Geschenktipps für Kinder: Unter meinem Bett 2

Ein Text von Johnny Buddenbohm, sieben Jahre alt

Das ist eine Fortsetzung, die erste CD davon haben wir auch (da hat mein Bruder drüber geschrieben), die fanden wir gut. Da waren wir damals sogar im Konzert, das war super, da war nämlich zum Beispiel Bernd Begemann mit seiner Tochter, das hat mir gefallen. Aber die zweite CD ist jetzt noch besser. Meine Eltern fanden die erste CD besser, mein Bruder aber auch die zweite. Man könnte natürlich auch beide verschenken.

Ich finde auf der zweiten CD die beiden Lieder von Laing (“Mücken nerven Leute”) und von Das Bo (“Quatschmachen und Schlapplachen”) sehr witzig, aber Erwachsene mögen wohl das von Das Bo nicht so gerne, weil die Kinder da nur Quatsch lernen. “Mücken nerven Leute” ist sehr gut, das ist mein Lieblingslied, das reimt sich toll und oft, es ist mittelschnell und lustig.

Das von Erdmöbel (“Svenja und Raul”) finde ich nicht so gut, da kapiert man im Text nicht alles. “Andersrum” von Lisa Bassenge ist so mittel, aber auf jeden Fall besser als Erdmöbel. “Stachelschwein” von Enno Bunger ist etwas traurig, aber auch witzig zwischendurch, dieser Sänger kann sehr gut traurig singen. “Gib nicht so an” von der Höchsten Eisenbahn ist nicht so toll, aber doch auch witzig. “Der Wolf mit dem Hut” von Bela B. ist sehr mittel, das braucht man eigentlich nicht.

“Fahrradfahren” von Cäthe ist sehr gut, das kann man toll mitsingen, auch mit Quatschsätzen. “Von hier oben” von Locas in Love ist fast das einzige richtig schnelle Lied auf der CD, das ist toll. In langsam wäre es aber doof. “Was der Papa sagt” von Deniz Jaspersen mögen auch Papas gerne, meiner jedenfalls, obwohl es eigentlich gar nicht nett für Papas ist. Ich finde es sehr gut, da kann man sich auch den Text gut merken.”Eine Cola soll es sein” von der Liga der gewöhnlichen Gentlemen: Da kapiere ich was am Text nicht, aber die Musik ist super, die ist auch etwas schneller. “Farben” von Erobique und Jacques Palminger ist eher blöd. “Ich und die anderen” von Albrecht Schrader ist sehr gut, nur manchmal ist es auch etwas doof so vom Text her, das kann ich aber nicht richtig erklären. Ich glaube, da passen Text und Musik nicht zusammen an einer Stelle, besser kann ich das nicht sagen. “Den lieben langen Tag” von Dota ist ein schönes Gutenachtlied, das können wir nachher wieder hören, weil uns heute eine Babysitterin ins Bett bringt, das ist überhaupt eine gute Idee.

Die CD macht ab etwa sechs Jahren Spaß – und bestimmt bis etwa zehn Jahre. Mindestens. Wenn es da auch ein Konzert in Hamburg gibt, gehe ich vielleicht wieder hin. Zum Verschenken finde ich die CD wirklich geeignet, zum Selberhören aber auch.

Nein

Zu den letzten beiden Lesungen musste ich jeweils stundenlang Zug fahren, das mag ich sehr. Im Zug gibt es oft kein Netz, da habe ich also tatsächlich frei, da kann ich in die Gegend gucken oder lesen oder dösen, ich finde das herrlich. Dösen wird überhaupt stark unterschätzt, finde ich.

Der Zug fährt von Nord nach Süd. Ein Mann steigt ein, er wird etwa am Anfang des Rentenalters sein. Seine Frau geht hinter ihm her, sie sieht etwas älter aus. Er wirkt bestens gelaunt, sie eher müde und verhalten. Er verräumt die Koffer, die sind groß und schwer, das wird eine längere Reise. Sie setzen sich, sie haben zunächst einen Tisch für sich alleine. Er sitzt breitbeinig und raumgreifend, sie lehnt sich ans Fenster und sieht ins graue Novembernichts der norddeutschen Tiefebene, das da eintönig vorbeizieht. Er holt ein Fischbrötchen aus einem Rucksack, gräbt weiter darin herum, bis er auch noch eine Flasche Apfelschorle findet. Nimmt das Fischbrötchen in die rechte Hand, die Flasche in die andere und beißt und trinkt abwechselnd, wobei er die Hände an die Tischkanten legt, das ist jetzt sein Revier., das hat er reserviert. Er kaut konzentriert, kommentiert dann das Fischbrötchen, das Fischbrötchen ist gut, jedenfalls für ein Imbissfischbrötchen vom Bahnhof, da weiß man ja nie. Gut und groß mit ordentlich Zwiebeln drauf, so muss das sein. Die Frau nickt und isst nichts.

Er holt eine Regionalzeitung aus der niedersächsischen Provinz heraus und breitet sie vor sich aus, zuerst kommt der Politikteil. Er zeigt mit dem Fischbrötchen auf eine Überschrift, er liest vor, er erklärt seiner Frau kopfschüttelnd die Weltlage, ohne den Rest des Artikels zu lesen. Die Frau nickt. Das Fischbrötchen weist schon zur nächsten Überschrift, er erklärt, das geht eine Weile so weiter. Seine Erklärungen beendet er immer wieder mit einem “Was?” Sie nickt, ja, das wird wohl so sein. Eine junge Frau setzt sich neben die Frau des Rentners, holt ein Notebook heraus, klappt es auf und korrigiert an einem Text herum. Unwillig zieht der Rentner die Zeitung ein Stück zu sich, das ist nicht schön, wenn man auf einmal weniger Platz hat. Er liest wieder eine Überschrift vor, lacht verächtlich, er befindet, dass das alles Idioten sind, die da in der Politik, is’ doch so? Was? Sind sie doch? Er guckt sich um, seine Frau nickt, die junge Frau sieht kurz hoch und sagt “Nein.” Das sagt sie nicht unfreundlich, das sagt sie einfach so, weil es für sie eben nicht stimmt. Und weil der Mann ihr gegenüber nun einmal so fragend guckt, der will ja wohl eine Antwort.

Der Mann guckt sie entgeistert an, er wiederholt sicherheitshalber seinen letzten Satz, die junge Frau hat vielleicht nicht verstanden, worum es gerade geht, manchmal hören Leute nicht richtig zu. Die junge Frau sagt: “Nein”. Und tippt weiter. Er schüttelt den Kopf, er lehnt sich schnaufend zurück und streicht die Zeitung glatt, er sieht zu seiner Frau, seine Frau sieht aus dem Fenster. Er zeigt wieder mit dem Fischbrötchen auf die Zeitung, er guckt die junge Frau an, er macht den Mund auf, er sagt dann aber doch nichts mehr. Er liest still weiter, murmelt nur ab und zu tonlos etwas und guckt auch ab und zu hoch, auf die seltsame junge Frau, die ihn nicht beachtet und weiter arbeitet. Er blättert um, er sieht sie noch einmal an und schüttelt den Kopf.

Jetzt kommt der Sportteil, er liest und rollt die Augen, verzieht angewidert den Mund, lacht kurz höhnisch auf. Er kaut den letzten Bissen, er fingert mit weit offenem Mund nach Fischbrötchenresten zwischen seinen Zähnen. Dann schiebt er die heruntergefallenen Zwiebelringe auf der Zeitung zusammen und steckt sie zurück in die Brötchentüte, knüllt sie zusammen und schiebt sie ohne hochzusehen mit langem Arm seiner Frau hin, die seinen Müll in ihre Handtasche steckt. Sie macht die Augen zu, den Kopf an das Fenster gelehnt.

Nachtrag zu Pachelbel

Da ich im letzten Artikel Pachelbel als Droge empfohen habe, hier noch schnell ein wichtiger Hinweis auf die Nebenwirkungen. Auch als Blogger muss man verantwortlich mit seinen Inhalten umgehen und umfassend aufklären.

Woanders – Mit Narzissmus, Spenden, Quellen und anderem

Frau Meike über den Narzissmus von Donald Trump.

Spendenrekord in den USA – wegen Trump. Um mal etwas halbwegs Positives zu melden. Dazu passen dann wohl die zahlreichen Parteieintritte in Deutschland, über die sich vor allem die SPD und die Grünen wundern oder freuen, was auch immer. Ich bin in den letzten Tagen gleich mehrfach gefragt worden, ob und warum ich denn in keiner Partei sei, das ist auch eine neue Entwicklung, das hat sonst nicht interessiert. Wobei mir beim Nachdenken über Parteien auffiel, dass sich für mich in den letzten Jahren alles verschoben hat, jeder einen Stuhl weiter. Die Grünen sind eigentlich etwa da, wo früher die SPD war, die SPD ist die CDU, die CDU ist die CSU (wobei Merkel ungleich CDU, sonst passt es nicht), die CSU ist die AfD, die AfD ist die NPD, um nicht Schlimmeres zu nennen, zumindest so in etwa. Die Linken sind irgendwie immer die Linken und einfach nicht mein Fall, die FDP habe ich nicht vergessen, zu der fällt mir tatsächlich nichts mehr ein. Ich hatte beim ersten Gedanken nicht einmal einen Namen aus der Bundespolitik parat. Wenn sie sich heimlich aufgelöst hätten, ich wäre auch nicht weiter überrascht. Wofür stehen die noch? Keine Ahnung.

Der Kiezneurotiker listet Blogs, die oft andere Quellen verlinken. Dieses Blog hier ist auch dabei, vielen Dank! Von den anderen Blogs kannte ich einige nicht, das ist immer gut, gleich mal dort umsehen und dann abonnieren. Ohne Links taugt das Netz nun einmal nichts.

Eine seltsam abgedrehte Geschichte: die Sache mit den Flacherdlern, die nicht an die Kugelform unseres Planeten glauben wollen.

Sabine Schlimm war auch auf dem Hamburger Barcamp, sie war dort auf der Session von Ulf Schönheim und erzählt, warum Regional nicht das neue Bio ist.

Frau Brüllen zählt auf, welche Säue in letzter Zeit durch ihr privates Umfeld getrieben wurden. Gar nicht mal so wenig.

Ein Artikel in der SZ über Mareice Kaiser und ihre Familie.

Eine Kindheit mit Bauer, aber so ganz ohne Landidyll.

Eine etwas andere Bildergalerie zur Massentierhaltung (kann sich jeder ansehen, keine Sorge).

Ein Link für Spielzeugnostalgiker – das Konstruktionsspielzeug “Steck” hatte ich komplett vergessen, aber ich kann es nach Betrachten des Bildes sofort wieder in der Hand fühlen, dabei weiß ich nicht einmal recht, in welchem Alter ich das wohl einmal hatte . Ministeck ist hier im Haushalt sogar noch vorhanden und bei den Jungs recht beliebt.

Und ansonsten braucht man etwas zur Beruhigung und Sammlung zur Zeit, braucht man nicht? Ich nehme Pachelbel. Oder Bach, der geht natürlich auch.

Zwischendurch ein Dank …

… und zwar gleich zweifach! Nämlich an Oliver von Blogoli für das “Leben des Brian” von Monty Python, das ist immerhin ein Film, den sogar ich als ziemlich kategorischer Filmverweigerer gerne sehe, auch zum xten Mal. Ein Weltkulturgut, nicht wahr.

Außerdem an Carola von ddorfer.info für die Stickerbücher von Usborne (diese Stickerbücher sind übrigens ein guter Tipp für alle, die Familie mit Kindern besuchen, die sind als Mitbringsel sehr geeignet – hier kommen sie jedenfalls immer gut an).

Woanders – Der Wirtschaftsteil

In verschiedenen Meldungen konnte man gerade lesen, dass Donald Trump auch Lobbyisten in die Regierung berufen wird, wir sehen uns den seltsamen Beruf in dieser Woche einmal etwas näher an. Angefangen bei Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften, man muss nämlich etwas auf der Hut sein, wenn es um Lobbyismus geht. Der kommt vielleicht dezent und getarnt daher (runterscrollen, der Text beginnt etwas weiter unten).

Das Thema taucht natürlich auch dort auf, wo es nicht sofort vermutet wird, etwa in der Schule. Und wenn man dann genauer hinsieht, wird einem eventuell ganz anders “Nur drei von 210 befragten Jugendlichen waren sich bewusst, dass ArbeitnehmerInnen auch Rechte haben.” Kann denn überhaupt Bildung dabei herauskommen, wenn Konzerne bilden? Man kann zu den Verfahren der Industrie an Schulen hier auch etwas hören.

In der Zeit wird man praktisch und gibt ein paar Tipps zur Aufdeckung von Tarnvereinen, hinter denen eventuell große Konzerne mit eindeutigen Interessen stecken, die sich nicht gerade am Gemeinwohl orientieren, wie sie oft vorgeben. Und ganz praktisch kann man hier auch nachsehen, wo die Lobbyisten residieren, dann wird das Phänomen noch etwas weniger abstrakt.

Da ging es bei der Zeit vorhin auch um Zucker, dazu noch etwas mehr bei Deutschlandradio Wissen.

Aber man muss nicht immer nur an die klassischen Kandidaten für Lobbyismus denken, Zucker, Tabak, Erdöl (oder Biosprit!), Atomkraft, Alkohol etc., es geht auch wesentlich moderner, man kommt aber wohl nicht sofort darauf. Hier eine Meldung zu den Lobby-Methoden von Airbnb.

Wenn das Thema interessiert: Man findet aktuelle Informationen auch bei Lobbycontrol. In den gängigen Medien kommen “Lobbyisten” oft als pauschal beschriebene politische Spielfiguren vor, deutlich seltener ihre Methoden, ihre Ziele und ihre Erfolge.

Zum Schluss aber noch ein erholsamer Link zu einem völlig anderen Thema, eine Einladung zur Reflexion über die Kombination Erfolg und Zufall. Warum hat man erreicht, was man erreicht hat? Durch Leistung, durch Fügung, wie mischt sich das? Dazu ein längerer Text im Freitag.

GLS Bank mit Sinn

Was schön war: Hanseatic Help und Forchheimer Bagger

Vor ein paar Wochen haben wir Altkleider zu Hanseatic Help gebracht. Hanseatic Help ist das, was aus der improvisierten Kleiderkammer in den Messehallen wurde. Die ist vor einem Jahr ja sogar bundesweit bekannt geworden, als tausend und mehr Hamburgerinnen dort Spenden für die vielen Geflüchteten hinbrachten, die dann andere Tausende (mit Schnittmenge) stunden- tage- und wochenlang sortiert und ausgegeben haben. Das war damals ein ziemlich unfassbarer Anblick, wegen der Menge an Spenden, wegen der Einsatzbereitschaft der Leute, wegen des riesigen Gewusels und auch weil es eine schnelle Entwicklung zu einem formidablen Ordnungs- und Organisationssystem gab. Diese Systeme waren dann sogar so gut und tragend, dass aus der Kleiderkammer der Verein Hanseatic Help wurde, der immer noch Spenden annimmt und sortiert, und zwar in ziemlich großem Maßstab.

Diese Spenden werden neu gebündelt und mittlerweile nur noch an andere helfende Vereine und Institutionen ausgegeben, Hanseatic Help arbeitet also wie eine Art Großhändler und ist keine Anlaufstelle für Einzelne mehr. Die Abnehmer helfen dann den Bedürftigen in der Stadt, Obdachlosen, Geflüchteten usw.. Das immer noch und besonders ganz rechts so beliebte Spiel, Gruppen von Bedürftigen gegeneinander auszuspielen, das klappt dabei also nicht mehr recht. Als ich dort war, wurden gerade Container für Haiti fertig gemacht, denn in Hamburg gab es noch genug gespendete Sommerkleidung, die hier im Winter keiner braucht, die aber auf Haiti vermisst wird. Das ist also noch einmal eine neue Dimension der Hilfe.

Der Mann, der mich dort herumführte, war darauf verständlicherweise stolz. Auf den Haiticontainer und auch auf die Organisation an sich. Wer sich ein wenig für Ordnungssysteme interessiert, der wird das nachvollziehen können. Ein Lagersystem, Verteilschlüssel, Sortierkriterien, neue Räume, Schichtpläne, Verpackungslösungen, Vernetzung in der Stadt, Öffentlichkeitsarbeit, Vereinsgründung etc. – alles von Freiwilligen aus dem Boden gestampft, innerhalb eines Jahres, das ist schon was.

Und es ist schön zu sehen, wie da Spenden ankommen und ihren Weg nehmen, wie glatt das alles läuft, wie das erfasst wird, gelagert wird, verarbeitet wird, verpackt wird, und wie am Ende dann Pakete rauskommen, die tatsächlich bei Menschen ankommen, die etwas benötigen. Man kann nach wie vor dort helfen gehen, auch kurz, man kann auch nach wie vor dort Spenden abgeben.

Das ist etwas, das in den letzten und höchst kritischen Monaten der Weltgeschichte dann doch positiv hängengeblieben ist, auch bei uns im Stadtteil: Diejenigen, die geholfen haben, die bleiben oft dabei, die haben in den letzten Monaten eine ganz neue Kultur des Helfens und eine Art sozialer Spontaneität entwickelt, weil Helfen auch Spaß macht. Der Herbst 2015 hat bei uns im kleinen Bahnhofsviertel zu einer neuen und vorher ungeahnten Verdrahtung des Stadtteils geführt, hier kennen sich jetzt mehr, hier weiß man jetzt, was man gemeinsam leisten kann, wenn es darauf ankommt. Zigtausend Portionen Suppe für hungrige und frierende Durchreisende etwa – das klappt, das kriegt man hin, man muss einfach anfangen, etwa beim Gemüseschnippeln und dann sieht man weiter. Der eine hat einen großen Topf, die hat einen Gefrierschrank, der hat Platz, die hat Zeit, der kann kochen, so ging es immer weiter – und es hat dann tatsächlich geklappt, die kleine Initiative hat wochenlang jeden Tag Suppe ausgegeben, an unzählige Menschen. Man weiß nicht, dass man so etwas kann, bevor man es gemacht hat, aber hinterher bleibt es einem dann. Das ist wirklich schön.

So zeigt eine Einrichtung wie Hanseatic Help, was diese Stadt und ihre Einwohnerinnen mitmenschlich leisten können, und das kann man ruhig einmal zur Kenntnis nehmen, bei all den schrecklichen Nachrichten gerade.

Als ich in Forchheim gelesen habe, fuhr ich am nächsten Morgen mit dem Zug zurück. Als unheilbarer Frühaufsteher und überpünktlicher Mensch war ich natürlich viel zu früh am Bahnhof, stand dort dumm herum und guckte in die Gegend. Die Gegend war in dem Fall eine große Baustelle, man war noch beim Tiefbau. Nicht ganz so tief wie in Stuttgart, aber Löcher an Bahnhöfen sind wohl gerade in. Bagger, Muldenkipper und andere Laster, die ich nicht einmal korrekt benennen könnte, fuhren dort herum, Raupenfahrzeuge, all das Zeug, was Kinder immer wieder so begeistert. Dazwischen Männer in alarmroten Westen, die das Ganze dirigierten, Sand von links nach rechts, undefinierbares Metallgerümpel von einem Laster auf den anderen, Werkzeugkisten von da nach dort. Das habe ich mir zwanzig Minuten lang angesehen – und das war auch schön. Wie das alles funktionierte und Sinn ergab. Das war wie bei Hanseatic Help, ein vernünftiges System. Menschen mit Einsatz, und dann wird da was bewegt. In diesem Fall sicher nicht ehrenamtlich, vielleicht nicht einmal gerne – aber es lief, vermutlich sogar nach Plan, ich möchte es einfach unterstellen.

Ich fand es belebend, bei so etwas wieder wie ein Kind kurz stehenzubleiben und mir das anzusehen, gerade weil die Nachrichten nur noch aus Bedrohungen, Weltuntergängen, Schreckensszenarien, Ängsten und unheilvollen Spekulationen bestehen, aus Meldungen und Kommentaren, in denen die Welt bereits zu Bruch geht. Es fühlt sich heilsam an, bei einem Aufbau irgendeiner Art zuzusehen. Weil der Mensch an sich was kann, wenn er will. Da muss man sich vielleicht zur Zeit etwas bewusster dran erinnern, sonst vergisst man das noch vor lauter Sorge.

Mit anderen Worten, ich brauche also schon Bagger und schweres Gerät, um wieder auf konstruktive Gedanken zu kommen – danke Trump!

Woanders – Mit Elphie, Stuttgart, Arroganz und anderem

Kiki hat den passenden Comic zur Elphie, wie man das neue Ding in Hamburg jetzt unbedingt nennen muss, weil es alle so schön ärgert. Touristen kann man auch erklären, dass Elphie die Kurzform von Elphriede ist, das ist nämlich ein ausgesprochen schöner Name für ein Konzerthaus.

Hier gab es eine Besprechung zu meiner Lesung in Stuttgart – von Benjamin, zehn Jahre alt.

Ein Text über Arroganz und Klassenkampf. Kann man ja mal drüber nachdenken. Mache ich jedenfalls, machen viele, mit unterschiedlichen Ergebnissen, das wird gerade in Blogs und Medien mit teils wüsten Pauschalisierungen und mitunter ziemlich tief fliegenden Prämissen diskutiert.

Ich kann aber so viele Artikel lesen, wie ich nur will, nehmen wir hier noch den geschätzten Christian Fischer, kommt gerade rein, aber erleuchtet fühle ich mich dennoch nicht, obwohl ich vielem zustimme. Aber ich stehe nicht auf und weiß Bescheid, ich weiß die richtigen Antworten immer noch nicht und fühle mich gerade etwas orientierungslos im Durchrauschen der Kommentare. Das ganze Elend lässt einen mit dem Gefühl zurück, etwas tun zu müssen, das scheinen viele zu denken. Aber wie und was – nun ja. Weiter denken. Und erst einmal weitermachen, das auch. Das unbedingt.

Siehe zur aktuellen Diskussionskultur auch bei Frau Meike. Man kommt wirklich aus dem Grübeln gar nicht mehr heraus. Und trotz aller Weisheit sehen wir uns ratlos.

Aber irgendwie ist es auch schön zu sehen, wie überall die Köpfe rauchen, das ist ja so falsch nicht. Schön ist z.B. noch diese Formulierung: “Hier spielt die Musik. Da drüben laufen nur Trauermärsche.” Und ansonsten: Was Sven Scholz sagt. Oder hier, was in der taz steht, auch nicht verkehrt.

Und da drüben endet übrigens nach dem Brexit, die Politik lässt einen gerade nicht mehr los, ein deutschsprachiges Blogurgestein. Denn nicht alle machen weiter.

Hillary Clinton singt Cohen. Für so etwas braucht man Sendungen, die ganz und gar frei sind. Hoffentlich gibt es sie weiterhin.

Noch von vor der Wahl, aber immer noch und auch weiterhin lesenswert: “Menschen wählen nicht das, was für sie am besten ist. Sie entscheiden nach ihrem ideologischen Bauchgefühl.”

Ein junger Mann aus Afghanistan.

Ein Nachruf von Margarete Stokowski auf Leonard Cohen, dessen letztes Album man nicht genug empfehlen kann. Also vorausgesetzt, man kann sich beim Hören an irgendwas festhalten, an seiner Liebe oder an Drinks oder Träumen, Erinnerungen, whatever. Meine meistgehörten Musiker sind nun fast alle gestorben, den Punkt erreicht man eben irgendwann, das ist weder ungewöhnlich noch unerwartet, aber es trifft einen doch. Und die letzten, die noch leben, hört man dann mit einem eigenartigen Gefühl. Ich hoffe, Tom Waits geht es gut.

Der Bunker auf dem Heiligengeistfeld wird also wirklich begrünt.

Ein Wirtschaftskrimi: Der Bernsteinboom

Noch einmal Straßenfotografie von André Duhme, da sieht sogar Kiel interessant aus, das kann ich dank meiner engelsgleichen Toleranz auch als Lübecker zugeben. Aber nicht gerne, versteht sich.

Der nächste heiße Lifestyle-Kram: Schönschreibhefte für Erwachsene. Ich bekommen schon bei dem Wort Krämpfe in den Fingern.

Zwischendurch ein Dank …

… an die Leserin Judith H., die den Jungs ein sehr schickes Alphabet-Stempelset geschickt hat, das bereits schwer im Einsatz ist. Als ich Kind war, da mussten wir uns solche Stempel noch selbst aus rohen Kartoffeln schnitzen, wir hatten ja nichts.

Elektrospielzeug: VR-Brillen

Ein Text von Jojo Buddenbohm, neun Jahre alt

Ich war auf dem Barcamp in Hamburg und habe da eine VR-Brille getestet (VR heißt Virtual Reality). Wenn man diese VR-Brille aufsetzt, dann ist es so, als sei man in einem Spiel drin. Ich habe einmal ein Star-Wars-Spiel getestet und einmal ein Spiel, in dem man sich aussuchen konnte, ob man unter Wasser Laternenfische oder Wale oder Schildkröten ansehen wollte. Ich habe mir die Laternenfische angeguckt. Dabei ist man in einem Bereich, in dem ein Wal gestorben ist, da liegen Knochen auf dem Meeresboden. Ich habe gesehen, wie ein Laternenfisch einen anderen Fisch gefressen hat. Wenn man die Brille aufhat und die beiden Controller in der Hand, könnte man denken, dass man wirklich ein Taucher ist. Das ist richtig überzeugend.

Was komisch ist, da schwimmen Quallen herum, die kann man anstupsen. Zuerst denkt man, das fühlt sich eklig an, aber dann ist es lustig.

Noch einmal zu Star Wars: Was auch cool ist, da kommen Klonkrieger und wenn die auf dich schießen und man sie nicht rechtzeitig mit dem Laserschwert abgewehrt hat, dann denkt man wirklich, dass man getroffen wird.

Es gab da auch Pappbrillen zum Mitnehmen, dafür braucht man ein Handy, das vorne in eine Luke gesteckt werden kann, die man aufklappen kann. Auf Youtube gibt es extra Filme dafür, die heißen 360 Grad. Da ist es auch wirklich so, dass man z.B. in einer Achterbahn sitzt und sich umdrehen kann und tatsächlich alles sieht.

Als wir noch bei der VR-Brille standen, hat mir ein Mann von dem Stand dort die Papp-VR-Brille gegeben und sein Handy hineingetan, der hatte eine extra App dafür, die man sich aber nicht herunterladen kann. Mit der war man dann auf einem Schreibtisch in dem Büro der Firma Cassini (keine bezahlte Werbung), die haben das da gemacht. Man konnte sich im Büro umsehen. Und man brauchte aber Platz dabei, weil man mit der Brille immer durch die Gegend geht und dann leicht irgendwo gegen rennt.

In dem Raum bei Cassini, den man durch die Brille sehen konnte, gab es Pfeile, wenn man darauf guckte, wurde man wieder in einen anderen Raum teleportiert.

Der Mann von Cassini hatte auch eine spezielle Kamera, die konnte im Kreis fotografieren. Wenn man hinterher die Brille aufsetzte, war man in dem Foto drin.

Die VR-Brille darf man eigentlich erst ab zwölf Jahren benutzen, bei mir gab es aber eine Ausnahme. Wir haben dann nachgesehen, die VR-Brillen sind gar nicht so teuer, wie wir dachten, das wäre also auch ein super Geschenk für Kinder ab 12, denn die sind wirklich cool. Allerdings war die auf dem Barcamp vermutlich eine Profiversion.

Ich würde später gerne so etwas wie VR-Brillen testen und darüber schreiben, ich glaube jetzt nämlich, das kann man auch beruflich machen.

Auf dem Barcamp haben wir auch selber eine Session gemacht und uns viele Sessions angesehen, Barcamps sind auch für Kinder interessant. Und wenn die noch klein sind, können sie in die Betreuung. Da passt man auf die auf, bis die Eltern nach Hause gehen. Barcamps sind super.