Es gibt Suppe

Suppentasse

 

Um mal wieder wahnsinnig originell zu sein, fange ich bei einem neuen Kochbuch einfach vorne an, gleich mit dem ersten Rezept. Es geht um den “Mittagstisch” von Eschi Fiege, laut Untertitel “Leidenschaftlich vegetarisch”. Oder, wie Eschi Fiege in der Einleitung schreibt, um eine fröhliche Küche ohne Dogma.

Buch: Eschie Fieges Mittagstisch

 

Da sind etliche Rezepte drin, die eine gewisse Umdrehung mehr haben: “Pfifferlingstatar mit Anishaube”, “Bohnenparfait mit Joghurtsauce”, “Weißkohlröllchen mit Reisfüllung und Orangenkartoffeln”, “Gemischter Bohnentopf mit Bratapfel”, “Zwetschgentarte mit Camparicreme und Rosmarin” – das klingt nicht gerade wie meine Feierabendküche, aber es klingt doch hochinteressant.

Inhaltsverzeichnis Eschi Fiege

 

Und das passt gut zu meinem Plan, zumindest ab und zu mal etwas besser zu kochen, etwas raffinierter, etwas spannender. Man bekommt Lust dazu, wenn man schon wieder einmal hektisch Nudeln mit Was-hier-so-herumliegt für hungrige und übermüdete Kinder zusammenwirft. Man bekommt wirklich Lust dazu, allerdings kriege ich das Zeitmanagement immer noch nicht recht geregelt. Work in progress.

Weil es also doch wieder schnell gehen musste, habe ich quasi im Vorbeigehen das Buch vorne aufgeschlagen und einen Blick hinein geworfen – und zack, das war tatsächlich alles im Haus. Also gab es spontan und flott Erbsensuppe mit Ingwer, Minze und Blätterteigstangen.  Das läuft im Buch unter Vorspeise, ich fand es als komplettes Abendessen auch in Ordnung. Ich neige aber auch nicht dazu, der Familie abends mehrere Gänge zu servieren. Wenn bei einem Rezept “Vorspeise” dran steht, mache ich eben mehr davon.

Rezeptseite Erbsensuppe

 

Apropos Familie, die Erbsensuppe wird grün, sie wird sogar sehr grün. Das ist im Frühling nett, so ein froschgrünes Essen auf dem Teller, für Kinder fällt das aber eher unter die Rubrik Mutprobe.

Wir brauchen:

1 kg TK-Erbsen

50 g Butter

2 grob zerhackte Ziebeln

1 daumengroßes Stück Ingwer

4 Minzstängel (ein paar mehr gehen auch)

Etwa 1 Liter Gemüsebrühe, ggf. etwas mehr

1 EL gehackte Minze

250 ml Schlagsahne, die man auch weglassen kann

Salz, Pfeffer, Cayenne, Ingwerpulver (auch entbehrlich)

1 Pkg Blätterteig

1 Eigelb

Den Ofen auf 220 Grad vorheizen. Den Blätterteig in daumenbreite Streifen schneiden und diese einzeln ineinander verdrehen. Auf ein Backblech mit Backpapier legen und mit Eigelb bepinseln. Im Ofen knusprig backen. Laut Rezept dauert das 8 Minuten, bei mir dauerte das doppelt so lange.

Den Ingwer schälen und hacken. Die Butter in einem Topf schelzen und die Zwiebeln glasig dünsten. Erbsen, Minzstängel und Ingwer zugeben, mit Gemüsebrühe auffüllen und etwa 10 Minuten kochen. Dann die Minzstängel herausfischen und die Suppe pürieren. Sahne dazugeben und würzen, fertig. Mit etwas Minze dekorieren.

Suppe im Topf

 

Die Herzdame und ich fanden das gut, die Suppe schmeckt viel interessanter, als die paar Zutaten vielleicht glauben lassen, und die Blätterteigstangen passen hervorragend dazu. Die kann man überhaupt öfter so machen, eine sehr gute Idee zu Suppen. Die Söhne gucken allerdings immer noch entsetzt, und der Anblick der Suppe ist jetzt schon einen Tag her. Sie ist wirklich sehr grün.

Suppentasse

 

Auf der nächsten Seite im Buch geht es dann um eine Suppe, die rosa wird: Radieschencremesuppe mit scharfer Einlage. Die gibt es dann demnächst, wobei es auch ziemlich gut aussehen müsste, beide Suppen auf den Tisch zu stellen. Aber wir sind ja hier nicht bei Food- und Dekobloggern.

Suppe mit Blätterteigstange

Woanders – diesmal mit der Straßenfotografie, Manfred Maurenbrecher, Banksy und anderem

Fotografie: Mario Sixtus mit einem langen Text über Straßenfotografie. Dem Denkanstoß im Schlusssatz schließe ich mich an. Diese Rechtslage ist ein ungeheuer nervtötendes Thema.

Hamburg: Ein Kiosk verkauft keine Bildzeitung mehr.

Feuilleton: Der Tagesspiegel über die neue CD von Manfred Maurenbrecher, dessen Auftritte ich sehr empfehle. Wenn Sie den live sehen können – unbedingt machen. CD-Kauf natürlich auch fein.

Feuilleton: Höchst befremdliche Street-Art-Zerstörung in Hamburg. Oder ist es am Ende wieder Kunst? Und in 10 Jahren streitet man sich hier übrigens über die Echtheit von Oz-Tags, fragt sich, wem sie gehören und wer damit was machen oder wer sie verkaufen darf. Man möchte es jetzt schon wetten.

Feuilleton: Tillman Rammstedt über das frühe Aufstehen. Der lustigste Text der letzten Woche, und zwar mit Abstand.

Feuilleton: In der schier endlosen Folge von Tweets, die zum Tode von Leonard Nimoy durch die Timeline rauschten, fand ich den Link zu diesem Film – Leonard Nimoy spricht Jiddisch.

 

Was man so zusagt

Ich habe vor über zehn Jahren zur Herzdame offiziell Ja gesagt. Eine der Langzeitfolgen dieser Entscheidung ist, dass ich immer öfter Ja zu ihr sage, einfach weil es nun einmal meist die richtige Antwort ist. Man hat als Paar ja irgendwann so eine Alltagsroutine, die meist um das Erwartbare kreist, man kann also dauernd etwas bejahen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sagt: “Geh mir ein Einhorn jagen” ist gering. Sie sagt eher: “Bring Milch mit.” Dem kann ich bedenkenlos zustimmen.

Auch dann, wenn ich nicht zugehört habe, was in langjährigen Beziehungen durchaus vorkommt, wer würde das leugnen. Es spricht eben dauernd neben einem, das ist so ein Alltagsgeräusch, da kann man nebenbei auch an anderes denken. Wenn die Herzdame aufhört zu sprechen und erwartungsvoll guckt, sage ich: “Ja, Schatz.” Und mache damit fast immer alles richtig, denn ein Ja ist das, was gewünscht ist. Irgendwann erinnert sie mich daran, was ich da zugesagt habe. Dann bringe ich den Müll runter oder hole Brötchen oder die Kinder irgendwo ab. Oder was auch immer. In langjährigen Beziehungen stellt man keine seltsamen Forderungen mehr an den Partner, man bestellt überschaubare, realistische Handlungen.

Deswegen wundere ich mich, dass ich neulich zugesagt haben soll, in der Fastenzeit auf Zucker zu verzichten. Die Herzdame erinnert sich aber ganz deutlich an das Gespräch und auch an meine Reaktion, sie kann den Dialog sogar nahezu wörtlich wiedergeben. Sie wird also vermutlich Recht haben, wie immer. Das ist dann wohl dieses riskante eine Prozent aller Fälle, bei dem man mit dem Ja doch nicht ganz richtig liegt. Es gibt jetzt aber kein Zurückweichen mehr, da muss ich wohl durch. Auch wenn mir die Idee des Fastens eher fremd ist, was soll‘s.

Ich mache also in diesem Jahr mit, na klar doch. Ein Mann, ein Wort, versteht sich! Nein, ein Mann, zwei Wörter: “Ja, Schatz”.

(Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

 

Gelesen, vorgelesen, gesehen, gehört im Februar

Gelesen

Februar – Gedichte. Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christiane Schmidjell.

Februar-Gedichte

Das war, wie erwartet, eine etwas karnevallastige Auswahl und auch sonst wurde ich mit dem Band nicht recht warm. So wenig wurde ich damit warm, dass ich gleich den März dazu gekauft habe, eine Schummelei ohne Beispiel. Aber der Februar ist nun einmal definitiv nicht mein liebster Monat, im Gegenteil. Da kann man literarisch etwas vorspulen, das finde ich legitim.

Groß fand ich aber doch einen Vers aus Karl Krolows “Tätiger Winter”, ganz kurz und ganz einfach:

Schnee
tut einen Reim lang
weh.

Das hat man ja manchmal, dass man sich in so etwas spontan verliebt und es immer wieder angucken kann. Ich finde die sehr schlau, diese drei Zeilen. Und das brachte mich dann darauf, dass ich Karl Krolow zwar seit Ewigkeiten als Anthologieteilnehmer kenne, der kommt ja praktisch per Gesetz in jedem deutschen Lyriksammelband vor – aber ich wusste gar nichts über den. Also habe ich etwas nachgelesen. Und überrascht zur Kenntnis genommen, dass er ganz anders aussieht als gedacht, nämlich nicht wie ein bärbeißiger Arbeitertyp mit Rudererhänden, Stiernacken, Stoppelhaaren und dickem Bleistift hinterm Ohr. Faszinierend, wenn man so falsch liegt. Karl Krolow, das klingt wirklich nach einem Mann von Statur, klingt es nicht? Dann jedenfalls gleich ein Buch von ihm gekauft.

Karl Krolow: Ich höre mich sagen. Gedichte.

Krolow

Ein Band mit geradezu amüsant hochtrabendem Klappentext, Suhrkamp galore, wirklich schlimm. Die Gedichte gehören zum Spätwerk, sie klingen schon nach weit fortgeschrittenem Abend, das ist melancholischer, bitterer Stoff in anziehender Uneindeutigkeit. Das meint, man liest da so in Gedicht hinein, die sind alle ganz unprätentiös formuliert, und dann merkt erst nach etlichen Zeilen, dass man vielleicht doch eher nichts verstanden hat. Oder nur den ersten Satz? Den ersten Vers? Und dann denkt man nach und wiederholt vielleicht, was man noch einleuchtend fand, lässt das Buch sinken, kommt vom Thema ab und denkt so vor sich hin und dann ist es auch schon spät und man macht das Licht aus. Weswegen ich dem Buch ein seltsames Kompliment machen kann, das aber völlig ernst gemeint ist – man kann es hervorragend nach ein paar Zeilen wieder weglegen und alleine weiter denken. In angenehm angemoderter Stimmung. Das wird noch länger auf dem Nachttisch liegen, das gefällt mir.

Ein beliebiger Tag. Nur die Zeit vergeht.
Ich laß mit der Zeit mich nicht ein –
ein Wasser, das mir zum Halse steht.
Ich hab nicht den ersten Stein.

[…]

März-Gedichte. Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christiane Schmidjell.

März-Gedichte

Der März also, in dem es natürlich schon nach Frühling klingt. März ist eine feine Sache, auch in Gedichten. Und weil es beim Februar so nett war, auf den Einzelband von Krolow zu kommen, habe ich mich vom Märzband zu Mascha Kaléko treiben lassen, aber dazu komme ich erst im nächsten Monat. Das lyrische Stenogrammheft, also ein lyrischer Bestseller, gleich wieder eine Bildungslücke weniger.

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben.

Ein ganzes Leben

Das ist sehr, sehr gut, kaufen Sie das auch. Ich habe es in der Ausgabe der Büchergilde, deren Arbeit man ab und zu vehement loben muss, weil sie so wunderschöne Bücher machen. Andreas Egger, die Hauptfigur des Romans, vergisst man so leicht nicht, obwohl seinem Leben alles Spektakuläre fehlt, jedenfalls wenn man die üblichen Maßstäbe anlegt. Literarisch gelten natürlich ganz andere Regeln und die Liebe zu Marie, ebenso wie das sehr späte Wiedersehen mit ihr nach der tragischen Trennung – das ist schon ergreifend, das bleibt einem. Und kurz ist das Buch übrigens, für ein ganzes Leben sogar sehr kurz. Das kann man in zwei Hapsen weglesen, das ist so ein Buch auf die Hand. Wirklich große Empfehlung.

Erich Ohser bzw. e.o. plauen: Vater und Sohn. Sämtliche Streiche und Abenteuer.

Vater und Sohn

In der gerade herausgekommenen und wunderschönen Ausgabe aus dem Südverlag, da ist schon das Anfassen eine Freude. Zum Lesen bin ich allerdings kaum gekommen, weil, womit ich gar nicht gerechnet hätte, Sohn I von dem Buch vollkommen hingerissen ist und dauernd darin liest. Lachend und sichtlich begeistert.

Geo Wissen: Wie Erziehung gelingt.

Geo Wissen

Ich lese fast nie Erziehungsratgeber, aber das lag gerade so einladend in der Wohnung herum. Weil die Herzdame gerade Erziehungsratgeber liest. Sie dachte sich, es sei vielleicht sinnvoll, nach ein paar Jahren abgeleisteter Erziehung die Sache einmal neu zu kalibrieren und teilt mir, sehr praktisch, ab und zu die Kurzfassungen ihrer Erkenntnisse mit. Mir hat an diesem Heft von Geo jedenfalls gefallen, dass man ein Interview mit Jesper Juul einem Interview mit einem etwas autoritärer orientiertem Experten direkt gegenübergestellt hat, so dass man nach der Lektüre beider Texte wieder überhaupt nichts weiß – das passt doch ganz gut zum Thema, finde ich.

Natürlich findet man in Erziehungsratgebern generell hin und wieder sinnvolle Kapitel, und es ist auch richtig, sich an ein paar Aspekte wieder zu erinnern, ja doch. Und sei es nur, um die tägliche Herumkommandierquote wieder einmal kritisch zu hinterfragen oder auch versuchsweise gen Null zu abzusenken, da schadet etwas Motivation überhaupt nicht. Aber wenn man etwas Erfahrung mit Kindern hat, merkt man auch, wie geschickt sich etliche Autoren an wirklich sinnvollen Beispielen vorbeischummeln.

Josef Rohrer: Meran kompakt: Die Stadt und ihre Umgebung. Da fahren wir im Sommer hin. Als überzeugter Spießer bereite ich mich natürlich gründlich vor.

Meran-Buch

Eshkol Nevo: Vier Häuser und eine Sehnsucht. Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer.

Eshkol Nevo

Das ist ein Roman aus Israel, aus Jerusalem. Der ganze Irrsinn des Landes in den Einzelschicksalen einer kleinen Nachbarschaft. Juden und Araber, Orthodoxe und Zweifler, das ganze Durcheinander. Eines dieser Bücher, die mir gut gefallen, von denen ich aber dennoch dauernd abkomme und etwas anderes in der Hand habe. Manchmal kann man es nicht recht erklären und weiß gar nicht, woran es liegt. Dennoch ein gutes Buch. Vielleicht finde ich nur die Unlösbarkeit der Konflikte in dem Land schwer auszuhalten.

Vorgelesen

Ingrid Uebe und Markus Spang (Bilder): Die Abenteuer des Barons von Münchhausen.

Münchhausen

Ein Buch aus der Leserabe-Reihe, das sind Bücher speziell für Leseanfänger, also mit heruntergedimmten Schwierigkeitsgrad in Satzbau und Vokabular. Aus der Reihe lese ich gerade gemeinsam mit Sohn I einige Bücher. Er ein paar Sätze, ich ein paar Sätze, oder ich ein Wort, er ein Wort – oder wie auch immer. Um etwas Schwung beim Lesen aufzunehmen, um etwas mit Geschichten zu locken. Sohn II hört natürlich auch zu oder liest schon mal ein besonders kurzes Wort selbst, er ist da etwas ehrgeiziger als sein großer Bruder.

Beide Söhne mussten etwas länger über das Konzept der Geschichte nachdenken, das war interessant. Da geht es also um einen Lügner, der dauernd betont, dass er die Wahrheit spricht. Was ist nun richtig? Ist es ein einfacher Trick in der Erzählung, ist es ein doppelter, gar ein dreifacher Trick? Gab es den Baron am Ende wirklich, genau so? Wer erzählt da eigentlich? Warum lügt er so offensichtlich? Das bedeutet doch etwas? Wer so lügt, der sagt am Ende die Wahrheit? Da denken die Kinder plötzlich über Stilmittel nach, über Erzähltricks und literarische Finten, das ist herrlich. Und wenn man gut aufpasst und den Jungs ausnahmsweise hinterherspioniert und dann noch etwas Glück hat, kann man sehen, wie sie sich doch einmal im Kinderzimmer probeweise selbst in die Haare greifen und kräftig daran ziehen – ob einen das am Ende nicht doch etwas hochhebt, wie bei dem Münchhausen im Sumpf? Nein? Verdammt.

Der olle Lügenbaron. Funktioniert immer noch.

Gudrun Sulzenbacher: Die Gletschermumie – Mit Ötzi auf Entdeckungsreise durch die Jungsteinzeit. Das dient natürlich auch der Vorbereitung auf den Sommerurlaub. Sohn II ist noch etwas zu klein für die Fachsprache, aber sein Interesse macht das locker wett.

Ötzi

Gesehen

Nichts. Macht nichts. Der Februar ist eh zu kurz für fast alles.

Gehört

Georges Moustaki. Das war ein Zufallsfund, mir ist durch irgendeine Assoziation eine Platte wieder eingefallen, die im Schrank meiner Mutter stand und damals in Travemünde dauernd lief. Darauf die Déclaration von Moustaki, die ich seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gehört habe und deren Anfang ich immer noch mitsprechen kann, das Langzeitgedächtnis ist eine erstaunliche Angelegenheit. Es ist übrigens ganz gut, Musik dieser Art lange nicht gehört zu haben, weil sie einen dann geradezu ruckartig in die Vergangenheit werfen kann. Da rauscht man rückwärts durch die Jahre und landet auf einem Sofa, das es schon längst nicht mehr gibt, und die Luft ist verraucht, und die Platte läuft, und man sieht den Plattenspieler mit dem Schriftzug “Dual” und auch das Regal darüber sieht man plötzlich wieder, die ganze Zimmerecke und man sieht überhaupt alles, es fällt einem sogar ein, was man an Kleidung getragen hat, was es gerade zum Abendessen gab, wie die Stimmung war und wer gleich klingeln wird… Was nicht unbedingt schön sein muss, aber doch lehrreich ist. Ach, so war das? Guck an.

Je déclare l’état de bonheur permanent. Et le droit de chacun à tous les privilèges.Ein schöner Anfang. Mir sind noch weitere Platten von damals wieder eingefallen, die Platten meiner Kindheit oder frühen Jugend, ich sehe die ganze Reihe wieder vor mir, so viele waren das gar nicht. Ich höre da nach und nach mal rein.

Element of Crime. Und da ich gerade nach langer Pause wieder an einer längeren Geschichte schreibe, halte ich mich an das altbewährte Rezept, nachdem alle meine Erzählungen entstanden sind – man begieße den Autor zwei Stunden mit Element of Crime, lasse ihn eine Stunde an einem kühlen Ort gehen und setze ihn dann an einen Schreibtisch. Der Rest findet sich dann. Hoffentlich.

(Und da saß er dann und wartete. Und wartete. )

Woanders – Der Wirtschaftsteil

In der letzten Woche ging es u.a. um die Flüchtlinge, die man unbedingt von Europa fernhalten möchte, während man gleichzeitig hier in den Betrieben diskutiert, dass “Diversity” Abteilungen kreativer macht. Da ergänzen wir noch etwas. Während nämlich einerseits Flüchtlinge, die trotz aller Hindernisse in Deutschland ankommen, oft nicht arbeiten dürfen, suchen Arbeitgeber wieder Personal im Ausland. Man landet schon wieder bei Kempowski und murmelt dauernd “Wie isses nun bloß möglich” vor sich hin. Dazu übrigens auch ein interessanter Text bei den Krautreportern: “Ein Herzchirurg sucht Asyl”.

Aber der Link der Woche widmet sich einem ganz anderen Thema, es geht um die deutsche Mittelschicht, also womöglich um Sie. Da gab es nämlich einen Text in der Zeit, einen ziemlich langen Text sogar. Der reißt etliche Themen an, der ist sehr klar formuliert und lädt zum Mitdenken ein – und er wurde in den sozialen Netzwerken wieder und wieder geteilt. Er hat wohl etwas getroffen. Die Frage, was man als Mittelschichtangehöriger nun eigentlich ist, Depp der Nation oder doch eher Profiteur der Gegebenheiten, sie scheint so manchen umzutreiben.

Die Deutschen haben es ja mit der Mitte, wir zählen uns alle zur Mittelschicht, wir denken auch oft über das Mittelmaß nach. Das tut Herr Gutjahr auch gerade. Und wo wir schon dabei sind – wenn wir aus der Mittelschicht auch noch alle im Mittelstand arbeiten, dann sind wir bald was? Abgehängt? Dafür scheint tatsächlich einiges zu sprechen.

Wenn man als Familie aus dem Mittelmaß fällt und z.B. ein, zwei Kinder mehr als der Durchschnitt hat, ergeben sich spezielle Probleme, etwa beim Stichwort Vereinbarkeit. Achten Sie bitte mal auf die Überschrift dieses Artikels gerade. Und dann auf diese hier. Wenn da der Verdacht aufkommt, man könnte womöglich noch mehr finden – ja. Und zwar gleich reihenweise. Positive Meldungen dazu sind wesentlich schwerer aufzutreiben. Wir können aber dieses Thema ganz unerwartet mit dem ersten Absatz verbinden, denn im Ausland sucht man nicht nur Pflegepersonal, sondern auch Pädagogen für Kindergärten. Und Vereinbarkeit ohne Kindergärten wird nicht klappen können.

Die Sache mit der Vereinbarkeit läuft also nicht, die Eltern wissen nicht, wo ihnen der Kopf steht, und Bastelkisten kriegt der Nachwuchs vielleicht bald auch nicht mehr. Das ist keineswegs als Witz gemeint, das ist ernst, das ist eine Wirtschaftsmeldung, und sogar eine interessante.

Der Schlusslink ist wie fast immer für den Freundeskreis Fahrrad. Wir enden da in diesem Fall mit einer glatten Vier. Und wie schon damals in der Schule gilt: Das ist nicht befriedigend. Es geht, man kann es sich fast schon denken, um Radwege in Deutschland.

GLS Bank mit Sinn

Ein Update bei “Was machen die da”

Drüben bei “Was machen die da” haben wir ein Interview mit dem Sponsor des Projektes. Der übrigens, so ein wilder, wilder Zufall, auch Sponsor dieses Blogs hier ist. Das ist also der Herr Korten von der GLS Bank, den kannt man vielleicht auch von seinem privaten Blog.

Mit dem Herrn habe ich mir auch damals den Wirtschaftsteil ausgedacht. Denn es ist ja so – mit Turnschuhbankern kann man ziemlich gut reden.

Turnschuhe

Beim Herumschieben der Möbel – Teil 4

(Die Fortsetzung hierzu.)

Ich: “Wir könnten auch einfach an die Nordsee ziehen. Eiderstedt, weißt du, gefällt uns ja allen. Bessere Luft und so. Mehr Platz. Viel, viel mehr Platz. Eigenes Zimmer für jeden. Sogar für mich!”

Sohn I: “Eigenes Zimmer wäre sehr toll. Aber da hätte ich voll den krassen Schulweg nach Hamburg, Papa.”

Ich: “Es gibt an der Nordsee auch Schulen.”

Sohn I: “Vergiss es einfach.”

 

Woanders – diesmal mit einem Date, Malbüchern, den Peanuts und anderem

Familie: Ein großer Sohn hat ein Valentinsdate.

Familie:  Malbücher sind jetzt eher etwas für Erwachsene.

Familie: Frau Gminggmangg über Fragen nach Trennungen.

Hamburg: In der FAZ ein langer Artikel über das rote und das weiße Hamburg und über die Elbphilharmonie.

Hamburg: In der Zeit geht es um die Gefühlskälte in der Stadt, und der Text klingt so, als bestünde Hamburg zu 80% aus Reedern, Maklern und Bankern. Das ist ein klein wenig abwegig. Davon abgesehen ist die Stadt tatsächlich kalt, gar kein Zweifel. Wer hier menschliche Wärme sucht, der braucht einen Trick, also etwa einen Hund, ein Blog, einen Foodtruck  oder auch ein Kind. Mit diesen Hilfsmitteln kommt man recht schnell in vergleichsweise kontaktfreundliche Szenen und darf hin und wieder Leute kennenlernen. Man kann ja immer noch abhauen, wenn man dabei versehentlich auf Makler, Reeder oder Banker  stößt.

Hamburg: Hier geht es um die Elbinsel Wilhelmsburg, Die dort erwähnte Deichdiele wird von einem ehemaligen Mitbewohner der Herzdame betrieben, ein empfehlenswerter Laden. Auch deswegen, weil man sich da reinsetzen und der Gentrifizierung live und in Farbe zusehen kann. Man kann sich das Treiben da stundenlang ansehen und als Sankt Georger denken: Haha, ich weiß genau, was hier noch kommt. Aber man will ja auch nicht spoilern, also sitzt man da und sagt nichts.

Hamburg/Familie: Neues von den Kitas und dem Betreuungsschlüssel. Bzw. nichts Neues.

Feuilleton: Ein Limerick.

Feuilleton: Ein langer und faszinierender Artikel über Franklin von den Peanuts. Gefunden via Kiki.

Beim Herumschieben der Möbel – Teil 3

Die Fortsetzung hierzu.

Das war so wirklich nicht geplant, dass daraus eine Serie wird, aber das Thema bleibt hier dominant. Schon weil wir einfach nicht fertig werden, nichts abhaken können, weil wir schlicht überhaupt nichts erreichen. Die Wohnung ist offensichtlich unvollendet. Nach dem letzten Herumschieben blieb alles etwas unfertig stehen. Wenn man bei uns hereinkommt, sieht man erst einmal eine nackte Wand, an der so offensichtlich früher etwas stand, dass man sofort eine Decke vor die Lücke hängen möchte, so nackt und bloß und falsch sieht es da aus. Aber wir haben uns leider noch nicht entschieden, was da hinkommt. Es gibt einfach zu viele Möglichkeiten.

Unterdessen ist die Herzdame an einer ausgeprägten Wohnzeitschriftensucht erkrankt und verbringt die Abende blätternd und murmelnd vor Hochglanzbildchen von Möbeln, Wohnungen und Dekoartikeln. Ab und zu gibt sie völlig zusammenhanglos Formulierungen wie etwa “Laminat, Dekor Eiche gesägt, weiß geölt” von sich und nickt dazu, ohne eine Antwort von mir zu erwarten. Dann googelt sie etwas, dann kommt sie vom Thema ab, dann denkt sie doch lieber über Balkonpflanzen nach. Oder greift zur nächsten Zeitschrift. Sie klemmt sozusagen vor dem nächsten Möbelkauf irgendwo zwischen Oblomow und Tine Wittler fest, es ist fraglich, ob sie aus diesem Zustand jemals wieder ohne Hilfe herauskommt. Sollte sie wider Erwarten noch einmal handlungsfähig werden, müsste ich ihr aber ohnehin schonend klar machen, dass das für die Möbel zurückgelegte Geld mittlerweile komplett in Wohnzeitschriften und Bildbände über den Landhausstil investiert wurde.

Das einzige, was uns momentan wirklich helfen würde, wäre eine Innenausstattung, an der alles leicht beweglich, verschiebbar und wandlungsfähig ist. Einmal alles da hinein, zack, einmal alles dort hinein. Links, rechts, oben, unten, einmal flott alles durchgespielt, dann wüssten wir vermutlich Bescheid. Das kann man natürlich auch digital erreichen, schon klar, aber richtig Spaß habe ich daran irgendwie nicht. Ich muss das alles in natura sehen. Ich muss probesitzen und hinfühlen.

Aber probeweise z.B. die ganzen rappelvollen Bücherregale in einen anderen Raum zu stellen – das ist schon etwas herausfordernd. Und das ist genau genommen exakt die Herausforderung, vor der ich gerade stehe. Jetzt gerade. Jedenfalls sobald ich nicht am Schreibtisch sitze und intensiv arbeite. Ich tippe hier quasi seit Stunden gegen die Plackerei des Möbelherumschiebens an, das ist einmal eine ganz neue Motivation und übrigens auch ein grandioses Heilmittel gegen Schreibblockade. Tippeditipp! Ach, was bin ich fleißig, ich bin die reinste Textameise, die Sätze perlen wie aus einer stetig sprudelnden Quelle. Ab und zu guckt die Herzdame um die Ecke und fragt, ob ich Zeit habe. Nein, ich habe keine Zeit, ich muss ja schreiben. Herrje, was muss ich alles schreiben. Ich muss sehr, sehr viel schreiben, es ist geradezu unfassbar, wieviel ich schreiben muss. Sollten heute noch zwanzig Artikel hier erscheinen – Sie wissen Bescheid.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wir starten wieder mit einem Nachtrag, es gibt neue Informationen zum Plastik im Meer. Und nein, es sind keine guten Nachrichten, aber die hat bei dem Thema wohl auch niemand erwartet. “Forscher wollen zu den Strudeln reisen” steht da – es klingt fast nach Jules Verne. Aber auch nur fast.

In dieser Kolumne gibt es oft wilde Themenschlenker, wir kommen jetzt vom Plastik im Meer mal eben zu Instagram, warum auch nicht. Kann es da einen Zusammenhang geben? Ja, kann es. Auch auf Instagram geht es natürlich nicht nur um Klickibunti. Wer da noch mehr finden möchte, der kann sich auch einmal den Stream von National Geographic ansehen, da geht es neben selbstverständlich großartigen Tierbildern oft auch um Umweltschutz und andere Themen, die hier interessieren. Oder folgen Sie einfach Noor Images, einer Fotoagentur aus Amsterdam, bei der es hauptsächlich um weltweite soziale Themen geht.  Und mit sozialen Themen machen wir jetzt auch weiter.

Den Namen Fabrice Leggeri wird kaum jemand kennen, der Artikel in der Zeit neulich über ihn hat nicht so hohe Wellen geschlagen, dass sein Name nun in aller Munde wäre. Dabei lohnt es sich, etwas über ihn nachzudenken. Über ihn und seinen Job. In etwas weiterem Kontext findet man in der taz noch ein kleines Zahlenspielchen. Es ist eben nicht immer sinnvoll, wenn Bürokraten eine Lösung basteln und abarbeiten.

Das hat alles etwas mit dem sozialen Europa zu tun, also auch mit dem sozialen Deutschland. Das ist eben, wie es zur Zeit läuft. Und so läuft es übrigens, während die Wirtschaftszeitungen gleichzeitig über Diversity Management schreiben – es ist wohl kompliziert. Nebenbei bemerkt, wenn wir schon bei Diversity sind: Jede dritte Familie in Deutschland hat ausländische Wurzeln.

Weiter mit sozialen Themen, in der FAZ geht es um die Unsichtbaren im Berufsleben, um das Heer der Geringverdiener, der Hilfsjobber, Kurierfahrer, um jene, die mit einiger Wahrscheinlichkeit auch Ihren Schreibtisch reinigen oder Ihnen die Pakete bringen. Ein Text mit einem besonders bitteren Ende. Vom Lesen der Kommentare unter dem Artikel muss man verschärft abraten, da tagt der Stammtisch der Selbstschuldfraktion.

So bitter wollen wir natürlich die Kolumne nicht beenden, da muss noch ein anderer Link her. Wir gehen also ein paar Schritte zurück, denken noch einmal an die Bürokraten und ihre Lösungen und fragen uns, ob man nicht wenigstens manchmal einfach nur über sie lachen darf. Und nehmen mal an: Ja, das darf man.

Zum Schluss wie fast immer noch etwas für die Radfahrgemeinde. Diesmal geht es aber nicht um Radwege, sondern um die Räder selbst und wo man sie anbaut. Nanu!

GLS Bank mit Sinn