Kategorie: Woanders – Der Wirtschaftsteil

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wir nehmen uns heute das Thema Ethik vor, denn wenn es um Werte und Sinn und Richtung geht, um weiter nach vorne zu kommen, dann braucht man einen Kompass. Und vielleicht auch ein System, wobei man darüber schon streiten könnte.

Bei der Ethik geht es laut Wikipedia um die Bewertung menschlichen Handelns, und zwar nicht in einem merkantilen, sondern in einem philosophischen Sinne, versteht sich. Nils Markwardt schreibt über den Gegensatz zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik und über die moderne Politik. Man kann das sehr leicht auf Unternehmen oder auf die alltagsphilosophischen Betrachtungen übertragen, nach denen man sich selbst auszurichten meint, es ist ein recht interessantes Gedankenspiel, welcher Fraktion man wann und wobei mehr zuneigt. Manche Firmen kommen da auf ziemlich verblüffende Aussagen zu ihrer Daseinsberechtigung.

Die Frage, was man richtig machen kann, was überhaupt Sinn haben kann, sie treibt Menschen wieder und wieder um und sie führt zu immer neuen Ergebnissen. “Effektiver Altruismus”, das hat man so vielleicht noch nicht gehört. Etwas um die Ecke gedacht, so kommt es einem vielleicht auf den ersten Blick vor. Aber auch nicht uninteressant. Wobei man vermutlich auch bei noch so stabiler Ethik ab und zu den Hinweis braucht, dass all die Bemühungen auch etwas nützen.Denn das sehen wir oft nicht, weil wir es nicht können, nicht wollen, nicht gewohnt sind, warum auch immer.

Und es mag auch nützen zu wissen, wogegen man eigentlich ist, das lässt manchmal wieder schärfer hervortreten, wofür man ist. “Wir müssten uns wieder ernsthaft der Frage stellen, was für ein Leben wir leben wollen.” Wer kirchlich ausgerichtet ist, findet zumindest als Katholik auch interessante Quellen zur Frage “wogegen bin ich”. Und wenn man meint, dass das, wogegen man ist, zumindest teilweise am Kapitalismus liegt – nach Meinung einiger scheint sich da eh etwas zu ändern, man kann dabei zwischen Dystopie und Utopie im Moment frei wählen. Eine Utopie ist selbstverständlich die nettere Wahl (englischer Text).

Zum Schluss noch einmal der Bogen weg vom System zu unserem eigenen Handeln, gerade zum beruflichen Handeln, das uns so sehr prägt. Zur Sinnhaftigkeit der eigenen Berufswahl findet man gar nicht so oft Texte, die etwas tiefschürfender herangehen, hier dann aber doch einmal. ”Wir müssen den Interessen anderer dienen, indem wir auf einem speziellen Gebiet gut werden.” Wie der olle Kempowski gesagt hätte: Da mal drüber nachdenken!
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Woanders – Der Wirtschaftsteil

Nach der Ernährung in der letzten Woche nun die Produktion der Lebensmittel. Die Landwirtschaft in Deutschland wird in der Welt als Branche zwischen Nostalgie und Globalisierung dargestellt, ein etwas längerer Überblick. Man könnte vielleicht ergänzen, dass sich enorm viele Berufe genau in dieser Spannungssituation befinden, keineswegs nur Landwirte. Da kann jede Tischlerei mitreden, jede Druckerei, jede Taxiunternehmen etc. Und der im Text erwähnte geizige Verbraucher – er taucht je nach Medium mal auf, mal wird er vehement bestritten. Es scheint kompliziert zu sein.

Bei der Milch redet man auch über ein wirtschaftlich absonderliches Phänomen, bei dem einige Grundregeln auf den Kopf gestellt werden, nämlich um bezahlte Nichtproduktion – dazu Jakob Augstein auf SPON. Und gleich noch ein Kommentar, diesmal im Tagesspiegel: “Weiter so kann nicht die Antwort sein.”

Man kann bei dem Thema zwischendurch einen Blick nach Afrika werfen, dort gibt es ebenfalls Milchmärkte, und die haben mit europäischen Kühen durchaus etwas zu tun. Im Freitag sieht man sich das genauer an.

Ein positiver Ausblick bei der Deutschen Welle, da wird die Solidarische Landwirtschaft erläutert: “Es ist wieder Zeit, solidarisch zu denken.” Mehr dazu im Schweizer Bilanz-Magazin. Und wenn man schon dabei ist, kann man bei der Landwirtschaft auch einmal über Größe nachdenken, das passt schon. Oder über die Umstellung auf Bio, eh klar.

Und selbstverständlich kommen wir bei dem Thema ohne einen Link zu einem Text über das Schicksal der Tiere nicht aus. Die Überschrift ist so deutlich, wie sie nur sein kann (englischer Text): “Industrial farming is one of the worst crimes in history.” Wie bekommt man von da aus wieder die Kurve zu einem positiv besetzten Thema wie etwa, nun ja, Sex? Das kann man bei Sibylle Berg nachlesen.

Zum Schluss aber ein richtig unterhaltsamer Link, in dem es um Eier geht, ganz abseits der agrarindustriellen Massenproduktion. Es geht nur um ein paar Eier, die sind sogar umsonst. Fynn Kliemann baut eine Eierverschenkmaschine, das ist ein Film über das Verschenken, über Eier, über das Heimwerken. Vorsicht, da das Heimwerken gerne eine bestimme Dynamik entfaltet, enthält der Film etliche nicht jugendfreie Ausdrücke, und Hedge-Fond ist da noch einer der harmlosen.

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Woanders – Der Wirtschaftsteil

Das Thema Ernährung wird uns zwei Ausgaben lang beschäftigen, wobei wir aber die logische Reihenfolge umdrehen. Hier geht es erst einmal hauptsächlich um den Verzehr, in der nächsten Woche dann erst um die Herstellung von Lebensmitteln. In der FAZ gibt es da einen Artikel über quasi alles, was unsere Ernährungsgewohnheiten betrifft, besonders interessant vielleicht die fünf Schichten der Ernährungsheimat, die im Text am Beispiel von Nürnberg dargestellt werden. Das kann man ja einmal auf seine Heimatgegend übertragen und kurz nachdenken, was da warum auf den Teller kommt, wie das Regionale zum Europäischen wird.

Der vermeintlich typisch deutsche Billigkonsum kam da gerade auch vor, dazu noch etwas mehr speziell zum Preis des Fleisches bei den Krautreportern.

In der Welt geht es darum, was man nicht isst, und da sind wir also beim Stichwort Orthorexie und auch bei Health-Religionen, also bei den etwas anstrengenderen Haltungen zum Thema Essen. Noch mehr zur Orthorexie in der Zeit und auch bei Spektrum, das Thema ist gerade in.  

Zur richtigen Ernährung gehört natürlich auch die Versorgung mit Vitaminen, über die Abgründe der Vitamin-Industrie in China gibt es einen sehr langen Artikel in der Zeit, vermutlich ist es ein Thema, über das kaum jemand etwas weiß.

Und gleich noch einmal China – “Schwarzenegger und die chinesischen Vegetarier” klingt wie ein Kapitel aus einem absurden Roman mit groteskem Humor, tatsächlich aber haben wir hier noch einen Artikel aus der Zeit, in dem das ganz sinnvoll miteinander verbunden wird.

Nach diesen Artikeln bietet sich zur Entspannung zwischendurch eine Tasse Tee an, vielleicht Elfentraum oder “Fester Halt?” Doch, die Namen sind ernstgemeint. Der Begriff Emotionalisierungswelle im Text ist übrigens sehr schön, nach solchen Wellen kann man auch selber suchen, etwas Nachhilfe dazu noch in der NZZ. Und wenn man schon so einen Tee trinkt, dann kann man dazu auch eine schicke Tasse nehmen und erst einmal den Tisch freiräumen. Denn das macht durchaus etwas aus.

Wenn das, was da warum auch immer auf dem Teller liegt, besonders gut aussieht, dann sind wir wieder bei Foodporn. Das  kam in dieser Kolumne natürlich schon vor, es gibt aber ein sinnvolles Update dazu, mit inhaltlichen Überlegungen, die so bisher noch nicht dabei waren. Und zwar hier im Tagesanzeiger. Und wo wir schon bei Updates zu bekannten Themen sind – hier noch ein sehr, sehr böses zur Paleo-Diät.

Die Orthorexie war in dieser Ausgabe womöglich etwas raumgreifend, da müssen wir uns kurz vor dem Ende besser noch einmal besinnen – was ist denn nun wirklich gut?

Und ganz zum Schluss zur Abwechslung einmal ein Link für den Freundeskreis Bier, warum auch nicht. Es ist Sommer, das passt schon.

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In Berlin gab es gerade den Wirtschaftstag Familie, dort wurden diverse Unternehmen verschiedener Größenordnungen und aus sehr unterschiedlichen Branchen für ihre Verdienste um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ausgezeichnet. Vorgestellt wurde bei dieser Veranstaltung auch das Konzept der Familienarbeitszeit, hier eine leider etwas sperrige Erklärung, man findet noch nicht allzu viel dazu, es wird berufstätige Eltern vermutlich dennoch interessieren.

Als Gäste waren bei der Veranstaltung auch mehrere ElternbloggerInnen geladen, eine gute Gelegenheit, das Thema Vereinbarkeit aus deren Sicht anzugehen und mal wieder einen Wirtschaftsteil fast ausschließlich mit Blogartikeln zu gestalten. Vielen Dank an alle, die via Twitter Links dazu beigetragen haben! Man kommt nicht zu einem einheitlichen Bild, wenn man diese Texte liest, dazu sind die Situationen und die Familien zu verschieden. Man kann aber kaum überlesen, dass vernünftige Betreuungsangebote eine nicht mehr zu diskutierende Selbstverständlichkeit sein sollten – und man sollte als Mann auch nicht übersehen, dass ein Zorn die Texte vieler Autorinnen prägt, an dem die Rollenverteilung im privaten und beruflichen Bereich nicht unschuldig ist.

Beginnen wir gleich mit einem älteren Wutausbruch von Frau Brüllen, der direkt zur Frage führt, ob die Sache an sich so schwierig ist oder ob gewisse Herren schlichtweg nicht mitspielen. Gewisse Herren, die doch dringend mit sich verhandeln lassen sollten.

Ein Thema, das man selbstverständlich bei dem Thema nicht auslassen und das man aus unterschiedlichen Richtungen durchdenken kann. Denn natürlich kommt man dabei immer wieder auf Grundsatzfragen, man knallt förmlich dagegen, immer wieder muss man sich fragen, was Familie ist, was Arbeit ist, was man als ArbeitnehmerIn, als Vater, als Mutter, als Kind ist und in welcher Beziehung zueinander das alles stehen soll. Man definiert immer wieder Aspekte neu und kommt nicht zwingend auf die Antwort, auf die die Nachbarn kommen.  Und wenn man anfängt, sich dabei zu rechtfertigen, lohnt auch ein etwas längerer Text zum Thema, in dem man das genau hinterfragt. Väter können ja auch einmal 15 Minuten mit so einer Rechtfertigung verbringen, 15 Minuten sind bei Vätern gerade eine sehr angesagte Zeiteinheit.

Ich habe von dem moment an, als ich anfing mich mit meiner weiblichen identität auseinanderzusetzen, erst wirklich die diskrepanz in unserer rollenverteilung gespürt.” Es ist eben auch ein Thema, das uns auf uns selbst zurückwirft, wie auch immer der Staat oder die Arbeitgeber Regelungen und Möglichkeiten vorgeben. Man kann dabei auch auf klar formulierte Wünsche kommen, wie hier am Ende des Textes.

Hab‘ nur ich das Gefühl, dass suggeriert wird, gelungene Vereinbarkeit findet nur dann statt, wenn mindestens zwei Karriere machen und das Familienleben entspannt läuft?” Noch einmal – über diese Fragen muss nachgedacht und geredet werden, und es ist ein schönes Verdienst der Blogszene, dass diesen Fragen so viel Raum gegeben werden kann, abseits der Berichterstattung über Statistiken und harte Fakten in den anderen Medien, die über die Wahrheit in Familien eh nichts aussagen.

Aber es gibt schon auch Zahlen, die ziemlich beeindruckend sind, wie in diesem Zitat, das man ruhig zweimal lesen kann, so interessant und wichtig ist es: 60 Prozent aller Eltern mit Kindern unter drei Jahren wünschen sich, dass beide Teilzeit arbeiten und sich die Care-Arbeit 50/50 aufteilen. Auf Dauer ziehen gerade mal zwei Prozent aller Familien dieses Modell durch.”  Das ist nicht irgendein Zahlenbeispiel, das ist ein erheblicher Teil des Problems in nuce.

Gefunden wurde das Zitat in einem Text, der nicht umsonst die “Teilzeit-Falle” im Titel trägt. Aber es ist eben nicht undenkbar, dass beide Teilzeit arbeiten, es ist nur ein gesellschaftlch bisher ungewohntes Konstrukt: “Vielleicht müssen wir aber auch mal an ein Modell denken, in dem wir beide 75% arbeiten.Doch, darauf kann man kommen. Und dann müsste man es noch schaffen, Teilzeit vom Karrierekiller-Stigma zu befreien. Wobei man beim Thema Teilzeit natürlich auch über Geld sprechen muss, das bleibt nicht aus.

Es wird übrigens gar nicht langweilig, Situationsberichte aus Familien durchzulesen, wenn man selbst von dem Thema betroffen ist. Es ist ungemein spannend, wie es andere machen und mehr oder weniger schaffen, hier noch ein Beispiel von zwei Selbständigen.

In diesem Blog findet man auch noch mehr Links und eine ebenso lesenswerte Tweetsammlung zum Thema.

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Urban Gardening hat zweifellos das Potential, ein eher lauschiges Thema zu sein, es gibt aber auch andere Seiten. Denn in öffentlichen Gärten treffen Menschen aufeinander, was an sich schon  ein Problem sein kann, und es treffen auch jene Menschen auf Pflanzen, die Grünzeug eher idiotisch finden. Zumindest erst einmal. Dazu eine lange Reportage in der SZ über den “Garten der Harten” in Berlin. Und weil es vielleicht etwas nervtötend ist, immer nur nach Berlin zu sehen, hier noch ein Film über Andernach, die erste essbare Stadt Deutschlands. Schon etwas älter, das ist bei dem Thema allerdings völlig unerheblich.

Ein wenig mehr zur Utopie des Grüns im urbanen Raum gibt es bei der FR, das reicht im Text sogar bis zur sicherlich gewagten Formulierung von der “Generation Garten”. Utopisch mutet auch der Gemüseanbau in U-Bahntunneln an, das Thema hatten wir vor längerer Zeit schon einmal. Hier ein Update dazu, eine gute Gelegenheit, London ganz ohne Brexit zu erwähnen.

Wenn man das utopische Denken noch etwas weiter treibt, kommt man auf neue Formen der urbanen Siedlung, dazu hier ein Beispiel aus Holland (englischer Text).

Für den Smalltalk zu grünen Stadtthemen nehmen wir den Begriff Guerilla Grafting mit, da geht es auch um Essbares an erstaunlichen Stellen (englischer Text). Wichtig im Zusammenhang mit öffentlichem Grün ist auch die Bezeichnung “Urban Commons”, dazu ein Interview mit einem Stadtforscher.

Man sollte aber nicht vergessen, dass es nicht nur darum geht, Grün in die Stadt zu bringen, man muss auch Menschen in das Grün bekommen. Dazu am Rande noch ein kleiner Hinweis auf einen Designspaß aus Polen, man beachte das Multifunktionskonstrukt im Park.

Dann verlinken wir noch ganz passend zum Thema Designspaß ein wenig Amüsement für den Freundeskreis Fahrrad – da werden Räder gebaut, wie sie aus der Erinnerung gezeichnet wurden. Der Spaß wird noch besser, wenn man jetzt sofort zum nächsten Zettel greift und ein Fahrrad zeichnet.

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Es geht in dieser und vermutlich auch in der nächsten Woche um unsere Lebensräume, um Städte und um Landflucht. Im ersten Text kommt das Thema noch gar nicht so prominent vor, er ist dennoch hochinteressant und gleich an manchen Stellen zitierfähig mit tiefgründigen Sätzen zu unserer Gesellschaft und zu unserem Zusammenleben. In der Stadt und auch anderswo. “Wir können den ganzen Tag darüber reden, dass die Welt nicht funktioniert, aber sie kümmert sich überhaupt nicht darum. Keine ganz leichte Lektüre, aber es ist vermutlich doch lohnend, dem Interview zu folgen.

Einige Aspekte aus dem Interview werden in einem Projekt aufgegriffen, dass in Hamburg gerade testweise eingesetzt wurde. “City Scope” ist ein Instrument der Stadtplanung, vielleicht auch der Demokratisierung. Auf jeden Fall scheint es ein Instrument zu sein, das Stadtmenschen kreativ mit ihrer Umgebung umgehen lässt.

Ein anderes Stichwort, das man heute beim Thema Stadtplanung im Smalltalk wohl kennen sollte, ist “Slow Urbanism”, das wird hier am Beispiel von Antwerpen erklärt.

Wobei es natürlich nicht so ist, dass man nur in der Stadt kreativ mit dem Umfeld umgehen könnte. Auch in kleineren Gemeinden gibt es interessante Ideen. Und man kann auf weitere, auch auf drastischere Ideen kommen, um der Landflucht zu begegnen oder  ihr vorzubeugen. In der SZ werden Beispiele gesammelt. In der gleichen Zeitung übrigens auch ein nicht ganz so optimistisches Special zum Thema.

Apropos kreativ und apropos Siedlungen – man muss auch zur Kentnis nehmen, dass man Häuser mittlerweile drucken kann (englischer Text). Das hat gar nicht groß für Schlagzeilen gesorgt, ist es nicht seltsam? Ändert das nicht sehr viel, wenn man sich das etwas weiter ausmalt?

Und ist es nicht immer wieder faszinierend, wie die Städte auf die Menschen und die Menschen auf die Städte wirken, wie Änderungen in der Stadtplanung für viele, viele Änderungen sorgen, man sehe sich hier etwa ein Beispiel aus Kolumbien an. Oder hier, Barcelona, da geht es um Verkehr und Straßenraum (englischer Text) und um einen Ansatz, von dem man immer mehr liest, nämlich den BürgerInnen die Straße wiederzugeben. Die übrigens, das gehört auch dazu, die Straßen oft auf ihre eigene und eigentlich nicht vorgesehene Art verzieren.

Schließlich noch ein Artikel zur Frage, warum jede Stadt anders tickt und warum sich jemand vielleicht in Frankfurt am Main wohlfühlt, in Berlin aber nicht. Oder umgekehrt. Haben Städte denn tatsächlich einen wahrnehmbaren Charakter, der über die Bausubstanz hinaus nachweisbar ist? Was ist dran, wenn uns Städte unerklärlich unsympathisch sind?

In der nächsten Woche u.a. Etwas zum Thema Urban Gardening, das dürfte dann zu dem passen, was auf einigen Balkonen gerade erntereif wird.

Für dem Freundeskreis Fahrrad zum Ende aber noch eine Meldung, bei der schon die Überschrift interessant ist, alleine schon die Tatsache, dass man darüber überhaupt nachdenkt – über die grüne Welle für Radfahrer.

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Übers Wetter haben Menschen schon immer geredet, über das Klima reden wir erst seit einiger Zeit – dafür aber immer häufiger. Wenn man die Medien beobachtet, wie wir das hier tun, kann man sagen: es erscheinen seit etwa einem Jahr signifikant mehr Artikel zum Thema Klima, in seltsamen Unwetterperioden wie in den letzten Wochen natürlich noch viel mehr. Der Deutsche Wetterdienst hat in der letzten Gewitterphase 3.000 Warnungen herausgegeben – nicht nur das Wetter ist extrem, auch solche Zahlen sind es. Hier eine wissenschaftliche Einschätzung der aktuellen Situation in Nordeuropa.

Etwas polemischer macht das natürlich mehr Spaß, das finden wir hier. Aber polemisch hin oder her, in den Beitrag ist ein Film eingebettet, und den sollte man ruhig mal bis zum Ende ansehen, das sind 11 gut investierte Minuten, dann versteht man wieder ein wenig mehr vom Thema. Im Text wird ein eher schmaler Temperaturkorridor erwähnt, in dem wir uns wohlfühlen. Dazu bitte auch diese Meldung aus Indien zur Kenntnis nehmen, das hat dann mit Wohlfühlen nämlich rein gar nichts mehr zu tun.

Polemik erreicht die Rezipienten auf einer anderen Ebene als die Logik, und wie man beim Thema Klimawandel wen erreicht, das ist eine Frage, die auch nicht ganz unwichtig ist. Denn wir reagieren ja einfach nicht (englischer Text). In dem SZ-Text ist auch die Rede von der Trauer um das Zeitalter der fossilen Energie, was vermutlich ein Satz ist, der nur auf den ersten Blick wie ein Scherz klingt. Wenn man direkt dahinter diese Meldung über Norwegen liest (englischer Text), wird das vielleicht etwas deutlicher, es ist eben ein Zeitenswechsel, da endet also auch etwas. Da wird z.B. der Wandel im Verkehr, dessen Geschwindigkeit unsere jetzige Vorstellungskraft wohl noch etwas überfordert, plötzlich ziemlich deutlich. Eine ganz ähnliche Meldung gab es übrigens neulich aus Holland, beide Länder sind nicht allzu weit weg von uns, sollte man meinen. Es geht aber auch noch näher – Berlin.

Ein Punkt, der immer noch oft untergeht, ist die Tatsache, dass der Klimawandel die ärmeren Länder härter trifft (englischer Text).In diesem Zusammenhang auch die etwas saloppe Frage, ob das vorhin schon erwähnte Indien die Kurve kriegt.

Den Perspektivwechsel, den wir in dieser Kolumne oft versuchen, etwas einmal von ganz oben, dann wieder aus der nächsten Nähe zu betrachten, den bekommt man beim Klimawandel ganz besonders gut hin. Wir sehen erst einmal global auf diese in den sozialen Netzwerken ungeheuer erfolgreiche Grafik oder, warum auch nicht, auf die Sichtweise der katholischen Kirche – und direkt danach vor unsere unsereHaustür, bzw. vor unsere Deiche. Wobei die Redewendung “vor unserer Haustür” auch durchaus angebracht ist. Und noch einmal apropos Häuser, es geht auch oft unter, dass Menschen bereits jetzt wegen des Klimawandels ihre Heimat verlassen müssen. Nicht erst in irgendeiner nur vielleicht halbwegs nahen Zukunft, es ist die Gegenwart, in der das passiert.

Der Mensch kommt in solchen Situationen auf Ideen, denn der Mensch will dauernd etwas machen.  Dass die Lösung wohl darin liegt, etwas nicht zu machen, Verzicht zu üben, Ansprüche zurückzuschrauben, darin liegt wohl eine der Hauptschwierigkeiten für uns. Etwas nicht zu machen, das fühlt sich einfach nicht wie eine gute Tat an, das ist nichts für Macher wie uns, da müssen wir unser Selbstbild wohl grundlegend renovieren. Aber warum sollten wir das nicht können? Renovieren … da macht man doch schon wieder was.

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Ein paar Artikel zu dem, was ungerecht, unsozial oder sonstwie seltsam in der Gesellschaft ist. Und da fangen wir gleich mit der großen Keule an. Sowohl was die Fakten im Text als auch was die Überschrift betrifft: Mehr Gerechtigkeit wagen.Und weil das Thema Boni gerade ein paar Leute mehr aufregt, noch ein Einwurf aus der Schweiz mit einem anderen Vorschlag, wer diese Wohltaten erhalten sollte. Und zwischendurch kann man sich ruhig auch einmal fragen, ob das eigentlich jemanden stört, dass es diese Ungleichheit gibt. Oder ist das eben so, quasi per Naturgesetz, in unserer Form des Wirtschaftens? Es stört tatsächlich. Diese Meldung aus der Zeit kann man da ruhig ein wenig mitdenken, da geht es um den schweren Schritt von “es stört mich” zu “ich mach was”.

Dieses “Ich mach was” kann sich auch anders und sehr unerfreulich auswirken, dazu Heinz Bude in der FAZ.

Aber viele werden jetzt denken, dass sie ja gar nicht dazugegehören, dass sie also weder in irgendeinem Aufsichtsrat sitzen noch bitterarm sind, sondern eher in der Mitte zu finden sind, in einer Mitte, die im letzten Jahr in etlichen Artikel als bedroht dargestellt wurde. In der Zeit hält man dagegen, das ist lang und lesenswert, da geht es auch noch einmal um staatlich festgeschriebene Ungerechtigkeiten. Mitlesende Eltern möchten vielleicht besonders auf die Textpassage mit dem “Mix aus Harvard und Bullerbü” achten – eine wunderbare Formulierung und womöglich ein Treffer.

Beim Spiegel geht es um die anderen, die von allen (nicht nur finanziellen) Boni weit entfernt sind, es geht um die Armen und um die Definition der Armut die, wie könnte es anders sein, auch etwas komplizierter ist, als man zunächst denkt. Vielleicht passt dahinter ganz gut eine Meldung, die eher in den Panorama-Teil der Tagespresse passt, aber doch etwas wirtschaftlich Wichtiges verdeutlicht: Die reichen Familien in Florenz sind immer noch die, die es auch schon vor 700 Jahren waren.

Für den Freundeskreis Fahrrad hatten wir in der letzten Woche eine Meldung zu Dienstfahrrädern, wir machen heute mit Spezialrädern weiter, diesmal geht es um Lastenräder. Einer fahre des anderen Last, das passt doch recht gut zum Rest des Textes heute.
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Fast nur lange Texte in dieser Ausgabe, dafür gibt es ein paar Links weniger. Vorweg gleich ein Longread zur mit Abstand häufigsten Phrase in dieser Kolumne, nämlich zu “Es ist kompliziert”. In der brandeins geht es recht ausführlich um die Frage, ob alles kompliziert ist, ob wir nur kompliziert denken oder ob wir einfach nicht die richtige Haltung gegenüber der ach so komplexen Welt haben. Der Text fängt an mit “Wir haben es nicht leicht”, da kann kann erst einmal kollektiv mitseufzen und sich dann etwas warmdenken.

Passend dazu eine Buchrezension, in der es um Bürokratie geht. Der Text braucht ein wenig, endet aber dort, wo wir gedanklich häufig sind, nämlich beim Gemeinwohl.

Und beim Denken und bei Komplikationen bleiben wir dann gleich noch, mit einem etwas seltsamen Text aus der Zeit. Da geht es um Generationen, wobei man ja bei dem Stichwort schon stöhnen könnte, weil es so abgenudelt ist. Es ist aber dennoch interessant, weil der Text so aggressiv ist, dass es schon wieder Bände spricht. Ein Babyboomer kontert den Artikel eines Generation-Y-Journalisten (der andere Text ist dort verlinkt). Er wirft ihm da u.a. mangelnde empirische Evidenz vor, nur um dann exakt so zurückzuschlagen, es ist wirklich merkwürdig. Aber man kann das natürlich dennoch unverbindlich auf sich beziehen und sich fragen, was davon im eigenen – natürlich auch nicht repräsentativen – Umfeld stimmen mag und was nicht. Und sich dann vielleicht auch zu fragen, warum die Diskussion eigentlich im Jammern steckenbleibt und nicht zu Lösungsvorschlägen findet. Sind unsere Generationsbeziehungen denn tatsächlich so kompliziert – oder schreiben wir sie nur gerade dahin?

Wobei an den Schwierigkeiten etwas dran sein muss, wenn man den Tonfall der Journalisten als Indikator nimmt. Auch in der SZ wird man beim Stichwort Generation sofort polemisch. Unterhaltsam, aber polemisch, man fragt sich fast, ob man zu dem Thema nicht anders schreiben kann? Oder ist das die Generation Polemik, die da schreibt?

Man redet natürlich immer auch über Geschichte, wenn man über Generationen redet, das geht gar nicht anders. Eine Generation wird Geschichte und sieht mit Staunen, dass es andere Generationen gibt, worin vermutlich schon die erste Beleidigung liegt, sie werden eben unsere Plätze einnehmen, es ist wirklich unverschämt. Aber das Stichwort Geschichte leitet auch zu anderen Themen über, zu anderen Ungerechtigkeiten, nicht zwischen Generationen, sondern z.B. zwischen Regionen. “Unsere Gesellschaften werden sich […] verändern. Sie werden wohl ärmer werden. Was nicht unbedingt schlecht ist; wir haben viel zu viel.” Das sagt der Historiker Philipp Blom im Tagesspiegel in einem erfreulich langen Interview. Da kann man auch noch einmal an diesen Artikel in der taz zum  Anthropozän, Kapitalozän, was auch immer, erinnern.

Und wie bringen wir die Themen Generationen und Kapitalismus jetzt zusammen? Da fragen wir Paul Mason, laut der Zeit mit der charmanten Berusbezeichnung “Denker des Postkapitalismus” versehen. Der kommt in diesem Interview zu einem vielleicht überraschenden Ende – man beachte das Wort Generation im letzten Satz. (Und auch in den Kommentaren erkennt man übrigens deutlich Altersdifferenzen der Diskutierenden.)

Dann gibt es für den Freundeskreis Fahrrad ganz zum Schluss auch noch so ein Generationsding, so einen Paradigmenwechsel, dabei geht es um Dienstfahrräder. Dabei hätte man noch vor einigen Jahren nur an PostzustellerInnen gedacht, nicht wahr? Heute nicht mehr.

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Wenn es um Arbeit geht, geht es implizit immer auch um ihr vermeintliches oder tatsächliches Gegenteil, also um die Freizeit. Und wenn man bei der Betrachtung einer ziemlich harmlosen Freizeitbeschäftigung auf eine amüsante Produktknappheit, auf Adorno, den Neoliberalismus und die Distinktionsspirale kommt, dann ist es vermutlich ein Text von Nils Markwardt. Hier im Freitag. Da geht es also um spielerische Beschäftigungen, die müssen wir aber gar nicht nur in der Freizeit vermuten, die kann man auch im Büro finden, wo Menschen Arbeit spielen (Es ist natürlich keine Einzelmeinung, das mit unseren typischen Arbeitsstrukturen in den Büros etwas nicht stimmt).

Und auch noch einmal andersherum bleibt es interessant, wenn die Menschen in der Freizeit ab und zu mal ein wenig Arbeit ansehen, quasi wie aus Spaß. Das ist normal, das macht mittlerweile fast jeder, aber ist es richtig? Oder ist es ein Riesenproblem? Dazu eine Diskussion in Frankreich, wo der Staat eingreifen möchte (englischer Text). Es ist sehr, sehr kompliziert, vielleicht ja auch in Ihrer Firma.

Im ersten Link haben wir Adorno erwähnt, im nächsten gleich Bourdieu, für die Lektüre des Wirtschaftsteils kann man bald Bildungsurlaub einreichen. Wieso Bourdieu? Der wird in einem Text zitiert, der ein Buch zum Thema aufgreift, dass alle kennen – auch wenn sie es nicht gelesen haben. An “Wir nennen es Arbeit” kam man in gewissen Kreisen damals einfach nicht vorbei. Damals? Das Buch erschien vor zehn Jahren, guck an, in der Berliner Gazette denkt man über das Jubiläum nach.

Und wenn man schon bei der digitalen Bohème ist, dann kann man sich auch gleich die Sache mit dem Crowdworking etwas näher ansehen.

Adorno und Bourdieu reichen noch nicht, im nächsten Text kommt Hegel vor. Er ist aber dennoch lesbar. Und passend zu den Crowdworkern ist er auch noch, sehr gut passend sogar. Er schürft aber noch etwas tiefer und stellt die vollkommen berechtigte Frage, was der Trend zur Freiberuflichkeit mit der Gesellschaft macht. Wer sich detaillierter mit den Argumenten beschäftigen möchte, die bei der Verschiebung von festangestellter Arbeit in Richtung Freiberuflichkeit oder Plattformkapitalismus eine Rolle spielen, der findet sie fein aufgereiht in diesem Streitgespräch hier. Ein Vertreter eines Start-Ups und ein Gewerkschaftler diskutieren, es geht in den Kommentaren noch munter weiter.

Da fehlt jetzt ein Zwischrenruf, irgendein Statement, das etwas kämpferischer klingt, das finden wir aber beim Freitag. Es ist ein Aufruf zu spätrömischer Dekadenz, und der ist so lang, da kann man bei der Lektüre schon mal dekadent die Beine auf den Tisch legen und einen ganzen Becher Kaffee trinken.Mit Zucker, sonst zählt es womöglich nicht als Dekadenz.

Im letzten Absatz dieses Zwischenrufs wurde scherzhaft die Automatisierung angesprochen, deren fatalen Einfluss auf die Arbeit man überall in sehr ähnlichen Artikeln nachlesen kann. Eher originell – oder abstrus? -ist die folgende Sichtweise, Roboter schaffen Jobs. Viele, viele Jobs. Wobei diese ganze Moderne der Arbeitswelt in Deutschland gerade fast immer mit Industrie 4.0 assoziiert wird, dazu noch schnell ein schönes Zitat: “Ich halte die Verengung auf Industrie 4.0 für den deutschen Kastraten der Digitalisierung.”  (Quelle hier)

Etwas gründlicher wird die Sache mit der Digitalisierung und Automatisierung der Arbeit von Josef Joffe durchdacht, in einem Artikel, dessen Titel wir ganz herausragend gut zur Beendigung dieser Ausgabe des Wirtschaftstreils gebrauchen können: “Feierabend forever”. Oder zumindest bis zum nächsten Donnerstag.
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