Woanders – diesmal kurz mit der U-Bahn, dem Mittagessen, Fred Astaire und anderem

Das hier ist eine vollkommen aberwitzige Fleißarbeit, eine ausführliche, wirklich wahnsinnig ausführliche Beschreibung des Hamburger U-Bahnnetzes mit allen Bahnhöfen. En detail. Da hat jemand seine Aufgabe gefunden.

Wer wissen will, wie es um die Mittagsessenkultur oin Deutschland bestellt ist, guckt hier beim Kantinenvergleich.

Herr Rau verweist auf Fernsehauftritte von Fred Astaire. Wie Sohn I mit Kennerblick sagte: “Der kann das ganz gut, das mit dem Tanzen, was?”

Bilder: Piano-Bars in Flugzeugen.

Wladimir Kaminer über die Krim.

 

Muss ich was tun?

Ich habe keine Ahnung, woran es liegen mag, aber in diesem Jahr machen mehr Menschen als sonst in meinem Freundeskreis bei diesem Frühjahrs-Fitness-Fimmel mit. Vielleicht liegt es am Alter? Knackig von Natur aus sind wir nun nicht mehr. Sie laufen also alle nach Feierabend in Sporthosen durch die Gegend, trinken sieben Wochen lang keinen Alkohol, essen keinen Zucker, kein Fleisch, kein Fett, was weiß ich. Das wirkt alles eher anstrengend als lustvoll. Ich habe erhebliche Zweifel, dass diese Strafmaßnahmen wirklich Sinn haben. Wer straft sich schon gerne? Ich selbst z.B. finde Laufen ganz furchtbar, was für eine Zumutung, das macht man doch nicht freiwillig.

Aber ich ziehe natürlich dennoch in Erwägung, dass ich so etwas auch nötig haben könnte. So viel Ehrlichkeit muss sein! Wiege ich womöglich tatsächlich zu viel? Und woran bemisst sich das eigentlich? Das mit dem Body-Mass-Index soll Blödsinn sein, sagt man. Meine Hosen passen noch, mein Bett ist noch breit genug, die Herzdame liebt mich noch. Sagt sie jedenfalls. Ist also alles gut?

Ich hatte die Spitzenidee, Sohn I danach zu fragen, denn Kinder sind bekanntlich gnadenlos ehrlich: „Bin ich eigentlich dick?“Und das Kind sah auf meinen Bauch, dachte ernsthaft nach und sagte dann nach einer Weile aufmunternd: „Papa, du bist mitteldünn.“ Das klang ganz gut, fand ich. Mitteldünn, damit kann man gut leben, das klingt normal und lebenstauglich.

Allerdings fügte er noch hinzu: „Und weil dick das Gegenteil von dünn ist, ist die Mitte so dazwischen, und dann kann man das also auch mitteldick nennen, das ist ja logisch. Also das bist du dann auch.“ Und da habe ich das Gespräch doch lieber wieder beendet.

Wenn Ihnen demnächst abends auf der Joggingstrecke ein mitteldicker Mann entgegenkommt: das bin vielleicht ich.

(Dieser Text erschien als Sonntagskolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

Kurz und klein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Eine Meldung, die wunderbar die Komplikationen illustriert, die uns hier immer wieder umtreiben: Dinkel wird knapp. Und zwar nicht, weil die Hipster-Mütter alle Vorräte in Plätzchen verbacken, nein – sondern wegen Bio. Darauf muss man auch erst einmal kommen.

Und während hier Flächen für den Anbau von Biolebensmitteln mit immerhin legalen Methoden verloren gehen, geht das in Italien etwas krimineller zu. Man kann sich aus dem Stand eine Mafia-Serie dazu ausdenken.

Dafür kommt das Urban Gardening in China an, es ist – wie immer – nicht alles hoffnungslos. Nein, die Zukunft könnte interessant ausfallen – wir merken uns für den Smalltalk schnell den Begriff “kuratiertes Essen.” Und fragen uns nebenbei, wer sich denn für die Vielfalt auf dem Teller wirklich einsetzt. Ein wichtiges Thema, das ist übrigens auch in den Mainstream-Medien so etwas von angekommen. Beim Nachdenken über die Verwestlichung der Welt möchte man gleich auf etwas verzichten, weniger konsumieren, weniger zum Elend beitragen. Und sei es nur durch den Verzicht auf Verpackungen. Oder auf bestimmte Deo-Varianten? Oder die Welt verbessern, in dem man Reste isst? Guck mal an, die Schweizer.

Aber noch einmal kurz zurück zu China, also zumindest assoziativ, denn da fallen uns übrigens noch 7 Milliarden fehlende Arbeitsbienen ein. Das ist aber gar nicht metaphorisch gemeint, sondern ganz wörtlich und spaßfrei.

Apropos Arbeitsbienen: in Polen, Frankreich und Dänemark sind die Männer im Haushalt aktiver als bei uns. Vielleicht können die da einiges besser vereinbaren, heulen weniger und strengen sich mehr an? Nein, das war eine rhetorische Frage, schon klar. “Wo sich Deutschlands Schweine ballen” ist übrigens eine seltsam passende Überschrift nach dieser Meldung, dabei geht es um etwas ganz anders. Oops.

Im Kulturteil geht es wieder um Design. Und zwar um Wassersparen, Schnecken und Toiletten. Doch, das passt schon. Und dann müssen wir an dieser Stelle noch geradezu zwingend auf AirPnP hinweisen. Geht gar nicht anders.

GLS Bank mit Sinn

Ommmm

Es gibt Kinderfragen, die einen etwas unvorbereitet treffen und wunderbar aufzeigen, wie schwach es um die eigene Allgemeinbildung wirklich bestellt ist. Als etwa ein Rudel Sechsjähriger neulich auf die Buddhafigur auf unserem Kühlschrank zeigte. Wer ist das? Warum ist der da? Warum ist der so dick und warum steht der eigentlich auch in dem Tibet-Laden da hinten im Schaufenster? Da  musste ich erst einmal tief Luft holen. Und dann erklärt man eben im Rahmen der altersgerechten Aufmerksamkeitsspanne, also innerhalb von etwa fünf  Minuten, was es mit dem Buddha und dem Buddhismus auf sich hat und wünscht sich dabei eine innere Wikipedia. Also man hat natürlich eine innere Wikipedia, Gedächtnis genannt, schon klar. Aber da gibt es leider manchmal ein erhebliches Problem mit den Ladezeiten und mit „Seite nicht gefunden“-Meldungen.

Buddha also, der Prinz mit der himmlischen Kindheit im Palast ohne Sorgen irgendwo in Indien, Siddhartha. Der irgendwann doch mit dem Leid der Welt konfrontiert wurde und dann wissen wollte, worum es nun wirklich geht. Und dann die Sache mit der Askese und der Meditation. Hat sich also hingesetzt und meditiert, bis er alles verstanden hat. Hat nachgedacht, bzw. eben nicht gedacht, es ist kompliziert. War am Ende aber jedenfalls erleuchtet, zack, Weltreligion. Na, so ungefähr. Und auf dem Kühlschrank steht er wiederum nur als Deko, nicht als religiöses Versatzstück, Erwachsene sind komisch.

Und die Kinder fragen, ob er sich denn da beim Meditieren einfach nur hingesetzt habe? Ja, hat er. Ganz alleine. Mit ohne was dabei.

Und die Kinder fragen, wie lange er denn da gesessen habe? Sehr lange. Ich weiß nicht genau, wie lange. Aber in fünf  Minuten wird er es jedenfalls nicht geschafft haben.

Und die Kinder überlegen und beraten sich etwas. Und stellen dann souverän fest, dass sie das auch könnten. Also jeder wahrscheinlich. Wenn man nur lange genug sitzt, dann geht das schon, doch, das scheint ihnen ganz logisch. Wenn man WIRKLICH still sitzt – warum nicht? Dann kommt man am Ende auf alles, man kommt doch immer auf irgendwas. Und so schwer sei das Sitzen nun nicht. Sie selbst hätten momentan allerdings keine Lust zum Stillsitzen. Man könnte ja darauf zurückkommen. Irgendwann.

Und dann schubste der eine den anderen und der schubste natürlich zurück und ich hatte binnen Sekunden ein Knäuel sich raufender, kreischender und definitiv unerleuchteter Kinder vor mir, das ich langsam aus der Küche schob.

Und die Buddhafigur saß meditierend auf dem Kühlschrank und lächelte über die Szene hinweg. Mit einem dekorativen Lächeln, versteht sich.

Woanders – diesmal mit dem Maternal Gatekeeping, einer alten Geschichte, dem Beobachten und anderem

Das Nuf wichtig und richtig über “Maternal Gatekeeping”, ein Begriff, der mir bis heute völlig unbekannt war.

Don Dahlmann gräbt alte Geschichten aus. Find ich gut.

Bei Meike Winnemuth kann man lesen was passiert, wenn man beim Beobachten zu erfolgreich ist. Sozusagen.

Frau Gminggmangg fährt Bus.

Barbara klebt.

Eine gewisse Sportartikelfirma versucht gewisse Anhänger loszuwerden.

Schicke und besonders sinnige Lesezeichen.

Catalina kannte keinen Schnee.

Film: Ein langer Film über William Eggleston. Ich mag das, wie er aus dem Auto steigt und knipst und gleich wieder wegsieht. Der Film ist doppelt, erst kommt die englische Fassung und ab Minute 26 dann die deutsche.

 

Im Heimatdorf

#friedewalde #petershagen #nordostwestfalen

Nebel ist in der Hamburger Innenstadt natürlich nicht ganz so dekorativ wie der Dunst hier auf dem freien Feld. Doch, das hat was. Man müsste eigentlich schon für diesen Morgennebel öfter aufs Land fahren.

#nordostwestfalen

Man muss aber auch aufs Land fahren, weil man da auf einen Hügel steigen und bis zum Horizont gucken kann. Das ist in Hamburg-Mitte nicht möglich. Na gut, der Hügel hier hinterm Haus ist nur ein kleiner Erdhaufen, aber als Norddeutscher ist man da nicht anspruchsvoll.

Hotelbau

Und nur auf dem Land können die Söhne beim Hotelbau helfen. Auch eine wichtige Erfahrung, in Hamburg werden Hotels eher für Touristen gebaut und wirken sich schlecht auf die Mietpreise aus. Hier aber kann man ein Hotel neben das andere knallen, sie sind sofort ausgebucht und es macht nichts. Toll!

Die Fahrt ins Heimatdorf wird wieder mit den Flattr-Einnahmen aus diesem Blog finanziert – herzlichen Dank dafür!

Dialog am Morgen

Sohn II: “Ich hab dir ein Bild gemalt. Da.”
Ich: “Oh ja, danke. Und was ist das?”
Sohn II: “Erkennst du das nicht?”
Ich: “Ich fürchte nicht.”
Sohn II: “Dann ist es jetzt aber wirklich Kunst.”

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Das hat zwar in den letzten Tage schon jeder verlinkt, es ist aber auch wirklich zu und zu toll. Wie Verkehrsplanung für Radfahrer anscheinend auch ausfallen kann, in einem fernen Märchenland. Na gut, zugegeben, das Land ist nicht gar fern und auch nicht märchenhaft, das ist bloß einer der Nachbarstaaten. Aber wieder treibt uns die nagende Frage um: Warum lesen wir solche spektakulären Nachrichten, also die mit dem Wow-Effekt, immer nur aus dem Ausland? Kann man so etwas nicht auch in Kaiserslautern bauen? In Schwerin, Magdeburg, Pirmasens?

Von Holland kann man offensichtlich eine Menge lernen, wenn es um Verkehrsplanung geht. Aber lernt denn jemand? Es ist ja nicht so, dass die Menschen hier nicht bereit wären, ihr Verhalten zu ändern. Da geht was, Verkehr kann sich ändern. Es spielen nur nicht alle Institutionen mit.

Wir können aber, bevor wir die Radfahrer verlassen, doch noch schnell den Smalltalkbegriff der Woche einführen, der diesmal kein Anglizismus ist, das ist auch einmal nett. Es geht um Haifischzähne, und was die mit Rädern im Straßenverkehr zu tun haben, das steht hier.

Für die Träumer unter uns verweisen wir noch schnell auf die Erfolge in Tallinn. Ach ja, es wäre so nett, nicht wahr. Wobei Erfolg natürlich relativ ist, manchmal ist es auch schon ein Riesenerfolg, überhaupt voran zu kommen und nein, wir reden gar nicht vom Stau. Sondern von dem, was ein Rad für einen Menschen ausmachen kann.

Wenn man vom Auto aufs Fahrrad wechselt, dann wird die Luft besser, das ist eine Maßnahme zur Säuberung der Stadt. Dazu können einem noch weitere Maßnahmen einfallen, um einmal wieder eine Überleitung erster Klasse anzuwenden. Man kann die Stadt z.B. auch von Werbung säubern. Das klingt erstaunlich, und so sieht es dann auch aus. Aber das ist schon wieder weit weg, in Brasilien. In Deutschland macht man sich eher Gedanken, wie man bisher verpasste Zielgruppen doch noch werbend erwischen kann.

Aus den für die Werbung relevanten Zielgruppen kann man nicht nur durch das Alter herausfallen, das geht auch anders. Und in diesem Zusammenhang muss man natürlich wieder den Leerstand erwähnen, zur Abwechslung einmal den in ganz Europa. 11 Millionen leere Häuser. Kann man kurz einwirken lassen, die Zahl. Noch etwas mehr unerfreuliche Statistik zu Europa? Man wird so leicht fündig.

Nun haben wir schon fast das Ende der Kolumne erreicht und kein einziges Nahrungsmittel erwähnt, kann man das so stehen lassen? Natürlich nicht. Wir brauchen noch den wöchentlichen Aufreger, den schnellen Skandal für zwischendurch, die geradezu wohlige Empörung.

Im abschließenden Kulturteil kann uns nach so viel Fahrrädern im Text natürlich nur ein Stück einfallen, der Klassiker schlechthin, also Kopfhörer auf und losgerast. Wer dazu noch den kulturgeschichtlichen Bildungshintergrund braucht: bitte sehr.

GLS Bank mit Sinn

Gastrezension

Hier oben steht “Buddenbohm & Söhne” und tatsächlich ist es auch ein Familienbetrieb, auch wenn man das nicht an jedem Text merkt. Aber die Herzdame regelt die Technik des Blog und die ganze Hardwarewelt, liefert Content und übernimmt unfassbar viele andere Aufgaben, damit für mich Zeit zum Schreiben frei wird. Die Söhne machen Ausflüge für Kolumnen mit, liefern auch schon mal Ideen für Geschichten und verstehen allmählich mehr und mehr den Jobcharakter, den dieses Internet oft für mich hat. Und überlegen, wo und wie sie helfen können, das ist nicht anders als früher in den Handwerksbetrieben. Ich habe auch bereits als kleines Kind in der Glaserei meines Vaters geholfen.

Sohn II fragte, was ich lese. Ich habe ihm den Titel vorgelesen. Er fragte weiter, ob ich darüber schreiben würde. Ich erklärte ihm, das ich über Bücher meistens tatsächlich etwas notiere, aber nicht viel. Er sagte, das könne er doch auch machen. Sohn II ist bemerkenswert tatkräftig und schreckt vor großen Aufgaben nicht zurück, auch nicht vor feuilletonistischen Jobs. Dass er noch gar nicht nicht lesen kann – das würde nur kleinere Geister aufhalten, das sind Petitessen. Hier also seine erste Gastrezension zu einem Werk von Arno Geiger:

Sally

“Das Buch heißt Alles über Sally, das steht auch vorne drauf, das fängt mit einem A an, das ist der Buchstabe da. Vorne ist eine Frau drauf, die ich nicht schön finde, deswegen würde ich das Buch nicht lesen. Weil nämlich, dafür ist das Buch auch ziemlich dick. Das Buch kann weg. Schreib das so.”

Ich behalte mir allerdings vor, nach Lektüre des Buchs evtl. eine andere Meinung als der Sohn zu vertreten. Versteht sich. Zumal mir das letzte Buch von Herrn Geiger, “Der alte König in seinem Exil”, besonders gut gefallen hat. Aber das ist ja auch bei Familienbetrieben oft so, dass die nachfolgenden Generationen in der Tradition bleiben, aber doch den Job irgendwie anders machen wollen. Damit muss man leben können.

Woanders – diesmal mit der Zeit, der Digitalisierung, Sohn II und anderem

Ein Interview über die Zeit, die Kinder zum Lernen brauchen.

Ein Artikel über die Digitalisierung in der Hamburger Staatsbibliothek.

Isa war mit Sohn II beim Schwimmkurs.

Ein Rant über Skandinavien.

Ein Limerick.

Eine großartige Uhr. Diese Uhr auf den Schreibtisch stellen und dann pausenlos über die Sinnlosigkeit von allem nachdenken. Das wär’s doch.

Vincent van Goghs Bilder in einem animierten Film.

Noch ein Film: Faces of Nepal.


 

Dialog am Nachmittag

#hamburg #stpauli

Sohn I: “Papa, diese Schlösser mit den Namen drauf und den Herzen und so…”

Ich: “Ja?”

Sohn I: “Die sind alle von Leuten aufgehängt worden, ja?”

Ich: “Ja, natürlich.”

Sohn I: “Und die sind alle verliebt oder was?”

Ich: “Ja,. Oder sie waren es mal.”

Sohn I: “Das ist ja die Seuche.”