Gelesen

Guy de Maupassant: Stark wie der Tod. Übersetzt von Hermann Lindner und illustriert von Jim Avignon.

Maupassant

Maupassant

Wiedergelesen, weil die Büchergilde jetzt diese schön illustrierte Ausgabe hat. Das ist, wie man bei Edeka sagen würde, ein sehr geiler Roman, gar keine Frage, der wäre bei einer Auswahl meiner zehn liebsten Romane ganz sicher dabei. Ein alternder Maler, der seinen kreativen Höhepunkt deutlich hinter sich hat, hat immer noch seine Muse als Geliebte, eine Dame, die ihn vor vielen Jahren in die richtige Richtung seiner Kunst geschoben hat. Man ist gemeinsam älter geworden, das Feuer ist heruntergebrannt, man ist sich aber nach wie vor sehr gewogen. Bis der Maler sich in die Tochter der Dame verliebt, die aussieht wie eine verjüngte Ausgabe der Mutter, schön wie damals, lockend wie damals, unwiderstehlich wie damals. Das ruiniert selbstverständlich alles und konsequenterweise endet das Buch äußerst betrüblich. Aber egal, wer schon einmal ein paar Runden in seinem Leben geliebt hat, der versteht, was hier passiert, der leidet mit. In der Story passiert nicht viel, das findet alles nur in den Herzen statt, und man möchte den bluttriefenden Plakatwerbungen für aktuelle Thriller zurufen, dass das hier wirklich grausam ist und einen mitnimmt, diese Liebesgeschichte, nicht die noch so bestialischen Morde in den Bestsellern. Wenn Sie das Buch nicht kennen, lesen Sie doch mal in einer Buchhandlung nur die ersten drei Seiten. So gehen großartige Romananfänge.

Robert Louis Stevenson: Die Herren von Hermiston. Eine dieser kostenlosen Klassikerausgaben für den Kindle, leider ohne Übersetzerangabe – oder ich bin zu blöd, sie zu finden, das kann natürlich auch sein. Stevenson meisterhaft wie immer, ich habe es dennoch wieder weggelegt. Das klingt übrigens immer noch besser und gepflegter als wieder weggeklickt, nicht wahr? Tatsächlich wurde es sogar eher weggewischt, wenn man es sprachlich genau nimmt. Ein Zeigefingerstrich durchs Menü. Am Ende ist das Lesen auf dem Tablet vielleicht doch etwas herabwürdigend für die Werke, wer weiß. Ich kann im Frühling jedenfalls keinen englischen Klassiker lesen, der in Schottland spielt, das fühlt sich komisch an. Als würde man neben den blühenden Forsythien draußen am Spielplatz in der Sonne einen Glühwein trinken, das ist falsch. Das Buch gehört in den Oktober, vielleicht besser noch in den November.

Ulrich Hub: Füchse lügen nicht. Illustrationen von Heike Drewelow. Das ist ein Kinderbuch, aber die Söhne sind noch ein wenig zu klein, da fehlt ihnen noch zu viel Wissen, um die Anspielungen zu verstehen. Also selber hineingelesen – zwar nur ein paar Seiten, aber das werde ich auch weiter lesen, das gefällt mir. Das ist ein wenig Beckett für Jüngere, Tiere, die am Flughafen herumlungern und mehr oder weniger unbestimmt warten, die Situation wird immer absurder und grotesker. Hier eine schöne Rezension dazu, ich schreibe im nächsten Monat mehr.

Zwei weitere Bücher bereits hier erwähnt.

Vorgelesen

Roald Dahl: James und der Riesenpfirsich. Deutsch von Inge M. Artl und Kai Ohlen. Ein Buch, das mir schon in meiner Kindheit gefallen hat und das jetzt geradezu spektakulär gut bei den Söhnen ankommt, sogar bei beiden. Und das sich sehr gut vorlesen lässt, mit einem Spannungsbogen, der die Kinder geradezu atemlos zurücklässt. Sollte hier jemand versehentlich schwarzpädagogischen Erpressungen anhängen, ich erwähne das nur ganz diskret unter uns, dann ist dieses Buch wirklich bestens dafür geeignet. “Ich lese noch drei Seiten, wenn ihr…”

Die Eltern des kleinen James werden bereits auf der ersten Seite gefressen, das ist nicht schön, aber so ist es nun mal und danach kommt es erst richtig dicke für die Hauptfigur. Aber natürlich wird es auch wieder besser. Und wie! Das Buch kommt übrigens ohne zwischenzeilige Scherze für Erwachsene aus, keine Andeutungen, nichts, das Buch ist für Kinder und für die ist es perfekt. Nachdrückliche Empfehlung.

Gesehen

Nichts. Macht nichts.

Gespielt

Nichts. Macht auch nichts. Oder nur ein wenig Fussballgekicke auf dem Spielplatz, inkl. einer bemerkenswert erfolglosen Stunde vor einer Torwand, auf die Sohn I und ich pausenlos einschossen, ohne auch nur einen einzigen Treffer zu erzielen. Schlimm.

Aber darüber habe ich eben tatsächlich kurz nachgedacht, wieso spiele ich eigentlich nicht mit den Kindern? Die Antwort ist: weil die mit sich selbst spielen. Oder mit anderen Kindern. Es gibt so viele Kinder hier in der Stadtmitte, da sind immer mehrere Kinder bei uns oder unsere bei den anderen, da ziehen immer größere Kindergruppen um die Häuser, die haben gar nicht so viel Bedarf an pädagogisch wertvoller Bespaßung durch mich. Ich gehöre sicherlich zu den Vätern, die ziemlich oft verfügbar sind, vielleicht ist auch gerade deswegen die Nachfrage gar nicht so groß, BWLer verstehen das. Ich finde es jedenfalls toll, dass sie sich selbst beschäftigen können, auch fast tagelang, das fühlt sich alles ganz richtig an. Zum Vorlesen sind sie dann doch wieder an Bord.

 Gehört

JJ Cale. Den habe ich lange vergessen gehabt. Dann habe ich irgendwo das Cover zu “5” gesehen und mich erinnert, dass meine Mutter das Album früher endlos gespielt hat. Und dann fand ich ihn überraschend angenehm zum Arbeiten. Doch, kann man ruhig mal wieder hören. “Magnolia” zum Beispiel.

Und die passende Neuentdeckung zum frühen Frühling: Hindi Zahra. Das perlt.

Und wie immer, wenn es viel Arbeit gibt: viel Johnny Cash. Immer wieder eine gute Wahl. Ich mag ja auch die ganz abgenudelten Sachen von ihm.

 

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