Aug
Der gute Klick
Na? Sitzen Sie vielleicht gerade trüben Blicks vor dem Bildschirm, klicken sich lustlos durch die Weiten des Internets und haben moralisch nichts zu bieten? Da habe ich was für Sie.
Gucken Sie mal bitte hier (oder hier ein NDR-Bericht zu dem Fall), machen Sie mit und lassen sich typisieren, das geht vollkommen entspannt per Post von Zuhause aus – und zack, hat das Leben wieder Sinn und alles wird gut. Wenn das kein Angebot ist.
Aug
Demnächst
Wir nähern uns dem September, einem Monat, der für die Söhne eine grundlegende Änderung darstellen wird. Sohn II kommt in die Krippe und Sohn I verläßt diese, er wird in den normalen Kindergartenbereich für Dreijährige befördert, auch Elementar-Bereich genannt. Weil Kleinkinder aber noch nicht so genau zuhören und daher manches falsch verstehen, insbesondere Fremdwörter, gehen Sohn I und seine Kameraden allerdings davon aus, daß sie in den Militär-Bereich des Kindergartens wechseln müssen. Sie haben zwar keine genaue Vorstellung davon, was ein Militär-Bereich eigentlich ist, aber an den Reaktionen der Erwachsenen, denen sie aufgeregt davon erzählen, merken sie doch, daß es ein sehr spezieller Bereich sein muß. Sie sehen dem September daher mit etwas gemischten Gefühlen entgegen.
Natürlich werden wir das Mißverständnis zur rechten Zeit aufklären. Aber erst, wenn wir das mit dem aufgeräumten Spind, dem Stillstehen und der superpünktlichen Nachtruhe gründlich durchexerziert haben. Auch Kinder sollten sich auf einen Wechsel der Lebenssituation gut vorbereiten können.
Aug
Übrigens
“Kunden, die Bücher von Maximilian Buddenbohm bestellt haben, bestellten
auch: “Barock zum Bügeln.”
Früher bewahrten einen guten Freunde vor ungerechtfertigten Höhenflügen,
heute tun das Onlineshops. Auch recht.
Aug
Summer in the city
Aug
Lokalpatriotismus
Im Alter von etwa drei Jahren beginnen Kinder zu erfassen, was an ihrer Heimat das Besondere ist. Sie bekommen mit, was die Erwachsenen wieder und wieder loben, sie verstehen, daß es Touristen gibt, die sich etwas ansehen wollen, sie sehen auf Postkarten an den Kiosken immer wieder die gleichen Motive. Sohn I spricht ganz bewußt nicht von Alster oder Elbe, er spricht von unserer Alster und unserer Elbe. Das Rathaus, Hagenbecks Tierpark, der Fernsehturm, der Hauptbahnhof, das ist alles Hamburg, das ist alles toll, und irgendwie ist es alles auch seins. Erstaunlich aber, daß so kleine Kinder auch schon einen Sinn für Symbolik haben.
Sonntagnachmittag, es regnet in Hamburg, was in diesem Sommer als einigermaßen originell durchgehen kann. Sohn I lehnt sich weit aus dem Kinderzimmerfenster, er ruft mich aufgeregt zu sich und zeigt auf das nahe Dach des Atlantic-Hotels: „Papa, guck mal, guck mal, die Hamburgfahne im Regen – ist das schön!“
Aug
Wochenende
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online.
Aug
Hausapotheke
Sohn II zahnt. Ein zahnendes Kind ist in aller Regel kein sehr lustiges Kind, und zum Bedauern aller anderen Familienmitglieder ist es meist auch kein leises Kind. So ein Zahn wächst vor sich hin, auch nachts um drei, auch morgens um vier, auch um fünf und so weiter. Das Kind quakt und jammert, es heult und wimmert, es gibt alle nur denkbaren Varianten von Geräusch von sich, nichts davon möchte man gerne hören. Man kann einem zahnenden Kind gekühlte Beißringe geben, die etwa zwei Minuten wirken, man kann es herumtragen und bekaspern, bis man selbst fast ohnmächtig umfällt und delirierend Kinderliedrefrains von sich gibt, man kann –zig verschiedene Sorten wirkungsloser Salben auf das Zahnfleisch auftragen, vorausgesetzt man kriegt überhaupt einen Finger in den wütend verzogenen Babymund, man kann es Veilchenwurzel benagen lassen oder mit Bernsteinkettchen behängen – aber nichts bringt wirklich Erleichterung, wenn man nicht gerade mit den schweren Geschoßen der schmerzstillenden Mittel anfangen möchte, und wer würde das wollen, die braucht man ja noch für ernstere Fälle. Nichts bringt dem Kind Erleichterung – außer einer kleinen, gerne verlachten Heilmethode aus der esoterischen Ecke.
Es ist vier Uhr dreißig, Sohn II wird wach und weint. „Globuli“ sage ich zur Herzdame, „schnell, die Globuli.“ Die Herzdame reicht mir im Halbschlaf die Dose, ich schütte mir ein paar in die Handfläche. Eine Überdosis ist wissenschaftlich gesehen bei homöopathischen Medikamenten ausgeschlossen, mit Nachzählen halte ich mich daher gar nicht erst auf. Ich mache ein wenig Licht an, setze Sohn II auf den Fußboden und verstreue die Globuli großzügig um ihn herum. Er sieht mich freudig überrascht an und fängt dann sehr engagiert an, mit seinen kleinen Fingern, die das präzise Greifen immer noch üben müssen, nach und nach jede einzelne dieser winzigen Kugeln vom Laminat und aus den Teppichfransen zu puhlen. Das ist gar nicht einfach und er braucht dafür lange, eine volle Dosis kann schon einmal eine halbe Stunde oder sogar vierzig Minuten verbrauchen. Eine lange Zeit, in der er vor lauter Konzentration seine Zahnschmerzen vergißt, so sehr ist er mit Feuereifer auf der Jagd nach den Zuckerperlen. Kostbare Zeit, in der alle anderen Familienmitglieder schlafen können. Die meisten Perlen fallen dem Kleinen wieder runter, wenn er sie zwischendurch zum Mund führen will, nach einer Weile kleben sie ihm an allen möglichen Körperteilen, im Kind landen dabei die wenigsten oder gar keine, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Das Kind ist beschäftigt, still und vergnügt. Um den Zahnungsschmerz kümmert es sich erst viel später wieder.
Für uns ist klar: Homöopathie wirkt.
Aug
Hinweis für Nordfrieslandreisende
Apropos Schafbilder. Wir haben uns an der Nordsee belehren lassen, daß die Schafe an der Nordsee in freier Wildbahn am Deich begattet werden, im Gegensatz zu all den anderen Nutztieren, bei denen das ausschließlich im Stall geschieht. Der Widder trägt dabei ein Geschirr, mit dem er das besprungene Schaf sozusagen stempelt, so daß die Hirten erkennen können, welches schon an der Reihe war und welches nicht. Wenn Sie also an der Nordsee einmal hören, daß jemand Stempeln geht, fragen Sie, um Irritationen zu vermeiden, besser nach, ob es sich um einen vollbeschäftigten Widder oder um einen arbeitslosen Menschen handelt.
Aug
Neu auf dem Nachttisch
Es gibt viele Methoden, das nächste Buch auszuwählen. Man kann einem Autoren treu bleiben, einem Land, einer Epoche, man kann bewußt wild durch die Kulturgeschichte wechseln, man kann sich seinen Stimmungen hingeben und seltsamen Assoziationen. Man kann aber auch einfach das lesen, was das zahnende Baby gerade vorgibt.
Klingt seltsam, ist aber einfach so: Wenn man ein zahnendes Baby im Dauerheulmodus durch die Wohnung trägt, bis es endlich, endlich einmal einschläft, dann bewegt man sich, sobald seine Augen sich geschlossen haben, in den ersten fragilen zwanzig Minuten des Kinderschlafs tunlichst überhaupt nicht mehr, oder doch nur ganz, ganz wenig. Mit ein wenig Glück ist irgendein Buch im Radius eines Armes oder Beines, das sich mit der Spitze des ausgestreckten Zeigefingers oder des großen Zehs angeln läßt. Dem Baby flackern die Lider, während man sich lang und länger macht, da liest man eben, was gerade erreichbar ist und verzichtet auf die weitere Suche und unnötige Bewegungen.
Michail Bulgakov: Arztgeschichten. Aus dem Russischen von Thomas Reschke. Das Buch beginnt so:
„Wer noch nie im Pferdewagen öde Feldwege entlanggezockelt ist, dem brauche ich nichts darüber zu erzählen, er begreift es doch nicht. Wer es aber schon erlebt hat, den möchte ich nicht daran erinnern. Kurz und gut: Für die vierzig Werst, die die Kreisstadt Gratschowka vom Krankenhaus in Murjewo trennen, brauchten der Fuhrmann und ich genau vierundzwanzig Stunden. „
Jul
Wochenende
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.
Jul
Am Nebentisch
Wir saßen beim Portugiesen und frühstückten, als sich ein junger Mann an den Nebentisch setzte. Gutaussehend, gepflegt gekleidet, ein wenig zu förmlich für einen entspannten Sonnabendmorgen vielleicht. Cordsakko, Weste darunter, Oberhemd, Krawatte. Er holte eine Bibel im abgegriffenen Ledereinband aus seiner Tasche und legte sie auf den Tisch, daneben legte er einen ziemlich großen Taschenrechner. Blätterte ein wenig in der Bibel, tippte dann ein paar Zahlen. Bestellte sich einen Milchkaffee, riß das Zuckerpäckchen auf und schüttete den Inhalt sinnend auf die Milchschaumkuppel über dem Kaffee. Beobachtete mit grübelndem Blick, wie der Zucker langsam einsank und unterging, er hatte jetzt die Augen weit aufgerissen und sah seltsam leidend aus, als würde er mit jedem Zuckerkrümel eine verlorenen Seele in einen höllischen Abgrund verschwinden sehen, unwiederbringlich. Er legte die Fingerspitzen zusammen, vielleicht im Gebet, vielleicht nur konzentriert. Na, dachte ich, wenn der mal nicht soeben den Bibelcode geknackt hat und dabei den Weltuntergang errechnet hat. Zumindest guckt er so. Und wenn das hier eine Filmanfangssequenz wäre, dann würde man jetzt garantiert Musik hören, in der man irgendwie gregorianische Gesänge verwurstet hätte und es würde ein ziemlich unheimlicher Film werden.
„Das Ende ist nah“, sagte ich im Verschwörertonfall flüsternd zur Herzdame, die den Scherz aber leider nicht verstehen konnte, weil sie mit dem Rücken zu dem Priester – oder was immer er war – saß. Nein, sagt die Herzdame energisch und leicht gereizt, das Ende sei nicht nah und ich möge doch bitte mit der ewigen Hektik aufhören, sie müsse jetzt erst noch ihren Kaffee in Ruhe austrinken und überhaupt würde ich ihr auf die Nerven gehen und zwar schwer, schon dieses geschwollene Deutsch immer, es sei manchmal wirklich nicht einfach mit mir.
Nun ja. Das Leben ist kein Mystery Thriller.
Jul
Abends
Sohn I kann nicht einschlafen. Das ist auch kein Wunder, denn im Urlaub war er abends immer länger und noch länger auf, und nun soll er plötzlich wieder früh ins Bett, nur weil der Kindergarten wieder anfängt, wie soll das auch gehen. Er liegt im Bett und guckt ratlos an die Decke. Dann sagt er, er müsse noch etwas lesen und holt sich einen riesigen Stapel Bücher ins Bett. Er fängt an zu blättern. Ich gehe an meinen Schreibtisch, das Kind ist jetzt wohl alt genug, um mit der Situation allein zurechtzukommen. Er ruft mir nach und bittet mich, die Tür zu schließen, er möchte von seinen Eltern nicht dauernd beim Lesen gestört werden. Ich denke kurz an all die Kinder, die zum Einschlafen eine offene Tür mit Licht im Flur brauchen und frage mich, was bei uns eigentlich anders ist. Sohn II krabbelt währenddessen an mir vorbei, er kann auch nicht schlafen und hat seinen Platz im Elternbett verlassen, um sich etwas Besseres zu suchen. ”Na”, sage ich, “soll ich dir vielleicht noch eine Milch geben?” Er beachtet mich nicht und krabbelt weiter, zum Kinderzimmer. Richtet sich an der Tür auf und hämmert dagegen. Von innen hört man Schritte, dann geht die Tür einen Spalt auf, der große Bruder guckt nach, was da los ist. Er sieht Sohn II an der Tür lehnen, streckt ihm eine Hand entgegen und sagt: “Na, dann komm rein, mein Kleiner.” Die Tür wird wieder geschlossen. Die Herzdame und ich schleichen uns auf Zehenspitzen an und lauschen dem Gemurmel, das schwach zu hören ist. Eindeutig: Sohn I liest Sohn II vor. Durchs Schlüsselloch kann man erahnen, wie die beiden zusammen in einem Bett sitzen. Natürlich kann Sohn I noch gar nicht lesen, aber er zählt einfach alles auf, was er sich bei unserem Vorlesen gemerkt hat, und das ist eine ganze Menge. Genug jedenfalls, um ein Baby ziemlich lange vollzutexten.
Dieser Eintrag hat keine Pointe, er ist nur ein freundlicher Hinweis am Rande, für all die Eltern, die bisher nur ein Kind haben und noch überlegen. Sollten Sie allerdings bereits drei Kinder haben und ähnliche Idyllen für diese Variante schildern können – erzählen Sie es uns besser nicht.
Jul
Westerhever
Jul
Jul
Wochenende
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.









