Sätze aus der Kindheit

Ich habe hier gerade etwas gelesen über Sätze, die man in der Kindheit nie mochte und die man selbst nie sagen möchte und dann vielleicht doch versehentlich schon beim Nachwuchs angebracht hat. Da fällt mir sofort ein Satz ein, der mich heute noch aggressiv macht, so ein Satz, der für Instant-Missmut steht, für finsterste Laune.

Und der Satz ist verblüffenderweise überhaupt nicht schlimm. Er enthält keine abartige Drohung, er ist nicht abwertend oder übergriffig, er ist vollkommen harmlos. Ich kann ihn auch meiner Mutter nicht vorhalten, es war gar nicht verwerflich, diesen Satz zu sagen, immer wieder zu sagen, für mein Gefühl geradezu unendlich oft zu sagen, nein, es war wirklich keine schlimme Formulierung. Das Problem mit diesem Satz liegt ganz allein in meiner damaligen Aversion gegen die Schule begründet, auf die ich mich niemals so gefreut habe, wie es Sohn I heute tut.

Und deswegen war es mir zutiefst zuwider, wenn Tage mit dem immer gleichen Weckspruch meiner Mutter begannen, auf den sie nur in den Ferien verzichtete. In den Ferien, in denen man als Kind damals noch nicht in irgendeine Betreuung musste, sondern einfach tonnenweise freie Zeit hatte, ohne jede Aufsicht, “Los, geh spielen”. So viel freie Zeit, dass ganze Romane hinein passten. Romane, die man selbst erleben oder doch wenigstens stapelweise lesen konnte. Wenn man es recht bedenkt, besteht ein erheblicher Teil der Kinder- und Jugendliteratur aus Sommerferien, aus wochenlangen Gelegenheiten für alles, aus Tagen und Tagen und Tagen ohne jeden Termin. Das werden die Söhne in dem Ausmaß schwerlich erleben können, und das gehört übrigens zu den wenigen Umständen, die mir heute wirklich für die Kinder leid tun. Ferien werden sie nie so kennenlernen wie meine Generation. Aber so viel Urlaub, wie man nehmen müsste, um in allen Ferienwochen die Kinder zu Hause zu haben, wer könnte die nehmen, von Lehrern mal abgesehen? Wir sicher nicht.

Waren keine Ferien, begann damals jedenfalls jeder Tag für mich unweigerlich mit dem durch die Tür gerufenen Satz meiner Mutter: “Aufstehen, Schule gehen.” Und ich könnte immer noch spontan Kopfschmerzen bekommen, wenn ich nur an diesen Satz denke. Da kommt alles wieder hoch, die bleischwere Schulmorgenmüdigkeit der Teenie-Jahre, die komplett unverstanden gebliebene Vektorrechnung, die ungelösten Rätsel der lateinischen Grammatik, physikalische Formelketten aus der Hölle, lustlos geführte Endlosdebatten über Shakespeares “Is this a dagger which I see before me”, brechreizerregend endlos langweilige Brechtgedichtzergliederungen, Bundesjugendspiele im Regen, Lithium, Natrium, Kalium usw., was es da alles an Horror gab. “Aufstehen, Schule gehen”, und der Tag war im Eimer. So schnell ging das.

Im Moment wäre Sohn I allerdings sogar entzückt, wenn ich ihn mit diesem Satz wecken würde, er würde ganz begeistert aus dem Bett springen. Aber ich werde es sicher nicht tun.

 

Tinko

Ich nehme das hier mal aus der üblichen Monatsliste mit gelesenen Büchern heraus, der Text ist etwas zu lang geraten, der sprengt sonst das Format.

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Erwin Strittmatter: Tinko. Mit dem Buch hat es eine ganz seltsame Bewandtnis. Das war nämlich ein Wiederlesen nach etwa 38 Jahren, und das kam so: Als ich etwa zehn Jahre alt war, hat mir das Buch jemand geschenkt, ich weiß nicht mehr, wer das war. Vermutlich ein Mitbringsel von einer DDR-Reise, ich kriege die Umstände überhaupt nicht mehr zusammen. Ich weiß aber noch genau, wie das Buch aussah, ich sehe die Abbildung des Jungen auf dem Titel noch und den pinkfarbenen Schriftzug “Tinko”. Die Ausgabe auf dem Bild oben ist modern und natürlich ganz anders gestaltet. Das Buch war dick, es war viel dicker als die Kinderbücher, die ich sonst so las. Strittmatter war in der DDR ein großer, ein sehr großer Name, im Westen war er es damals nicht und ist es heute auch nicht. Er hat sich womöglich in gleich zwei Diktaturen zweifelhaft verhalten, sein Lebenslauf in der Wikipedia liest sich zumindest nicht wie ein einziges Ruhmesblatt, aber ich habe mich mit seiner Biographie auch nicht weiter beschäftigt. Er hat eine ganze Reihe bekannter Romane geschrieben.

Jedenfalls war ich damals in einem Alter, in dem das Buch nicht recht passte. Der Roman ist zwar fast durchgehend aus der Perspektive eines Jungen erzählt, aber es ist ziemlich harter Stoff und auch nicht kindgerecht erzählt, das ist definitiv kein Kinderbuch. Es wird offiziell als Jugendbuch gehandelt, das habe ich erst jetzt nach der erneuten Lektüre gemerkt und war etwas überrascht, es würde auch ohne den Zusatz “Jugend” ganz gut auskommen. Das ist ein Buch über gewaltig durchgerüttelte Schicksale, über Kriegsfolgen, über knorrige Charaktere, die ihr Leben mit Grandezza, wenn nicht sogar mit griechischer Tragödienhaftigkeit an die Wand fahren. Und es ist ein Buch über Landleben, Landarbeit und Landbewohner, man versteht die Zusammenhänge zwischen den Begriffen ganz anders, wenn man das Buch gelesen hat. So eine endlose körperliche Qual wie die Kartoffelernte per Hand, das kannte ich natürlich nicht ansatzweise. Aber es wurde für mich vorstellbar durch diesen Roman, es wurde sogar sehr deutlich. Die tagelange Suche nach Kartoffelkäfern, das Binden von Getreidegarben in brutaler Sommerhitze, das Schärfen der Sensen, die Saat, das Herumsitzen und tatenlose Warten im Winter, das war mir alles neu und wunderlich, darüber wusste ich bis zu diesem Buch gar nichts oder wenig.

Die Geschichte spielt in der frühen Nachriegszeit, in den ersten Jahren der DDR. Es geht um ein Dorf in der Niederlausitz. Die Hauptfigur, der kleine Tinko, lebt elternlos bei seinem jähzornigen Großvater und dessen niedertyrannisierter Frau. Der Großvater hat sich auf nicht ganz astreine Art und mit loderndem Ehrgeiz von einem kleinen Arbeiter zum etwas größeren Bauern aufgeschwungen, ohne aber jemals mit den wirklich großen Bauern im Dorf mithalten zu können. Und er ist überhaupt nicht begeistert, dass die neue Gesellschaft um ihn herum jetzt vom Kollektiv faselt, von lärmenden Landmaschinen statt von stolzen Pferden, von Reformen aller Art, von neuer Ordnung. Seine Söhne kehren beide aus der russischen Gefangenschaft zurück, sie sind aber nicht von seiner Art. Sie kooperieren gerne mit dem neuen Staat. Tinko nennt den Vater nur “Heimkehrer”, man bleibt sich fremd, es bahnt sich also schnell ein Familiendrama gewaltigen Ausmaßes an.

Das Buch ist ganz hervorragend erzählt, die Figuren aus dem Dorf so lebendig, wie man es bei deutschen Erzähler aus der Zeit nicht gerade gewohnt ist. Naturbeschreibungen vom Feinsten, die Wechsel der Jahreszeiten kann man jeweils glatt mehrmals lesen, so wunderbar sind die dargestellt. Strittmatter braucht nur eine Seite, damit es wieder Frühling wird, aber nach der Seite merkt man die Sonne. In ganz einfacher Sprache macht er das und in umwerfenden Bildern. Das Buch ist sprachlich ein großes Vergnügen, gar keine Frage – und politisch einigermaßen platt. Das wusste ich als Kind aber natürlich nicht. Ich merkte nur, diese Geschichte ist fremd, gewaltig, beeindruckend. Das war das erste Mal, dass mir überhaupt etwas aus der DDR begegnete, es war das erste Mal, dass mir Schicksale von dort wie normale Menschenschicksale vorgestellt wurden. Die DDR kam ansonsten bei uns nicht vor, die gab es zwar, das war nicht zu leugnen, ich bin ja grenznah aufgewachsen – aber was in ihr war, das war unerfindlich, das war kein Gesprächsgegenstand, das war ein Tabu. Und mir war klar, dass Bücher oder Filme und Fernsehsendungen aus der DDR voller Lügen waren, voller Propaganda und Verdrehungen, das immerhin wurde dann doch auch in der Familie besprochen und daran zweifelte niemand. Ich musste beim Lesen also höllisch aufpassen, um bloß nicht irgendwie eingewickelt zu werden.

Allerdings fand ich es dann gar nicht so schlimm, was da im Buch erzählt wurde, es war fast ein wenig enttäuschend. Das Menschliche, das war schlimm, das Schicksal des Kindes war furchtbar tragisch und hatte eine Härte, die meine Vorstellungskraft glatt überforderte. Aber das Politische, das schien mir alles recht logisch und naheliegend, das war auch gar nicht so verherrlichend, wie ich angenommen hatte. Man konnte schon klar herauslesen, dass nicht alles gut und reibungslos lief beim großen und etwas später auch kompromisslosen Umbau des Landlebens. Man konnte aber auch nicht überlesen, das vorher auch nicht alles gut gelaufen war auf dem Land, dass die gute alte Zeit den Namen ganz und gar nicht verdient hatte, und das klang auch durchaus glaubwürdig. Das Leben auf dem Land war hart, brutal, streng hierarchisch und übel verkrustet. Was Strittmatter da beschrieb, das war plausibel und klang vollkommen richtig. Konnte das denn nun dennoch alles falsch sein? War das der Trick? Alles Lüge? Das wusste ich nicht und ich habe auch niemanden gefragt. Das löste sich einfach nicht auf.

Ich fand bei der Lektüre als Kind schrecklich, dass die Hauptfigur sich zwischen dem Großvater und dem Vater entscheiden musste, da beide für verschiedene Systeme standen. Ich habe natürlich nicht verstanden, dass genau darin der parteikonforme Ansatz versteckt war, so etwas liest man mit zehn Jahren noch aus keinem Roman heraus. Oder ich tat es zumindest nicht. Ja, das Buch ist linientreu, je weiter man sich dem Ende nähert, desto schöner tirilieren die Kinderchöre von der Zukunft, der sie strahlend zugewandt sind, herrje. Ja, es ist dennoch über weite Strecken ein sehr gutes Buch.

Das war jedenfalls vermutlich mein erster “richtiger” Roman. Und der fiel mir aus irgendeinem Grund gerade bei einem Spaziergang wieder ein, wie aus heiterem Himmel, als ich erstes Herbstlaub an der Alster sah. Vielleicht eine ganz ferne Erinnerung an eine Naturbeschreibung aus dem Buch, mag sein, ich kann sie aber nicht greifen. Ich habe das Buch gleich gekauft und noch einmal gelesen – und ich habe es nach all den Jahren wieder mit Begeisterung gelesen. Das ist sprachlich wirklich gut, das hat auch eine gute Geschichte, auch wenn sie selbstverständlich systemkonform endet und die wonnige Zukunft der Jungen Pioniere einem etwas auf den Wecker geht. Da ist plötzlich doch arg viel Rosa im Bild. Aber der Mann konnte erzählen, und wie er das konnte. Ich hatte sogar die Namen der Hauptfiguren noch parat, ich wusste noch grob, wie die Handlung lief, ich hatte das Dorf immer noch vor Augen. Nicht schlecht, für 38 Jahre nicht gelesen, das muss mich damals wirklich beeindruckt haben. Ich glaube, ich habe es mehrmals gelesen, das Buch hat mich ziemlich gründlich verwirrt.

Jetzt reicht mir das einmalige Wiederlesen – aber höchst interessant war es allemal.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wir können auch einmal etwas ernsthafter nachdenken, etwa mit Sascha Lobo, der bei Spiegel Online über die Sharing Economy schreibt und sich fragt, ob wir nicht vielleicht auf dem Weg in eine Dumpinghölle sind. Je nach Branche werden sich manche beim Lesen fragen, ob sie da nicht vielleicht schon sind. Und in der Zeit ist bei Günther Hack gerade die Rede vom Datenproletariat, es ist anscheinend die Woche der Grundsatzartikel. Wie bei Texten üblich, in denen Marx erwähnt wird, ist der Text von Hack nur bedingt fluffig zu lesen. Wer sich nicht mühen mag, lese einfach gleich den letzten Absatz.

Da stehen also wieder Rufer in der Wüste – und wir müssen entscheiden, ob im Neuen das Gute oder der Horror liegt. In der SZ dazu – passend oder nicht – ein Artikel über deutsche Bedenkenhaftigkeit. Haben wir Bedenken oder Fortschrittsangst?

In Leipzig gab es eine Degrowth-Konferenz, auch dabei kann man sich fragen, ob es um Bedenken oder um Pioniertaten geht – oder irgendwie um beides, versteht sich. In der FR schreibt Jörg Schindler passend dazu über “Stadt, Land, Überfluss.”

Wobei wir nach etlichen Ausgaben dieser Linksammlung feststellen konnten, dass es zwar sehr leicht ist, tiefschürfende Texte zu wirtschaftlichen Themen in deutscher Sprache zu finden, aber vergleichsweise doch schwer, Berichte über halbwegs spektakuläre Aktionen, Projekte, Programme aus Deutschland aufzutreiben. Wobei natürlich nichts dagegen spricht, erst einmal Ideen zu entwickeln, zu träumen, Visionen zu haben. Hier ein Beispiel aus Österreich, es geht um Stadtentwicklung der ganz besonderen Art. Das ist ansprechend und faszinierend, eine reizvolle Idee, keine Frage. Aber umgesetzte Projekte hätten vielleicht noch mehr Reiz. Oder zumindest angefangene Projekte, wie etwa in dem folgenden Beispiel, es geht um die Stadtplanung in New York und um die bekannte Forderung “Reclaim the city”. Und es geht um Badeschiffe. Mit irgendwas muss man ja anfangen.

In einem anderen Beispiel aus Holland geht es, wie schon im ersten Link, wieder um das Sharing, und es geht auch um die Probleme dabei (englischer Text). Und um die Frage, wer dabei eigentlich Geld verdient.

Wobei Sharing gar nicht nur etwas für Konsumenten ist, das Prinzip ist auch für Konzerne interessant, sogar ganz ohne jede  Konsumentenbeteiligung.

Zu TTIP haben wir natürlich auch noch etwas, wie könnte es anders sein, das Thema ist noch lange nicht durch. Diesmal einen Filmbeitrag bei 3Sat: “Gefährliche Geheimnisse”. Wer das Thema bisher ignoriert hat, kann das hier auch ganz gut als Einführung ins Thema betrachten, das passt. In aller Deutlichkeit kann man eine mögliche Folge der so harmlos klingenden Schiedsgerichte, um die es in dem Abkommen u.a. geht, auch in der taz nachlesen.

Zum Schluß ein Link, der uns aus dem Publikum geschickt wurde (vielen Dank!), ein wirklich wunderbarer Beweis, dass man aus jedem Dreck Geld machen kann. Ein Urprinzip der Wirtschaft sozusagen. Wie das funktionieren kann, das sieht man hier ganz gut.

GLS Bank mit Sinn

Das Dienstags-Update

Drüben bei “Was machen die da” haben wir heute jemanden mit einem etwas speziellen Beruf, der bei vielen hochspezielle Assoziationen auslöst. Aber auch mit ihm kann man natürlich ganz friedlich über seinen Beruf reden, und das haben wir dann auch getan.

Der ganze Text findet sich hier, es geht in dieser Woche um einen Zahnarzt. Die Bebilderung ist etwas unterkühlt, aber das bringt dieses Gewerbe nun einmal so mit sich. Mitlesende Eltern wollen vielleicht ganz besonders den letzten Satz beachten, noch unter dem Porträtbild ganz unten.

Ente

 

Und ein Dank an…

… den Leser C.K., der den Jungs “11 Freunde müsst ihr sein” von Sammy Drechsel geschickt hat. Das kommt auf den Vorlesestapel für den Winter und wird besonders Sohn I freuen, wobei das Fußballinteresse von Sohn II momentan auch verblüffend ausgeprägt ist. Und ich bin ja sowieso sehr für das Lesen von Klassikern. Herzlichen Dank!

Suppe. Gute Suppe.

Sie werden es vermutlich bereits aus den Augenwinkeln bemerkt haben, es herbstelt heran. Das eine oder andere verfärbte Blatt, gemästete Kreuzspinnen vor abendlich beleuchteten Schaufenstern, Laternen kann man auch schon kaufen, wer würde die Zeichen nicht erkennen. Und vor den Geschäften stehen auch schon wieder die Körbe mit Kürbissen, da erinnert man sich doch gleich an die Versuppung des Hokkaidos im letzten Jahr, die war doch immer so schön, war sie nicht?

Und ob sie das war. Und weil wir ja in der Küche experimentierfreudig bleiben, gab es heute “indianische Kürbissuppe”, gekocht denkbar simpel nach diesem Rezept hier. Und dabei stellt sich raus: Das kann man sehr gut so machen, überraschend gut sogar, ganz erstaunlich gut. Theoretisch müsste das durch die Süße des Ahornsirups auch Kindern schmecken, wenn die beiden renitenten Banausen hier probieren würden, sie würden es sicher merken. Über dieses “wenn” kommen wir allerdings heute wohl nicht mehr hinüber, man kann nicht immer gewinnen. Aber egal, die Suppe ist natürlich auch für Erwachsene empfehlenswert.

Im Bild hier dennoch eine Kinderschale, gut sichtbar das Einschlagloch des Sirups. Um diese Stelle herum schmeckt der Herbst in diesem Jahr besonders gut.
Indianische Kürbissuppe

Woanders – diesmal mit viel Schule und etwas Rest

Ich hatte am Anfang des Jahres bereits gewarnt, dass der Schulcontent hier zunehmen könnte, das tritt jetzt auch ein. Denn nicht nur ich, auch erhebliche Teile meiner Timelines haben jetzt Kinder im schulpflichtigen Alter, das wird uns also eine Weile umtreiben. Die Links sind jeweils mit “Schule” gekennzeichnet, das kann man also auch leicht ignorieren, wenn es nicht interessiert.

Schule: Allenthalben um mich herum wird diskutiert, ob Grundschulkinder alleine zur Schule gehen können oder nicht. Hier ein paar passende Bilder zur Diskussion. Ist alles relativ, ne.

Bei Journelle geht es auch um Schulwege: Wege gehen.

Schule: Bei “Mama arbeitet” gibt es das “Schulheftekaufbingo.”  Wir habe schon ankreuzen können.

Schule: Ein Interview mit einer Neunjährigen zur Inklusion.

Schule: Eine sehr erhellende Einführung in die Geometrie. Und verblüffend kurz ist sie auch noch.

Erziehung: Das Nuf sehr lesenswert über Genderfragen beim Shopping.

Erziehung: Bei Cloudette dazu noch ein passendes Klassenbild.

Eltern: Wie man als Mutter von Zwillingen angesprochen wird.

Panorama: Bei Herrn Larbig gibt es kleine Geschichten von großartigen Menschen

Irgendwasmitmedien: Ein wunderbarer Text zum Twitterstreik neulich, den Sie sicher alle bemerkt haben, so etwas ist ja hinderlicher als ein Streik der Müllabfuhr. Haha.

 

Gelesen, vorgelesen, gesehen, gespielt und gehört im August

Gelesen

Geradezu erschreckend wenig zum Lesen gekommen. Die angeknabberten Reste aus den Vormonaten weggelesen und immer weiter im Safranski und im Friedell, das hatten wir schon in den Vormonaten, dazu also nichts mehr. Sonst:

Karen Duve: Keine Ahnung. Ein Band mit Erzählungen. Harte Erzählungen, lakonisch erzählt. Kalt und schnell und gut. Sehr gut für Tage mit schlechtem Wetter. Hier war, als ich es las, aber noch allerbestes Wetter, das war ein wenig schade. “Keine Ahnung “ war übrigens ihr erstes Buch.

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Joseph Zoderer: Der Himmel über Meran – Erzählungen.  Das habe ich gelesen, weil ich im nächsten Sommer nach Meran möchte, die Planung daran ist gerade in Arbeit. Das sind bittere Geschichten in zurückhaltender Sprache, eindringlich und vereinnahmend, wie etwas zu kaltes Herbstwetter, das einen im dünnen Übergangsjäckchen erwischt. Verlorene Heimat, sterbende Eltern, Abschiede, das ist thematisch schon weit im November. Einiges gelernt über die Option in Südtirol, das wusste ich alles nicht.

Dimitri Verhulst: Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau. Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten. Ein alter Mann beschliesst, Demenz vorzutäuschen, um seiner Frau zu entkommen.  Das wird, wie bei Verhulst nicht anders zu erwarten, einigermaßen drastisch erzählt, da geht es körperlich zur Sache, das kann bei ihm auch nicht anders sein. Ebenso wie der schnodderige Tonfall nicht anders sein kann, das gehört so. Ich bin im letzten Drittel und habe immer noch nicht verstanden, warum die Hauptfigur die Dame des Hauses nicht einfach verlassen hat, das wäre etwas einfacher gewesen. Hm.

Now reading

Vorgelesen

Ulrich Hub: Füchse lügen nicht. Mit Bildern von Heike Drelow. Da hat Sohn II so lange gedrängelt, bis ich doch angefangen habe, daraus vorzulesen, eigentlich ist es noch gar nichts für ihn (ab acht Jahren empfohlen). Aber gerade das ist natürlich reizvoll und so habe ich mit dem Text begonnen, in dem Tiere in der unterkühlten und nur spärlich möblierten Animal Lounge eines Flughafens sitzen und auf Flugzeuge warten, die nicht kommen. Das wird erst einmal nicht erklärt, das muss man so hinnehmen. Die Tiere führen herrlich absurde Dialoge, hochbegabte Schafe reden im Chor, die Gans sucht dauernd ihren Pass, ein psychotischer Affe wirft Tabletten ein, die Situation wird immer rätselhafter. Man bekommt es nicht heraus, was das soll, es wird keine Lösung nach drei Seiten gereicht. Ein Hund erscheint, der verkündet, dass alle Flüge gestrichen sind, dann taucht auch noch ein Fuchs auf, der laut Vorwort nicht lügt, niemals…

Das ist eine ganz neue Leseerfahrung für Sohn II, eine Geschichte, die nicht erläutert wird, in der alles spannend bleibt, irgendwie lustig ist, völlig rätselhaft, versponnen und absurd. Irgendwie verunsichernd, wenn man aus der sehr klaren Kinderbuchwelt der Kleineren kommt, aber auch verlockend. Ich bin ganz begeistert, er ist sehr, sehr neugierig und wir lesen also weiter. Ein guter Übergang zu neuen literarischen Welten, denn bei einem Siebenjährigen geht natürlich allmählich mehr.

Gesehen

Nichts. Macht nichts. Wobei – vielleicht fällt das abendliche Betrachten meiner Instagram-Timeline in diese Kategorie, ein Ritual, das die Jungs beide sehr schätzen. Und das zu interessanten Diskussionen führt. Warum machen all diese Leute genau diese Bilder? Warum findet man überhaupt ein Bild schön, interessant, lustig oder einfach doof? Und wo ist das alles? Hier wird Instagram zum Erdkunde- und Sach- und Ästhetikunterricht, wir gucken fremde Dinge, Wohnungen, Städte, Länder, Landschaften. Und debattieren, ob wir ein Herzchen vergeben oder nicht und wer das machen darf. Wir sehen Bilder fremder Mahlzeiten und planen dabei das Essen der kommenden Tage, wir sehen fremde Kinderzimmer, Spielplätze und Strände und fragen uns, was gut ist, was Spaß macht, was wie gehört im Leben. Zwischendurch sind wir uns auf Anhieb einig, das ist immer toll. Die Bilder vom Burning Man Festival – grandioses Zeug. Das ist Kunst, aber schön, wie Sohn I sagte.

Ich finde, anhand von Instagram kann man hervorragend Gespräche mit Kindern führen. Nur dass sie dauernd Katzenbilder liken, das ist mir etwas peinlich, immerhin tun sie das in meinem Account. Schlimm.

Gespielt

Crazy Hedgy. Das ist ein Jump-and-Run-Spiel. Offiziell wird es ab 9 empfohlen, ich fand es für einen Sechsjährigen auch in Ordnung. Da steuert man einen Igel durch 3-D-Landschaften, die verblüffend gut gemacht sind. Der Igel rollt durch die Gegend, sammelt Juwelen und verprügelt Pilztypen, man wundert sich bei solchen Spielen ja inhaltlich über gar nichts. Gesteuert wird das am iPad durch Bewegungen des Gerätes. Das geht sehr gut, sehr glatt und flott, ist nicht buggy und macht tatsächlich Spaß. Es gibt 35 Level – das reicht dann auch eine Weile. Hier bei iTunes.

Gehört

Den ganzen Monat einigermaßen ratlos herumgesucht und nicht sehr oft fündig geworden. Nett fand ich z.B. dieses Stück von Koop.

Ansonsten bin ich musikalisch völlig planlos, das kommt ja mal vor im Leben.

 

 

Woanders – der Wirtschaftsteil

Während wir wir noch ganz oft über bio und regio und vegetarisch und vegan nachdenken, ist die Vorhut schon längst weiter und ernährt sich paleo. Paleo unterscheidet sich selbstverständlich grundlegend von allen anderen Richtungen, aber da es eben eine Richtung ist, teilen die Anhänger doch eines mit denen aller anderen Richtungen: Nervtötende Besserwisserei. Paelo hört man immer öfter, das Thema ist längst in Frauenzeitschriften, Kochmagazinen und Foodblogs angekommen, das geht wohl auch so schnell nicht wieder weg. Da geht es kurz gesagt darum, sich wie Jäger und Sammler zu ernähren. In der National Geographic gibt es einen langen, wirklich langen (und englischen) Text mit eingebetteten Filmen dazu. “The evolution of diet”, wer hat wann was und warum und mit welchen Folgen gegessen. Das lohnt sich zu lesen – und das Thema ist so kompliziert, dass sich jeder aus dem Text irgendwo die passenden Argumente heraussuchen kann, um das zu rechtfertigen, worauf er beim Lesen womöglich gerade herumkaut. Passt schon. Wir lassen unten mal zwei, drei Links weg, dann hat man auch genug Zeit für diesen Text, er erhellt nämlich so einiges.

Und irgendwie ist es doch auch amüsant, dass es beim neuesten Trend um die älteste Moden geht. Und was für ein irrer Zufall, dass wir auch beim nächsten Link zum Thema Finanzierung ganz alt und ganz neu kombinieren können.

Wir haben noch einen längeren Text. Aber das ist der vermutlich spannendste Wirtschaftsartikel der letzten Tage, der ist aufregend, faszinierend, unheimlich, den sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen. Es geht ganz banal um Sand.

Dann legen wir noch etwas bei der letzten Woche an, da ging es u.a. um die Preise für Biolebensmittel. Dazu hier ein Interview mit dem Chef von Alnatura. Und noch einen Link können wir anlegen: In der letzten Woche ging es auch um Energiespeicherung unter Ausnutzung der Schwerkraft, in dieser Woche machen wir damit Licht. Immerhin 25 Minuten lang.

Wir haben heute gleich mehrere längere Texte, manchmal reichen aber ganz kurze Artikel, um nachdenklich zu werden, um die Idee im Kopf etwas weiter zu spinnen. Etwa bei der Frage, was der Medienwandel eigentlich mit Bankgeschäften zu tun hat. Ach guck.

Wir haben oben schon den Begriff “Paleo” für einen Ernährungstrend eingeführt, noch etwas informierter kann man sich im Smalltalk zu Ernährungsthemen beim mittäglichen Kantinengang vermutlich mit dem Hauptbegriff aus dem folgenden Artikel geben. Einfach mal die Kollegin oder den Kollegen mit dem Salatteller auf “orthodiätische Askese” ansprechen.

Etwas ganz anderes, hier geht es um einen Traum, eine Vision: Bessere Flüchtlingspolitik. Fast schon satirereif direkt daneben ein anderer Artikel im gleichen Medium: Bayern nimmt keine Flüchtlinge mehr auf. In diesem Zusammenhang wollen wir die sympathische Kleinstadt Meßstetten loben – und zwar nachdrücklich. Im folgenden Artikel geht es zwar nicht um Flüchtlinge, er passt aber dennoch ganz gut dahinter. Es geht um den Missbrauch von Sozialleistungen durch EU-Bürger, die nach Deutschland ziehen. Oder sagen wir besser, es geht um den Nichtmissbrauch.

Zum Ende der allgemeinen Hauptreisesaison schließlich werfen wir noch einen Blick auf den Tourismus und die Folgen, etwa auf den Malediven. Etwas Ernüchterung kann man ja gewiss vertragen, wenn das Berufsleben überall wieder beginnt.

GLS Bank mit Sinn

Motivation

Wissen Sie noch, wie Motivation geht? Wie es ist, wenn man etwas mit richiger Begeisterung macht, mit Lust? Wie es ist, wenn man morgens aus dem Bett springt, weil man sich so dermaßen auf etwas freut, auf ein Vorhaben, auf eine Arbeit, auf irgendwas? Man hat dauernd Phasen, in denen man das ganz vergisst, weil man vom Alltag überrollt wird, vom Mittelmaß, vom Na-Muss-Ja. Die Tage spulen sich gleichförmig ab, man macht hier und da so mit, man geht ins Bett, man steht auf, Wochen vergehen, Jahreszeiten wechseln, der Wecker klingelt schon wieder, man wendet sich mit Grauen ab. Oder einfach mit Langeweile. Ab und zu erinnert man sich dunkel an andere Zustände. Motiviert geht anders.

Es ist mitten in der Nacht, es ist halb vier. Das ist eine äußerst unerfreuliche Uhrzeit, die man lieber nicht auf der Digitalanzeige sehen möchte, selbst hartnäckige Frühaufsteher wie ich möchten das nicht. Ich wache auf, weil Sohn I durch die Wohnung stromert und gegen Wände rennt, ich gehe also lieber einmal nachsehen. Da schlurft ein sehr zerzauster Sohn über den Flur Richtung Toilette, er trägt seinen Wecker, den er sich zum Schulanfang gewünscht hat, unterm Arm und tastet nach dem Lichtschalter.

Ich: “Du trägst deinen Wecker spazieren, wenn du auf Toilette gehst?”

Sohn I: “Ja, er könnte doch jetzt gerade klingeln. Und dann könnte ich zur Schule gehen.”

Und er guckt hoffnungsvoll auf das Ziffernblatt, ob die Zeiger sich immer noch nicht passend zurechtgeschoben haben, dass er endlich wieder in seine Klasse kann.

So geht Motivation. Und es ist ganz nett, sich das ab und zu wieder klarzumachen.

 

Und noch ein Dank…

… und zwar an Thomas, der den Söhnen zu den Geburtstagen sowohl Grisu als auch Elliott, das Schmunzelmonster geschickt hat. Ich freue mich ganz besonders auf Elliott, das habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Herzlichen Dank!