Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wir wollen in dieser Folge etwas mehr auf die soziale Seite der Arbeit sehen, auch auf die Umbüche im Arbeitsleben, die sich natürlich nicht nur durch erfreuliche Entwicklungen in Richtung Grün, Bio, Regio etc. ergeben.

Der Begriff “konzertierte Aktion” klingt irgendwie nach den Neunzigern, da gab es so etwas dauernd, dann hat man es länger gar nicht mehr gelesen, die Phrase hatte wohl Schonzeit. Jetzt fällt sie wieder auf, etwa hier in einem Artikel über intelligente Fabriken, Industrie 4.0 und das Internet der Dinge. Das klingt vielleicht nicht umwerfend spannend, aber der Artikel ist ganz gut geeignet, um die Begriffe zuordnen zu können und eine Ahnung von der Dimension zu bekommen. Und doch, es betrifft uns schon alle. Früher oder später. Wir leben in einem Industrieland, die Industrie ändert sich hier also nicht folgenlos.

Was uns auch betrifft: Big Data hat einen Einfluss auf die Preise, die wir zahlen, im Supermarkt und anderswo. Dazu ein ziemlich faszinierender Text in der Zeit.

“Die Branche der Informationstechnologie gilt mittlerweile als zweitgrößter industrieller Arbeitgeber Deutschlands.” Das ist einem gar nicht unbedingt bewusst, aber so ist es und das hat auch etwas mit Arbeitsrecht zu tun, wenn man drüber nachdenkt.

Nun ist Arbeitsrecht natürlich so ein Gähnkrampfalarmthema und die Meldungen dazu oft nicht wirkliche Hingucker. Manchmal aber doch, so wie hier, und dann stehen sie vielleicht stellvertretend für breite Entwicklungen. Und sie müssen einem auch nicht gefallen, diese Entwicklungen. In Blogs und in den sozialen Medien spielt das Thema Arbeitsrecht aber eher keine Rolle, es sei denn, man kann sich kollektiv über den Streik der Lokführer oder der Piloten echauffieren. Der Müllabfuhr und anderen würde es vermutlich nicht anders ergehen; Sympathien bringt man noch am ehesten streikenden Amazon-Beschäftigten entgegen. Es ist interessant, ab welchem Punkt  man einem Streik auch bei anderen Branchen wieder mit Verständnis begegnet. Vielleicht bei den Erzieherinnen? Wobei es auch dazu nicht gerade viel zu lesen gab. Aber etwas dann doch.

Und vom Gehalt der Erzieherinnen kommen wir zur Gentrification oder allgemeiner zur Entwicklung der Städte. Die findet nämlich zusehends ohne Erzieherinnen statt, das regelt sich ganz von selbst, einfach durch das Verhältnis Gehalt/Miete. Eine nicht ausgesprochene, nicht verordnete, vielleicht nicht einmal gewollte Ausgrenzung – aber es ist eine Ausgrenzung.  Und Ausgrenzung ist immer wieder ein Thema, wenn es um Arbeit und Arbeitsrecht geht, das betrifft übrigens auch die Branchen, mit denen wir uns hier sehr oft beschäftigen. Da kann man sich etwa fragen: “Warum ist die Energiewende eigentlich so männlich?

Ausgegrenzt sind auch die Empfängerinnen geringer Renten und andere Menschen mit sehr wenig Geld, und es ist bezeichnend, dass zu diesem Thema satirische Meldungen erscheinen, bei denen man sich irgendwie überhaupt nicht wundern würde, wenn sie wahr wären. Kein Einzelfall übrigens, diese Pointe bietet sich wohl gerade an – und das sagt doch auf jeden Fall etwas aus.

Zum Schluß ein Link, der Technik und Innovation mit Kultur verbindet, ob gelungen oder nicht, das wird sich noch zeigen. Charmant ist die Idee des Verlages Voland & Quist aber allemal, Kurzgeschichten einfach per Abo und per App zu verkaufen. Dazu ein Text im Börsenblatt.

GLS Bank mit Sinn

Keiner weiß, wie es geschah…

… plötzlich war sie nicht mehr da. Die Zeit nämlich. Ich frage mich schon seit Wochen, wie genau es passieren konnte, ich habe tatsächlich schon mit der Herzdame sinnend vor dem Familienkalender gestanden und nachgegrübelt, was da genau wann passiert ist, aber so ganz verstehen wir es auch im gemeinsamen Bemühen nicht. Tatsache ist aber, dass wir, seit Sohn I auf der Schule ist, also in einer anderen Institution als Sohn II, viel weniger Zeit für alles haben. Vielleicht ist es auch gar nicht viel weniger, aber doch genau so viel weniger, das nichts mehr zusammenpasst. Ich habe es selbst in den Babyzeiten geschafft, regelmäßig zu schreiben, im Moment passt das aber nirgendwo mehr hin. Ich habe angefangene Blogeinträge von vor drei Wochen, bei denen ich schon nicht mehr weiß, was ich einmal sagen wollte, so etwas kenne ich gar nicht. Ich müsste dringend mehr Sport machen, ich möchte dringend wieder Geschichten schreiben – es klappt einfach nicht und ich habe das obskure Gefühl, mir selbst und meinen Plänen hinterher zu laufen wie der Hund seinem Schwanz.

Die Söhne haben natürlich zusehends mehr getrennte Wege, Termine und Pläne, das erfordert immer öfter den gleichzeitigen Einsatz von Mutter und Vater, womöglich sogar in verschiedenen Stadtteilen, das ist ein Tel des Problems. Andererseits ist aber Sohn I jetzt jeden Tag bis 16 Uhr in der Schule, schönste Verlässlichkeit. Ich hatte angenommen, das würde alles etwas erleichtern. Aber denkste. Es liegt nicht an unseren Berufen, es liegt auch nicht an den Projekten, nicht an “Was machen die da” oder dem Wirtschaftsteil, es ist eher ein wenig so, als wäre ein ökologisches System komplett aus den Fugen geraten, weil etwas Neues hinzugekommen ist, nämlich die Schule. Oder es gibt tatsächlich Zeitdiebe und ich lebe ein Kinderbuch, das kann natürlich auch sein. Gestern abend wollte die Herzdame “nur mal kurz” über anstehende Termine reden, dann saßen wir ganze zwei Stunden lang angestrengt nachdenkend vor dem organisatorischen Gesamtkunstwerk der nächsten Woche, das kann doch so nicht richtig sein?

Mit den Terminen ist es wie mit der Gierschbekämpfung im Garten, je mehr man wegrodet, desto mehr wächst nach, das ist eine der Horrorerinnerungen an meine Zeit auf dem Land. Damals haben meine erste Frau und ich nach Jahren des sinnlosen Unkrautabwehrkampfes beschlossen, den verdammten Giersch einfach wachsen zu lassen, Naturgarten ey, wird schon passen, wir passten eh nicht zu den Nachbarn mit dem raspelkurzen Rasen. Und das Zeug wuchs und wuchs wie verrückt, es waren starke, vitale Pflanzen, es war beeindruckend. Der Garten sah dann aber gar nicht nach lauschigem Naturgarten aus – sondern nach kommerziellem Gierschanbau. Und so ist es mit den Terminen auch, wenn man sie wachsen lässt, entsteht kein brauchbarer Alltag, sondern eine Art fortgeschrittener Timeslotwahnsinn. Und weil solche Vergleiche manchmal auch zielführend sind, habe ich nachgelesen, wie man Giersch heutzutage erfolgreich bekämpft, das ist ja womöglich auf Termine übertragbar. Und tatsächlich! Es ist pappeinfach. Giersch wird bekämpft, in dem man kein Licht an die Erde kommen lässt. Einfach alles abdunkeln, dann ist es um ihn geschehen.

Zur Bekämpfung des Terminwahnsinns also einfach im Bett bleiben, womöglich mit der Decke über dem Kopf und geschlossenen Vorhängen, das ist doch eine Maßnahme, auf die man sich einlassen kann, das klingt auch ganz logisch. Wer schläft, terminiert nicht! Fast hätte ich mich gefreut, allerdings steht im nächsten Absatz auf der Gartenratgeberseite, dass man die Verdunkelung etwa zwei Jahre durchgehend anwenden soll. Und das ist dann doch etwas problematisch.

Ich denke weiter über das Problem nach. Wenn ich dazu komme.

 

Woanders – diesmal mit Schiefertafeln, beweglichen Kindern, Vögeln und anderem

Schule: Herr Larbig denkt über “Bring your own device” in Schulen nach. Das hat was, was er da zusammenträgt, aber der Vergleich mit den Heften und Schiefertafeln, den er im Text bringt – ich weiß ja nicht.  Es gibt in der Elternschaft so eine massive antimoderne Strömung, vermutlich würden sie reihenweise Schiefertafeln begeistert begrüßen. Zumindest in Hamburg.

Hamburg:  Natürlich klagen die Anwohner in Harvestehude gegen  das neue Flüchtlingsheim. “Insbesondere Kinder mit ihrem Bewegungsdrang werden zu einer erheblichen Unruhe führen.“ Natürlich.  Außerdem werden sich die einquartierten Menschen dort evtl. auch außerhalb des Gebäudes aufhalten. Muss man sich mal vorstellen. Ts. Dazu ein Text von Oliver Driesen, der alles aufgeschrieben hat, was mir so oder ähnlich auch durch den Sinn ging.

Feuilleton: Ich bin nicht gerade der leidenschaftlichste Naturfreund, ich gehe ja nicht einmal gerne raus, aber diese Rezension zu einem Buch über Vögel klingt so, als würde es auch mir gefallen. Man beachte den Spaß mit den Seitenzahlen – sehr schöne Idee.

Feuilleton: Wie der Herr Gutenberg aussah.

Feuilleton: Ein beeindruckender Text über Holly Johnson. Doch, den kennen sie.

Lübeck: Ja, Lübeck. Meine Heimatstadt. Da hat jemand von der AfD sich in Wort und Meinung vergriffen, das kam nur an die Öffentlichkeit, weil die LN, die Lübecker Nachrichten darüber geschrieben haben. Das ist eine Zeitung, die ich schon mein ganzes Leben lang kenne, das ist eine Zeitung, für die ich auch zu schreiben die Ehre habe. Diese Zeitung wird von der AfD jetzt als “linkes Kampfblatt” bezeichnet, weil sie das aufgedeckt hat. Und mein innerer Achtzehnjähriger, der liebend gerne für linke Kampfblätter geschrieben hätte, er jubelt und seufzt: “Das ich das noch erleben darf!” Manchmal dauert es eben länger. Es ist so schön.  Hier die taz zu der Story und hier die Original-Meldung in den Lübecker Nachrichten.

Irgendwasmitmedien: Bei Borrowfield wird der Onlinekauf einer Zeit durchgespielt. Fast.

Irgendwasmitsozialenmedien: Falk erklärt, warum er seine Kontakte nicht kategorisieren kann. Nur eine Frage der Zeit, bis jeder sich diese Frage einmal gestellt hat oder weiterhin dauert stellt.

Mode: Eine Bloggerin näht das Kleid, das die Herzdame neulich bei den Double Choc Muffins getragen hat, einfach mal nach. Das muss toll sein, so etwas zu können.  Wäre der Artikel mit dem Kleid bei mir bezahlte Werbung gewesen, ich würde ihn als den Erfolg schlechthin feiern, da mittlerweile doch etliche Leserinnen dieses oder andere Kleider des Herstellers gekauft haben und das Thema sich immer noch in den Timelines hält. Es war aber gar keine bezahlte Werbung, ich habe mit der Firma nicht einmal jemals Kontakt gehabt. Und wer weiß, hätte “Werbung” drüber gestanden, das wäre so vielleicht gar nicht eingetreten. Es ist wirklich kompliziert.

Fotografie: “Fifty Shrinks” – man denkt, es sind Kinokulissen, aber die Praxisräume von Therapeuten in New York scheinen wirklich so auszusehen.

Fotografie: Menschen hinter Busscheiben. So einfach, so großartig. Gefunden via Kwerfeldein.

 

 

Bagel mit gegrilltem Lachs, Frischkäse & Senf-Honig-Sauce

Die Fortsetzung zu diesem Artikel.

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Wir haben dann tatsächlich beim ersten Lesezeichen im Buch “Auf die Hand” angefangen, auch wenn es nicht von Sohn I, sondern von der Herzdame kam. Und wenn man schon beschließt, dass man weniger Zeit am Schreibtisch verbringen möchte, dann kann man auch Bagels selber machen. Mal eben. Quasi.

Die Herzdame musste arbeiten, die Söhne und ich standen wild entschlossen in der Küche. Bagels selber zu machen, das kam beiden ziemlich großartig vor, da Bagels zu diesen Produkten gehören, die man immer nur fertig belegt in Coffeeshops sieht, wo sie in Gold aufgewogen über die Theke gehen. Es war ihnen tatsächlich nicht klar, dass man überhaupt auf die Idee kommen kann, so etwas am eigenen Herd herzustellen. Man kann aber. Und nach einem einigermaßen spektakulären Erfolg kann ich auch gleich sagen, dass man das sogar öfter machen kann.

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Wir haben acht Bagel gemacht, die machen mit dem Frischkäse und dem Lachs ziemlich satt, die haben für vier hungrige Personen gereicht, mehr ist nicht zu schaffen und es blieb etwas übrig. Man braucht:

450 g Mehl
½ Würfel Hefe
250 ml lauwarmes Wasser
1 EL Zucker
2 EL Olivenöl
1 Eigelb
1 EL Sahne
2-3 TL Sesamsamen
Salz

Wir haben das Rezept ohne Sesam gemacht, ich gebe hier dennoch die Originalversion wieder. Das Mehl wird in eine Schüssel gesiebt, keine Ahnung warum. Mehl macht auf mich immer einen ohnehin ziemlich gesiebten Eindruck, aber ich bin kein Experte. Aber da ich tief in mir drin auch ein Revoluzzer bin, habe ich das Mehl in Wahrheit gar nicht gesiebt. Hat nichts ausgemacht, aber sieben Sie ruhig, wen sich das für Sie besser anfühlt. Die Hefe wird mit Wasser und Zucker glatt gerührt. Dann soll man eine Mulde in das Mehl drücken und die Mischung dort hineingießen. Ich musste aber erst mit zwei Sandburgbauspezialexperten den Begriff Mulde diskutieren. Mulde in Abgrenzung zum Loch, zur Höhle, zur Delle, was ist da was? Steht das nicht im Buch, nein? Wie tief ist eine Mulde? Und wo ist der Bezug zum Muldenkipper und macht man Mulden mit dem Finger, mit der Faust, mit dem Ellenbogen? Und nimmt Sohn II wohl bitte sofort den Fuß aus der Schüssel? Es ist komplizierter, als man denkt.

Im Rezept steht, man soll die Flüssigkeit in die Mulde gießen, in der Mulde dann einen kleinen Vorteig anrühren und mit dem Mehl von der Seite bedecken. Das ist die schöne Theorie, bei uns war nach dem Gießen alles komplett geflutet, so dass wir aus dem ganzen Zeug einen Vorteig angerührt haben, das ging gar nicht anders – aber das hat der Sache auch nicht geschadet, die scheint tatsächlich einigermaßen idiotensicher zu sein. Die Schüssel soll dreißig Minuten an einem warmen Ort stehen. Also Heizung in der Küche anmachen und ab ins Kinderzimmer.

Olivenöl und Salz in die Schüssel geben und alles wird mit dem Knethaken fünf Minuten durchgearbeitet. Das geht nicht ganz leicht, für die Söhne war das eher nichts, der Teig ist etwas schwergängig. Dann macht man, großes Kinderglück, mit bemehlten Händen eine Kugel aus dem Teig und lässt schon wieder alles dreißig Minuten lang gehen, den Teig, sich und den Tag. Ab ins Kinderzimmer oder aufs Sofa.

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Die Kugel wird auf einer bemehlten Fläche in acht gleichgroße Portionen zerteilt, eine schöne Aufgabe für Erstklässler und Kitakinder. Dabei zeigt sich, dass die Teilung durch acht überhaupt kein Problem ist, die Variante gleichgroß aber vollkommen unerreichbar. Egal.

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Jetzt kommt der eigentlich spannende Teil, man durchstößt eine Teigkugel mit einem bemehlten Kochlöffelstiel und lässt sie um den Stiel wirbeln, wobei sie auf dem Tisch liegenbleibt. So aus dem Handgelenk. Womöglich geht das auch in der Luft, ich fand es auf dem Tisch ganz einfach. Die Söhne konnten das nicht, diesen Dreh aus dem Handgelenk, den bekamen sie nicht hin. Ich konnte das sehr, sehr gut, quasi Naturtalent. Ich mache jetzt öfter Bagel, es ist doch immer schön und beruhigend, wenn man in meinem Alter noch Begabungen an sich entdeckt. Und dann gehen die Kugeln schon wieder dreißig Minuten, das Rezept ist ein klein wenig zeitaufwändig, wie vielleicht allmählich auffällt. Aber im Grunde doch simpel. Ab ins Kinderzimmer oder aufs Sofa, der Teig geht vielmehr als man selbst an diesem Nachmittag.

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In einem großen Topf Salzwasser aufkochen und die Bagels auf jeder Seite dreißig Sekunden brühen, ich habe das mit einem Schaumlöffel einzeln gemacht. Dabei riecht es schlagartig nach Coffeeshop und Snacktheke, ein schöner Effekt, das fühlt sich an, als sei man auf dem richtigen Weg.

Eigelb und Sahne verrühren, die Bagels damit anpinseln und mit Sesam bestreuen. Das haben wir zwar nicht gemacht, wir haben die Bagels aber dennoch mit Eigelb angepinselt, weil das nämlich Spaß macht. Fand Sohn II. Danach müssen die Bagels wider Erwarten nicht schon wieder dreißg Minuten gehen, nein, danach kommen sie in den Ofen, bei zweihundert Grad fünfundzwanzig Minuten auf der zweiten Schiene von unten. Da geht man aber nicht ins Kinderzimmer oder aufs Sofa, da macht man den Rest fertig.

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Währenddessen also schnell genug Lachsfilet für vier Personen grillen oder braten, das geht sehr schnell. Ein halbes Bund Schnittlauch kleinteilig zerlegen und mit vier EL Honig und 4 EL grobem Senf verrühren, fertig ist die Sauce, das kann man den Kindern überlassen, gar kein Problem.

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Einen fertigen Bagel aufschneiden, mit Frischkäse bestreichen, mit ein wenig Salat belegen, zerteilten Lachs drauf, Sauce drauf, zusammenklappen. Das geht alles sehr flott. Restlicht suchen, Fotos machen, essen.

Wobei das Verspeisen der Bagels nicht ganz einfach ist, aber das ästhetisch annehmbare Essen eines Bagels ist womöglich eine hohe Kunst, die wir hier einfach nicht beherrschen. Oder, wie die Herdzame sagte: “Es müsste eher “Runter von der Hand” heißen.” Aber es blieb ja in der Familie, da konnten wir ruhig ein wenig herumsauen. Die Bagels sind unfassbar lecker, das ist hervorragend gutes Essen, das hat hier alle positiv überrascht: “Das ist ja RICHTIG gut, Papa!” Ich denke noch darüber nach, was das über meine Küche an anderen Tagen aussagt. Besser als im Coffeeshop war das allemal, schon weil die Zutaten noch warm sind und weil selbstgeformte Bagels nun einmal besser schmecken.

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Das kann ich jedenfalls zur Nachahmung sehr empfehlen. Von der Schweinerei beim Essen abgesehen, ist es auch ein betont gästetaugliches Essen, das macht schon etwas her. Und man kann beim nächsten Coffeeshopbesuch nebenbei darauf hinweisen, dass die eigenen Bagels doch um Längen besser… doch, darauf freue ich mich.

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Auf die Hand

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“Auf die Hand – Fingerfood und Abendbrote” ist das neue Kochbuch von Stevan Paul, den kennt man von da, ich habe hier im Blog auch diverse Gerichte aus seinem “Deutschland vegetarisch” nachgekocht. Die Fotografien im Buch sind von Daniela Haug. Ein prachtvoller Wälzer, ich mag es ja sehr, wenn Kochbücher ordentlich dick sind. Dieses Buch, das kann man gleich vorweg sagen, macht etwas her, ein schön gestalteter Brocken, der eignet sich bestens als Weihnachtsgeschenk für Menschen mit Interesse an Food-Themen. Oder auch für Menschen mit periodisch auftretendem Hunger.

Ein Kochbuch zur neuen Brotkultur, so steht es hinten drauf, es geht also um Burger, Bagels, Sandwiches usw., da kommt eine Menge, eine wirklich beeindruckende Menge an Möglichkeiten zusammen. Snacks und Mahlzeiten aus aller Welt zum Nachbauen, Nachkochen, Nachbasteln. Also dieses ganze Zeug, das man in den hippen Vierteln der Millionenstädte jetzt immer öfter an Foodtrucks kaufen kann, quasi Slow-Fast-Food. Das klingt fast so sinnvoll wie Nordostwestfalen, es trifft aber doch den Kern.

Vom Kochen abgesehen ist das Buch aber auch äußerst lesbar, da kann man prima kurz reinblättern, etwas hängenbleiben und zack, sind zwei Stunden vorbei und man hat sowohl etwas gelernt als auch ein massives Hungerproblem. Da werden nämlich zu den Rezepten auch jeweils kurz die Geschichten erzählt, wie kam es eigentlich zu Pommes, wie zu Bagels, zur Currywurst oder zum strammen Max. Das unterhält bestens, selbst wenn niemand im Haushalt die Absicht hat, einen Burger zu bauen. Zum Buch gibt es übrigens auch ein Blog, das findet man hier.

Bei uns hat das Buch außerdem für eine besondere Premiere gesorgt. Und das kam so.

Als das Buch ankam, hat Sohn I die Post aufgemacht und sich das dicke Buch also als Erster angesehen. “Aaaaauuuuf – d d iiiiiiii Haaaaan – d” – so klingt es in etwa, wenn Erstklässler nach wenigen Wochen Schule lesen, das klappt ganz gut und niemand wundert sich mehr über das Ergebnis , als die Schüler selber. “Auf die Hand! Da steht auf die Hand! So heißt das Buch! Hab ich gelesen! Ha!” Dann hat er etwas nachgedacht und irritiert gefragt: “Man kann doch aber auch Teller nehmen?” Am Ende haben wir ihm also doch so etwas wie Tischkultur vermittelt, es ist faszinierend und überraschend.

Kurz darauf kam aber Besuch und das Buch war erst einmal wieder vergessen. Bis ich ihn abends in Bett brachte, er noch einmal in die Küche ging, um sich ein Getränk zu holen und einfach nicht wieder kam. Sehr, sehr lange nicht. Ich hörte nur ab und zu so etwas wie “Oh!” und “Au ja” und “Ja, das auch noch” und “yessss” aus der Küche. Dann kam er irgendwann zurück ins Kinderzimmer, hatte “Auf die Hand” unterm Arm und sagte sichtlich beeindruckt: “Papa, das ist ein tolles Kochbuch, das ist wirklich, wirklich gut. Da sind sogar Pommes drin.” Dann hat er Zettelchen und Postkarten ins Buch gesteckt, bei all den Gerichten, die er probieren möchte. Das sieht jetzt so aus und könnte in der Gesamtheit zeitlich etwas anspruchsvoll werden:

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Allerdings hat er die Zutatenlisten zu den Rezepten dann doch nicht durchgelesen, da werden sich etliche Rezepte wieder von selbst erledigen, wenn er erst erfährt, was jeweils alles an Gemüse und anderen Schrecknissen dazu gehört. Aber egal, das Interesse war geweckt, schon am nächsten Tag wollte er mir unbedingt beim Kochen helfen, obwohl es gar nichts aus dem neuen Kochbuch gab. Und weil er helfen wollte, half auch Sohn II, der nicht umsonst immer hofft, bei den Aktionen von Sohn I etwas lernen zu können. Ich habe ihnen an diesem Abend gezeigt, wie man Fischfilet paniert, nachdem Sohn I nachgesehen hatte, ob auf der Packung auch wirklich “bio” stand. Er ist da gerade sehr kritisch, nachdem ich ihm neulich das mit meinem Wirtschaftsteil erklärt und ein paar Texte daraus teilweise vorgelesen habe.

Paniert habe wir den Fisch also, mit Mehl, Ei und Semmelbröseln, ganz klassisch. Das fanden die Söhne sehr interessant und sie haben sich auch wirklich Mühe gegeben. Sie haben erst die Fische paniert, dann erstaunlich viel von sich selbst und leider auch verblüffend viel von der Küche. Aber das ist es vermutlich wert. Sie haben die Fische hinterher mit mir gewürzt und gebraten und gesehen, was dabei aus der Panade wird, wie das alles zusammenhängt, vom Mehl bis zum Teller. Und damit verstehen sie vermutlich schon mehr vom Kochen als heutzutage einige Erwachsene. Und zum allerersten Mal trat auch bei uns endlich, endlich der Effekt ein, von dem alle immer reden, der in jedem Kinderkochbuch steht und der sich bis jetzt noch nie bewahrheitet hatte – die Kinder wollten unbedingt essen, was sie zubereitet haben. Ich hoffe, dieses Interesse hält an, dann wird hier jetzt öfter zu dritt gekocht.

Es ist eine Riesensauerei, der Anblick der Küche hinterher greift mir ans Herz, es dauert viel zu lange – aber es macht Spaß. Und da ich schon wieder in den letzten Monaten viel zu viel Zeit am Schreibtisch verbracht habe und es dort allmählich nicht mehr ertrage, stelle ich mich jetzt gerne auch einmal länger in die Küche.

Sohn I: “Papa, morgen kochen wir aber was aus dem neuen Buch!”
Ich: “Gerne, machen wir. Was denn?”
Sohn I: “Warte, ich suche was heraus, Moment – da steht: GRA…VED…LACHS… MIIIIIIIIT GIN. Hä, das ergibt doch gar keinen Sinn? Was soll denn das sein?”
Ich: “Na, vielleicht geht auch etwas anderes.”

Und das andere gibt es dann morgen auch hier im Blog. Es sieht in etwa so aus:

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Woanders – Der Wirtschaftsteil

Die Textilwirtschaft ging wieder durch die Medien. Nicht mit Mode, nein, mit einem Nein. Nein, wir können nicht, nein, wir wollen nicht, nein, wir mögen lieber nicht – etwas für die Textilarbeiterinnen in Bangladesch und anderen Staaten verbessern. Passt gerade nicht, das muss man verstehen. Bei einigen passt es dann aber doch, Vaude z.B. ist mit an Bord, aber die sind auch sonst etwas anders. Man würde gerne noch mehr und noch größere Beispiele finden. Im erstverlinkten Text findet man auch eine Liste der teilnehmenden Hersteller.

Der Textilkonsum bei den Billiganbietern, das massenhafte Kaufen von immer neuen Stücken, es wirkt übrigens nach dem Kauf wieder zurück in schwächer entwickelte Länder, etwa wenn die abgelegte Kleidung von uns auf Märkten in Afrika landet. Es ist kompliziert, die Kausalketten des Konsums enden bei Kleidung keineswegs in der Einkaufstüte.

Ein Textilbündnis geht den Konzernen also schon zu weit, gegen TTIP haben viele Unternehmer aber nichts. Nur hin und wieder liest man Meldungen, in denen es um Widerstand gegen TTIP aus der Wirtschaft heraus geht – etwa hier beim Buchhandel.

Ein großer Name in der Geschichte der Konzerne und großen Firmen ist sicherlich John D. Rockefeller. Ein Mann, der heute aus dem Ölgeschäft aussteigen würde – das behaupten zumindest seine Erben und wenden sich erneuerbaren Energien zu. In diesem Zusammenhang ist auch Desmond Tutu interessant, an den man sich vielleicht noch aus ganz anderen Zusammenhängen erinnert. Auch er denkt über Öl nach.

Da passt ein neuer Smalltalk-Begriff, den wir schnell einbauen: Die Positiv-Maut. Da ist keine orwellsche Wortverdrehung aus Bayern, wie man zunächst annehmen könnte, das ist ein verkehrspolitisches Experiment aus einer Kleinstadt in Norwegen. Und wenn wir schon bei Vokabeln sind, werfen wir gleich noch ein neues Wort aus dem Englischen hinterher – to copenhagenize. Man ahnt es gleich, da geht es um Radwege und die Stadt, aus der das kommt, ist Pittsburgh (englischer Text) .

Über Verkehr denkt auch der Herr Dueck nach, einer der Menschen, die beruflich unentwegt über Wirtschaftsthemen grübeln. Er schreibt einen lesenswerten Rant gegen das Lachen über Google – das klingt zwar nicht so, aber da geht es um Autos und Verkehr. Aber auch um den ganzen Rest. Um den ganzen Rest im Management, der disruptive Innovation nicht versteht (wer den Begriff nicht kennt: bitte kurz hier entlang) und deswegen vielleicht mit seiner Firma, seinem Produkt, seiner Marke grandios an der Gegenwart scheitert.

Diesen Scheiternden kann man immerhin einen wertvollen Tipp mitgeben. Sie sollten sich in Kürze nach Berlin begeben, weil Berlin “so eine großartige Scheiter-Infrastruktur hat”. Das sagen nicht wir, das sagt Regine Heidorn, die das Barcamp des Scheiterns erfunden hat, eine ganz wunderbare Idee. Hier ein kleines Interview mit ihr, das Barcamp findet schon in wenigen Tagen statt – natürlich in Berlin.

Zum Schluss auch einmal etwas Nettes zu einem Thema, das hier immer wieder vorkommt. “Wie kann ich helfen?” ist ein Blog, das Hilfsangebote und unterstützende Projekte für Flüchtlinge in ganz Deutschland listet und wenn man da so runterscrollt, ist das doch etwas erfreulicher, als immer wieder die Nachrichten zur anwachsenden Fremdenfeindlichkeit, zu nicht vorhandenen Unterkünften und zu schlechter Behandlung zu lesen.

GLS Bank mit Sinn

 

Woanders – diesmal mit Trakl, Kafka, Selfies und anderem

Schule: Nico Lumma bei 140 Sekunden über seine Elternabendtweets. Ich twittere bei Elternabenden übrigens eher nicht, weil mich mittlerweile doch ein paar mehr Leute in unserem Stadtteildorf lesen und richtig böse Scherze hier sicher gleich die Runde machen würden. Das Internet ist als Lästerecke nur noch bedingt brauchbar, finde ich.

Schule: Ein Artikel in der Zeit über das komplexe Thema Hamburger Stadtteilschulen. Mir kommt es ein wenig so vor, als hätte mehr und mehr Eltern Angst, ihre Kinder könnten durch falsche Beschulung womöglich entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch nur normale Menschen werden, keine Ausnahmetalente, Leuchtraketen, Wundertäter.

Familie: Das Nuf über Mama-Leaks. Es gibt vermutlich keine Mutter und keinen Vater, die dazu nicht Geschichten beitragen können. Und die meisten werden tatsächlich mehr oder weniger schmerzhaft gelernt haben, mit einer Sicherheitslücke in Metergröße umzugehen.

Gesellschaft: Ich mag es ja sehr, wenn Frau Novemberregen telefoniert.

Gesellschaft: “In zehn Jahren sind hier alle tot oder weg.” Eine Reportage aus Brandenburg.

Feuilleton: In der NZZ geht es um Kafkas frühe Jahre. Ich habe ja eine schwere Kafkaunverträglichkeit, bewundere ihn aber dennoch. Doch, das geht.

Feuilleton: Beim österreichischen Datum reist man Grodek hinterher, also dem Trakl, dem “Am Abend tönen die herbstlichen Wälder…” Sie kennen das sicher, wer kennt das nicht. Kommt das heute noch in jedem Lesebuch vor? Schreiben Schüler heute noch Trakl-Parodien mit einer schier unerträglichen Überdosis Herbst und Glanz und Gold und Dämmer und der bebenden Magd im Hain? Wahrscheinlich doch. Ist auch richtig so, finde ich. Er war eben ein ganz Großer.

Fotografie: Ein ganz wunderbarer Rant über die Selfie-Seuche. Ganz meine Meinung. Aber bitte, es ist ein freies Land, hier kann jeder machen, was er will. Im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, versteht sich.

Fotografie: Zehn Meisterwerke der zeitgenössischen Bahnfotografie.

Hamburg: In der Zeit ein Bericht, warum die Kurden in Hamburg zu den Waffen greifen. Wobei da sicher keineswegs nur Kurden zu den Waffen gegriffen haben, um Irritationen gleich zu vermeiden. Die erwähnten Krawalle fanden jedenfalls nur wenige hundert Meter von meinem Schreibtisch entfernt statt; ich hatte einige Mühe, Sohn I am nächsten Tag beim Passieren der einsatzbereiten Wasserwerfer in den Nebenstraßen zu erklären, dass hier kein Krieg ausgebrochen ist. Und ich war auch nur mäßig erfolgreich. Aus Kindersicht verschwimmen die Konflikte in der Ukraine, in Syrien, im Irak, in Palästina, in Nigeria usw. gerade zu einem großen Um-uns-herum-Krieg, der sich gar nicht mehr so weit weg anfühlt.

Nordostwestfalen: Der OWL-Namensgenerator. Und immer bedenken – sie heißen da wirklich so.

Küche: Italien am Abend. Währenddessen warten hier neben mir neue Kochbücher. Schlimm.

 

Eltern und Möbel

Es folgt ein Gastbeitrag von Patricia Cammarata. Die kennen Sie entweder von ihrem eigenen Blog oder von ihrem letzten Artikel bei mir – nämlich hier. Sie schreibt bei mir eine Reihe, in der es darum geht, was sich für Erwachsene durch Kinder ändert. In dieser Folge geht es um Möbel, wozu ich kurz anmerken möchte, dass wir es hier gerade aufgegeben haben, abendfüllend über die Kinderzimmereinrichtungsplanung nachzudenken oder uns fortwährend zu grämen, dass wir nur ein Kinderzimmer haben. Es ist egal. Weil die Kinder sowieso nie darin sind. Sie schaden lieber dem Rest der Wohnung.

Jetzt Patricias neuer Text:

Dass sich die meisten Menschen erst jenseits der Dreißig entscheiden Kinder zu haben, ist rein möbeltechnisch ein Fehler. Im Grunde müsste man zu Studentenzeiten Kinder bekommen. Das ist die Zeit, in der alle Möbel gebraucht und billig sind. Die meisten Möbelstücke haben abgeschlagene Ecken, Kratzer, Farbflecken, der Stoff ist abgewetzt und sie müffeln ein wenig. Ideal für Kinder. Denn wann man Kinder hat, sehen die Möbel nach wenigen Jahren genau so aus.

Dummerweise bekommen viele (zumindest Akademiker) Kinder aber erst wenn sie einige Jahre berufstätig sind. D.h. die Studentenmöbel sind schon lange zur Mülldeponie gefahren, die Mitgift in die Ersteinrichtung der Wohnung investiert. Womöglich hat man sich vorher noch die Mühe gemacht, hochwertiges Holzparkett verlegen zu lassen.

Weil alles so teuer war, behandelt man es sehr pfleglich. Ich habe mir damals zum Beispiel ein gigantisches Sofa geleistet. In strahlend orange. Drei Meter lang und so breit, dass man die Füße nicht auf den Boden stellen kann, wenn man sich mit dem Rücken anlehnte. Es war wunderschön. Bespannt mit einem ganz exquisiten Material. Damit es keine Flecken bekommt, habe ich es mit Plastikfolie überzogen. So war ich entspannter. Man möchte ja nicht jedem Gast auf den Po schauen, ob da nicht etwas klebt, das Flecken machen könnte. Auf unsere frisch abgezogenen und gewachsten Holzdielen, habe ich vorsichtshalber Malervlies gelegt. Im Eingang musste natürlich alle ihre Schuhe ausziehen und ich saugte ihnen vorsichtshalber nochmal die Füße ab. Händewaschen nicht vergessen!

Jedenfalls. Unsere Wohnung war wunderschön. Wunderwunderschön. Wie eine Doppelseite aus der Schöner Wohnen ausgeschnitten. Spartanisch mit sehr klaren Strukturen.

Dann wurden die Kinder geboren. So lange sie sich nicht bewegten und man ihnen einfach eine Decke unterlegen konnte, war alles wie immer. Doch dann wurde aus einem Säugling ein mobiles Baby und aus dem Baby ein beschmiertes Kleinkind. Mit Rotznase und Klebehänden. Und der Fähigkeit Filzstifte zu tragen und eine Kinderschere zu bedienen, mit der man kleine Löcher in Schutzfolie schnippeln kann.

Und plötzlich versinkt die Wohnung im Chaos und die Möbel sehen wieder aus wie zu Studentenzeiten. Überall Flecken, Fingerabdrücke und Sand. Die Regale ausgeräumt, die Dekoartikel verschleppt oder umfunktioniert. Spielsachen überall.

Als wäre das nicht genug, tauchen plötzlich sogenannte “praktische” Möbelstücke auf. Die allerschlimmsten unter diesen Möbelstücken sind Höckerchen. Jedes Kind hat bei uns ein Höckerchen. Das Höckerchen soll die Selbständigkeit fördern und ist im Prinzip eine gute Sache. Die Höckerchen werden durch die Wohnung geschleppt. Vom Waschbecken in die Küche ins Kinderzimmer. Denn wenn man einen Meter groß ist, ist im Grunde alles zu hoch und ohne diese Hocker bleibt das meiste unerreichbar.

Das ist ja auch alles sehr schön. Selbständig Zähne putzen, helfen den Tisch zu decken, Sachen aus dem Kühlschrank holen, CDs aus dem Regal kramen.

Nur leider bereiten diese Hocker so unfassbare Schmerzen. An den Zehen und je nach Kindergröße (kleine Kinder, große Schemel – große Kinder, kleine Schemel) an den Schienbeinen. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich bereits an diese Hocker gestoßen bin. Manchmal falle ich auch von einem in den anderen. Ich renne eilig in die Küche, stoße mir den kleinen Zeh an dem ersten Hocker, mache schmerzerfüllt einen Ausfallschritt und lande mit dem Schienbein im zweiten Hocker, von wo aus ich wie ein gefällter Baum in Zeitlupe zu Boden falle. Manchmal schlage ich mir auch noch den Kopf an der Heizung an und während mein Körper ein einziger gellender Schmerz ist, kommen die Kinder schimpfen: Mama! Du hast schon wieder Schimpfwörter gesagt! Ganz schlimme!

Ich liege nach Luft schnappend auf dem Boden und versuche mich zu rechtfertigen, und tief in mir drin hasse ich Holzschemel.


Patricia Cammarata ist IT-Projektleiterin, Psychologin und Mutter. Seit Mai 2004 bloggt sie unter dem Pseudonym
 dasnuf. In ihrem Blog erzählt sie einer langen Familientradition folgend gerne Geschichten. Es fehlt ihr gelegentlich an Ernsthaftigkeit, aber so ist das eben, wenn man morgens gemeinsam mit den Kindern Clowns frühstückt.

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Zwei Milliarden Menschen sind mangelernährt, das rauschte so nebenbei durch die Medien. Man kann man hier noch einmal genauer nachlesen, was das heißt. Da ist es natürlich leicht, mit irren Gegensätzen zu spielen, etwa wenn wir uns direkt danach ansehen, was bei verschiedenen Kindern weltweit zum Frühstück auf den Tisch kommt. So etwas ist doch immer wieder beeindruckend.

Bei uns dagegen veröffentlichen die Medien Faustregeln, wie man aus der unvorstellbaren Fülle denn das Richtige, das Gesunde und Gute auszuwählen hat. Weil es für viele offensichtlich zu kompliziert geworden ist oder aber weil sie überhaupt nicht mehr über Ernährung nachdenken, wer weiß. Wobei all die Regeln, etwa bei uns kein oder weniger Fleisch zu essen, auch einen Bezug zur Welternährung haben, das kommt auch in diesem Artikel bei Wiwo-Green vor, in dem es darum geht, alle Menschen mit Nahrung zu versorgen.

Seltener findet man Artikel, in denen es um andere Produkte geht, mit denen auch arme und sehr arme Menschen versorgt werden müssen, obwohl das als Wirtschaftsthema natürlich interessant ist. Hier geht es etwa um Prothesen, die für Märkte in Afrika z.B. anders gefertigt werden müssen als für Europa, das bedingt auch technologische Unterschiede. Und apropos technologische Unterschiede, die führen gerade auch zu Fußballplätzen, die Strom erzeugen. Ja, Fußballplätze.

In Europa haben die Märkte und Branchen ganz andere Probleme, wir hatten in den letzten Wochen bereits einige Artikel über Uber und die Sharing-Economy und die Frage, wer dabei der Gute und wer der Böse ist. In Erinnerung an die Grundlagen unserer Bildung, also an Kinderbücher, ist es nämlich immer nützlich, das möglichst genau zu wissen.

Capital stellt jetzt fest: Die Sharing-Economy gibt es gar nicht und tatsächlich konnte man diesen Gedanken schon mehrfach lesen. Und auch für kreative Umbenennungen gab es schon einige Vorschläge. Aber wie auch immer man die Entwicklungen benennt, der große Dreh ins Digitale wird viele und umwälzende Folgen haben. Nicht alle haben wir schon parat und man muss dabei gar nicht immer sterbende Branchen vor Augen haben, wenn man an diese Folgen denkt. Veränderungen fangen schon bei Markennamen an, denn auch die ändern sich durch die neue Onlinewelt.

In deutschen Zeitungen dominiert im Moment eher kritisches Nachdenken, wenn es um diesen Wandel geht, das ist ein ganz deutlicher Trend. “Die Cheerleader der Sharing-Ökonomie sind erstaunlich talentierte Märchenerzähler, die in puncto PR den Vergleich mit Steve Jobs nicht zu scheuen brauchen.“ Das ist ein Zitat aus der FAZ, aus einem lesenswerten Artikel mit weiteren höchst interessanten Formulierungen, der sich zum Ende noch überraschend steigert. Der Autor des Textes ist niemand aus der FAZ-Redaktion, sondern dieser Herr.

Veränderungen finden natürlich nicht nur digital statt, auch auf den Straßen tut sich etwas, ganz sichtbar, wir haben hier oft genug Artikel zum Thema Nahverkehr und Rad – und manchmal wird die Veränderung durch Crowdfunding online ermöglicht. Hier z.B. ein längerer Bericht über eine Perspektive für Lastenfahrräder in Berlin.

Und im abschließenden Kulturteil singen wir, das passt dann noch einmal zum ersten Absatz, ein Lied auf die fleischlose Ernährung. Oder auch gleich zehn Lieder, warum denn nicht. Es gibt ja genug.

GLS Bank mit Sinn

Kurz und klein

Es regnet

Es regnet, Hamburg kommt wieder zu sich. Ich gehe raus, ich will mir die Stadt so ansehen, wie sie gehört, ohne das in diesem Jahr neu eingespielte Sonnenmetropolen-Update.

Sohn I: “Wo willst du hin?”
Ich: “Ich geh nur kurz raus, spazieren.”
Sohn i: “Mach mal nicht zu dolle.”

Und tatsächlich, wenn man zum Hafen runter fährt, sieht dort alles wieder nach Hamburg und Elbe aus, rain’s coming home. Es nieselt, es tröpfelt. Vielleicht ist es auch doch nur das Spritzwasser der Hafenfähren? Nein, es ist Regen, richtiger Regen. Hinter der Elbphilharmonie wird es schon wieder hell, aber über Blohm & Voss ist es noch dunkel. Der Regen zieht langsam weiter zur Nordsee, Wind schwach aus Südost. Die Ausrufer, die unentwegt die heute etwas lustlos schlendernden Touristen auf die Barkassen für Hafenrundfahrten locken wollen, sie werben lauthals mit “Original Hamburger Wetter! Nur heute, nur bei uns!”

Kapuzen, Mützen, Regenschirme, die Leute gehen an nassen Tischen und Bänken vor Cafés und Imbissbuden vorbei, dort sitzt heute niemand. Preise auf Tafeln verlaufen im Regen, man erkennt noch die Namen von sommerlichen Drinks, bald steht da wieder was von Glühwein und Grogs. Es ist seltsam dunstig über dem Fluss, die Leute machen Fotos, gucken auf die Displays und schütteln die Köpfe: Eine konturlose Ahnung von Stadt und Fluss, mehr kriegt man nicht drauf, da kann man nichts machen.

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“Himmel grau und wochentäglich!
Auch die Stadt ist noch dieselbe!
Und noch immer blöd und kläglich
Spiegelt sie sich in der Elbe.”

Der olle Heine war kein großer Hamburgfreund, nein, das kann man wirklich nicht von ihm behaupten. Einigen Touristen geht es wohl ähnlich wie ihm, man sieht es den verdrossenen Gesichtern deutlich an. Seit Monaten schwärmen alle für Hamburg im Sonnenschein, aber ausgerechnet wenn sie kommen… war ja klar. Genau so sehen hier einige Besucher aus, die Mundwinkel weit nach unten gezogen, die Schultern nach oben, als stünden sie im Unwetter auf dem Deich.

Egal, mir gefällt die Stadt so. Passt schon.

Woanders – diesmal mit G9, Noten, Honoraren und anderem

Schule: In Hamburg ist die G9-Initiative gescheitert. “Politiker aller Parteien erleichtert” schlagzeilen die Medien und man kann es sogar einmal verstehen, ja, man möchte das Gefühl sogar teilen. Und das passiert nun wirklich nicht allzu oft.

Schule: Ein Artikel über die Fairness und Sinnhaftigkeit von Schulnoten, hier bei Spektrum, also ganz wissenschaftlich. Prima Text, eine glatte 1.

Schule: Malala hat den Friedensnobelpreis gewonnen, das werden die meisten mitbekommen haben,. Das hat viel mit Schule zu tun und wenn man sich dieses Interview (engl.) mit ihr ansieht, versteht man das besser.

Kinder: Ein Film über das Flüchtligsheim in Berlin, das dadurch bekannt wurde, dass die deutschen Nachbarn der Einrichtung die ausländischen Kinder nicht auf ihren Spielplatz lassen wollten. Die Kinder spielen jetzt dennoch. Gefunden via Sven.

Kinder: Bei Lego gibt es künftig keine Shell-Tankstellen mehr. Ich glaube, die Verbindung Shell und Lego erinnere ich sogar noch aus meiner Kindheit.

Feuilleton: Tom Hillenbrand mit einem Text über Texthonorare, Fairness und Größenwahn.

Feuilleton/Wirtschaft: Der Wahnsinn der unterschiedlichen Steuersätze für Bücher und E-Books.

Und ohne jeden Zusammenhang gibt es hier noch ein frisches Bild aus der Hafencity. Warum auch nicht.

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Kartoffel-Topinambur-Gulasch mit Champignons

Es wird allmählich auch in der tropischen Zone um Hamburg herum etwas deutlicher Herbst, unsere Dachgeschosswohnung ist endlich dezent abgekühlt, da kann man sich wieder etwas intensiver mit dem Kochen beschäftigen, ohne am Herd vor Hitze einzugehen. Passend dazu gibt es etliche neue Kochbücher, die ersten liegen schon in der Küche bereit. Die Versuchsreihe im Herbst könnte in diesem Jahr sogar etwas umfangreicher ausfallen.

Katharina Seiser/Meinrad Neunkirchner/Julian Riess: Einer für alles. 80 Gerichte und ein Topf. Mehr demnächst im Blog

Los geht es mit “Einer für alles – 80 Rezepte und ein Topf” vom bewährten Team Katharina Seiser & Meinrad Neunkirchner. Falls die Namen bekannt vorkommen – die hatten wir auch schon bei “Österreich vegetarisch”, aus dem hier noch längst nicht alles vertestkocht worden ist. Das war das Buch, bei dem das Essen dauernd gerollt wurde, einige werden sich erinnern.

Neunkirchner ist kein Koch für die Zwischendurchküche, das ist, wenn man Dilettant auf meinem Niveau ist, schon etwas anspruchsvoller und die Rezepte sind manchmal so beschaffen, dass man beim Durchlesen etwas genauer hinsieht, sei es wegen eines etwas komplexeren Bearbeitungsschrittes oder wegen einer seltsamen Zutat. Haselnussöl? Weinraute (nie gehört)? Ananassalbei? Taubnesseln? Ungesüßte Kokoschips? Das gibt mein Schrank tatsächlich nicht auf Anhieb alles her. Allerdings wohne ich in dieser Hinsicht bevorzugt, da ich so ziemlich jede Zutat ohne größere Umstände bekomme.

Aber das fällt bei mir dann eher unter Wochenendküche, denn da habe ich etwas mehr Zeit, über Küchenspäße nachzudenken und zwei, drei Läden mehr abzuklappern. Gelohnt hat es sich bisher tatsächlich immer, das war bei “Österreich vegetarisch” schon faszinierend.Es ist doch reizvoll, auf einem etwas höheren Niveau zu kochen, gar keine Frage. Das könnte ich mir am Wochenende auch öfter vornehmen, aber man kommt ja zu nix.

Damit ist jedenfalls klar, dass es hier nicht um 80 pappeinfache Eintopfrezepte geht, die Sammlung ist raffinierter. Es gibt vegetarische und vegane Gerichte und solche mit Fleisch und Fisch. Es wird in dem Buch gekocht, gebraten, gedämpft und geräuchert, gebacken und gratiniert, das ist überraschend und interessant. Das mit dem Räuchern probiere ich dann mal im Heimatdorf, das geht hier schlecht. Das habe ich noch nie gemacht, aber ich finde es schon spannend.

Ein paar Rezepttitel willkürlich herausgegriffen als Beispiele für den Inhalt: Kümmelsuppe mit Rote-Bete-Nockerl, Weizen-Zwiebel-Topf mit Kochsalat und Erbsen, Miesmuschelcouscous mit Basilikum, Wachtelbohnenragout mit Salbei, Navarin vom Lamm mit Gemüsen, Geräucherte Wildschweinlaibchen mit Rotkohlsalat, Schwarzbrotauflauf mit Dörrpflaumen und Lebkuchenaroma…

Die Rezepte beziehen sich also alle auf nur einen Topf und im Buch ist das ein Emailtopf aus österreichischer Handwerkstradition, der auch in den Ofen kann. Ein anderer Topf geht aber natürlich auch.

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Ich habe es mir zum Start noch einigermaßen leicht gemacht und mit einem der einfacheren Rezepte begonnen: Kartoffel-Topinambur-Gulasch mit Champignons. Eine schöne Gelegenheit, mal wieder Topinamburen zu kaufen. Oder, wie die Herzdame mit Schrecken im Blick sagte: “Was ist das dennn?!”

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Topinambur kam also in ihrer Kindheit in Nordostwestfalen nicht vor, da fremdelt Madame dann doch sichtlich. Kindern kann man übrigens gut erklären, dass Topinamburen besonders dicke Raupen sind, die man prima essen kann. Das hat allerdings Folgen für ihren späteren Appetit, wie ich gemerkt habe. Aber für etwas Spaß lasse ich die Söhne natürlich auch einmal auf eine warme Mahlzeit verzichten, versteht sich. Sie haben es hier auch nicht immer leicht.

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Man beachte im oben verlinkten Wikipedia-Artikel zu Topinambur unbedingt die anderen Bezeichnungen für das Gemüse. Jerusalem-Artischocke, ist das nicht schön? Oder Borbel? Genau so sehen sie auch tatsächlich aus, wie Borbel, das passt perfekt. Theoretisch kann man sie ungeschält zubereiten, allerdings blieben sie bei mir auch nach intensiverer Wäsche noch schmuddelig und unansehnlich wie ungepflegter Gürteltierbauch, ich habe sie dann einfach geschält.

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Wir brauchen für das Rezept und für vier Personen:

3 Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen, ½ EL getrockneten Majoran, ½ EL Kümmel, etwas Öl, ½ EL Tomatenmark, 1 TL Paprika edelsüß, ca. 500 ml Gemüsefond, 12 kleine Kartoffeln, 12 kleine Topinamburen (ich liebe diesen Plural), zwei Handvoll Champignons, eine Handvoll frischer Kräuter.

Das sind die Originalmengen lt. Rezept, ich habe deutlich mehr Flüssigkeit gebraucht und wegen leidenschaftlicher Pilzliebe ein paar Champignons mehr genommen.

Die Zwiebeln werden geschält und gehackt, der Knoblauch ebenso. Majoran und Kümmel ebenfalls hacken. Die Zwiebeln im Topf mit dem Öl langsam (!) goldig rösten, den Knoblauch dazugeben, ebenso Kümmel, Majoran und Tomatenmark. Kurz weiter anbraten, dann Paprikapulver dazu und gleich mit Gemüsefond auffüllen.

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Das köchelt dann etwa 20 Minuten und riecht schon einmal ganz außerordentlich gut. Dann wird der Gulaschsaft püriert – und ich unterbreche kurz das Rezept für den überaus sinnigen Hinweis, dass das eine wirklich sauleckere Soße ergibt, auch für anderen Gerichte gut verwendbar. Hätte ich auch längst selbst darauf kommen können, bin ich aber nicht. Schlimm.

Zurück zum Rezept. In den pürierten Saft gibt man die Kartoffeln und die Topinamburen und lässt alles köcheln, bis das Gemüse endlich weich ist. Dann erst die Champignons dazugeben, noch ganz kurz weiterkochen lassen – fertig. Auffüllen, fotografieren, essen.

Im Gegensatz zu mir könnten Sie beim Auffüllen auch an die frischen Kräuter denken, dann wird es womöglich noch dekorativer. Ich fand das Essen hervorragend, das wird es mit Sicherheit wieder geben. Wärmend, herbstlich, wunderbar. Die Herzdame war trotz anfänglichen Misstrauens auch begeistert. Die Söhne wollten keine zerkochten Raupen essen und haben sich lieber selbst versorgt.

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Bitte sehr, das ist hier ein liberaler Haushalt, wir tolerieren Abweichler am Tisch.

Im Grunde passte das sogar sehr gut, denn so konnten die Herzdame und ich einfach alles aufessen. Mit anderen Worten, die oben angegebenen Mengen reichen nur theoretisch für vier Personen. Oder wir sind besonders verfressen, das möchte ich nicht ausschließen. Es war aber auch wirklich lecker. Machen Sie das ruhig nach, das lohnt sich. Und es ist recht einfach, obwohl es gut eine Stunde dauert, bis man es essen kann.

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Woanders – Der Wirtschaftsteil

Die Nachrichten sind voll von Flüchtlingen und in Deutschland haben wieder verblüffend viele etwas gegen Asylanten, dabei werden gerne auch wirtschaftliche Argumente aufgeführt. Wir haben ja nix! Flüchtlinge und Asylanten sind allerdings nicht unbedingt gleichbedeutend. Da gehen die Themen eher wild durcheinander und wenn man dann noch den Begriff Wirtschaftsflüchtling dazu nennt, wird jede Diskussion sofort sinnlos, weil jeder etwas anderes meint. Da ist es Zeit, ein wenig Klarheit zu schaffen. Klarheit bei den Begriffen, Klarheit bei ein paar Zahlen. Das macht hier z.B. Volker König.

Und wie man mit Zahlen ein wenig schummelt, so dass die Ergebnisse harmonisch ins eigene Weltbild passen, das kann man hier im Bildblog nachlesen, auch dort geht es um Asylanten. Oder um Flüchtlinge? Hm.

Migranten, noch so ein Begriff. Und wenn es um Migranten geht, kann man ebenfalls etwas richtigstellen, das schadet ja nicht. Und Fachkräftemangel, noch ein weiteres wichtiges Wort in dem Kontext. Dazu gibt es sogar positive Texte, wie hier bei der Tagesschau.

Das Thema Flucht und Wanderung ist mittlerweile auch in Medien präsent, in denen man es gar nicht unbedingt vermutet. Etwa in der Brigitte – einfach so, im Rezepteteil, warum auch nicht. Und bei Munchies begegnet einem die Kombination Flucht und Essen schon wieder.

Bei uns dagegen beschäftigt man sich exzessiv mit dem modernen Kult des veganen Essens, im Tagesspiegel wird das zumindest mit diesen Bezeichnungen kommentiert. Der Text enthält den bemerkenswerten Begriff “Ich-Prothetik”, den kann man ganz wunderbar im Smalltalk gegen völlig beliebige Ideologien verwenden, das passt schon.

Manchmal liest man so quer durch die Schlagzeilen, klickt weiter und weiter, klickt noch einmal kurz zurück – und wenn man dann die richtigen Artikel nebeneinander legt, lösen sich manche Probleme zufällig wie von selbst. So ist es zwar einerseits richtig, dass sich das Artensterben in gruseligster Weise beschleunigt – aber das Gegenmittel ist quasi schon gefunden. Wir müssen nur mehr von den Tieren essen, die gerade knapp werden. That was easy!

Easy ist es sicher auch, auf bestimmte Geräte zu verzichten, die der Umwelt nicht zuträglich sind. So sind etwa Laubbläser nicht nur nervtötend laut, nein, sie sind auch sonst durchaus nachteilig. In einigen österreichischen Städten sind die Dinger jetzt deswegen verboten, die meisten dort werden es mit Freude vernommen haben. In Deutschland sind sie wohl noch überall legal, aber die ersten Petitionen für eine gesetzliche Regelung liefen schon, etwa in Berlin.

Und apropos Verbote, zum Schluss noch ein kleiner Nachtrag zu vorigen Folgen – es gibt ein Update zum Thema Plastiktütenverbot, diesmal aus Kalifornien (englischer Text). Wo mag es bei diesen Tüten wohl die nächste Verbotszone geben? In NRW? In Deutschland? In der EU? Es bleibt spannend.

GLS Bank mit Sinn