25
Feb

Besinnliches am Morgen

von Maximilian Buddenbohm

Am Straßenrand liegt eine tote Taube. Mattes Gefieder, schon leicht zerfleddert, der Hals seltsam verdreht. Der Schnabel steckt halb im Boden, der hier wahrscheinlich fast nur aus Hundescheiße besteht. Die Söhne bleiben stehen und gucken. Bücken sich, gucken ganz genau. Fragen, ob die abgelebt habe? Fertig sei? Ich bejahe und lasse ihnen Zeit, sich das in Ruhe anzusehen. Eine großmütterliche Passantin bleibt stehen, beugt sich runter und fängt ungefragt an, den Jungs das Leben und den ganzen Rest zu erklären: „Wisst ihr Kinder, wir leben ja nicht immer. Wir müssen alle  mal sterben, nicht wahr?“

Sohn II sieht sie ernst an und sagt: „Ja. Du auch. Du bist alt.“

Und da ist die Dame dann doch lieber schnell ohne weitere Erklärungen gegangen .

 

24
Feb

Kleiner Hinweis am Rande

von Maximilian Buddenbohm

Meinem aktuellen Buch ist ein Motto des von mir sehr verehrten Rainald Grebe vorangestellt. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand die Textstelle nicht sofort richtig zuordnen kann – sie entstammt diesem Lied über die 90er Jahre, in denen auch das Buch spielt.

23
Feb

Die Eltern kündigen den abendlichen Besuch des Babysitters an…

von Maximilian Buddenbohm

Theorie

Die Eltern kündigen den abendlichen Besuch des Babysitters an, die Eltern wollen ins Theater. Das Kind hört zu und weint dann leise vor sich hin.  Die Eltern nehmen sich Zeit und führen ein ernstes und langes Gespräch mit dem Kind, sie stärken sein Selbstbewusstsein, nehmen Ängste, schaffen Vorfreude. In einem konstruktiven Dialog wird der Besuch des Babysitters vom Schreckensszenario in ein freudvolles Bild umgewandelt. Danke, setzen, sehr gut.

Praxis

Die Eltern kündigen den abendlichen Besuch des Babysitters an, die Eltern wollen ins Theater. Das Kind hört zu und weint dann leise vor sich hin.  Die Eltern nehmen sich Zeit und führen ein ernstes und langes Gespräch mit dem Kind, sie stärken sein Selbstbewusstsein, nehmen Ängste, schaffen Vorfreude. In einem konstruktiven Dialog wird der Besuch des Babysitters vom Schreckensszenario in ein freudvolles Bild umgewandelt. Das Kind weint gänzlich unbeeindruckt weiter und verzweifelt zusehends.  Ein plausibler Grund für dieses Verhalten ist nicht erkennbar. Babysitter bekannt, Babysitter super, Kind gesund, Lieblingsessen im Kühlschrank. Die Eltern wechseln aus Zeitgründen zu aus Film und Fernsehen bekannten Verhörmethoden, um der Ursache für den neuen Spleen des Kindes auf die Spur zu kommen. Entdecken dabei eine ganz neue und existentielle kindliche Angst, zu der es vermutlich noch gar keine Fachliteratur gibt, eine Lücke, die es schnellstens zu schließen gilt.  Ein neues Problem der modernen Zeit, ein neues und bedrohliches Schrecknis für unschuldige Kinderseelen. Die Eltern kündigen den abendlichen Besuch des Babysitters an. Das Kind hört zu und weint dann leise vor sich hin. Und wir wissen jetzt auch warum. Es ist tragisch, aber irgendwie nachvollziehbar. Das Kind leidet so furchtbar unter der Angst, der Babyistter könnte eventuell nicht wissen, wie ein iPad angeht.

Den Fachbegriff mit griechischer Wortwurzel darf hier gerne jemand vom Fachpublikum einwerfen. Danke.


 

20
Feb

Gucken Sie mal

von Maximilian Buddenbohm

Ich verlinke sonst nicht auf Rezensionen zu meinen Büchern, aber die hier ist so schön, da muss das einmal sein.

Ansonsten wird es noch ein paar Tage eher sehr ruhig hier zugehen. Arm kaputt. Da merkt man dann im wörtlichen Sinne, das man so ein Blog doch nicht mal eben mit links betreiben kann, wenn der rechte Arm nicht mitspielt. Eine ganz linke Numer, so ein rechter Schaden. Vor vier Jahren war es der linke Arm, jetzt ist der andere. Vielleicht sollte ich mit der Nase tippen üben? Es bleibt spannend.

18
Feb

Signierte Bücher?

von Maximilian Buddenbohm

Mein neues Buch „Marmelade im Zonenrandgebiet“ ist demnächst sicher auch in Ihrer Buchhandlung vorrätig, wenn es bei Ihnen denn überhaupt noch Buchhandlungen gibt, haha, kleiner Scherz.  Sie könnten es dort kaufen gehen, Sie können es aber auch direkt bei mir bestellen, das hätte den charmanten Vorteil, dass ich Ihnen etwas hineinschreiben könnte. Der Versand kann in wenigen Tagen beginnen, ich warte nur noch auf die nächste Verlagslieferung. Wenn Sie bereits jetzt bei mir bestellen möchten, mailen Sie an maximilian Punkt buddenbohm @ gmx Punkt de und ich erkläre Ihnen gerne, wie es am einfachsten geht.

Eine Beschreibung zum Buch finden Sie zum Beispiel bei Amazon, wenn Sie bitte oben rechts einmal klicken wollen. Dort erhalten Sie das Werk auch als total praktisches E-Book, das kann ich Ihnen dann aber leider nicht signieren.

Wenn Sie ein anderes meiner Bücher auf diese Art direkt bei mir erwerben möchten, oder gleich mehrere, auch in gewagten Kombinationen – wir können über alle Varianten reden.

17
Feb

Die Würdigung des Dichters im heimischen Kreise

von Maximilian Buddenbohm

Sohn I: „Hier liegen ja Bücher herum. Warum liegen denn hier die ganzen Bücher herum?“
Ich: „Oh, ich hab ein neues Buch geschrieben, und das hier sind die Exemplare für mich, die wurden gestern Abend geliefert. Das nennt man Belegexemplare.“
Sohn I: „Schön, aber die müssen doch nicht da liegen, wo ich frühstücken will. Räum das jetzt weg!“

12
Feb

Die letzte Diva

von Maximilian Buddenbohm

Google sagt:

Whitney Houston
Elizabeth Taylor
Lola Müthel
Sophia Loren
Angelica Domröse
Hildegard Knef
Marianne Faithfull
Christian Ude

11
Feb

Was zum Mann gehört

von Maximilian Buddenbohm

Da stehen Menschen an Bushaltestellen, die haben so viel Kleidung angezogen, dass die Figuren schon rundlich sind. Als ihre Großeltern damals übers Haff in den Westen gekommen sind, da hatten die auch nicht mehr angehabt. Alles was man hat! Bei den Temperaturen fällt die Wahl vor dem Kleiderschrank endlich wieder leicht. Minus 10, minus 15, das rechtfertigt noch den seltsamsten Look. Die Frauen tragen Hosen über Leggins über Strumpfhosen, die in dicken Wollsocken stecken, mit denen man in Stiefel schlüpft, die man früher nur nachts auf der Reeperbahn getragen hat. Alles egal! Hauptsache, nicht mehr frieren. Abends entblättern sich die Pärchen im Schlafzimmer, ein langwieriger Prozess, Stück um Stück fällt von den Körpern ab und dann zieht die Frau mit kritischem Blick die Augenbrauen zusammen: Der Kerl hat eine lange Unterhose an! Wie das aussieht! Sind wir modisch denn völlig verlottert? Ob er sich nicht schämt, mit den grauen Liebesstötern? Skiunterwäsche, murmelt der Mann entschuldigend und hämisch kichert die Frau, während sie ihre schwarze, dicke  Strumpfhose zusammenrollt, die immer gut aussieht, immer gut sitzt, immer attraktiv ist. Dem Mann schlabbert es baumwollig unschön um die Schenkel, er weiß es, er steht bedröppelt vor der auch im Winter so sehenswerten Gemahlin. Er zieht sich schnell aus und friert lieber. Die Frau liest ein Frauenmagazin, da steht drin, dass Männer in langen Unterhosen, also wirklich, grotesk. Sie nickt und zeigt den Artikel ihrem Mann. Der Mann seufzt und reibt die kalten Beine. Ach, wenn Haare wärmen würden!

Es ist wieder Zeit, den Tatsachen ins Auge zu sehen, Ladies. Es ist verdammt kalt draußen. Entweder ihr habt Männer in langen Unterhosen, oder ihr habt bald gar keine mehr. Augen zu und durch.

 

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.


 

8
Feb

Bitte vormerken – Lesung in Hamburg

von Maximilian Buddenbohm

“Save the date”, wie wir in den gentrifizierten Stadtteilen sagen. Die traditionelle Frühlingslesung Tirili, diesmal mit Isabel Bogdan, Nils Mohl und mir. Musik von Harald Kösser, Moderation Ina Marinescu. Das wird super.

6
Feb

Was man bei Kälte auch tun kann

von Maximilian Buddenbohm

Während auf Facebook und Twitter sinnige Meldungen zu Kältebussen für Obdachlose in Großstädten herumgereicht werden, die teilweise schlicht falsch und irreführend sind, und viele Menschen anscheinend die angeblichen Telefonnummern dieser Busse im Handy abspeichern und meinen, damit schon Gutes zu tun – währenddessen kann man auch zu nützlicheren Taten finden. Einer unserer Nachbarn war zum Beispiel bei der Bahnhofsmission, die hier bei uns um die Ecke ist, und hat gefragt, was gerade dringend gebraucht wird. Das waren, sehr naheliegend, Schlafsäcke. Es wurde dann in der direkten Nachbarschaft nur mal eben via Facebook gesammelt und es kam in zwei, drei Tagen genug Geld für 24 Schlafsäcke zusammen. Einfach so. Ganz direkt, ganz simpel, ganz ohne Verwaltungskosten. Bestellt, bezahlt, hingebracht. Ganz schnell. Das geht vielleicht auch in Ihrem Stadtteil?

Wir haben über 80 Mietparteien in allernächster Nachbarschaft über Facebook erreichbar und man kann von dem Netzwerk halten, was immer man möchte – es hat schon auch sehr greifbare Vorteile.

6
Feb

Gnadenloses Merchandising der Militanten Stubenhockerfraktion

von Maximilian Buddenbohm

Auf vielfachen Wunsch gibt es jetzt Tasse, T-Shirt etc. mit dem Logo der Militanten Stubenhockerfraktion hier im Shop zu kaufen, damit man die richtige Gesinnung auch aufrecht in allen Lebenslagen demonstrieren kann. Auf bedruckte Outdoorkleidung haben wir aus naheliegenden Gründen verzichtet. Bitte klicken Sie die Tasse an.

19025585-25570915

 

 

6
Feb

Alstereis

von Maximilian Buddenbohm

Das Betreten des Alstereises wurde heute auf eigene Gefahr freigegeben. Hier zur Erinnerung an die letzten Tage auf dem Alstereis, die nur zwei Jahre her sind, ein Bild aus diesem Winter.

5
Feb

Gründung der Militanten Stubenhockerfraktion

von Maximilian Buddenbohm

Wir haben es wirklich lange friedlich versucht, einfach drinnen zu bleiben und Euch zu ignorieren. Ihr habt aber einfach nicht aufgehört, uns mit „Schönem Wetter“ vollzutexten, von „Frischer Luft“ zu jubeln und von den Freuden der Bewegung bei minus fünfzehn Grad. Es reicht. Nein, wir möchten nicht spazieren gehen, wir möchten nicht aufs Eis, wir möchten nicht in den Schnee, nein. Akzeptiert die Wahrheit: Es ist nicht schön draußen, es ist rattenkalt.

Wir rufen Euch jetzt mit maximaler Entschlossenheit ein kampfbereites „Wir möchten hier einfach nur sitzen!” zu. Und zwar in geheizten Räumen, auf gepolsterten Möbeln. Zigtausend Generationen Evolution der Menschheit, um sich immer noch in freier Natur die Nase abzufrieren? Geht’s noch?

Militante Stubenhockerfraktion

 

Lasst uns in Ruhe. Geht draußen spielen, aber tut es leise. Vielleicht möchten wir gerade ein wenig schlafen.

Der Beitritt zur Militanten Stubenhockerfraktion erfolgt berückend einfach durch Kommentare unter diesem Text, dafür muss man nicht einmal zum Briefkasten. Die Grafik darf gerne mitgenommen und verteilt werden.

(Mit Dank an Giardino für den Entwurf zur Grafik)

 


31
Jan

Ein konstruktiver Vorschlag

von Maximilian Buddenbohm

Die Söhne besitzen ziemlich viele Bücher und sie neigen dazu, abends etliche davon mit ins Bett zu nehmen, um in Ruhe noch ein wenig zu lesen. Sie brauchen allerdings stets eine Weile, bis sie die richtigen Bücher gefunden haben, denn die stehen in keiner erkennbaren Ordnung im Regal. Das brachte Sohn I gestern Abend darauf, mit mir ein ernstes Gespräch über Ordnungssysteme zu führen, und das ist natürlich eines der Themen, über die man mit viereinhalbjährigen Jungs besonders gerne spricht. Der Sohn fragte, wie meine Bücher denn eigentlich sortiert seien und ob ich da jemals etwas finden würde. Er hörte mit Staunen, dass sie nach Ländern und Epochen sortiert sind, bzw. sortiert wären, wenn ich denn jemals Zeit hätte, dieses Projekt zu beenden. Andere Menschen aber, so erklärte ich weiter, etwa die geschätzte Isa, sortieren ihre Bücher gnadenlos nach Alphabet durch, wobei zum Beispiel meine Bücher dann neben denen von Bukowski stehen, was gar keinen Sinn ergibt, aber egal. Es ist ein freies Land, hier kann jeder sortieren, wie er will. Wieder andere, etwa der geschätze Mek, sortieren nach dem schönen Prinzip „von mir geschrieben oder nicht von mir geschrieben“. Extremere Charaktere sortieren angeblich auch nach Farbe oder Größe oder Verlag. Und der Sohn hörte zu und dachte nach und fragte schließlich, ob es denn wirklich so sei, dass jeder in anderen Wohnungen gar nichts finden würde? Und ob das denn nicht total blöd sei?

Ich erklärte ihm, dass man aus dem Büchersortieren sogar eine ganze Wissenschaft gemacht habe, wodurch die Sache übrigens dennoch nicht wesentlich einfacher geworden sei. Seltsame Menschen haben so etwas dann sogar studiert, zum Beispiel sein eigener Vater, der tatsächlich ein Dipl.—Bibl. ist, was der Sohn für einen prima Witz hielt. Ich habe es auch nicht immer einfach mit meinem eigentlich so klangvollen Titel. Und dann hat der Sohn noch etwas weiter nachgedacht, seine Bücher lange angesehen, ein paar probeweise von links nach rechts geräumt und schließlich einen Vorschlag gemacht, von dem er meint, das ihn bitte künftig jeder Mensch anwenden möge:

„Man sortiert die Bücher doch am besten einfach so, dass die Geschichten, die richtig, richtig gruselig sind und besser nicht angefasst werden, wenn es gerade dunkel wird, weil sie nämlich vielleicht Monster anlocken könnten, auf der einen Seite stehen. Dann ist das viel weniger gefährlich, dann nimmt man die nicht aus Versehen mit ins Bett. Und auf der anderen Seite dann eben die ganzen anderen Bücher, die einfach nur schön sind und die man also immer lesen kann, weil da kommen keine Monster oder Gespensters. Das kann man doch leicht verstehen? Und dann müsste man doch gar nicht mehr so lange suchen?“

Wenn Sie dann bitte alle auch bald anfangen, Ihre Bücher zuhause entsprechend umzuräumen. Ich meine, wo er doch Recht hat… Mitlesende Bibliothekare und Buchhändler wenden das im Interesse einer einfacheren Weltordnung bitte ab sofort beruflich an. Danke.


29
Jan

Was tun mit Kindern an grauen Sonntagen

von Maximilian Buddenbohm

Die Söhne haben Besuch, ein Mädchen wühlt sich mit prüfend durch ihr Spielzeug, bevor es schmollend beschließt, sich zu langweilen. Gelangweilte Kleininder sind wirklich das Letzte, was man an einem Winterregensonntag um sich haben möchte, ich bin höchst alarmiert. Das Mädchen guckt sich um und sieht den Balkon vor dem Wohnzimmer, den ausgemusterten Tannenbaum darauf, das Sandspielzeug in Warteposition, die weggeklappten Sonnenliegen und die toten Topfpflanzen und fragt: „Dürfen wir da draußen spielen?“

Die Söhne schließen sich sofort quengelnd an, während es draußen dunkler wird, der Regen dichter wird und ein paar Schneeflocken darin zu erkennen sind. Der Wind frischt auf, die Nässe kommt in Schwaden quer herangeweht, ein furchtbares Wetter. Wir stecken die Kinder in Wintersachen, ziehen Regensachen drüber und lassen sie auf den Balkon, der gerade vom Regen förmlich geflutet wird. Auf den Balkon geht man nicht im Winter, also ist es großartig, auf den Balkon zu gehen. Logisch. Die Kinder spielen „Aufräumen“, danach spielen sie „Saubermachen“ und dann auch noch „Gärtnern“. Sie spielen mit verrotteten Blumentöpfen, klammen Fingern und besonderer Hingabe. Ich sitze mit heißem Tee gemütlich auf dem Sofa, lege die Beine hoch und sehe zu. Das ist die beste Spielidee, auf die der Nachwuchs jemals gekommen ist. „Noch zehn Minuten“, sage ich, „dann verbieten wir es.“ „Ja“, sagt die Herzdame, „ganz genau. Und im Laufe der Woche, wenn sie oft genug gefragt haben“, geben wir jeden Tag etwas nach und lassen sie ein paar Minuten wieder raus.“

Während wir die wild protestierenden Kinder reinholen, freue ich mich auf das nächste Wochenende. Wir werden den Kindern eine ganze Stunde Balkon erlauben! Und sie werden sehr dankbar sein und natürlich nach zwei Stunden fragen. Zwei Stunden Ruhe und Frieden, zwei Stunden Sofa und Lektüre.

Es kann so einfach sein.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.