Kategorie: Essen

Wir fälschen eine Tarte und geben an

Ich erwähne auf Twitter manchmal nebenbei, was ich hier abends in der Küche produziere. Das führt gelegentlich zu Nachfragen, so geschehen etwa bei der Feigen-Ziegenkäse-Rosmarin-Honig-Tarte. Die, um es gleich vorwegzunehmen, keine Tarte ist, ich weiß, aber es klingt eben besser als das schnöde deutsche Wort Blätterteig. Eine Tarte ist per definitionem aus selbstgemachtem Mürbeteig, ja, ich weiß – und ich ignoriere.

Feigentarte

 

Es gibt auch eigentlich gar kein Rezept, wenn man die Zutaten aufgezählt hat, ist man fast schon fertig, dann riecht es schon gut aus dem Backofen, auch wenn die Kombination in dieser Folge irgendwie fast nach einer Bio-Eissorte in Berlin-Mitte oder angrenzenden Stadtteilen klingt. Eine Kugel Feige-Ziegenkäse-Rosmarin-Honig, bitte! Sehr gerne, der Herr.

Wir rollen heute also nichts zu Kugeln, es geht weder um Eis noch um ein Rezept aus Österreich. Wir rollen vielmehr aus und belegen flach. Dazu brauchen wir:

Blätterteig aus dem Kühlregal

Ziegenfrischkäse in der Rolle

Feigen (zwei, drei)

Rosmarin, frisch

Honig in geringer Menge

Schmand in geringer Menge

Sehr schnell erklärt, sehr schnell gemacht. Den Blätterteig dünn mit Schmand bestreichen, man soll davon nicht satt werden, es geht nur um diese leichte und dezente Frische im Geschmack. Den Ziegenkäse in Scheiben schneiden und die Scheiben auf den Teig legen. Ich bevorzuge dabei eine Rolle, die nicht ungeheuer aromatisch ist, das findet man so meist bei den eher günstigen Produkten. Eine Rolle ist dabei überhaupt nur aus praktischen Gründen erforderlich, Scheiben sehen eben nett aus. Bei mir können die Scheiben ruhig etwas dicker sein.

Die Ziegenkäsescheiben mit dünnen Feigenscheiben belegen, wobei es zweckmäßig ist, keine überreifen Feigen zu kaufen, die kann man nicht schneiden, weder dünn noch überhaupt, man matscht nur sinnlos herum, das verdirbt die Stimmung.

Rosmarin, der bei uns nur noch Großmarin heißt, weil wir ihn in Südtirol in unfassbarer Größe gefunden haben, geradezu baumgleich, ich hatte tatsächlich keine Ahnung, dass der so groß werden kann. Zerhacken und locker über die Scheiben streuen, das kann ruhig etwas mehr sein und ich habe den begründeten Verdacht, dass Thymian auch gut funktionieren würde, mir fehlt da aber die Erfahrung. Den Honig in Tröpfchen über alles schlenkern, wirklich wenig, wirklich zurückhaltend, das wird sonst dramatisch zu süß, aber eine Ahnung von Honig ist schon nett.

Nach Packungsangabe in den Ofen, also vermutlich zwanzig Minuten bei 200 Grad, zack, fertig. Sieht gut aus, schmeckt großartig, macht deutlich etwas her, ist in gesamt 25 Minuten zu schaffen. Ein Blech für zwei Normalhungrige, das gehört für uns genau so zur Feigensaison.

That was easy! Und jetzt, wo ich schnell noch etwas im Internet nach ähnlichen Rezepten herumsuche, sehe ich gerade das hier. Eventuell war das einmal die Originalquelle? Das kann durchaus sein. Und da heißt es Quiche. Na, Hauptsache edel.

Was schön war

In meiner aktuellen Versuchsreihe, asiatische Bratnudeln so hinzubekommen, dass sie so junkfoodmäßig gut wie am Imbiss oder sogar noch besser schmecken, habe ich einen Zwischenerfolg mit einem Bratnudelrezept aus dieser App (nein, keine bezahlte Werbung), in der die Sauce nämlich aus  2 TL Reisessig, 2 TL Honig, 4 EL Sojasauce und 2 EL Sesamöl besteht. Sesamöl, darauf war ich noch nicht gekommen, Sesamöl bringt die Sache deutlich nach vorne. Manchmal ist es ja einfach.

Aber es geht womöglich auch noch besser. Ich brate weiter.

Lauch-Börek aus der Pfanne

Türkei Vegetarisch

Rezepte gab es hier schon erstaunlich lange nicht mehr, es wird wieder Zeit. Und es geht los mit einem wirklich einfachen Rezept, mit sehr wenig Zutaten. Es kommt sogar ganz ohne Gewürze aus, es ist ratzfatz fertig und es schmeckt ganz außerordentlich gut.

Türkei Vegetarisch

Es ist ein Rezept aus dem ohnehin empfehlenswerten Buch “Türkei vegetarisch”, von Orkide & Orhan Tancgil, in der von Katharina Seiser herausgegebenen Vegetarisch-Reihe, die kam hier auch schon mit den Bänden zu Deutschland, Österreich und Italien vor. Der gerade erschienene USA-Band ist zwar noch in der Warteschleife (September 2016), aber bei mir fest im Programm. Das Buch zur Türkei ist – wie alle Bände der Reihe – nach Jahreszeiten eingeteilt, wer also saisonal kochen möchte, wird das zu schätzen wissen. Meinetwegen könnten sich gerne mehr Kochbücher so aufteilen, ich finde das sinnvoll.

Orkide und Orhan sind übrigens vielleicht von ihrem Blog bekannt, auch das kann ich sehr empfehlen. Die türkische Küche empfinde ich ja ohnehin als permanent unterschätzt, es lohnt wirklich, sich damit zu beschäftigen.

Nun zum Lauch-Börek, zur schnellen Küche. Das ist wirklich fix gebastelt, und man kann die Mengen der wenigen Zutaten auch aus dem Handgelenk schätzen, das Rezept verzeiht ein wenig Ungenauigkeit.

Lauch-Börek Zutaten

Wir brauchen bloß:

1 kleine Zwiebel

2 Stangen Lauch

150 g Beyazs Peinir, das ist türkischer Salzlakenkäse, den man in türkischen Läden in diversen Fettgehaltstufen bekommt

2 Eier

2 – EL Olivenöl

100 ml Milch, natürlich gerne Bio, nicht wie in meinem Bild, Bio war aus.

2 runde, große Yufka-Blätter, die bekommt man auch mit Sicherheit in jedem türkischenGeschäft oder in größeren Supermärkten.

Vor dem eigentlichen Rezept eine Entschuldigung, die gleichzeitig eine Empfehlung ist. Es gibt nämlich kein attraktives Foto vom fertigen Gericht, weil wir es, das ist mir tatsächlich noch nie passiert, aus lauter Gier zu schnell gegessen haben. Wie auch die anderen Bilder diesmal eher nebenbei entstanden, es musste alles sehr schnell gehen. Pardon, aber wir hatten wirklich großen Hunger. Das ist eine gute Gelegenheit, etwas zur Menge zu sagen: Für zwei richtig hungrige Menschen reicht das Rezept so wie hier beschrieben reichlich aus, beim letzten Bissen hat man dann vielleicht schon etwas Mühe. Wenn die Menschen aber nur normal hungrig oder auch einfach gesittet und bescheiden sind, reicht die oben angegebene Menge auch locker für vier Personen. Man kann Reste auch sehr gut kalt im Büro essen.

Die Zwiebel wird zerhackt, der Lauch wird in Scheiben geschnitten, laut Kochbuch mit 2/3 vom Grün. Beides in einer Pfanne mit etwa Olivenöl bei geschlossenem Deckel dünsten, rund zehn Minuten, mehr schadet erwiesenermaßen nicht.

Käse

Den Käse mit einer Gabel zerdrücken, nach zehn Minuten auch in die Pfanne geben und gründlich untermischen.

Lauch und Salzlakenkäse

Die Eier mit dem Olivenöl und der Milch in einer Schüssel verrühren.

Und nun zitiere ich das Kochbuch, weil es so herrlich kompliziert klingt, aber eigentlich ganz einfach ist: “In eine beschichtete Pfanne […] 2 EL Olivenöl geben, 1. Yufka-Blatt mittig plazieren, so dass die Ränder überhängen.Das 2. Yufka-Blatt vierteln, ¼ davon leicht knittrig in die Pfanne legen und etwas Milch-Ei-Sauce darauf tröpfeln. Wieder ¼ Teigblatt in die Pfanne geben, Hälfte der Lauch-Füllung darauf verteilen. Die beiden letzten Teigteile ebenfalls locker einlegen und mit etwas Milch-Ei-Sauce begießen. Den rest der Füllung darüber verteilen. […] Überhängende Teigränder in die Pfanne falten. Mit dem Rest der Sauce bestreichen.”

Lauch-Börek-Faltkunst

Lauch-Börek-Faltkunst

Lauch-Börek

Wenn jemand Yufka-Teigblätter nicht kennt – die reißen sehr leicht, also unbedingt vorsichtig anfassen, denn zumindest das untere, das zuerst als Boden in die Pfanne kommt, muss heil bleiben. Beim Rest ist es eigentlich egal, in welchem Ausmaß der Unordnung das in der Pfanne landet, ob nun Viertel, Drittel, Fetzen – das wird schon.

Yufka-Blätter

Das wird dann, nachdem man die Ränder zugeklappt hat, bei mäßiger Hitze gebraten, bis es von unten goldbraun ist. Was allerdings gar nicht so einfach festzustellen ist, denn wenn man es zu früh anhebt, zerreißt alles. Man kann es aber recht simpel mit einem Teller stürzen und nachsehen. Dann die andere Seite ebenso braten – fertig. Die braune Farbe wird in “goldbraun” übrigens nicht umsonst erwähnt, die darf schon ausdrücklich vorkommen.

Zum Schluss noch schnell ein belegtes Brot für die Kinder machen, denn Lauch-Börek essen die Banausen natürlich wieder nicht. Also zumindest die Banausen in diesem Haushalt hier nicht, aber darauf nehme ich bekanntlich keine Rücksicht.

Lauch-Börek

Beim ersten Mal denkt man über dieses Falten und Vierteln noch nach, beim zweiten Mal macht es sich schon von selbst. Wie Sohn II sagen würde: „BÄMM, fertig.“

Die Herzdame backt – Käsesahnetorte

Dieser Artikel wird freundlicherweise gesponsored, daher wird er hier auch als WERBUNG deklariert.

Und für dieses Sponsoring gibt es eine äußerst nette Erklärung, die ganz wunderbar zu der ebenso alten wie immer noch schönen Regel passt, dass Blogs wie Schaufenster sind. Da legt man rein, was man hat, Texte, Kolumnen, Bilder, Ideen, Formate, was auch immer – und manchmal, mit etwas Glück, kommt jemand vorbei, der das kauft. Das ist mir im Laufe der Jahre mehrfach passiert, ich finde es immer noch großartig. Viel eleganter kann Akquise nicht laufen.

Wie hin und wieder bereits bemerkt wurde, trägt die Herzdame beim Backen in der Regel geradezu irritierend schöne Kleider. Das waren meist welche von King Louie, weil die Marke nun einmal ihren halben Kleiderschrank füllt. Diese Kleider im Vintage-Look passen hervorragend zum Lindy-Hop und zum Balboa, und da die Herzdame tendenziell immer öfter tanzt, besteht da ein gewisser Bedarf an Ausrüstung. Sie sind aber nicht so vintage, dass man sie nicht auch im Büro tragen könnte. Wir hatten tatsächlich schon ein paar mal daran gedacht, die Firma anzuschreiben, wir sind dann aber nie dazu gekommen. Mussten wir auch gar nicht, denn nun haben sie uns angeschrieben, weil aus dem Blog doch einige dort im Shop gelandet sind, obwohl wir die Marke gar nicht so prominent genannt haben. Es folgten zwei, drei nette Mails und zack, diese Ausgabe der Backkolumne hat wieder einmal einen Sponsor – und zwar genau den, den wir wollten. Wir freuen uns sehr. Und nun zur Torte.

Dossenmandarinen

Es ist, da kann man gleich den höchst erwartbaren Kommentaren vorbeugen, so etwas wie eine Glaubensfrage, ob Dosenmandarinen etwas im Kuchen zu suchen haben oder nicht. Ich aber glaube an Dosenmandarinen, mehr Diskussion dazu brauchen wir also gar nicht. That was easy!

Käsesahnetorte

Es gibt also Käsesahnetorte, und zwar nach einem für Eltern optimierten Rezept, denn weiter unten folgt ein Schritt, der nur für Menschen mit Kindern Sinn ergibt. Das bezieht sich auf die Art der Zubereitung, nicht auf die Zutaten. Die sind immer wie folgt, ob mit oder ohne Kinder in der Küche:

Für den Boden:

3 Eier

150 g Zucker

150 g Mehl

3 Pk Vanillezucker

1 TL Backpulver

Für die Käsesahne:

500g Quark

125 g Zucker

375 ml Sahne

1 Dose Mandarinen

4 TL von diesem Zeug (San-apart), das ist nun kein werbender Link, ich weiß nur nicht, wie das sonst heißt – alternativ nimmt man 1 Pk Gelatine weiß

Eier

Den Backofen auf 200 Grad vorheizen. Eine Springform einfetten und dünn mit Mehl bestäuben. Die Eier mit Zucker und Vanillezucker schaumig rühren.

Zucker

Mehl und Backpulver mischen, drüber sieben und unterheben. Den Teig in die Springform füllen und 10 bis 20 Minuten auf der mittleren Schiene backen.

Eier

Die Figur rechts hat mit den Eiern gar nichts zu tun. Wenn man Kinder hat, muss man auch mit sinnlosen Kombinationen im Dekobereich klarkommen können.

Herzdame an Herd

Wobei es übrigens gar nicht so einfach ist, hier Fotos ohne Kinder hinzubekommen. Die meisten Bilder sehen so aus:

Herzdame an Herd mit Sohn II

Stäbchenprobe

Während der Boden abkühlt, die Mandarinen abtropfen lassen, dann die Sahnefüllung anrühren.

Dosenmandarinen

Und zwar wie folgt:

Den Quark mit Zucker schaumig rühren oder rühren lassen.

Rührgerät mit Sahne

Wenn man dieses San-apart-Zeug hat, schlägt man die kalte Sahne eine halbe Minute auf, gibt dann 4 TL San-apart dazu und schlägt sie dann bis zur gewünschten Festigkeit. Anschließend die Sahne unter die Quarkmischung heben.

Herzdame und Sohn I

Gelatinevariante: Wenn man das seltsame Sahnesteifzeug nicht hat, schlägt man die Sahne steif und zieht sie unter die Quarkmischung. Dann die Gelatine quellen lassen, auflösen und auch unterrühren.

Kleid

Die Herzdame rührt Teig

Für Bilder dieser Art, um mal etwas Making-Of unterzubringen, hänge ich übrigens etwas aus dem Dachfenster, so groß ist die Küche gar nicht, dass diese Bilder einfach wären. Ich hänge rückwärtig in der Frischluft – und wenn ich mich etwas nach draußen drehe, sehe ich auf diese Art auch einmal die Stiefmüttchern in der Dachrinne. Wie auch immer die da hinkommen, egal.

Dachrinne

Bei beiden Varianten jetzt die Mandarinen vorsichtig unterheben – wenn man keine Kinder hat. Sonst erst einmal ohne Mandarinen weiter im Text.

Den abgekühlten Boden horizontal und mittig halbieren, so dass man zwei Böden bekommt, also einen Boden und einen Deckel (man sieht es dem Satz nicht an, aber alleine über diese schöne und präzise Formulierung haben die Herzdame und ich lebhaft und lange gestritten, bis sie endlich einen sinnvollen und allgemein verständlichen Satz ergab. Wir sollten definitiv keine Texte gemeinsam verfassen, das ist nicht gut für die Beziehung.)

Der Teig wird halbiert

Teigboden und Deckel

Teigboden

Um den unteren Boden einen Tortenring dengeln. (Das ist womöglich etwas nordostwestfälisch und rustikal formuliert, aber die Herzdame steht immer noch neben mir und diktiert, was soll ich machen. Es wird also gedengelt.) Dann die Quarkmasse auf dem Boden verstreichen.

Teigboden

Sahne einfüllen

Wenn man Kinder hat, können diese jetzt die Mandarinen liebevoll einzeln darin versenken, das ist bei den Söhnen quasi der Hauptspaß bei diesem Rezept. Wenn man keine Kinder hat, sind die Mandarinen schon drin, das ist sehr vernünftig und erwachsen.

Dann den Deckel vorsichtig aufsetzen und die Torte kaltstellen. Setzt man den Deckel nicht vorsichtig auf, sondern so energisch wie ein etwa achtjähriges Kind, dann wird die Torte womöglich schief. Siehe Bildbeweis.

Mandarinen versenken

Deckel auflegen

Torte von der Seite mit Tortenring

Puderzucker

Wenn die Masse erstarrt ist, den Ring abnehmen und den Deckel mit Puderzucker bestäuben. Zack, fertig ist die Torte, das ist im Grunde sehr einfach.

Torte von oben

Die Herzdame an Torte

Die Herzdame schneidet Torte

Ein Tortenstück

Torte von oben

Wir weisen, wie oben angekündigt, empfehlend auf den Shop von King Louie hin.

Kin Louie Onlineshop

 

Und hier zum Schluss noch ein Tortendekorationsvorschlag von Sohn II. Die anderen Familienmitglieder waren nicht überzeugt, aber wer wird Geschmacksfragen debattieren, siehe auch Dosenmandarinen.

Torte mit Deko von Sohn II

 

Fremdgebloggt

Ich habe drüben beim Familienbetrieb im Adventskalender etwas über Erdmöbel geschrieben, die vermutlich einzige deutsche Band mit vernünftiger Weihnachtsmusik. Und ich werde daher den Rest des Tages schon wieder mit einem gewissen Ohrwurm verbringen, was soll man machen. Das könnte Ihnen natürlich nach der Lektüre auch so passieren, Sie sind gewarnt. Aber das Lied ist einfach zu und zu schön.

Bitte hier entlang: Ding ding ding dong.

Die Herzdame backt: Katharine Hepburn’s Brownies

Herzdamenhände

Die Herzdame hat Brownies nach einem Rezept aus “Süßer Sonntag” von Ilse König, Clara Monti und Inge Prader gemacht, einem ausgesprochen attraktiv aufgemachten Backbuch, das sinnvoll nach den Tageszeiten eines Sonntags sortiert ist, wann soll man auch sonst zum Backen kommen.

Backbuch

Das beginnt also etwa mit Brötchen für Frühaufsteher, geht weiter mit Zubehör für den Langschläfer-Brunch, über Desserts für den Mittagstisch und dann zum Sonntagskaffee mit und ohne Gesellschaft usw. Bis hin zu “süßen Traumbringern”, warum auch nicht. In der letzten Kategorie auch die Madeleines à la Proust, die wären auch einmal einen Versuch wert. Vielleicht schreibe ich danach ein paar weitere Bände Erinnerungen?

Die Herzdame backt

Das in diesem Buch gefundene Brownie-Rezept stammt aus einem historischen Interview mit the one and only Katharine Hepburn, die ihre drei goldenen Lebensregeln einmal so definiert hat: “Dont, put too much flour in your brownies – Never quit – Be yourself.” Eine interessante Zusammenstellung, keine Frage.

Backbuch

Das Rezept ist charmant simpel, man braucht fast nichts und das hat man in einem gut sortierten Haushalt auch noch sowieso vorrätig. Die Zutatenmenge ist für eine Form von 22 X 22 cm.

Nämlich 100 Gramm Wal- oder Pekanüsse

120 Gramm Butter

60 Gramm ungezucktertes Kakaopulver

2 Eier

200 Gramm Zucker

2 EL Mehl

1 Pkg. Vanillezucker

1 Prise Salz

Der Ofen wird auf 165 Grad vorgeheizt. Die Nüsse zerkleinern.

Nüsse

Die Butter mit dem Kakao über einem Wasserbad schmelzen und glattrühren, das bitte unbedingt gründlich. Sehr gründlich. Wirklich gründlich.

Topf mit Kako und Butter

Die Eier nacheinander unterrühren, dann Zucker, Mehl, Nüsse, Vanillezucker (ich habe gerade reflexmäßig Vanilleeis geschrieben, schlimm) und Salz unterheben. Sollte ein Mann mit Kamera im Raum sein, stellt man sich gerade hin und guckt dabei in die richtige Richtung, eh klar.

Herzdame mit NüssenHerzdame

Man braucht übrigens Nerven wie Drahtseile, wenn man im neuen Kleid und ohne Schürze einen solchen Teig rührt.

Rührschüssel

Was Nordostwestfälinnen können, das können nur Nordostwestfälinnen. Das Kleid ist übrigens (keine bezahlte Werbung) von King Louie.

Die Masse in eine Form geben. Oder, wie wir hier sagen: alles auf ein Backblech verteilen. Also sofern man denn die Masse vom Löffel bekommt.

Herzdame mit TeigHerzdame mit TeigTeig

Im Ofen etwa 20 Minuten backen.

Herzdame an Herd

Zack. Einfacher kann man nicht an Brownies kommen, das Rezept ist also der Knaller, wenn man notfallmäßig schnell irgendwo Kuchen liefern oder vorrätig haben muss. Und sie schmecken verdächtig ähnlich wie die Exemplare aus dem Coffeeshop um die Ecke.

Und hier wird es ausnahmsweise auch einmal Zeit für ein “Making of”-Foto. Denn wir sind spät im Herbst, das Tageslicht wird denkbar knapp und die Foodbloggerei wird immer herausfordernder. Da muss die Herzdame schon etwas Einsatz zeigen, um die fertigen Brownies am langen Arm in den letzten Lichtrest des verdämmernden Tages zu halten.

Making of "Die Herzdame backt"

Aber ohne Foto vom fertigen Produkt geht es ja nun einmal nicht.

Brownies

Und ohne wenigstens einen Blick auf die namensgebende Schauspielerin kommen wir hier natürlich auch nicht raus.

Saisonal und regional

Ich habe schon diverse Male über die hohe Kunst der Essensplanung im Familienhaushalt gesprochen, aus aktuellem Anlass ein Update dazu. 

Immer noch ist es prinzipiell so, dass ich am Sonntag in stundenlanger Kreativ- und Recherchearbeit einen Plan für die kommende Woche mache, den ich dann von Montag bis Sonnabend mit teils beachtlicher Erfolglosigkeit gegen die Launen des Schicksals, der Herzdame, der Söhne und eventueller Gäste verteidige. Wobei die Herzdame, das ist neu, plötzlich ein Faible für regionale und saisonale Produkte entwickelt hat. Weswegen sie jetzt, gänzlich ungeachtet meiner detaillierten Pläne, irgendwo auf einem Wochenmarkt steht, Kürbis sieht und Kürbis kauft, denn der ist ja dran. Sonst würde er ja da nicht liegen. Er ist natürlich nicht dran, weil er nicht auf meinem Plan steht, aber da sind wir noch ganz am Anfang der Kompromissfindung.

Die Herzdame geht dabei auch geschickt vor, sie geht nämlich morgens zum Wochenmarkt, wenn ich schon im Büro bin und mich nur schlecht wehren kann. Sie steht auf dem Markt vor dem Stand mit dem Zeug aus der Region, vom Hof vor den Toren der Stadt. Sie steht und überlegt, dann schickt sie mir eine Nachricht: “Was essen wir heute?”

Ich antworte, was auf dem Plan steht, also etwa Süßkartoffelcurry. Die Herzdame schickt mir ein Bild eines Hokkaidos und schreibt triumphierend : “Über Nachhaltigkeit schreiben aber nicht wissen, was Saison hat. Ja, ja.”

Man sieht, das ist ein konfliktträchtiges Thema, das auch nicht besser wird, wenn ich mich in vorauseilendem Gehorsam orientiere, was nun gerade nach saisonalen und regionalen Gesichtspunkten dran ist und sogar noch vor ihr morgens über den Wochenmarkt schleiche, um im Bild zu sein. Denn dann kommt man auf schräge Lebensmittel, die man vielleicht noch gar nicht kennt, was übrigens einigermaßen erstaunlich ist. Ich werde bald fünfzig Jahre alt und habe immer noch nicht alles gegessen, was hier wächst und nach der Erfahrung meiner Vorfahren als essbar gilt. Verblüffend! Aber auch diese noch unbekannten Produkte bergen Risiken, die teilweise schon in der Bezeichnung liegen.

Morgendlicher Dialog per Nachricht auf dem Handy:

Die Herzdame: “Was essen wir heute?”

Ich: “Fette Henne.”

Wobei die Fette Henne, es handelt sich um einen Speisepilz, auch Krause Glucke genannt wird, was den Dialog aber auch nur ansatzweise verbessert hätte.

Das ist jedenfalls ein Pilz, ein essbarer Pilz, der ganz hervorragend schmecken soll, wohl ähnlich wie die Morcheln, wobei er allerdings ganz und gar nicht so aussieht. Er sieht eher aus wie ein todesbleicher Naturschwamm. Man steht also nicht gerade vor dem Marktstand und denkt “Hei, das wird lecker!” Nein, man denkt eher wie im Büro an Challenges, denen man einsatzbereit und hochmotiviert begegnen muss.

Kurz auf dem Handy nachgesehen, gibt es dazu auch einfache Rezepte? Natürlich, man kann die Fette Henne so vernudeln, wie in Deutschland sowieso alles zu Pasta gereicht wird, also mit Zwiebeln angebraten und mit Sahne angesuppt. Das geht mit nahezu jedem Gemüse, das geht auch mit Pilzen, das geht dann auch mit Fetten Hennen. Foodblogger, die ja auch humorige Autoren sein können, schreiben zu den Rezepten gerne noch etwas von stundenlanger Reinigung des Pilzes, na, so schlimm wird das schon nicht werden.

Wurde es dann aber doch. Das versteht man erst, wenn man sich den Pilz genauer ansieht, der quasi als aufgefalteter Schwamm durch den Waldboden kommt, weswegen sich auf jedem Quadratzentimeter Pilz eine ordentliche Portion Waldboden und Waldbodenbewohner befindet, die sich weder durch Schütteln, Baden, Brausen oder Übergießen mit kochendem Wasser entfernen lässt. Was daran liegt, dass der Sand teils eingewachsen ist, aber darauf kommt man erst nach sehr gründlicher Betrachtung der Pilzproblemzonen. In einem Blog finde ich den Hinweis eines Pilzfreundes, dass er die Fette Henne schließlich mit seiner Munddusche gereinigt habe, das habe zwei Stunden gedauert und es sei dann gar nicht mehr sooo viel Sand übrig gewesen. Was man nicht findet: irgendwelche Abkürzungen oder Tricks.

Es ist also ein Produkt aus der Region, das Besinnung erfordert. Da muss man das Handy einmal weglegen, sich konzentriert dem Pilz und damit auch seiner Gegend widmen, da muss man wieder einmal mit dem Boden in Kontakt kommen, mit dem Pilz und, was weiß ich, dem Universum in jedem Sandkorn oder wie das heißt, das ist eher so eine meditative Nummer. Ich kraule konzentriert die Fette Henne, Sand bröselt ins Spülbecken. Ich kratze mit dem Fingernagel, ich erforsche sorgsam die Furchen und Ritzen der Pilzoberfläche. Sand bröselt ins Spülbecken. Ich sehe genauer hin, ich atme durch, ich sammele mich, ich kratze ruhig und entschlosssen am Pilz herum. Sand bröselt ins Spülbecken. Ich stehe wie ein fleißiger Küchenmönch konzentriert mit dem Pilz in der Hand, es ist ruhig um mich herum, man hört nur ganz leise den Sand rieseln. Das mache ich lange, sehr lange. Also mindestens fünf Minuten, Geduld ist eher nicht meine wichtigste Stärke. Ich habe in dieser Zeit immerhin einen etwa centgroßen Teil des Pilzes oberflächlich vom Sand befreit. Ich starre den Pilz an und rechne hoch. Dann beschließe ich, eher nicht bis Mitternacht Zeit zu haben. Ich entsorge die Fette Henne im Mülleimer, was ihre Zubereitung natürlich dramatisch vereinfacht. Dann improvisiere ich mit dem, was sonst noch in der Küche herumliegt, irgendwas muss man ja essen. Ich schnippele grüne und saisonal korrekte Bohnen, koche sie zehn Minuten, schwenke sie etwas in einer Pfanne mit saisonal auch völlig okayen und geschmolzenen Tomaten, die auf roten Zwiebeln und frischem Knoblauch gerade in sich zusammengesackt sind, ich werfe noch etwas Bohnenkraut und ein paar Feta-Trümmer locker über die Pfanne. Ein ausgezeichnetes Abendessen, schnell gemacht, gesund und köstlich. Da wäre ich ohne die Fette Henne gar nicht drauf gekommen!

Es hat also durchaus Sinn, sich saisonal korrekt durch alle regionalen Lebensmittel zu testen, wir wollen das jetzt weiterhin so halten.

 

Die Herzdame backt: Eierlikörkuchen vom Oberglunigerhof

Herzdame

Auf dem Oberglunigerhof in Südtirol gab es jeden Morgen zum Frühstück unter anderem gleich zwei selbstgebackenen Kuchen, wie überhaupt, ich erwähnte es bereits, das Frühstück dort super war. Unter diesen Kuchen war auch ein Eierlikörkuchen, der uns besonders gut schmeckte, er sah außerdem überhaupt nicht kompliziert aus. Die Herzdame hat Frau Platter, die Chefin des Hofs, um das Rezept gebeten, das sie uns dann mit der Hand eben notiert hat, ich weiß nicht, woher es ursprünglich stammt.

Der Kuchen ist in der Tat ganz einfach, aus Sicht von Frau Platter, die jeden Tag backt, sogar so einfach, dass auf dem Rezept, direkt nach den Zutaten, als Handlungsanweisung einfach steht: “Kuchen backen”. Über diese Textstelle im Rezept freue ich mich schon seit Wochen. Man stelle sich das in Kochbüchern oder -Apps vor, erst eine ellenlange Zutatenliste und dann darunter ganz lapidar: “Gericht kochen”. Ist das nicht wunderbar?

Herzdame an Backofen

Auf Nachfrage erfuhren wir dann natürlich noch die richtige Backzeit und die Temperatur – unter Menschen, die wirklich aus dem Handgelenk backen können, braucht man solche Angaben vermutlich gar nicht. Aber wir sind ja nur Laien, wir können hier nur Sachen ablesen und nach Vorgabe zusammenwerfen. RaspelschokoladeWir brauchen:

80 Gramm Butter

100 Gramm Zucker

5 Eier

200 Gramm gemahlene Mandeln

100 Gramm dunkle Raspelschokolade

1 TL Backpulver

2 Esslöffel Rum

1 Gläschen Eierlikör

Rum und Eierlikör

Durch dieses Rezept haben wir jetzt auch Rum im Haus, und sogar die Marke, die es schon in meiner Kindheit gab. Dann kann es bei uns im Herbst also endlich einmal Grog geben! Das habe ich schon seit Jahren immer wieder vorgehabt und doch immer wieder verpasst. Mein Lübecker Bruder schreibt im Herbst und im Winter ab und zu etwas vom Grog, den er gerade trinkt, dann denke ich jedesmal, das mache ich auch bald, habe dann aber keinen Rum im Haus, denke, den müsste ich mal kaufen und zack, ist es schon wieder Frühling. Aber in diesem Herbst! Es wird mir ein Fest. RumIch schweife ab, pardon. Wir waren bei: “Kuchen backen”.

Herzdame an Rührschüssel

Und zwar, nachdem man die Zutaten verrührt und in eine gefettete Springform gegeben hat, bei 170 Grad für 35 Minuten, es ist tatsächlich pappeinfach. Bitte nur beachten, die Schokolade erst ganz zum Schluß einzurühren. Herzdame an TeigEin Kuchen für jederzeit also, für ganz schnell, für immer wieder. Wenn auch nicht für Kinder, aber irgendwas ist ja immer.

Herzdame an Rum

Bleibt noch die Frage, was denn nun “ein Gläschen” ist, also welche Größe das hat. Was meint die Südtirolerin, wenn sie von Gläschen spricht, was hat sie da im Sinn? EierlikörUnd ist es vergleichbar mit dem Gläschen einer Nordostwestfälin oder dem eines Hanseaten? Wir haben uns nach längerer Diskussion vor dem Küchenschrank für etwas deutlich über Schnapsglas entschieden, und geschmacklich scheinen wir da auch richtig zu liegen.

Eierlikörkuchen

Der Kuchen schmeckt, obwohl er so einfach ist, ganz hervorragend, er ist sehr fluffig und doch reichhaltig, wir haben ihn jetzt schon dreimal gemacht, das sagt ja auch etwas aus. KuchenFrau Platter hat ihn nach dem Backen mit Sahne und Eierlikör verziert, wir haben ganz banal Puderzucker genommen – noch einfacher.

Sehr guter Kuchen

Und warum haben wir die Rezepte für die anderen Kuchensorten nicht mitgenommen? Schlimm! Herzdame

 

Roter Hahn

Die Herzdame backt: Tarte Tatin – featuring Patricia

Die Tarte Tatin ist natürlich nicht irgendein Kuchen, das ist eine sehr, sehr französische Angelegenheit mit dazugehörigem Mythos von den beiden Damen Tatin. Da ist es besser, man lässt Fachleute ran, in diesem Fall also z.B. eine Französin. Wir haben dafür Patricia besucht, eine langjährige Freudin der Herzdame. Patricia hat die richtige Nationalität, sie hat außerdem damals eine wichtige Rolle bei unserer Hochzeit gespielt, sie ist Patentante von Sohn II und der Familie also auf so manche Art verbunden – und jetzt auch per Blogeintrag.

Patricia

Patricia hat ein Händchen für Deko und Einrichtung, weswegen man nach einem Besuch bei ihr immer ein seltsames Gefühl empfindet, wenn man wieder nach Hause kommt und das eigene heruntergewirtschaftete Chaos betritt, das man so Wohnung nennt. Sie wohnt irgendwie immer dekorativer als wir, obwohl sie auch zwei Kinder hat.

Dekoklimbim

Bei Patricia sieht immer alles gut aus, ist nett arrangiert und wohlüberlegt. Bei Patricia schmeckt auch immer alles, was sie wie nebenbei in der Küche zusammenrührt, ich bewundere das sehr.

Nüsse

Ich rede mir manchmal ein, dass das mit dem Essen daran liegt, dass sie dauernd so viel Lebensmittel aus Frankreich mitbringt, aber im Grunde kann man das natürlich nicht glauben.

Dekoklimbim

Sie kann es einfach. Jedesmal, wenn wir bei ihr waren, denken wir hinterher ein paar Tage lang, das wir das doch auch können müssten! So mit Liebe kochen, alles so nett anrichten und einrichten, überhaupt so gepflegt herumleben. Zumindest ein wenig! Dann legen wir zaghaft zwei Weintrauben neben den Käse auf dem Abendbrottisch, aber es ist irgendwie doch nicht vergleichbar. Wir bleiben stets bemüht, mehr ist es nicht.

Wasser mit Zeug

Tarte Tartin also, wir brauchen zunächst mal einen Mürbeteig, Pâte Brisée, wie die Fachfrau sagt. Es geht los.

Patricia und die Herzdame

Für den Mürbeteig brauchen wir:

200 g Mehl
100 g Butter
10 g Zucker
1 Ei
1 Prise Salz

Zutaten Mürbeteig
Teig in Schüssel

Butter in Flöckchen in eine Schüssel geben. Mehl dazusieben (Patricia siebt wirklich, war klar), das Ei, Zucker und Salz dazugeben. Alles sehr gut verkneten, zu einer Kugel rollen und in Frischhaltefolie etwa eine Stunde kaltstellen.

Teig in Folie

Patricia backt übrigens nach diesem Buch hier, es macht schon einen etwas abgelebten Eindruck, wie es sich für wirklich anwendbare Kochbücher gehört.

Kochbuch

Wir brauchen außerdem:

Etwa 600 Gramm Äpfel
150 Gramm Zucker
75 Gramm Butter
Etwas Zimt

Pommes

Die Äpfel werden in wirklich dünne Scheiben geschnitten, nicht etwa in norddeutsche Apfelkuchenkeile. Dünn!

Äpfel schneiden

Die Herzdame schneidet Äpfel

Butter in einer Pfanne erhitzen, Zucker zugeben und schmelzen lassen. Dann kommen die Äpfel und der Zimt dazu.

Geschnittene Äpfel

Äpfel in Pfanne

Äpfel in Pfanne

Das sieht gut aus, das riecht auch gut, da kommen, wenn die Fenster offen sind, sämtliche Kinder aus dem weiteren Umkreis des Hauses wie zufällig vorbei und fragen, ob es vielleicht bald Kuchen gibt. Die Äpfel sind nach kurzer Zeit hübsch bräulich karamellüberzogen.

Den Teig auf einer bemehlten Fläche ausrollen, was Patricia hier übrigens nur wegen des besseren Lichts auf dem Wohnzimmertisch macht, normalerweise machen das auch Menschen aus Frankreich eher in der Küche. Prüfen ob die Größe reicht!

Teig ausrollen
Teig ausstechen

Teig auslegen

Teig auf Tisch

Die karamellisierten Äpfel kommen in die Kuchenform, der Teig kommt auf die Äpfel, es wird kunstvoll ein Rand gebastelt und alles wird vorsichtig festgedrückt. Ich hoffe, die Bilder sprechen hier einigermaßen für sich.

Äpfel in Form

Äpfel in Form

Teig über Äpfeln

Rand schneiden

Teig in Form

Patricia und Maret und Teig

Teig andrücken

Backofen vorheizen. Nach dem Backen – bei 180 Grad etwa 20 Minuten, Patricia backt nach Gefühl – wird die Form beherzt gestürzt, ein Moment, der nicht ohne Spannung ist.

Patricia an Ofen

Gebackener Mürbeteig

Tarte Tatin stürzen

Tarte Tatin stürzen

Im besten Fall sieht das Ergebnis etwa so aus:

Tarte Tatin schneiden

Man isst es mit Vanilleeis und Sahne. Und mit erheblicher Begeisterung, versteht sich.

Tarte Tatin

Die Herzame mit Kuchen

Laut Original-Rezept isst man es in Frankreich übrigens mit Crème fraîche, bzw. mit geschlagener Crème fraîche. Da sagt Patricia aber, es müsse gute Crème fraîche sein, womit sie vermutlich eine Qualität meint, die hier nicht im Kühlregal steht. Es gibt anscheinend etliche Möglichkeiten zwischen Crème Fouettée und Crème Chantilly, gerade bei Milchprodukten gibt es doch ein paar entscheidende Differenzen zwischen Frankreich und Deutschland, man rede nur einmal über Butter. Mit Vanilleeis und banaler geschlagener Sahne schmeckt es auf jeden Fall großartig.

Und das alles ist, so sagt Patricia, total einfach und macht sich nebenbei, während man kocht. Die Herzdame denkt darüber noch nach.

Die Herzdame

Die Herzdame backt: Rhabarber-Baiser-Kuchen

Rhabarberkuchen

Auf Wunsch meiner nordostwestfälischen Schwiegereltern backt die Herzdame diesmal nicht in exaltierten Kleidchen und partytauglichen Pumps, sondern ganz schlicht in Jeans und Dings und barfuß. Mehr so der bodenständige Look, das passt aber auch ganz wunderbar zur verwendeten Hauptzutat: Rhabarber.

Rhabarber

Rhabarber ist der ewige Dritte der Saison, nach Spargel und Erdbeeren, ohne die geringste Chance, jemals aufzuholen. Das ist ein wenig bedauerlich, aber das werden auch wir nicht ändern können, wir können nur kurz darauf hinweisen, dass Rhabarber-Baiser-Kuchen etwas ziemlich Großartiges ist. Ich habe den noch nie vorher so gegessen, bin aber restlos überzeugt, den machen wir jetzt nur noch so, das ist eindeutig besser als schlichter Rhabarberkuchen, der natürlich auch schon nicht schlecht ist.

Herzdame mit Kuchen

Das würden auch die Söhne unterschreiben, die Rhabarberkuchen gar nicht mögen, in dieser Variante aber immerhin die Baiserschicht runterknabbern können. Und zwar mit erheblicher Begeisterung. Wobei mir bei Durchsicht der Bilder auffiel, dass Sohn I beim Backen gar nicht dabei war. Das war etwas irritierend, bevor mir wieder einfiel, dass der feine Herr gerade eine Woche auf Sylt war, man kommt bei dieser umtriebigen Jugend gar nicht mehr hinterher. Was die alles unternehmen! Als ich in seinem Alter war, bin ich höchstens alleine Milch holen gegangen. Wir hatten ja nix! Die Milch übrigens, die Älteren erinnern sich, gab es damals noch in Plastikschläuchen, die als Verpackung denkbar ungeeignet und geradezu lachhaft unpraktisch waren. Und ich erinne mich bis heute an einen Tag, an dem mir so ein glitschiges, kaltes Mistding dreimal auf dem Rückweg vom Laden runterfiel, an diese riesige Milchpfütze auf dem Gehweg vor meinen Füßen. Und noch einmal. Und noch einmal. Bis es meiner Mutter zu teuer wurde und sie schließlich selbst Milch holen ging. Traumatische Erfahrungen, die heute keiner mehr versteht. Aber egal.

Rhabarber

Wir brauchen:

600 Gramm Rhabarber

150 Gramm Mehl

75 Gramm Speisestärke

Anderthalb TL Backpulver

150 Gramm Margarine

150 Gramm Zucker

1 Packung Vanillezucker

2 Eier

3 Eigelb

Für die Baiserschicht:

3 Eiweiß

175 Gramm Zucker

1 TL Zitronensaft

Sohn II hält Zitrone

Den Rhabarber vom Nachwuchs waschen und in Stücke schneiden lassen, wenn Nachwuchs vorhanden. Wir haben für solche Fälle ein Spezialkinderküchenmesser, das klappt sehr gut. Und bei rotem Rhabarber fällt Blut auch gar nicht so auf.

Sohn II schneidet Rhabarber

Und da Kinder durch Nachahmung lernen, schnippelt man selbst auch ein wenig.

Herzdame an Rhabarber

Mehl, Speisestärke und Backpulver sieben. Ich halte das ja nach wie vor für eine Glaubensfrage, aber egal, das Thema hatten wir schon und ich darf auch einmal unbelehrbar sein. Die Herzdame siebt tatsächlich. Die Margarine mit dem Zucker und dem Vanillezucker schaumig rühren. Drei Eigelbe und zwei ganze Eier darunter rühren und beim Rühren das Mehlgemisch dazugeben.

Herzdame

Den Teig in eine vom Nachwuchs eingefettete Springform geben. Die Rhabarberstücke auf dem Teig verteilen. Das sieht eventuell zunächst so aus, als seien es zu viele, aber das passt schon.

Herzdame an Rhabarberkuchen

Rhabarberstückchen

Bei 180 Grad etwa 45 Minuten backen, wir wollen hier gar keine Präzision vortäuschen.

Die drei Eiweiße mit einer Prise Salz, welches oben in der Zutatenliste fehlt, zu steifem Schnee schlagen.

*rühr*

Zucker und Zitronensaft unterrühren. Den Kuchen aus dem Ofen holen und die Baisermassse darauflöffeln. Das darf und soll ruhig etwas unregelmäßig aussehen, finde ich.

Rhabarbertorte

Herzdame mit Baisermasse

Herzdame mit Kuchen

Baiser

Danach den Kuchen etwa 15 Minuten weiterbacken, die Baisermasse sollte nicht zu dunkel werden. Aber doch ein wenig Farbe nehmen.

Herzdame an Backofen

Zack, fertig. Sehr guter Kuchen, sehr einfache Zubereitung, sehr oft wiederholen.

Wird die Herzdame vor der Pflaumensaison noch einen weiteren Kuchen schaffen? Und was wird sie dabei tragen? Fragen über Fragen!

Das Originalrezept kommt von hier.

Kuchen

 

Herzdame mit Kuchen