Bemerknisse zum Schulanfang von Sohn I

Das Wort Bemerknisse, viele werden es wissen, ist geliehen von Frau Gminggmangg – und es wird jetzt ein feiner, kleiner Trend, sich das auszuleihen, man darf da auch gerne noch anlegen.

Und weil es so leicht ist, an den Kitas, an den Schulen und an Gott und der Welt herumzukritisieren, wähle ich mal die originellere Variante und gebe wieder, was ich bei der Einschulung von Sohn I schön fand. Und zwar genau in der Reihenfolge, wie im letzten Satz vorgegeben.

Ich fand schön, dass Sohn I fröhlich aus der Kita, bzw. aus der Vorschule ging – und dort alles gut gefunden hat. Er fand tatsächlich alles super, das würde er jederzeit weiter empfehlen, er hat, so sagt er, eine tolle Zeit gehabt. “Was war am besten?” “Alles.” Super Freunde, super Erzieherinnen und Erzieher. Super Ausflüge, super Vorschulklassenfahrt und immer so weiter, er behält das in allerbester Erinnerung und wird seinen kleinen Bruder dort gerne besuchen oder hinbringen. Er hat buchstäblich bis zur letzten Minute mit seinen besten Freunden dort im Garten gespielt – und ging dann dennoch gerne. Weil es eben so weit war. Weil er jetzt ein Schulkind wird, weil die Zeit dafür reif ist, weil er sich auf die Schule freut. Das ist alles überhaupt nicht selbstverständlich, das finde ich schön.

Ich fand schön, dass die Schule so sichtlich bemüht ist, auf die Kinder zuzugehen und sie sehr freundlich aufzunehmen. Was für eine phantastische Entwicklung seit meiner Schulzeit, in der das Wohlergehen der Kinder bestenfalls zweitrangig war. Wie unfassbar viel ist in den Schulen seitdem passiert, ich staune da immer wieder. Ganz egal, wie verkorkst man die Schulpolitik heute findet, ganz egal, wie schlecht die neue Leselernmethode heute angeblich oder tatsächlich funktioniert, ganz egal, wie wenig bio das Essen in den Ganztagsschulen sein mag und was es an Klagen da noch mehr gibt, mir werden schon auch noch welche einfallen – was ein großer Fortschritt wurde da unterm Strich gemacht, das finde ich zu und zu schön. Das sieht man das eigene Kind also mit heller Begeisterung in die Schule hineingehen, von der es von älteren Kindern viel Gutes gehört hat, auch das ist überhaupt nicht selbstverständlich.

Ich fand auch schön, dass es einen kleinen Gottesdienst vor der Einschulung gab, obwohl ich nicht einmal ansatzweise religiös bin. Ich mag aber die Kinderarbeit der Gemeinde hier, die machen das liebevoll, humorvoll und weltoffen, das sehe ich mir gerne an und die Söhne machen da gerne mit. Ich fand schön, dass der Pastor, nachdem alle Erstklässler endlich in die Kirche hereingewimmelt und halbwegs still waren, die Gäste mit diesem Satz begrüßte: “Ich heiße sie und euch herzlich willkommen und freue mich, dass heute auch mein Freund, der Imam, hier vorne neben mir steht, denn wir feiern diesen Schulanfang gemeinsam mit unseren muslimischen Mitbürgern.” Sie haben darüber gelacht, dass sie beim Beten die Hände anders halten, der eine nach oben, der andere nach unten, und dass sie sich dadurch dabei prima einhaken konnten. Dann wurden die Kinder von beiden gesegnet. Das war nur ein Satz, das war nur eine Geste, das war nur ein Besuch. Aber das war sehr schön, sehr einfach und sehr beeindruckend. Weil es eben geht.

So viel schnell dazu. Morgen dann weiter im normalen Lästerprogramm. Oder mit einem Bericht zu unserem ersten Versuch, Sohn I ein Pausenbrot zu schmieren. Ein Pausenbrot, das, so sagt er kategorisch, entweder vegetarisch oder vegan oder mit Wurst sein soll. Da wird uns was einfallen, glaube ich.

 

Woanders – diesmal mit dem Kinderschminken, der Hafencity, einem Baumarkt und anderem

Familie: Kinderschminken geht ja mit vielen Produkten.

Hamburg: Basketball in der Hafencity. Alle bekloppt.

Feuilleton/Bauwirtschaft/Esoterik: Kid37 geht in einen Baumarkt.

Feuilleton: Seelenwanderung als Metapher, ein Artikel der den Bogen von Jean Paul zu modernen Urheberrechtsfragen schlägt. Fand ich sehr interessant und erhellend. Da geht es um die Identitätsfrage von Autoren und Büchern, das ist viel spannender als es zunächst vermutlich klingt.

Digitalarchäologie: Warum wir mit dem X Fenster schließen.

Politik: Weiterbildung zum Nahost-Konflikt in Landkarten.

Gesellschaft: Das Stück “Emils Ring” in der Zeit ist schon wegen des Titelbildes sehenswert.

Fotografie: Bilder einer sehr alten Dame.

 

Porträt des Autors als genialer Erfinder

Obwohl ich Glück habe und zu den Leuten gehöre, die ihrem Job recht gerne nachgehen und obwohl ich also in der Regel nicht wie der Schmerzensmann vom Dienst am Schreibtisch sitze, habe ich in letzter Zeit doch verdächtig oft mit mehr Freizeit geliebäugelt. Es war vielleicht ein wenig viel. Ich habe zu viele Abende mit der Arbeit zugebracht, ich habe frühmorgens immer gleich wieder angefangen, zu selten Pausen gemacht… aber irgendwann ist es eben auch mal gut. Dachte ich mir so. Und überlegte lange hin und her wie ich denn bloß zu mehr Freizeit kommen kann. Wo die Stunden wohl herzunehmen sind, die man sorgsam mit liebevoll arrangiertem Nichtstun auffüllen könnte? Die passen nämlich einfach nirgendwo rein, wie ich es auch drehe und wende. Nicht am Morgen, nicht am Vormittag, schon gar nicht am Nachmittag und natürlich auch nicht am Abend, wenn die Kinder endlich schlafen und man freie Bahn hat. Nein, es ist alles bis auf die letzte Minute besetzt und verplant und verkauft, im Grunde ist es schlimm. Das ist ja kein Leben, wenn man gar keine unverplante Zeit mehr hat, nicht wahr.

Und dann hatte ich eine Idee. Eine echte Knalleridee, so eine, bei der man gleich merkt, man hat gerade einen richtig, richtig tollen Gedanken: Einfach mal einen ganzen Tag freischaufeln! Das wäre es doch, und am besten gleich regelmäßig! Komplett nichts tun! Einen deklarierten Pausentag, das klingt doch wirklich nach einem tollen Konzept? Oder? Und dann fiel mir ein, dass schon andere Menschen vor mir auf das Prinzip gekommen sind, und zwar schon vor einiger Zeit. Sie nennen es Sonntag.

Aber egal. Ich habe ihn eben gerade neu erfunden, und zwar ganz alleine. Was mir wohl als nächstes einfällt? Rollende Treppen? Sich drehende Türen? Kutschen mit Motor? Maschinen, die rechnen können? Ich scheine doch Potential zu haben.

(Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung.)

Wir testen ein Kochding (Sponsored Post)

Ein sponsored Post zu einem Produkt von Pearl.de die, das glaubt mir wieder kein Mensch, ich vorher gar nicht kannte. Die kennt sonst aber jeder, wie ich mittlerweile weiß. Die Kataloge kennt jeder, den Onlinehandel kennt jeder, vermutlich kennt sogar jeder die Dauerwerbesendungen im Fernsehen. Die verkaufen Technik, klar kenne ich die nicht, woher auch, ich habe mit Technik so gut wie nie etwas zu tun.

Da mir aber ein Multikochding zum Testen angeboten wurde, habe ich sofort zugesagt, ich habe bei Küchengeräten so einen Schnappreflex, im Grunde ist es schlimm. Ich bin der Typ, der auch Kiwilöffel und elektrische Parmesanreiben sinnvoll findet, das sagt vermutlich schon alles. Würde die Herzdame nicht regelmässig meine Kaufimpulse unterdrücken, meine Küche wäre randvoll mit Gerät. Viel zu voll.

Es handelte sich um dieses Gerät hier, den 15 in 1 Multifunktionskocher von Rosenstein & Söhne. Ein Kochgerät mit etlichen Funktionen, das kann auch Dampfgaren, Frittieren, Backen usw., nach Herstellerangaben kann es quasi alles, außer Zuckerwatte. Das aber relativiert sich schnell, wenn man es auspackt – es steht nämlich nicht dabei, wie es das alles kann. Die Gebrauchsanweisung ist tatsächlich kürzer als bei einer mechanischen Rohkostreibe, da muss man schon einigermaßen findig sein, um darauf zu kommen, was da wie mit zu tun ist.

Es gibt mehrere Programme, soweit ist es klar. Aber eines der Programme heißt z.B. “Baking”, ein anderes “Bread/Cake”. Das lässt einen ratlos zurück, oder mich zumindest.  Was ist was? Was macht man mit was? Welche Menge Reis kann ich beim Programm “Rice” hineintun und wie viel Wasser gehört dazu? Keine Ahnung. Rezepte sind auch nicht dabei, wie komme ich jetzt darauf, welche Menge da überhaupt von was reinpasst? Es gibt ja Sachen wie etwa Brot, die bei der Zubereitung aufgehen. Was passt da noch? Das ist einigermaßen erstaunlich, dass man an der Gebrauchsanweisung spart, das habe ich nicht verstanden. Ich finde es ganz gut, wenn mir etwas ausführlich erklärt wird, ich mag Gebrauchsanweisungen, sie dürfen auch gerne ein paar Bilder haben.

Das Gerät arbeitet jeweils mit fest geschlossenem Deckel, man kann also auch nicht hineinsehen, während es läuft. Da muss schon alles stimmen, was man da so hineintut, damit man am Ende, wenn der Deckel wieder aufspringt, auf irgendein genießbares Ergebnis sehen kann.

Nach einer Weile kommt man darauf, dass es sich um nichts anderes handelt, als um einen besonders fest verschließbaren Topf mit Entlüftung, den man programmieren kann. Die Gradzahl und die Zeit kann man unabhängig von den Menütasten verändern, wenn man darauf gekommen ist, wird es etwas logischer. Wer sich etwas auskennt, der kann damit dann wirklich etwas anfangen, wer vom Kochen noch gar nichts versteht, wird aber weiter einigermaßen ratlos davor stehen.

Das Programmieren kann man verwenden, um z.B. eine Suppe um 17 Uhr anzuwerfen, auch wenn man nicht in der Wohnung ist. Man kann also morgens einstellen, dass das Gerät am Nachmittag anfangen soll. Das geht tadellos, ist mir aber etwas unheimlich, ich habe es nicht gern, wenn elektrische Geräte in meiner Küche herumfunktionieren, ohne dass ich dabei bin. Andererseits könnten Kinder so etwas tendenziell einfacher bedienen als einen Herd. Wenn man alles richtig voreinstellt, sie müssten nur noch einen Knopf drücken, um nach einer Weile heiße Suppe zu haben und es gibt dabei kein Risiko, dass die Herdplatte anbleibt. Die Söhne sind natürlich auch dafür noch zu klein, aber theoretisch, doch, das könnte man so machen, das ist gar nicht schlecht.

Das Programmieren kann man aber auch verwenden, um Langzeitprojekte zuzubereiten, etwa Joghurt. Auch zur Joghurtzubereitung findet man wenig in der Anleitung, das habe ich mir aber anderweitig zusammengesucht und dann Joghurt gemacht. Das habe ich noch nie gemacht, das war aber dann doch verblüffend einfach und erfolgreich, das kann man gerne wieder machen. Wenn man damit leben kann, dass so etwas acht Stunden dauert. Die Zeitspanne liegt aber nicht am Gerät, die liegt am Produkt. Die Programmierung ist dabei immerhin wirklich praktisch, das Gerät geht nach den gewünschten acht Stunden aus, auch wenn es nachts um drei ist. Und man hat selbstgemachten Joghurt zum Frühstück, der sich von gekauftem Naturjoghurt geschmacklich nicht unterscheidet, der ist tadellos. Die Söhne haben reichlich herumprobiert, wie man aus dem Naturjoghurt Fruchtjoghurt machen kann, das war eine unfassbare Sauerei und ein Riesenvergnügen, das möchten sie dringend wiederholen. Mit etlichen Obstsorten, mit Nutella, mit Honig, mit Nüssen, mit Pumpernickel, mit Frischkäse, mit Gott weiß was, es wird ein Joghurtherbst der besonderen Art und ich probiere das sicher nur noch, wenn ich ganz genau weiß, was drin ist.

Für all die anderen Funktionen hätte ich nach wie vor gerne eine Gebrauchsanweisung.  Oder kann man sich mit so etwas wie Slowcooking auch ohne nähere Erläuterung anfreunden? Mal drüber nachdenken.

Nachtrag: Nein, Slowcooking geht anscheinend nicht ohne nähere Erläuterung, aber das kann man sich natürlich auch anderweitig ergoogeln und das klingt auch tatsächlich ganz interessant. Das mache ich in Kürze und werde noch einmal berichten.

Aus der Planungsphase

Während wir wie in jedem Jahr die Kindergeburtstage vorbereiten, als seien sie dem großen Herbst-Manöver der NATO vergleichbar, also zumindest vom Aufwand, nicht ganz vom Kostenfaktor und der Truppenstärke her, während wir also Gästelisten hin- und herdiskutieren, Geschenke besprechen, Kuchenrezepte nachlesen, Locations suchen und Einladungskarten basteln, bestehen die Söhne, ebenfalls wie in jedem Jahr, auf dem Programmpunkt Schnitzeljagd. Alles andere ist im Grunde egal, eine Schnitzeljagd muss es aber geben, da gibt es gar keinen Verhandlungsspielraum. Wobei wir uns in dieser Familie uneinig sind, was eine Schnitzeljagd eigentlich ist. Die Herzdame besteht darauf, dass so etwas in zwei Gruppen gemacht wird, eine läuft vor und legt die Spur, die andere rennt hinterher und sucht. Ich kenne es eher so, dass ein Erwachsener die Spur legt, mit eingestreuten Rätselaufgaben und dergleichen, und alle Kinder gemeinsam suchen, aber diskutieren Sie so etwas mal mit Nordostwestfalen, die in ihrer Kindheit alles so gemacht haben, wie es immer schon gemacht wurde, seit Anbeginn der Zeit. Ich finde es ja eher unpraktisch, mit sieben aufgeregten Siebenjährigen zu diskutieren, wohin die zu legende Spur denn mal führen könnte, und ich erkenne bei der Zweigruppenlösung auch eine zwingend notwendige Verdoppelung des Betreuungsschlüssels, die Herzdame findet es so aber viel unterhaltsamer.

Jedenfalls tendieren die Söhne wegen massiver Einflussnahme der Herzdame nun auch zur Zweigruppenlösung, eine Horde Kinder rennt also vor und legt eine Spur, wohin auch immer. Nach einer sportlichen Alsterrunde z.B. sind die Kinder sicher angenehm erschöpft, im Grunde ist das eine interessante Variante, danach ist die Party dann auch schon so gut wie vorbei. Aktuell wird hier erörtert, wie denn die Spur gelegt werden soll, ich berichte quasi live aus dem familiären Planungskommittee. So eine Spur kann man mit Kreide auf den Asphalt zeichnen, mit getrockneten Erbsen legen, mit Mehl, Sägespänen, Papierschnipseln, mit Zetteln, man kann da auf etliche Möglichkeiten kommen, die alle aber auch Nachteile haben. Erbsen rollen weg, Papier weht weg, Mehl auch, Kreide geht bei Regen schon mal gar nicht und in Hamburg regnet es tatsächlich ab und zu. Klebt man Zettel irgendwo an, nehmen sie ordnungsliebende Nachbarn nach fünf Minuten wieder ab, das kennen wir schon, das haben wir bereits erlebt. Außerdem wohnen wir hier in einem kinderreichen Stadtteil, hier interessieren sich gleich alle möglichen Kinder für eine auffällige Spur, wer weiß, wer einem dann hinterher läuft? Kinderscharen, die man gar nicht kennt? Hameln reloaded? Oder wer die Spur ändert, verräumt, zerstört? Es ist kompliziert, wie alles. Mein bewusst pragmatischer Vorschlag, sich bei der Schnitzeljagd natürlicher Materialien zu bedienen, die im urbanen Umfeld reichlich vorkommen, wenig auffallen und doch leicht zu finden sind, also z.B. Hundekot zu dezenten Pfeilen auf dem Weg anzuordnen, stieß eben gerade rundweg auf Ablehnung.

Es ist überhaupt merkwürdig, manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Meinung bei der Planung der Kinderpartys gar nicht wirklich gefragt ist. Aber ich bleibe dran.

 

Zwischendurch ein Dank

… an den Leser C.F. der den Jungs Peter Pan zum Vorlesen geschickt hat, den wir bis zu den beiden Geburtstagen noch ein paar Tage weglegen. Und dann vermutlich am Tag zwischen den beiden Geburtstagen übergeben, damit es für beide ist. Da hat dieser seltsame Tag doch endlich einmal einen Sinn. Auch schön!

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wir tragen wieder etwas zur allgemeinen Verwirrung bei und sehen ein wenig beim Hessischen Rundfunk zu – ist die vegane Ernährung nur eine Modeerscheinung und außerdem eine Mangelernährung?

Und da muss man das ewige Hin und Her der Expertenmeinungen aus Sicht der mehr oder weniger interessierten Konsumenten auch einmal klar benennen: Das ist doch wirklich blöd, dass man nie irgendwas wirklich wissen kann, das ist, seien wir ehrlich, wirklich Mist.  Aber das wiederum ist auch egal, aus Mist kann man immerhin Strom machen, und so ist am Ende doch wieder alles gut. Wobei Toiletten ohnehin ein interessantes Thema sind, auch für einen Wirtschaftsteil. Doch, doch. Man lese hier etwa den ersten Satz und denke kurz über die Zahl nach: “Mehr als die Hälfte der 1,2 Milliarden Inderinnen und Inder hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen.”

Und ohnehin bleibt spannend, was man aus was macht. Gerade beim Thema Energiegewinnung. Hier bahnt sich gewissermaßen gerade eine ganz neue Viehhaltung an, auch wenn es um Kleinvieh geht. Sehr, sehr kleines Kleinvieh.

Noch einmal zurück zum ersten Link, das war eine recht konventionelle Sendung des HR. Eine ganz andere, deutlich modernere Aufbereitung eines Beitrags zum Thema Ernährung findet man beim WDR: “Hippe Kochwelten.”

Na, und wenn wir schon so schön dabei sind, dann bleiben wir noch bei der Ernährung und fragen uns mit SPON, ob die Milch es nun macht oder nicht. Wobei man im Grunde schon nach der Überchrift keine Lust mehr auf die Lektüre hat. “Der Milch-Quark der Veganer” – herrje. Muss das denn sein?

Bei der FAZ wiederum bereitet man ein Chlorhuhn zu und tischt uns damit auch den TTIP-Link der Woche auf. Und beim Wurstsack geht es um eine andere Manifestation der amerikanischen Küche, es geht um die Küche bei Burger King. Und um Gott. Warum auch nicht.

Das Stichwort regional kam heute noch gar nicht vor, das ist eigentlich verblüffend. Auf der Suche nach überraschendem Content dazu landen wir ausgerechnet bei der Schweizer Armee und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Genug vom Thema Ernährung, auf Dauer verdirbt einem die Beschäftigung damit nur den Appetit. Wenden wir uns anderen Wirtschaftsthemen zu, etwa großen Konzernen und ihren Führungskräften. Aber da das hier ja eine Kolumne zu den etwas spezielleren Themen der Wirtschaft ist, gucken wir uns an, wie so eine Führungskraft auf einen Obdachlosen trifft und auch sonst etwas zu guten Werken zu sagen hat. Und zwar bei einem Konzern, der ansonsten oft ziemlich schlecht wegkommt, bei der Deutschen Bahn. Da wird es dem einen oder anderen leicht fallen, darüber zu spotten, andererseits hat so ein Manager natürlich schlicht keine Chance. Engagiert er sich nicht, ist es verkehrt, engagiert er sich, findet man auch immer einen Fehler daran.

Überhaupt ist es eine interessante Frage: Wie ist man wohltätig? Wie geht man z.B. mit Bettlern um? Eine längere Erörterung dazu in der FAZ. Und in der NZZ wird das unter dem Schlagwort “Verhaltensökonomie” sogar noch weiter getrieben. Aber wie auch immer man darüber denkt, wir halten fest: Uns geht’s ja noch gold, wir können noch geben. Auch wenn uns das zu einsamen Gewinnern macht.

Und zum Konsumverhalten von Gewinnern können wir natürlich abschließend auch im Kulturteil etwas beisteuern, gar kein Problem. Der musikgeschichtlich Interessierte wird sich auch für die Anmerkungen unter dem Film interessieren: The winner takes it all.

GLS Bank mit Sinn

Der Hof

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Was hier noch fehlt, ist der Hinweis auf den Ferienbauernhof, den wir auf Eiderstedt besucht haben. Da mehrere Leserinnen nachgefragt haben und das natürlich auch kein Geheimnis ist: Es handelte sich um den Ferienhof Reigardt in Tetenbüll. Da also hat man, wenn man die richtige Wohnung nimmt, die Schwalben im Zimmer, wobei die natürlich in Kürze wieder gen Afrika abreisen. Und da hat man auch, wenn man mit den anderen Kindern etwas Glück hat, den hier beschriebenen Bullerbü-Effekt.

Der Hof liegt etwas abseits der größeren Straßen, sehr ruhig, kaum Verkehr. Ganz im Gegensatz zu unserem Alltagserleben in Hamburg-Mitte sieht man hier übrigens kaum jemals SUVs, man sieht eher so etwas:

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Ringsum also nichts als Gegend, sogar unfassbar viel davon. Darüber der spezielle Eiderstedter Himmel, ich schrieb hier darüber.

Ich stelle gerade fest, dass ich kaum Bilder vom Hof gemacht habe, man hat eben auch als Blogger so seine Aussetzer, pardon. Wenn man vom Hof geht, kann man auf den Weiden ringsum Kühe oder Schafe sehen, auf Eiderstedt gibt es noch sehr viel Viehhaltung, die ziemlich idyllisch aussieht, geradezu bilderbuchkompatibel.

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Die Kühe gucken zurück – und wenn man stehen bleibt, dann gucken sie auch sehr lange und man kann mit ihnen ein wenig über die Weltlage sprechen. Kühe sind durchaus interessierte Zuhörer. Wenn man an ihnen vorbei joggt, gucken sie allerdings immer etwas fassungslos, Sport ist nicht so ihr Ding.

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Der Hof hat größtenteils auf Ferienwohnungen umgeschwenkt, wie so viele in der Gegend. Aber es gab doch etliche Pferde, sehr viele Schafe, zwei Schweine mit Ferkeln, viele Hühner, Katzen und Hasen, für die Kinder war das allemal Bauernhof genug. Wenn man im Frühjahr hinfährt, kann man dabei sein, wie der Chef des Hauses Schafen beim Lammen hilft, alleine das wäre auch schon einen Besuch wert. Die Kinder können dreimal in der Woche reiten, ansonsten laufen die Tiere bemerkenswert frei herum, das fanden wir ganz großartig.

Ein Hof ist keine Appartmentanlage, das ist immer noch ein Betrieb mit ziemlich viel Getier und sehr vielen Kindern, die marodierend durch die Ställe ziehen. Wer eine geleckte Anlage erwartet, in welcher der Zimmerservice das Frühstück auf dem Tablett bringt, der ist hier natürlich falsch. Wer die Kinder laufen lassen möchte und froh ist, sich irgendwo in einer Hofecke in Ruhe in einen Strandkorb verkrümeln zu können – der ist hier genau richtig. Man sitzt da sehr gut. Ab und zu kommt ein Huhn vorbei, guckt auf den Buchtitel und legt kritisch den Kopf schief. Oder ein Schwein geht grummelnd über den Hof und sieht schmatzend zu, wie eine Horde Kinder jungen Katzen hinterherrennt.

Die Wohnungen sind anständig ausgestattet und, da ist man bei Ferienwohnungen ja immer dankbar, nicht hässlich. Normaler Ikeastil, da ist man geschmacklich in Sicherheit. Wer öfter Ferienhäuser online sucht, der weiß, dass das für ein Segen ist. WLAN ist vorhanden, aber ziemlich schwachbrüstig. Für etwaigen Bilderupload braucht man also stabile Nerven, reines Lesen ist okay. Wer O2-Kunde ist, der hat ringsum und auf der ganzen Halbinsel allerdings verlässlich gar keinen Empfang, der ist auf das WLAN angewiesen.

Zum Einkaufen oder ans Meer muss man mit dem Auto, das geht auf Eiderstedt aber generell nicht anders, jedenfalls so lange die Kinder noch keine größeren Fahrradtouren machen können. Husum, Sankt Peter-Ording, Tönning, Friedrichsstadt kann man gut erreichen, ebenso die kleinen Badestellen abseits der großen Strände vor Sankt Peter-Ording. Ich blogge später noch eine kleine Liste mit Empfehlungen zum Aufenthalt auf Eiderstedt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir da noch einmal hinfahren, ist tatsächlich ziemlich hoch, im Grunde hat noch kein Urlaub so gut funktioniert wie dieser. Wenn Sie da auch einmal hinfahren – grüßen Sie Carola und Hansi Reigardt bitte von den Buddenbohms.

Was hilft

Es ist schon eine Weile her, ich komme nämlich wirklich zu gar nix, da bat mich das Nuf in diesem Artikel von ihr um eine Antwort auf mehrere Fragen. Mache ich morgen, dachte ich. Mache ich nächste Woche, dachte ich kurz darauf und mache ich bald, dachte ich dann in der Woche darauf. Wie das immer so geht.

Da sie mir aber heute noch einmal ein Stichwort an den Kopf geworfen hat, werde ich doch endlich einmal anfangen, die Fragen zu beantworten – und zwar einzeln. Die sind nämlich komplex und passen alle nicht gerade leicht in einen Satz. Ich beginne heute mit der Frage “Was hilft Dir in anstrengenden Zeiten?”

Die Frage wurde im Elternkontext gestellt, die bezieht sich also auf den familiären und beruflichen Gesamtstress, den man als Mutter oder Vater täglich erlebt. Sie nannte als Beispiel die Autonomiephase und den Schlafmangel, ich würde das aber gerne steigern, denn es braucht da keine Beispiele für Phasen. Es gibt, wenn man das einmal ehrlich betrachtet und den rosafarbenen Feenglitzerstaub aus den Elternblogs pustet, verblüffend wenig wirklich entspannte Eltern. Vielleicht ändert sich das noch mit älteren Kindern, mag sein, ich werde dann berichten. Aber fast alle Eltern, die ich kenne, haben einen Beruf und die Familie oder einen Beruf und ein zu groß geratenes Hobby. Oder sonstige Extraverpflichtungen. Oder auch einen Beruf und die dauernd nagende Sehnsucht nach einer weiteren Beschäftigung, sei es im Nähzimmer, am Klavier oder auf dem Fußballplatz, das sollte man auch nicht unterschätzen. Im Grunde haben berufstätige Eltern nie Zeit, sehr selten Ruhe, Muße schon gar nicht und Wellness ist ein Begriff aus dem Reisekatalog, mehr nicht. Wenn man zwei Kinder hat, dann haben diese sehr schnell jeweils zwei Nachmittagstermine in der Woche, wenn man selbst auch etwas macht und der Mann oder die Frau auch, dann hat man also ganz fix acht Termine in der Woche zu regeln, aus denen auch zwölf werden können, wenn man sich am Wochenende etwas vornimmt. Und wer macht das nicht.

Zwölf Termine, von denen vielleicht kein einziger zuhause stattfindet, wo es praktisch wäre, sondern in mehr oder weniger entlegenen Stadtteilen, Schwimmhallen, Schulen usw. Wenn Eltern über Termine reden oder versuchen, sich mit anderen Eltern zu verabreden, enden die Gespräche oft in hysterischem Gelächter und einem abschließenden Verweis auf das nächste Jahr, und das klingt jetzt nur nach Satire, das ist aber gar keine. Tatsächlich wacht man so gut wie nie auf und denkt: “Ach, heute mache ich mal irgendwas. Oder nichts. Mal sehen.” Was vermutlich ein guter und wohl auch gesunder Gedanke wäre. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern. Nein, man wacht auf und denkt: Wenn ich jetzt in einer halben Stunde dies schaffe, könnte das noch klappen, so dass dann hinterher jenes knapp funktionieren könnte… und immer so weiter. Na, und was hilft nun?

Mir hilft tatsächlich dieses Blog. Mir hilft auch Twitter, mir helfen auch Facebook und Instagram, mir helfen alle sozialen Medien, in denen ich Scherze machen kann. Ich glaube tatsächlich, dass sie mich schon mehr als einmal nervlich gerettet haben. Während viele diese Medien lediglich als Zusatzbelastung und Zeiträuber zu erleben scheinen, finde ich sie befreiend, erleichternd und entspannend. Weil ich versuche, die Pointen im Leben zu bemerken und zu teilen. Und ich versuche das nicht nur nebenbei, ich versuche das mit einiger Leidenschaft und Beharrlichkeit. Ich zerbreche mir den Kopf, wenn etwas nicht lustig ist, ich möchte unbedingt herausfinden, ob nicht doch etwas daran sein könnte, was unter einem bestimmten Blickwinkel für Heiterkeit sorgen könnte. Ihre und meine, versteht sich, wobei meine gar nicht so nebensächlich ist. Wenn ich mich irgendwo unmenschlich langweile, dann wird vielleicht wenigstens ein Tweet daraus? Das muss doch gehen? Wenn ich in unmenschlich öder Gegend bin, ergibt sie vielleicht wenigstens ein brauchbares Foto? Wenn wir uns in dieser Familie hier alle wieder einmal in die Haare kriegen, weil die Zeit hinten und vorne nicht reicht und alle hektisch werden – ich kann mich vielleicht wenigstens in einem Blogartikel darüber amüsieren. Und mich darüber lustig machen. Über mich, über das Leben, über die Ansprüche, über alles.

Ich treibe das natürlich bis zum Exzess und ich habe Gott sei Dank auch die richtige Familie dafür. Ich bin der Typ, der mitten in einem erbitterten Ehestreit an den Computer springt, weil der Dialog mit der Herzdame gerade unerwartet eine prächtige Pointe ergeben hat, und nach all den Jahren weist sie mich jetzt auch schon mal darauf hin, wenn ich unaufmerksam war und eine Stelle verpasst habe. Bei uns enden Ehekrisen regelmäßig in Artikeln oder Kolumnen und warum auch nicht, irgendwo müssen sie ja enden.

“Seid zur Heiterkeit bereit”, hieß es früher bei Bugs Bunny. Tatsächlich ist das eine Aufforderung, der man nicht immer einfach so nachkommen kann. Niemand ist immer heiter, ich nicht und das Leben auch nicht. Aber so lange man nicht gerade von den ganz großen Dramen erwischt wird, hilft es doch sehr, nach den Scherzen zu suchen, die im Alltag versteckt sind wie früher die kleine Maus auf den Kinderseiten der Brigitte. Und geteilte Scherze wirken besser, viel besser.

Und wenn ich völlig zerwühlt vom hektischen Alltag, aufgerieben zwischen mehreren Deadlines, Terminen und Verabredungen, mit den Söhnen streitend und der Herzdame hinterherfluchend, vor der Eingangstür der Wohnung stehe, den Schlüssel nicht finde und die Apfelsaftflasche dabei aus dem Rucksack fällt und auf den Fliesen zerschellt, während drinnen das Telefon klingelt – natürlich kann man daran komplett wahnsinnig werden. Man kann aber auch darüber schreiben. Und dann geht es schon wieder.

 

Vegetarisches Essen bestellt [Sponsored Post]

Ein Sponsored Post, falls das nicht bekannt ist, ist ein Artikel, für den ich bezahlt werde. Werbung also, damit da keine Missverständnisse aufkommen. Davon wird es in diesem Monat zwei geben, das ist ein Zufall und eher ungewöhnlich. Aber jedenfalls war es ein netter Zufall, zumindest was unsere Urlaubskasse betrifft. Eigentlich habe ich sogar drei Artikel zugesagt. Einen habe ich verkauft, weil ich das Produkt tatsächlich sehr interessant fand (Technikklimbim), einen weil ich bei Küchengeräten so einen immerhungrigen Habenwollenreflex habe und dann noch diesen hier. Das Technikklimbimgerät hat allerdings nicht funktioniert, es befindet sich schon auf dem Rückflug und wird also keinen Artikel ergeben. Ein Montagsprodukt, das kann passieren.

Das Küchengerät und ich, wir starren uns noch etwas ratlos an, da muss ich noch etwas herumprobieren, um überhaupt eine Meinung zu haben. Manchmal ist so etwas viel komplizierter als gedacht.

Sehr einfach war es dagegen, auf Kosten der Firma Pizza.de Essen zu bestellen und zu sehen, wie das klappt. Wobei das andere routinierter als ich gemacht hätten, denn ich bestelle nie Essen. Das letzte Mal ist sicher Jahre her, ich habe diese Möglichkeit tatsächlich völlig aus den Augen verloren. Was auch daran liegt, dass ich gelieferte Pizza immer ganz furchtbar fand. Lauwarm, labberig, fettriefend, schauderhaft. Und es lag auch daran, dass ich hier nur vor die Tür gehen muss, um -zig Imbisse, Restaurants usw. in nächster Nähe zu haben. Ich habe also keineswegs Pizza bestellt, ich habe das etwas sportlicher genommen und nachgesehen, was man an vegetarischem Essen bestellen kann. Falls das nicht bekannt ist, man findet bei Pizza.de keineswegs nur Pizza, das ist ein Portal, in dem etliche Lieferanten gelistet werden.

Da sieht man nach dem entsprechenden Filter im Verzeichnis der hier liefernden Restaurants natürlich nur noch asiatische Spezialitäten. Wenn ich es richtig gesehen habe, kann man anderes vegetarisches Essen tatsächlich nicht oder kaum bekommen. Also abgesehen von den Verzweiflungspommes, mit denen sich Vegetarier überall sättigen, versteht sich. Vegetarische Lieferküchen – gibt es wohl nicht, oder zumindest noch nicht im Verbund eines Großanbieters.

Was es aber gibt, sind Viatnamesen, Chinesen, Inder etc. und das ist ja auch gut. Nicht einfach, sich da für etwas zu entscheiden, die Söhne lehnen sowieso alles ab, was neu aussieht, nahm ich jedenfalls an. Dann dachte ich, wenn es schon neu aussieht, dann kann es auch richtig fremd aussehen, dann essen wir eben mal indisch. Da ist es natürlich überhaupt kein Problem, vegetarische Gerichte zu finden, da gibt es auch genug Vorspeisen und kleine Gerichte, die man für Kinder bestellen kann. Ich ging nicht davon aus, dass die Söhne irgendwas essen würden, bestellte aber dennoch reichlich. Wenn man schon dabei ist, dann will man sich auch durchtesten. Wir haben sehr hungrig bestellt, das machte die bestellte Menge nicht gerade kleiner.

Die Bestellung war problemlos, die Lieferung kam flott. Es gibt im System keine Angabe, wie lange die Lieferanten zu brauchen gedenken, aber das geht vielleicht auch gar nicht. Nicht alle Gerichte brauchen gleich lange. Wir bestellten verschiedene Curryvarianten, Pakora, Naanbrot. Und große Überraschung – die Söhne aßen Pakora, und zwar mit Begeisterung, damit hatte ich niemals gerechnet.

Pakora

 

Das ist immerhin zubereitungsbedingt nicht eben hübsch aussehendes Gemüse, und das war sogar unverkennbar Brokkoli, den sie da in überraschenden Mengen vertilgten. Allerdings würden sie frittiert vermutlich auch Batterien essen, man weiß es nicht. Danach fanden sie auch noch die Currys sehr interessant, jedenfalls die Varianten, in denen zumindest ein Hauch an Süße zu schmecken war. Indisch für Kinder ist anscheinend ganz einfach, das wusste ich tatsächlich nicht. Pakora gibt es hier jetzt öfter.

Das Essen war vom Paradise Food Service, wenn man in Hamburg wohnt und indisches Essen ans Sofa gebracht haben möchte, das kann man gut machen, fand ich. Sehr großzügige Portionen, das Essen war tadellos, nett waren sie auch. Im Grunde könnte man sogar “gerne wieder” sagen.

Und wenn eine Bestellung für vier Personen nicht so unfassbar viel Müll machen würde, ich würde es tatsächlich sofort sagen. Irgendwas ist wirklich immer.

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Junges Glück, älteres Glück

Auf dem Ferienbauernhof an der Küste auf Eiderstedt waren vierzehn Kinder. Zur Freude der Söhne waren es größtenteils Mädchen im passenden Alter. Mädchen, mit denen sie sich bestens verstanden haben, Mädchen, die sie toll fanden, schön, nett und was man will, da passte wirklich alles. Die Söhne sind fast 5 und fast 7, es ist nicht selbstverständlich, dass sie Mädchen auch nur ansehen. Da hatten wir also großes Glück, der Urlaub war dadurch geradezu unfassbar erholsam. Die Kinder waren mit den Kindern beschäftigt, Erwachsene wurden nur noch zur Zubereitung der Verpflegung benötigt, ansonsten war man weitgehend entbehrlich. Wenn ich nachsehen ging, saß Sohn I flüsternd mit einem Mädchen im Stroh, Sohn II lief mit dem wilden Kampfruf „Knutschen! Knutschen!“ einer kleinen Schönheit quer über den Hof in den Stall nach. Idylle pur also, Bullerbü mit Liebe. Als wir abreisten, sammelten die Söhne die Telefonnummern von fünf Mädchen ein, bevor sie ins Auto stiegen und wild winkend auf ihren Kindersitzen saßen.

Ich sah mir das im Rückspiegel an und erinnerte mich an die Kinderzeit, in der man in der Liebe alles noch vor sich hatte und allem mit froher Erwartung entgegentrat. Die Zeit, in der das Kennenlernen nur zehn Minuten dauerte, und in der mit jedem Menschen eine neue Aufregung und Verrücktheit ins Herz und ins Leben wirbeln konnte. Das war schon schön, damals. Wann hat das eigentlich aufgehört? Ich reagiere mittlerweile doch etwas gemächlicher auf neue Menschen.

Ich saß vorne neben der Herzdame, ich konnte mich schon nach den ersten Kilometern nicht mehr an die Namen der Mütter der Mädchen erinnern, die ich auf dem Hof kennengerlernt habe und mit denen ich gerade eine ganze Woche verbracht hatte. Die Herzdame und ich sahen uns an, wir fuhren zufrieden und entspannt nach Hause. Doch, es ist alles gut so, wie es ist.

Und ich muss mich schließlich auch gar nicht an die Namen der übrigens sehr netten Mütter erinnern. Ich hab ja ihre Nummern gespeichert. Die Kinder sind natürlich noch viel zu klein für eigene Handys.

(Dieser Text erschien in einer etwas kürzeren Version als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

Woanders – Der Wirtschaftsteil

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In den Kommentaren zum letzten Wirtschaftsteil fand sich der Hinweis, dass auch in Deutschland spannende Nahverkehrsprojekte angeschoben werden, etwa in Osnabrück. Da geht es zwar bisher nur um die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie, aber wir wollen nicht undankbar sein, oh nein. Das könnte in der Tat noch spannend werden. Beim Deutschlandradio gibt es übrigens gerade etwas über das Radfahren in verschiedenen Städten, das ist auch interessant. Wir bleiben ja erst einmal dabei, dass für Deutschland eher so etwas typisch ist: things on bike lanes.

Zum Nahverkehr nur noch einen Link, denn auch der Landwirt von heute muss schnell von A nach B – und was nimmt er da? Den Ziesel. Zählt das schon als Gamification des Berufs? Wird die Landwirtschaft plötzlich wieder attraktiv für den Nachwuchs? Spannend!

Zu anderen Themen. Die Journalisten der Henri-Nannen-Schule haben ein aufwändiges Stück über illegale Flüchtlinge produziert. Das ist lang und das ist gut, nehmen Sie sich die Zeit für dieses Stück der Zeit. Eine gute Nachricht aus der tieferen Provinz soll da aber gleich hinterher auch erwähnt werden, schon wegen der Erwähnung der Funktionen Lotsen und Kümmerer: Nordfriesland etabliert die Willkommenskultur. Dann können das andere Regionen ja nachmachen. Man kann aber natürlich auch das Gegenteil der Willkommenskultur vorantreiben – und das wird auch gerade gemacht.

Aber weiter mit guten Nachrichten, ein Achtzehnjähriger legt sich mit der Deutschen Post AG und ihrem Plastikverbrauch an. Die Jugend von heute! Das lässt hoffen. Hoffnung machen auch die Erfinder dieses Solar-Ofens, der immerhin 300 Brötchen an einem Tag schaffen soll. Überhaupt findet man gerade etliche Meldungen mit guten Ideen, sehr schön. Auch mit Aufklebern am Briefkasten z.B. kann man etwas bewirken, das mit Wirtschaft zu tun hat.

Das macht ja wieder richtig Spaß hier, mit so positiven Meldungen – aber Vorsicht. Wenn es Spaß macht – sind wir womöglich Komiker? Da mal drüber nachdenken, wie der olle Kempowski gesagt hätte.

Etwas zum Nachdenken finden wir auch bei Herrn Lumma, der ein neues Buch mit einem Wirtschaftsthema bespricht. Der Inhalt passt hier ganz gut rein, wie es scheint. Und von da kommen wir dann ganz zwanglos zu weiteren tiefschürfenden Fragen zur Arbeit, zum Leben und überhaupt, wir kommen sogar zu so tiefschürfenden Fragen, dass wir sie uns lieber von einem Philosophen beantworten lassen.

Kurz vorm Schluss werfen wir noch den wöchentlichen TTIP-Link in die Runde, es geht diesmal um das Zahlenwerk, mit dem die Lobby-Arbeit zum Abkommen gerne begleitet wird: “Malen nach Zahlen.”

Und nun? Wie beenden wir eine Linksammlung, die mit dem Nahverkehr beginnt und bei der Philosophie endet? Mit dem Kulturteil natürlich. Und mit der Liebe auf dem Fahrrad.

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