Der kleine Störtebeker – noch einmal

Heute habe ich etwas zum ersten Mal im Leben gemacht, und zwar habe ich mir ein Theaterstück noch einmal angesehen. Auf die Idee bin ich vorher noch nie gekommen, komisch eigentlich.

Ich war also mit der Familie noch einmal im kleinen Störtebeker, ich habe hier bereits einmal und ziemlich begeistert über das Stück geschrieben, den Autor des Stückes hatten wir hier auch bei “Was machen die da”. Und tatsächlich würde ich den Text auch nach dem zweiten Besuch noch einmal so schreiben, das kann alles so bleiben. Die Zustimmung, die Begeisterung, die Empfehlung – erst recht die Empfehlung. Denn das Stück geht in die Verlängerung und läuft nächstes Jahr noch einmal vom 3.4. bis zum 24.5.

Wenn Sie es also bisher verpasst haben oder gerade versehentlich kein Kind (ab etwa 5 Jahren) parat hatten – da gibt es noch Gelegenheiten! Einmal richtig Spaß im Theater haben – aber das habe ich ja alles schon im ersten Text geschrieben. Sie können jetzt einfach Karten bestellen, es ist vermutlich deutlich geworden, dass das Sück super ist.

Die Seite des Theaters ist hier.

Gelesen, vorgelesen, gesehen, gespielt und gehört im Dezember

Dezember – Gedichte. Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell. Die Dezember-Auswahl sagte mir etwas weniger zu als die November-Auswahl, da sie natürlich nicht ohne Nikolaus und Advent und Weihnachten auskommt, das ist nicht so mein Fall. Einige Sachen aber doch schön, wieder aufgefallen ist mir Martin Greif, der hat den Rhythmus in einer Weise drauf, die einen noch einmal hinsehen lässt, auch in einer Reihe mit den ganz Großen. Inhaltlich ragt er nicht heraus, aber handwerklich ist das doch beeindruckend. Zwischen Nikolaus und Silvester ist ansonsten wohl keine gute Saison für jahreszeitliche Lyrik, ich freue mich jetzt auf den Januar-Band, der liegt schon bereit, da geht es eher um Schnee und Kälte.

Dezembergedichte

Tausend Tode schreiben. Davon hat man schon in vielen Blogs gelesen, das ist ein angenehm spinnert großes Anthologie-Projekt im Ebookformat, herausgegeben von Christiane Frohmann. Es geht um den Tod, es geht um einen guten Zweck, man kann das alles hier nachlesen. Und man kann sich mühelos festlesen, schwer ins Grübeln kommen, manchmal auch lachen, man kann die Vielfalt auf jeden Fall angemessen großartig finden. Und man wird bei den bisher beteiligten Autorinnen (es kommen noch viel mehr dazu, das Buch erhält Updates, die man nach dem Kauf später kostenlos herunterladen kann) auf etliche bekannte Namen stoßen.

Dieter Hildebrandt: Letzte Zugabe. Der Titel ist wörtlich zu verstehen, Dieter Hildebrandt ist noch während der Arbeit am Buch gestorben. Der Herr war in meiner Jugend für mich DER Welterklärer, er hat mir mit seiner Sendung Scheibenwischer regelmässig die bundesdeutsche Politik erklärt. Das waren Sendungen, in denen er unfassbare Mengen brillanten Text absonderte, geistreich, wütend, witzig und oft in einer geradezu schmerzhaften Weise empört über die Welt.  Die Haltung merkt man auch den Texten im Buch an, die hatte er bis zuletzt und man bekommt direkt Lust, sich wieder ein wenig mehr und ein wenig ernsthafter aufzuregen. Über alles.

Dieter Hildebrandt

Erich Kästner: Die kleine Freiheit. Das habe ich aus dem Regal genommen, weil Dieter Hildebrandt in seinem Buch länger über Kästner schreibt, den er sehr bewundert und auch gekannt hat. Das Buch habe ich seit Ewigkeiten nicht in der Hand gehabt, vermutlich habe ich es mit zwanzig erworben, jedenfalls ungefähr. Verstanden habe ich bei der damaligen Lektüre sicher nicht, wieviel man über den Start der BRD nach 1945 aus dem schmalen Band herauslesen kann. Über die Nazis in den nach wie vor feinen und gesicherten Positionen, über die Starre der Adenauerzeit, über das leise Resignieren der einst verbrannten Dichter. Kästner werde ich mir dann wohl komplett noch einmal vornehmen, die Kinderbücher von ihm passen ohnehin gerade zum Lesealter der Söhne.

Die kleine Freiheit

Erich Kästner: Gesang zwischen den Stühlen und Lärm Spiegel.

Kästner-Bücher

Ich habe Kästner lange nicht mehr intensiv gelesen, bei den letzten Büchern war ich deutlich jünger. Ich lese die jetzt aber, wenn ich auf sie zurückkomme, als Bücher mit einem ganz anderen Ton. Viel melancholischer, teilweise herber, bitterer, als ich sie in Erinnerung hatte. Ich habe so den Verdacht, als jüngerer Mensch habe ich mich mehr und schlichter über gelungene Reimpaare gefreut und darüber etwas Stimmung und Aussage verpasst. Ich lese sie jetzt aber auch anders, weil ich immer Kästners Stimme im Ohr habe. Die kann man sich heute nämlich via Youtube anhören, das konnte ich damals natürlich nicht.

Erich Kästner: Als ich ein kleiner Junge war. Einfach mit Kästner weitermachen, warum auch nicht. An das Buch erinnere ich mich viel besser als an andere von ihm, auch an den vermutlich recht bekannten Anfangssatz: “Wer von sich selbst zu erzählen beginnt, beginnt meist mit ganz anderen Leuten.” In diesen Erinnerungen geht es auch um eine Liebeserklärung an die im Zweiten Weltkrieg untergegangene Stadt Dresden, schon diese Seiten lohnen die Lektüre. Dresden ist gerade wegen unangenehmer Themen unentwegt in den Nachrichten, da ist es ja einen Gedanken wert, dass aus der Stadt auch sympathische Menschen kommen. Wie etwa Kästner. Und auch heute wird es dort natürlich sympathische Menschen geben, nicht nur diese unselige, vernagelte und verbitterte Pegida-Fraktion. Auffällig übrigens, wie wohlwollend Kästner auf seine Kindheit und die Menschen und die Ereignisse darin zurückblickt, das ist eine ganz unübliche Haltung geworden, nicht bei jedem Thema gleich zum Angriff überzugehen, sondern milde sein zu wollen. Man merkt man beim Lesen dann doch, dass wir in einer ausgeprägten verbalen Haudraufkultur leben.

Erich Kästner: Der kleine Grenzverkehr oder Georg und die Zwischenfälle. Mit farbigen Illustrationen von Walter Trier. Ein Buch mit interessanter Publikationsgeschichte, siehe dazu hier. Inhaltlich so harmlos, wie es die Umstände nun einmal gefordert haben, das kann man lesen und gleich wieder vergessen.
Der kleine Grenzverkehr

Erich Kästner: Drei Männer im Schnee. Da bin ich über die ersten Seiten noch nicht herausgekommen, auf denen Kästner empfiehlt, ungehorsame Ehefrauen zu verprügeln. Das Buch ist Anfang der 30er entstanden, ein paar Ansichten sind dann doch etwas überholt. Ansonsten natürlich ein Verwechslungskomödienklassiker und eines der ersten Erwachsenenbücher überhaupt, die ich als Kind gelesen habe. Und zwar mit Begeisterung.

Vorgelesen

Bernadette Gervais und Francesco Pittau: Rate, wer versteckt sich hier – das große Buch der Meerestiere. Das ist gar kein Vorlesebuch, das ist ein übergroßes Klapp- und Pop-up-Buch. Aus dem Alter dafür sind beide Söhne eigentlich längst raus, aber das ist tatsächlich ziemlich toll gestaltet, das ist so eines der Bilderbücher, an denen man auch als Erwachsener noch Spaß hat. Mehr zum Buch hier.

Das große Buch der Meerestiere

Yvan Pommaux: Troja. Das ist ein Comic über den trojanischen Krieg, über den wir gerade in irgendeiner Sagen-Adaption gelesen haben. Nach dem Comic hatte ich dann auch die Handlung wieder parat, das ist ja ein überaus nützlicher Effekt von Literatur-Comics, schon dafür sollte man sie ab und zu mal durchblättern.

Kirsten Boie: Seeräuber-Moses.

Seeräuber-Moses

Auch die Piraten-Phase ist bei beiden Söhnen eigentlich gründich durch, mit diesem Buch hat das Thema sie aber doch noch einmal erwischt. Weil Kirsten Boie erstens besser als andere schreibt und weil das Buch zweitens randvoll mit seemännischer Fachsprache ist, deren Spezialvokabular man hinten im Glossar nachlesen kann. Das kannten sie so noch nicht, das hat sehr gefallen und auf einem Segelboot kämen sie jetzt mit erstaunlich vielen Ausdrücken ganz gut zurecht.

Astrid Lindgren: Die Brüder Löwenherz.  Deutsch von Anna-Liese Kornitzky, Zeichnungen von Ilon Wikland. Das Buch hatten wir etwas zurückgehalten, weil wir der Meinung waren, dass Sohn II noch zu klein dafür ist und es immer etwas schwierig ist, nur Sohn I etwas vorzulesen, das lässt sich kaum gestalten. Wir haben also gewartet und gewartet, bis uns Sohn II irgendwann lässig mitteilte, dass er erhebliche Teile des Buchs bereits kennt. Hat er bei seinem Kumpel vorgelesen bekommen. Manchmal ist es ja einfach.

Für den vorlesenden Vater ist so ein Klassiker natürlich auch wieder ein Erinnern an das eigene Lesen. Ich habe das nicht vorgelesen bekommen, ich habe es selbst gelesen, vermutlich war ich acht oder neun Jahre alt. Und dass man sich gerade bei den Brüdern Löwenherz ziemlich gut an die Handlung erinnert, auch an Kleinigkeiten, das ist vielleicht nicht erstaunlich. Etwas überrascht hat mich aber doch, wie gut ich mich an die Bilder erinnert habe. Jede Winzigkeit war mir vertraut, als hätte ich sie gestern zuletzt gesehen, diese Bilder muss ich als Kind sehr, sehr oft und gründlich studiert haben. Mehr zur Illustratorin übrigens hier.

Die Brüder Löwenherz

Gesehen

Paddington. Den haben wir mit vier Jungs gesehen, den Söhnen und ihren Freunden. Einem Kind war es zu unheimlich, die anderen waren begeistert, die Erwachsenen auch. Allerdings sind das jetzt vier Kinder mit schwerer und womöglich lebenslanger Nicole-Kidman-Allergie, es hat natürlich Folgen, wenn man eine böse Frau spielt, die ebenso unschuldige wie niedliche Bären ausstopfen will. Auf den Handlungsstrang mit der Dame hätte man auch verzichten können, notwendig für das Thema des Fremdseins war der wirklich nicht. Im Film geht es um Aufnahme in der Fremde, das ist also gerade in Deutschland ein ungewollt hochaktueller Film. Für Begleiterwachsene gar nicht langweilig, stellenweise sogar sehr komisch und technisch sicher eine Glanzleistung. Der Bär ist super, keine Frage, London ist schön, die Familie, in die Paddington gerät, ist selbstverständlich sympathisch neben der Spur und braucht dringend einen Bären, um wieder ins Gleis zu kommen. Das ahnt aber keiner, versteht sich. Wenn jemand Alibi-Kinder geifbar hat, das ist wirklich ein netter Spaß, das kann sich gut ansehen.

Und die Freunde des Steampunks achten beim Film bitte auf die Rohrpostanlage, die ist wirklich schön gemacht, die möchte man sofort im Büro haben.

Fanta 4/Fettes Brot

Sohn I hat zu Weihnachten erstmals auch Musik bekommen, deswegen haben wir dazu teilweise auch die Videos angesehen. Und weil man als Vater immer einen Bildungsauftrag hat, habe ich ein wenig zur Geschichte der modernen Musik doziert, ich habe das immerhin jahrelang intensiv studiert. Also ich bin mit MTV aufgewachsen, meine ich. Und so kamen wir auf die Fantastischen 4 und ihren ersten großen Erfolg: “Die da”. Das fanden beide Söhne toll, das lief hier dann in Dauerschleife.

Und von dieser Gruppe kamen wir zwanglos zu Fettes Brot, genauer zu Emanuela. Ich habe zuerst nicht verstanden, warum das besonders Sohn II wieder und wieder hören wollte. Bis mir einfiel, dass die Leiterin seiner Kita Emanuela heißt. Er wird es ihr also im Januar mit Wonne vorsingen. Zu retten, ach, zu spät.

Und es ist mir übrigens nicht gelungen, ihnen zu erklären, warum man nun die Finger von Emanuela lassen soll, diese Sache mit der Liebe und der Verliebtheit ist dann doch noch zu rätselhaft. Na, man muss als Erklärbär auch einmal scheitern können.

Gespielt

Jan Essigs Buchstaben-App. Es gibt reichlich Apps für Lese- und Schreibanfänger, darunter etliche mit absurd grauenvollem Design und hochgradig albernem Inhalt. Diese hier gefällt uns gut, die funktioniert auch bei Sohn II super, der natürlich mit dem großen Bruder mitlernt und sich mit Buchstaben schon ziemlich gut auskennt.  Sohn I könnte besser eine weiterführende App nutzen, allerdings hat man bei der Suche  danach ziemlich schnell keine Lust mehr, weil so viele wirklich furchtbar albern oder einfach schlecht gestaltet sind.

Halli-Galli. Ein Kartenspiel für Kinder ab etwa sechs Jahren, besonders aber für die Herzdame, die dabei unschlagbar ist. Das Spiel ist schnell erklärt, schnell aufgebaut und schnell beendet, das finde ich super. Man darf nur keine kleinen Mitspieler haben, die langsam im Zählen sind, das geht dann gründlich schief.

Gehört

Avalanche Quartet. Die habe ich vermutlich schon einmal oder öfter erwähnt, egal. Sie machen Coverversionen von Leonard-Cohen-Songs, das klingt vielleicht zunächst einigermaßen sinnlos, aber ich finde es grandios, wie sie sich daran abarbeiten, das ist eine sehr ernste und respektvolle Angelegenheit. Hier ein passendes Video, da sieht man das ganz gut. Und das passt mir gut in den Winter.

Außerdem lief hier dauernd De-Phazz. Das hat eine gewisse Lautstärke und ist in sich dennoch recht ruhig, das klappt gut über Kopfhörer, wenn ich hier gegen den Krach in der Wohnung arbeite. Es ist gar nicht so einfach, dafür die passende Musik zu finden, die einerseits das Kindergeschrei zumindest etwas überlagert, mich aber doch noch denken und schreiben lässt. Hell alright.

Und wegen des Herrn Korten hatte ich ein paar Tage und länger einen Ohrwurm, und zwar einen der netten Sorte. Das gibt es ja auch, dass man tagelang immer wieder ein Liedchen pfeift und es auch immer wieder erfreulich findet. Weil es nun einmal ein wirklich gutes Lied ist. Der Herr Korten hatte  nämlich einen Blogeintrag “What is it all about” betitelt, und ich habe ihm geschrieben, dass da doch Komma Alfie fehlt. “What’s it all about, Alfie”  kennt man wohl am ehesten in der Version von Dionne Warwick, es gibt aber auch eine von Burt Bacharach selbst. Unprätentiös und wunderbar vorgetragen, ein alter großer Mann am Klavier. Mit seinem Lieblingsstück.

Auf Youtube findet man natürlich -zig Versionen des Stücks.

Und sonst so

Vor dem Jahreswechsel sind noch Schulden abzuarbeiten, ich habe da noch ein paar offene Fragen herumliegen – diesmal u.a. von Pyrolim. Dann wollen wir mal:

Woher stammen Deine Blog-Ideen?

Ich sitze hier einfach herum und warte ab, dass etwas passiert. Da ist man natürlich etwas im Vorteil, wenn man Kinder hat, man wartet nicht besonders lange. Wenn aber wirklich nichts passiert, dann koche ich was.

Mandala

Wie viel Zeit verwendest Du auf einzelne Blogbeiträge?

Wenn es ein Text wird, der potentiell irgendwo vorgelesen werden könnte, lasse ich ihn immer erst eine Nacht liegen und schreibe ihn am nächsten Morgen noch einmal um. Nun lese ich natürlich gar nicht dauernd irgendwo Texte vor, ich mache das sogar eher sehr selten, das ist also nur ein rein theoretischer Anhaltspunkt – wenn es ein möglichst gut formulierter Text sein soll, braucht er immer mindestens eine Nacht. Oder auch zwei oder drei. Ich schreibe in Schleifen, der Text ändert sich bei jedem Durchgang und erst, wenn ich einmal heil durchkomme, ohne etwas zu ändern, ist der Text fertig. Und wenn ich ihn dann auch noch laut lesen kann, ohne weiteren Änderungsbedarf zu hören, dann geht er online. Und wenn er online ist, dann sehe ich sofort, was man noch alles sehr dringend ändern müsste. Deswegen gucke ich ältere Texte von mir nicht mehr an, das würde mich in den Wahnsinn treiben.

Die Einträge zum Kochen oder Backen dauernd manchmal auch ziemlich lange, da kommen die Aufnahmen dazu, die Bildbearbeitung, die Abstimmung mit der Herzdame oder den Söhnen, das Warten auf Licht usw. Und nicht jedes Essen gelingt sofort, manches wird einfach nichts und ich schreibe nicht über misslungene Gerichte.

Welches war Dein erfolgreichster Blogpost?

Die erfolgreichste Seite im Blog ist die über den “Rest von Hamburg”. Und, das ist wohl ganz typisch für das Schreiben in Blogs, mit dem Erfolg habe ich so nicht gerechnet, das war nur so eine kleine Spaßaktion, die dann überraschend groß wurde.

#hamburg

Wie wichtig findest Du Fotos in Blogposts?

Ich finde Fotos sehr wichtig, man kann jeden Beitrag dadurch interessanter machen, das scheitert allerdings oft an der Zeit. Bilder machen kostet Zeit, Bildbearbeitung kostet Zeit, das vernünftige Verschlagworten von Bildern kostet auch Zeit.

Voll fett

Wie oft kommentierst Du in anderen Blogs?

Mitteloft. Oder? Keine Ahnung.

Welches Buch liest Du gerade?

Ein Kamerahandbuch. Und die Lektüre artet allmählich in Arbeit aus. Schlimm.

Welches Land würdest Du gerne einmal besuchen und warum?

Irland. Da wollte ich immer schon einmal hin, das hat sich aber nie ergeben. Ich war dann mehrmals in Schottland, das war auch schön, aber die Sehnsucht galt eigentlich doch der anderen Insel. Vermutlich will ich da schon seit der Werbung mit der irischen Frühlingsbrise hin, das ist schon eine Weile her. Da badeten rothaarige Schönheiten in altmodischen Badewannen, die auf blühenden Wiesen am Meer herumstanden, das fand ich schön.

In welcher Zeit würdest Du gerne einmal für zwei Wochen leben?

Zwei Wochen Anfang der Siebziger im letzten Jahrhundert wären nett. Die habe ich zwar schon einmal erlebt, die wären mir aber aus Recherchegründen bei Familienthemen noch einmal wichtig, da müsste ich um den 17. Juni herum nochmal etwas genauer wissen. Wobei der 17. Juni dabei eine rein private Bedeutung hat, der war bei uns nur ein Feiertag, weil da Oma Geburtstag hatte.

Welche Musik hörst Du gerne?

Das müsste ich nachlesen. Und ich könnte es sogar nachlesen, da ich am Ende eines jeden Monats so eine Liste veröffentliche. Tatsächlich habe ich aber auch diese Listen noch niemals wieder nachgelesen. Vermutlich sind die auffälligsten Konstanten Element of Crime und Leonard Cohen.

Hast Du einen Lieblingsort?

Klar. Ist im nächsten Sommer auch wieder gebucht. Und der sieht übrigens etwas nach der irischen Frühlingsbrise aus, fällt mir gerade auf.

Westerhever

Likörchen

Auch zwischen den Jahren steht der Buddenpütz in seiner Hobbyküche und hat da schon einmal etwas vorbereitet. Nämlich das hier:

Baileys

Das sind 300 ml Whiskey (der sollte eigentlich irischer Herkunft sein, das ist der hier leider nicht, wie der Kenner sofort sieht, das macht aber nichts), 200 g Sahne, 1 große Dose gesüßte (!) Kondensmilch (so etwas zählt also neuerdings zur russischen Küche – nanu!), 1 EL Espressopulver, 1 EL Schokoladensirup.

Damit macht man folgende hochkomplizierte Prozedur: Man schüttet alles zusammen und mixt es kurz und energisch durch. Dabei kann man jüngeren Familienmitgliedern damit auf den Wecker gehen, von alten Zeiten zu schwadronieren, also von der eigenen Kindheit zum Beispiel, in der man Kondensmilch, die kennen die Söhne hier übrigens gar nicht, noch aus der Dose genuckelt hat, einfach so. Weil alle Erwachsenen, besonders die Großmütter, davon ausgingen, dass man davon irgendwann groß und stark werden würde. Das kam bei mir übrigens nicht ganz hin, Bärenmarke hin oder her.

Aber wenn man schon bei diesem schönen Thema ist, kann man nebenbei noch erwähnen, dass es damals auch regelmässig Zuckerei gab, also ein in ein Glas geschlagenes Ei, das mit ordentlich Zucker verquirlt und dann roh getrunken wurde, das galt ebenfalls als Stärkungsmittel. Aber Achtung, nicht jeder junge Zuhörer ist der Vorstellung süßen Glibbers gewachsen. Egal, wenn man schon dauernd älter wird, dann darf man auch von früher erzählen, das gehört dazu.

Hat man jedenfalls so viel erzählt, dass man endlich alleine in der Küche ist, kann man in aller Ruhe probieren, was man da gemixt hat – und versinkt schon wieder in Erinnerungen. Diesmal landet man aber nicht in der Kindheit, diesmal geht es in die Jugend. Man ist sechzehn Jahre alt, man ist Oberstufenschüler. Man hat lange Haare und Pickel, man hat einen Parka und rote Jeans an, hört Neue Deutsche Welle und hat eine Flasche von diesem Zeug unterm Arm, Baileys stand da drauf. Das war der Likör, den man damals umschwärmten Mädchen zu Partys mitgebracht hat, wenn man es ernst meinte. Weil es der Getränk gewordene Puddingtraum war, weil es so schmeckte, als könne es unmöglich irgendwie schädlich oder auch nur stark sein, weil es als äußerst seriöses Erwachsenengetränk beworben wurde, das hatte also Stil. Und weil die Flasche für Schüler irre teuer war, unerschwinglich geradezu und man damit ganz prima seine Wertschätzung gegenüber Angebeteten ausdrücken konnte. Jedenfalls solange man sich nicht dazu hinreißen ließ, über die vorhergehende Beschaffungskriminalität zu reden.

Man selbst trank dann aber auf den Partys doch lieber Bier, denn Likör, versteht sich, Likör ging gar nicht. Likör war genau so schlimm wie der stets mit dem Strohhalm getrunkene Katlenburger Erdbeersekt vom Aldi. Spätestens da hört man dann lieber auf, sich zu erinnern, da wird es dann doch zu schlimm, und Verdrängung ist manchmal auch ganz schön.

Als ausgewachsener Mann kann man natürlich mittlerweile offen zugeben, dass es mindestens zwei Likörsorten gibt, die tatsächlich schmecken, auf Eiscreme oder auch auch ohne. Die eine ist Irish Cream, also Baileys, die andere ist, da bin ich aber womöglich nicht mehrheitsfähig, Eierlikör. Zur zweiten Variante kommen wir womöglich später im nächsten Jahr noch, die erste folgte eben gerade wiederum einem Rezept von Yvette van Boven, diesmal aus ihrem Buch “Home Made Winter”, also aus der kälteoptimierten Fortsetzung von “Home Made”.

Home made winter

Faszinierend jedenfalls, dass diese Irish Cream ziemlich exakt wie das Original schmeckt. Nicht wie irgendein Verschnitt, nicht wie ein netter Versuch – das kommt auf den Punkt hin. Das kann man ganz hervorragend als Last-Minute-Geschenk zur Silvesterparty mitnehmen und auch heute noch einer umschwärmten Dame in die Hand drücken. Und es ist natürlich viel wirksamer, den Likör selber herzustellen, als einfach nur irgendwo eine Flasche zu kaufen. Man hat ja doch mit Liebe am Mixer gestanden! Bei der Herzdame hat bereits der erste Schluck erwartungsgemäß große Freude und einen ähnlichen Backflash wie bei mir ausgelöst, damit werden wir wohl nach und nach noch den ganzen Freundeskreis beglücken.

Baileys

Schnell noch ein Dank…

… an Herrn O.T., der die Jungs mit Musik versorgt hat und an die Leserin Nina, die das essentiell wichtigen Lego-Zubehörteil geschickt hat – ganz herzlichen Dank!

Übrigens das erste Weihnachtsfest, zu dem Sohn I dezidierte Musikwünsche hat – und sogar solche, mit denen man gut leben kann. Er lernt sehr leicht und schnell Texte und kann ruckzuck alles mitsingen, was mehr als einmal läuft, das ist manchmal etwas irritierend – etwa wenn er morgens aufwacht, aus dem Fenster sieht und lauthals in die Straße singt: “Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein.” Der Kenner weiß gleich, das ist von Peter Fox. Und natürlich ist die Aussage auf jede beliebige Großstadt übertragbar, kein Zweifel.

 

Und noch ein Update bei “Was machen die da”

Wir können ja auch anders, wir können auch außer der Reihe. Das letzte Update gab es erst letzten Dienstag, wie sind also eigentlich gar nicht dran – da erscheint heute aber dennoch ein neues Interview. Aus saisonalen Gründen mit genau diesem Timing.

Zum neuen Interview bitte hier entlang.

Und damit ist dann auch “Was machen die da” für dieses Jahr durch. Der erste Beitrag für 2015 ist aber schon in Arbeit.

Eine Weihnachtsmannfigur

Woanders – diesmal mit der Medienerziehung, einem Kulturblog, einer alten Dame und anderem

Schule:  Ein Vater mit reichlich Erfahrung über das Thema Schule und Internet und Computer und Medien. Ich habe mir daraufhin auch eine Folge LeFloid angesehen. Tja. Was soll man sagen. Da stochert man etwas ratlos in seinem Seniorenteller.

Gesellschaft: Sven scheitert an einem Artikel zu Pegida, das kann man verstehen. Durch und durch.  Er scheitert aber lesenswert. Siehe dazu auch Mel. Oder Sascha Lobo. Oder bei Jessy from the blog. Und man findet noch viel, viel mehr Texte. Weiter helfen sie einem alle nicht. Man landet dann irgendwann wieder bei Sven – und möchte das alles einfach nicht akzeptieren. Was aber natürlich auch nicht hilft. Zur Abkürzung Pegida selbst siehe übrigens bei Herrn Meinhold.

Gesellschaft: Eine alte Dame mit einem eingeschränkten Kommunikations-Set. Und fahrt vorsichtig!

Feuilleton: Ich war noch nie in Ulm, ich wüsste, wenn ich so darüber nachdenke, auch nur peinlich ungenau, wo das ist. Ich lese aber das Blog einer Buchhandlung aus Ulm, das wollte ich hier zwischendurch einmal empfehlen. Die Kulturbuchhandlung Jastram listet jeden Tag in unermüdlicher Fleißarbeit Dichtergeburtstage, gibt Buchtipps oder Hinweise zu Filmen, zitiert Lyrik, zeigt auch mal ein Musikvideo – das ist eine feine Sache. Kann man ruhig mal reinlesen.

Leben: Meike Winnemuth über den gasp of delight. Ich habe den jeden Morgen beim ersten Schluck Kaffee. Einer der schönsten Momente des Tages.

Leben: Ein persönlicher Jahresrückblick von Frau Larenzow.

 

Der Umgang mit dem ganzen Zauber

Sohn II glaubt noch an den Weihnachtsmann, Sohn I nicht mehr. Das stellt man sich schwierig vor, nicht wahr, wie kann das denn gutgehen, liegt da nicht Konfliktpotential? Die beiden reden doch dauernd miteinander? Muss der Zauber denn nicht auffliegen, den man rund um Weihnachten veranstaltet? Es geht aber gut, es geht sogar sehr gut. Weil sie beide ganz genau wissen, dass sie im Recht sind. Sohn II weiß es, weil es Geschenke gibt, das hat er selbst in den letzten Jahren gesehen, dass die plötzlich unterm Baum lagen, einfach so. Das ist eine unumstößliche Tatsache, die muss man nicht diskutieren. Außerdem ist der ganze Monat mit Bildern vom Weihnachtsmann dekoriert, die Erwachsenen reden dauernd von ihm – alles, wirklich alles belegt seine Existenz. Deswegen glaubt er sehr berechtigt, dass es den Weihnachtsmann gibt.

Sohn I dagegen meint zu wissen, dass es den Weihnachtsmann gar nicht geben kann. Denn, ist ja klar, das ist ein Märchen. Der wohnt am Nordpol und bringt Geschenke für alle, haha. Von Wichteln handgedrechseltes Spielzeug, hm? Nein, das kann ihm doch keiner erzählen. Die Welt ist kein Märchenland. Rentiere fliegen nicht, so nett es auch wäre. Alles, wirklich alles belegt die Nichtexistenz des Weihnachtsmanns. Deswegen glaubt er sehr berechtigt, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt.

Und weil beide wissen, dass sie zweifellos richtig liegen, lassen sie einander einfach in Ruhe. Soll der andere doch glauben, was er will, das kann noch so abwegig sein, das ist ja nicht ihr Problem. Brüder sind eben manchmal seltsam.

So wird hier der Familienfrieden gewahrt, weil die Söhne für sich und aus dem Stand heraus gerade die Toleranz in Glaubensfragen erfunden haben. Und wenn die Söhne so etwas mit fünf und sieben Jahren können – sollten es Erwachsene dann nicht auch hinbekommen? Na, war nur so ein Gedanke.

Ich wünsche eine wunderschöne Weihnachtswoche! Mit oder ohne Weihnachtsmann.

(Dieser Text erschien in etwas kürzerer Form als Sonntags-Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Das ist schon die letzte Ausgabe des Wirtschaftsteils in diesem Jahr, wir danken herzlich für die Aufmerksamkeit in den letzten Monaten! Es stehen Feiertage vor der Tür, der eine oder andere wird also deutlich mehr Zeit als sonst haben. Da verlinken wir natürlich gleich ein paar längere Stücke, das muss ja alles ein paar Tage länger halten.

Wir hatten in der letzten Woche schon das saisonal so überaus passende Thema der Herberge, da legen wir noch einen Link nach, und was für einen. “Warten auf Heimat” ist so ein Projekt, bei dem man merkt, was Onlinejournalismus kann, wenn man die Formate etwas mischt, wenn man Bild und Film und Text einsetzt – und handwerkliches Können natürlich. Da kann man sich ruhig etwas länger umsehen.

Ganz anderes Thema, aber auch eine sehr beachtliche Seite: Einundleipzig. Wobei – stimmt gar nicht, es geht ja auch um Heimat und Herberge, auch wenn hier alles im Kontext der Gentrifizierung steht.

Wer zu dem Thema Gentrifizierung eine etwas deutlichere Meinung und eine größere Dosis Provokation verträgt, der lese diesen Gastbeitrag des Kiezneurotikers im Landlebenblog.

Im Artikel wird, da haken wir kurz ein, eine seltsame Cola erwähnt – dazu noch mehr in der taz.

Und auch in anderen Blogs geht es um Themen, die hier interessieren können. Im folgenden Text etwa um Armut und Respekt und auch um Weihnachten und um eine Flötenspielerin.

Es liegt im Dezember natürlich in der Luft, etwas mehr zu moralisieren als sonst, man lese etwa auch hier von der Vision eines anderen Denkens.

Wer das noch grundsätzlicher durchdenken möchte, das mit der Moral, der nehme bitte das hier zur Kenntnis: Religionen sind ein Wohlstandsphänomen. Ein interessanter Gedanke, da kann man an den Feiertagen doch noch etwas daran herumspinnen. Was heißt das denn für die Wurzel unserer Wertmaßstäbe? Die Kommentatoren unter dem Artikel schlagen sich verbal schon einmal den Schädel ein, das hat man ja immer gern im Kontext der Religion.

Und für all die, es werden ja nicht wenige sein, die auch zu Weihnachten nicht zum Nachdenken kommen, die keine Ruhe finden, die nur im Laufrad rennen und sich am Alltag abarbeiten wie in einem unendlichen Bergwerk, haben wir hier noch einen Text in der brandeins über Sisyphos, einen Versuch über das Absurde. Auch das passt dann wohl für manche ganz gut zu Weihnachten.

Was noch? Ein Interview mit Raul Krauthausen. Wenn Sie ihn nicht kennen, wird es Zeit, das zu ändern, der Mann hat etwas zu sagen und was er über Geld in seinem Leben sagt, werden viele so nicht wissen.

Ein Text über die Kunst, sich gegenseitig etwas über das Leben zu erzählen. Hier kommen sich Menschen näher, die normalerweise in getrennten Gruppen unter sich bleiben. Integration fängt auch da an, wo sich zwei treffen und reden.

Und für die Radfahrerfraktion, nein, wir vergessen sie natürlich nicht, haben wir ganz zum Schluss noch etwas Erbauliches.

Der Wirtschaftsteil erscheint mit der nächsten Folge am 8. Januar, bis dahin erfolgt in Kürze das allgemeine Versinken im Feiertagsplüsch.

Machen Sie es gut, machen Sie es sich schön und seien Sie nett zueinander.

GLS Bank mit Sinn