Beifang vom 05.12.2016

Big Data im deutschen Wahlkampf. Ich lachte.

Ein ziemlich spannender Artikel über Virtual Reality. Technikangstartikel sind doof, diesen hier fand ich aber lesenswert. Wobei eine Gefahr im Text gar nicht benannt wird, die mir gerade in einem Kaufhaus aufgefallen ist. Dort haben Kunden VR-Brillen probiert. Es wird bisher kaum thematisiert, aber man muss es doch einmal sagen: Wer eine das halbe Gesicht verdeckende VR-Brille aufsetzt und dann mit halboffenem Mund absonderliche Gesten und Turnübungen vollführt, die vielleicht virtuell in einem Game irgendeinen Sinn haben, nicht aber für Außenstehende, und wer dabei fast zwangsläufig auch noch mit ausgebreiteten Armen in der Gegend herumtappt wie ein betrunkener Bär mit besonders abgefahrener Schlafmaske, der wirkt auf die Betrachter der Szene wie ein Bekloppter. Ein Bekloppter mit cooler Ausrüstung zwar, aber doch ziemlich zweifelsfrei ein Bekloppter.

Meike Lobo über Dunbar und das Ich in der Gesellschaft. Die Zahl, um die es da geht, fand ich immer schon faszinierend, die spielt auch im wirtschaftlichen Zusammenhang eine Rolle. Es gibt die Hypothese, dass Unternehmenseinheiten, die diese Größe nicht überschreiten, besser funktionieren als andere, das ist auch überhaupt nicht abwegig. Und wenn irgendein neues Social-Dingsbums im Internet zum neuen Hype wird und ich mich da anmelde, dann habe ich da in der Regel etwa 150 Leute, die ich schon aus den anderen Netzwerken kenne und die dort meine ersten Kontakte sind. Mit der Zeit werden es vielleicht mehr, aber der harte Kern, das sind ziemlich genau diese 150. Und das ist dann wohl mein Stamm, in diesen digitalen Zeiten. Zu dem übrigens auch Frau Lobo gehört. In einem Kommentar unter dem Text von Meike Lobo wird Erich Fromms „Haben oder Sein“ erwähnt, das habe ich nie gelesen. Sollte man das tun?

Ansonsten ist es kalt draußen, man braucht etwas Wärmendes. Einen Drink auf Bertolt, einen auf Kurt und einen auf Jim.

Was schön war

Ich wohne zwischen diversen Hotels, darunter auch solche mit etlichen Sternen. Wenn ich morgens zur Arbeit gehe, überholen mich links und rechts menschliche Rollkofferzugpferdchen (das Wort habe ich irgendwoher, aber ich komme nicht mehr darauf, wo das war) im zügigen Trab, das ist normal. Die müssen von den Hotels zum Bahnhof, zum Zug, zum nächsten Einsatzort, zur Arbeit, wichtig, wichtig. Wenn man einen Film über erfolgreiche Consultants drehen würde, man könnte sie alle vom Fleck weg casten, die mich da überholen, immer die gleichen Anzüge, Kostüme, Frisuren, immer die gleichen Rollkoffer.

Seltener kommt es vor, dass mir so ein Exemplar entgegenkommt. Aber das passiert auch, da strebt dann jemand vom Bahnhof zu den Hotels, das erste Meeting dort in den Konferenzräumen findet vielleicht in aller Frühe statt. Und fast immer ist es so, dass diese Menschen es dann sehr eilig haben, also geradezu panisch eilig. Denn ich bin um kurz vor acht auf Straße, das ist aber vermutlich auch die Uhrzeit, zu der das wichtige Meeting pünktlich beginnt. Da muss man also die Beine in die Hand nehmen, wenn der Zug etwa Verspätung hatte oder die Deppen im Back-Office sich beim Fußweg wieder dezent verkalkuliert haben.

Ich biege um die Ecke zum Bahnhof, da kommt mir eine junge Dame im Businesskostüm entgegen, dem Sound der Pumps nach zu urteilen in der anatomisch überhaupt nur möglichen Höchstgeschwindigkeit. Sie zieht den obligatorischen Rollkoffer mit beiden Händen hinter sich her, er ist etwas ungewöhnlich groß und schwer, da ist sicher nicht nur ein Notebook drin, eher auch noch ein Beamer und Gott weiß welches Gerät. Sie wirft sich nach vorne, sie trabt im Stakkato. Einen gestreckten Galopp lässt die Kleidung nicht zu, außerdem ist der Boden etwas glatt. Sie trägt das Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden und der wippt im Laufen, ein Band darin leuchtet rot in den grauen Werktagswintermorgen. Und für eine Sekunde sieht es aus wie ein Rollenspiel, Frau vor Sulky, Mensch im Gespann. Die Absatzgeräusche auf dem Kopfsteinpflaster wie albernes Kokosnussgetrappel, das Rattern des Koffers wie Kutschenimitat im Kinderhörspiel, hüh, mein Pferdchen, lauf, lauf.

Die Grundschüler hier im Stadtteil spielen das mit nie nachlassender Begeisterung in den großen Pausen auf dem Hof, die ziehen Tretautos und Schülerinnen hinter sich her, trabend und wiehernd, sie laufen im Kreis und scharren mit den Hufen, wenn man sie irgendwo stehen lässt. Manchmal bekommen sie von den kleinen Kutschern auch ein Zuckerchen, das sie noch nicht Bonus nennen.

Und aus reiner Aversion dagegen, selbst auch so albern eingespannt zu sein, bin ich dann nicht ins Büro, sondern erst einmal ins Café gegangen. Ich habe dort in bockiger Langsamkeit einen Kaffee getrunken, die Wand angeguckt und sonst überhaupt nichts gemacht. Lange. Also genau einen Kaffee lang. Und das war schön. Ein Trotzkaffee, warum auch nicht.

Danach musste ich natürlich wie irre zur Arbeit rennen, eh klar. Aber egal. Diese zehn Minuten waren schön und ungeheuer selbstbestimmt. Sie werden das sicher verstehen, so unter uns Autonomen.

Beifang vom 04.12.2016

Eine Anmerkung zu Mail-Entwürfen, die wir vermutlich alle so in den Ordnern haben. Haben wir doch? Mein ältester Blogartikelentwurf übrigens umfasst nur drei Wörter. Er ist eigentlich fertig und wurde nur nicht veröffentlicht, weil das Wetter damals umschlug und ich das notwendige Bild nicht mehr fotografieren konnte. Ich brauche dazu unbedingt Schnee, es hat aber schon seit Jahren nicht mehr anständig geschneit in Hamburg.

Anderthalb Stunden im Schulmuseum. Alter Schwede.

Ein Telefonat mit Wien. Ich hatte auch gerade ein Gespräch mit einem wesentlich älteren Menschen, das permanente Kopfschütteln dieser Generation kommt gar nicht vom Alter, das ist nicht das großer Tattern, das kommt zur Zeit alles von den Nachrichten.

Währenddessen beschäftigen sich andere schon wieder mit der Zeit nach einem Krieg, in anderen Regionen der Welt. Das dürfte Älteren aus Europa irgendwie bekannt vorkommen: Stadtplanung für ein neues Aleppo und die Sehnsucht nach der Wiedererkennbarkeit. Die wichtigen Gebäude müssen unbedingt wieder dorthin, wo sie auch waren, das Stadtschloss und so. Ach nee.

Noch einmal zu Filterblasen

In meiner Filterblase wird ein Artikel über Filterblasen wieder und wieder ventiliert, der Filterblasen als überschätzt darstellt. Auch nicht unkomisch. Aber der Blasentext erinnert mich daran, dass ich mit den Blasenspiegelungen der letzten vier Wochen noch gar nicht fertig war, da muss ich noch etwas anlegen. Vorweg ein kurzer Hinweis auf einen Umstand, den viele Menschen offensichtlich gerade vergessen oder verdrängt haben. Als ich in der Oberstufe war, galt das Lesen von Zeitungen und Zeitschriften als erwünscht, schick und gebildet und bürgerlich engagiert, wir haben das also alle gemacht. Die meisten lasen – wie auch ich – den Spiegel und die Zeit und gelegentlich die SZ, eine Regionalzeitung gab es zuhause damals sowieso. Einige seltsame Vögel, deren Eltern in der falschen Partei oder in seltsamen Berufen waren, lasen auch die FAZ oder gar die Welt. Da guckten wir dann auch gelegentlich rein, das war der berühmte Blick über den Tellerrand und im Feuilleton war das manchmal sogar interessant, ansonsten aber eher verstörend. Das waren also etwa sechs Medien, dazu kamen die abendliche Tagesschau und noch ein paar andere Sendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens wie Monitor etc. Aus heutiger Sicht war das alles recht eng, wir fühlten uns damit natürlich total weltläufig und bestens informiert, Topchecker durch und durch. Wie man in der Oberstufe eben so ist, ganz egal in welchem Jahrzehnt.

Durch die sozialen Medien habe ich allein im letzten Monat mit mindestens 400 Seiten Kontakt gehabt, es ist ganz interessant, wenn man das einmal ein paar Wochen zählt, was man da eigentlich konsumiert. Mal habe ich dort nur ein paar Zeilen quergelesen, mal habe ich mich sofort festgelesen. Einiges habe ich daraufhin abonniert, einiges auch irritiert gleich wieder geschlossen. Manches war mir zu rechts, manches zu links, manches zu langweilig, zu moralisch, zu kapitalistisch, zu revolutionär, zu ignorant, zu arrogant, zu doof und immer soweiter. Einige Artikel fand ich so gut, die habe ich dann hier im Beifang oder im Wirtschaftsteil gezeigt. Aber einige davon habe ich dort eingebaut – und dann doch wieder herausgenommen, weil ich noch vor der Veröffentlichung im Blog einen anderen Text gefunden habe, der besser war, der dem ersten widersprochen hat, der ihn sogar komplett widerlegt hat, der mich irritiert hat. Und das ist doch ziemlich gut so, wenn ich das mit meinem Medienkonsum von etwa 1985 vergleiche. Es ist heute ganz eindeutig reicher, bunter, vielfältiger, es ist in alle Richtungen offener. Blase hin oder her. Und es werden mir auch dauernd Texte auf den Bildschirm geweht, die meiner politischen Meinung sehr klar widersprechen, schon weil zwanzig Leute auf Twitter oder sonstwo aufgeregt schreiben: “Guck mal, guck mal, wie doohoof!” Und dann gucke ich vielleicht sogar.

Anmerken wollte ich zu meiner Blasenspiegelung auch noch, dass von meiner Twitter-Liste “Irgendwasmitmedien”, auf der jetzt über 1.000 Journalisten aus mir genehmen Medien sind (also nicht von der Bild z.B.), tatsächlich die New York Times die am häufigsten genannte Quelle im November war. Deutlich vor SPON, das ist ziemlich krass und ich nehme an, es wird sich nicht wiederholen. Ich werde aber auch nicht mehr zählen, das dauert alles zu lange.

Auf Platz drei, das war noch ein Hammer, ist schon Übermedien, die ich daher für in der Zielgruppe spektakulär erfolgreich halte. Dann die SZ, die Washington Post, die Zeit, die FAZ, der Falter aus Österreich, der NDR, The New Yorker, die Welt, der Tagesspiegel, die Tagesschau. Man merkt vielleicht: Leute, die bei Medien arbeiten, verlinken auch gerne klassische Medien. Buzzfeed, Niemanlab, Turi2, Correctiv, The Atlantic, Horizont und t3n. Alles in allem recht klassisch orientiert, kaum Blogs in der ganzen Liste, was bei der großen Anzahl von Medienblogs in Deutschland doch etwas erstaunlich ist. Es kommen schon Blogs vor, aber sie sind vergleichsweise weit unten im Ranking.

Das von diesen JournalistInnen im November am meisten verlinkte Blog ist übrigens kein Medienblog, es ist das von Journelle, was ein wirklich wunderbares Beispiel dafür ist, dass man auch als Bloggerin mit einem knackigen Text zu aktuellen Problemen in der deutschen Presselandschaft ziemlich umfangreich wahrgenommen wird. Das wird meiner Meinung nach manchmal unterschätzt.

Nachtrag: Siehe zum Thema Filterblasen auch Felix Schwenzel.

Beifang vom 02.12.2016

Die Kaltmamsell erwähnte hier das Wort Crooning, zu dem man vermutlich eine gewisse Vorstellung hat, in der Frank Sinatra oder Bing Crosby vorkommen dürften – es ist aber auch interessant, das einmal en detail in der Wikipedia nachzulesen. Da kann man noch etwas lernen. Ich zumindest habe das nicht ganz so genau gewusst.

Noch schnell ein ganz kurzer und eher eher tröstlicher Rückgriff auf den November, also auf damals, vor zwei Tagen. Der November wirkt bei mir noch etwas nach, ich war gestern mit einer langjährigen Freundin aus, um auf all das Scheitern in diesem Jahr anzustoßen, wir hatten beide Gründe, wer hätte sie nicht. Das könnte doch eine wunderbare Tradition werden, so an der Nahtstelle zwischen November und Dezember: Ein kleines “Fail-Better-Drinking”, mit ein paar gepflegten Drinks auf all das, was man in diesem Jahr versemmelt, an die Wand gefahren, ruiniert, verloren und vergeigt hat, auf das, was man warum auch immer doch wieder nicht angefangen, nicht gemacht oder nicht gewagt hat. Ein Drink, ein Toast, “To absent chances” oder so, und dann kann man mit all dem auch friedlich abschließen und sich voller Schwung in die nächste Runde werfen. Je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir der Gedanke. Ich mag Rituale, an irgendwas scheitert man eh immer und gemeinsam trinkt es sich schöner. Den Termin für 2017 könnte man eigentlich schon festlegen, da ist man dann auch gleich wieder konstruktiv. Vielleicht sogar in größerer Runde?

Dahinter passt natürlich nur noch ein Lied mit einer ausdrücklich positiven Botschaft, nicht wahr. Überzeugend vorgetragen von einer sozusagen bunten Truppe voller Anmut und Fröhlichkeit. Anmoderiert von Ray Cokes, die Älteren erinnern sich. Und wer hat’s geschrieben? Der Nobelpreisträger himself, genau. Schon wieder was gelernt.


Und morgen finde ich dann auch wieder Links ohne jeden morbiden Beiklang, ich bin da voller Zuversicht.

Woanders – Der Wirtschaftsteil

In der letzten Ausgabe hatten wir zwei Links zum Thema Stadtplanung, da gab es den Hinweis auf den Menschen als soziales Wesen von dem Architekten Daniel Libeskind. Das greifen wir noch einmal auf, mit einigen Texten zum Thema Lebensräume.

In der brandeins geht es um die Rolle von Stiftungen im Wohnungsmarkt, das klingt vielleicht etwas trocken, ist es aber gar nicht. Ganz im Gegenteil, es ist ziemlich spannend. Besonders natürlich, wenn man in einer Großstadt wohnt. Wobei man die Sache mit dem Wohnungsmarkt nicht für ein neues Problem halten sollte. Es ist nicht so, dass die Mieten jetzt erst steigen, dass jetzt erst Profit gemacht wird. Das ist ein altes Spiel. Aber wenn es auch Jahrtausende alt ist, fühlt es sich immer an, als würde es sich jetzt gerade beschleunigen, wobei Beschleunigung ohnehin bei etlichen Themen dieser Kolumne ein zumindest gefühltes Problem ist.

Stadtplaner denken auch über Langsamkeit nach, über die Frage, wie man Städte langsamer macht. Etwa in Oslo (englischer Text). In London geht es nicht um Langsamkeit, aber um Katzen in der U-Bahn, auch das ein Thema des öffentlichen Raums und eine gute Gelegenheit, eine etwas buntere Meldung hier unterzubringen. In der FAZ wird man grundsätzlich und geht einen Aspekt an, der wie selbstverständlich zu einigen Stadtzentren gehört, aber bei Neuplanungen immer umstritten ist – den der Schönheit. Einen Namen kann man sich zu dem Thema für den Smalltalk merken, nämlich Jan Gehl.

Die Stadt und deren Stadtplanerinnen werden in deutschen Großstädten oft als Gegenposition zu nachhaltigen Bestrebungen wahrgenommen, das geht aber auch anders, wie man hier in einem Interview mit dem Bürgermeister von Ludwigbsurg nachlesen kann. Wobei Ludwigbsurg keine Großstadt ist, aber auch nicht gerade winzig. Warum diese Inhalte aber geradezu zwingend sind, wird ersichtlich, wenn man ein wenig in die Zukunft denkt.

Von da aus zum Abschluss ein weiter Sprung nach Sachsen-Anhalt, in einen kleinen Laden in einer kleinen Gemeinde. Damit sind dann die beiden Eckpunkte des Themas abgesteckt. Zwischen diesen Extremen gibt es eine etwas seltsame Verbindungslinie, die “urbane Landlust”, die im letzten Artikel für diese Woche hinterfragt wird.

GLS Bank mit Sinn

Beifang vom 30.11. 2016

Man kann das Thema schon nicht mehr hören, aber hier dennoch eine weitere Wahlanalyse (USA).

Eine Einladung von Christoph Kappes.

Gunter Dueck wird adventlich, ich sage es ja, wir schalten jetzt kollektiv um. Alles-wird-gut-Modus. (Nice try, ich weiß.)

Und wo wir schon beim Umschalten sind, ich habe gestern einen kleinen Fehler gemacht. Na, vielleicht nicht gerade einen Fehler, aber doch immerhin eine Unachtsamkeit. Da habe ich doch einen Sinatra-Song als Trotzmittel zur Novemberbluesabwehr und zur Belebung der Lage verwendet. Denn die Lage, und die Stimmung scheinen nicht nur bei mir noch jahreszeitgemäßer als sonst zu sein, was ich prinzipiell übrigens nicht falsch finde, dafür ist dieser Monat eben da, das ist sein Verwendungszweck. Alle Serviervorschläge zum November kommen nun einmal ohne dunkelgraue Deko nicht aus. Aber wenn man im Alltag Dialoge hört, wie ich neulich an der Supermarktkasse …

Kassierer 1: “Ich muss mal Pause machen.”

Kassierer 2: “Jo. Und irgendwann musste sterben.”

… dann hat der November auch seine Schuldigkeit getan und kann allmählich gerne gehen, man möchte so etwas ja nicht überreizen. Da ist ein Song im Prinzip nicht so falsch, es gibt aber einen viel besseren von Simatra als den gestern verwendeten. Einen, der den November im Text und in der Stimmung hat (“So I’m down and so I’m out”), einen, der lässig relativiert (“but so are many others”), einen, mit dem man dennoch zum Lächeln zurückfinden kann, vielleicht sogar zu einem dezenten Tanzschritt. Und wenn man tanzt, alte Regel, wird eh alles besser. 

In Büros war es vor langer Zeit einmal witzig, sich Stempel mit “Dennoch!” zuzulegen, der Song “Cycles”ist ein gesungenes Dennoch. Nicht wütend, nicht giftig, nicht zynisch, eher elegant und humorvoll, so möchte man das doch haben. Und das Lied ist wunderbar anwendbar für die eigene Situation, man muss einfach nur im letzten Vers das “keep on tryin‘ to sing” gegen etwas anderes eintauschen, was weiß ich, etwa gegen “tryin‘ to blog” oder was gerade passt. Und dann läuft das wieder.

[geht fingerschnippend in den Tag]

Beifang vom 29.11.2016

Patricia Cammarata war auf einer Väterveranstaltung. Ich war da auch eingeladen, aber ich konnte nicht, denn – Achtung, Spitzenwitz – ich war hier familiär eingebunden.

Ich gucke ja keine Serien, ich gucke eher überhaupt nichts, aber ich habe quasi aus Versehen beim Kochen gerade die ersten beiden Folge von One Mississippi auf Amazon Prime gesehen. Und fand sie gar nicht schlecht, wenn auch eher auf die novemberige Art, für die es allmählich etwas knapp wird, wir schalten doch schon in wenigen Tagen kollektiv auf Jauchzen und Frohlocken um. Hier eine passende Rezension zur Serie.

Wonach schmeckt übrigens der November im Abgang? Nach Dunkelheit natürlich.

Auch die Blogosphäre hat ihre AuslandskorrespondentInnen, weswegen wir hier ein wenig zur Lage in Frankreich nachlesen können. Und zum befremdlichen Vorfeiern im Nachbarland. Die spinnen, die Franzosen.

Das Jahr ist noch nicht vorbei und gibt sich noch auf den letzten Wochen große Mühe, mich trickreich zu ärgern. Das war kein sehr angenehmes Jahr, um es zurückhaltend auszudrücken, nein, dieses Jahr kann wirklich in fast jeder Beziehung gerne weg. Bis es aber wirklich weg ist, halte ich musikalisch einfach vollkommen wirklichkeitsignorant dagegen. Im Keller zu pfeifen soll bekanntlich hilfreich sein.

Fair ins Museum: Game Masters

Vermutlich wird Sohn I auch noch etwas zur Ausstellung “Game Masters” über Video- und Computerspiele im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe schreiben, ich beschränke mich daher auf eine kleine Anmerkung aus Sicht eines nicht spielenden Vaters, der sich sogar in aller Regel nicht einmal ansatzweise für Spiele interessiert, weder für solche auf Brettern, noch für solche auf Konsolen oder Tablets.

Museum für Kunst und Gewerbe - Foto: Roman Henze

(Foto freundlich zur Verfügung gestellt von Roman Henze, das ist ein Fotograf aus unserem kleinen Bahnhofsviertel)

Ich möchte diese Ausstellung aus pädagogischen Gründen nämlich ausdrücklich gerade Elternteilen empfehlen, die mir in dieser Aversion ähneln. Nicht, weil wir da etwas lernen würden, man lernt ja eher nichts, wenn man sich nicht interessiert – sondern weil es so fair gegenüber den Kindern ist, dort hinzugehen. Denn da hat man endlich einmal vertauschte Rollen im Museum! Die Kinder bleiben dauernd entzückt vor vollkommen nichtssagenden Ausstellungsstücken stehen, wollen alles ganz genau wissen, vertiefen sich, lesen alles nach, wollen gar nicht wieder gehen. Man steht ratlos daneben, guckt an die Decke, guckt auf den Boden, guckt in die Gegend. Man fragt nach zehn, fünfzehn endlosen Minuten vor nur einem Ausstellungsstück vorsichtig: “Können wir weitergehen?” Die Frage wird nicht einmal gehört, die Kinder sind so konzentriert, es muss ja alles angesehen und ausprobiert werden (und man kann übrigens alles ausprobieren, jedes Spiel – stundenlang). Man kann nicht begreifen, was an den Spielen so toll sein soll, zumal die sich alle ähneln, kennste eines, kennste alle. Man möchte weiter, man möchte an die frische Luft, man möchte was trinken, man muss mal, man meint, an der Bewegungslosigkeit nervlich Schaden zu nehmen. Den Kindern ist das egal, die Kinder machen hier in Kultur und verweisen zwischendurch kurz auf die Wichtigkeit der Ausstellung, hallo, das ist hier im Museum, Papa! Da lernt man was!

Man sieht auf die Uhr, man setzt sich irgendwo hin, nicht genau wissend, ob man da überhaupt sitzen darf oder ob es am Ende ein Ausstellungsstück ist, was man nach erster Einschätzung für einen Hocker hält. Man rollt mit den Augen, man stöhnt, man fragt noch einmal … egal. Es hört sowieso keiner zu. Man übt sich in Duldungsstarre, wie damals im Schulunterricht in der siebten Stunde. Die Kinder fachsimpeln, die Kinder probieren und beurteilen, die Kinder freuen sich sichtlich über das kulturelle Angebot. Die Kinder sagen irgendwann, man könnte doch auch öfter ins Museum gehen.

Es ist ein Gebot der Fairness, dass ich mich an diese Szenen unbedingt wieder erinnere. Und zwar dann, wenn ich mit den Söhnen wieder einmal irgendwo in einem anderen Museum verzückt vor einer Galerie alter Ölbilder stehen werde, gähnende Kinder in fortgeschrittener Duldungsstarre neben mir. Kinder, die mit den Augen rollen, die zur Decke sehen, zum Boden, die sich schließlich irgendwo hinsetzen, ganz egal, worauf. Die nicht begreifen, was an alten Bildern toll sein soll, zumal die sich auch noch alle ähneln, kennste eines, kennste alle. Und die dann nach zehn, fünfzehn Minuten leise fragen, ob wir nicht vielleicht endlich, endlich einmal weitergehen können. Und die mal müssen. Und frische Luft brauchen, weil sie sonst vielleicht nervlich Schaden nehmen. Und man möchte gerade etwas von Kultur murmeln – dann muss man sich erinnern.

Doch, ich glaube wirklich, es ist ein Akt der Erwachsenenbildung, sich diese Ausstellung anzusehen.

Blasenspiegelung selbstgemacht: Die Liste Familie & Schule

Was diese Auswertung soll, hatte ich hier bereits erklärt. Ich sehe etwas genauer nach, was in meinen Timelines eigentlich geteilt wird und wie ich mich also informiere.

Auf meiner Twitterliste “Familie & Schule” sind im Moment 316 Leute, darunter natürlich viele ElternbloggerInnen. Im November war das meistgeteilte Blog in dieser Rubrik der Familienbetrieb, gefolgt vom Nuf und Allerlei-Themen Danach die SZ, aber es geht dann gleich mit Blogs weiter: 2KindChaos, Papa Pelz, Halbe Sachen, Kinderfilmblog, Mutterseelesonnig. Dann erst SPON, dann dieses Blog hier. Interessant finde ich, dass die Top 20 danach ausschließlich mit Blogs aufgefüllt werden, keine weitere Medienseite dabei: Grosse Köpfe, Pia Ziefle, Tollabea, Frühes Vogerl, Familie Berlin, Berlin Mitte Mom, Öko-Hippie-Rabenmütter, Herzundbuch und Journelle

Das fühlt sich größtenteils wie ein recht vertrauter Club an, wobei die in den Blogs vertretenen Meinungen manchmal stärker auseinandergehen, als man auf den ersten Blick denkt . Auch auf den weiteren Plätzen sind fast nur Blogs, kaum Medienseiten, kaum Überraschungen. Positiv kann man sagen, dass Elternbloggerinnen sich also gegenseitig genug Content verschaffen. Wenn man etwas negativ sehen möchte, was natürlich immer geht, bedient die Presse die Themen dieser Zielgruppe offensichtlich im Moment eher nicht erfolgreich. Was man wiederum auch positiv sehen kann, da haben die Blogs wohl eine klaffende Lücke geschlossen.

Sämtliche dedizierten Elternmedien spielen in der Ergebnisliste übrigens überhaupt keine Rolle. Da klappt etwas nicht. Nicht bei Nido, nicht bei Eltern etc., nirgendwo.