Es war einmal

Theater, das kannten beide Söhne bisher noch gar nicht. Also abgesehen von irgendwelchen Kasperle-Aufführungen in der Kirchengemeinde oder so. Und abgesehen von dem, was sie selbst mal in der Kita einstudiert haben. Und natürlich abgesehen von den dadaistischen Stücken, die sie selbst im Kinderzimmer inszenieren. Stücke,  bei denen man dann als Erwachsener einen horrenden Eintritt zahlen muss und bei denen man so gut wie nichts geboten bekommt, was irgendwie Sinn ergäbe. Ähnlichkeiten mit dem modernen Regietheater sind dabei selbstverständlich rein zufällig, das kennen sie ja noch gar nicht. Aber richtiges Theater, mit rotem Vorhang, alten Stühlen und einem wirklich großen, halbdunklen Raum, sehr vielen Menschen und langsam ersterbendem Restlicht über den Rängen, während sich da ganz vorne anscheinend etwas tut, auf der Bühne… das war tatsächlich ganz neu und die beiden saßen kerzengerade und sehr gespannt in ihren Stühlen, während sich der Vorhang endlich hob.

Wir waren in Schmidts Tivoli, wo “Es war einmal” läuft, “7 Märchen auf einen Streich”, das klingt ja auch schon praktisch und anziehend für Eltern, da kann man sich im kommenden Winter gleich das Weihnachtsmärchen sparen, da hat man dann alles schon erledigt, auf Monate hinaus.

Für kleine Gäste liegen vor dem Theatersaal ausreichend Sitzerhöhungen bereit, so dass sie drinnen auch garantiert etwas sehen können. Das Theater hat Klappstühle wie im Kino, und wenn man einmal gesehen hat, wie hundert Kleinkinder auf Klappstühlen herumturnen, dann kann man sich vorstellen, dass man angesichts dieses Mobiliars fast gar kein Theaterstück mehr braucht, das ist schon toll genug. Man kann mit dem Stuhl hoch und runter, immer wieder, im Sitzen, im Stehen, im Hocken und wenn man sich quer in die Reihe legt und auch wenn man nach vorne turnt und wenn Papa da festhält und wenn Mama jetzt auch noch aufsteht und wenn man sich nur mit einer Pobacke hinsetzt oder wenn man den kleinen Bruder auf den Schoß nimmt oder wenn man Kopfstand macht, oder, oder, oder, der Mensch ist ein forschender Affe, man erkennt es hier überdeutlich. Und für die Eltern ist es natürlich entspannend zu erleben, dass die anderen Eltern ihre Kinder genau so vergeblich ermahnen, doch bitte normal zu sitzen. Normal, haha. Auf einem Klappstuhl.

Aber mitten im schönsten Turnen sagt eine Frauenstimme über Lautsprecher ein paar Regeln durch, die während der Vorstellung gelten sollen. Etwa dass die Kinder nicht auf die Bühne sollen, weil man bei einem Märchenstück schließlich nicht ahnen könne, wo der große böse Wolf gerade sei.  Das leuchtet ein und die Kinder sitzen schlagartig deutlich stiller, also abgesehen von Sohn II, der sofort auf die Bühne will, um nachzusehen, wo der große böse Wolf jetzt genau ist. Die Frauenstimme bittet noch darum, die Handys doch bitte auszuschalten, denn da während der Vorstellung Feen anwesend seien, müssten Inhaber klingelnder Handys damit rechnen, kurzerhand in Frösche verwandelt zu werden.  Sohn I fragt mich sichtlich besorgt, ob mein Handy wirklich, ganz wirklich ausgeschaltet sei und möchte es lieber selbst überprüfen, Sohn II fände es aber interessanter, das mit der Fee zu versuchen. Ich mache es dann doch lieber aus, mit Feen spaßt man nicht. Sohn I sieht erleichtert aus, Sohn II schüttelt unzufrieden den Kopf.

Das Stück geht los, ein Vater erzählt ein Märchen, bei dem er bereits nach dem ersten Absatz leicht durcheinander kommt und sich dann zügig und hoffnungslos immer weiter im Reich der Grimms verirrt, deren Märchen gerade 200 Jahre alt werden. Weswegen das tapfere Schneiderlein zur Abwechslung das Dornröschen retten geht, das allerdings versehentlich bereits vom großen bösen Wolf gefressen wurde. Der ist natürlich eigentlich für das Rotkäppchen zuständig, aber das hat leider bei den sieben Zwergen – oder war das doch die Stelle mit dem Froschkönig? Oder kam da vielleicht schon Rapunzel? Man kann die Handlung schlechterdings nicht rekapitulieren. Man erkennt natürlich immer die Hauptfiguren und alle wichtigen Versatzstücke, man weiß immer, wer gut und wer böse ist, aber wie sich das ineinander verhakt, verdreht und verknotet, das ist wirklich großartig gemacht, das muss den Autoren (Martin Lingnau und Heiko Wohlgemuth) einen Heidenspaß gemacht haben und das merkt man deutlich.  Es ist dabei übrigens vollkommen egal, ob ein Kind etwa nicht alle sieben der verflochtenen Märchen kennt oder die Handlung von einem oder zwei nicht parat hat, es macht wirklich nichts aus. Eine böse Fee ist immer eine böse Fee, egal aus welchem Handlungsstrang sie gerade herausspringt oder in welcher Ecke der Kulisse sie gerade wieder unter Flüchen verschwindet, das kennt man ja auch aus dem wahren Leben nicht anders, das ist in jedem Großraumbüro so. Ein Wolf hat immer ein Hunger- und oft auch ein Figurproblem durch die Fresserei, ein Held muss immer irgendwelche Aufgaben lösen, das ist alles eh klar, das versteht man auch mit drei Jahren schon. Und mit fünf versteht man dann eben ein paar Witze mehr, das ist vollkommen in Ordnung so, da ist für jedes Kind im Saal etwas dabei. Und wenn man Mutter oder Vater oder Opa oder Oma ist, dann versteht man eben noch mehr Witze, denn die Erwachsenen kommen bei diesem Stück nicht zu kurz, ganz im Gegenteil. Es sind nicht wenig Textstellen, die auf die Erwachsenen abzielen und so viel wie an diesem Nachmittag habe ich lange nicht mehr in einem Theater gelacht.

Es ist eine hohe Kunst, Kindertheater zu machen. Man denke nur einmal an die böse Fee, eine wirklich beeindruckende Figur in diesem Stück. Kostüm und Maske grandios bedrohlich, die Stimme dunkel und gefährlich, die Gestik raumgreifend und dämonisch. Und dann wird die Wirkung sehr schnell durch Text und Mimik so ins Komische gedreht, dass die leichte Panik, die die Kinder beim alleresten Anblick der eindeutig bösen Frau kurz haben, sich in diese genau richtige, perfekt wohlige, charmant-gruselige, fast schon lustvolle Angst verwandelt, die im Bauch kribbelt und einfach Spaß macht.  Viel, viel Spaß. Die Fee beschwert sich, dass die Kinder sie nicht ausbuhen, wenn sie auftritt, sie beugt sich von der Bühne weit ins bibbernde Publikum und murmelt “Ich rieche den Pups der Angst” und die beiden Söhne quieken vor bebender Freude, während die böse Fee durch den Gang zwischen den Sitzen an ihnen vorbeigeht.  So muss Kindertheater sein.

Alle paar Minuten wird gesungen und getanzt, quer durch die musikalischen Gattungen. Text und Musik sehr eingängig und mitreißend: “Eines Tages, ja das weiß ich, bin ich alt und über dreißig. Oh, die Krankheit ist gemein, die da heißt Erwachsensein.” Das singt auch die junge Mutter Mitte zwanzig in der Reihe vor mir noch froh mit. Die multikulturellen Zwerge rappen und Rapunzel ist drauf und dran, mit Rotkäppchen eine Girlgroup zu gründen, sogar die Kletterrosen vor Dornröschens Schloß singen, und die Musikstücke werden lässig und in loser Folge in das ohnehin schon bunte Treiben gestreut, so dass, wie in einem unaufgeräumten Kinderzimmer, alles einen ganz neuen Sinn ergibt und zu immer neuem Spiel reizt.

Nach dem Stück mit dem obligatorischen Happy End können sich die Kinder mit den Darstellen fotografieren lassen, so dass Sohn II dann doch noch dem Wolf auf den Arm springen konnte, man muss ihn sich dabei als glückliches Kind vorstellen. Sohn I, der es nicht so mit großen, bösen Wölfen hat,  sondern nur Schneewittchen kurz anschmachtet und dann die Flucht ergreift,  wartet währendessen lieber vor dem Haus, wo gerade eine junge Frau Gitarrenmusik auf dem Spielbudenplatz macht. Der Sohn lehnt an einer Laterne und sieht der Frau zu, wie sie ihr Instrument stimmt, er liebt Musik und er himmelt Musiker an. Als er mich sieht, zeigt er auf die Künstlerin, vielleicht aber auch auf die bunte Reeperbahn hinter ihr, und er sagt “Guck mal, Papa, das geht ja immer  noch weiter, das Theater.”

Und dann dauerte es bei den beiden sehr aufgeregten Söhnen tatsächlich noch ziemlich lange, bis am Abend endgültig der Vorhang fiel. Wenn Sie ein Kind verfügbar haben, gehen Sie ruhig einmal ins Theater.  Auch wenn Sie dann noch Wochen später beim Märchenvorlesen plötzlich an völlig unpassender Stelle lachen müssen, weil Ihnen etwas aus dem Stück wieder einfällt.

(Dieser Text erscheint als Kolumne “Kind und Kegel” in der Online-Ausgabe des Hamburg-Führers.)


 

hamburgfuehrer

 

Woanders – diesmal mit vielen Büchern und Musik und Tanz und am Ende denk ich immer nur an dich

Ein nettes Tumblr-Blog zur Buchkultur.

Und hier eines über Bücher und Kaffee.

Bookporn hatte ich neulich schon einmal verlinkt, aber vielleicht hat es ja jemand übersehen, hier lieber noch einmal.

Und hier noch einer nur über Bücherregale.

Bei der Wiesenraute geht es faszinierend schön um Zeiten. Nicht um die guten, alten, sondern um die in der Grammatik.

Alexandra über Freundschaften damals und Twitter heute. Und Tiere.

Die Herzdame lernt gerade, wie gestern bereits angesprochen,, den Swingtanz. Falls sich jemand darunter nichts vorstellen kann, sie möchte also so etwas hier. Ein mitreißendes Video, es inspiriert sogar mich. Nicht zum Tanzen, versteht sich, aber ich frage mich schon seit Tagen, ob ich nicht mal wieder Weste zum Hemd tragen sollte.

Die Swingbegeisterung hat übrigens bei der Herzdame einen Ursprung, den ich klar benennen kann. Das Internet ist schuldig, nämlich mit diesem spektakulären Video hier, damit fing alles an. Musik dieser Art läuft hier seither in Endlosschleife. Es hätte schlimmer kommen können, nehme ich an.

Das Gegenteil von Swing ist übrigens Sven Regener, um das musikgeschichtlich einmal kurz zusammenzufassen, und bei seiner Band Element of Crime war ich gerade mit der geschätzten Isa im Konzert. Wir leiden beide unter schwerer Eocitis, d.h. wir sondern zwanghaft und unentwegt EoC-Liedtextzitate ab. Den Tag vor dem Konzert haben wir praktisch nur damit verbracht, uns auf Facebook Liedzeilen zuzuchatten. Eocitis kann zu wirklich schweren Anfällen führen, es überkommt einen plötzlich und funktioniert dann auch ohne jeden Zusammenhang, wirklich schlimm. Ich will mehr für dich sein als eine Schleusenbekanntschaft. Angenehm ist jedenfalls, dass man bei Gesprächen mit anderen Patienten plötzlich ohne erkennbaren Zusammenhang aufstehen und “Romantik!” brüllen darf. Sie nicken dann nur lächelnd und verstehen. So schön. Ein Salat darf nie mit Nudeln sein. Und falls jemand die Anspielung in der Überschrift nicht verstanden hat: Das erklärt sich hier.

Vor Element of Crime spielte die mir bis dahin unbekannte Maike Rosa Vogel. Die läuft hier jetzt öfter und zu ihr würde ich auch gerne noch einmal gehen. Für fünf Minuten oder auch deutlich länger. Auch schön: Ich bin ein Hippie.

Das beste Essen der letzten sieben Tage wurde serviert, und zwar von Freunden, und zwar in einem Garten, und zwar vom Grill. Denn die ersten drei, vier Male ist Grillen immer noch toll, bevor man dann ab Mitte Juni endgültig keine Würstchen, Steaks und riesigen Bauchfleischfladen mehr sehen kann. Also ich jedenfalls. Aber das erste Grillen im Jahr, doch, das hat was.

Ehrlich, ganz ehrlich

Die Herzdame geht jetzt zum Swingtanzen. Natürlich ohne mich, denn ich habe Rücken. Und wenn ich nicht Rücken hätte, hätte ich etwas anders, denn ich weiß ganz gut, wie gefährlich der Tanzsport für Beziehungen ist. Nämlich brandgefährlich, ich habe da langjährige Erfahrungen mit mehreren Frauen sammeln müssen. Pardon, sammeln dürfen wollte ich natürlich sagen. Also sucht sich die Herzdame jetzt einen anderen Tanzpartner, bisher leider vergeblich.

Und sie wundert sich, dass sie keinen findet. Die anderen Männer können nämlich alle nicht tanzen. Sie können nicht führen und nicht drehen, sagt sie. Sie haben keinen Rhythmus, sie haben keine Hüfte. Quasi wie ich. Es ist ein Elend. Sie sitzt zuhause und jammert über die Männerwelt. Und da habe ich ihr einen aufrichtigen, herzensguten und grundehrlichen Hinweis gegeben, denn Ehrlichkeit ist wahnsinnig wichtig in Beziehungen. Wer Beziehungen führen möchte, der sollte unbedingt ehrlich sein. Das hört man immer wieder, nicht wahr? Und aus Gründen, die wir hier nicht näher erörtern wollen, wird die Ehrlichkeit eher dem Mann abverlangt, wie ein Blick in jede beliebige Sammlung von Kontaktanzeigen beweist. Wenn man als Mann eine Frau kennenlernt, dann kann man schlecht sagen: „Ach ja, Ehrlichkeit. Weißt Du, ich neige ja eigentlich mehr zu Notlügen, Ausflüchten und Charme.“ Das kommt nicht gut an, das mögen die Damen nicht, mit der Haltung kann man auch gleich solo bleiben.

Ich habe mit der Herzdame über die immer wieder versagenden Tanzpartner gesprochen und nur gesagt: „Das könnte ja auch an dir liegen, Schatz.“ Und nach diesem Satz habe ich zwei Sachen gelernt. Erstens, das mit der Ehrlichkeit in Beziehungen wird stark überschätzt. Zweitens, der Tanzsport ist selbst dann gefährlich für Beziehungen, wenn man gar nicht mitmacht.

(Dieser Text erschien als Sonntagskolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

Hinweis zur Lesung heute

Wegen Krankheit fällt Pia Ziefle heute leider aus, sie wird aber dankenswerter Weise durch die wunderbare Katrin Seddig vertreten. Und wenn man Katrin Seddig zuhören kann, dann sollte man das auch tun. Ich hab da Erfahrung.

 

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

3D-Druck, der kommt hier öfter vor. Ist das eigentlich eine grüne Technologie,ist das ein sinnvoller Gedanke? Hier ein paar Antworten dazu, die vielleicht gar nicht so naheliegend sind (englischer Text).

Und gleich der erste Kommentator unter dem oben verlinkten Text erwähnt die unfassbar großen Plastikmüllstrudel im Ozean, die man womöglich auch als Rohstoffquelle betrachten kann, wie er schreibt, obwohl das Wort roh dann vielleicht doch falsch ist. Aber egal, diese schwimmenden Plastikmüllfelder sind übrigens mittlerweile so groß geworden, dass sie gerade zum Staat ausgerufen wurden.

Man denkt bei diesen schwimmenden Müllgebilden gerne Richtung Atlantik oder Pazifik, aber natürlich sind auch Nord- und Ostsee voller Müll.  Wer einmal die Basstölpel gesehen hat, die auf Helgoland in Plastiknetzschnipseln verrecken, vergisst den Anblick so leicht nicht mehr. Hier im Norden gibt es ein Projekt mit Fischern, die mit Schleppnetzen (böse, böse!) Müll fischen fahren (fein, fein!). Und schon geht wieder alles durcheinander, getreu dem Motto unserer Zeit: “Es ist kompliziert.” Und schwierig bleibt es ganz sicher auch.

Kritik am wirtschaftlichen Dogma des Wachstums kommt hier ebenfalls öfter vor, diesmal fanden wir eine lesenswerte Kolumne im englischen Guardian, in der es um das Wachstum des Konsums und das Wachstum der Bevölkerung geht und um die Frage, ob wir uns eigentlich überhaupt noch die richtigen Fragen stellen.

Wir wachsen jedenfalls, der Konsum wächst, die Menschheit wächst, alles wird größer, üppiger, zahlreicher, fetter. Wie außerordentlich sinnig, dass es jetzt auch Fettkraftwerke gibt.  Energie durch Überfluss, so etwas schafft ja Raum für ganz neuen Parolen. Eine wirklich fette Leistung!

Und was kommt wohl dabei heraus, wenn sehr viele deutsche Experten sehr lange und sehr gründlich über Wachstum nachdenken? Nicht viel. Aber es lohnt sich dennoch, das hier beim Deutschlandradio einmal nachzulesen.

Experten können auch ganz bescheiden ausfallen, mit einem klaren, nüchternen Blick auf die Ergebnisse ihrer Arbeit, mit einer geradezu fernöstlich anmutenden Ruhe und Bescheidenheit angesichts ihres geringen Einflusses – und wenn man sich als Stadtplaner um Megacitys kümmert, dann muss man wohl auch so sein.

Noch eine kleine Runde Wirtschaftswissen für alle, in mundgerechten Happen – wie geht eigentlich eine Spekulationsblase?

In fast jedem Link geht es hier heute um Wachstum, da wollen wir irgendetwas auch kleiner werden lassen, und sei es aus Prinzip. Heute schrumpfen wir einfach Windräder.

Zum Schluss der Architekturlink der Woche, wieder zum Innenausbau. Einfach eine Treppe. Aber eine, die wir in der Kindheit alle gerne gehabt hätten, nicht wahr.

GLS Bank mit Sinn

Frühkindliche Förderung

In der letzten Ausgabe von “Woanders” habe ich einen Text zur frühkindlichen Förderung verlinkt und das Nuf hat das Thema hier grandios aufgegriffen. Wie man bei ihr auch in den Kommentaren erkennen kann, stößt das Thema anscheinend auf breites Interesse. Verschiedentlich liest man dabei zum Thema eine Haltung, die auch ich vertrete, nämlich einfach immer alle Kinderfragen zu beantworten, in welcher Richtung die auch anfallen mögen. Die Söhne dürfen sich für alles interessieren, was ihnen einfällt, wir mühen uns dann nach Kräften, ihnen das Wissen zu vermitteln, nach dem sie gerade verlangen. Sei es nun technisch, aus der Natur, aus der Geschichte, aus den Religionen, aus der Biologie, aus der Physik, weiß der Kuckuck. Technische Fragen interessieren mich selbst nicht einmal ansatzweise, aber danach geht es nicht. Die Kinder müssen nicht die gleichen Interessen haben, wie ich, die dürfen sich selbstverständlich auch für Bagger oder Fußball oder für sonst etwas interessieren. Mal fällt es uns leicht, ihre Fragen zu beantworten, mal fällt es uns überhaupt nicht leicht. Mal doziert man so vor sich hin, mal macht man etwas vor, mal macht man mit ihnen etwas gemeinsam, mal staunt man nur noch, weil man auch nichts weiß. Mal kommt man ins Schlingern, weil man nicht recht einschätzen kann, was man alles zumuten kann, etwa zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs, zur Krankheit AIDS, zum Hunger in der Welt, zur Armut in der Stadt. Ich weiche keinen Fragen aus, ich versuche aber, sie altersgerecht zu beantworten, das ist nicht immer einfach. Mal weiß ein Kind auch offensichtlich mehr als wir, weil in der Kita ein Thema spannend genug  präsentiert wurde. Mit altägyptischen Gottheiten zum Beispiel würde Sohn I jedes Quizspiel gegen mich gewinnen, es soll mir recht sein. Er kann auch mehr Spanisch als ich, aber nicht etwa, weil er da großartig Förderunterricht hätte, sondern weil eine Erzieherin aus Venezuela da spielerisch genug mit umgeht und mit den Kindern gemeinsam zählt und dergleichen, das geht dann ziemlich schnell. Sohn I kann jetzt viersprachig bis zehn zählen, Deutsch, Plattdeutsch, Englisch, Spanisch. An Portugiesisch und Finnisch bastelt er gerade, wobei er aber zurecht annimmt, dass Finnisch irgendwie nicht ernst gemeint sein kann. Das ist alles einfach Spaß und keine besondere Leistung und kein Mensch zieht am Kind irgendwie herum. Auf diese Art kommen die Kinder aber verblüffend weit. Einfach so.

Und wenn sich die Kinder mal für gar nichts interessieren und einen Tag schlecht gelaunt in die Gegend gucken wollen, dann dürfen sie das hier auch. Damit haben viele Eltern verblüffende Schwierigkeiten, das auszuhalten, das macht mich immer wahnsinnig, all die Kinder, die in jeder wachen Minute beschäftigt sein müssen und nicht in Ruhe schlecht drauf sein dürfen. Spiel doch was! Lies doch was! Soll ich mit dir spielen? Geht es dir nicht gut? Geh doch raus! Geh doch rein! Mach was! Soll ich was mit dir machen? Das verdient noch einmal einen eigenen Blogeintrag, diese Unsitte unserer Zeit, Kinder dauernd zu beschäftigen, was für ein Unfug. Wir mühen uns da eher, Inseln der Langeweile herzustellen.  Ich glaube, es war Jesper Juul, der in einem Interview die heute notwendige “Fadisierung des Alltags” erwähnte, das fand ich sehr hübsch. Was machen wir heute? Nichts.

Ich bringe die Söhne morgens zur Kita, die Söhne nutzen die Gelegenheit und haben da ein paar Fragen, vor allem Sohn I. Ob man etwa bei der Baustelle da vorne, wo die Rohre verlegt werden,  auch Knochen finden könnte, von so Königen, wie da neulich in England? Wie hieß der noch einmal? Richard III., sage ich, ganz souveräner Vater mit erheblichem Bildungsvorsprung. Von diesem ausgegrabenen König hatten die Söhne auf meinem Notebook vor ein paar Wochen ein Bild auf einer Nachrichtenseite gesehen und dann auch noch ein Filmchen und das fanden sie natürlich sehr spannend. Ein richtiger König! Ein richtiger König unter einem Parkplatz! Wie irre ist das denn. Und der erste und der zweite Richard, die waren dann sein Vater und sein Opa, oder wie? Äh. Und wer kam dann nach ihm, wie hieß sein Sohn? Oder hatte der keinen? Wer kam denn dann nach ihm? Eine Prunzessin? Die Söhne sprechen Prinzessin mit u aus, immer schon, beide. Der Prinz, aber die Prunzessin. Und woran starb der König, vom dem man  das Skelett gefunden hat, war das im Krieg? Weiß man das? Und woher weiß man das? Schwert? Pfeil? Lanze? Hatten die schon Gewehre? Und gegen wen war der, der Krieg? Und wer war denn damals hier gerade König? Und wo liegt der jetzt? Nicht unter einem Parkplatz, was? Gab es hier überhaupt einmal Könige? Jetzt aber nicht mehr, oder? Warum nicht? Und in England? Da immer noch? Warum? Ist das noch die Familie von damals? Oh, sage ich und nun ja, und die Reste meiner Allgemeinbildung scheppern hohl in meinem Kopf.  Das war damals doch bei Richard irgendwas mit den Rosenkriegen, dämmert mir schwach, aber hat die irgendwer jemals verstanden, also abgesehen von Shakespeare? Und wieso eigentlich Rosen? Und welches Jahrhundert war das, und wer gegen wen?

Ich bringe die Söhne zur Kita, gehe zurück an meinen Schreibtisch und lese die Rosenkriege in der Wikipedia nach, die Tudors, die Yorks, irgendwas mit Lancaster und Richard III. Und dann noch Plantagenet, noch so ein Name bei dem irgendwas dumpf klingelt im Kopf, aber ohne nennenswerte Resonanz. Ach guck, und dann kamen schon die Stuarts. Ich lese diverse Königsgeschlechter nach, das ist im Grunde ganz interessant, das hat man alles schon einmal gehört. Wenn man erst einmal angefangen hat – da fallen einem dauernd so Versatzstücke ein, die man aus Büchern, sogar Jugendbüchern und Filmen und Theaterstücken kennt, von Robin Hood über Schillers Maria Stuart bis hin zu dem König, der seine Frauen alle umbrachte, Sie wissen schon, der Dings. War es nicht irgendein Heinrich? Und wann war der nun wieder?  Faszinierend. Auf mich wartet eigentlich Arbeit, aber die Geschichte der britischen Thronfolge hält mich noch eine Weile auf und dann muss ich ja auch noch nachsehen, wer hier zu der Zeit König war. Oder Kaiser, oder was weiß ich. Viel, so viel steht immerhin fest, viel weiß ich offensichtlich nicht. Es war übrigens ein Habsburger, falls das interessiert, Friedrich III. Auch interessant, die Habsburger, aber dafür reicht die Zeit nun wirklich nicht mehr, die waren ja auch erschreckend ergiebig. Ich bin noch vor dem zweiten Kaffee, aber schon tief im 15. Jahrhundert, diese Kinderfragen machen einen definitiv nicht dümmer.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Doch, ich finde es ganz in Ordnung, so früh am Tag von meinen Kindern gefördert zu werden.

Woanders – diesmal mit dem Latte-Faktor, Diogenes, Playmobil und anderem

Frau Novemberregen über den Latte-Faktor.

Andreas Wolf über sein Studium.

Das Nuf findet Playmobil toll. Wir natürlich auch alle.

Sebastian Baumer geht auf ein Festival und “beobachtet aus erster Hand”.

Eine Handvoll Thesen zur Zukunft der Buchbranche. Ich glaube, ich würde keinem einzigen Punkt vehement widersprechen wollen.

In der Zeit ein Artikel über Philipp Keel, den Chef vom Diogenes Verlag. Das Wort Ebook kommt nur in einem Satz vor und Amazon möchte er nicht beim Namen nennen. Na, wenn’s hilft.

Ein frisches Urteil, das alle Eltern interessieren müsste, deren Kinder Zugang zum Internet haben. Also hoffentlich alle.

In der Zeit ein Artikel mit Kritik an frühkindlicher Förderung.

Thierry Chervel über den Spiegel mit ein paar wirklich großartigen Sätzen. “Die eigentliche Struktur der Öffentlichkeit ist heute das Internet.” So sieht es aus.

Das beste Essen der letzten sieben Tage war ein Eintopf mit Fisch, nach irgendeindem Rezept aus einem dieser kleinen Tim-Mälzer-Heftchen, das ich jetzt leider nicht wiederfinde. Auch nicht nach ziemlich langer Suche, es ist wirklich äußerst merkwürdig. Aber dieses Fischgericht war wirklich super, das sollten Sie auch einmal machen. Es ist, wie gesagt, in einem dieser Heftchen. Ich glaube, es war portugiesisch. Also das Essen, nicht das Heftchen.

 

Terminerinnerung

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Schon nächste Woche Donnerstag! Mit der umwerfenden Pia Ziefle, extra eingeflogen aus dem tiefsten Süden der Republik, mit dem grandiosen Bov Bjerg aus der unvorstellbaren Kulturmetropole Berlin, mit dem einmaligen Stevan Paul, den man zum Backen, Braten und Dichten verwenden kann!

Moderiert durch La Bogdan und mich, ein Abend von geradezu rasender Charmanz erwartet sie. Fraglos.

Wir sehen uns.

 

Bookporn

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Ich bin seit Jahren Mitglied bei der Büchergilde Gutenberg, und das mit solcher Begeisterung, dass ich hier auch einmal ein wenig unbezahlte Werbung für sie machen kann. Die Büchergilde Gutenberg ist eine Buchgemeinschaft, leider ein Wort, bei dem schon viele kreischend weglaufen. Allerdings ist es eine verdienstvolle, besondere Gemeinschaft, die sich seit Jahrzehnten um das Buch verdient macht, die regelmässig Bücher herausbringt, die viel schöner sind als die Originalausgaben. Zahllose Preise hat die Büchergilde damit gewonnen und wenn man die Bücher in die Hand nimmt, dann versteht man das sofort.

Handwerkskunst, Druckkunst, Illustrationen der Meisterklasse, Typographie vom Feinsten, all das, was in vielen großen und sehr großen Verlagen so gar keine Rolle mehr spielt – und bei Ebooks natürlich schon gar nicht. Man kann die Geschichte der Büchergilde hier bei der Wikipedia ein wenig nachlesen, eine wirklich interessante Firma.

Ich habe, wie verschiedentlich früher erwähnt, rein gar nichts gegen Ebooks, ich konsumiere sie mit Spaß und in Mengen, aber je mehr ich davon lese, desto mehr Freude habe ich auch wieder an gut und fein ausgestatten Büchern, an antiquarischen Büchern, an schönen Büchern. Das schließt sich nicht aus, das passt alles sehr gut zusammen, der Zauberberg liest sich als Ebook auf dem Handy und auf dem iPad gut und schnell und komfortabel, aber es ist auch schön, die Erstausgabe in der Hand zu haben, die schon zehn Vorbesitzer hatte. Wobei ich schon glaube, dass es bei Ebooks in naher Zukunft durch die audiovisuellen Möglichkeiten auch zu ganz neuen Buchkunstwerken kommen wird, da geht noch sehr, sehr viel.

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Raymond Chandler, zu dem muss man wohl nichts sagen, der dürfte allgemein bekannt sein. Und wer nur ein Buch von ihm gelesen hat, der wird womöglich den Großen Schlaf gelesen haben, The big sleep, das vermutlich bekannteste Werk von ihm. Bei der Büchergilde in der Überetzung von Gunar Ortlepp, illustriert von Thomas Müller, gestaltet von Cosima Schneider.

Das klappt man vorne auf und fragt sich, woher man dieses Silberpapier kennt, das hat man doch schon einmal irgendwo gesehen, irgendwie gefühlt? Oder auch schon tausendmal? Aber ja doch. Das Vorsatzblatt ist nämlich genau aus dem Silberpapier, das man aus Zigarettenschachteln kennt. Was für eine schöne Idee, ein Buch mit einem kettenrauchenden Philip Marlowe so beginnen zu lassen, ganz wunderbar.

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Und so durchdacht geht es weiter, die Schrift hat ein paar gewollte Fehler, die Illustrationen wurden mit ein paar Tricks kompliziert so gestaltet, als wären sie ein wenig speckig, die Vorder- und Rückseiten der Bilder ergeben einen Raum, geprägter Leinendruck, Fadenheftung, Lesebändchen… so etwas macht dann schon viel Spaß und liest sich auch ganz anders als eine normale, eher lieblose TB-Ausgabe.

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Gute alte Buchkunst eben. Doch, das hat was. Gucken Sie mal. Ist das nicht schön?

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Und apropos Bookporn – kennen Sie das hier?

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wir hatten die Internetwährung Bitcoins schon einmal erwähnt, das ist auch so ein Thema, das ziemlich sicher nicht mehr weggeht. Es gab in den letzten Tagen etliche Artikel dazu in Wirtschaftszeitungen, aber hier gibt es in einem Blog eine angenehm kurze und sehr lesbare Erklärung zur Währung, da wirkt man beim nächsten Smalltalk doch gleich viel kompetenter.

Dass ein deutsches Arbeitsgericht einen Arbeitgeber und einen Arbeitnehmer zum Würfeln verurteilt hat, das haben alle mitbekommen? Dann ist es ja gut.

Bio & Regio, das hört man immer öfter zusammen und fast gleichlautend. Auf Utopia findet man gerade ein wenig Aufklärung zum Begriff “regional” bei Lebensmitteln und zu den Komplikationen, die sich dabei ergeben. Zur Abwechslung sind auch die Bildstrecken im Artikel interessant. Und wenn man sich bezüglich der Regionalität schlau gemacht hat, dann kann man gleich noch bei den Begriffen etwas weitermachen und über Fair Trade nachdenken, etwa hier bei Foreign Affairs, wo das Fair-Trade-Konzept allerdings scharf angegriffen wird (englischer Text). Mal sehen, ob wir dazu in Kürze einen Text mit  etwas anderer Position finden – Hinweise nehmen wir übrigens immer gerne entgegen.

Und wenn Fair-Trade vielleicht gar nicht richtig ist, was ist es denn dann? Darüber denken auch andere nach, nicht nur Sie. In dieser Linksammlung finden sich immer wieder Texte zur Frage, was denn nun richtig ist, was falsch ist und woran man das denn erkennen kann und was man daraus ableiten soll – in dieser Woche fragt sich das z.B. Isabel Bogdan, mit einem übrigens glanzvollen Schlusssatz zum Begriff des Gutmenschen. Und hier gibt es bei ihr auch gleich noch eine Fortsetzung zum Thema, und weitere Artikel zum Thema sind in Planung, wie gut informierte Quellen berichten. Also ich zum Beispiel.

Und gute Menschen, um das noch kurz anzuschließen, arbeiten womöglich künftig weniger, weil tatsächlich einiges dafür spricht, mit weniger Arbeitszeit auszukommen. Allerdings denken das schlechte Menschen vermutlich auch – irgendwas ist immer.  Bestimmt nicht weniger arbeiten übrigens die Textilarbeiterinnen in Bangladesch, auch wenn die großen Modekonzerne gerade sehr gerne ein wenig an ihrem Image drehen möchten und ziemlich viel Text zum Thema absondern.

Noch einmal kurz zurück zu den Begriffen, Kai Biermann analysiert hier das überaus niedliche Wort “Steuersünder”.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Thema, bei dem viele Menschen reflexartig und nahezu bedingungslos zustimmen möchten. Dieser provokante Disclaimer hier kann zwanglos dazu benutzt werden, die Sattelfestigkeit der eigenen Argumentationssicherheit zu prüfen.  Aber Achtung, der Link führt zu Heise und wie immer gilt dort: Nur nervlich sehr stabile Menschen mit heiterem Naturell, Gemütsbernhardiner und routinemäßig Sedierte dürfen dort einen Blick in die Kommentare werfen.

In Tallinn sind jetzt die öffentlichen Verkehrsmittel für die Einwohner der Stadt kostenlos. Das lässt doch hoffen, wer weiß, vielleicht ziehen die ersten deutschen Städte schon in hundert Jahren nach!

Gleich noch eine gute Nachricht hinterher, wenn wir schon in Jubelstimmung sind, ein Neunzehnjähriger macht etwas gegen den Müll im Meer. Unbedingt auch den eingebetteten Film ansehen. Das ist wirklich toll und macht gute Laune.

Zum Thema Frauenquote eine interessante Meldung von Daimler, wo die Alphamännchen tatsächlich auf die Barrikaden zu gehen scheinen. Die Geschichte greift einem wirklich ans Herz. Kleiner Scherz.

Und in der letzten Woche hatten wir einen Link zur Armut in Frankreich, da wollen wir nicht unfair sein und jetzt auch einmal nach Großbritannien sehen.

Ganz zum Schluss in dieser Woche einmal nicht zur Architektur, sondern zum Design und zur Windkraft. Mit einem wirklich bezaubernden Film über windgesteuerte Roboter. Das hat etwas von Science-Fiction und Phantasy, das ist seltsam und anrührend und überhaupt ganz wunderbar. In den Kommentaren steht die schöne Formulierung “inventing for the sake of inventing stuff”, das trifft es sehr schön. Und wenn Sie der Film in spielerische Stimmung bringt, dann werfen Sie doch eben noch einen Blick auf den hier verlinkten Kinderfilm, der inhaltlich wirklich faszinierend dicht an dem Film über den Erfinder der Windroboter dran ist. Und dann husch, husch, ab in den Hobbykeller und etwas zusammenschrauben. Die Welt braucht auch zweckfreie Zonen. Wer weiß, was daraus entsteht.

GLS Bank mit Sinn

 

 

Südlich von hier

Wilhelmsburg ist einer der Stadtteile in unserer Nähe, einer im Süden, ein aus vielen Gründen etwas spezieller Stadtteil. Vielen wird zuerst einfallen, dass er auf der falschen Elbseite liegt, dabei ist das gar nicht richtig, denn Wilhelmsburg liegt genau in der Elbe, auf einer Insel. Damals die Sturmflut, bekannt aus dem Fernsehen, die Geschichte mit Schmidt, das war Wilhemsburg. Wilhelmsburg ist nicht schick, Wilhelmsburg ist sozial nicht unproblematisch, aber Wilhelmsburg ist verdammt innenstadtnah und ein paar Altbauten stehen auch herum, da weiß man also gleich, was dem Stadtteil droht, da braucht es gar nicht viel Phantasie, wir haben das hier in Sankt Georg ja vorgelebt und kennen uns aus.

Ich habe heute einen Bericht in einem kleinen Hamburger Magazin gefunden, über eine Veranstaltung der Hamburger Handelskammer, in der es um die Entwicklung des Stadtteils geht. Gentrifizierung sei keine Gefahr, heißt es da, sondern eine Chance. Und dann kommt dieses grandiose Zitat zur glorreich gentrifizierten Zukunft der Elbinsel von einem Vertreter der Handelskammer, das mir schon den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf geht:

„Die Zusammensetzung der Bevölkerung wird höherwertiger sein, als die Segmente, die sich in der bisherigen Bevölkerungsstruktur abgebildet haben.“

Ist das nicht grandios? Ist das nicht von kaum zu begreifender Deutlichkeit und Klarheit? Muss man nicht noch dankbar sein, dass es “Segmente” und nicht “Sedimente” heißt? Und warum läuft hier schon den ganzen Tag die alte Platte von Degenhardt?

Fragen über Fragen.

 

Kurz und klein

Mein MacBook ist abholbereit, aber ich lasse es wegen des ersten Geburtstages meines Söhnchens noch einen Tag warten. Fakire bewundern mich.
@GebbiGibson
Gebbi Gibson
Ich: "Wessen Pfannkuchen schmecken besser? Mamas oder meine?"Sohn, 7: "Kommt darauf an!"Ich: "Worauf?"Er: "Wer von Euch beiden fragt!"
@Schlachtzeile
Schlachtzeile
Was fehlt: eine Taskforce, die unbegabten Blockflötenkindern die Strebereltern wegnimmt.
@FrauZiefle
Pia Ziefle
Sohn stößt sich den Kopf, es klingt nach Schädelhirntrauma: kein Wort. Die Socke sitzt schief: AUA AUA AUA! Auf dem Weg zum Manne.
@Larenzow
Madame de Larenzow
Diskussion über bewussten Konsum. Kommentar Junior:"Solltest Lehrerin werden. 5' mit dir in einem Raum & man hat ein schlechtes Gewissen"
@hevosia
hevosia
Der schnöseligste Vater aus Tochters Klasse hat grad beim Bäcker die Bild gekauft, höhö. Dachte wohl, ich hätt’s nicht gemerkt.
@kinderdok
Kinderdok
Jungs entdecken meine alte Olivetti. "Und der Hebel ist Enter, oder?"
@meersuppe
Sebastian Dickhaut
"Ich mache jetzt das Licht aus. Für dich ändert sich nichts. Dein Telefon ist ja beleuchtet." So einfühlsam das Kind.
@dasnuf
Patricia Cammarata
"Dieses Jahr will ich aber ne Schnitzeljagd mit echten Schnitzeln - nicht mit doofen Rätseln wie letztes Jahr." #geburtstagsplaene
@dasnuf
Patricia Cammarata
Kind (5) singt "Im Märzen der Bauer die Rößlein entspannt ..." Manche Sachen möchte man sich lieber nicht vorstellen.
@tinakaul
Kristina Kaul
Mann hat gekocht. "WARUM fotografierst du das Essen nicht? Ist es nicht gut genug?" Ergänzung Kind 2.0 "Und du willst ne Bloggerin sein?"
@dasnuf
Patricia Cammarata
Wenn ich sehr müde bin, trete ich einfach barfuß auf einen Legostein.
@meterhochzwei
quadratmeter
Schaukel geölt. Nachbarn wollen mir einen Orden verleihen, als Dank.
@svensonsan
Sven Dietrich
Zeigt ihr euren Kindern eigentlich manchmal euren Twitter-Account und sagt dann "Das wird später alles mal Dir gehören."?
@HausOhneFenster
Haus Ohne Fenster
Künftig sollen alle Gymnasiasten einen Eid ablegen, dass sie später keinen deutschen Indiepop machen.
@zirkuspony
Zimta Lumière
"Ich hab Papa und dich lieb. Aber mich muss ich am liebsten haben. Ihr sterbt ja vor mir. Sonst hab ich dann keinen mehr."
@alles_b
alles b.
Hach, Büro. Der Chef schreit mich an. Wenn er mir jetzt noch ein bisschen auf die Schulter sabbert, fühle ich mich ganz wie zu Hause <3
@GebbiGibson
Gebbi Gibson
„Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie einen Kitagutschein bekommen!“ Ja, HALLO?! Sollte das nicht selbstverständlich sein?!
@_frischebrise
Frische Brise
Wenn mein Kind nicht skatet, gibt es kein Taschengeld.
@bangpowwww
Ada Blitzkrieg
Eigentlich will ich nur Kinder, damit ich ihnen immer vorwerfen kann, dass sie mein Leben ruiniert haben.
@FrauSnob
Schwarze Witwe
Dass man als Mutter spätestens nach 6 Jahren wieder dieses Schuldings an der Backe hat drucken sie ja auch nicht auf die Kondome.
@frau_brecht
Barbara
Du musst Dich entscheiden, ob Du Hausfrau und Mutter mit Job oder berufstätig mit Kindern bist. Das ist ein Unterschied, leider.
@Larenzow
Madame de Larenzow
Bauernregel am Morgen: Kotzt ein Kind spät in der Nacht, wirst Du um den Schlaf gebracht.
@Buddenbohm
Max. Buddenbohm