Beifang vom 27.11.2016

Journelle schwimmt. Draußen, im Winter, in England. Mein Bruder gehört auch zu den Leuten, die winters manchmal in Teiche hüpfen, ganz seltsam. Ich werde es sicher nicht nachmachen, aber faszinierend ist es schon. Und es gab auch einmal einen Herbst, damals in Travemünde, in dem Stefan und ich einfach immer weiter in die Ostsee gingen, jeden Tag. Auch dann noch, als die Touristen abgereist waren, als die Strandkörbe schon im Winterlager waren, als die Imbisse immer früher schlossen, auch dann noch, als die Tage kürzer wurden und der Wind immer schärfer über das Meer kam und als die Möwen immer wütender klangen. Und wenn man das so anfängt, einfach immer weiter ins Meer gehen, immer wieder, dann geht das tatsächlich ziemlich leicht. Aber nun wohne ich ja Gott sei Dank zu weit weg, da komme ich nicht in mehr Versuchung.

Barbara Kaufmann über Pflegefälle.

Yael Inokai über Tanzstunden und Berührungen. Darüber muss ich auch noch einmal schreiben, eh klar, das ist ein abgründiges und faszinierendes Thema. Wenn man Social-Dancing macht, wie die Herzdame und ich, gibt es auf einmal verblüffend viele Menschen, denen man körperlich ziemlich nahe kommt, das ist vermutlich gerade für Norddeutsche eine bemerkenswerte Erfahrung.

Sympathisch ist mir seit Tagen die Wut in der Zeitredaktion über Trump. In vielen Artikeln spürbar wie bei kaum einem anderen deutschen Medium, vehement und deutlich, so wie hier.

Im Susammelsurium geht es um Weihnachtsplaylisten, auch um meine, guck an. Gleich mal hören. Alles. 

Jetzt neu: Blasenspiegelung selbstgemacht (1)

Endlich mal etwas Clickbaiting in der Überschrift, man will doch auch mit der Zeit gehen. Es geht aber natürlich nicht um die Blase im medizinischen Sinn, sondern um die gerade überall diskutierte Filter Bubble. Für Menschen ohne Interesse an sozialen Medien wird das Folgende eher langweilig, bitte gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen.

Für alle anderen sehe ich mir die eigene Filterblase etwas genauer an, als Halbtagscontroller neige ich bei so etwas durch berufliche Schäden zum Nachzählen. Was kann ich dabei überhaupt zählen? Zum Beispiel die in meiner Blase geteilten Links. Ich habe bereits einmal über Nuzzel geschrieben, das Tool, mit dem ich meine Timelines auswerte und, nun ja, melke. Ich folge auf Twitter nicht nur den befreundeten Personen, ich folge auch selbstgebastelten Listen zu den Themen:

Hamburg und Nord (vor allem auch Schleswig-Holstein)

Feuilleton (Autoren, Verlage, Feuilletonisten …)

Wirtschaftsteil und Politik (Sozialpolitik, Nachhaltigkeit, Netzpolitik …)

Familie & Schule (ElternbloggerInnen, Erzieherinnen, Schulexperten, Lehrerinnen …)

Irgendwasmitmedien

Diese Listen umfassen nach höchst subjektiver Auswahl Menschen und Institutionen, die in den jeweiligen Bereichen tätig sind. Wenig überraschend ist die Auswahl dezent linksgrün, sozial und liberal geprägt, mit ein paar konservativen Einsprengseln und ausgeprägter Neigung zum Gutmenschentum. Und auch sonst folgt die Auswahl meinen Interessen, beim Feuilleton geht es also eher um Bücher als um die Oper. Nichts gegen Opern, aber so ist es nun einmal, ich bin eher Leser. Ich gebe mir keine Mühe, Personen oder Medien zu berücksichtigen, von denen mir spontan schlecht wird, also keine Bild, keine AfD etc. An Meinungsvielfalt ist da dennoch kein Mangel, finde ich, das Spektrum ist immer noch groß. Man muss natürlich im Kopf behalten, dass dies von allen Themen immer nur die Social-Media-Seite ist und ja, das ist tatsächlich klar einseitig. Irgendwas ist immer. Alle Listen sind in dauernder Bearbeitung, die Liste “Irgendwasmitmedien” umfasst mittlerweile mehr als 1.000 Personen, die anderen schraube ich alle nahe 500, so ist zumindest gerade die Tendenz. Inhaltlich entwickeln sie sich auch weiter, zu Schulthemen etwa suche ich gerade etwas intensiver nach weiteren Twitteraccounts, die da gut passen, weil das Thema für mich spannender wird.

Ich glaube übrigens, dass meine Auswahl an Personen für diese Listen in keinem Fall wahnsinnig originell ist (genau genommen kann ich das sogar nachweisen, aber das führt hier zu weit). Nur soviel – wer sich nicht gerade aus rabiat rechter Position für die oben genannten Themen interessiert, hat eine sehr hohe Chance, auf eine ganz ähnliche Quellenlage wie ich zu kommen. Oder noch einmal andersherum – wer mich auf Twitter, FB oder hier im Blog manchmal und irgendwie zu einem “Wir” zählt, der kann vermutlich in den sozialen Medien einen guten Teil der Links sehen, die ich auch sehe. Wobei ich mit diesen Links und deren Ernte durch den Wirtschaftsteil viel Zeit zubringe, andere natürlich nicht unbedingt, ich sehe also vielleicht ein paar mehr. Diese Links führen nicht zwingend zu den meistgelesenen Artikeln und sind auch nicht unbedingt die, die am meisten zur Meinungsbildung beitragen, aber es sind die mit der höchsten Chance, via Timeline wahrgenommen zu werden.

Ich sehe also jetzt einfach jeden Morgen nach, welche Artikel/Blogtexte/Meldungen die zehn am häufigsten verlinkten der letzten 24 Stunden waren und addiere diese Linkzahlen auf. Ganz einfach. Das mache ich nun seit einem Monat, jetzt gibt es den ersten Überblick, was da zusammenkommt. Methodisch ist das natürlich nicht das Gelbe vom Ei, mit Empirie hat das nichts zu tun, aber es ist für mich dennoch interessant und zeitlich machbar und besser als nichts. Eine kleine Spielerei am Rande.

Über Nuzzel kann man nicht nur auswerten, was die Personen teilen, denen man direkt folgt, man kann auch noch die Links der Freunde von Freunden dazu nehmen, das ergibt eine Art erweiterter Blase, und um die geht es jetzt erst einmal. In Kürze dann auch die Ergebnisse für die Fachthemenlisten.

Das mit Abstand am häufigsten verlinkte Medium in dieser allgemeinen Freundesgruppe ist SPON, das scheint also immer noch die Standard-Newsseite vieler User zu sein. Gerade bei beliebigen Meldungen, die alle Seiten bringen, wird oft erst einmal die SPON-Variante verlinkt, wodurch SPON mit erheblichem Abstand vor allen anderen Quellen liegt, daneben ist alles weit abgeschlagen, die erste andere deutsche News-Seite hat nur ein Drittel der Erwähnungen. Auf Platz zwei, das hätte man im Oktober sicher noch nicht erwartet, liegt aber schon die New York Times. Die Timelines nehmen wirklich engagiert Anteil an den Vorgängen in den USA. Dann folgen die üblichen Verdächtigen unter den deutschen Medien, nämlich SZ, Zeit, Welt, FAZ, in dieser Reihenfolge. Daraufhin Meedia, ich folge vergleichsweise vielen Journalisten, die dorthin auf Branchenmeldungen verlinken. Danach die Washington Post, noch einmal Amerika. Dann t3n, die hätte ich so hoch gar nicht vermutet. Es folgen der NDR als erstes öffentlich-rechtliches Medium (das liegt an Texten zu Norddeutschland und würde bei Bayern sicher anders ausfallen) und das erste Blog in der Reihe, nämlich Patricia Cammarata, die im letzten Monat ein paar mal aktuelle Themen aufgegriffen hat, das schlug ein. Weiter mit Uebermedien, der taz, Buzzfeed und diesem kleinen Buddenbohm-Blog hier (vielen Dank!). Danach The Intercept aus den USA, das hätte ich vor diesem Monat noch nicht einmal gekannt. Die Netzpolitik, der Tagesspiegel und dann das nächste Blog: der Familienbetrieb mit den erfolgreichen Tweetsammlungen. Dann Heise, da haben wir schon die ersten zwanzig Plätze voll. Die nächsten Blogs auf den folgenden Plätzen sind Frau Meike, Journelle, E13, Frau Nessy, Frauenmangel herrscht da nicht. Ziemlich weit oben auch noch The Guardian, an englischen Texten ist kein Mangel im Moment. Der Falter ist die erste Quelle aus Österreich. Die NZZ die erste aus der Schweiz.

Gesamt wurden in den letzten vier Wochen alleine von den Freundinnen und deren Freundinnen 243 Seiten verlinkt, wobei ich nur auf die Top-10-Ergebnisse pro Tag gucke, es sind in Wahrheit also noch wesentlich mehr. Eine insgesamt bunte Kollektion, bis hinunter zum Solinger Tageblatt, warum auch nicht. Auch mir nicht sympathische Medien sind vertreten, zur wirksamen Verdrängung taugt die Blase nicht. Die Blogs schlagen sich ziemlich gut in dieser Liste, das habe ich mir zwar gedacht, aber es ist auch nett, das einmal so nachzurechnen.

Ich habe sogar den ganz altmodisch wirkenden Eindruck, dass bei aktuellen Themen noch Chancen für Blogs liegen, die im deutschsprachigen Raum nicht immer wahrgenommen werden. Und die auch nicht wahrgenommen werden müssen, schon klar. Aber doch: Da geht noch was. Wer ein halbwegs bekanntes Blog hat und zu einem Topthema einen knackigen und vielleicht sogar originellen Kommentar schreibt, hat eine reelle Chance bei den üblichen deutschsprachigen Internetverdächtigen ziemlich flächendeckend wahrgenommen zu werden, auch in den Redaktionen des Landes. Was immer man daraus schließen möchte. Das manchmal zu hörende “Blogs sind tot” erkenne ich darin jedenfalls nicht unbedingt.

Das alles gilt natürlich nur im Rahmen der Internet-Bubble, eh klar.

Beifang vom 25.11.2016

Die geschätzte Juramama über den schwangeren Sigmar Gabriel. Sie wissen schon, der ach so offensive Papa.

Margarete Stokowski über weiße mittelalte heterosexuelle Männer. Sehr guter Text.

Stefan Mesch über Kommentare und die Kunst, in der aktuellen Lage einen geraden Satz zu schreiben.

Das hier ist der vermutlich allernovemberigste Text, den man gerade im deutschsprachigen Netz auftreiben kann: “Mach’s gut, Dose.” Leserinnen, die ihr monatliches Traurigkeitsvolumen bereits aufgebraucht haben, lassen den vielleicht lieber aus, ein völlig ernstgemeinter Hinweis. Nach dem traurigsten Text des Novembers kann man sehr schön den besten Weihnachtstext 2016 anlegen und ja, die Wahl ist schon entschieden, doch, doch. Gucken Sie hier. Man möchte Tilman Rammstedt sofort irgendeinen Preis für den Text geben. Oder wenigstens einen Zimtstern.

Aus naheliegenden Gründen interessieren mich oder uns Schulthemen immer mehr. Wir waren gestern auf dem ersten Infoabend zum Thema weiterführende Schulen, dort waren unfassbare acht Schulen vertreten, die für Sohn I in Frage kommen, und das waren noch nicht einmal alle, so ist das eben in der Mitte von Großstädten. Zu viel Auswahl kann etwas lästig sein, zu wenig wäre aber natürlich auch nicht recht, das ist also alles Jammern auf hohem Niveau, schon klar. Immerhin ein paar wichtige Erkenntnisse gehabt, wenn auch keine Erleuchtung. Aber es ist ja noch Zeit. Wir fangen damit überhaupt nur in diesem Jahr (er ist erst in der 3. Klasse) schon an, weil es bei dieser Riesenauswahl tatsächlich etwas schwierig wird, sich alles in nur einem Jahr anzusehen, zumal die Tage der offenen Tür etc. gerne in die Vorweihnachtszeit fallen, in der man bekanntlich überhaupt keine anderen Termine hat, haha.

Man macht sich aber sowieso eventuell umsonst viele Gedanken, weil man die Schule, die man dann unbedingt für das Kind haben möchte, nicht zwingend bekommt. Gibt es nicht genug Plätze, entscheidet die Entfernung zur Schule, es gewinnen dabei die Nachbarn aus dem Stadtteil der Schule, weswegen es in Hamburg lustige Ummeldespielchen unter Eltern gibt. Da werden wir allerdings nicht mitmachen. Etwas seltsam kam mir in den letzten Wochen manchmal die Sicherheit vor, mit der einige Eltern ihr Kind zu kennen meinen, der oder die ist so und so, und zwar genau so – und bleibt auch so. Vielleicht stimmt das bei denen sogar, ich will das gar nicht ausschließen, das kann ja alles sein, aber diese Sicherheit habe ich eher nicht. Die Söhne ändern sich noch und können mich dabei jederzeit überraschen, ich habe keine Ahnung, wie die in drei, vier, fünf Jahren sind. Ich mag Kinder nicht hochrechnen. Dass alle Schulen mittlerweile irgendeinen thematischen Schwerpunkt haben, finde ich daher sogar etwas nervtötend, als ob man mit zehn Jahren schon so festzulegen ist, das ist doch immer noch ziemlich früh.

Herausragende Spezialbegabungen stelle ich bisher bei den Söhnen übrigens auch nicht fest, damit wäre natürlich alles einfacher. Na gut, Sohn I kann im Vorbeigehen aus dem Augenwinkel das neue Passwort für das iPad erkennen, das ich gerade heimlich eingebe, das fällt wohl in den Bereich alltagstaugliche Spezialbegabung, aber das ist keine dieser sofort schulisch brauchbaren Begabungen. Die Lage wäre deutlich einfacher, wenn er schon Opern komponieren, Spiele programmieren oder am Stufenbarren “Jugend trainiert für Olympia” anpeilen würde. Das würde ich allerdings höchst irritierend finden.

Als ich damals aufs Gymnasium kam, war es vollkommen diskussionsfrei das, auf dem auch schon mein Bruder war, ganz einfach. Und der war da, weil da auch schon meine Schwester war. Und die war vermutlich da, weil meine Mutter das so entschieden hat, vielleicht weil auf der Schule auch schon der von ihr geschätzte Thomas Mann war. Ich weiß es nicht, aber es wäre nicht erstaunlich. Als ob die eigenen Kinder dann auch irgendwann Bücher schreiben würden! Na, so hat jeder seine Strategie.

Was wollte ich sagen? Ich wollte eigentlich nur eben diesen Link zu einem Schulthema posten, pardon:

“Die Schüler sitzen hier gerade in einer der wichtigsten Unterrichtsstunden ihres Lebens.”

Filme

Ich habe zu dem Film “Ich, Daniel Blake”, den Trailer im Kino gesehen und habe große Lust, ihn mir anzusehen.

Diese Lust könnte sogar dazu führen, dass ich das tatsächlich mache, denn das sieht doch nach einem vernünftigen Umgang mit sozialen Themen aus – und wer würde soziale Themen zur Zeit nicht wichtig finden.  

Ich sah diesen Trailer in dem Werbeschwulst vor dem aktuellen Woody-Allen-Film, in dem ich in der letzten Woche mit der Herzdame war. Das war nach einer kleinen Kinderpause von nur neun Jahren das erste Mal, dass wir gemeinsam in einem Film für Erwachsene waren, wie wir etwas überrascht nachgerechnet haben. Das war dann wohl die Extended Version im Family-Style von “Man kommt zu nix”. Wir waren, das ist aber Zufall, kein seltsames Ritual, vor den Kindern zuletzt auch in einem Woody-Allen-Film, manchmal fügt es sich ja nett. Allerdings sind nicht nur wir älter geworden, Woody Allen ist es auch.

Der Film “Café Society” jedenfalls besteht aus hübscher Langeweile, in der man sich etwa alle zehn Minuten bei einem Satzfetzen wehmütig daran erinnert, dass Woody Allen früher mal Dialoge und Erzählung konnte, und wie er das konnte. Ansonsten ein Film mit seltsam unwirksamer Ausstattung, die überhaupt nicht überzeugt. Das soll in den Dreißigern des letzten Jahrhunderts spielen, aber nichts im Film fühlt sich danach an, nicht die Kulisse, nicht die Kostüme, nicht die Texte. Ganz merkwürdig. Ich lasse mich im Kino gerne auf Ausstattungszauber ein und bin etwas enttäuscht, wenn da nichts kommt. Die Handlung, wenig überraschend, lässt die Liebe wandern, das trifft einen als Zuschauer bei dem Regisseur nicht gerade unerwartet.

Die Herzdame fand auch das Ende vollkommen daneben, ich fand, das war das Beste am Film, genau der richtige Moment, mitten im fortgeschritten lakonisch und altersmilde betrachteten Bäumchen-Wechsel-Dich-Spielchen der orientierungslos Liebenden ein glatter Schnitt, das passte schon. Aber möchte man einen Film nur für ein gutes, wollte sagen immerhin passendes und halbwegs originelles Ende sehen? Wohl kaum.

Immerhin: Kristen Stewart. Wie die FAZ am Ende einer ansonsten eher mitleidigen Kritik schreibt: “Aber Kristen Stewart leuchtet.”

Ich rate dennoch eher ab.

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Eine etwas experimentelle Ausgabe, wir testen einen anderen Themenmix. Das kann gerne kommentiert werden, es ist nur ein Versuch.

Als diese Kolumne vor mittlerweile drei Jahren anfing, gab es noch keine thematische Festlegung pro Woche, sondern in jeder Woche einen bunten Mix aus Links zu etlichen Themen. Das haben wir irgendwann umgestellt, um ein spezielles Thema jeweils umfassender und etwas tiefschürfender darzustellen, wie z.B. den Lobbyismus in der letzten Woche. Aber das hat auch Nachteile. So veralten z.B. viele Links, bevor das jeweilige Thema “reif” genug ist, um eine Ausgabe zu füllen. Ein anderer Nachteil besteht sicher darin, dass einzelne Ausgaben Teile des Publikums rundum nicht interessieren.

In dieser Woche stellen wir versuchsweise einmal wieder auf aktuelle, aber eben auch bunt gemischte Links um – die aus unserer Sicht interessantesten Texte der letzten Woche zu den typischen Themen dieser Kolumne. Also zu nachhaltiger Wirtschaft, Sinnfindung im wirtschaftlichen Handeln, Umwelt, Sozialpolitik, Gerechtigkeit, Kapitalismus, Neoliberalismus, Gemeinwohl, Landwirtschaft, Ernährung, Verkehr, Stadtentwicklung usw.

Das sind Themen, die typischerweise nicht von denen vertreten werden, die gerade politisch weltweit im Aufwind sind. Weswegen wir auch mit einem Text zu Trump beginnen. Es ist ein ungewöhnlicher Text, weil er eine neue Perspektive ins Spiel bringt: Trump aus dramaturgischer Sicht. “Warum am Ende vielleicht doch noch alles gut wird.” Wer sich für Sinnfindung in der Wirtschaftspolitik interessiert, wird das vielleicht mit Gewinn lesen.

Mit einem noch viel deutlicherem Bezug zur Wirtschaftspolitik schreibt Nils Markwardt über die Freiheit, genauer sogar über verschiedene Freiheiten.

Und damit genug vom großen Ganzen, sehen wir uns einige Detailaspekte an. Vielleicht ist der erste Link da auch überraschend. Alle Welt redet nämlich von selbstfahrenden Autos, aber hier geht es um autonome Schiffe. Warum auch nicht.

Um noch kurz beim Verkehr zu bleiben, Don Dahlmann erklärt die Details zu den gefälschten Verbrauchswerten von PKWs etwas genauer, als man es auf den meisten Nachrichtenseiten finden kann. Mit Lösungsvorschlag, wie realistisch auch immer.

Dann machen wir das Verkehrswesen noch eben komplett, es gibt auch Neuigkeiten beim Zugverkehr – gecrowdfundete Züge. Nanu! Mit ziemlich erstaunlichen Neuerungen, wie etwa den Themen-Abteilen.

Originelle Ideen sind hier immer willkommen, jetzt mehr denn je, wo sich neuerdings so viele für die Richtung Rückwärts interessieren. Vorwärts bleibt einfach spannender. Hier geht es um ein Abomodel für Kleidung, in dem man die Rohstoffe nach dem Tragen irgendwann wieder zurückgibt. Dabei kann man noch einen anderen Aspekt aus Konsumentensicht betonen, in der SZ geht es zunächst eher um den Preis für die Neuanschaffung.

Noch ein Themenwechsel, beim Standard gibt es einen Artikel, in dem das Miteinander in der Stadtplanung betont wird, da geht es um den Menschen, der auf das Teilen angewiesen ist und das auch in der urbanen Zukunft so leben muss, denn “wir sind eine soziale Spezies.” Auch wenn es einem manchmal nicht so vorkommt. Sehr deutlich formuliert das auch der Architekt Daniel Libeskind: “Soziale Gerechtigkeit und Gleichheit sind nicht nur intellektuelle Ideen, sie müssen sich in der Art und Weise niederschlagen, wie Städte Bautätigkeit planen.” Im letzten Absatz dieses Interviews begegnet uns übrigens unvermutet Trump wieder, womit sich der Kreis dann für diese Woche erst einmal fast geschlossen hat.

Aber eine Meldung zum bedingungslosen Grundeinkommen hängen wir doch  noch eben an – es lässt nämlich aufmerken, wenn jetzt Konzernchefs das Wort in den Mund nehmen.

GLS Bank mit Sinn

Beifang vom 23.11.2016

Die taz über Paywalls und Populismus, pardon, Faschismus.  “Kein Trollblog versteckt seinen Dreck hinter einer Paywall.” Die Abschaffung von Paywalls löst natürlich kein finanzielles Problem, inhaltlich muss man sich der Forderung allerdings unbedingt anschließen. Und dann anders weiterdenken, denn ohne Geld wird es nicht gehen.

Wir brauchen liberalen Populismus. Hm. Jedenfalls brauchen wir irgendwas. Wer glaubt, dass wir nichts brauchen, kann hier nochmal bei Eco 14 Merkmale des Faschismus nachlesen, das liest sich zu großen Teilen recht gegenwärtig.

Siehe in diesem Zusammenhang auch beim Nuf.

Etwas ganz anderes: Die SZ lang und spannend zum Tod von Ludwig II.

Gleich auf den Wunschzettel gewandert: die Erzählungen von Zelda Fitzgerald.

Schlagwörter im November

Wenn ich Links für den wöchentlichen Wirtschaftsteil finde, speichere ich sie in Evernote, wobei sie mit einem Schlagwort versehen werden. Nicht alle Schlagwörter stehen für viele Texte, denn zu einigen Themen findet man jeden Tag etwas, zu anderen nur ganz selten. Die Schlagwörter, die im Moment mit Abstand am häufigsten vergeben werden, sind: Arbeit, Essen, Stadt und Plastik.

Und als mir das auffiel, da schien es mir, als würde das traurig klingen. Arbeit, Essen, Stadt und Plastik. Sehr modern, sehr sachlich, sehr unfroh. Es könnte auch der Titel einer ziemlich harten Kurzgeschichte sein: “Arbeit, Essen, Stadt und Plastik”, so etwas wird zu Literaturwettbewerben eingeschickt und ist ungeheuer ernst gemeint. Oder es ist ein Essay in einer hochtrabenden Zeitschrift, eine kristallklare soziologische Analyse der Milieus in deutschen Großstädten, künstliche Lebewelten in Großraumbüros mit Kantinenanschluss oder so etwas, Motto vorweg, weil ein literarischer Bezug immer gut kommt: “Sie essen das graue Zeug. Dann fallen sie tot von den Stühlen.” Um einmal den Herrn Brechbühl zu zitieren, der mir plötzlich wieder einfällt. Woher kenne ich das eigentlich, aus einem Schulbuch? Wahrscheinlich doch. Da hätte man sich über all die Jahre aber auch wesentlich erbaulichere Zeilen merken können. Na, egal. Das war nur, was mir eben gerade zwischen Arbeit und Essen in der Stadt so einfiel.

Es ist ein wenig November, ist es nicht? Aber nicht mehr lange. Am Wochenende holen wir Weihnachten aus dem Keller, dieses ganze Plastikdekozeug, Sie wissen schon. Dann ändert sich auch die Grundstimmung wieder. Hier und überall. Schon aus Tradition.

Beifang vom 22.11.2016

Ein Gespräch über Donald Trump. Mit jemandem, der sich etwas länger mit ihm beschäftigt hat. “Er ist nicht intelligent. Er ist nicht fleißig. Er hat kein historisches Verständnis. Er ist unglaublich ignorant. Er ist nicht selbstreflektiert. Er ist nicht freundlich. Er ist nicht warmherzig. Menschen, vor allem Frauen, sind für ihn nur Objekte. Er ist nicht seriös. Er hat keine Moral. Er hat sein Leben nichts anderem gewidmet, ich sagte es, als dem Geld, der Macht…, wollen Sie noch mehr hören?”

Die Soziologin Nilüfer Göle über den gewöhnlichen Islam in Europa.

Die Zeit über die wahre Regression in die 50er durch die Unterwerfungsformel. Die These am Ende des Textes, dass der allgemeine Hass auch mit der Überzuckerung der öffentlichen Konversation zusammenhängt, sie ist vielleicht etwas zu steil. Aber als in Hamburg lebender Lübecker möchte ich gerne einen Punkt ergänzen, einen konservativen, heimatverbundenen Punkt, das ist sonst nicht meine Art, aber hier doch einmal: diese maßlos übertriebene Höflichkeit, diese verbale Herumgeschwänzel, diese “Ausweitung der Floskelzone”, wie es im Artikel treffend heißt – das ist nicht norddeutsch. Das passt hier nicht. Wenn ich in in einen Laden gehe und “Moin!” sage, dann will ich “Moin!” hören und kein gejauchztes “Guten Morgen der Herr, wie schön, dass Sie wieder da sind, da freuen wir uns sehr, was können wir denn heute Gutes für Sie tun?” Das nimmt mir ein Stück Heimat, echtjetztmal.

Zwischendurch und ohne besonderen Anlass ein Hinweis auf das Journal der Kaltmamsell, das mit Einträgen wie diesem hier ein Format gewonnen hat, das man später einmal ausdrucken und als Geschichtsbuch binden lassen kann. Historiker reißen sich heute um solche Journale aus den vorigen Jahrzehnten, das wird später nicht anders sein. Ich lese das sehr gerne.

Bobby McFerrin mit dem Ave Maria wird fast jeder kennen, hier aber doch noch ein Tipp für Eltern. Ich habe den Söhnen mehrere dieser Aufnahmen gezeigt (mit Exkursen zum Thema Beatboxing, aber egal) und was soll ich sagen, es war nicht Absicht – aber jetzt wollen sie abends zum Einschlafen Bach hören. Manchmal ist es ja einfach.

Kurz und klein

Beifang vom 21.11.2016

Nachdem hier gerade etwas am Blog-Layout geschraubt wurde, werde ich auch inhaltlich hier und da etwas umbauen, das soll ja ab und zu ganz gesund sein. Ich bin z.B. mit dem bisher gepflegten Woanders-Format nicht mehr recht zufrieden, dieser wöchentliche Rhythmus passt irgendwie nicht mehr. Es gibt zu viele Links, besonders in speziellen Zeiten wie diesen (Satz bleibt ewig gültig, kann man ruhig so stehen lassen). Und wenn es sehr viele Links in einer Woanders-Ausgabe sind, dann ist das irgendwann nicht mehr zumutbar, weil niemand Zeit hat, sich achtzehn Links anzusehen, selbst wenn sie ihn interessieren könnten. Ich stelle also versuchsweise auf tägliche Links um, dafür in deutlich kürzeren Ausgaben und nenne das ganze nun Beifang, denn die meisten Links finde ich tatsächlich auf der Suche nach den Texten, die ich für den Wirtschaftsteil brauche. Und Beifang muss sofort zurück ins Meer, wie sicherlich bekannt, wobei das Meer hier im metaphorischen Sinne das Netz ist, da wird es also kompliziert und geht am Ende auch nicht auf, egal, man kann als Autor nicht immer Glück haben. Eine Handvoll Links also, mehr nicht, und darum etwas herumgedacht. Eventuell sogar täglich, aber sicher nicht am Donnerstag. Geht los.

Auch so kann ein Abschied vom Vater ausfallen.

“Finnland schafft die Schulfächer ab”, das konnte man auf etlichen Medienseiten lesen. Bei der Tagesschau wird das relativiert, es bleibt aber interessant. Projektorientiertes Lernen klappt auch zuhause besser als das herkömmliche “Wir machen mal Mathe”. Ich steige seit einer Weile nur noch bei dem ein, was die Kinder interessiert, man kann überall Aspekte von Mathe, Deutsch, Medienkunde, Englisch etc. finden, das ist nicht schwer und funktioniert gut – auch für Erwachsene. Wenn ein Kind in die Wanne will, kann man nebenbei gemeinsam herausfinden, wie viele Liter Wasser dort hineinpassen und hinterher googeln, ob man richtig lag, da fällt das Lernen nicht auf. Es ist auch nicht so, dass wir mit den Söhnen dringend irgendwas üben müssten, aber wenn wir solche Gespräche nicht führen würden, es bliebe uns vollkommen unklar, was die mittlerweile ungefähr können. Das ist ein kleiner Nachteil von Ganztagsschulen, wenn man es denn als Nachteil sehen möchte. Siehe beim Thema Schule auch hier über Nachhilfe von Youtube. So weit sind wir noch nicht, aber das kommt noch.

Boris wollte mich verbrennen”, ein Text aus dem österreichischen Falter über die Radikalisierung. Es lässt einen ratlos zurück.

Beim Techniktagebuch geht es um die Modernisierung der Hotelzimmernachttischbibel. Von denen ich lange keine mehr gesehen habe, werden die nicht mehr verteilt?

Ein Interview mit Wolf Haas: Es ist mir schon passiert, dass mir in einem Dialog für jemanden eine extrem gute Antwort eingefallen ist. Aber blöderweise ist die Figur schon im Kapitel vorher gestorben, und da hab ich sie dann halt doch weiterleben lassen.”