Woanders – Der Wirtschaftsteil

In dieser Kolumne geht es oft um den Sinn, um die Suche nach dem Sinn. Im ersten Artikel geht es heute um eine Branche auf der Suche nach dem Sinn. Es ist die Branche, die versucht mit Quantified-Self-Daten zu Geld zu bekommen, also mit Fitnesstrackern und Wearables aller Art. Und da haben wir den schönen Fall, dass sowohl Firmen als auch Anwender noch vor der Frage stehen – warum machen wir das eigentlich?

Die eben genannte Branche erfindet sich gerade erst durch die Möglichkeiten der vernetzten Welt selbst, andere Branchen werden dadurch mehr oder weniger gründlich durchgeschüttelt. Da kann man ja ab und zu mal hinsehen, was z.B. Social Media mit den Branchen macht, die einem nicht sofort dazu einfallen. Etwa mit der Landwirtschaft.

Oder wir sehen auf eine Sonderform des Wirtschaftens, auf das Gemeinnützige, auf Hilfsorganisationen. Haben die etwas von den aktuellen Veränderungen?  Geht dadurch irgendwo mehr? Es geht zumindest mehr auf dem Handy. Geld spenden per Klick, eine Mahlzeit nebenbei ausgeben, ganz einfach per App. So kann eine neue Dimension der Wohltätigkeit aussehen. Ob die Spenden dadurch mehr werden, das muss man noch sehen. Aber 40 Cent klingen wohl machbar.

Die vorhin erwähnte Landwirtschaft wird uns mit ihren Social-Media-Bemühungen vielleicht nicht unmittelbar betreffen, beim Handel sieht das schon anders aus, mit dem haben wir alle fast jeden Tag zu tun. Ganz direkt. Da ist es wohl sinnvoll, sich einmal mit dem Begriff Beacon auseinanderzusetzen. Nie gehört? Sollte man aber. Und während der Handel Informationen über die Kunden haben will, sammeln die Kunden Informationen über den Handel, es ist doch irgendwie eine seltsame Welt.

Aber was geht uns die Entwicklung der Technik, was geht uns die Digitalisierung, die Vernetzung abseits von interessanten Artikeln eigentlich an? “42 Prozent der Erwerbstätigen hierzulande arbeiten in Berufen mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit.” Oh, das ist ja mal eine Zahl! Die wird in diesem Artikel zwar tatsächlich genannt, aber auch gleich wieder deutlich relativiert. Dennoch scheint klar zu sein, dass sich der Arbeitsmarkt stärker, viel stärker – und wohl auch schneller – verändern wird, als die Mehrheit es noch annimmt.

Der gleiche Autor hat noch einen weiteren Artikel parat, zur ebenfalls spannenden Frage, wer eigentlich profitiert – etwa vom Internet der Dinge. Und da wird wirklich wild mit Zahlen herumgeworfen, aber die Zahlen sind auch gar nicht das Interessanteste an dem Artikel. Spannender als die Zahlen sind all die aufgezählten Entwicklungen und Themenfelder. Es betrifft einen irgendwo, kein Zweifel. Auch wenn man vielleicht noch etwas fremdelt, wie es für ganz Deutschland hier in der brandeins festgestellt wird. Das ist ein ziemlich langer Text, der sich aber zu den grundlegenden Problemen durchkämpft, das lohnt sich. Auch wenn der Text vielleicht zu lang für die kleine Pause im Büro ist. Denksport für später, warum auch nicht.

Nebenbei kann man sich bei all dem Automatisierungsdruck und bei all dem vielleicht erschreckenden Wandel auch fragen, ob man nicht sowieso ganz anders über Arbeit denken sollte. Könnte ja sein.

Genug Abstraktion, jetzt wird es konkret. In Spanien gibt es eine kleine Stadt mit einem Social-Media-Experiment, da testet die Verwaltung wie es läuft, wenn alles über Twitter läuft (englischer Text). Es scheint bisher das einzige Beispiel weltweit zu sein. Noch?

Zum Schluss wie fast immer noch der Link für den Freundeskreis Fahrrad, der in dieser Woche selbstverständlich auch sehr modern ausfällt. Denn auch Fahrräder können sich vernetzen. Klar doch.

GLS Bank mit Sinn

Mannheim

Am Wochenende war ich in Mannheim, allerdings nur knapp zwei Stunden lang. Und in diesen zwei Stunden habe ich es nur etwa hundert Meter aus dem Bahnhof heraus geschafft, dort hatte ich einen Termin. Bzw. wir hatten einen Termin, denn Isa war auch mit, da könnte man jetzt raten, worum es wohl ging. Spannend! Die Auflösung folgt später im Jahr, knallharter Cliffhanger auch mal in diesem Blog.

Isa wies mich übrigens irgendwann unterwegs im Zug darauf hin, dass der nächste Bahnhof Fulda sei. Zu Fulda habe ich eine super Pointe parat, also habe ich in der wie immer netzlosen Wüste zwischen den Bahnhöfen schnell einen Tweet vorbereitet, einen Fulda-Knaller-Tweet. Ich bereite auf Bahnreisen gerne Tweets vor, dann kann ich in den wenigen Minuten in Städten mit Netz mehr abschicken. Sie kennen das, nehme ich an. Und was war? Der Zug hielt in Frankfurt. Nicht in Fulda. Und Fulda kam auch später nicht. Lag auch gar nicht auf der Strecke, was ich natürlich nicht gemerkt habe, weil man mir zu süddeutscher Geografie alles erzählen kann, ich bin da leider gänzlich ahnungslos. Jetzt habe ich einen Fulda-Tweet in meinem Entwurfsordner und werde ihn so lange aufbewahren, bis ich da einmal vorbeikomme. Direkt darunter übrigens ein Weihnachtstweet, den ich im letzten Jahr nicht rechtzeitig abschicken konnte, seine Zeit wird auch noch kommen. Social-Media hat auch mit Geduld zu tun! Oder ich drücke doch eines Tages aus Versehen auf den Button “Alle senden” und dann bin ich Weihnachten eben in Fulda, zumindest online. Es ist kompliziert.

Jedenfalls Mannheim. Man kann ja nicht reisen, ohne davon zu berichten, das geht gegen die Blogger-Ehre. Mannheim also. Denn es ist ja auch egal, wie lange man sich irgendwo aufhält, man nimmt doch immer einen Eindruck mit, man fühlt etwas, sieht etwas, assoziiert etwas. Oder man erinnert auch etwas, die Gedanken gehen zurück, habe ich diesen Ort schon einmal besucht? Die überraschende Antwort ist: jo.

Während ich nämlich sonst die Frage, ob ich irgendwo schon einmal war, ziemlich kategorisch verneinen kann, war ich tatsächlich schon in Mannheim, es ist sehr, sehr lange her. Ich war jung und karrierewillig, ich hatte gerade die erste Führungsposition inne und ich war in Sachen Online ein Topchecker ersten Grades. Ich war des Wissens übervoll, ich war auf der Höhe der Zeit, ich trug zu neue Anzüge und war viertel vor Überflug, also vollkommen unausstehlich, wie die meisten Menschen am Beginn der Karriere. Da war ich in Mannheim auf einer Konferenz zur Onlineforschung und hörte lauter Vorträge, von denen ich kein Wort verstand, was mich überhaupt nicht beeindruckte. Da würde ich mich schon noch reinarbeiten! Demnächst. Nebenbei. Neben mir saß eine junge Frau und hörte interessiert zu, schrieb mit, meldete sich sogar gelegentlich zu Wort, sie war schon auf den ersten Blick ein sehr ambitionierter und interessierter Mensch. So eine Frau, dachte ich, könnte ich doch prima in meiner Abteilung unterbringen, da könnte ich doch in meiner Glanzrolle als Führungskraftnachwuchs gleich mal super Personalentscheidungen klarmachen! Und ich habe ihr meine Karte gegeben und ein Praktikum angeboten, weil nämlich, ich Chef. Weißte Bescheid. Und die junge Dame hat gelächelt und mir dann ihre Karte gegeben.

Sie brauchte ganz sicher kein Praktikum. Sie war, wie ich später herausfand, ziemlich bekannt und hätte ich öfter ferngesehen, ich hätte das Gesicht sicher aus den Abendnachrichten im Fernsehen wiedererkannt, in denen sie regelmäßig einen Teil moderiert hat. Sie fand mich vermutlich bestenfalls niedlich.

Solche Erfahrungen muss man machen, das heilt von Arroganz, das ist elementar wichtig im Leben. Es ist aber auch statthaft, solche Erfahrungen im ersten Moment etwas peinlich und schwierig zu finden. Die Dankbarkeit kommt erst später, viel später. Das war also mein erster Tag in Mannheim, das lief nicht ganz so gut. Am zweiten Tag wäre ich dort fast von einer Straßenbahn erlegt worden, mit der man als Hamburger natürlich nicht rechnen kann. Und zwar war das so knapp, dass ich heute noch in Städten mit Straßenbahn etwas bewegungsgehemmt bin, und mich etwa in Basel dauernd panisch nach allen Seiten umgedreht habe, es muss nach Hauptfigur in einem Krimi ausgesehen haben.

Mannheim damals also, Scham und Schock, schwierige Erfahrungen. Mannheim 2015 sieht am Bahnhof so aus wie auf diesem Bild – und mehr weiß ich wirklich nicht von der Stadt. Nächstes Mal vielleicht mehr!

Mannheim

 

Gelesen, vorgelesen, gesehen, gehört im Juni

Bov Bjerg: Auerhaus

Auerhaus

Das Buch ist noch gar nicht erschienen, erst in ein paar Tagen, das können interessierte Leserinnen aber bereits bestellen – und das sollte man auch tatsächlich tun, das ist nämlich das Buch des Monats, wenn nicht des Jahres. Ein wunderbares Werk über Jugend und Liebe und Tod und Rettung und Verderben, das ist sehr komisch und todernst, in einem Tonfall erzählt, der so dermaßen gut getroffen ist, dass man dauernd und vielleicht sogar mit ein wenig Neid “Sehr gut, Herr Bjerg!” sagen möchte. Das hat man nämlich gar nicht oft, dass ein Ich-Erzähler bei Berichten aus der Jugendzeit ganz ohne anbiedernden, falschen Ton auskommt, sondern so klingt, als wäre man selbst wieder so jung und als würde alles einfach passen. Das nimmt einen an die Hand und führt einen zurück und man denkt immer, ja, genau so, ganz genau so, so war es doch wirklich, so hat man sich benommen, so hat man gedacht, so hätte man doch damals auch leben wollen. Hat man aber nicht, man hat irgendwie anders gelebt, ganz ohne Auerhaus, was der innere Jugendliche dann beim Lesen doch ein wenig bedauert. Die Stimme des Erzählers, die Wortwahl, die Sichtweisen, das Geschehen – so muss das. Und nach der letzten Seite möchte man es sofort jemandem aufdrängen, hier lies mal, super Buch, echtjetzmal, los, fang an. So ein Buch ist das. Hier mehr dazu. Ausdrückliche Empfehlung! Großartiges Buch!

Robert Seethaler: Die Biene und der Kurt

Die Biene und der Kurt

Das ist wieder eine Roadmovievorlage, ein Außenseiterroman mit betont kinotauglichen Szenen, schräg und schön, ich kann es gar nicht verstehen, dass Seethalers Bücher nicht verfilmt worden sind. Oder sind sie? Und würde ich das überhaupt merken? Fragen über Fragen. Kann man gut in einem Rutsch durchlesen, bestens für den Urlaub geeignet.

Halldór Laxness: Das Fischkonzert. Aus dem Isländischen von Hubert Seeelow

Das Fischkonzert

Das habe ich gekauft, weil um mich herum plötzlich alle nach Island reisen. Ich komme da nicht hin, das klappt nicht, aber ich kann ja wenigstens Bücher von da lesen. Ein Buch mit einem wunderbaren Anfang, sehr anziehend, man möchte gleich zwei Tage freinehmen um weiterzukommen, das ist so ein Hängemattenbuch. Ich bin dann aber doch nicht weitergekommen, weil ich zwischendurch in das unten folgende Buch hineingelesen habe und dann da hängenblieb. Ich bin überhaupt ein furchtbarer Zickzackleser, es gibt ja immer diese Versuchung, beim nächsten Buch auf dem Stapel auch schnell ein paar Seiten anzulesen, nur so zwei, drei und zack – ist man auf literarischen Abwegen. Und hat plötzlich mehrere Bände auf einem neuen Stapel neben dem Stapel ungelesener Bücher: “Demnächst mal weiterlesen”.

Stefan Zweig: Balzac

Stefan Zweig: Balzac

Das ist ein immerhin über 500 Seiten starker Versuch, sich dem seltsamen Phänomen Balzac zu nähern, also einem Autor mit einer vollkommen unfassbaren Gesamtleistung und einem Menschen mit einem höchst erstaunlichen Charakter, der so gar nicht zu dem passt, was man sich bei den Größten der Weltliteratur vielleicht vorstellt. Es ist nebenbei auch ein höchst interessantes Buch über das Schreiben, über das Ringen mit Stoff und über Literatur als Arbeit, Beruf und Besessenheit. Und das natürlich in doppelter Hinsicht, denn Stefan Zweig schreibt nicht wissenschaftlich, sondern ist selbst Literat mit einem nicht kleinen Werk, das ist also ein Spiel mit Trick und Spiegeln. Man kann intensiv darüber nachdenken, warum Stefan Zweig meint, zu Balzac dies und das meinen zu müssen oder zu wollen – man kann sich aber auch ganz entspannt davon überraschen lassen, was für überaus seltsame Vögel unser literarisches Erbe gestaltet haben.

Vorgelesen

Jujja Wieslander: Mama Muh und die Krähe. Bilder von Sven Nordqvist, Deutsch von Angelika Kutsch

Mama Muh

Die Reihe zählt wohl schon zu den modernen Klassikern, sie ist bei Sohn II immer noch sehr beliebt. Und passt auch Sohn I ganz gut, die Bücher sind nämlich leicht vorzulesen, das kann er auch.

Hilke Rosenboom: Ein Pferd namens Milchmann. Mit Bildern von Anke Kuhl

Das lese ich gemeinsam mit Sohn I und wir sind beide sehr angetan. Da läuft einem Jungen ein Pferd zu und benimmt sich äußerst verdächtig, dann tauchen noch weitere Pferde auf und die Lage wird immer seltsamer – sehr spannend und rätselhaft, so spannend jedenfalls, dass Sohn I auch nach dem Vorlesen noch selber weiterliest. Laut Sohn I eines der besten Bücher in letzter Zeit.

Ein Pferd names Milchmann

Kirsten Boie: Seeräuber Moses. Mit Bildern von Barbara Scholz

Seeräuber Moses

Das hatten wir schon einmal, das liest die Herzdame gerade morgens vor. Die Tradition des morgendlichen Vorlesens ist bei uns noch gar nicht so alt, hat sich aber sehr bewährt. Während ich am Schreibtisch bei der Frühpatrouille durchs Internet bin, liest die Herzdame noch im Bett den Jungs ein paar Seiten vor. Seeräuber Moses gefällt beiden Jungs – und bereichert den Sprachschatz ganz ungemein um etliche maritime Prachtexemplare von Vokabeln.

Teufelskicker

Teufelskicker

Das haben wir nicht vorgelesen, das war eine PR-Sendung von Europa, eine CD mit einer Geschichte. Eine CD, die Sohn mehrmals gehört hat, was natürlich immer ein gutes Zeichen ist. Seine Rezension ist allerdings sehr kurz wiederzugeben, die erschöpft sich in diesem klassischen Dialog:

Ich: “Und, wie ist die CD?”
Sohn I: “Gut.”

Unter Siebenjährigen reicht das vermutlich auch als Produktbewertung vollkommen aus. “Gut.” Klare Sache und damit hopp.

Gesehen

Hände weg von Mississipi.

Dazu hier ein Interview mit Detlev Buck. Den Film habe ich gar nicht gesehen, aber sonst aller in der Familie – und die fanden ihn auch alle gut. Oder sogar sehr gut. Und da Sohn I in den Sommerferien auch ein wenig ohne uns auf dem Land bei den Großeltern sein wird, schadet etwas vorauseilende Romantisierung sicher nicht.

Signature

 Ein ganz kurzer Film, der Sohn I sehr beeindruckt hat – und vermutlich der erste Film überhaupt, der uns dazu gebracht hat, über Filmtechnik zu reden. Wie haben die das mit der Kamera gemacht, wie wird die denn bloß so mitgeführt? Aus dem Auto, mit dem Fahrrad, wie macht man das denn? Warum ist der Film schwarzweiß gedreht?  Und der Mann auf dem Skateboard trägt auch schwarze und weiße Sache, das kann einem dann auch dabei auffallen, sagt Sohn I, sonst wäre die Wirkung ganz anders, oder? In welcher Stadt ist das, oder ist das gar nicht wichtig? Ist es eigentlich schwer, so etwas zu drehen? Deswegen haben wir in der Folge dann auch etwas gedreht, weil ich ja sehr überzeugt davon bin, dass Medienkompetenz in Zeiten des Internets nicht nur Verständnis, sondern auch “Machen” beinhalten sollte. Aber darüber schreibt in Kürze Sohn I etwas.
 

Signature from Kristijan Stramic on Vimeo.

Gehört

Tonangeberei: Songs für jedes Alter ab 3

Das läuft hier gerade andauernd im Kinderzimmer, eine frühe Heranführung an Größen wie Helge Schneider, Rocko Schamoni, Bernadette La Hengst, Blumfeld etc. Auch für Erwachsene sehr gut zu ertragen. Ich kann, das stellt man dann nebenbei fest, auch unter Dauerbeschallung von “Katze geil” (natürlich Helge Schneider) in heavy rotation jedenfalls noch halbwegs vernünftig arbeiten.

Tonangeberei

Eels

Der Ohrwurm des Monats. Und auch sonst gar nicht verkehrt.

17 Hippies

Die Truppe kannte ich gar nicht,. die ist aber interessant, hier steht etwas mehr über die Band.

Und so klingen die, hier ein deutsches Beispiel, bei dem man kein Wort versteht, das ist Hessisch, wenn ich es recht mitbekommen habe – macht nichts.

Viel ruhiger:

Und noch der Instrumentalohrwurm für den Sommer, Stephane Wrembel mit Bistro Fada:

Woanders – diesmal mit den Krautreportern, einem Wolf, WLAN und anderem

Irgendwasmitmedien: Felix Schwenzel über seine Gründe, das Krauteporter-Abo zu verlängern. Sehe ich auch so. Und hänge noch einen Grund dran: ich finde bei den Krautreportern regelmäßiger als bei mancher anderen Quelle Artikel für den Wirtschaftsteil. Und das ist für mich ein sehr guter Grund, die weiter zu unterstützen. Während mir übrigens das, was sie da dauernd von Community oder von App und Meetings usw. erzählen, vollkommen egal ist. Isch möschte in gar keine Community. Ich möchte gute Texte, und diese möglichst per Full-Text-Feed, dann bin ich schon zufrieden. Dafür hätte man meinetwegen nicht einmal etwas programmieren müssen. Schreibt einfach. Passt schon.

Feuilleton: Die Bilder von diesem Kunstwerk aus Holz habe ich versehentlich den Söhnen gezeigt, sie sammeln jetzt noch mehr Holz als immer schon. Schlimm. Aber das Kunstwerk ist toll.

Feuilleton: Textile Hoaxes. Sohn I ist sieben Jahre alt und weiß schon: “Aber ob ein Bild echt ist, das kann man ja nie wissen.” Zeigt Kindern Bildbearbeitung!

Schule: Fünf Tipps, um WLAN an Schulen zu verhindern. Klingt alles total plausibel.

Schule: Die FAZ über Ungleichheiten und Ungereimtheiten bei den Abiturprüfungen im föderalen Wunderland der Schulpolitik.

Familie: Praxiserprobte Tipps für Eltern von Kita- und Schulkindern. Das mit den Korkplatten, das ist durch und durch richtig. Wir haben die nämlich nicht, wir hängen neue Zettel immer mit Magneten an den Kühlschrank, der deswegen gar nicht wie ein Kühlschrank aussieht, sondern eher wie ein seltsamer Buckel im Altpapier. Schöner Wohnen geht anders.

Schule: Katrin Scheib mit einem Text über eine 5. Klasse der deutschen Schule in Moskau. Welche Fragen dort zum Thema Internet und soziale Medien gestellt werden. Ich hätte nicht alle beantworten können.

Küche: Stevan Paul demnächst mit neuem Kochbuch, hier auch der Trailer.

Gesellschaft: Andreas Wolf über den ganz gewöhnlichen Rassismus und das allmähliche Verzweifeln. Jo.

Hamburg: Ein Kommentar zur Hamburger Luft. Ein Thema, das noch für richtig Spaß sorgen wird, weil unpopuläre Maßnahmen, na, sagen wir es ruhig, alternativlos sein werden. Als Innenstadtbewohner kann man nur hoffen, dass es bald losgeht.

In eigener Sache: Ich habe es schon überall begeistert verkündet, nur hier im Blog noch nicht: die kleine Interviewreihe “Was machen die da” von Isa und mir gibt es jetzt auch in gedruckter Version.

Nido

 

Die Zeitschrift Nido hat uns gebeten, ein paar Folgen zum Thema “Kultur für Kinder” zu erstellen, das geht in der aktuellen Ausgabe los. Wir haben uns mit Martin Paas unterhalten, dem Puppenspieler von Ernie aus der Sesamstraße. In den nächsten Heften geht die Reihe dann weiter.

Nido

 

Und in der aktuellen Ausgabe der Szene-Hamburg habe ich einen Artikel über den Sommer mit Familie in der eigenen Stadt geschrieben.

Szene Hamburg

 

Kurz und klein

Woanders – Der Wirtschaftsteil

In der letzten Ausgabe dieser Kolumne gab es gar keinen Fahrradlink, das ist natürlich ungeheuerlich. Dann wollen wir uns dem Thema Rad und Verkehr in dieser Woche doch einmal etwas gründlicher widmen. Es ist nämlich auch so, dass zur Zeit ganz ungewöhnlich viele Artikel zum Thema Verkehr und Radverkehr in Deutschland und auch weltweit erscheinen, man könnte fast meinen, in das Thema kommt endlich Schwung und Bewegung.

Und dass da etwas in Bewegung ist, das bringt man natürlich nur allzu gerne mit “Peak Car” in Beziehung, wenn nicht sogar mit “Carmageddon” oder der “Carpocalypse.” Im Guardian denkt man detailreich über die Verkehrswende nach (englischer Text).

In Deutschland kommen die Trends angeblich aus Berlin. Dort werden die Autos zwar nicht gerade abgeschafft, aber man hofft doch immerhin, einen Großteil zu elektrifizieren, das ist ja auch etwas.

Die Elektroautos werden also mehr, die Fahrräder werden auch mehr, und wie. Man sehe sich etwa die Zahlen für Hamburg an, also für eine Stadt, die bisher keineswegs jemals durch eine fahrradfreundliche Politik aufgefallen ist, im Gegenteil. Vielleicht sind da Menschen auf Rädern unterwegs, die die Sache mit der effektiven Geschwindigkeit verstanden haben. Noch überraschender klingen übrigens Zahlen aus Wien, dort möchte man den Anteil des Autoverkehrs am Gesamtaufkommen auf 15% senken, das ist doch einmal ein sportliches Ziel.

Aus deutscher Sicht wirkt das vielleicht nicht locker erreichbar, Niederländer dürften das sicher schon anders sehen. In Amsterdam fahren immerhin so viele Bewohner jeden Tag mit dem Rad, dass es dort schon ein eklatantes Fahrradparkplatzproblem gibt.

Die Zeichen sind ziemlich klar, dem Fahrrad gehört die Zukunft, zumindest in den Großstädten. Wobei – würde man Enschede, Almelo und Nijverdal als Metropolen bezeichnen? Eine Radschnellstraße wird es zwischen denen dennoch geben. Auch abseits der Großstädte geht etwas.

Und es bewegt sich überall auf der Welt in der Verkehrspolitik, nur der Autoverkehr, der bewegt sich oft gar nicht, der steht herum. Weswegen Städte auf kreative Maßnahmen kommen, denn eines ist klar, so wie in der Vergangenheit geht es einfach nicht weiter. Hier ein Beispiel aus China (englischer Text). Oder hier, ein Beispiel aus der deutschen Heimat, aus Münster.

Und auf Bewegung muss man selbstverständlich nicht nur warten, die kann man auch einfordern, etwa als Radl-Guerilla.

Ein Punkt, der in amerikanischen Medien immer wieder betont wird und in deutschen Medien bisher eher keine oder eine nur untergeordnete Rolle spielt, ist das Interesse des Einzelhandels. Weniger Autos, mehr Geschäft, das wird hier in kommunalen Diskussionen noch ziemlich oft bestritten und angezweifelt. Am Ende des folgenden Artikels kann man sich einen Ted-Talk von Janette Sadik-Khan ansehen, sie war eine Weile für den Verkehr in New York zuständig und hat in diesem Zusammenhang interessante Erfahrungen gemacht: “More people on foot, more business.” Was machen währenddessen die, die für den Verkehr in Deutschland zuständig sind? Seltsame Kampagnen.

Und es geht auch nicht alles fröhlich vorwärts, manche Meldungen wirken auch wie ein Rückschlag. Grundschüler können weniger radfahren? Bitte? Also doch noch kein Grund, sich entspannt über alle Entwicklungen zu freuen, man muss schon noch mitmachen, Und z.B. die eigenen Kinder aufs Rad setzen. Statt ins Auto.

Zum Schluss zur Entspannung ein paar Filmminuten mit einer ziemlich speziellen Radtour – auf der höchsten befahrbaren Straße der Welt. Holen Sie sich einen Kaffee und sehen Sie den beiden einfach sieben Minuten lang zu. Es ist großartig.

GLS Bank mit Sinn

Zwischendurch ein Dank…

… und zwar an Micha von Salzkorn, was in dieser Schreibweise wie ein besonders bezaubernder Adelstitel klingt, merke ich gerade, und an die Übersetzerin Lisa Grüneisen, die mich und auch die Söhne mit Sommerlektüre beschenkt haben. Große Freude! Danke! Zu den Büchern dann später mehr, versteht sich.

Und die Sommerpause naht sogar tatasächlich, auch wenn sich nichts, aber auch gar nichts auch nur annähernd danach anfühlt. Noch 15 Werktage, wenn man beruflich teilweise als Graf Zahl unterwegs ist, dann weiß man natürlich auch so etwas.

Ein Update bei “Was machen die da”

Isa und ich haben gerade etwas mit der Zeitschrift Nido zu tun, dazu sagen wir im Laufe der Woche noch etwas. Aber wenn wir schon mit Leuten zu tun haben, dann machen wir seit einiger Zeit auch gerne ein Interview, weswegen wir im heutigen Update bei “Was machen die da” Anke Helle vorstellen, die stellvertretenden Chefredakteurin von Nido und Neon.

Der Text findet sich hier.
Anke Helle

 

Die Herzdame backt: Tarte Tatin – featuring Patricia

Die Tarte Tatin ist natürlich nicht irgendein Kuchen, das ist eine sehr, sehr französische Angelegenheit mit dazugehörigem Mythos von den beiden Damen Tatin. Da ist es besser, man lässt Fachleute ran, in diesem Fall also z.B. eine Französin. Wir haben dafür Patricia besucht, eine langjährige Freudin der Herzdame. Patricia hat die richtige Nationalität, sie hat außerdem damals eine wichtige Rolle bei unserer Hochzeit gespielt, sie ist Patentante von Sohn II und der Familie also auf so manche Art verbunden – und jetzt auch per Blogeintrag.

Patricia

Patricia hat ein Händchen für Deko und Einrichtung, weswegen man nach einem Besuch bei ihr immer ein seltsames Gefühl empfindet, wenn man wieder nach Hause kommt und das eigene heruntergewirtschaftete Chaos betritt, das man so Wohnung nennt. Sie wohnt irgendwie immer dekorativer als wir, obwohl sie auch zwei Kinder hat.

Dekoklimbim

Bei Patricia sieht immer alles gut aus, ist nett arrangiert und wohlüberlegt. Bei Patricia schmeckt auch immer alles, was sie wie nebenbei in der Küche zusammenrührt, ich bewundere das sehr.

Nüsse

Ich rede mir manchmal ein, dass das mit dem Essen daran liegt, dass sie dauernd so viel Lebensmittel aus Frankreich mitbringt, aber im Grunde kann man das natürlich nicht glauben.

Dekoklimbim

Sie kann es einfach. Jedesmal, wenn wir bei ihr waren, denken wir hinterher ein paar Tage lang, das wir das doch auch können müssten! So mit Liebe kochen, alles so nett anrichten und einrichten, überhaupt so gepflegt herumleben. Zumindest ein wenig! Dann legen wir zaghaft zwei Weintrauben neben den Käse auf dem Abendbrottisch, aber es ist irgendwie doch nicht vergleichbar. Wir bleiben stets bemüht, mehr ist es nicht.

Wasser mit Zeug

Tarte Tartin also, wir brauchen zunächst mal einen Mürbeteig, Pâte Brisée, wie die Fachfrau sagt. Es geht los.

Patricia und die Herzdame

Für den Mürbeteig brauchen wir:

200 g Mehl
100 g Butter
10 g Zucker
1 Ei
1 Prise Salz

Zutaten Mürbeteig
Teig in Schüssel

Butter in Flöckchen in eine Schüssel geben. Mehl dazusieben (Patricia siebt wirklich, war klar), das Ei, Zucker und Salz dazugeben. Alles sehr gut verkneten, zu einer Kugel rollen und in Frischhaltefolie etwa eine Stunde kaltstellen.

Teig in Folie

Patricia backt übrigens nach diesem Buch hier, es macht schon einen etwas abgelebten Eindruck, wie es sich für wirklich anwendbare Kochbücher gehört.

Kochbuch

Wir brauchen außerdem:

Etwa 600 Gramm Äpfel
150 Gramm Zucker
75 Gramm Butter
Etwas Zimt

Pommes

Die Äpfel werden in wirklich dünne Scheiben geschnitten, nicht etwa in norddeutsche Apfelkuchenkeile. Dünn!

Äpfel schneiden

Die Herzdame schneidet Äpfel

Butter in einer Pfanne erhitzen, Zucker zugeben und schmelzen lassen. Dann kommen die Äpfel und der Zimt dazu.

Geschnittene Äpfel

Äpfel in Pfanne

Äpfel in Pfanne

Das sieht gut aus, das riecht auch gut, da kommen, wenn die Fenster offen sind, sämtliche Kinder aus dem weiteren Umkreis des Hauses wie zufällig vorbei und fragen, ob es vielleicht bald Kuchen gibt. Die Äpfel sind nach kurzer Zeit hübsch bräulich karamellüberzogen.

Den Teig auf einer bemehlten Fläche ausrollen, was Patricia hier übrigens nur wegen des besseren Lichts auf dem Wohnzimmertisch macht, normalerweise machen das auch Menschen aus Frankreich eher in der Küche. Prüfen ob die Größe reicht!

Teig ausrollen
Teig ausstechen

Teig auslegen

Teig auf Tisch

Die karamellisierten Äpfel kommen in die Kuchenform, der Teig kommt auf die Äpfel, es wird kunstvoll ein Rand gebastelt und alles wird vorsichtig festgedrückt. Ich hoffe, die Bilder sprechen hier einigermaßen für sich.

Äpfel in Form

Äpfel in Form

Teig über Äpfeln

Rand schneiden

Teig in Form

Patricia und Maret und Teig

Teig andrücken

Backofen vorheizen. Nach dem Backen – bei 180 Grad etwa 20 Minuten, Patricia backt nach Gefühl – wird die Form beherzt gestürzt, ein Moment, der nicht ohne Spannung ist.

Patricia an Ofen

Gebackener Mürbeteig

Tarte Tatin stürzen

Tarte Tatin stürzen

Im besten Fall sieht das Ergebnis etwa so aus:

Tarte Tatin schneiden

Man isst es mit Vanilleeis und Sahne. Und mit erheblicher Begeisterung, versteht sich.

Tarte Tatin

Die Herzame mit Kuchen

Laut Original-Rezept isst man es in Frankreich übrigens mit Crème fraîche, bzw. mit geschlagener Crème fraîche. Da sagt Patricia aber, es müsse gute Crème fraîche sein, womit sie vermutlich eine Qualität meint, die hier nicht im Kühlregal steht. Es gibt anscheinend etliche Möglichkeiten zwischen Crème Fouettée und Crème Chantilly, gerade bei Milchprodukten gibt es doch ein paar entscheidende Differenzen zwischen Frankreich und Deutschland, man rede nur einmal über Butter. Mit Vanilleeis und banaler geschlagener Sahne schmeckt es auf jeden Fall großartig.

Und das alles ist, so sagt Patricia, total einfach und macht sich nebenbei, während man kocht. Die Herzdame denkt darüber noch nach.

Die Herzdame

Woanders – diesmal mit Wearables, Wildschweinen, Weckern und anderem

Technik: Die Wearables wollen ins Bett und ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Allein die Vorstellung, wie das Ding Daten sammelt und analysiert und dann womöglich noch Vergleichstabellen ausspuckt! Wo die Daten doch da sind – das ist ja genau wie bei der Vorratsdatenspeicherung.  Was man hat, wird auch genutzt, alles andere glaube doch bitte kein Mensch. “Bitte geben Sie eine neue Partnerin ein”. “Diese Partnerin unter Favoriten speichern?” Das liefert für einen Stand-Up-Comedian doch Stoff für einen ganzen Abend, wenn nicht für eine Woche. “Diese Stellung ist in deinem Land nicht verfügbar.” 7 Stunden Akkulaufzeit hat das Teil! Man möchte sofort Witzeschreiber fürs Fernsehen werden, möglichst mit Jahresvertrag. Ob es auch so grandiose Push-Nachrichten schickt, wie andere Sport-Apps? “Zeige allen Deinen Freunden, wie schnell Du bist – jetzt teilen!”  Diese Möglichkeiten! Eine absurder als die andere. Ich kriege mich gar nicht mehr ein.

Familie: In der FAZ ein Artikel über Rollenklischees und warum die Mütter mit den Kindern basteln. Alles ziemlich klar, was da steht – und immer wieder verblüffend, wie  vielen das offensichtlich vollkommen unklar ist.

Sport: Ha, schon wieder eine Sportmeldung! Das wird noch eine feste Rubrik, wenn das so weitergeht. Es geht um die Abschaffung der Bundesjugendspiele, alles weitere hier.

Gesellschaft: Thomas Fischer über Zufälle und Wildschweine, man möchte fast sogar sagen: besonders über Wildschweine. Ein grandioser Text.

Schule: Die SZ über den zu frühen Schulbeginn. Das ist so ein Thema wie die Sommerzeit oder die Bundesjugendspiele – alles wissen, dass es totaler Quatsch ist, eine Änderung werden wir dennoch nicht mehr erleben.  Irgendwie auch faszinierend.

Feuilleton: Im Skizzenblog wird die schöne rhetorische Figur Hendiadyoin gut und schön erklärt.

Feuilleton: Die Welt erklärt, dass E-Book-Singles nicht funktionieren. Für mich funktionieren sie auch nicht, ich hatte bis zu diesem Text nicht einmal den Begriff je gehört. Also als Begriff funktionieren sie schon mal gar nicht. Inhaltlich sehe ich allerdings nicht, warum das nicht funktionieren soll, besonders bei den Fortsetzungsromanen finde ich die Entwicklung ganz logisch. Der Dickens der Moderne wird das vielleicht genau so machen wie der Klassiker, alles schubweise verkaufen, alle paar Wochen oder Monate frischer Text. Warum auch nicht. Ein durch und durch nachvollziehbares Geschäftsmodell.

Feuillleton: Jugendgefährdende E-Books dürfen nur nachts verkauft werden. Hihi. Und in diesem Fall muss man darauf bestehen, “Hihi” als qualifizierten und vollkommen  ausreichenden Kommentar zu betrachten.

Hamburg: Kirchen zu Kitas. Das ist doch mal eine sinnvolle Umwidmung sakralen Raums.