Woanders – Der Wirtschaftsteil

Es gibt seit einigen Woche eine neue Quelle in Deutschland, das Projekt der Krautreporter ist gestartet. Das ist erfreulich für die beteiligten Journalisten, das ist erfreulich für uns, denn dort gibt es auch Texte, die in den Wirtschaftsteil passen. Etwa wenn es um Milchwirtschaft geht, um die immer noch optimierbare Leistungsfähigkeit der Milchkühe, wobei “Optimieren” dabei wohl schon lange kein passender Begriff mehr ist, pardon. Man beachte die rot markierte Zahl am Ende des Textes. Hätten Sie das gedacht? So wenig?

Im Text klingt der Preisdruck bei der Milch an, ausgeübt durch Discounter wie Lidl oder Aldi. Die SZ ergänzt da eine etwas andere Sichtweise und schiebt den Schwarzen Peter doch wieder den Bauern zu.

Falls das schon zu viel Text zum Thema Milch wird, das gibt es alles mit noch mehr Inhalt auch bequem als Film, bitte sehr, das ist hier ja eine serviceorientierte Veranstaltung.

Genug von der Milch, wenden wir uns wieder der Wirtschaft 2.0 und ihren großartigen Schlagworten zu. Oder nein, verbinden wir das doch einfach mit den ersten Links – und lesen etwas über Crowdbutchering. Doch, das ist ernst gemeint.

Und das hat natürlich seinen Preis, die so geteilte Kuh ist teurer als die abgepackte im Supermarkt, das versteht sich. Ob diese Preisdifferenz Folgen für die Gesellschaft und die Gesundheit hat, das ist auch eine der Fragen, die uns hier immer wieder umtreiben. Ist gesundes Essen teuer? Alle paar Monate gibt es eine andere Antwort, im Moment steht sie gerade wieder bei: Ja.

Ein guter Moment, um nach Osnabrück zu sehen. Da steht ein Kühlschrank im Garten, und womöglich ist das gut so. In Berlin ist alles größer, eh klar, da sind es gleich 21 Kühlschränke.  Und wer noch etwas Motivation braucht, über Lebensmittelverschwendung nachzudenken, bitte sehr, hier noch ein paar Zahlen. Es ist ja nicht so, dass man das alles nicht messen könnte. Wir können auf einem Kometen landen, wir können auch die verspeisten Innereien pro Einwohner in Gramm ermitteln.

Wobei das alles nicht so einfach ist, das mit der Lebensmittelverteilung und -rettung, nicht einmal bei altem Brot. Wenn die Behörden nicht mitspielen, wird alles sehr, sehr kompliziert. Dabei kann man aus diesen Lebensmitteln noch so viel machen, bis hin zu Restaurantessen mit moralisch-ethischer Nebenwirkung.

Kompliziert ist auch, was hinter einer kleinen Schale Tomaten steckt, die man ohne großes Nachdenken in den Einkaufswagen legt. Und damit zum Schluß noch einmal zurück zu den Krautreportern, dort wird die Sache mit den Tomaten aus Marokko, der Westsahara und der Terrorbekämpfung einmal gründlich aufgedröselt. Da schmeckt der Insalata Caprese doch gleich viel spannender.

Aber kann das der Schluss gewesen sein? Eine ganze Folge ohne Fahrräder? Natürlich nicht. Noch ein Filmbeitrag, allerdings kein entspannender. Eher einer, bei dem man als Opfer deutscher Verkehrsplaner wieder einmal grün vor Neid werden kann: Bicycle anecdotes from Amsterdam. Man muss es sich immer wieder klar machen, was man da sieht: Das ist kein Sieg einer schrägen Subkultur. Das ist normales Leben in einer normalen Großstadt, das ist ereichbar.

GLS Bank mit Sinn

Kurz und klein

Hallamati 2014

Es ist alles nur eine Phase. Dieses Eltern-Mantra, das auch der Untertitel eines meiner Bücher geworden ist, muss nun auch für den jährlichen Hallamati-Text zitiert werden, denn die Hallamati-Phase ist wohl vorbei. Da kommt nichts mehr, das war es, es gibt nichts zu sehen. Aber bevor das doch noch etwas näher erklärt wird – es gibt vielleicht Neuzugestiegene, die mit dem Begriff Hallamati gar nichts anfangen können. Bei Interesse an speziellen Traditionen kann die Geschichte des Hallamatis in der Familie Buddenbohm in chronologischer Reihenfolge hier nachgelesen werden:

2009

2010

2011

2012

2013

Die Reihe umfasst immerhin fünf Jahre, das ist doch schon was. Mittlerweile ist Sohn I aber sieben Jahre alt und Klassenältester, also selbstverständlich über solchen Kleindkindkram wie Laternenumzüge ausdrücklich erhaben. Schulfreunde könnten ihn dabei sehen, nicht auszudenken. Sohn II ist fünf Jahre alt und zählt eigentlich durchaus noch zur Zielgruppe, hat aber als geborener Partisan stets etwas gegen die gerade herrschende Mehrheitsmeinung, ist im wahrsten Sinne des Wortes kein Mitläufer und setzt diese spezielle Haltung mit jedem Jahr konsequenter um. Mit einer Laterne um den Block zu ziehen, das sei ebenso langweilig wie sinnlos, hat er mir heute beim Frühstück erklärt, das kommt für ihn nicht mehr in Frage. Und damit ist das Thema wohl endgültig erledigt.

Mit einem Revival im nächsten Jahr rechne ich nicht. Aber irgendwie ist es doch erfreulich, dass regelmässig zum Jahrestag des Heiligen Martin hier einige Suchanfragen per Google und Suchbegriff “Hallamati” anlanden, das ist schön. Das Wort lebt und mit etwas Glück schafft es sogar noch ein paar Jahre. Sollten Sie heute mit kleinen Kindern Hallamati begehen – ich wünsche viel Vergnügen.Sollten Sie sich aber lustlos zur Veranstaltung quälen müssen oder gar mit schlecht gelaunten Kindern durch eisigen Regen ziehen – es ist wirklich alles nur eine Phase.

 

Woanders – diesmal mit Albanien, Adelhaid, ausgewählten Kindern und anderem

Fotografie: Schwarzweißbilder aus Albanien, und man kann sich zu jedem Bild einen Roman von Ismail Kadare denken. Oder einen nachlesen, da muss man vermutlich gar nicht lange suchen, bis eine Szene passt.

Fotografie: Katrin Scheib verweist auf einen Artikel bzw. auf eine Bilderreihe zu zwei russischen Tantchen.

Schule: In der FAZ ein langer Artikel über Gymnasien. Enthält im Grunde nichts, was man nicht schon weiß, aber den Satz „Aufs Gymnasium gehören die geeigneten Kinder – und die eigenen“ fand ich schön. Der entspricht exakt dem, was alle Eltern zu denken scheinen, eine wirklich schöne Zusammenfassung. Ich würde mit erheblichem Abstand zur eigenen Schulzeit heute übrigens die Lateinvokabeln als außerordentlich nützlich einordnen, von denen habe ich tatsächlich immer noch etwas. Während ich das komplette Bio-Chemie-Physik-Mathewissen quasi mit dem Aushändigen des Abiturzeugnisses komplett verdrängt habe, was mich erst viel, viel später geärgert hat. Ich habe da als Schüler nichts interessant, schön oder unterhaltsam finden können, heute wäre das etwas anders. Na egal, ich gucke mir die Sachkundeblätter von Sohn I genau an und nutze die zweite Chance.

Gesellschaft: Zum Mitfreuen – Adelhaid hat geheiratet. Wer vielleicht schon vergessen hat, was das ausmachen kann – bitte hier nachlesen.

Hamburg/Irgendwasmitmedien: Der Printjournalismus stirbt so vor sich hin, aber in Hamburg-Harburg leistet einer Widerstand. Und wie.

Irgendwasmitmedien: Felix Schwenzel mit einem netten Detail zur Huffington Post Deutschland.

Reise: Ein Elternpaar aus unserem kleinen Bahnhofsviertel macht ein Reisejahr und tourt mit den Kindern etwas herum, es gibt also tatsächlich noch Menschen, die Zeit haben. Wie isses nun bloß möglich! Gerade sind sie mit Venedig durch, wo sie ein paar Wochen waren, die Erfahrungen mit der Stadt haben sie hier in ein paar nützlichen Reisetipps für Familien gebündelt.

Hamburg: Dicke Luft. War da nicht was mit Umweltstadt? Egal.

Österreich: Da gibt es jetzt eine Stammtisch-App, um dem gängigen Schwachsinn im tieffliegenden Smalltalk mit Fakten zu begegnen. Kann gerne auch für Deutschland entwickelt werden, würde ich kaufen.

Und noch ein Dank…

An die Leserin H.K. aus meiner Heimatstadt, die den Jungs ein Stickerbuch geschickt hat, nämlich dieses hier. Die Stickerbücher von Usborne lösen hier nach wie vor große Begeisterung aus, ich kann die auch als Mitbringsel sehr empfehlen. Die stehen noch nicht in jedem Kinderzimmer, gefallen aber allen Kindern, so weit ich es mitbekomme. Herzlichen Dank!

Schtzngrmm

Wenn man in diesen Wochen vor unserer Wohnungstür steht und eine Weile den Familiengesprächen lauscht – man hält uns vermutlich für irre. Was machen die da drin? Sprachübungen? Deklamieren sie, rezitieren sie? Reimen sie, lernen sie ein Theaterstück, verbiegen sie einfach nur Sprache, beleben sie den Dadaismus neu? Die Buddenbohms. Wirkten immer schon ein wenig seltsam.

Dabei lesen und schreiben wir nur. Und denken deswegen etwas anders nach, etwas lauter, etwas zielführender im Sinne der Rechtschreibung. Sohn I ist seit ein paar Wochen Grundschüler, da wird es Zeit für ein Update, das war ja versprochen. Wie läuft das Lesenlernen mit der so leidenschaftlich umstrittenen Anlauttabelle? Schreibt das Kind? Nützt das alles was, was die Pädagogen da ersonnen haben, oder geht die Kultur doch unter, während die Bordkapelle noch unverzagt das ABC-Lied spielt. Fragen über Fragen, ich beschreibe einmal, auf welchem Stand wir gerade sind.

Sohn I kann Einkaufszettel, Notizen und kurze Sätze schreiben, er kann Schilder lesen, Haltestellennamen erkennen und Straßennamen enträtseln. Er kann auch ganz langsam Bücher lesen, das ist nur furchtbar anstrengend und er sieht nach wie vor dabei so aus, als käme irgendwann Rauch aus seinen Ohren. Der Kopf wird rot, die Handknöchel weiß, aber es geht! Er liest, keine Frage.

Er macht es sich natürlich leicht, der Mensch sucht den bequemen Weg und dieser ist sowieso eher Filou als Fleißsternchensammler. Er liest in den Lustigen Taschenbüchern erst einmal die lautmalerischen und angenehm groß geschriebenen Geräuschbeschreibungen. Er amüsiert sich über KAWUMM und FUMPPP und WUUUUUUUUSCH und ZISCH. Und fragt sich, wie viel von den Geschichten er allein dadurch verstehen kann. Braucht man den Rest wirklich, das kleine Zeug in den Sprechblasen? Was macht das große Wort mit der Handlung? Und passt es überhaupt? So rutschen die Buchstaben allmählich in die Geschichten. Das ist noch nicht viel, aber das ist egal, das übt. Er liest auch in Wahrheit keine Haltestellennamen, er liest nur die ersten drei Buchstaben. “Röd…” das kann in Hamburg nur der Rödingsmarkt sein, warum sollte man sich da mehr Mühe geben? Mit der Methode kann man natürlich auch reinfallen, das muss er erst noch etwas justieren. Wenn da etwa ein Wort mit “Superhe…” anfängt und daneben Spiderman und Batman herumturnen, dann ist es für ihn ziemlich klar, dass man aufhören kann, was soll da schon stehen? Superhelden natürlich. Das steht da aber gar nicht, da steht Superheroes. Macht das was? Aber nein. Sowieso gilt: Wenn ein Wort sehr komisch ist, dann ist es ein englisches Wort, das weiß er auch schon. Wie oft das vorkommt, das merkt man wieder, wenn man einen neben sich hat, der alles buchstabiert. N…i…g…h…t – was? Nicht? Nickt? Das ist schon sehr, sehr kompliziert, vieles bleibt aber doch einfach. Vorne Ham… , das ist Hamburg, eh klar. Kommt meistens hin.

Nach der Methode lesen wir Erwachsenen übrigens auch, man merkt es nur nicht. Wir erfassen nicht alle Buchstaben, uns reichen gerade so viele, dass unser Hirn auf das richtige Wort im Kontext kommt, dann geht es zum nächsten Wort. Deswegen ist es so schwer, Tippfehler zu finden, besonders eigene, da weiß man zu viel Kontext. Wir fangen allerdings nicht mehr unbedingt vorne mit dem Erfassen der Buchstaben an, das Kind schon. Alles Lernen fängt eben vorne an.

Sohn I schreibt also Einkaufszettel, er schreibt Tomate, das klingt nach Tooooooooommmmmmmma…t…t….t…t. Und dann? Was kommt da hinten dran, dieser seltsame Laut, was ist das? Das ist eigentlich eher ein kümmerliches Schwa als ein stolzes E, dem muss man beim Sprechen etwas auf die Beine helfen, sonst hört man es nicht: Tomaté. Oder sagen wir Tomatö? Und dann Banané. Und wenn man zehnmal Banané gesagt hat, dann läuft das Wort natürlich Gefahr, im Familienslang so zu bleiben. Bzw. zu bleibén, weil es eben nicht bleibn heißt. B…l…a….i…b…e…n. Sprechen Sie das mal aus, wir reden hier gerade dauernd so, das ist interessant. Da ist ein A drin, und wenn man auf diese Art Mais auf einen Einkaufszettel schreibt, dann schreibt man das richtig. Aber Reis nicht. So schwer!

Man hört die Wörter wieder neu, man macht sie nackt und stellt sie bloß in ihren Silben, man vergrößert sie und pustet sie auf, man gibt ihnen Laute, die ihnen niemand mehr anhört. Sagen Sie mal Schlange, so ganz normal – da hört man das G gar nicht. Und wenn man darauf achtet, dann ist zumindest bei uns Norddeutschen der Laut nicht zu hören, den man macht, wenn man Schlan-ge sagt, ganz langsam, sehr betont, mit lustvollem G. Das akzentuierte G ist im Mund viel weiter vorne als der beiläufig reduzierte Konsonant in der Mitte der schnell gesprochenen Schlange. Faszinierend! Hört man da übrigens, bei diesem “faszinierend”, dass das erste I kein E nach sich zieht, das zweite aber schon? Fasziiiiiniiii… Man kaut auf der Sprache herum, man spuckt Konsonanten, man lässt Vokale aus dem Mund laufen und überall hängen Silben in der Luft. In der Lu-f-t.

Sohn II hat währenddessen seine Vorliebe für das Beatboxen entdeckt, er übt unentwegt an allen Geräuschen, die sich mit dem Mund nur machen lassen, und das sind viele. Und da er schon seit Wochen übt, kann er das verdammt gut. Nicht gut im Sinne des Beatboxings, gut eher im Sinne einer eigenen Klicksprache, wie man sie aus Afrika kennt, Wobei Sohn II die stimmlichen Laute und die Klicks nicht mischt, sondern sie hinten an die Wörter hängt. Er sagt also, wenn er etwas bekommt, nicht danke, er sagt etwas, das klingt wie danketskpfftk. Wenn man das ganz langsam und deutlich spricht und versucht, jeden Konsonanten mitzunehmen, kann man ahnen, wie es bei ihm klingt. Nicht wie ein Geräuschbrei, eher tatsächlich wie eine entwickelte Sprache. Er hat verschiedene Sounds für verschiedene Stimmungen, er klickt oder beatboxt sogar abends im Bett, bis er eingeschlafen ist. Ein wenig klingt das nach einem schmatzenden Meerschwein, manchmal aber auch nach einem ganz, ganz leisen Rhythmusgerät. Wenn Sohn I ein Wort lautiert, um zu verstehen, wie es geschrieben wird, hört Sohn II zu. Wenn Sohn I “lobt” sagt, dann muss er die Endkonsonanten aufdröseln, das macht er durch langsames Sprechen:”lo-b-t.” Dann kann er es schreiben. Während er schreibt, greift Sohn II die Endkonsonanten auf, b-t, b-t, b-t, sie werden immer schneller, sie werden irre schnell, sie bekommen einen Rhythmus, einen Beat. Währenddessen hat Sohn I geschrieben und liest noch einmal, er fängt mit einem langgezogenen looooooo an, das ist eingerahmt vom unentwegten btbtbtbtbtbtbtbt seines Bruders. Das geschriebene Wort wird mir gezeigt, gemeinsam überlegen wir, ob da ein B oder doch ein P klingt, wir sprechen das laut und überzogen, das macht einen Heidenspaß. Und weil Reime hier auch gerade in Mode sind, wird aus dem einen buchstabierten Wort schnell ein fix gedichtetes “Wer toooobt, wird geloooobt”, das man unendlich oft wiederholen kann, weil es so toll klingt. Der Jandl fällt einem ein, Schtzngrrm, kennen Sie das? Kein Gedicht für Kinder, das sicher nicht. Aber doch nah am Thema.

 

Wobei auch Ottos Mops nicht weit von den Sprachspielereien hier entfernt ist. Und absolut kinderkompatibel.

Sohn I geht gelassen damit um, dass er nicht jedes Wort richtig schreibt, er scheint das nicht als umwerfenden Misserfolg zu betrachten, das lernt man eben irgendwann. Er schreibt “Schips” auf den Einkaufszettel und sieht im Laden, dass da “Chips” steht. Aber das macht gar nichts, das Wort ist wieder englisch und damit ist das schon geklärt, das kann er ja nicht wissen. Die spinnen, die Briten, das reicht als Erklärung. Die Buta schreibt sich Butter, na ja, das kann man später genau lernen. Gekauft wird jedenfalls das richtige Produkt, man soll den Erfolg nicht unterschätzen, der liegt auf der Hand oder eben im Einkaufswagen.

Ansonsten steigert hier die Medienerziehung die Motivation, und zwar erheblich. Wir schreiben alle plötzlich mehr mit der Hand, weil sich hier alles um die Schrift dreht, aber es gibt auch noch eine ganz andere Welt, da tippt man die Buchstaben. Der Sohn möchte in den Legoladen gehen, dann soll er es bitte im Familienkalender auf dem iPad notieren, sonst vergisst man das doch so schnell. Und wenn Sohn I wissen möchte, welche ferngesteuerten Autos es gibt, dann muss er das eben in einer Suchmaschine eingeben und sich die Ergebnisse ansehen. Da bastelt er sich also “ferngesteuert” zurecht, das ist mühsam, sehr mühsam, aber da hat er ein Ziel, denn es ist bald Weihnachten und er hat einen Wunschzettel. Motivation ist alles, das klappt schon. Heißt es Auto oder Audo? Und dann, Papa, guck mal! Das ist ein irrer Effekt, die Software schlägt ja Wortschreibungen vor! Und da steht auch schon Auto. Ha! So geht das also, so kommt man weiter, so sieht man, was man schreiben wollte, plötzlich glasklar vor sich, das ist aber mal interessant. Das geht auch auf dem Handy, er tippt einen Buchstaben und schon schlägt das Handy ein Wort vor, wie toll ist das denn? Es reißt ihn mit und er nimmt einfach irgendeinen Vorschlag an, immer wieder und wieder, er schreibt einen ganzen Satz auf diese Art, da steht: “Die Frage nach den Fragen der Frage ist die Sonne der Perspektive.”

Das ist einfach nur irgendein Unsinn aus der Rechtschreibkorrektur, nichts davon hat das Kind gemeint oder gedacht, das ist nur Zufall, das ist irres Getippe. Oder aber irgendein Geschwurbel aus dem dritten Semester Philosophie, wer weiß. Wir bewahren den Satz besser auf, vielleicht braucht man ihn noch einmal.

Was ich sagen wollte: Lesenlernen läuft.

 

Zwischendurch ein Dank…

… an die Leserin T.K., die den Jungs “Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer” von Michael Ende geschickt hat. Das Buch war tatsächlich, warum auch immer, bisher in diesem Haushalt nicht vorhanden, manche Lücken sind ja doch erstaunlich. Den Titel hat sich Sohn I schon selbst zusammenbuchstabiert, den Rest lese ich dann demnächst vor.

Vielen Dank!

Woanders – Der Wirtschaftsteil

In dieser Kolumne geht es oft um den Nahverkehr, der allzu oft in den Medien kein Thema ist oder nur ganz, ganz weit am Rand vorkommt. Zur Zeit ist er aber doch überall ein Thema, das kommt allerdings nicht durch spontan gestiegenes Interesse an Umweltthemen, das kommt durch den Streik der GDL. Den haben wir schon in der letzten Woche kurz erwähnt, als typischen Streik, den niemand sympathisch findet. Aber wie immer gilt, wenn alle in die gleiche Richtung denken, sollte man umso mehr auch auf andere Meinungen hören, es könnte doch etwas dran sein. Die GDL-Versteher vom Dienst findet man im Moment bei den Nachdenkseiten. Es ist kompliziert, wer konnte damit rechnen.

Und wir ergänzen gleich noch etwas Positives zum Nahverkehr, denn die Bahn wird bekanntlich entweder durch Streiks oder durch umgestürzte Bäume auf der Oberleitung aufgehalten. Und wenn sie nun auch ohne Oberleitungen fahren könnte?

Das Thema Nahverkehr geht natürlich nicht ohne Fahrräder, das hat hier Tradition, und da haben wir noch etwas Nettes. Wie sieht es aus, wenn Radfahrer so viel Platz wie Autos in Anspruch nehmen? Nebenbei kann man sich kurz fragen, wie auf diese Art wohl die Critical-Mass-Aktionen in deutschen Großstädten aussehen würden, ein immerhin amüsanter Gedanke. Dazu schön passend noch ein paar Gedanken über Steuergerechtigkeit im Straßenverkehr.

Und damit schwenken wir zu einem der Kernbegriffe, zu denen wir hier immer wieder zurückkommen. Wir hören einer Dame zu, die man wohl ohne großen Widerspruch große Dame nennen kann, sie spricht über Sustainability, also Nachhaltigkeit (englischsprachiger Film): Jane Goodall.

Besonders interessant im Beitrag vielleicht die Passage, in der sie den ersten Teil des gefälligen Satzes “Think globally – act locally” kritisiert. Wenn man locally schon nicht handelt, aber doch zumindest nachdenkt, dann landet man ganz schnell wieder beim Essen, denn spätestens beim Einkauf handelt man eben doch, sogar unweigerlich. Bei der FR denkt man über die Ökobilanz von Lebensmitteln nach. Und da kommt sie wieder, die Empfehlung der regionalen Lebensmittel. Und schon hebt ein anderes Medium mahnend den Zeigefinger: Vorsicht.

Aber tatsächlich hat das Argument von Frau Goodall etwas – es ist wohl tatsächlich entmutigend, global zu denken. Es ist einfach zu kompliziert, die Dinge müssen viel einfacher sein, um für uns halbwegs klar zu sein. Vielleicht sollte man daher die Versuche der Medien begrüßen, komplexe Themen herunterzubrechen, so dass man noch mitkommen kann. Etwa beim aktuellen Bericht des Weltklimarates – hier in einige wenige und nachvollziebare Aussagen geteilt.

Und auch ganz zum Schluss noch einmal zu Frau Goodall, zurück zu der Biodiversität, die sie da angesprochen hat. In diesem Zusammenhang der Hinweis auf ein skurriles, aber auch nützliches  Projekt, das so vermutlich nur aus Großbritannien kommen kann. Ob es das auch jemals in Deutschland geben wird? Das Shazam for birds? Toll klingt es schon.

GLS Bank mit Sinn

Die Herzdame backt: Gedeckter Apfelkuchen

Nachdem das Kleid der Herzdame bei der letzten Ausgabe von “Die Herzdame backt” zu quasi tumultartigen Zuständen in meinen Timelines geführt hat, fahren wir das jetzt etwas zurück, das Niveau kann man so nicht halten. Sie trägt auf den Bildern in dieser Folge also nur ein beliebiges Kleid aus dem Schrank, eines ganz ohne Quellenangabe. Just an old frock, wie Dame Edna sagen würde. Kennt man die überhaupt noch? Egal.

Es geht um gedeckten Apfelkuchen, also um einen Kuchen, der mit dem einen oder anderen Rezept definitiv in jeden gepflegten Haushalt gehört. Gebacken wird der hier nach einem Rezept von dem Apfelhof im Alten Land, den wir regelmäßig zur Apfelernte besuchen, der letzte Text dazu steht hier. Es ist, so steht es auf einem Zettel von dem Hof, ein Rezept nach Oma Wilhelmine. Also quasi ein wilhelminischer Apfelkuchen, wir wollen hier ja keinen Wortwitz auslassen.

Man braucht:

150 g Margarine
1 Ei
100 g Zucker
1 Pck Vanillezucker
1 Prise Salz
300 g Mehl
2 gestr. TL Backpulver
1,5 kg Äpfel – genau nach Rezept geht es um Äpfel der Sorte Finkenwerder Herbstprinz. Andere Sorten gehen aber auch, sagen unsere Erfahrungen.
Etwas Zimt
2 EL Zucker zum Dünsten

Der Finkenwerder Herbstprinz mag perfekt geeignet sein, wir machen hier aber Apfelkuchen, wenn Äpfel weg müssen. Und das sind dann eben irgendwelche Äpfel, in diesem Fall irgendeine nicht erkannte Sorte aus Frankreich, wir hatten gerade Besuch von da mit Obst im Gepäck.

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Für den Teig wird die Margarine, die wir übrigens klammheimlich gegen Butter getauscht haben, mit Ei, Zucker, Vanillezucker und dem Salz verrührt. Mehl und Backpulver wird dabei nach und nach dazugegeben. Dann wird der Teig geteilt. Zwei Drittel davon werden in einer Springform ausgerollt und an den Rändern hochgedrückt.

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Dieser Teil des Teigs wird als Boden bei 200 Grad 10 Minuten gebacken. Den Rest des Teigs vor den Kindern in Sicherheit bringen und zur Seite stellen.

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Die Äpfel schälen und würfeln. Das können im Prinzip Kinder übernehmen, die sind damit faszinierend lange still und besinnlich beschäftigt. Allerdings sieht dann der Fußboden aus wie auf dem folgenden Bild. Irgendwas ist immer.

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Sollten Kinder versehentlich zum falschen Obst greifen, erklärt man geduldig Unterschiede. Wobei ich natürlich etwas im Vorteil bin, denn als Controller kann ich jederzeit das tun, was sonst kaum jemand kann, nämlich Äpfel mit Birnen vergleichen. Zahlt sich der Beruf doch einmal aus!

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Dann die Äpfel mit etwas Zimt und zwei EL Zucker etwa 10 Minuten dünsten.

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Die angedünsteten Äpfel als Füllung auf den Boden geben.

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Den Rest des Teiges rund ausrollen und vierteln. In der Theorie geht der folgende Schritt leichter, wenn die Arbeitsfläche bemehlt ist. Das ist allerdings tatsächlich Theorie, das Zeug klebt immer wie Teufel. An allem. Immer.

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Der Kuchen wird damit abgedeckt. Es macht nichts, wenn man die Viertel nicht in ästhetisch ansprechenden Stücken abgelöst bekommt, das verbackt sich. Keine Panik. Mitdenkende Leserinnen merken bei den nächsten Bildern, das wir komplett vergessen haben, den unteren Teigteil vorzubacken – das bitte nicht nachmachen, das ist strategisch unklug.

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Auf der untersten Ebene im Backofen bei 200 Grad 35 Minuten fertig backen.

Laut Rezept soll man den Kuchen noch mit Zuckerguss verzieren, die Herzdame streut lieber VOR dem Backen Rohrzucker drüber.

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Das geht sehr einfach, das geht auch ziemlich schnell, jedenfalls wenn die Äpfel kleingeschnitten sind, und das schmeckt verblüffend super.

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Nicht im Bild eine eigentlich essentiell wichtige Zutat, die Schlagsahne. Oder, um einmal eine akut vom Aussterben bedrohte Hamburger Vokabel unterzubringen: Schlaggermaschü. Ist das nicht schön? Das klingt schon so, wie es sich im Mund anfühlt. Schlaggermaschü. So ein wunderbares Wort, das sollte viel mehr gepflegt werden.