“Hört, ihr Lieben!” Ich scharte die Kinder um mich und hob sie auf meine Knie, wie man es tut, wenn es um wundersame Geschichten geht. “Hört, was euer Vater euch zu erzählen hat. Es ist eine Geschichte, wie sie sich die Alten immer wieder am Lagerfeuer erzählen, wobei die Alten in diesem Fall eure Mutter und ich sind, das Lagerfeuer aber durch unsere treufunzelnden Nachttischlampen dargestellt wird. Benutzt halt eure Vorstellungskraft, dann geht das. Es gibt, so geht diese althergebrachte Geschichte, nicht weit von hier, genaugenommen sogar noch innerhalb unseres Reichs, wollte sagen in unserer kleinen Wohnung, einen etwas versteckt gelegenen, abgetrennten Bereich. Der ist mit einer Tür versehen, zu der man keinen Schlüssel braucht, man kann frank und frei hindurchschreiten, drückt man nur die Klinke hinunter. Darinnen aber sind Fenster in den kunstvoll durchbrochenen Wänden, so dass Sonnenlicht lieblich hereinfällt, wann immer es tagt, und das Mondlicht schimmert in dem Gemach in jeglicher Nacht. Es stehen zwei kleine Bettchen darin und mehrere Truhen und Regale, die sind bis oben hin voll mit dem wunderbarsten Spielzeug, kindgerechten Büchern und allerlei Vergnügungszeug. Man nennt es das Kinderzimmer. Ob ihr danach einmal suchen wollt, meine fahrenden Rittersleut? So als kleine Quest am Morgen?”

“Kinderzimmer”, sagte Sohn I nachdenklich und schien sich schwach an etwas zu erinnern, “da war ich doch schon mal. Irgendwann.”

Und dann tollten sie wieder mit fröhlichem Lachen durch die weiten Fluren des Wohnzimmers und des Schlafzimmers, wobei sie alle nur denkbaren Formen des Landfriedensbruchs so heiter nachspielten, dass es eine helle Freude war. Also zumindest ihnen.

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