Jul
Sommerloch
Sohn I und sein Kumpel spielen Fußball mit dem zerbissenen Gummispielzeug eines Hundes, irgendwo auf der dritten Deichlinie der Halbinsel Eiderstedt. Sohn II und sein Kumpel lassen sich dazwischen kichernd deichabwärts rollen, um dann den langen, langen Weg wieder nach oben zurückzukehren. Auf dem Feld gegenüber reifes Korn, dahinter eine Weide, dahinter hört man Schafe. Auf der anderen Seite Kühe, eine davon steht bis zum Euter in einem algengrünen Tümpel, um sich abzukühlen. Wir essen Brötchen mit fingerdick geschnittenen Mettwurstscheiben vom Markt. Eine Wolke von Bienen belagert die Kletterrosen vor den Fenstern unter dem Reetdach. Das Wetter wird ganz, ganz langsam schlechter, wenn es so weitergeht, wird man in wenigen Tagen noch irgendwas mit langen Armen anziehen müssen – wenn man es denn wiederfindet. Dunkel dämmert uns, so etwas einmal besessen zu haben. Die Seite mit dem Wetterbericht baut sich gemächlich und Zeile für Zeile auf dem Bildschirm auf, das Internet ist hier langsam wie eine Wanderdüne. Wir schlagen „Regen“ im Lexikon nach und erinnern uns.
Und mehr ist gerade nicht los.
Jul
Wochenende
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.
Jul
Übrigens
Als Hanseat kann man seine Verachtung gegenüber Kleinstädten einfach dadurch zum Ausdruck bringen, daß man in kurzen Hosen in ihnen herumläuft.
Jul
Zusammenhänge
Wir fahren mit den Söhnen etwa einmal im Monat ins Heimatdorf, sie haben also eine reelle Chance, den Wechsel der Jahreszeiten auch aus der ländlichen Perspektive zu erleben, mit Natur und Grünzeug. Schließlich sollen die Kinder nicht erst in der Schule erfahren, was ein Schwein ist oder daß die Kuh für die Milch zuständig ist oder daß Äpfel von einem Baum kommen. Da es hier ringsherum noch ziemlich viel Landwirtschaft gibt, kann man erfreulicherweise einiges vorführen, hier wirkt manches noch ganz so wie in einem funktionierendem Dorf, mit all den Treckern und Ställen.
In der Gluthitze des Nachmittags fährt ein Mähdrescher über den Acker neben dem Haus der Großeltern, wir stehen in einer riesigen, goldenen Staubwolke und sehen zu. „Mähdrescher“, sagt Sohn I fachmännisch, „sehr groß und sehr laut.“ „Und“, frage ich, „was macht der Mähdrescher denn da?“ „Erntet Getreide“ sagt der Sohn zu meiner Verblüffung, so viel Fachwissen habe ich ihm noch gar nicht zugetraut. „Oha“, sage ich, „du kennst dich aber gut aus.“ Der Sohn nickt. Er zeigt auf den Mähdrescher, der jetzt stehen bleibt. „Da sind jetzt die Körner drin“, erklärt er mir. Dann zeigt er auf weiter hinten gelegene Felder, auf denen das Getreide noch steht: „Und da hinten muß er noch hin. Und da und da.“ Er steht etwas breitbeinig, wie immer, wenn er auf dem Land ist, er hat seine Schirmmütze tief in die Stirn gezogen und kaut auf einem Grashalm. Wenn er auf dem Land geboren worden wäre, er würde sich auch nicht besser auskennen. „Weißt du denn auch, was aus dem Korn gemacht wird, das der Mähdrescher da erntet?“ Ich bin mir fast sicher, daß er es weiß, diese unschlagbare Mischung aus Bilderbüchern, eigener Anschauung und Opas Erzählungen scheint ja wahre Wunder zu wirken. Der Sohn sieht mich an, als würde ich sehr, sehr dumme Fragen stellen. „Ja“, sagt er, „das weiß ich schon.“ „Und“, frage ich, „ was denn?“ Der Sohn kaut geruhsam auf seinem Grashalm, spuckt ihn schließlich aus und sagt: „Daraus macht man Bäcker.“
Jul
Abends
Ich: “Es ist Zeit, ins Bett zu gehen.”
Sohn I: “Wieso, bist du schon müde oder was?”
Jul
Abgebrannt
Der eine oder andere wird es schon mitbekommen haben, daß einer Düsseldorfer Bloggerin (Alphamama/Melody) die Wohnung abgebrannt ist und der gesamte Besitz dabei verlorenging. Die Familie kam knapp mit dem Leben davon. Den Rest können Sie selbst nachlesen und natürlich auch eine Handvoll Euro spenden. Ein paar Euro mehr als diese Familie haben wir mit Sicherheit alle gerade. Gucken Sie mal hier.
Vielen Dank!
Jul
Entfremdung
Der Titel läßt es bereits ahnen, das Leben mit Kindern besteht nicht nur aus Sonnenschein und fröhlichen Stunden, es gibt auch durchaus ernstere Themen, denen man sich nicht immer entziehen kann. Ab und zu, denke ich, kann so etwas auch den Lesern hier zugemutet werden. Sonst entsteht am Ende ein ganz falscher Bilderbucheindruck vom Familienleben, wie es niemals war und niemals sein kann. Fangen wir dezent mit dem Hinweis an, daß Kleinkinder nicht nur durch lustige Einfälle verhaltensauffällig werden. Nein, manchmal würde man das, was sie umtreibt, bei Erwachsenen sofort als therapiebedürftig benennen und ohne zu zögern einen namhaften Experten empfehlen. Sohn I zum Beispiel hat gerade einen ausgeprägten Farbwahn und bewertet seine Umwelt sehr streng und konsequent nach ihrer Buntheit. Lila kommt dabei am besten weg, was lilafarben ist, das kann nicht ganz schlecht sein – und nicht nur das! – nein, es ist sogar so: Was lilafarben ist, das muß gut sein. So ein Spleen läßt sich gerade in diesem Jahr modisch noch halbwegs umsetzen, bei der Wahl der Bücher wird es schon etwas schwieriger, bei Plastikspielzeug fast unlösbar und bei der Ernährung stand er mehrere Tage vor einem ziemlich ernsten Problem. Bis er den Heringssalat entdeckte, ein Lebensmittel, bei dem man nicht sofort vermutet, daß es Kleinkindern überhaupt schmecken könnte. Sohn I aber sah die Packung im Kühlschrank, machte den Deckel auf, sah die Farbe und sagte „schmeckt gut“. Ohne zu probieren oder auch nur daran zu riechen. Seit fünf Tagen schon lebt er jetzt hauptsächlich von Heringssalat, wir haben ein glückliches Kind am Tisch und warten geduldig auf den Tag, an dem sich die Ernährung auf seinen Teint oder seine Haarfarbe auswirken wird.
Mit einem solchen Spleen könnte man vielleicht noch leben und hoffen, daß es sich in wenigen Wochen wieder von selbst geben könnte, alles nur eine Phase, aber das Thema birgt leider noch weitere Abgründe. Beim Fußball zum Beispiel entscheidet er bei jedem Spiel spontan nach der Trikotfarbe für wen er ist, eine Haltung, die er um keinen Preis aufzugeben bereit ist. Deutschland hat dabei, soviel ist bei schwarzweißen oder sogar ganz schwarzen Trikots klar, nicht die leiseste Chance. Damit könnte man abseits der Public-Viewing-Plätze noch leben, wenn nicht ausgerechnet Orange eine Farbe seines Geschmacks wäre. So kam es, daß gestern auf unserem Sofa ein fast Dreijähriger von meinem eigen Fleisch und Blut saß, der während der ganzen regulären Spielzeit „Holland vor, noch ein Tor“ vor sich hin sang. Das ist weiß Gott eine bitte Erfahrung, wenn man aus heiterem Himmel feststellen muß, daß der Nachwuchs vollkommen aus der Art schlägt und man daher notgedrungen mit der Herzdame ausgerechnet am heißesten Abend des Jahres über die Zeugung weiterer Kinder verhandeln muß, um die Anzahl der womöglich brauchbaren Söhne zu erhöhen. Ich habe Sohn I auf Enterbung, Verstoßung, Fernsehentzug, Zwangsanmeldung beim HSV und weitere üble Folgen seines katastrophalen Verhaltens hingewiesen. Ich habe ihn darüber aufgeklärt, daß man sich als Kind in seinen Familienverbund einfügen muß und daß es andererseits schnell sehr einsam um einen kleinen Jungen werden könnte, wenn er sich den Grundüberzeugungen des Rudels weiterhin widersetzen würde. Er sah mich grinsend an und sagte „Holland vor!“. Ich sagte ihm, daß Fußball mir selbstverständlich emotional vollkommen egal sei, jedes Land könne die WM gewinnen, da stünde ich natürlich drüber, meinetwegen könne der Vatikan Weltmeister werden, jedes Land, wirklich jedes – nur eben nicht Holland. Jeder Mensch meines Alters und ähnlicher WM-Zuschauergeschichte aus deutscher Perspektive wird das zwingend verstehen. Nicht so der Sohn. Er sah auf den Fernseher und sagte: „Gleich Tor. Für Holland.“ Dann schlief er ein und vermied so eine weitere Eskalation, man mag gar nicht daran denken, wie der Abend sonst geendet hätte.
„Los“, sagte ich zur Herzdame, „wir gehen rüber ins Schlafzimmer und machen einen Neuen.“ Aber die Herzdame war während der Siegerehrung eingeschlafen. Ihre Hand lag auf dem Kopf von Sohn I, unbewußt streichelte sie sein Haar. Mütter halten zu ihren Kindern, auch wenn diese Drogen nehmen, Schwerverbrecher werden oder für die falschen Länder sind. Sohn II saß zwischen den beiden und sah mich strahlend an. Er winkte mir fröhlich zu und hob beide Arme, als wollte er hochgehoben werden. „Ja“, sagte ich mißtrauisch, „so hat der andere auch angefangen. Erst einen auf lieben Sohn machen, dann für Holland sein. Das kenne ich jetzt.“
Ich streichelte zögernd seinen Kopf und sah ihn nachdenklich an. In zwei Jahren ist EM, dann ist er auch fast drei Jahre alt. Man wird sehen.
Jul
Wochenende
Wochenende. Und Urlaub. Endlich mal Zeit, richtig was wegzuarbeiten! Drüben im Westen ist derweil wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.
Jul
Neu auf dem Nachttisch
Dummerweise ist es ja so, daß man von den Autoren, die man für die Größten hält, irgendwann das Gesamtwerk ganz und gar durchgelesen hat. Dann kann man zwar einiges wieder und wieder lesen, aber das besondere Vergnügen des ersten Mals, das ist doch unwiederbringlich dahin. Wie angenehm, wenn man doch noch auf Werke stößt, die man durch irgendeinen Zufall im ersten Leserausch vor Jahren ausgelassen hat! Als ob man in einem vermeintlich leeren Kühlschrank noch ein letztes, vergessenes Bier finden würde! Na ja, in etwa so.
Joseph Conrad: Ein Lächeln des Glücks – Hafengeschichte. Aus dem Englischen von Ernst Wagner. Das Buch erschien zuerst 1912 und beginnt so:
„Seit Sonnaufgang hatte ich Ausschau nach vorn gehalten. Das Schiff glitt sanft durch das glatte Wasser. Nach einer Reise von sechzig Tagen wartete ich gespannt auf das Insichtkommen meines Zieles, einer fruchtbaren und schönen Tropeninsel. Enthusiastische Bewohner nennen sie gerne „Perle des Ozeans“. Nun gut, soll sie „Perle“ heißen. Ein guter Name. Eine Perle, die der Welt viel Süße spendet. Das soll nichts anderes heißen, als daß dort erstklassiges Zuckerrohr gedeiht.“
Jul
Prince Charming
Ich: „Das war aber ein netter Nachmittag mit dir.“
Sohn I: „Ja, ich bin angenehm, was?“
Jul
Wunderkind
Ich finde dieses Gieren nach Hochbegabung bei einem Kind ja etwas anstrengend. Es gibt zu viele Eltern, die an den Kindern herumzerren um endlich etwas zu entdecken, was man fördern könnte, pushen könnte, in das man investieren könnte. Zu viele Eltern, die ihre Kinder förmlich belauern, um das versteckte Genie zu entdecken, das irgendwo in dem Nachwuchs vorhanden sein muß. Immer früher werden die Kleinen zum Zählen angehalten, zum Buchstabieren, mit Mozart berieselt, in Naturkundeausstellungen geschleift, vor Chemiebaukästen gesetzt, dabei wollen sie eigentlich viel lieber schaukeln. Sollen die Kinder doch normal sein, sollen sie eins, zwei, drei, sieben zählen, Grammatikfehler machen und den Rhythmus neben die Musik hauen, mir ist das ganz gleich. Ein Kind ist ein Kind ist ein Kind.
Aber wenn man natürlich ganz zufällig über eine Spitzenbegabung stolpert, die vollkommen unübersehbar ist, dann wäre es auch wieder verantwortungslos, sich nicht damit zu befassen. „Ich ging im Walde so vor mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn“, um endlich einmal wieder Goethe zu zitieren, wo wir schon bei Wunderkindern sind – wenn man in diesem Sinne nichts sucht, dann darf man wohl auch finden, denke ich. Wir waren mit den Söhnen bei einem Kindermusikfestival. Wenn sie schon zwei schwer unmusikalische Eltern haben, sollen sie wenigstens anderweitig gelegentlich Kontakt mit Tönen und womöglich sogar richtigen Melodien haben. Da lagen Instrumente herum, die die Kinder einfach nehmen konnten. Man konnte mal eben ein Akkordeon ausprobieren oder –zig Arten von Trommeln oder andere Percussioninstrumente oder Hörner oder Dinge, für die ich nicht einmal eine Bezeichnung gewußt hätte. Während Sohn II fröhlich brabbelnd über Waschbretter krabbelte und so andere davon abhielt, damit Krach zu machen, ergriff Sohn I zielsicher eine Gitarre. Er hatte noch nie eine Gitarre in der Hand gehabt, in der Kita gibt es nur Trommeln, zu Hause nur eine Stereoanlage. „Guck mal“, sagte ich zur Herzdame, „er hält sie ja ganz richtig.“ Sohn I stand wie in Trance, er sah an sich herunter, er starrte auf das Instrument, es arbeitete in ihm. Er lächelte dezent, er sah plötzlich ganz so aus, als wäre er erst mit Gitarre wirklich vollständig. Er faßte sie vollkommen korrekt an, er nickte, sah zu mir hoch und strahlte. „Guck doch mal“, saget ich zur Herzdame, „da hat aber jemand was gefunden, was? Der sieht ja völlig begeistert aus.“ Der Sohn starrte wieder auf die Saiten, vorsichtig berührt er eine, dann noch eine. Das Nicken wurde stärker, jetzt war ganz klar, daß hier etwas Seltsames passierte. Er hatte noch nie eine Gitarre in der Hand gehabt, aber, soviel konnte man jetzt schon sehen, das hier würde nicht das letzte Mal sein. „Die Gitarre gefällt dir, was?“ fragte ich den Sohn, der immer noch mit den Fingern über die Saiten fuhrt, ohne dabei eigentlich zu spielen, er schien alles ganz langsam und sehr vorsichtig zu ertasten. „Ja“,. sagte er kaum hörbar, „ja, sehr“. Dann nahm er die Gitarre und haute sie seinem Kumpel auf den Kopf.
„Hast du das gesehen“, frage ich die Herzdame, „das war perfekt. Ohne jede Übung! Das hat er einfach so drauf! Ein Rockstar! Wir müssen Zettel aushängen und Bandmitglieder suchen! Noch drei Mann!“ Die Herzdame antwortete nicht, sie war damit beschäftigt den Sohn und seinen Kumpel zu trennen. Ein anderer Vater fragte, ob er wohl das Akkordeon haben könne, auf dem Sohn I und sein Kumpel gerade herumrangelten. Klar“, sagte ich. „kein Problem. Akkordeon ist sowieso nicht dran. Mein Sohn hier ist mehr hendrixmäßig drauf.“ Wie gesagt, ich halte nichts von dem Herbeibehaupten von Spitzenbegabungen. Aber wenn das eigene Kind offensichtlich ein Genie ist, kann man auch nicht auf Dauer daran vorbei leben.
Jul
Wochenende
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.
Jul
Ey!
Sohn I: „Darf ich bitte etwas von deiner Apfelschorle abhaben? Das würde mich freuen.“
Kumpel von Sohn I: „Ja, mein Freund, bitte sehr.“
Der Sohn und sein Kumpel sind fast drei Jahre alt, beide können eigentlich noch kein perfektes Deutsch, aber man merkt doch, sie fangen jetzt an, sich Höflichkeiten zu drechseln, teilweise in einem geradezu bizarren Ausmaß. Sie haben erstaunlich viel Spaß daran, sich mit Bitte und Danke zu bewerfen, sie schnappen immer neue und immer kompliziertere Floskeln auf und bauen sie sofort ins Spiel ein. Zwischendurch fallen sie dann aber unvermittelt wieder in das Kleinkindgemäße:
Sohn I: „Abhaben! Durst“
Kumpel von Sohn I: „Neehee! Weg!“
(folgt Schlägerei)
Sie schlingern im Niveau, und was eben noch ein unfaßbar höfliches Kind war, ist im nächsten Moment ein gröhlender Wüterich ohne rationale Kontrolle. Aber allmählich spielt es sich doch ein, sie gewinnen mit jeder Woche deutlicher einen Sinn für den richtigen Moment und das passende Vokabular. Sie verstehen jetzt, daß nicht jede Formulierung in jede Situation paßt. Manchmal kann man sogar schon den Eindruck gewinnen, daß sie ohne jedes Nachdenken perfekt und adäquat auf die Art der Ansprache reagieren. Sie erahnen darin womöglich die Anfänge der jahrtausendealten Tradition des guten Benehmens.
Ich gehe mit Sohn I an einer Hilfseinrichtung für schwule Stricher aus dem Ausland vorbei, das ist hier eben ein Bahnhofsviertel, hier ist manches anders als im Rest der Stadt. Vor der Tür wird herumgelungert, man steht rauchend in Grüppchen auf dem Fußweg. Sohn I brettert mit seinem Laufrad mitten durch, auszuweichen ist ihm bei menschlichen Hindernissen noch nie in den Sinn gekommen. Einer der Jugendlichen, den er im Vorbeifahren rammt, dreht sich um und ruft: „Ey!“ Sohn I hält, dreht sich langsam wie in einem Italo-Western um, schiebt seinen Sonnenhut in den Nacken, sieht sich den Typen über ihm genau an und fragt dann in einem bemerkenswert schnodderigen Tonfall: „Ey, hassu gerade ey gesagt?“
Jun
Neu auf dem Nachttisch
Zwischendurch etwas gepflegte Comedy – als Dachgeschoßbewohner kann ich bei diesen Temperaturen sowieso nichts anderes mehr konsumieren. Also lese ich jetzt eines der frisch bestellten Sommer-Bücher, die nach der Lektüre dann unweigerlich so mit Melone zugesaut sind, daß man sie schon deswegen behalten muß. Frank Goosen, Radio Heimat – Geschichten von zuhause. Das Buch erschien im Januar dieses Jahres und ist wahrscheinlich der einzige legitime Grund, Bochum zu mögen, was ganz sicher viel heißen will. Es beginnt so:
„An lauen Sommerabenden stehe ich gerne auf der Eisenbahnbrücke am Lohring in Bochum und schaue auf meine Stadt. Ich sehe das Mercedes-Hochhaus der Stadtwerke (das ein bisschen aussieht wie der Monolith aus „2001“), die Türme von Probstei- und Christuskirche, und ganz rechts erkenne ich sogar noch den Förderturm des Bergbaumuseums. Und dann denke ich: Boah! Schön ist das nicht!
Wir im Ruhrgebiet laden Auswärtige gern ein, zu uns zu kommen, um ihren Begriff von Schönheit zu erweitern. Eine mittelalterliche Garnisonsstadt mit Stadtmauer, Fachwerkhäusern und Fürstenresidenzen schön finden, das kann jeder. Aber auf dem Gasometer in Oberhausen stehen, sich umgucken und sagen: Wat ne geile Gegend!, das muß man wollen. Dafür muss man von hier sein.“
Jun
Buddenbohm-TV
Der NDR hat, wie hier und hier bereits berichtet, einen kleinen Beitrag über Buddenbohm & Söhne gedreht, der heute im Hamburg-Journal ausgestrahlt wurde. Das Filmchen kann man über die Mediathek abrufen (hier). Bei mir spinnen die Zeitangaben, daher kann ich die Minute nicht benennen, der Beitrag kommt aber jedenfalls kurz vor Schluß. Bleibt noch festzustellen: Das Hemd ist lila, nicht rosa. Und ich bin nicht dick. Das sieht nur so aus und ist eine optische Täuschung, siehe auch der Bulle von Tölz, Günther Strack und Joschka Fischer.






