Suppe. Gute Suppe.

Sie werden es vermutlich bereits aus den Augenwinkeln bemerkt haben, es herbstelt heran. Das eine oder andere verfärbte Blatt, gemästete Kreuzspinnen vor abendlich beleuchteten Schaufenstern, Laternen kann man auch schon kaufen, wer würde die Zeichen nicht erkennen. Und vor den Geschäften stehen auch schon wieder die Körbe mit Kürbissen, da erinnert man sich doch gleich an die Versuppung des Hokkaidos im letzten Jahr, die war doch immer so schön, war sie nicht?

Und ob sie das war. Und weil wir ja in der Küche experimentierfreudig bleiben, gab es heute “indianische Kürbissuppe”, gekocht denkbar simpel nach diesem Rezept hier. Und dabei stellt sich raus: Das kann man sehr gut so machen, überraschend gut sogar, ganz erstaunlich gut. Theoretisch müsste das durch die Süße des Ahornsirups auch Kindern schmecken, wenn die beiden renitenten Banausen hier probieren würden, sie würden es sicher merken. Über dieses “wenn” kommen wir allerdings heute wohl nicht mehr hinüber, man kann nicht immer gewinnen. Aber egal, die Suppe ist natürlich auch für Erwachsene empfehlenswert.

Im Bild hier dennoch eine Kinderschale, gut sichtbar das Einschlagloch des Sirups. Um diese Stelle herum schmeckt der Herbst in diesem Jahr besonders gut.
Indianische Kürbissuppe

Woanders – diesmal mit viel Schule und etwas Rest

Ich hatte am Anfang des Jahres bereits gewarnt, dass der Schulcontent hier zunehmen könnte, das tritt jetzt auch ein. Denn nicht nur ich, auch erhebliche Teile meiner Timelines haben jetzt Kinder im schulpflichtigen Alter, das wird uns also eine Weile umtreiben. Die Links sind jeweils mit “Schule” gekennzeichnet, das kann man also auch leicht ignorieren, wenn es nicht interessiert.

Schule: Allenthalben um mich herum wird diskutiert, ob Grundschulkinder alleine zur Schule gehen können oder nicht. Hier ein paar passende Bilder zur Diskussion. Ist alles relativ, ne.

Bei Journelle geht es auch um Schulwege: Wege gehen.

Schule: Bei “Mama arbeitet” gibt es das “Schulheftekaufbingo.”  Wir habe schon ankreuzen können.

Schule: Ein Interview mit einer Neunjährigen zur Inklusion.

Schule: Eine sehr erhellende Einführung in die Geometrie. Und verblüffend kurz ist sie auch noch.

Erziehung: Das Nuf sehr lesenswert über Genderfragen beim Shopping.

Erziehung: Bei Cloudette dazu noch ein passendes Klassenbild.

Eltern: Wie man als Mutter von Zwillingen angesprochen wird.

Panorama: Bei Herrn Larbig gibt es kleine Geschichten von großartigen Menschen

Irgendwasmitmedien: Ein wunderbarer Text zum Twitterstreik neulich, den Sie sicher alle bemerkt haben, so etwas ist ja hinderlicher als ein Streik der Müllabfuhr. Haha.

 

Gelesen, vorgelesen, gesehen, gespielt und gehört im August

Gelesen

Geradezu erschreckend wenig zum Lesen gekommen. Die angeknabberten Reste aus den Vormonaten weggelesen und immer weiter im Safranski und im Friedell, das hatten wir schon in den Vormonaten, dazu also nichts mehr. Sonst:

Karen Duve: Keine Ahnung. Ein Band mit Erzählungen. Harte Erzählungen, lakonisch erzählt. Kalt und schnell und gut. Sehr gut für Tage mit schlechtem Wetter. Hier war, als ich es las, aber noch allerbestes Wetter, das war ein wenig schade. “Keine Ahnung “ war übrigens ihr erstes Buch.

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Joseph Zoderer: Der Himmel über Meran – Erzählungen.  Das habe ich gelesen, weil ich im nächsten Sommer nach Meran möchte, die Planung daran ist gerade in Arbeit. Das sind bittere Geschichten in zurückhaltender Sprache, eindringlich und vereinnahmend, wie etwas zu kaltes Herbstwetter, das einen im dünnen Übergangsjäckchen erwischt. Verlorene Heimat, sterbende Eltern, Abschiede, das ist thematisch schon weit im November. Einiges gelernt über die Option in Südtirol, das wusste ich alles nicht.

Dimitri Verhulst: Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau. Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten. Ein alter Mann beschliesst, Demenz vorzutäuschen, um seiner Frau zu entkommen.  Das wird, wie bei Verhulst nicht anders zu erwarten, einigermaßen drastisch erzählt, da geht es körperlich zur Sache, das kann bei ihm auch nicht anders sein. Ebenso wie der schnodderige Tonfall nicht anders sein kann, das gehört so. Ich bin im letzten Drittel und habe immer noch nicht verstanden, warum die Hauptfigur die Dame des Hauses nicht einfach verlassen hat, das wäre etwas einfacher gewesen. Hm.

Now reading

Vorgelesen

Ulrich Hub: Füchse lügen nicht. Mit Bildern von Heike Drelow. Da hat Sohn II so lange gedrängelt, bis ich doch angefangen habe, daraus vorzulesen, eigentlich ist es noch gar nichts für ihn (ab acht Jahren empfohlen). Aber gerade das ist natürlich reizvoll und so habe ich mit dem Text begonnen, in dem Tiere in der unterkühlten und nur spärlich möblierten Animal Lounge eines Flughafens sitzen und auf Flugzeuge warten, die nicht kommen. Das wird erst einmal nicht erklärt, das muss man so hinnehmen. Die Tiere führen herrlich absurde Dialoge, hochbegabte Schafe reden im Chor, die Gans sucht dauernd ihren Pass, ein psychotischer Affe wirft Tabletten ein, die Situation wird immer rätselhafter. Man bekommt es nicht heraus, was das soll, es wird keine Lösung nach drei Seiten gereicht. Ein Hund erscheint, der verkündet, dass alle Flüge gestrichen sind, dann taucht auch noch ein Fuchs auf, der laut Vorwort nicht lügt, niemals…

Das ist eine ganz neue Leseerfahrung für Sohn II, eine Geschichte, die nicht erläutert wird, in der alles spannend bleibt, irgendwie lustig ist, völlig rätselhaft, versponnen und absurd. Irgendwie verunsichernd, wenn man aus der sehr klaren Kinderbuchwelt der Kleineren kommt, aber auch verlockend. Ich bin ganz begeistert, er ist sehr, sehr neugierig und wir lesen also weiter. Ein guter Übergang zu neuen literarischen Welten, denn bei einem Siebenjährigen geht natürlich allmählich mehr.

Gesehen

Nichts. Macht nichts. Wobei – vielleicht fällt das abendliche Betrachten meiner Instagram-Timeline in diese Kategorie, ein Ritual, das die Jungs beide sehr schätzen. Und das zu interessanten Diskussionen führt. Warum machen all diese Leute genau diese Bilder? Warum findet man überhaupt ein Bild schön, interessant, lustig oder einfach doof? Und wo ist das alles? Hier wird Instagram zum Erdkunde- und Sach- und Ästhetikunterricht, wir gucken fremde Dinge, Wohnungen, Städte, Länder, Landschaften. Und debattieren, ob wir ein Herzchen vergeben oder nicht und wer das machen darf. Wir sehen Bilder fremder Mahlzeiten und planen dabei das Essen der kommenden Tage, wir sehen fremde Kinderzimmer, Spielplätze und Strände und fragen uns, was gut ist, was Spaß macht, was wie gehört im Leben. Zwischendurch sind wir uns auf Anhieb einig, das ist immer toll. Die Bilder vom Burning Man Festival – grandioses Zeug. Das ist Kunst, aber schön, wie Sohn I sagte.

Ich finde, anhand von Instagram kann man hervorragend Gespräche mit Kindern führen. Nur dass sie dauernd Katzenbilder liken, das ist mir etwas peinlich, immerhin tun sie das in meinem Account. Schlimm.

Gespielt

Crazy Hedgy. Das ist ein Jump-and-Run-Spiel. Offiziell wird es ab 9 empfohlen, ich fand es für einen Sechsjährigen auch in Ordnung. Da steuert man einen Igel durch 3-D-Landschaften, die verblüffend gut gemacht sind. Der Igel rollt durch die Gegend, sammelt Juwelen und verprügelt Pilztypen, man wundert sich bei solchen Spielen ja inhaltlich über gar nichts. Gesteuert wird das am iPad durch Bewegungen des Gerätes. Das geht sehr gut, sehr glatt und flott, ist nicht buggy und macht tatsächlich Spaß. Es gibt 35 Level – das reicht dann auch eine Weile. Hier bei iTunes.

Gehört

Den ganzen Monat einigermaßen ratlos herumgesucht und nicht sehr oft fündig geworden. Nett fand ich z.B. dieses Stück von Koop.

Ansonsten bin ich musikalisch völlig planlos, das kommt ja mal vor im Leben.

 

 

Woanders – der Wirtschaftsteil

Während wir wir noch ganz oft über bio und regio und vegetarisch und vegan nachdenken, ist die Vorhut schon längst weiter und ernährt sich paleo. Paleo unterscheidet sich selbstverständlich grundlegend von allen anderen Richtungen, aber da es eben eine Richtung ist, teilen die Anhänger doch eines mit denen aller anderen Richtungen: Nervtötende Besserwisserei. Paelo hört man immer öfter, das Thema ist längst in Frauenzeitschriften, Kochmagazinen und Foodblogs angekommen, das geht wohl auch so schnell nicht wieder weg. Da geht es kurz gesagt darum, sich wie Jäger und Sammler zu ernähren. In der National Geographic gibt es einen langen, wirklich langen (und englischen) Text mit eingebetteten Filmen dazu. “The evolution of diet”, wer hat wann was und warum und mit welchen Folgen gegessen. Das lohnt sich zu lesen – und das Thema ist so kompliziert, dass sich jeder aus dem Text irgendwo die passenden Argumente heraussuchen kann, um das zu rechtfertigen, worauf er beim Lesen womöglich gerade herumkaut. Passt schon. Wir lassen unten mal zwei, drei Links weg, dann hat man auch genug Zeit für diesen Text, er erhellt nämlich so einiges.

Und irgendwie ist es doch auch amüsant, dass es beim neuesten Trend um die älteste Moden geht. Und was für ein irrer Zufall, dass wir auch beim nächsten Link zum Thema Finanzierung ganz alt und ganz neu kombinieren können.

Wir haben noch einen längeren Text. Aber das ist der vermutlich spannendste Wirtschaftsartikel der letzten Tage, der ist aufregend, faszinierend, unheimlich, den sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen. Es geht ganz banal um Sand.

Dann legen wir noch etwas bei der letzten Woche an, da ging es u.a. um die Preise für Biolebensmittel. Dazu hier ein Interview mit dem Chef von Alnatura. Und noch einen Link können wir anlegen: In der letzten Woche ging es auch um Energiespeicherung unter Ausnutzung der Schwerkraft, in dieser Woche machen wir damit Licht. Immerhin 25 Minuten lang.

Wir haben heute gleich mehrere längere Texte, manchmal reichen aber ganz kurze Artikel, um nachdenklich zu werden, um die Idee im Kopf etwas weiter zu spinnen. Etwa bei der Frage, was der Medienwandel eigentlich mit Bankgeschäften zu tun hat. Ach guck.

Wir haben oben schon den Begriff “Paleo” für einen Ernährungstrend eingeführt, noch etwas informierter kann man sich im Smalltalk zu Ernährungsthemen beim mittäglichen Kantinengang vermutlich mit dem Hauptbegriff aus dem folgenden Artikel geben. Einfach mal die Kollegin oder den Kollegen mit dem Salatteller auf “orthodiätische Askese” ansprechen.

Etwas ganz anderes, hier geht es um einen Traum, eine Vision: Bessere Flüchtlingspolitik. Fast schon satirereif direkt daneben ein anderer Artikel im gleichen Medium: Bayern nimmt keine Flüchtlinge mehr auf. In diesem Zusammenhang wollen wir die sympathische Kleinstadt Meßstetten loben – und zwar nachdrücklich. Im folgenden Artikel geht es zwar nicht um Flüchtlinge, er passt aber dennoch ganz gut dahinter. Es geht um den Missbrauch von Sozialleistungen durch EU-Bürger, die nach Deutschland ziehen. Oder sagen wir besser, es geht um den Nichtmissbrauch.

Zum Ende der allgemeinen Hauptreisesaison schließlich werfen wir noch einen Blick auf den Tourismus und die Folgen, etwa auf den Malediven. Etwas Ernüchterung kann man ja gewiss vertragen, wenn das Berufsleben überall wieder beginnt.

GLS Bank mit Sinn

Motivation

Wissen Sie noch, wie Motivation geht? Wie es ist, wenn man etwas mit richiger Begeisterung macht, mit Lust? Wie es ist, wenn man morgens aus dem Bett springt, weil man sich so dermaßen auf etwas freut, auf ein Vorhaben, auf eine Arbeit, auf irgendwas? Man hat dauernd Phasen, in denen man das ganz vergisst, weil man vom Alltag überrollt wird, vom Mittelmaß, vom Na-Muss-Ja. Die Tage spulen sich gleichförmig ab, man macht hier und da so mit, man geht ins Bett, man steht auf, Wochen vergehen, Jahreszeiten wechseln, der Wecker klingelt schon wieder, man wendet sich mit Grauen ab. Oder einfach mit Langeweile. Ab und zu erinnert man sich dunkel an andere Zustände. Motiviert geht anders.

Es ist mitten in der Nacht, es ist halb vier. Das ist eine äußerst unerfreuliche Uhrzeit, die man lieber nicht auf der Digitalanzeige sehen möchte, selbst hartnäckige Frühaufsteher wie ich möchten das nicht. Ich wache auf, weil Sohn I durch die Wohnung stromert und gegen Wände rennt, ich gehe also lieber einmal nachsehen. Da schlurft ein sehr zerzauster Sohn über den Flur Richtung Toilette, er trägt seinen Wecker, den er sich zum Schulanfang gewünscht hat, unterm Arm und tastet nach dem Lichtschalter.

Ich: “Du trägst deinen Wecker spazieren, wenn du auf Toilette gehst?”

Sohn I: “Ja, er könnte doch jetzt gerade klingeln. Und dann könnte ich zur Schule gehen.”

Und er guckt hoffnungsvoll auf das Ziffernblatt, ob die Zeiger sich immer noch nicht passend zurechtgeschoben haben, dass er endlich wieder in seine Klasse kann.

So geht Motivation. Und es ist ganz nett, sich das ab und zu wieder klarzumachen.

 

Und noch ein Dank…

… und zwar an Thomas, der den Söhnen zu den Geburtstagen sowohl Grisu als auch Elliott, das Schmunzelmonster geschickt hat. Ich freue mich ganz besonders auf Elliott, das habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Herzlichen Dank!

Woanders – diesmal mit Hamburg, Wilhelmsburg, Norddeutschland und anderem

Hamburg: Im Comic mit der schönsten Stadt der Welt geht es um die Frage aller Fragen.

Hamburg: Willkommenskultur in Wilhelmsburg.

Nord: Frau Wiesenraute wandert am Grünen Band entlang, das könnte mir auch gefallen. Aber man kommt ja zu nix und liest so etwas immer nur in Blogs. Schlimm.

Gesundheit: Hier hat jemand ein wenig Rückenschmerzen, to say the least. (Alter Schwede! So etwas möchte man nicht.)

Gesundheit:  Seelische Gesundheit sollte man auch nicht unterschätzen.  Man beachte in diesem Text hier die Klassifikation der Probleme beim Ballspiel.

Mein schönstes Ferienerlebnis: Anke Gröner war bei der ESA.

Feuilleton: Pia Ziefle über ihr neues Buch, dass Sie alle bitte kaufen, eh klar.

Irgendwasmitmedien: Die Zeit über Mindstylemagazine.

Fotos: Reverse Nude Portraits. Nicht die Modelle – der Fotograf ist nackt. Ich bin ganz hingerissen von der Idee. Via Whudat.

Fotos: Eine Frau porträtiert sich in verschiedenen Familiensituationen mit wechselnden Männern und Kindern. Via Kwerfeldein.

Wir cooken slow

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Ich kam erst nach diesem Sponsored Post für Pearl neulich darauf, dass man den da getesteten Multifunktionskocher von Rosenstein & Söhne auch als Slowcooker nehmen kann, und das habe ich dann noch ausprobiert. Von Slowcooking habe ich immer nur gehört, aber ich habe so etwas noch nie gemacht. Immer mutig voran, das gilt natürlich auch in der Küche.

Wobei ich nicht die allerleiseste Ahnung habe, ob man “richtiges” Slowccoking womöglich nur mit den dafür vorgesehenen Geräten so nennen kann? Wenn ich es korrekt verstanden habe, kommt es aber hauptsächlich auf die Temperatur und den Deckel an, dann geht das also auch in anderen Geräten. Widerspruch gerne in die Kommentare, ich habe es tatsächlich nicht ganz verstanden, das ist wieder so eine Wissenschaft für sich. Es ist aber auch völlig egal, der Multifunktionskocher hat eine Slowcookingmenütaste, mehr muss ich ja erst einmal nicht wissen. Ich glaube einfach der Taste, man glaubt ja im Grunde bei jedem Gerät den Tasten, das passt schon.

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Dann habe ich nach passenden Rezepten gesucht. Es gibt ganz eindeutig eine Tendenz zu fleischhaltigen Gerichten beim Slowcooking, wie auch eine nicht zu übersehende Tendenz zu Gerichten mit reichlich Zutaten. Da man Garzeiten bis zu acht Stunden in Kauf nimmt, um besondere Aromen und zartes Fleisch zu kreieren, ist das völlig nachvollziehbar, aber so überhaupt nicht meine Kochwelt. Ich gehöre zu den Leuten, die unter ständigem Zeitdruck kochen, gerne nur mit 5 Zutaten, gerne in der Bratpfanne, gerne unter 30 Minuten. Rezepte mit ellenlangen Zutatenlisten machen mich leicht nervös, aber darüber kann man sich ja auch einmal hinwegsetzen, sonst kommt man nie zu neuen Erfahrungen. Erst meditativ zig Gewürzdöschen sortieren, dann ein paar Stunden auf das Ergebnis des Köchelmarathons warten, wenn das nicht nach Entschleunigung klingt? Nach Muße, Genuß und ungeahnten Küchenfreuden? Nun ja.

Ich habe mich dann für dieses Rezept entschieden, Chicken Tikka von Foodfreak. Indisches Essen hat neulich bei den Söhnen so verblüffend gut funktioniert, am Ende kann man so etwas auch mal eben zu Hause herstellen und sich ungeahnte Verdienste um den Familienfrieden erwerben? Ich habe mich wegen der Kinder bei der Schärfe etwas zurückgehalten, ansonsten aber sehr rezeptgenau Löffelchen um Löffelchen Gewürz abgezählt, auch wenn ich irgendwann das Gefühl hatte, ich hätte gleich meinen Gewürzschrank in den Topf kippen können. Dann habe ich alles verrührt, in das Gerät gefüllt – und mich wieder hingelegt. Denn wenn diese Kochmethode einen Vorteil hat, dann ja wohl den, dass man nicht dauernd irgendwas machen muss. Man muss tatsächlich gar nichts machen, man darf sogar gar nichts machen, das Gerät geht zwischendurch ja nicht einmal auf. Man kann nur allmählich zur Kenntnis nehmen, dass die Küche anfängt interessant zu duften, das ist wirklich fein. Also sagen wir, es ist etwa eine Stunde lang fein. Dann bekommt man von dem Geruch unmenschlich Hunger, weswegen man auch eine Warnung vor dem Slowcooking aussprechen muss. Es führt nämlich dazu, dass man während der Zubereitung einer eher komplexen, ausgefeilten Mahlzeit vor lauter Appetit allmählich alles aus dem Kühlschrank vertilgt, was man einfach so in den Mund stecken kann, das ist im Grunde nicht schön. Nach acht Stunden ist das Essen fertig, aber der Aufschnitt ist eben auch alle.

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Zu dem Chicken Tikka musste man dann nur noch etwas Reis kochen, das macht sich auch wie von selbst. Und das Kochgerät öffnen, nachdem man die letzten drei, zwei Minuten heruntergezählt hat wie bei einem Fußballspiel, denn spannend ist das schon, was dabei herauskommt, wenn man Essen so lange brodeln lässt. In diesem Fall war das tatsächlich sensationell gut, da gibt es nichts. Das war unfassbar aromatisch und tatsächlich so, dass jeder Bissen eine Vielfalt von vor sich hinglühenden Gewürzen im genau richtigen Ausmaß schmecken ließ, das war grandios. Das schmeckte sehr indisch, sehr gut und sehr nach viel. Und, was im Grunde noch sensationeller ist, es schmeckte allen vier Familienangehörigen, was hier in etwa so wahrscheinlich wie ein Treffer im Lotto ist. Indische Rezepte sind also offensichtlich DER Trick für die Menüplanung bei uns, für die Erkenntnis habe ich jetzt nur schlanke sechs Jahre gebraucht, es ist faszinierend.

Das wird es hier also definitiv öfter geben müssen. Wenn jemand einen guten Tipp für ein sinnvolles Kochbuch in dieser Richtung hat, immer her damit. Gerne vegetarisch, Fleisch kommt hier nur am Wochenende auf den Tisch. An indischen Läden ringsum ist in unserem angenehm multikulturellen Bahnhofsviertel kein Mangel, die richtigen Zutaten werden wir schon finden.

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Sonntagsspaziergang

Binnenalster

Was man gar nicht so gut erkennen kann: In Hamburg ist gerade das Alstervergnügen, eine überaus seltsame und unbegreifliche Veranstaltung. Worin dabei das Vergnügen bestehen soll, es kann vermutlich keiner recht erklären. Die Veranstaltung geht so: Rund um die Binnenalster werden sehr viele Wurstbuden aufgebaut, immer noch mehr und noch mehr. Die schier endlose Reihe wird ab und zu heiter durchbrochen von Fischbrötchenständen, Bierbuden und Zuckerwatteverkäufern. Das übliche Aufgebot jedes Kleinstadtjahrmarkts, nur etwa mal hundert genommen, grob geschätzt, wir sind ja eine Metropole hier. Dazu noch ein paar Bühnen, auf denen, wie das bei diesen Bühnen eben immer so ist, den Großteil des Tages über gerade umgebaut wird. Also immer dann, wenn man vorbeigeht zum Beispiel. Für Kinder gibt es etwa zwei Fahrgeschäfte, optimistisch geschätzt, es geht hier tatsächlich ausschließlich nur um Wurst und Bier, es ist fürchterlich.

Da also landete ich heute eher zufällig, die Schuld ist selbstverständlich beim Nachwuchs zu suchen. Und ich trottete mit den Kindern in der Hand eine Alsterseite ab, in Schneckengeschwindigkeit, wie es eben so geht, wenn man mit hunderttausend anderen Menschen gemeinsam eine Straße entlanggeht.

Aber das Highlight der Veranstaltung haben wir dann doch gesehen, oder zumindest die Person, die wir gemeinsam dafür halten. Das war eine durchgeschwitzte Joggerin, die in der Menge feststeckte wie alle, eingekeilt durch die schunkelwilligen, durstigen und hungrigen Massen aus Pinneberg, aus Buchholz in der Nordheide, aus Kaltenkichen und Schwarzenbek. Die Joggerin hüpfte vor uns auf und ab, wie es Jogger an Ampeln häufig tun, sie hüpte immer wieder auf und ab und rief tatsächlich unentwegt und ziemlich wütend, man möge ihr doch endlich Platz machen, sie könne so nicht laufen.

Es ist immer schön, solche Menschen zu treffen. Man weiß dann, man ist geistig vergleichsweise noch halbwegs beisammen. Oder zumindestens kann man es noch eine Weile glauben. Und das ist wirklich sehr tröstlich.

Kurz und klein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Apropos Einschulung

So sah das bei mir damals aus. Die Hose hat gekratzt wie Teufel und war mit absoluter Sicherheit die einzige karierte Hose, die ich jemals im Leben getragen habe. Womöglich liegt an diesem Kleidungsstück und in diesem Moment meine abgrundtiefe Abneigung gegen den Golfsport und die dazugehörige Mode, man weiß es nicht. Diese Mützen trugen damals alle Erstklässler, das war Pflicht. Die Mädchen trugen Kopftücher in gleicher Farbe, die noch schlimmer aussahen.

Die Schultüte war gekauft. Wenn ich mich recht erinnere, hat kein Mensch damals so etwas selbst gebastelt, das war nicht vorgesehen. Ich habe erst bei Sohn I gemerkt. dass man so etwas heutzutage selbst herstellt und war ganz überrascht. Ich habe keine Ahnung mehr, was der Inhalt war. Der Ranzen ist aus heutiger Sicht verblüffend klein, eine geradezu lässige Größe, das hat sich gewaltig verändert. Heute kommen die mit wesentlich mehr Volumen daher. Wobei das hier abgebildete Modell für heutige Hipster-Eltern vermutlich ein Traum wäre.

Außerdem war es einer meiner letzten Tage ohne Brille, denn kurz darauf fiel der Lehrerin auf, dass ich an der Tafel nichts erkennen konnte.

Einschulungsbild