Eine kleine Modegeschichte des Herrn B.

Zuerst war Mode ganz egal. Egal im Sinne von völlig egal, man trug irgendwas, das hat die Mutter hingelegt, es hat selten interessiert, was das genau war. Einige Sachen waren kuscheliger als andere, es gab immerhin Nickis und grässliches Wollzeug, aber die Optik war wurscht. Einiges war selbstgemacht, vieles war selbstgeflickt, schon oft gestopft und sowieso vererbt. Wenn man ganz großes Pech hatte, dann bekam man Kleidung als Geschenk zum Geburtstag oder zu Weihnachten. Schlimmer konnte es kaum kommen. Kleidung statt Spielzeug. Das war schlimm. Was die anderen trugen, hat mich auch nicht interessiert. Vieles war aus knisternden Kunststoffen, die Kleider der Damen waren wilder geblümt als jede Frühlingswiese, die Hemden der Männer waren noch gestärkt und saßen wie Rüstungen. Im Winter konnte man an den Pelzmänteln der Damen noch die Einkommen der Herren ablesen. Das waren die Siebziger.

Dann war die Mode nicht mehr egal, sondern peinlich. Nicht die aktuelle, natürlich nicht, aber die vergangene, die der Siebziger. Die war – das kann man gar nicht mehr ausdrücken, wie peinlich die uns war, da konnte man sich nur schütteln. Das musste durchbrochen werden, jeder Look, jedes einzelne Designelement aus dem vergangenen Jahrzehnt musste sterben und gegen einen cooleren, neuen Style getauscht werden. An der falschen Kragenlänge konnte man zweifelsfrei erkennen, wer ein kompletter Vollidiot war. Der Wahrheitsfindung dienten uns die Läden von Jean Pascale oder Fiorucchi und die MTV-Videos. Zum ersten Mal brauchte man Geld für Kleidung. Und zwar dringend und viel. Wir erschufen eine neue Welt, sie war strahlend schön – wie wir auch – und sie war ein Sinnbild für die bessere Zukunft, die wir zweifelsfrei noch vor uns hatten. Heute blickt man schaudernd auf die grotesken Modepeinlichkeiten der Achtziger zurück und versteckt die Bilder mit den hochgeföhnten Frisuren und den Schulterpolstern vor den Kindern. Heute weiß man aber auch nicht mehr recht, welches Jahrzehnt eigentlich peinlicher war, die Siebziger oder die Achtziger.

Dann habe ich Anzug getragen, das war eine einfache Angelegenheit und Mode mir dann doch wieder egal. Ich besaß gar keine Jeans mehr, aber drei gleiche Anzüge und eine Reihe weißer Hemden, der Filmfreund denkt sofort an eine Kleiderschrankszene aus Neuneinhalb Wochen, und zwar berechtigt. Auch wenn der Film aus den Achtzigern war. Die Jugend um mich herum hörte etwas, das Grunge hieß und mir nichts mehr sagte, gut angezogen waren die natürlich auch nicht. Eher ganz im Gegenteil. Meine Frau war älter als ich, ich orientierte mich modisch an gestandenen Herren aus dem Management, da wollte ich hin. Das waren die Neunziger.

Dann kam die Herzdame, die ist jünger als ich. Ich trug dann doch wieder einmal eine Jeans, ich kaufte mir Hoodies und Sneaker, kannte plötzlich wieder Studenten. Ich trug aber meistens doch weiter Anzug und fast nur schwarze Sachen, es war so schön einfach. Ziehste irgendwas an, passt immer alles zusammen. Was das an Zeit spart! Das waren die Nuller.

Dann kamen die Kinder und ich hatte keine Zeit mehr, mich um meine Kleidung zu kümmern. Sie war okay, wenn nicht zu viel Milchkotze- oder Obstbreiflecken drauf waren. Ich war der Papa, der mit Anzug im Sandkasten saß, das war mir auch egal. Das war die erste Hälfte des laufenden Jahrzehnts. Na, so ungefähr jedenfalls.

Ich habe im letzten Jahr einmal für Annette Rufeger fotografiert und sie gerade einmal für “Was machen die da” besucht, beide Male fand ich ihren Beruf faszinierend. Weil mich Mode nie fasziniert hat. Also nicht richtig. Ich kannte mich nie gründlich aus, ich habe mir nie wirklich ausführlich Gedanken über meinen Look gemacht. Ich habe nie nach Kleidung gesucht, sondern immer das Naheliegende gekauft. Aber Mode hätte mich immer interessieren können. Das ist so eines der Themen, die einen ab und zu mal anlächeln, dann flirtet man etwas damit herum, dann sagt man doch wieder nein. Mode – irgendwie reizvoll, aber wer hat dazu Zeit. Aber solche Gespräche mit Menschen aus der Modebranche führen dann doch dazu, dass man sich fragt, was man eigentlich trägt und warum. Und ob das überhaupt so richtig ist. Oder ob es auch auch ganz anders ginge?

Da denkt man etwas herum, was findet man denn überhaupt schön, wer zieht sich eigentlich gut an und wo bekommt er die Sachen her. Man bekommt doch irgendwie ein wenig Lust, sich “gute” Kleidung zu kaufen, wenn man mit solchen Menschen spricht, die sie leidenschaftlich gerne herstellen. Dann macht man aber doch den Kleiderschrank wieder zu und murmelt leise “na ja”.

“Männer sind beim Shoppen scheue Rehe” sagte Annette Rufeger in unserem Interview und das stimmt, was mich betrifft. Ich hasse es, in Läden von Personal angesprochen zu werden, alleine die Möglichkeit ist ein guter Grund, Läden gar nicht erst zu betreten. Und ich mag es nicht, neue Sachen zu tragen, ich finde neue Sachen ganz furchtbar. Angeblich haben englische Gentleman früher ihre neuen Anzüge durch die Butler eintragen lassen, damit sie nicht mehr so peinlich neu aussahen, ich verstehe das. Kleidung online bestellen und in menschenleeren Gegenden heimlich eintragen, das wäre meine Option. Ist das eine Option?

Aber, warum auch immer, Mode wird anscheinend in diesem Jahrzehnt doch ein klein wenig interessanter für mich, und sei es nur als Negativmotivation. Ich finde es zum Beispiel mittlerweile fast unerträglich, in einer dieser Outdoorjacken herumzulaufen, die langsam deutsche Einheitskleidung geworden sind. Ich mache das aber, ich habe ja nichts anderes. Ich muss erst noch etwas finden, was anders ist, aber nicht zu anders. Ich möchte gerne ein wenig anders sein – aber auch nicht herumlaufen und schreien “Guckt mal! Ich bin anders! Und besser!” Ich finde das sehr kompliziert.

Aber spannend ist es, auf solche Themen gestoßen zu werden. Themen, mit denen ich es mir ein Leben lang ziemlich leicht gemacht habe. Das ist eine der amüsanteren Folgen des neuen Projektes, dass ich morgens etwas länger vor dem Kleiderschrank stehe und mich frage, was ich eigentlich warum anziehe. Finde ich gut.

 

Begeisterung

Man kommt zu nix. Da muss es erst Ostern werden, bevor ich zu den Texten komme, die schon seit Tagen, ach was, seit Wochen, überfällig sind. Denn die Sache mit “Was machen die da” sollte natürlich auch in diesem Blog ein wenig begleitet werden. Drüben erscheinen die Originaltexte unserer Interviewpartnerinnen, hier ist noch Raum für Notizen, wie außerordentlich praktisch.

Und Notizen mache ich mir schon, im Geiste. Denn die Menschen, die wir da befragen, haben lebhaftes Interesse an Themen, die mich vielleicht gar nicht interessieren, das ist doch interessant. Also ich finde das jedenfalls interessant. Da hat also die Begeisterungsfähigkeit von jemandem eine andere Abbiegung als bei mir genommen. Vielleicht an einer Stelle, an der ich auch irgendwann hätte abbiegen können, kann ja sein – und kann man mal drüber nachdenken. Warum ist dies oder das in meinem Leben kein Thema, warum war jenes nur kurz eines und könnte das da wohl noch eines werden? Warum eigentlich nicht?

Es gibt die gelebten Begeisterungen, deswegen schreibe ich zum Beispiel. Ich schreibe fast immer, ich habe fast immer Spaß daran, ich würde auch schreiben, wenn es nicht mein Beruf wäre, das kann man gelten lassen. Es gibt die fast gleichrangigen Begeisterungen, die nur etwas nachhängen. Die hat man vielleicht nicht zu Geld machen können, die bekommen ein klein wenig weniger Zeit ab, werden etwas weniger scheckheftgepflegt, deswegen fotografiere ich. Ich fotografiere wirklich gerne, aber nicht den ganzen Tag. Da würde das Schreiben dann fehlen, das muss man austarieren. Ich würde auch gerne wieder zeichnen, aber ich schaffe es nicht, die Tage reichen einfach nicht aus.

Das Zeichnen ist so eine dieser Reservebegeisterungen, die auf Anstöße reagieren, die in Warteschleifen herumdrehen und geweckt werden können. Deswegen lese ich auch fast keine Sachbücher über Geschichte mehr. Weil, das habe ich irgendwann schon einmal länger ausgeführt, ein Buch zum anderen Buch führt und zack, ist man Experte für das Landleben der unteren Schichten in Nordostwestfalen im 19. Jahrhundert. Aber will man das? Hat man die Zeit dafür? Man kann einfach nicht jede Begeisterung leben, es gibt auch solche, die man bremsen muss. Wenn der Zeitmangel sie nicht sowieso bremst.

Meine erste Frau war frankreichbegeistert, in einem seltsamen Ausmaß sogar. Sie hat die Sprache gelernt wie besessen, mit einer geradezu religiösen Verehrung jeder Silbe, das war wirklich beeindruckend. Jeder Urlaub ging nach Frankreich, bei uns lief französisches Fernsehen und französisches Radio, wir hörten französische Musik. Ich habe mich da damals gerne anstecken lassen, obwohl ich eher dem Englischen zuneigte. Ich war natürlich nie auf ihrem Niveau, aber ich kann noch heute mehr Französisch verstehen, als ich ohne die gemeinsame Zeit mit ihr je gelernt hätte, das gefällt mir auch noch heute.  Aber nach dem Ende der Ehe war ich nie wieder in Frankreich, habe ich nie wieder französisches Fernsehen gesehen. Begeisterungen kommen und gehen, wehen einen an, wehen weg.

Begeisterung ist das, was wir alle erstreben. Niemand nimmt sich als Kind vor, einen mittellangweiligen Beruf zu erlernen, um ein gut aushaltbares Leben bei mäßigem Einkommen und überschaubar geregeltem Essen zu führen. Jeder strebt das an, was begeistert. Wir landen dann vielleicht doch in dem mittellangweiligen Beruf, aber wir suchen immer noch weiter, im Alltag, im Beruf, in der Freizeit, auf Reisen, in der Liebe, im Bett.

Isa und ich haben, fast hätte man es erwarten können, schon Vorwürfe gehört, die gemeinsame Klammer bei “Was machen die da”, die Begeisterung, sei nicht intellektuell genug. So etwas tauge nicht als verbindendes Element, Begeisterung sei einfach zu flach. Da klingt vielleicht ein wenig die Annahme mit, dass der Mensch, der sich begeistert, die Kritikfähigkeit verliert und dümmlich klatschend sowie selig grinsend vor dem jeweiligen Fetisch seiner Freude hockt.

Statthaft ist dann nur das schlechtgelaunte Durchdringen aller Materie, da kreist der Dr. Faust im Studierzimmer und flucht vor sich hin, nicht wahr, das ist kulturgeschichtlich gut belegt. Und die Menschen, die wir drüben interviewen, die sagen aber alle, da kann man ruhig bei Faust bleiben, die sagen alle zu ihrem Job, zu ihrem Hobby, wie auch immer: “Verweile doch, du bist so schön.”  Und dann holt sie gar nicht der Teufel. Nanu!

Ich finde, das wollte ich nur kurz sagen, Begeisterung ist eine erstaunliche Regung der menschlichen  Seele, hochinteressant und sehr bewegend. Ich finde, sie ist eine brauchbare Klammer für so eine Interview-Reihe. Wie kann man sich denn bloß für das Sammeln von irgendwelchem Zeug begeistern? Für ein Handwerk? Für seltsame Kunst, für die Arbeit mit sozial schwachen Menschen, für Kaffee? Spinnen die alle? Ja, natürlich tun sie das. Und ist es nicht schön?

Mich begeistert das. Isa hat in dieser Richtung auch mal was geschrieben, guck an.

So viel vorweg. Morgen dann endlich zur Mode. Oder übermorgen. Oder so.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wir verlinken hier dauernd auf viele verschiedene Quellen, mal originell, mal weniger originell. Artikel von Verlagen, Medien, Bloggern, man findet hier meist eine bunte Mischung. Ab und zu muss man sich da auch einmal ansehen, woraus diese Mischung eigentlich besteht. Dann merkt man nämlich, dass es vielleicht zweckdienlich ist, genauer hinzusehen. Das sind so Umstände, die sollte man im Sinn behalten, wenn man sich informiert.

 Skeptisch bleiben und Fehlinformationen und Missverständnisse immer für möglich halten, so muss man wohl vorgehen. Es kann so vieles falsch sein. Oder andersherum, es kann auch etwas fehlen, was vielleicht richtig ist. Besser man denkt gründlich nach. Ein wenig Wissen über Kommunikationsmuster schadet natürlich auch nicht, gerade bei Quellen aus dem Ausland. Der Artikel bezieht sich auf Verhandlungen, aber er passt auch auf andere Kommunikationsformen.

Es ist immer interessant, wenn jemand das hinterfragt, was in den Medien steht, was als Stereotyp herumgeistert, was als gegeben angenommen wird. Interessant und erhellend, wie hier bei diesem Beispiel im Nachbarland.Oder wenn jemand viel zu selten gehörte Argumente noch einmal in die Diskussion bringt.

Oder wenn jemand mal etwas nachrechnet, das ist auch gerne genommen. Die Leser des Wirtschaftsteils können es auch sicher ab, wenn in einem Artikel einmal ein paar Zahlen mehr vorkommen. Wenn es denn der Wahrheitsfindung dient, dann darf man auch Nachkommastellen erwähnen, nicht wahr?

Wobei man das im letzten Beispiel vielleicht sogar noch achselzuckend und mehr oder weniger resigniert zur Kenntnis nimmt, das liest man doch so oft, bei dem Thema rechnet man eh schon mit falschen Zahlen und Fakten  - aber es gibt auch Themen, von denen man seltener liest und bei denen unbekannte Zahlen einen vielleicht mehr erschüttern..

Und manchmal sind es auch erst die Kommentare der Leserinnen, die dem Inhalt eines Artikels noch einen gewissen Dreh geben – oder ihn ins rechte Licht rücken. Ganz gut zu erkennen bei diesem Beispiel, es geht um Biobaumwolle. Und, wie überraschend, es ist kompliziert.

Wenden wir uns den guten Nachrichten zu. Hier gibt es zum Beispiel ein neues Produkt, es ist, so sagt der Hersteller, rekordverdächtig. Ach nee, Moment, das ist gar keine gute Nachricht. Pardon.

Sehen wir uns also lieber ein Filmchen an, hier geht es um das Kartoffelkombinat, und das wird da auch fein erklärt, wass das ist. Das ist eine gute Sache. Und haben Sie es gemerkt? Das wird mit den gleichen filmischen Mitteln erzählt, die man auch bei einem Imagefilm von Monsanto erwarten würde. Das ist einfach ein weiterer Werbefilm mit melodramatische  Effekten. Ist da jetzt mehr Skepsis als eh schon angebracht? Oder gerade nicht, denn das sind ja doch tatsächlich die Guten? Tja. Kann man mal drüber nachdenken. Ist die Wahrheitsfindung irgendwo da draußen oder in unseren Köpfen?

Vielleicht machen wir lieber einfach Disko. Das ist doch was Reelles! Und danach dann noch ein beherzter Griff in die Muttererde. Zum Runterkommen. Man kann ja nicht immer nur über Informationen nachdenken – man muss auch mal leben. Und das war dann auch schon der Kulturteil, nanu.

Wir wünschen fröhliche Ostern!

GLS Bank mit Sinn

 

 

 

Kurz und klein

Kurz vor Ostern

Sohn I: “Ostern ist eigentlich kein so schönes Fest. Ich meine, mit Jesus und dem Kreuz und so. Der wurde da ja angenagelt.”

Sohn II: “Oder geschraubt.”

Sohn I: “Äh, nein… der wurde ans Kreuz genagelt. Haben sie in der Kita erzählt.”

Sohn II: “Wenn man schraubt, dann hält das aber besser.”

 

Das Dienstagsupdate bei “Was machen die da”

Isa und ich waren beim Dreh zum aktuellen Bücherjournal und haben für “Was machen die da” zwei der Macherinnen befragt, Natascha Geier und Julia Westlake. Die Sendung, um die es in den Interviews geht, wird übrigens heute um Mitternacht ausgestrahlt. Ja, um Mitternacht. Ist eine Kultursendung, ne? Keine weiteren Fragen zu Quoten und Niveau in Deutschland.

Und ich weiß nicht, ob es schon als empirischer Beweis gilt, aber ich war jetzt zum xten Mal bei einem Fernsehdreh dabei und immer ist mir aufgefallen, dass die Leute da verblüffend nett miteinander umgehen. Obwohl es da um Berufsbilder mit sehr klarer Hierarchie geht, im Umgangston merkt man überhaupt nichts davon. Kein Vergleich zum Medizinbereich jedenfalls oder zu anderen beruflichen Abgründen der Unfreundlichkeit. Wirklich erstaunlich.

Woanders – diesmal mit Fabian, Siri, Dieter Meier und anderem

Erich Kästners Roman Fabian erscheint endlich in der Originalfassung und das liest sich in der Besprechung so, als müsste man das gleich mal kaufen.

Siri in der Partnerschaft. Faszinierend.  Gleich ausprobiert, da ist es natürlich praktisch, wenn einen die Kollegen eh schon lange für meschugge halten. Das macht es viel einfacher.

Dieter Meier hat ein Soloalbum, klingt interessant.

Isa hat Thomas Pletzinger und Tobias Schnettler zur Übersetzung von Graphic Novels interviewt.

Bilder: Frauen mit Haaren an Stellen, wo heute üblicherweise bei Frauen keine Haare mehr sind. Interessant, wie absurd einem das mittlerweile erscheint, dort behaart zu sein. In meiner Kindheit liefen noch alle so herum, das war ganz normal. Das muss aber schon sehr, sehr lange her sein. Keine Angst, das sind keine pornösen Bilder.

 

Kinderfrei

Ich war mit der Herzdame aus. Und weil wir ein kinderfreies Wochenende hatten, waren wir in einem besseren Restaurant. Wir dachten, ohne Kinder passt das. Kerzenlicht, Klavierspieler, so in der Richtung. Das war ungewohnt, als wir uns an den Tisch gesetzt hatten, mussten wir nicht pausenlos irgendwem Anweisungen geben, um schlimmste Desaster zu verhindern. Wir mussten keine seltsamen Fragen nach Dinosaurierarten oder Piratenwaffen beantworten, wir mussten nicht dauernd aufpassen, dass die Gläser nicht umkippen und wir mussten nicht darauf achten, was gerade von wem in die Kerze gehalten wird. Das war ganz entspannend. Und verblüffend langweilig. Wir haben uns angesehen, Händchen gehalten und Konversation gemacht, man ist so etwas als Elternpaar gar nicht mehr gewohnt.

Dann kam die Vorspeise, ein winziges Etwas, ein verquirlter Geschmackswirbel. Sehr hübsch. Dann kam der zweite Gang, ein Süppchen. Das Süppchen füllte zwei Löffelchen, dann war es weg. Dritter Gang, ein Hauch von Fleisch an einem Gemüsegel, ja, da stand wirklich Gel auf der Karte. Und zum Nachtisch ein kleiner Joghurtscherz. Das war wohlschmeckend und bestens zubereitet, keine Frage. Ehre, wem Ehre gebührt, der Koch konnte was.

Aber wir haben doch gemerkt, was man eigentlich machen muss, wenn man ohne Kinder ausgeht. Man ist dann völlig falsch in einem feinen Restaurant. Man sollte lieber auf seine Vorbildfunktion pfeifen, in den nächsten Imbiss gehen und alles in rauen Mengen verdrücken, was man den Kindern sonst dauernd als ungesund verbietet. Man sollte beim Essen die ganze Zeit lesen, die Ellenbogen auf dem Tisch haben und wild mit dem Stuhl kippeln. Das wäre erst der wahre Genuss der Freiheit. Einfach hemmungslos sündigen. Und danach natürlich: Schokolade satt. Gleich tafelweise. Ein Traum.

Na, nächstes Mal.

 Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung

Zwei, drei Anmerkungen zur TEDx Hamburg

Es gibt Texte, vor denen man etwas ratlos sitzt. Und gar nicht einmal, weil das Thema zu schwer oder zu unbequem wäre. Oder weil einem nichts einfallen würde. Sondern einfach nur, weil jemand schon alles geschrieben hat. Das war in diesem Fall Isa, die ansonsten nicht gerade zum Early Bird neigt, aber jedem seine Chance, man muss auch gönnen können, schon klar.

In ihrem Artikel stehen jedenfalls etwa 99% dessen, was ich auch geschrieben hätte, wenn sie sich nicht vorgedrängelt hätte, weswegen ich da nur noch einige Ergänzungen hinterher werfe.

Da ist zum einen die Sache mit dem WLAN und da könnte ich mich immer noch aufregen. Ich finde es wirklich nicht mehr lustig, dass es keine Veranstaltung dieser Art mit funktionierendem WLAN zu geben scheint, das kann doch nicht mehr wahr sein? Was erlauben Saaltechnik? Ist das denn wirklich unmöglich? Sie dürfen jetzt im Chor “Wir fliegen doch auch zum Mars…” murmeln. Ich begreife es nicht. Man macht eine Veranstaltung mit Vorträgen, in denen es zu nicht gerade geringen Anteilen auch um moderne Technik geht, man betreibt einen immensen Aufwand, um diese Veranstaltung angemessen modern zu inszenieren, man lädt Blogger und Twitterer ein, die diese tollen neuen Kommunikationstechniken lieben – und dann gehen alle in einen Saal, in dem genau diese Technik nicht funktioniert. Kein WLAN, kein Internet. Kein Twitter, kein Facebook. Wir hätten Zettelchen mit Botschaften herumreichen können, wie damals in der zehnten Klasse, ganz großer Retro-Spaß. Da sitzt die ganze hippe Meute der willigen Veränderer kollektiv zusammen und redet über ziemlich abgefahrene Dinge und Lösungen. Aber die Basics, die Basics. Herrje.

Dann der Saal. Es wäre vielen Menschen in Hamburg gedient, wenn man den kleinen Saal der Laeisz-Halle einfach ein Schild schrauben würde: Für Veranstaltungen über zwei Stunden Länge verboten. Dann würden solche Veranstaltungen vielleicht künftig in vernünftig belüfteten Gebäuden stattfinden.

Dann der “style”. Als etwa der Chef von change.org sprach, hatte ich nach den ersten zehn Minuten, als er etwa hundertmal die Begriffe “love”, “passion” und “awesome” erwähnt, rührende Bilder gezeigt und mit bebender Unterlippe an sein Herz gefasst hat, das dringende Bedürfnis, ihn kurz zu unterbrechen und zu fragen: “Haben sie vielleicht auch etwas in Excel dabei?” Vermutlich bin ich einfach zu norddeutsch für so etwas. Ich habe gar nichts gegen ein wenig Pathos, aber eine Überdosis davon ist dann doch furchtbar. Leider greift aber dieser Style, der dem TEDx-Format natürlich im Kern innewohnt, auf etliche der Beteiligten über, so dass auch die Veranstalter und nicht wenige der Gäste so reden. Alles voller love, alles awesome, alles oh so great and wonderful and inspiring, oh so inspiring. Zucker mit Honig auf Nutella an Sahne, wie bei einer Teambuildingmaßnahme in einem Großkonzern mit durchgeknallten Animateuren.

Ich werde mit dem Format also nicht recht warm, es ist aber dennoch immer auch interessant. Man lernt ohne Zweifel etwas, sei es über den Mobilmarkt in Afrika, sei es über Petitionsplattformen, über Techniken des Widerstands in totalitären Systemen, über Hilfsmittel für Blinde. Themen, mit denen man gar nicht rechnet – und das ist auch gut so. Der Überraschnungseffekt ist wirklich ein Vorteil der TEDx, man weiß zwar in etwa, was einen erwartet, lässt sich dann aber doch von den Details überraschen, nicht selten positiv. Wobei, das kann man auch nicht übersehen, die Gästeschar natürlich nur aus den üblichen Verdächtigen besteht. Das sind die Interessierten, die Aufgeschlossenen, die Hipster, die Webjunkies, die Start-Upper und so weiter. Eine Szene, die zusammengehört. Das hat mit dem Titel der Veranstaltung “Urban Connectors” nichts zu tun, hier verbindet sich im Publikum erst einmal gar nichts, die sind nämlich alle schon verbunden. Da kommen keine verschiedenen Zielgruppen zusammen, da mischt sich nichts, da wird nichts connected, das ist gar nicht so awesome.

Aber dennoch, es ist interessant. Man nimmt immer irgendwelche Anstöße mit, es sind immer Vortragende da, die Bewundernswertes leisten, die sensationelle Ideen hatten, man denkt hinterher immer, dass man selbst auch mehr machen könnte, müsste, wie auch immer.

In Hamburg gibt es seit ein paar Tagen neue Mülleimer. Die haben einen Deckel mit Solarzellen, aus denen gewinnen sie Energie, um den Inhalt zusammenzupressen. Dadurch passt jetzt etwa sechsmal mehr Müll in diese Mülleimer. Wenn sie voll sind, dann merken sie das und schicken automatisch eine Mail an die Stadtverwaltung und die schickt dann die Truppe los, die diese Mülleimer leert. Das ist ein schöner, eleganter, zeitgemäßer Prozess, das sieht man sich an und denkt: “Ja, das passt in die Zeit und in die Stadt, da hätte man auch früher drauf kommen können.” Und man kann sich sehr gut vorstellen, dass solche Ideen auf Veranstaltungen wie der TEDx geboren, befördert oder weitergesponnen werden. Die Mülleimer wären übrigens auch ein nettes Thema für einen Vortrag mit lokalem Bezug gewesen.

Die TEDx schafft schon eine Szenerie, in der solche Ideen viel möglicher scheinen, als sie es im Alltag vielleicht zunächst sind. Und das ist es ja allemal wert. Wenn jemand so eine Veranstaltung noch nicht erlebt hat – da verpasst man schon auch was.

 

Dialog am Morgen

Ich: “Jeder hat was, das er gut kann.”
Sohn I: “Ja, ich kann zum Beispiel gut schwimmen.”
Sohn II: “Und ich bin der allerschnellste Radfahrer. Was kann Papa gut?”
Sohn I: “Papa kann das iPad gut halten.”

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Während wir hier in den meisten Ausgaben zumindest ein wenig Hoffnung verbreiten, gibt es natürlich auch Fälle wirtschaftlichen Scheiterns, an denen es nichts zu deuten gibt. Und manchmal werden die so aufgeschrieben, dass es geradezu gruselig schön zu lesen ist. Etwa die Geschichte von dem Autoren hier, der sein Honorar nicht bekam. Es lohnt, den Artikel bis zum Ende zu lesen, auch wenn man nach den ersten Absätzen zu wissen meint, was kommt. Es kommt dann doch noch mehr, und es ist sehr kompliziert.

Der eine kommt nicht an sein Geld, anderen nimmt man es recht raffiniert weg. Auch das ist gruselig.

Das waren lange Texte, da reichen wir gleich noch einen ganz kurzen über wirtschaftliches Scheitern nach. Bitte, wirklich sehr knapp. Und in diesem Text geht es nicht um wirtschaftliches Scheitern, sondern um ein argumentatives, aber manchmal liegt das ja eng beieinander.

Und manchmal schreiben Journalisten über ein Scheitern und scheitern dann selbst dabei, da kann man sich zurücklehnen und Popcorn holen, wenn auf SPON etwas steht, was dann in einem Blog dann zerlegt wird.

Gescheitert ist auch eine Klage gegen Media Markt, da kann man sogar etwas länger drüber nachdenken, als es der Artikel hergibt, nehme ich an.

Na, und beim Scheitern denken wir natürlich auch an den Ökostrom, Grund gibt es allemal. Aber zum Scheitern fallen einem natürlich ohnehin genug Meldungen auf, sogar Meldungen, bei denen man gar nicht recht weiß, ob da etwas scheitert oder nicht. Lassen wir das lieber. Wobei das Scheitern, nur diese eine Anmerkung noch, nicht nur bei uns systemimmanent ist, das können andere Systeme auch. Wir verweisen schnell noch auf dieses beeindruckende Filmdokument aus einem, nun ja, blühenden Staat. Ob das ein Dokument des Scheiterns ist, das kann jeder selbst entscheiden.

Weia, wir brauchen hier dringend eine gute Nachricht. Und die finden wir bei den ach so bösen Konzernen, guck an. “Das Internet erlebt seine Energiewende” steht da, dann wird also doch noch etwas gewendet, wie schön. Aber nette Geschichten gibt es natürlich auch bei kleinen Firmen, selbstverständlich. Und immer gibt es auch einzelne Menschen, die in Projekten gegen “Fehler im System” arbeiten. Irgendwas geht ja immer

Auch wenn es uns manchmal overfordert. Und nein, das war gar kein Tippfehler. Das war der Kulturteil.

GLS Bank mit Sinn

Übrigens…

… ist bei dem neuen Projekt “Was machen die da” wieder ein neuer Artikel erschienen, den findet man hier. Und Isa und ich bemerken gerade die feine Ironie der Angelegenheit, dass man nämlich, wenn an andere beim Machen von Sachen besucht und beobachtet und mit ihnen Interviews führt und sie fotografiert, nicht mehr dazu kommt, andere Sachen zu machen. Also etwa Blogeinträge zu schreiben.

Dabei gäbe es zu der Modedesignerin, zu dem Kurator, zu der Schuhhändlerin und der Buchbinderin durchaus noch etwas anzumerken, so ist es ja nicht. Kommt auch noch. Wir üben etwas am Timing herum, ich bin da ganz zuversichtlich. In der Zwischenzeit können Sie drüben ja schon einmal nachlesen,  was passiert, wenn man mit 42 noch eine Ausbildung anfängt. Für den einen oder anderen kommt das sicher noch rechtzeitig, nehme ich an.

Hände mit Pinsel

In Kürze hier dann mehr zu den Risiken und Nebenwirkungen des neuen Projektes, ich schreibe da mal zunächst etwas in Bezug auf die Modedesignerin zusammen. Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn es heißt: “Herr Buddenbohm steht vor dem Spiegel und fragt sich, warum er die Kleidung trägt, die er trägt.”

 

 

Mal eben ans Meer

Da waren also wieder die üblichen zwei Tage im Jahr, die wir ohne Kinder verbringen. Also tatsächlich die einzigen beiden Tage im Jahr komplett ohne Kinder, in die muss dann sehr viel Erholung passen. Weswegen wir immer wieder an den selben Ort fahren, nach Kühlungsborn. Kühlungsborn ist in Wahreit so toll nun auch wieder nicht, aber da ist der Ablauf geregelt, da geht alles immer genau den Gang, den wir vorgesehen haben, und Überraschungen braucht man nicht, wenn man zwei bis drei Nickerchen pro Tag machen möchte. Mindestens.

Deswegen schaffen wir es, nach Ablauf eines Jahres zu nahezu identischer Uhrzeit wie im Vorjahr im selben Café auf den üblichen Plätzen die gleiche Torte wie im Vorjahr zu bestellen. Womöglich sind wir ein klein wenig schrullig, okay. Jedem seine Abgründe. Wir ziehen aber immerhin in Erwägung, nächstes Jahr doch einmal woanders hinzufahren. Die Torte hat nicht geschmeckt, da bin ich eigen, so etwas muss Folgen haben.

Wir sind in Hamburg bei bestem Wetter losgefahren, das Wetter war sogar so schön, dass ich keine Jacke mitgenmommen habe. Das fiel mir aber erst abends in Nordostwestfalen auf. Wenn wir nach Kühlungsborn wollen, dann müssen wir erst nach Nordostwestfalen, um die Kinder zu den Großeltern zu bringen, das ist ein dezenter Umweg, wie die kartenkundigen Leserinnen ahnen können. Da stand ich dann im Abendhauch frierend am Rand des Nachbarackers und mir fiel gerade noch rechtzeitig ein, dass Schwiegermutter gerne meine abgelegten Outdoorjacken aufträgt, um sich auf Hundetrainingsplätzen damit angemessen zu kleiden. Ich habe also so eine dieser Jacken von ihr zurückgeliehen, es war schon dunkel, ich habe mir die Jacke nicht näher angesehen.

#kuehlungsborn #baltic

In Kühlungsborn war es bei unserer Ankunft nicht mehr frühlingshaft, sondern kühl und grau, wir standen etwas verblüfft am Strand. Genau genommen war es so kühl, dass man es auch kalt nennen konnte, wenn nicht sogar saukalt. Es wehte ein ganz ordentlicher Wind, der Himmel hing tief und die See roch aufgewühlt. Dieser Geruch an der Küste, wenn die Wolken so nah sind, dass alles komprimiert wird und intensiver wird, wenn man meint, jeden Halm Tang riechen zu können, jede einzelne brechende Welle, jedes nasse Stück Holz am Steg. Es war grau, sehr grau um uns herum und die wenigen Spaziergänger hatten diesen forsch bemühten “Das ist aber jetzt trotzdem schön!”-Schritt, mit dem sie die Strandpromenade einmal auf- und abgingen, um sich ihren Nachmittagskaffee zu verdienen oder die Hunde zu bewegen. Das war so ein Grau, dem man ansieht, dass es nicht weggeht, heute nicht und auch nicht morgen und übermorgen nur vielleicht. So ein festsitzendes Strandgrau. Wir sahen aufs Meer, wir sahen auf den leeren Strand, die Luft war wie im November. Oder wie im März? Im Januar? Die Luft war nicht wie im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, die Luft war wie graues Wetter an der Ostsee, das ist eine fast ganzjährige Möglichkeit, eine regionale Sonderform, und wenn man aus der Zeit gefallen plötzlich am Strand stünde, man wüsste unmöglich, in welchem Viertel des Kalenders man gerade ist. Irgendwo im kühlen Grau eben. Outdoorjackengrau.

#kuehlungsborn

Dieses kühle Grau, das mich früher so gekränkt hat. Ich könnte Bücher darüber schreiben, wenn ich es nicht schon getan hätte. Dieses Grau,in dem ich heute noch unweigerlich geisterhaft Hilde am Strand sehe, auch wenn ich gar nicht in Travemünde bin. Eine betrunkene Hilde, wie sie schwankend und Obszönitäten in den Wind brüllend Steine in die Brandung der Ostsee wirft, mit offener Pelzjacke und derangierter Frisur, der Pudel wie immer mit indigniertem Blick starr daneben. Wie sie mir zuwinkt und lacht, wild lacht, vulgär lacht. Ich sehe heute noch Stefan, Sarah und mich über den Strand gehen, planlos und lustlos, Miesmuscheln zertretend, von Nord nach Süd und wieder zurück. “Was machen wir jetzt?” Weit vom Sommer, diese Strandspaziergänge, sehr weit sogar. Ich sehe heute noch den alten Hugo aus dem Kioskfenster zur Fahrrinne starren. Ausdruckslos, geduldig und grau wie die See. “Pommes für euch?”

Die geliehene Jacke hat der Familienkatze jahrelang als Schlafplatz gedient und ist so haarig, wie man es bei glatten Outdoortextilien gar nicht für möglich hält. Ich schüttele sie herum, ich zupfe an den Haaren, das ist alles völlig sinnlos. Sie war einmal schwarz, jetzt ist sie altkatzensilbergrau. Ich trage eine Katzenhaarjacke und sehe aus, als sei das ein neuer Hipster-Spleen. Ich gehe mit der Herzdame Hand in Hand, aber sie hält einen Meter Abstand, sie will keine Haare abbekommen. Meine Fingerspitzen an ihren Handschuhen. Wir gehen durch das kühle Grau und es ist alles in Ordnung. Das Grau ist fotogen, Handyfotos von schlechter Sicht am Meer werten die Szenerie dann doch etwas auf. Als ich jung war, da gab es kein Instagram, wir hatten ja nichts.

Es ist kalt und grau und es macht nichts. Wir wollen sowieso ins Bett, wir können da auch gleich bleiben, da ist schlechtes Wetter sogar praktisch. Ich habe eine Herzdame an der Hand und ich nehme sie mit. Wir haben zwei Kinder und Sarah hat zwei Kinder und Stefan hat ein Kind und wir schreiben uns ab und zu auf Facebook oder auf Twitter. Das Grau hier vor mir ist jetzt völlig okay, so ist es gekommen. Es riecht fischig und es riecht gut, soll das Wetter doch so bleiben. Schön ruhig hier, man könnte eigentlich auch öfter ans Meer fahren.

Hinten im Yachthafen schaukelt ein Schiff mehr als die anderen, man hört Musik herüberwehen. “Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein…” und die Herzdame muss stehen bleiben, weil es sie so rührt, dass da jemand im Grau auf einem ziemlich kleinen Boot sitzt und feiert und etwas von wilder Kaperfahrt singt. Die jungen Männer mit dünnen Bärten, die da an Bord sitzen und das Lied mitgrölen, die würden wahrscheinlich nicht wollen, dass ihre Party irgendwelche Herzdamen rührt, aber was soll man machen, so ist das mit der Jugend. Man wird nicht verstanden.

Wir gehen ins Bett und im Wald hinterm klopft ein Specht und schreit ein Käuzchen und vor dem Hotel rufen die Möwen über der Ostsee und der Regen trommelt leise an unser Fenster und wir ziehen die Decke hoch.

Zwei Tage an der Ostsee. Auch mal schön.

#kuehlungsborn

#kuehlungsborn

#kuehlungsborn

#kuehlungsborn

#kuehlungsborn

#kuehlungsborn

#kuehlungsborn