Woanders – der Wirtschaftsteil

Man wirft dieser Kolumne ganz gerne mal vor, in irgendeiner Richtung tendenziös zu sein. Entweder zu sehr gegen die böse Industrie oder zu sehr dafür, zu lieb zu Greenpeace oder zu Fairtrade, richtig macht man es offenkundig nie. Da machen wir uns doch gleich weiter unbeliebt und verlinken auf zwei Artikel zu dem bösen Aluminium im bösen Deo, Sie wissen schon. Eventuell, wer weiß, ist das Aluminium nämlich doch gar nicht so böse. Sehen Sie mal hier und hier. Verwirrend, was? Heute so, morgen so. Das können wir noch steigern, Bio-Lebensmittel etwa sind jetzt doch plötzlich wieder gesünder als andere, neulich wurde es noch ganz anders verbreitet, das ist gar nicht lange her.

Es bleibt kompliziert, der erste Gedanke ist nicht immer der richtige, die erste Meldung natürlich auch nicht. Oder sagen wir so: Der erste Gedanke sollte nicht der einzige Gedanke bleiben. Denkt man z.B an ausgebeutete Textilarbeiterinnen, dann denkt man unweigerlich an Bangladesch, nicht wahr. Man kann aber auch an ein beliebtes Urlaubsland denken, es liegt fast um die Ecke, der Reiseprospekt dazu liegt evtl. im Wohnzimmer.

Aber wir würden ja so produzierte Kleidung eh nicht kaufen, wir stehen nämlich auf bio. Das kann man auch hier in der Zeit nachlesen, wobei man allerdings den letzten Absatz nicht auslassen sollte. Noch mehr zu diesen paar Sätzen dann in der FAZ.

Wir kaufen bio oder fair, fair ist natürlich auch super – das sieht man nach diesem Film auf Arte vielleicht noch differenzierter. Der Film ist lang, der ist aber auch sehr interessant. Jedenfalls schmeißen wir hier aber gerne und viel weg, um noch einmal die Zeit zu verlinken. Trost finden wir in dem Artikel nur bei dem Hinweis, dass die Dänen noch mehr wegschmeißen als wir, es ist doch immer gut, nicht der Erzschurke zu sein. Apropos Dänen: die bauen wiederum interessantere Radwege als wir. Wenn man sich vorstellt, über diese Brücke zu radeln – und wenn man sich vorstellt, eine Tageszeit zu erwischen, zu der man vielleicht alleine unterwegs ist? Das muss eine gespenstische, bewegende Erfahrung sein.

Bewegen lassen sich andere auch in Kirchen, das passt normalerweise nicht hierher. Es sei denn, dass Gebäude ist konzeptionell einigermaßen ungewöhnlich und wird per Crowdfunding finanziert, dann passt das auch.

Ungewöhnliche Gebäude stehen nach der WM auch in Brasilien sowohl herum als auch leer. Aber auch dafür kann man Ideen entwickeln.

Was noch? Wir lesen kurz nach, was Roger Willemsen zu unserem parlamentarischen System zu sagen hat, es ist ein klein wenig ernüchternd. Jedenfalls wenn man noch irgendwelche Illusionen im Kopf hatte. Und wer ernüchtert ist, der braucht neue Hoffnung, weswegen wir ausnahmsweise auch mal wieder zu einer amerikanischen Quelle linken, die machen das ja immer ganz gut, mit den frohgestimmten Vibrations. Alles wird gut mit dem Food! Fast schamhaft legen wir da dann doch noch einen deutschen Miesepeterlink an, es tut uns auch irgendwie leid.

GLS Bank mit Sinn

Kurz und klein

Guten Morgen

Ich habe irgendwann einmal geschrieben, dass Eltern in der Regel 90% der verfügbaren Tageskraft bereits verbraucht haben, noch bevor die Kinder in der Kita oder in der Schule sind. Das haben viele für einen Spitzenwitz gehalten, und nur Betroffene haben verstanden, dass dieser Satz gar kein Witz war, sondern nichts als die reine Wahrheit.

Das merkt man sehr deutlich in den Ferien, wenn man morgens nirgendwo hin muss, oder wenn doch, dann eben irgendwann, who cares. Es ist ein so dermaßen auffällig anderes Leben, wenn man morgens nicht wie ein Drill-Sergeant hinter dem Nachwuchs herlaufen muss, dozierend, brüllend, streng guckend, ermahnend, belehrend, antreibend, drohend, finster blickend, stöhnend und das endgültige Ende aller Lustigkeit auf Erden vorhersagend. Wenn man also nicht stundenlang so sein muss, wie man ganz bestimmt nie werden wollte. Wenn man nicht gezwungen ist, permanent Sätze von sich zu geben, bei denen der innere Fünfjärhige entgeistert “WAS WAR DAS GERADE?!” fragt. Es ist wirklich phantastisch, wenn man nicht so sein muss und wenn man auch keine Stunden damit zubringen muss, über großartige pädagogische Konzepte nachzudenken, die einen endlich aus dieser Falle führen könnten, in der man unweigerlich jeden Morgen wieder landet.

Jeder schlurft hier in den Ferien irgendwann aus seinem Bett irgendwohin. Die Herzdame ins Bad, Sohn I ans Comicregal, Sohn II ins leere Elternbett, ich an den Computer. Niemand spricht, niemand beeilt sich mit irgendwas, es ist eine friedliche Zeit. Irgendwann entwickelt irgendwer eine vage Idee vom Frühstück und mangels Zeitdruck beginnt eine betont lässige familiäre Meinungsbildung. Ein Konsens wird gebildet oder auch nicht, das macht auch nichts. Wenn Sohn II nur drei Blaubeeren auf Brötchen frühstücken möchte, warum nicht, das ist mir völlig wurscht, wie man neuerdings sagt. Das wäre mir von der Menge und der Qualität her an normalen Werktagen natürlich auch völlig wurscht, bloß kein Stress beim Essen, versteht sich, ich könnte aber normalerweise nicht ignorieren, dass er eine halbe Stunde braucht, um die Beeren ansprechend anzuordnen, der kleine Wahnsinnige. Jetzt kann er das Arrangement meinetwegen bis zum Mittagessen optimieren, das macht nichts.

Und wenn der Tag so entspannt beginnt, dann merkt man gegen zehn, elf Uhr, dass man einfach irgendwas machen kann, ohne fortwährend Visionen von der abendlichen Bettruhe zu haben. Ohne ständig wiederkehrende Tagträume von diesem phantastischen, erlösenden Moment, in dem man im Elternschlafzimmer das Licht ausmacht und für ein paar Stunden Ruhe hat, echte Ruhe. Ich sitze an normalen Werktagen manchmal am Vormittag schwerst genervt vom Tagesstart im Büro und kann in Gedanken meine Hand auf dem Schalter der Lampe an meinem Bett geradezu spüren, ich fühle schon dieses sachte und erlösende Klicken, mit dem es endlich wieder dunkel und friedlich und ruhig wird. Ja, so groß kann die Sehnsucht der Eltern nach dem Feierabend sein.

Das entfällt alles in den Ferien, dafür muss man sehr dankbar sein. In den Ferien kann man am Vormittag an ganz andere Dinge denken. Also zum Beispiel an den Mittagsschlaf. Es ist zu und zu schön.

Frühstück

Woanders – diesmal mit Hamburg, Giardino, Amazon und anderem

Hamburg: Die Stadt hat ein weiteres Online-Magazin, den Elb-Salon. Von so etwas kann es gar nicht genug geben. In einer Stadt, die man nur noch als Zeitungsbrachland bezeichnen kann, muss etwas anderes wachsen. In diesem Zusammenhang immer wieder auch der Hinweis auf HH-Mittendrin, wo sich die Redaktion weiterhin über Förderer freut. Und auch nicht zu vergessen: die Elbmelancholie.

Blogosphäre: Der Herr Giardino, der schon seit dem Pleistozän in meiner Blogroll steht, ist umgezogen und wohnt online jetzt hier.

Feuilleton: Es ist nicht schwer, etwas gegen Amazon zu haben, aber dieses Argument hier kannte ich noch gar nicht. Nicht zu fassen.

Feuilleton: Die Zeit über das Code-Switching. Und bloß nicht die Kommentare lesen.

 

WM-Ende

Die Weltmeisterschaft wird an diesem Wochenende finalisiert. Und obwohl ich mich überhaupt nicht für Fußball interessiere, sehe ich das Ende doch mit leichtem Bedauern auf mich zukommen. Denn das Leben wird schwerer werden, so ohne WM. Es wird härter und anstrengender, gar keine Frage. Das liegt aber nicht daran, dass wir keine Spiele mehr sehen können, oh nein. Im Grunde haben die Söhne kein einziges Spiel wirklich durchgehend gesehen, so interessant sind die langen Phasen ohne Tore dann doch nicht, wenn man erst 4 oder 6 Jahre alt ist. Beim tatsächlich spannenden Elfmeterschießen haben sie schon friedlich geschlummert. Nein, ich bedauere das Ende der WM nur wegen der Sammelkarten mit den Spielern drauf. Denn nach der WM machen die natürlich keinen Sinn mehr. Die Alben werden, ob vollständig oder nicht, in wenigen Tagen in Vergessenheit geraten. Ist es heute noch die wichtigste Frage der Welt, ob man den brasilianischen Torwart eingeklebt hat oder nicht, ist das morgen schon völlig egal. Aus Kindersicht ist die WM dann schon damals.

Da hat es also gar keinen Sinn mehr, bereits beim Frühstück gutes Benehmen einzufordern und nebenbei mit dem baldigen Entzug des Kartennachschubs zu drohen. Es bringt auch nichts mehr, besondere Leistungen mit drei Karten extra zu belohnen. Die ganze Einfachheit im Alltag ist dahin. Das einfachste Rezept von allen, es wird ungültig. Man muss stattdessen wieder über echte pädagogische Konzepte nachdenken. Das wird anstrengend, wie man sich vorstellen kann. Wenn Sie also in den nächsten Tagen genervte Eltern sehen, die mit ihren renitenten Kindern ganz offenichtlich überhaupt nicht zurechtkommen, seien Sie bitte nachsichtig. Es handelt sich nicht unbedingt um völlig zerrüttete Familien.

Es sind vermutlich nur Eltern und Kinder, die dringend nach einer neuen Währung suchen.

(Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

Warm hier

Sohn II

Ich habe jetzt eine Weile darüber nachgedacht, ob ich dieses Bild von Sohn II an einer Kirchentür in den Zusammenhang “Egal, wie man sich reinhängt, manche Türen gehen einfach nicht auf” bringe – oder ob ich es ins Positive drehe und “Wenn man sich richtig reinhängt, kriegt man alle Türen auf” schreibe, denn auf dem Bild sieht man ja nicht, ob die Tür sich bewegt hat oder nicht. Aber die erste Variante klingt so fatalistisch, das liegt mir nicht, die zweite nach Kalenderspruch. Das taugt alles nichts, ich hasse Kalenderspruchglitsch. Lassen wir das. Das Bild bleibt da ohne jeden Zusammenhang stehen.

Es ist heiß und wir wohnen in einer Dachgeschoßwohnung mit Metalldach, meine Denkfähigkeit ist ohnehin schon seit Tagen bedenklich dings, Sie wissen schon. Es wird auch nachts nicht kühler, mehrere Familienmitglieder schlafen mit Kühlakkus auf dem Bauch. Da kann man nicht mehr viel erwarten, auch keine Pointen. Oder die schon gar nicht. Seit heute sind auch noch Ferien, die nächsten drei Wochen sind die Kinder durchgehend zu Hause, Kita und Vorschule sind geschlossen. Wobei die Vorschule für Sohn I eh durch ist, tempi passati, abgehakt. Im August kommt er in die Grundschule. Er freut sich auf einen neuen Lebensabschnitt, ich auf frischen Content, Sohn II auf spannende Sekundärerfahrungen, die Herzdame auf ein Kind, dass morgens alleine losgeht. So ist für alle gesorgt, das wird super.

Seit heute sind also Ferien, die Wohnung – erwähnte ich, dass es heiß ist, hier drin? Richtig heiß? Flimmert eigentlich der Bildschirm oder die Luft? – die Wohnung, sie sieht bereits jetzt aus wie ein Trümmerfeld. Ich google unter tieffliegendem Spielzeug heimlich nach Kinderlandverschickung und gehe der Herzdame aus dem Weg, die seit dem Aufwachen bereits 384 Punkte auf unsere gemeinsame To-Do-Liste geschrieben hat, weil man in den Ferien ja endlich einmal alles machen kann. So viel zu erledigen! Und all diese Zeit! Der Terminkalender füllt sich mit Punkten, als hätte man ihn mit einem Schrotgewehr aus nächster Nähe erlegt. Schlimm.

Es ist eben doch so, dass man in den Ferien anscheinend wegfahren muss, wenn man nicht plötzlich Wände streichen oder neue Holzplatten auf dem Balkon verlegen möchte, und wer möchte das schon. Ich werde das Familienschiff also in Kürze in Richtung Nordostwesfalen und dann in Richtung Eiderstedt an die Nordsee steuern, dazu dann in Kürze mehr in Bild und Text.

Die Spritkosten dazu können wir übrigens, ganz herzlichen Dank, wieder mit den Flattr-Einnahmen dieses Blogs finanzieren, das ist großartig und sehr hilfreich.

Bis zur Abreise sitze ich vielleicht am besten reglos vor diesem Computer, während um mich herum alles zerfällt. Das Kinderzimmer zerfällt wegen der dort hausenden Kinder, die Lebensmittel in der Küche wegen der Hitze, meine Ehe, weil ich hier nur sitze, egal. Es ist zu warm für To-Dos und Aktion, es ist zu auch viel warm für Erziehung und Beziehungen, es ist zu warm für alles. Jedenfalls hier drin.

Eventuell gibt es nachher Regen. Sagt jedenfalls der Regen-Radar, den ich auf den Second-Screen neben meinem Notebook anstarre wie andere den Aktienticker.

Regen. Wissen Sie noch? Regen. Mit kühler Luft und die Welt riecht gut und man kann langärmelige Sachen anziehen und so. Das wird schön.

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wir hatten in der letzten Woche angekündigt, zur Abwechslung wieder mehr gute Nachrichten finden zu wollen. Wir haben uns natürlich bemüht – aber es ist kompliziert. Schauen wir mal.

Da gibt es in Paris eine neue Variante des Bike-Sharings, die kann man vielleicht auf den ersten Blick amüsant findet. Mitlesende Eltern werden sie aber vermutlich ungemein nützlich finden.

In Deutschland erfindet man währenddessen grüne Kohle, das ist auch nicht schlecht. Noch spannender im Bereich der Erfindungen ist es aber vielleicht, dass man sich sein Essen künftig ausdrucken kann.

Außerdem hat die Wissenschaft festgestellt, dass die Arbeit doch gar nicht so anstrengend ist, wie wir alle immer vermuten. Anstrengend ist vielmehr die Freizeit. Na gut, das war jetzt nur eine halbe gute Nachricht, bestenfalls. Vielleicht müssen wir den Begriff der guten Nachricht überhaupt etwas weiter fassen. Ist es nicht womöglich auch eine gute Nachricht, wenn eine Medienmarke wie die FAZ eine Firma wie Primark so unverblümt angeht wie in die diesem Artikel? Der Diskussionskultur in Wirtschaftsfragen schadet es vermutlich ganz und gar nicht.

Sehr fein auch, dass die Hipster verschwinden, der Trend war ja nicht mehr mitanzusehen. Der Tagesanzeiger informiert gründlich und wir können jetzt alle anfangen, den Begriff Normcore hier und da im Smalltalk zu verwenden und die Anhänger dieses neuen Trends im Alltag zu entdecken. Ja, wo sind sie denn?

Für die Romantiker unter uns noch schnell was mit Indianern. Esoteriker werden den Schluss sicherlich lieben. Aber auch für das Publikum, das sich für Ernährungsfragen interessiert, haben wir noch was mit Indianern. Da geht es um essbare Kultur, um die Kultur der Region und um die Region, die man sich einverleibt – und da ist vermutlich noch lange nicht alles gesagt, da werden wir noch einige Artikel bringen können. Macht das regionale Essen was mit uns? Macht es mehr als satt?

Links zu Ernährungsthemen erhält man jede Woche übrigens in ganz hervorragender Qualität beim Newsletter der Schmausepost, der sei hier auch einmal ausdrücklich empfohlen, auch wenn dort gerade Sommerpause ist. Es gibt sie eben doch noch, die sinnvollen Newsletter, sie sind nur schwer zu finden.

In diesem Zusammenhang verweisen wir auch noch auf die äußerst sinnvolle Seite “Mediasteak”, die sehr verlässlich das Beste aus den diversen Mediatheken listet, auch zu Themen, die hier interessieren. Da findet man dann auch Perlen wie einen Beitrag über die Tiere in Pripjat. Was machen die Tiere in einem verlassenen Dorf? Das klingt wie der Anfang eines Kinderbuchs, es ist aber etwas ganz anders. Sehen Sie selbst.

Na, da war doch jetzt viel Positives dabei, nicht wahr. Stets bemüht!

Wir enden in dieser Woche selbstverständlich betont fröhlich, und zwar  mit einem Schienenfahrzeug der etwas anderen Art. Hauptsache, es geht vorwärts.

GLS Bank mit Sinn

Woanders – diesmal mit einem Sabbatjahr, Spenden, Hosen und anderem

Schule: Auch wenn man den besten Job der Welt hat, braucht man vielleicht einmal ein Sabbatjahr.

Medien-Klimbim: Von dem Crash bei Blogger.de werden viele gehört haben, da wird noch Geld gebraucht, um mehr Content retten zu können. Ohne Blogger.de wäre die deutschsprachige Blogosphäre eine ganz andere, da kann man ruhig mal etwas spenden, denn da hat man doch sicher in den letzten Jahren auf den Blogs etliche Stunden lesend verbracht? Eben. Dentaku erklärt es genauer.

Film: Den Kurzfilm von dem Jüngling, der seine Hose auszieht, ohne die Hände zu benutzen, der ist so gut wie überall verlinkt worden. Mitlesende Eltern haben ihn hoffentlich dem Nachwuchs gezeigt und wie zufällig zwei Hosen im Kinderzimmer auf den Fußboden gelegt?  Es lohnt sich.  Man ist dann ziemlich lange ungestört.  Besonders wenn die Kinder, so wie Sohn II, die Aufgabe etwas überinterpretieren und erst einmal versuchen, eine Hose ohne Hände auszuziehen. Einfach durch die Kraft des Baucheinziehens. Sohn I dagegen ist lässig in die Hose gestiegen, hat sie hochgearbeitet wie im Film gesehen und dann gefragt, wo das Problem sei. Quasi Wunderkind. Ich selbst sehe von einem Versuch lieber erst einmal ab.  Keine Experimente.

Feuilleton: Durch eine Diskussion auf Twitter kam ich auf Bilitis,  einen Filmtitel der nur noch meiner Generation und den Älteren etwas sagt. Ich habe dann etwas über David Hamilton nachgelesen und kam von da auf die Hauptdarstellerin des Films. Und das diese Dame die Lady D’Arbanville gleichen Namens von Cat Stevens war und Mick Jagger auch etwas damit zu tun hat, das wusste ich gar nicht. Faszinierend. Hier die Geschichte dazu. Ich habe mir die anderen Geschichten da auch angesehen, interessant fand ich aber nur noch die von Billy Idols Sweet Sixteen.

Küche: Gekocht und gut gefunden: Fischfilet mit Apfelspitzkohl. Wobei der Fisch fast egal war, aber Spitzkohl mit Apfel, das fand ich gut, das mache ich wieder.

 

Szenen aus Sankt Georg (3): Mach mal Hymne

Nach dem Spiel Deutschland gegen Frankreich bin ich mit Sohn II zum Park gegangen, um die Herzdame und Sohn I vom Public Viewing abzuholen. Die Familie ist, was Fußball angeht, im Moment etwas geteilt. Vor den Kneipen und Cafés saßen noch Menschentrauben mit Blickrichtung auf die großen Fernseher, auf denen teils gar nichts mehr lief oder nur noch Sportlerinterviews ohne Ton zu sehen waren. Bei dieser WM ist es so, dass nahezu jeder Laden einen Fernseher aufstellt, auch die kleinen Imbisse und die Kioske, alle paar Meter kann oder muss man Fußball sehen. Es sind so viele Fernseher, dass man hier und da sogar noch einen Platz vor einem bekommen könnte, einfach so. Das hat sich nach der letzten EM noch einmal deutlich gesteigert. Man könnte die Spiele jetzt auch bequem verfolgen, während man einfach die Straße auf und ab geht.

Erregte Bienenstockstimmung, ein wildes Gesumme von Stimmen, Expertenmeinungen überall. Verschmierte schwarzrotgoldene Schminkspuren und reichlich leere Gläser, die Runden für den gemütlichen Teil des Abends wurden gerade geordert. Jetzt hatten alle gewonnen, da konnte man doch noch einen? Oder zwei? Na sicher doch. Drei Männer mit Bierbäuchen in den Trikots der deutschen Mannschaft saßen schunkelnd auf ihren Stühlen, vor ihnen ein Akkordeonspieler vom Balkan: Que sera, sera.

Die Männer in kurzen Hosen, Sandalen und durchgeschwitzten T-Shirts, der Akkordeonspieler in Wollpullover und Lederjacke, eine Cordmütze auf dem Kopf. Wie warm mag es da sein, wo er herkommt?

Die Männer sangen laut mit, “what will be, will be”. Sie kramten in ihren Taschen nach Kleingeld und steckten dem Musiker Münzen zu, klopften ihm auf die Schultern. “Warte mal”, riefen sie ihm dann hinterher, als er weiterziehen wollte, “warte mal, warte mal.” Ein Zeigefinger wies auf den Boden vor ihrem Tisch, der Akkordeonspieler ging zurück und stellte sich gehorsam dort hin. Fragende Blicke. “Kannst du Hymne?” fragte einer der Männer und beugte sich vor, “kannst du unsere Hymne?” Er sah die anderen Männer zwinkernd an. “Deutsche Hymne, weißt du? Na? Deutschland?”

Er kramte noch einmal in seinen Taschen und suchte nach Münzen, die anderen machten es ihm nach. Der Akkordeonspieler nickte lächelnd, schob seine Mütze hoch und hielt die Hand auf, sagte aber nichts. Ob er die Männer verstanden hatte, war seinem Gesicht nicht anzusehen. Er sammelte die Münzen ein, die Männer lehnten sich zurück: “So, jetzt mach mal die Hymne hier, los, los. Hört mal alle zu jetzt. Deutschland!”

Der Akkordeonspieler schob die Münzen in seine Jacke, richtete das Akkordeon und knipste das Straßenmusikerstrahlemannlächeln, mit dem er den ganzen Abend von Tisch zu Tisch unterwegs war, wieder an.

Dann fing er an zu spielen und es klang nicht nach der Hymne. Aber es war doch etwas, das jeder nach sehr wenigen Tönen erkannte, es war ein Lied zum Mitsingen, ein Lied für Männer vor sehr vielen leeren Biergläsern. Ein Lied für Hamburger an warmen Sommerabenden, die noch lange nicht genug haben. Vielleicht war es aber auch das Lied, das er sowieso als nächstes Stück gespielt hätte, weil zwei, drei Lieder eben auch reichen, für so einen Abend. Mehr braucht es gar nicht, um hier und da ein paar Münzen von angetrunkenen oder verliebten oder einfach freundlichen Deutschen zu bekommen. Oder von schwerst genervten Menschen, die ihn nach zwei Stücken endlich loswerden wollen, weil ihnen zum fünften Mal an diesem Abend Que sera, sera vorgespielt wird. Er spielte und strahlte und nach Sekunden erkannte man es: “Auf der Reeperbahn nachts um halb eins.”

Und die Männer an den Tischen sangen lachend und klatschend mit und prosteten ihm mit neu gefüllten Biergläsern zu und als er weiterging sagte einer dann aber noch kopfschüttelnd, weil es doch einfach nicht in Ordnung war: “Hymne hat er jetzt aber nicht gemacht.”

 

Weiße Tiere und wilde Fragen für die Sommerferien

Ein Gastbeitrag von Rochus Wolff:

Der Sommer ist fürs Kinderkino – daheim wie in den Lichtspieltheatern – meist eher saure-Gurken-Zeit (obwohl: am 10. Juli startet im Kino Rico, Oskar und die Tieferschatten, den sollte man sich unbedingt ansehen, wenn die Kinder das Buch schon gelesen haben – womöglich der Kinderfilm des Jahres! Ausführliche Rezension hier).

Aber ein paar gute Filme gibt es dann eben doch, und hier ein paar Vorschläge für die hoffentlich seltenen Regentage während der Sommerferien – beginnend mit einem Thema, das sich zu Zeiten von viel Sonnenlicht sowieso besser behandeln lässt als im finsteren Herbst, wo es traditionell hingehört.

Mich beschäftigt nämlich immer wieder die Frage, wie man eigentlich vor allem etwas sensibleren Kindern die klassischen Themen des Horrorfilms nahebringen kann. (Die robusten werden sich ihre Figuren selbst suchen und schneller, als es uns Eltern lieb ist, mit Freunden gemeinsam heimlich mit einer vom großen Bruder des besten Freundes ausgeliehenen DVD vor dem Fernseher zittern. Und das ist gut so, denn das Horrorgenre braucht natürlich genau das: Das Heimliche, Verbotene, die eigene Entdeckung der knarzenden Holzbohle da ganz hinten im dunklen Zimmer.)

Dass das mit ganz jungen Kindern noch nicht richtig funktioniert, liegt in der Natur der Sache; damit stößt aber ein Film wie Hotel Transsilvanien ins Leere, der in seiner kindertauglichen Parodie aller klassischen Monster kulturelles Wissen voraussetzt, dass die Kinder eigentlich noch nicht haben können, weil sie selbst für die klassischen Universal-Monsterfilme von Frankenstein bis Dracula eigentlich noch zu jung sind. (Und wenn sie sie kennen, muss ihnen Hotel Transsilvanien im Vergleich unendlich fade erscheinen.)

In diese seltsame Leere hinein fällt Alfie, der kleine Werwolf, der das eigentlich Unmögliche versucht, eine Horrorfilmfigur schreckensfrei für fünf- bis achtjährige Kinder aufzubereiten – und das außer ein paar leicht gruseligen Verneigungen in Richtung des Genres, ganz gut hinbekommt. Daraus wird letztlich eine Geschichte vom Anderssein (da ist dem Horror nie fern), von Akzeptanz und Elternliebe – die Eltern des Titelhelden sind nämlich ein Elternpaar, selbstbewusst gleichberechtigt und ironisch-gelassen –, wie man es sich im deutschen Kinderfilm nur wünschen würde. (Empfohlen ab 5 Jahren, ausführliche Rezension hier.)

Die Themen Anpassung und Selbstbewusstsein verhandelt Trommelbauch von einer sehr viel realitätsnäheren Perspektive – und dennoch ist er eigentlich der phantastischere von den beiden. Hier geht es um den kleinen Dik Trommel, der mit seiner Familie von Dicksleben nach Dünnhausen zieht, weil seine Eltern dort ein Restaurant eröffnen wollen. Und wie die Namen schon sagen, ziehen hier also stramm übergewichtig-lebensfrohe Menschen in einen Ort, in dem Fitnessstudios und kalorienarme Gemüseshakes regieren.

Trommelbauch

Foto: Tiberius-Film

Das ist natürlich völlig überzeichnet und macht es sich in seiner direkten Kritik am Schlankheitswahn auch ein wenig einfach – aber da der Film jede Menge Komik aus der Konfrontation der unterschiedlichen Lebensstile mitbringt und die Figuren nicht nur als Strohmänner und -frauen für diesen Konflikt entwickelt, bringt er dann doch jede Menge Charme auf die Waage. (Empfohlen ab 7 Jahren, ausführliche Rezension hier)

Eine wesentlich dramatischere Geschichte bietet Belle & Sebastian: ein Junge wächst in zur Zeit der deutschen Besatzung als Waise in den französischen Alpen heran. Dort soll ein wilder Hund sein Unwesen treiben – aber Sebastian freundet sich schon bald mit dem nur vermeintlich wilden Tier an. Diese Freundschaft wird später dann lebenswichtig, als einige der Dorfbewohner wieder Flüchtlingen helfen wollen, über die Berge in die Schweiz zu fliehen.

Das Kinderbuch Belle & Sebastian von Cécile Aubry wurde bereits in den 1960er Jahren als Fernsehserie verfilmt, die Geschichte ist bekannt; die Verfilmung von Nicolas Vanier bietet das Ganze nun noch einmal verdichtet auf etwas mehr als 90 Minuten und eingebettet – das wird vor allem die Eltern freuen – in wahrhaft atemberaubende Naturaufnahmen der Berglandschaft. (Empfohlen ab 9 Jahren.)

Wen das ob der Erinnerung an die Fernsehserie womöglich ein wenig nostalgisch macht, dem kann geholfen werden. In den letzten Wochen hat es nämlich noch eine ganze Reihe von Fernsehserien gegeben, die neu, zum Teil erstmals, auf DVD erschienen sind, zum Schwelgen in Erinnerungen und vielleicht auch dafür geeignet, den Kindern zu zeigen, dass früher nicht alles schlechter war.

Da gäbe es zum Beispiel, ich werde Feuerwehrmann!, den ganzen, vollständigen Grisu in einer DVD-Box. Wahrscheinlich ist der so en bloc und aus der Gegenwart betrachtet gar nicht mehr so toll, wie man denkt. Auf jeden Fall ist es allerdings, wie auch Als die Tiere den Wald verließen von der guten alten Tante BBC, jetzt in Gänze als DVD-Box erhältlich, noch sehr beruhigend old school. Während es vermutlich noch ein bisschen dauern wird, bis die Kinder uns von den Qualitäten aller zeitgenössischen Fernseh-Trickserien überzeugt haben werden. Ahem.

Geographisch am nächsten an Belle & Sebastian dran, gibt es da noch Die schwarzen Brüder, die in den 1980ern vom deutschen Fernsehen vielleicht ein wenig brav, aber nah am Buch verfilmte Geschichte über Mailänder Kaminkehrerjungen, die ihren Eltern im Tessin in großer Not abgekauft worden waren – im Grunde eine Sozialschmonzette ohnegleichen, aber zugleich ein schöner Blick in eine andere Welt.

Und wer wirklich in echte andere Welten schauen mag, für den ein letzter Tipp, ein wenig ein Geheimtipp, aber ganz wunderbar: Die Geolino-Reportagen, Ausgaben eins bis drei sind bereits erschienen, liefern hochfokussierte, sehr konzentrierte und aufregende Einblicke in das Leben von Kindern und Tieren rund um den Globus – entstanden oft als „Abfallprodukt“ von großen Reportagen, aber deswegen keinen Deut schlechter gemacht. Von Katzenkindern in der Petersburger Eremitage über minensuchende Ratten bis hin zu der Frage, wie man am Polarkreis in die Schule geht – das taucht alles auf. Wenn man sich das anschaut, sollte man sich anschließend noch ein wenig Zeit nehmen für die vielen tollen Fragen, die da noch gesprudelt kommen mögen. Und ganz nebenbei wird für die Kinder sehr sichtbar, wie vielfältig dieses Ding Leben wirklich ist.

Und das soll man im Sommer ja auch feiern, nech.

Rochus Wolff

Rochus Wolff ist Filmkritiker, Feminist und Vater, nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Seit Januar 2013 beschäftigt er sich im Kinderfilmblog am liebsten mit dem schönen, guten, wahren Kinderfilm. Er lebt mit seiner Familie in Berlin und arbeitet hauptberuflich als PR-Mensch und Konzepter für eine Online-Agentur in Süddeutschland.

Woanders – der Wirtschaftsteil

Peter Glaser erklärt die Sache mit dem Sharing, der Text enthält interessante Links. Seine Kolumne auf futurezone ist ohnehin sehr lesenswert, da kann man öfter mal hinklicken. Auch im Tagesspiegel geht es ums Sharing, da wird ein wenig hinterfragt. Oder, wie es in den Kommentaren dort heißt: Es geht um Schmarotzertum. Nanu!

Die Sache mit dem Teilen, dem Sharing, sie berührt Grundsatzfragen des Menschen. Können wir überhaupt teilen, wie ausgeprägt ist unser egoistisches Interesse, sehen wir bei unseren Handlungen und Entscheidungen den Nutzen für die Allgemeinheit – und interessiert uns die Allgemeinheit überhaupt? Es wirkt immer noch exotisch, wenn Unternehmen nicht in erster Linie an der Maximierung des Profits ausgerichtet sind. Exotisch, aber irgendwie auch logisch. Zumindest dann, wenn man es erklärt bekommt.

“Wenn Menschen sich bedienen können, tun sie es” ist andererseits ein Zitat aus einem Artikel beim ORF zu genau diesem Thema, der Text ist gar nicht ganz so niederschmetternd, wie man vermuten könnte.

Aber es ist doch immer wieder interessant, von den betriebswirtschaftlichen Fragen des Alltags etwas zurückzutreten, nach der Gesamtperspektive zu suchen, nach der Gesellschaft, nach dem Menschsein. Sind wir eigentlich Schädlinge?

Oder man fragt nach unserer jeweiligen Position in der Familie, warum denn nicht, die hat immerhin auch Folgen für unsere Karriere und ist damit ein Wirtschaftsthema, wie es aussieht.

Man kann natürlich auch einmal wieder die Systemfrage stellen, das klingt schon so schön: “Ich stelle jetzt die Systemfrage.” Kommt auch in Meetings immer gut an. Das ist aber auch wirklich interessant – man beachte auch die Auflistung von alternativen Wirtschaftsmodellen ganz am Ende des Artikels.

Zur Landwirtschaft, da gibt es manchmal Meldungen, die fallen einem durch das auf, was gar nicht drinsteht. Da berichtet eine Regionalzeitung über die Gründung einer Meierei für Bio-Milch, erwähnt aber nicht den doch eigentlich interessanten Aspekt, dass es kleine, unabhängige Meiereien in weiten Teilen Deutschlands fast nicht mehr gibt. Obwohl gerade dass doch diese Gründung so wichtig macht. Da geht es in der nachhaltigen Landwirtschaft also zurück auf Los, das ist wie eine neue Runde.

Und während die Gründung einer Meierei noch eine Sache ist, die man sich plastisch vorstellen kann, sieht es bei den urbanen Landwirtschaftsprojekten vielleicht anders aus. Hier geht es zu einer Studie über Projekte in Großstädten, die mit klassischer Landwirtschaft so gar nichts mehr zu tun haben. Aber wohl nach jetzigem Stand auch nicht gerade die Zukunft der Ernährung sind.Oder etwa doch? Nächste Woche finden wir dann wieder eine andere Quelle dazu, die genau das behauptet. Kann gut sein, es ist eben kompliziert.

Wobei wir uns aber um die Zukunft eh keine Sorgen machen, uns geht es nämlich super, alles ist fein, danke der Nachfrage. Keine weiteren Debatten, bitte.

Anderswo sieht die Zukunft nicht so toll aus, die Gegenwart schon gar nicht, etwa in Syrien. Aber das ist weit weg, das kann man sich eh nicht vorstellen. Oder vielleicht doch? Doch mal eine Minute länger drüber nachdenken.

Dahinter passt jetzt kein beschwingter Kulturteil zum Ausklang mehr. Aber es gib ja keinen Mangel an traurigen Liedern. Der Refrain hier passt schon, auch wenn es ein Liebeslied ist. Wir suchen für die nächste Woche dann mal ein paar gute Nachrichten raus. Ohne Gewähr.

GLS Bank mit Sinn

 

Die Verwandlung

Als die Herzdame eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand sie sich in ihrem Bett zu einer einsatzbereiten Bastelmutti verwandelt.

Schultüte

Und die Verwandlung hatte natürlich Folgen. Denn heutzutage bastelt man Schultüten selbst, warum auch immer. Ein Land im Klammergriff der Bastelmuttis, es gibt kein Entkommen. Bastelmuttis neigen übrigens zur Zusammenrottung und gemeinsamen Produktion, deswegen wird nicht nur gebastelt, sondern vorher auch noch gebacken. Wenn es so weitergeht, führt sie also bald ihr eigenes Rezeptblog mit hübsch dekorierten Kuchen und ich verlinke irgendwann hier ihren Dawanda-Shop, der Weg ist quasi vorgezeichnet. Man macht was mit!  Egal, die Beziehung hält was aus.

Da wir mit einer Buchbinderei befreundet sind, führten die Versuche der Herzdame an Pappe und Schere mit ein wenig Nachhilfe von äußerst kompetenter Seite natürlich auch zu vorzeigbaren Ergebnissen, die man dann abends freudestrahlend dem in Kürze einzuschulenden Sohn vorzeigen konnte.

Der sich dann einigermaßen mühsam das Wort auf der Brust des Fußballers zusammenbuchstabierte und stirnrunzelnd fragte, ob man das nicht bitte wieder entfernen könne? Das sei doch ziemlich albern.

Und der sich dann sehr wunderte, wieso ich ihn spontan herzen und küssen musste.

 

Woanders – diesmal mit Kunst, Namen, Marokko und anderem

Reise: Der Kiezneurotiker entdeckt Kunst in Timmendorf. Wobei natürlich, wie ich als Ex-Travemünder anmerken muss, Timmendorf sowieso nicht geht.

Feuilleton/Sport: Percanta über Fußball und Namen. Wir denken an dieser Stelle auch an Lech Walesa, dessen Schreibweise und Aussprache in den Jahren seines Wirkens in sämtlichen deutschen Nachrichtensendungen etwa alle drei Monate  neu optimiert wurde. Immer wieder und wieder. Mit Rückschlägen und teils sehr tapferen Neuversuchen. Und das Blog hier verdaut anscheinend nicht einmal die Sonderzeichen in seinem Namen, nanu. Es ist kompliziert.

Bilder: Marokkoblau.

Bilder: Küchen auf dem Balkan.

Bilder: Sternenfotografie in den Bergen.

 

Musikalische Früherziehung

Die Söhne sehen zufällig einen Gitarristen im Fernsehen. So einen mit akustischer Konzertgitarre, er spielt ein Stück klassische Musik. Ich erkenne es nicht, ich habe von so etwas überhaupt keine Ahnung. Man sieht Nahaufnahmen seiner Finger, die in absurd geschickter Weise und Geschwindigkeit über die Saiten fliegen, der Mann spielt wirklich bewundernswert. Er spielt in einem historischen Gebäude, in einem Museum vielleicht, die Musik hallt durch die Säulengänge, es ist fantastisch.

Die Söhne gucken gebannt. Ich freue mich, denn ich bedaure immer, dass ich ihnen musikalisch so wenig vermitteln kann. Da habe ich im Leben etwas verpasst und kann gar nichts weitergeben. Sollen sie sich also ruhig für ein klassisches Gitarrenkonzert begeistern, das finde ich gut, das finde ich sehr gut. Der Tonteppich wird immer dichter, die Musik wird immer dramatischer, die Finger des Mannes bewegen sich in einer Weise, die man gar nicht für möglich hält. Anerkennendes Nicken der Söhne. „Schön?“ frage ich hoffnungsvoll. „Ja“, sagen die Kinder, „der kann aber was, Papa!“ „Genau“, sage ich, „sicher ein großer Künstler.“

„Aber wenn er eine E-Gitarre nehmen würde, dann hätte das mehr Kawumm“, sagt Sohn II, ein Experte für Kawumm in allen Lebenslagen. „Er müsste auch weniger machen“, sagt Sohn I, ein ausgewiesener Kenner des Nichtstuns. „Nicht so wahnsinnig viele Töne.“ „Und mit einem Schlagzeug dabei wäre es noch besser“, überlegen sie gemeinsam weiter. Außerdem gehört neben einen mit Gitarre doch auch immer auch einer mit Bass, meinen sie, und den Gesang, den Gesang vermissen sie irgendwie auch. Aber sonst: schon schön.

Nun ja. Liebhaber der klassischen Musik werden sie vielleicht nicht mehr. Aber sie sind jederzeit bereit, die Rockmusik neu zu erfinden. Das ist doch auch etwas wert.

(Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)