geduldig. Überraschenderweise kam das Kind dann mit einer überzähligen Waffel wieder aus der Wohnung zurück. Ehe ich eine Schutzdecke über das Kind werfen konnte, reichte es mir die Waffel: “Für disch, wenn du Hunger hast, Mami”

Ich versuchte Abstand zu wahren und streckte ihm mit spitzen Fingern meine mit einem Taschentuch geschützt Hand entgegen, um die Waffel entgegen zu nehmen und in meiner Handtasche verschwinden zu lassen. “Isch will disch küssen!”, sagte das Kind und machte einen Schritt auf mich zu. Ja und was soll man da machen? Bussi, Bussi rufen, auf dem Absatz kehrt machen und das Treppenhaus runter laufen? Ich habe natürlich versucht das Kind nur mit den Lippen zu berühren, aber es erwischte mich am Kragen, zog mich mit den Patschehändchen ran und umarmte mich. Als wir uns wieder voneinander lösten, war ich ein schwarz-weiß gefleckter Mehl-Leopard (Mehlopard). Ich klopfte, rubbelte und strich den Stoff aus, aber das Mehl war am Ende immer noch zu sehen. Lediglich besser verteilt.

Ich kenne das. Das ist immer so. Ich habe IMMER Flecken. Immer. Ich kann tun was ich will.

Mir hat vor der Geburt der Kinder niemand gesagt, dass das so ist. Postnatal habe ich viele Kleidungsphasen durchschritten. Vor der Schwangerschaft habe ich ungefähr 50% meines Einkommens für Kleidung ausgegeben. Ich besaß die prächtigsten Kleider. Ich besaß Anzüge in allen Farben des Regenbogens. Sogar weiße. Blusen! Geblümte! Gepunktete! Gestreifte! Zu jedem Outfit das passende Handtäschchen und die wunderschönsten Schuhe.

Dann gebar ich ein Kind. Ein Kind der Kategorie “Spuckkind”. Das sind Kinder, die Unmengen Milch erbrechen. Ich habe das nicht empirisch belegen können, aber ich bin der festen Überzeugung, dass sie mehr Milch spucken als sie trinken können. Ich stillte das Kind, klopfte den Rücken, es spuckte Milch. Ich bewegte das Kind, es spuckte Milch. Ich schaute das Kind an, es lächelte und spuckte Milch. Ich setzte mir das Kind auf die Schulter, es spuckte mir glucksend Milch in die Haare. Ich hatte immer Milchflecken. Ich zog also nur noch die ältesten und ausgeleiertsten Klamotten an. Übergangsweise. Ich hatte Hoffnung, dass es mit dem Breizufüttern besser würde. Es wurde nur bunter. Orange, grün, mischkostfarben.

Nach 18 Monaten hatte ich es satt, immer in Sackleinen rumzulaufen. Ich zog wieder hübschere wenngleich gut zu reinigende Kleidung an und fand mich mit den Flecken ab.

Das ist mein Kompromiss. Ich sehe einigermaßen gut gekleidet aus, aber ich bin immer fleckig. Seitdem schaue ich mir andere Eltern immer ganz genau an und habe erkannt, dass die meisten Menschen mit Kindern eigentlich genauso aussehen wie ich. Sie tragen ihre Flecken mit Würde. Nur eine sehr kleine Gruppe von Eltern ist perfekt und SAUBER gekleidet. Ob die einen Trick haben oder ob sie einfach nur Eltern sind, die nur getrennt durch eine Glasscheibe an ihren Kindern teilhaben (immerhin könnte man durch eine Glasscheibe mit winzigen Löchern noch vorlesen, Gute Nacht Lieder singen oder Kasperletheater spielen) – ich weiß es nicht. Ich denke, es wird mir immer ein Geheimnis bleiben.

Und wenn der Fleck mal zu groß ist, einfach schnell ein Kotztierchen drauf machen.

Fleckige Grüße

Patricia

Patricia Cammarata ist IT-Projektleiterin, Psychologin und Mutter. Seit Mai 2004 bloggt sie unter dem Pseudonym dasnuf. In ihrem Blog erzählt sie einer langen Familientradition folgend gerne Geschichten. Es fehlt ihr gelegentlich an Ernsthaftigkeit, aber so ist das eben, wenn man morgens gemeinsam mit den Kindern Clowns frühstückt.

Woanders – diesmal mit dem Sport, Yolo, dem Journalismus und anderem

Sport: Ein Link zur Beruhigung all jener, die genau wie ich eher keine spitzenmäßigen Langstreckenläufer sind. Weniger reicht auch. Meine Rede. Ich schaffe es immer noch nicht ohne Gehpause ganz um die Alster – und es macht nichts.

Feuilleton: Das Nuf zur Philosophie des Yolo-Akronyms.

Irgendwas mit Medien: Ein paar lesenswerte Anmerkungen zu Programmierarbeiten für journalistische Projekte. Zur Abwechslung sind auch die Kommentare einmal lesenswert.

Feuilleton: Anmerkungen zum norddeutschen Kernvokabular. Hm. (englischer Text).

Reise: Sieh die Welt ist ein neues Reportage-Magazin.

Feuilleton: Percanta veröffentlicht das Weltkriegstagebuch ihres Urgoßvaters.

Familie: Carola hilft einfach mal.

Küche: Und mir hat Carola auch geholfen, nämlich mit diesem Rezept für eine Mangold-Quiche. Gute Sache. Solange man nicht die Söhne fragt, die kleinen Banausen.

Familie/Feuilleton: Zum Einschlafen zu singen. Die Stimme kennt man doch? Genau.

Hamburg: In meinem Wirtschaftsteil geht es oft um Urban Gardening, hier im Lokalteil machen wir das dann aber lieber wieder platt. Da könnte ja jeder kommen! Hier muss alles seine Ordnung haben.

 

Kurz mal in die Stadt

Obwohl wir sehr nah an der Hamburger Innenstadt wohnen, also nah an den großen Einkaufsstraßen, sind wir da ziemlich selten. Mir ist es dort zu voll und zu wuselig, ich gehe auch nicht gerne zum Shopping, ich gehe überhaupt nicht gerne in große Geschäfte, schon gar nicht in Bekleidungsgeschäfte. Heute war ich dennoch kurz in der Spitalerstraße, ich war da mit der Herzdame verabredet. Natürlich war es besonders voll, es ist Wochenende, es ist Ferienzeit, das Wetter war auch gut. Hamburg ist voll von Touristen, rappelvoll, so voll wie sonst nur zur Weihnachtsmarktzeit.

Um zur Spitalerstraße zu kommen, gehen wir durch den ebenso vollen Bahnhof. Sohn I trottet neben mir her. Im Bahnhof fangen plötzlich Männer an in einer fremden Sprache zu schreien und halten Plakate hoch, verteilen Zettel an Passanten und setzen sich dann mitten in den Weg. Man sieht schon die Bahnpolizei am Ende der Halle anrücken, die Sicherheitsleute in den Geschäften ringsum lehnen in den Türen gucken skeptisch. “Eine Demo”, sagt Sohn I fachkundig, “wegen des Krieges da bestimmt.” “Ja”, sage ich, wobei ich gerade nicht deuten kann, worum es da wirklich geht, um welches Land, um welchen Krieg, es kommen immerhin mehrere in Betracht. Auf dem einen Schild stand womöglich etwas mit Kurdistan, ich konnte es kaum erkennen.

Ein paar Meter weiter ein Junggesellinnenabschied, alberne Outfits und die mit dem Verkaufskörbchen und den Hasenöhrchen vorneweg. Angeschickerte junge Damen, hysterisch kichernd, da machen wir einen großen Bogen. Da machen genau genommen sehr viele Menschen einen großen Bogen. Vielleicht ist es irgendwann so weit, dass alle Menschen einen großen Bogen machen? Das wäre mal eine schöne Aussicht.

Vor dem Bahnhof ein Mann im Anzug mit Megaphon, er hat ein Buch unterm Arm, singt und spricht ins Megaphon und geht hektisch auf und ab. Niemand hört ihm zu. “Einer von denen mit Gott”, sagt Sohn I und interessiert sich nicht weiter für den Prediger, der jetzt in gebrochenem Deutsch “er ist King, er ist König” singt und dabei immer wieder nach oben zeigt, wo gerade ein Flugzeug über ihn hinwegzieht. Aber das ist wohl nur Zufall, nicht Gott.

Am Anfang der Spitalerstraße steht dann schon der Jesusbrüller, wie er in dieser Familie genannt wird, das ist der vermutlich dienstälteste Laienprediger der Stadt, den kennt wahrscheinlich jeder Hamburger. Ein großer Typ mit beeindruckend lauter Stimme, der den Namen Jesus immer so norddeutsch ausspricht, dass es wie Jejsus klingt. Er predigt so engagiert, dass er völlig durchgeschwitzt ist. Wenn man den Jesusbrüller beim Bäcker beim Kaffee trifft, ist er eigentlich ganz nett und wirkt ziemlich normal. Wenn man aber einmal gehört hat, was er über Schwule predigt, dann möchte man ihn lieber nicht mehr treffen. “Der Jesusbrüller”, sagt Sohn I, “wie immer.”

Gegenüber vom Jesusbrüller ein Infostand von Falun Gong, dieser religiösen Bewegung aus China. Eine Frau und ein Mann meditieren mit taichi-ähnlichen Bewegungen, daneben mehrere Poster mit ziemlich blutigen Foltermotiven, es geht um die Verfolgung der Religion in China. Das müssen Kinder nicht sehen, ich ziehe den Sohn weiter.

Straßenmusik, ein junger Mann bearbeitet seine Gitarre. “Aber nicht sooo gut”, wie Sohn I befindet. Geld möchte er da lieber nicht geben. Wir überlassen es den Söhnen, wem sie Geld geben wollen. Ob Bettler, Künstler, Musikanten, das können sie selbst entscheiden, wer etwas Kleingeld bekommt.

Ein erhöhter Glaskasten, in dem ein Mann sitzt, der ein Mädchen auf dem Schoß hat und ihm vorliest. Die beiden sind echt, sie haben sehr wenig an und sie ignorieren die zahllosen Menschen, die in den Kasten sehen, in dem sie sitzen. Grimms Märchen werden da vorgelesen, den Buchtitel kann man erkennen. An dem Glaskasten hängen Zettel, ich frage den Sohn, ob wir hingehen und ich vorlesen soll. Er winkt ab: “Das ist dann sowieso wieder Kunst, Papa”, sagt er.

Da braucht er keine Erklärung, Kunst ist eben Kunst und Kunst ist oft, wenn es interessant aber irgendwie sinnlos ist. Denn das hat er schon gelernt: die Erklärungen, die an der Kunst dranhängen, die bringen ihn meistens nicht weiter.

Schon wieder Straßenmusik, zwei junge Mädchen singen. Der Sohn sieht nachdenklich zu, wie die Münzen in die Mütze fliegen, die vor ihnen liegt. Da kommt schon etwas zusammen. “Du brauchst nur zwei Akkorde und drei Freunde”, sage ich aufmunternd. “Denk mal drüber nach.” Er nickt: “Yeah.” Es war dann wohl doch nicht verkehrt, ihm die alten Aufnahmen der Beatles zu zeigen.Er geht näher ran und wirft noch einen Blick in die Mütze. Wirklich nicht schlecht. Hinter ihm der Lego-Laden. Er denkt nach.

Na, mal sehen. Auch zwei Akkorde muss man erstmal lernen. Und das wäre immerhin schon einer mehr als ich jemals gelernt habe, glaube ich.

 

 

Rigatoni mit Tomaten-Auberginen-Sauce und Mozzarella

(Es folgt ein weiterer Beitrag meiner aus Frankreich zugeschalteten Nudelsachverständigen Micha (mehr zu Micha siehe hier). Micha schreibt aus Frankreich, das Rezept ist aus England, die Küche aus Italien, man müsste eigentlich die Europa-Hymne vor dem Lesen des Beitrags laufen lassen. Und falls Sie genau wie ich beim Lesen über das Wort “Schnäker” stolpern – ja, das gibt es wirklich. Wieder was gelernt.)

Und nun Micha:

Micha

 

Jeder, den ich über mein Foodblog kennenlerne, weiß vorneweg eines über mich: ich koche gerne. Genau. Völlig richtig. Kochen ist sinnlich. Es riecht, es schmeckt, alles geht durch die Hände, es ist abwechslungsreich und man kann die Kreation direkt mit seiner Umgebung teilen. Ich wüßte wirklich nicht, warum jemand nicht gerne kochen sollte.

Allerdings bedeutet das nicht im gleichen Moment, dass ich IMMER gerne koche. Dank unseres Lebensentwurfs sind wir 3 Monate des Jahres auf Reisen und unterwegs werde ich bekocht. Das tut meinen Ambitionen in der Küche gut. Wieder zuhause genieße ich, selbst entscheiden zu können, was auf den Teller, beziehungsweise in den Topf kommt. Zusammen mit den Vorgaben des Gartens.

Nudeln

Außerdem koche ich auch nicht überall gerne, sondern am liebsten in meiner eigenen Küche: im Regal alles, was ich brauche, frische Kräuter vor der Tür. Und ja, auch für andere zu kochen ist nicht zwingend meine Parade-Disziplin. Nachher habe ich Schnäker am Tisch sitzen, die dieses und jenes nicht mögen. Oder Allergiker. Oder – die schlimmste Sorte – Appetitlose, die vorneweg mit der Gabel trocken stochern. Oder Schlinger, die keinen Unterschied zwischen Chips und Nudeln machen. Nee, so wird das nix mit freier Entfaltung und munterer Geselligkeit am Tisch…

Leider (!) kenne ich die Buddenbohms nicht persönlich. Aber der Maximilian hat mir ja nicht umsonst die Pasta-Rubrik zugeschoben. Meine Chancen auf eine appetitliche Runde stehen gut bis sehr gut. Für heute habe ich mir fürs Bekochen ein Jamie-Oliver-Rezept rausgesucht. Der hat schließlich doppelt so viele Kinder wie der Maximilian – worauf ich ohne Umschweife auf die Potenz seiner Rezepte schließe. Mit den Gemüsen des Sommers, Tomate und Aubergine, die unser Garten gerade üppig anbietet, kann man im Grunde auch nix falsch machen (außer s.o.).

Jamie schreibt dazu: „Ungewöhnlich ist, dass Mozzarella aus Kuhmilch verwendet wird, der fester ist als der in Italien übliche Büffelmozzarella. Er kommt in Stücke zerzupft im letzten Moment unter die Pasta und schmilzt zu köstlichen Käsefäden, die am Löffel hängen bleiben – herrlich!“

Also allen Appetitlichen sollten *Käsefäden* ein Stichwort sein…

Nudeln

Zutaten:

1 reife, feste Aubergine

Bestes Olivenöl

2 Knoblauchzehen, fein gehackt

1 Zwiebel, geschält, fein gehackt

800g Eiertomaten beste Qualität aus der Dose

(m: halb frische Tomaten/ halb ofengeröstete Tomaten)

1 EL Balsamicoessig (m: Orangen-Balsamico-Reduktion)

Salz, Pfeffer

1 Chilischote, gehackt (m: Harissa)

1 Bund frisches Basilikum, die Blätter zerzupft

(die Stängel aufheben für die Sauce)

4 EL Sahne (m: 2 EL Mascarpone)

500g Rigatoni oder Penne

200g Mozzarella aus Kuhmilch

1 Stück Parmesan zum Reiben

Frische Auberginen fühlen sich fest an. Bei einer solchen Frucht ist es nicht nötig, die in Scheiben geschnittene Aubergine einzusalzen, um Bitterstoffe herauszuschwemmen. Sollte die Aubergine allerdings bereits braune Samenstränge haben, dann diesen Zwischenschritt einlegen. Ansonsten die Aubergine oben und unten kappen, die Enden wegwerfen, und den Rest der Aubergine in Würfel von 1cm schneiden.

Die Auberginenwürfel einige Minuten bei mittlerer Hitze in einer großen Pfanne in etwas Olivenöl solange braten, bis sich die ersten goldbraunen Stellen zeigen. Dann Zwiebel hinzugeben und diese glasig dünsten. Kurz vor Ende ebenfalls den Knoblauch untermengen. Die Tomaten unterrühen. Mit Balsamicoessig, Salz, Pfeffer, eine Prise Zucker und Harissa bereist zum ersten Mal abschmecken. Die Stängel des Basilikums in der Sauce mitziehen lassen und ca.15min köcheln lassen bis die Auberginen beinahe zu einem Mus verkocht sind – dann die Stängel wieder entfernen. Die Sahne, bzw. Mascarpone unterrühren.

Währenddessen in einem großen Topf reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Rigatoni al dente kochen und nicht zu trocken abschütten. Die Pasta zurück in den Topf geben und mit etwas Olivenöl vermengen.

Die Tomatensauce unter die Pasta heben und nochmals mit Salz, Pfeffer und eventuell Balsamico abschmecken. Den zerzupften Mozarella zusammen mit den Basilikumblättern erst kurz vor Servieren unter die Pasta mischen. Damit hat man den Käsefäden-Effekt auf seiner Seite. Der Kuhmilchmozzarella soll sein feines Milcharoma an die Sauce abgeben (was super zu Tomate und Aubergine passt) und mit dem Fädenziehen genau dann beginnen, wenn man die Gabel in die Pasta steckt. Vorher noch anständig mit frisch geriebenem Parmesan bestreuen – und genießen.

Auberginen

 

Zwei Hinweise

Zum einen fehlt hier immer noch der Hinweis auf das letzte Update bei “Was machen die da” – wir haben passend zum Hamburger CSD eine Dragqueen befragt und fotografiert, das Ergebnis findet man hier.

 

Untitled

 

Zu anderen muss noch eine Lesung angekündigt werden, auch wenn es noch ein klein wenig Zeit ist, bis sie aktuell wird. Ich lese in prominenter Begleitung von Patricia, Isa und Johannes in Bochum – und zwar auf Einladung meines Blogsponsors, vielen Dank. In Bochum war ich noch nie, das finde ich super. Ich kenne da überhaupt die ganze Gegend nicht, das ist auch so eine seltsame Bildungslücke. Ich kenne nur das Nachtleben von Heiligenhaus, das ist da auch irgendwo. So ungefähr jedenfalls.

Die Lesung ist am 7. November, Details hier. Das kann man also noch elegant einplanen, nicht wahr, da dürfte der Terminkalender bei den meisten noch die eine oder andere Lücke haben. Andererseits ist November aber auch irgendwie schon gleich und ich sollte vielleicht allmählich überlegen, was ich da lese?

Schon gut, kleiner Scherz. Das reicht morgen natürlich auch noch.

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Untitled

Gar nicht lange her, dass wir etwas zu Klimaflüchtlingen hatten, die dann doch nicht als solche anerkannt wurden. Jetzt aber doch. Irgendwie.  Mehr oder weniger. Sagen wir so: wir rechnen noch in diesem Jahr mit weiteren Meldungen dazu.

Vielleicht finden wir auch bei den diversen neuen Journalismus-Projekten aus Deutschland etwas dazu, es scheint sich zu lohnen, sie zu verfolgen. Hier etwa ein Bericht über ein Projekt in den Slums von Bogotá. Mit Ruhe erzählt und fotografiert, in der Art könnte man doch gerne mehr finden.

Das Klima, die Armut, die Kriege, es gibt viele Gründe, warum Menschen irgendwann ihre Heimat verlassen. Man kann das auch die “Vulnerabilität bestimmter Personengruppen” nennen. Und wo möchten viele hin, welches Land hat im Moment eine ganz besondere Anziehungskraft? Na, dieses hier.

Und damit zum Inland. Wir sehen einigermaßen fasziniert, dass sich die FAZ weiterhin an Primark abarbeitet, das scheint eine ganz innige Beziehung zu werden. Da freuen wir uns auf weitere Funde, diesmal sind es immerhin gleich zwei Artikel, hier noch einer, der einen Textileinkäufer zu Wort kommen lässt. Auch mal interessant.

Da sind wir dann auch schon wieder bei Moralfragen – und dabei bleiben wir auch ein wenig. Wir grübeln mit der SZ über einen Eid für Banker, und es sind natürlich nicht nur die Banker in den Banken gemeint, die sich bereits ethische Prinzipien auf die Fahnen geschrieben haben. Und im Magazin der SZ finden wir eine Erörterung der moralisch-philosophischen Aspekte beim schwierigen Auswahlprozess Online- oder Offlineeinkauf. Wie kommt man da denn bloß durch die Entscheidungsfindung? Die Antwort ist, große Überraschung, gar nicht so kompliziert.

Und wenn wir schon bei der Moral sind, dann können wir da auch noch den wöchentlichen TTIP-Link dahinterkleben, das passt vielleicht.

Was hier jetzt aber auch schon Tradition geworden ist, das ist der Blick auf spannende Meldungen zum Nahverkehr, die in aller Regel aus dem Ausland kommen, weil hier einfach nichts richtig Spannendes passiert.  Diesmal sehen wir uns eine Seilbahn an, die immerhin 18.000 Personen in der Stunde befördern soll. In La Paz.

Und zum Schluß einmal nicht zur Kultur, sondern zum Humor. In diesem Link geht es zwar eigentlich um Webdesigner, das Prinzip ist aber auf etliche Berufe übertragbar, auf Texter, Projektmanager, Kreative aller Art, Entwickler, Werber etc. Da hat also jemand die Hecke geschnitten.

GLS Bank mit Sinn