Und noch ein Dank…

… und zwar an Thomas, der den Söhnen zu den Geburtstagen sowohl Grisu als auch Elliott, das Schmunzelmonster geschickt hat. Ich freue mich ganz besonders auf Elliott, das habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Herzlichen Dank!

Woanders – diesmal mit Hamburg, Wilhelmsburg, Norddeutschland und anderem

Hamburg: Im Comic mit der schönsten Stadt der Welt geht es um die Frage aller Fragen.

Hamburg: Willkommenskultur in Wilhelmsburg.

Nord: Frau Wiesenraute wandert am Grünen Band entlang, das könnte mir auch gefallen. Aber man kommt ja zu nix und liest so etwas immer nur in Blogs. Schlimm.

Gesundheit: Hier hat jemand ein wenig Rückenschmerzen, to say the least. (Alter Schwede! So etwas möchte man nicht.)

Gesundheit:  Seelische Gesundheit sollte man auch nicht unterschätzen.  Man beachte in diesem Text hier die Klassifikation der Probleme beim Ballspiel.

Mein schönstes Ferienerlebnis: Anke Gröner war bei der ESA.

Feuilleton: Pia Ziefle über ihr neues Buch, dass Sie alle bitte kaufen, eh klar.

Irgendwasmitmedien: Die Zeit über Mindstylemagazine.

Fotos: Reverse Nude Portraits. Nicht die Modelle – der Fotograf ist nackt. Ich bin ganz hingerissen von der Idee. Via Whudat.

Fotos: Eine Frau porträtiert sich in verschiedenen Familiensituationen mit wechselnden Männern und Kindern. Via Kwerfeldein.

Wir cooken slow

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Ich kam erst nach diesem Sponsored Post für Pearl neulich darauf, dass man den da getesteten Multifunktionskocher von Rosenstein & Söhne auch als Slowcooker nehmen kann, und das habe ich dann noch ausprobiert. Von Slowcooking habe ich immer nur gehört, aber ich habe so etwas noch nie gemacht. Immer mutig voran, das gilt natürlich auch in der Küche.

Wobei ich nicht die allerleiseste Ahnung habe, ob man “richtiges” Slowccoking womöglich nur mit den dafür vorgesehenen Geräten so nennen kann? Wenn ich es korrekt verstanden habe, kommt es aber hauptsächlich auf die Temperatur und den Deckel an, dann geht das also auch in anderen Geräten. Widerspruch gerne in die Kommentare, ich habe es tatsächlich nicht ganz verstanden, das ist wieder so eine Wissenschaft für sich. Es ist aber auch völlig egal, der Multifunktionskocher hat eine Slowcookingmenütaste, mehr muss ich ja erst einmal nicht wissen. Ich glaube einfach der Taste, man glaubt ja im Grunde bei jedem Gerät den Tasten, das passt schon.

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Dann habe ich nach passenden Rezepten gesucht. Es gibt ganz eindeutig eine Tendenz zu fleischhaltigen Gerichten beim Slowcooking, wie auch eine nicht zu übersehende Tendenz zu Gerichten mit reichlich Zutaten. Da man Garzeiten bis zu acht Stunden in Kauf nimmt, um besondere Aromen und zartes Fleisch zu kreieren, ist das völlig nachvollziehbar, aber so überhaupt nicht meine Kochwelt. Ich gehöre zu den Leuten, die unter ständigem Zeitdruck kochen, gerne nur mit 5 Zutaten, gerne in der Bratpfanne, gerne unter 30 Minuten. Rezepte mit ellenlangen Zutatenlisten machen mich leicht nervös, aber darüber kann man sich ja auch einmal hinwegsetzen, sonst kommt man nie zu neuen Erfahrungen. Erst meditativ zig Gewürzdöschen sortieren, dann ein paar Stunden auf das Ergebnis des Köchelmarathons warten, wenn das nicht nach Entschleunigung klingt? Nach Muße, Genuß und ungeahnten Küchenfreuden? Nun ja.

Ich habe mich dann für dieses Rezept entschieden, Chicken Tikka von Foodfreak. Indisches Essen hat neulich bei den Söhnen so verblüffend gut funktioniert, am Ende kann man so etwas auch mal eben zu Hause herstellen und sich ungeahnte Verdienste um den Familienfrieden erwerben? Ich habe mich wegen der Kinder bei der Schärfe etwas zurückgehalten, ansonsten aber sehr rezeptgenau Löffelchen um Löffelchen Gewürz abgezählt, auch wenn ich irgendwann das Gefühl hatte, ich hätte gleich meinen Gewürzschrank in den Topf kippen können. Dann habe ich alles verrührt, in das Gerät gefüllt – und mich wieder hingelegt. Denn wenn diese Kochmethode einen Vorteil hat, dann ja wohl den, dass man nicht dauernd irgendwas machen muss. Man muss tatsächlich gar nichts machen, man darf sogar gar nichts machen, das Gerät geht zwischendurch ja nicht einmal auf. Man kann nur allmählich zur Kenntnis nehmen, dass die Küche anfängt interessant zu duften, das ist wirklich fein. Also sagen wir, es ist etwa eine Stunde lang fein. Dann bekommt man von dem Geruch unmenschlich Hunger, weswegen man auch eine Warnung vor dem Slowcooking aussprechen muss. Es führt nämlich dazu, dass man während der Zubereitung einer eher komplexen, ausgefeilten Mahlzeit vor lauter Appetit allmählich alles aus dem Kühlschrank vertilgt, was man einfach so in den Mund stecken kann, das ist im Grunde nicht schön. Nach acht Stunden ist das Essen fertig, aber der Aufschnitt ist eben auch alle.

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Zu dem Chicken Tikka musste man dann nur noch etwas Reis kochen, das macht sich auch wie von selbst. Und das Kochgerät öffnen, nachdem man die letzten drei, zwei Minuten heruntergezählt hat wie bei einem Fußballspiel, denn spannend ist das schon, was dabei herauskommt, wenn man Essen so lange brodeln lässt. In diesem Fall war das tatsächlich sensationell gut, da gibt es nichts. Das war unfassbar aromatisch und tatsächlich so, dass jeder Bissen eine Vielfalt von vor sich hinglühenden Gewürzen im genau richtigen Ausmaß schmecken ließ, das war grandios. Das schmeckte sehr indisch, sehr gut und sehr nach viel. Und, was im Grunde noch sensationeller ist, es schmeckte allen vier Familienangehörigen, was hier in etwa so wahrscheinlich wie ein Treffer im Lotto ist. Indische Rezepte sind also offensichtlich DER Trick für die Menüplanung bei uns, für die Erkenntnis habe ich jetzt nur schlanke sechs Jahre gebraucht, es ist faszinierend.

Das wird es hier also definitiv öfter geben müssen. Wenn jemand einen guten Tipp für ein sinnvolles Kochbuch in dieser Richtung hat, immer her damit. Gerne vegetarisch, Fleisch kommt hier nur am Wochenende auf den Tisch. An indischen Läden ringsum ist in unserem angenehm multikulturellen Bahnhofsviertel kein Mangel, die richtigen Zutaten werden wir schon finden.

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Sonntagsspaziergang

Binnenalster

Was man gar nicht so gut erkennen kann: In Hamburg ist gerade das Alstervergnügen, eine überaus seltsame und unbegreifliche Veranstaltung. Worin dabei das Vergnügen bestehen soll, es kann vermutlich keiner recht erklären. Die Veranstaltung geht so: Rund um die Binnenalster werden sehr viele Wurstbuden aufgebaut, immer noch mehr und noch mehr. Die schier endlose Reihe wird ab und zu heiter durchbrochen von Fischbrötchenständen, Bierbuden und Zuckerwatteverkäufern. Das übliche Aufgebot jedes Kleinstadtjahrmarkts, nur etwa mal hundert genommen, grob geschätzt, wir sind ja eine Metropole hier. Dazu noch ein paar Bühnen, auf denen, wie das bei diesen Bühnen eben immer so ist, den Großteil des Tages über gerade umgebaut wird. Also immer dann, wenn man vorbeigeht zum Beispiel. Für Kinder gibt es etwa zwei Fahrgeschäfte, optimistisch geschätzt, es geht hier tatsächlich ausschließlich nur um Wurst und Bier, es ist fürchterlich.

Da also landete ich heute eher zufällig, die Schuld ist selbstverständlich beim Nachwuchs zu suchen. Und ich trottete mit den Kindern in der Hand eine Alsterseite ab, in Schneckengeschwindigkeit, wie es eben so geht, wenn man mit hunderttausend anderen Menschen gemeinsam eine Straße entlanggeht.

Aber das Highlight der Veranstaltung haben wir dann doch gesehen, oder zumindest die Person, die wir gemeinsam dafür halten. Das war eine durchgeschwitzte Joggerin, die in der Menge feststeckte wie alle, eingekeilt durch die schunkelwilligen, durstigen und hungrigen Massen aus Pinneberg, aus Buchholz in der Nordheide, aus Kaltenkichen und Schwarzenbek. Die Joggerin hüpfte vor uns auf und ab, wie es Jogger an Ampeln häufig tun, sie hüpte immer wieder auf und ab und rief tatsächlich unentwegt und ziemlich wütend, man möge ihr doch endlich Platz machen, sie könne so nicht laufen.

Es ist immer schön, solche Menschen zu treffen. Man weiß dann, man ist geistig vergleichsweise noch halbwegs beisammen. Oder zumindestens kann man es noch eine Weile glauben. Und das ist wirklich sehr tröstlich.

Kurz und klein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Apropos Einschulung

So sah das bei mir damals aus. Die Hose hat gekratzt wie Teufel und war mit absoluter Sicherheit die einzige karierte Hose, die ich jemals im Leben getragen habe. Womöglich liegt an diesem Kleidungsstück und in diesem Moment meine abgrundtiefe Abneigung gegen den Golfsport und die dazugehörige Mode, man weiß es nicht. Diese Mützen trugen damals alle Erstklässler, das war Pflicht. Die Mädchen trugen Kopftücher in gleicher Farbe, die noch schlimmer aussahen.

Die Schultüte war gekauft. Wenn ich mich recht erinnere, hat kein Mensch damals so etwas selbst gebastelt, das war nicht vorgesehen. Ich habe erst bei Sohn I gemerkt. dass man so etwas heutzutage selbst herstellt und war ganz überrascht. Ich habe keine Ahnung mehr, was der Inhalt war. Der Ranzen ist aus heutiger Sicht verblüffend klein, eine geradezu lässige Größe, das hat sich gewaltig verändert. Heute kommen die mit wesentlich mehr Volumen daher. Wobei das hier abgebildete Modell für heutige Hipster-Eltern vermutlich ein Traum wäre.

Außerdem war es einer meiner letzten Tage ohne Brille, denn kurz darauf fiel der Lehrerin auf, dass ich an der Tafel nichts erkennen konnte.

Einschulungsbild

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Über Preise zu reden ist immer interessant, und man kommt da da immer schnell auf die Mietpreise – weil sie so lebensbestimmend sein können. Der Spiegel hatte da vor einiger Zeit eine interessante Grafik zum Verhältnis Mindestlohn und Miete in einigen Städten. Man beachte das Ergebnis für München. Und in der Zeit sehen wir  eine weitere Überschrift zum Thema: “Sie müssen leider draußen bleiben.” Die Überschrift würde auch unter die Grafiken passen.

Preise sind auch bei Biolebensmitteln oft ein Aufreger. Hier hat man wieder einmal nachgerechnet, was es mehr kostet, sich bio zu ernähren.

Und bei manchen Preisgefügen ist es auch interessant, sich die Hintergründe klar zu machen, etwa beim Nahverkehr. Warum ist der hier bloß so elend teuer? Und, wenn wir schon bei Nahverkehr sind, da gibt es eine weitere naheliegende Frage zur Zeit: Haben die Behörden in Schleswig-Holstein womöglich ein Rad ab?

In den Zusammenhang der Preisgefüge passt auch noch der Smalltalk-Begriff der Woche, da geht es um die “Nullmargen-Ökonomie”. Das wird hier am Beispiel der Energieversorgung erörtert, das liest man vor dem nächsten teuren Winter vielleicht ganz gerne. Und für die Freunde der Physik in der Leserschaft hier noch eine weitere Meldung zum Thema Energie, da geht es um Energiespeicherung mittels riesiger Felsbrocken. Doch, das geht. Sollten Physikstreber mitlesen: hier noch die Formeln. Sehen eigentlich ganz einfach aus.

Für Amüsement könnte der folgende Artikel sorgen, nicht so sehr wegen der Kernaussage, aber doch wegen des Verwirrungsfaktors: E-Autos sind böse. Herrje, wie ist es wieder kompliziert! Passender Exkurs an dieser Stelle: Kurzes Nachdenken über Taxis und Uber und die Personenbeförderung mit Autos überhaupt.

Aber es wird wohl nicht so einfach, den Babyboomern in Deutschland ihre Zweitwagen endgültig auszureden, das klingt auch in diesem Artikel an. Von diesem Thema darf man noch mehr erwarten, das kommt ganz von selbst.

Zum Thema Kleidung, dem wir uns einmal ganz anders nähern. Wie erkennt man eigentlich, ob etwas anständig verarbeitet wurde? Eine kleine Hilfe in einem Blog. Währenddessen wird hier zufällig gerade eine Studie veröffentlicht, nach der 29% der Befragten einen T-Shirtpreis von fünf Euro in Ordnung finden. Nun ja.

Wir können den Wirtschaftsteil natürlich im Moment nicht ohne einen Artikel zu TTIP beenden. Da verlinken wir diesmal zur SZ, die noch einmal aufklärt, wer eigentlich dafür ist. Und warum.

GLS Bank mit Sinn

 

Bemerknisse zum Schulanfang von Sohn I

Das Wort Bemerknisse, viele werden es wissen, ist geliehen von Frau Gminggmangg – und es wird jetzt ein feiner, kleiner Trend, sich das auszuleihen, man darf da auch gerne noch anlegen.

Und weil es so leicht ist, an den Kitas, an den Schulen und an Gott und der Welt herumzukritisieren, wähle ich mal die originellere Variante und gebe wieder, was ich bei der Einschulung von Sohn I schön fand. Und zwar genau in der Reihenfolge, wie im letzten Satz vorgegeben.

Ich fand schön, dass Sohn I fröhlich aus der Kita, bzw. aus der Vorschule ging – und dort alles gut gefunden hat. Er fand tatsächlich alles super, das würde er jederzeit weiter empfehlen, er hat, so sagt er, eine tolle Zeit gehabt. “Was war am besten?” “Alles.” Super Freunde, super Erzieherinnen und Erzieher. Super Ausflüge, super Vorschulklassenfahrt und immer so weiter, er behält das in allerbester Erinnerung und wird seinen kleinen Bruder dort gerne besuchen oder hinbringen. Er hat buchstäblich bis zur letzten Minute mit seinen besten Freunden dort im Garten gespielt – und ging dann dennoch gerne. Weil es eben so weit war. Weil er jetzt ein Schulkind wird, weil die Zeit dafür reif ist, weil er sich auf die Schule freut. Das ist alles überhaupt nicht selbstverständlich, das finde ich schön.

Ich fand schön, dass die Schule so sichtlich bemüht ist, auf die Kinder zuzugehen und sie sehr freundlich aufzunehmen. Was für eine phantastische Entwicklung seit meiner Schulzeit, in der das Wohlergehen der Kinder bestenfalls zweitrangig war. Wie unfassbar viel ist in den Schulen seitdem passiert, ich staune da immer wieder. Ganz egal, wie verkorkst man die Schulpolitik heute findet, ganz egal, wie schlecht die neue Leselernmethode heute angeblich oder tatsächlich funktioniert, ganz egal, wie wenig bio das Essen in den Ganztagsschulen sein mag und was es an Klagen da noch mehr gibt, mir werden schon auch noch welche einfallen – was ein großer Fortschritt wurde da unterm Strich gemacht, das finde ich zu und zu schön. Das sieht man das eigene Kind also mit heller Begeisterung in die Schule hineingehen, von der es von älteren Kindern viel Gutes gehört hat, auch das ist überhaupt nicht selbstverständlich.

Ich fand auch schön, dass es einen kleinen Gottesdienst vor der Einschulung gab, obwohl ich nicht einmal ansatzweise religiös bin. Ich mag aber die Kinderarbeit der Gemeinde hier, die machen das liebevoll, humorvoll und weltoffen, das sehe ich mir gerne an und die Söhne machen da gerne mit. Ich fand schön, dass der Pastor, nachdem alle Erstklässler endlich in die Kirche hereingewimmelt und halbwegs still waren, die Gäste mit diesem Satz begrüßte: “Ich heiße sie und euch herzlich willkommen und freue mich, dass heute auch mein Freund, der Imam, hier vorne neben mir steht, denn wir feiern diesen Schulanfang gemeinsam mit unseren muslimischen Mitbürgern.” Sie haben darüber gelacht, dass sie beim Beten die Hände anders halten, der eine nach oben, der andere nach unten, und dass sie sich dadurch dabei prima einhaken konnten. Dann wurden die Kinder von beiden gesegnet. Das war nur ein Satz, das war nur eine Geste, das war nur ein Besuch. Aber das war sehr schön, sehr einfach und sehr beeindruckend. Weil es eben geht.

So viel schnell dazu. Morgen dann weiter im normalen Lästerprogramm. Oder mit einem Bericht zu unserem ersten Versuch, Sohn I ein Pausenbrot zu schmieren. Ein Pausenbrot, das, so sagt er kategorisch, entweder vegetarisch oder vegan oder mit Wurst sein soll. Da wird uns was einfallen, glaube ich.

 

Woanders – diesmal mit dem Kinderschminken, der Hafencity, einem Baumarkt und anderem

Familie: Kinderschminken geht ja mit vielen Produkten.

Hamburg: Basketball in der Hafencity. Alle bekloppt.

Feuilleton/Bauwirtschaft/Esoterik: Kid37 geht in einen Baumarkt.

Feuilleton: Seelenwanderung als Metapher, ein Artikel der den Bogen von Jean Paul zu modernen Urheberrechtsfragen schlägt. Fand ich sehr interessant und erhellend. Da geht es um die Identitätsfrage von Autoren und Büchern, das ist viel spannender als es zunächst vermutlich klingt.

Digitalarchäologie: Warum wir mit dem X Fenster schließen.

Politik: Weiterbildung zum Nahost-Konflikt in Landkarten.

Gesellschaft: Das Stück “Emils Ring” in der Zeit ist schon wegen des Titelbildes sehenswert.

Fotografie: Bilder einer sehr alten Dame.

 

Porträt des Autors als genialer Erfinder

Obwohl ich Glück habe und zu den Leuten gehöre, die ihrem Job recht gerne nachgehen und obwohl ich also in der Regel nicht wie der Schmerzensmann vom Dienst am Schreibtisch sitze, habe ich in letzter Zeit doch verdächtig oft mit mehr Freizeit geliebäugelt. Es war vielleicht ein wenig viel. Ich habe zu viele Abende mit der Arbeit zugebracht, ich habe frühmorgens immer gleich wieder angefangen, zu selten Pausen gemacht… aber irgendwann ist es eben auch mal gut. Dachte ich mir so. Und überlegte lange hin und her wie ich denn bloß zu mehr Freizeit kommen kann. Wo die Stunden wohl herzunehmen sind, die man sorgsam mit liebevoll arrangiertem Nichtstun auffüllen könnte? Die passen nämlich einfach nirgendwo rein, wie ich es auch drehe und wende. Nicht am Morgen, nicht am Vormittag, schon gar nicht am Nachmittag und natürlich auch nicht am Abend, wenn die Kinder endlich schlafen und man freie Bahn hat. Nein, es ist alles bis auf die letzte Minute besetzt und verplant und verkauft, im Grunde ist es schlimm. Das ist ja kein Leben, wenn man gar keine unverplante Zeit mehr hat, nicht wahr.

Und dann hatte ich eine Idee. Eine echte Knalleridee, so eine, bei der man gleich merkt, man hat gerade einen richtig, richtig tollen Gedanken: Einfach mal einen ganzen Tag freischaufeln! Das wäre es doch, und am besten gleich regelmäßig! Komplett nichts tun! Einen deklarierten Pausentag, das klingt doch wirklich nach einem tollen Konzept? Oder? Und dann fiel mir ein, dass schon andere Menschen vor mir auf das Prinzip gekommen sind, und zwar schon vor einiger Zeit. Sie nennen es Sonntag.

Aber egal. Ich habe ihn eben gerade neu erfunden, und zwar ganz alleine. Was mir wohl als nächstes einfällt? Rollende Treppen? Sich drehende Türen? Kutschen mit Motor? Maschinen, die rechnen können? Ich scheine doch Potential zu haben.

(Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung.)