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Goldene Worte

In meinem nächsten Buch wird es, so ein Zufall, um Eltern gehen. Um Paare, die scheitern, und das nicht nur am Schlafmangel. Um Menschen, die sich nach ein paar Jahren mit Kleinkindern allmählich wieder auf sich besinnen und dabei erstaunliche Entwicklungen feststellen, Mangelerscheinungen und Sehnsüchte. Menschen, die plötzlich wieder über das Glück nachdenken, nachdem sie ein paar Jahre gedankenlos in einer Art Familienrausch verbracht haben. So in etwa. Das wird also nicht autobiographisch, denn die Herzdame und ich sind als Paar bisher nicht gescheitert. Nein, das wird einfach ein Spielplatzroman, der – noch so ein Zufall – in einem kleinen Hamburger Bahnhofsviertel spielt.

Dabei gibt es nun jedenfalls einen amüsanten Effekt. Da die Lebenssituation der Hauptfiguren sich mit den Lebenssituationen der echten Bewohner dieses Viertels in etwa deckt, kann ich schreiben, was ich will, es wird sich immer jemand vermeintlich wiedererkennen. Ich muss nur eine Frau auf einem Spielplatz eine rote Jacke tragen lassen, schon wird jede Frau in meinem Freundeskreis, die des öfteren eine rote Jacke trägt, denken aha, jetzt komme ich. Ein Mann hat einen Bart – das ist doch der Vater von B.! Ein Vater ist Ingenieur, na, wer soll das schon sein, den kennen doch auch alle hier. Und wenn ich die Frau in der roten Jacke dann eine Affäre haben lasse, werden sich ihre Freunde fragen, ob ich etwas weiß, das sie nicht wissen. Und wenn der Vater abends fünf Bier trinkt, wird man sich fragen, ob der das womöglich jeden Abend so macht. Ich glaube, es ist tatsächlich fast unmöglich, die Personen und die Szenen so zu gestalten, dass dieser Effekt nicht eintritt.

Darüber sprach ich neulich mit der Herzdame, die mir schließlich vorschlagen wollte, den geradezu klassischen Satz ”Sämtliche Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig” vor das Buch zu setzen. Allerdings fiel ihr nicht ein, wie der Satz genau ging, die Bestandteile kamen dann nicht ganz korrekt und in der richtigen Reihenfolge aus ihr heraus, sie sagte:

“Sämtliche Zufälligkeiten der Personen sind rein äußerlich.”

Und das ist selbstverständlich ein großer und wirklich schöner Satz von tiefer Wahrheit, den man sehr wohl vor einen Roman stellen kann. Vor fast jeden Roman.

Woanders – diesmal mit Sven, Scott, Falk, Elise, Cléo und anderen

Sven wettert über die exorbitant hohen Eintrittspreise der Internationalen Gartenschau in Hamburg. Und er hat Recht.

Falk war, Preise hin oder her, tatsächlich auf der Gartenschau.

Frau Elise erinnert sich an ein Haus am See.

Ein Bericht über das Grab von F. Scott Fitzgerald.

Wenn man sich endgültig von Social Media in den Wahnsinn treiben lassen will, kann man diese Glühbirne installieren. Toll, dann geht mir immer ein Licht auf, wenn mir die Herzdame schreibt.

Apropos Wahnsin, hier Jesper Juul über ADHS und durchgedrehte Erwachsene.

Bilder einer Tänzerin: Cléo de Mérode. Verschiedene Kunstwerke, die alle dieselbe Frau darstellen. Das Layout der Seite da ist grauenvoll, die Dame umso faszinierender. Nicht irgendeine Frau,sie hat einen bemerkenswerten Lebenslauf, den man hier in der Wikipedia nachlesen kann. Und wenn man die Gemälde von ihr interessant findet, dann sicher auch die Fotos von ihr, die hier in einem Film zusammengefasst werden. Ein Fest, wenn man sich auch nur ein klein wenig für die Geschichte der Mode interessiert. Meines Wissens gibt es übrigens gar keinen französischen Film über ihre Fehde mit Simone de Beauvoir, was für ein überaus merkwürdiger Mangel.

Das Video von Chris Hadfield mit seiner Version von Space Oddity haben vermutlich längst alle gesehen – hier beim Treehugger gibt es noch eine ganze Menge Zusatzinformationen dazu. Und bevor sie ganz in Vergessenheit gerät, könnte man sich ja auch noch einmal die Version von David Bowie ansehen.Oder die von den Smashing Pumpkins? Warum nicht. Nun ja. Vielleicht doch nicht. Oder man wirft noch einen Blick auf den deutschen Major Tom und überlegt, welcher deutsche Raumfahrer das wohl eines Tages da oben in eine Kamera singen wird. Konnte Ulf Merbold eigentlich singen? Man weiß es nicht. Oder Moment, hätte er dann nicht von Codo singen müssen? War überhaupt eine Frau an Bord, für den Refrain? Fragen über Fragen.

Das beste Essen der letzten sieben Tage war eine pappeinfache Nudelsauce mit grünem Spargel und Ziegenkäse. Dazu gibt es keinen Link, das war nur so schnell schnell dahergerührt. Grüner Spargel und Ziegenkäse passen so gut zusammen, die muss man quasi nur nebeneinander legen und hat schon eine ansprechende Mahlzeit. Wobei es natürlich hilft, den Spargel vorher zu kochen.

 

Jemand

Die Herzdame sitzt auf dem Sofa und sagt: “Jemand müsste den Müll runterbringen.” Das ist ein Satz, der nicht das heißt, was man denken könnte. “Jemand” könnte in diesem Haushalt zunächst 4 Personen meinen, man könnte es fast für einen ergebnisoffenen Satz halten. So ist es aber gar nicht. Denn Sohn II ist zu klein, er kann den Müll noch gar nicht runterbringen. Er kriegt die Haustür nicht auf, um ihn kann es also nicht gehen. Sohn I könnte das aber neuerdings. Mit etwas Klettern am Spalier des Mülltonnenhäuschens und etwas Hangeln gelingt es ihm jetzt endlich, den Müll richtig einzuwerfen. Aber wäre er gemeint gewesen, die Ansprache wäre viel fröhlicher gewesen, motivierend und euphorisch. Etwa so: “Hast du nicht große Lust mir zu zeigen, wie du ganz alleine so toll mit dem Müll fertig wirst, mein Großer?” So etwa hätte sie ihn angesprochen. Nein, Sohn I kann auch nicht gemeint sein. Bleiben nur noch 2 Personen übrig, nämlich die Herzdame und ich. Sie wird sich aber sicher nicht selbst gemeint haben. Hätte sie sich gemeint, sie hätte sofort die Mülltüte genommen und wäre einfach damit zum Fahrstuhl gegangen. Sie hätte Tatsachen geschaffen. Sie ist so.

Da bleibt dann nur noch eine Person übrig, und das bin wohl ich. “Jemand müsste mal den Müll runterbringen” ist nur eine andere Ausdrucksweise für “Los, bring den Müll runter”. Das könnte mich ärgern, darüber könnte ich mich aufregen. Ist es denn nicht unverschämt, “jemand” zu sagen und sich dabei implizit auszuschließen? Ist es nicht anmaßend? Aber nein, ich ärgere mich gar nicht. In diesem Haushalt geht es nämlich immer um mich, wenn das Wort jemand fällt – und ich freue mich sogar darüber.

Denn egal, was mir in diesem Leben noch alles passieren wird – ich weiß doch ganz sicher, dass aus mir jemand geworden ist.

Dieser Text erschien als Sonntagskolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

Tadaa

Der Trend geht ja zu regionalen Produkten, das kommt in meinen Linklisten andauernd vor, das habe ich erst kürzlich selbst hier thematisiert. Die Himbeere aus der Heimat, die Gurke aus der Gegend, das ist ja schon fast gängig. Ich treibe das jetzt aber noch ein wenig weiter und nehme auch noch die Kamera-App aus meinem Kiez: Tadaa.

Ich habe gerade von einem Android-Handy auf das iPhone gewechselt und mir daher zahlreiche Apps neu angesehen. Dabei habe ich auch lange über die passende Photo-App nachgedacht. Dann fiel mir ein, dass Anne Koch einmal über Tadaa geschrieben hatte, das ist dieselbe Anne Koch, die jetzt gerade beim Fotoblog Kwerfeldein über Tadaa schreibt - nämlich hier. Ich habe mir aber etliche Photo-Apps runtergeladen und verglichen. Auf diese Art kostet der Wechsel des Handys zwar locker zwei Arbeitstage, aber ich habe natürlich auch Spaß an so etwas. Ich habe sehr über etliche komplett unverständliche und teils grottenschlechte User-Interfaces gestaunt, Tadaa fand ich tatsächlich am besten. Zum einen habe ich die Menüführung auf Anhieb kapiert, zum anderen mag ich ein paar technische Aspekte. Die kostenlose App kann z.B. zwei Sachen, die verblüffend viele andere nicht bieten. Man kann die Anwendung der Filter jeweils von 0 bis 100% regeln und Bilder also nur ganz schwach oder extrem bearbeiten – und man kann Filter auf Filter legen. Das klingt nur nach Bearbeitungsorgie, ist aber tatsäclich eine Funktion, mit der man zu erstaunlich guten Ergebnissen kommen kann, wenn man denn überhaupt Interesse hat, an den Bildern so geduldig herumzuspielen, das ist natürlich alles Geschmacksache. Und wenn man wirklich Sinn für das eher filigrane Bearbeiten von Bildern auf dem Handy hat – was ich nicht habe, mir ist das zu fummelig – dann kann man zu so verblüffenden Effekten mit dem Masking kommen, wie es Anne drüben etwa bei dem Bild mit dem Kind auf der Schaukel zeigt (ganz unten in dem Artikel).

Die App kann natürlich auch Bilder via Facebook und Twitter teilen, sie bietet die Möglichkeit, lokal zu speichern ohne hochzuladen und hat eine Community, die Herzchen und Kommentare und scheußliche Emoticons vergeben kann – also alles was man teilweise auch von anderen Apps in der Art so kennt. Ich bin kein Fotograf und kann das nur als Laie ansehen, aber mir kommen die Filterergebnisse doch besser als bei anderen vor – und zwar um Längen.

Tadaa wird von einer kleinen Hamburger Truppe in der Speicherstadt gemacht, was den Vorteil für mich hatte, dass ich mit dem Chef ein Bier trinken konnte. Das war sehr lehrreich und unterhaltsam, außerdem war es amüsant, wenigstens einmal im Leben wie ein Tourist in der Speicherstadt vor einem Café in der Sonne zu sitzen, ich glaube, das habe ich noch nie gemacht. Ich treffe gerade eine ganze Reihe von Leuten, die ich bisher nicht kannte, um mich mit ihnen über ihren Beruf oder das Internet oder über Gottweißwas zu unterhalten. Das kommt daher, dass ich mir gerade so viele Gedanken darüber mache, worüber ich mir eigentlich Gedanken machen soll. Ab und zu kommen einem die eigenen Themen ja ausgelutscht und fade vor, alles viel zu oft und zu ähnlich und zu lahm, das sind so die Anzeichen von Inputmangel. Man kann noch so lange im Internet herumlesen, das hilft da nicht. Was aber hilft: Einfach mal mit interessanten Menschen über alles mögliche zu reden.  So wie gestern z.B. gerade auch mit dem Kurator des Archäologischen Museums in Hamburg, darüber wird dann auch noch zu schreiben sein, da ging es übrigens ebenfalls u.a. um eine App.

Mit dem tadaa-Chef habe ich mich jedenfalls über App-Entwicklung und Erlösmodelle und Blogs und Social Zeugs und Fotografie und Traffic im Internet unterhalten. Die ganze Tadaa-Truppe kommt aus der Fotografie-Ecke, nicht aus der Social-Zeugs-Ecke. Das macht die Vermarktung und die PR nicht gerade effizienter, aber die Bildbearbeitung tatsächlich besser. Man liest anderweitig von drei Millionen Tadaa-Downloads, so ganz klein ist das also auch nicht mehr. Eine offizielle Angabe zur Größe gibt es von der Firma nicht, aber who cares. Die Bildrechte bleiben bei Tadaa immer ausdrücklich beim User, das ist klar geregelt. Man kann die App auch rein zur lokalen Bearbeitung nutzen, es möchten immerhin gar nicht alle jedes Bild irgendwo hochladen. Versteckte Kosten gibt es nicht, das ist alles soweit appetitlich, finde ich.

Und obwohl es eigentlich ein Scherz ist, Apps aus der Regionen zu laden, so ganz abwegig ist es doch nicht. Ich mag das, wenn man sich kennt. Deswegen nutze ich jetzt die Photo-App, mit deren Entwicklern ich einen trinken gehen kann, das ist eine vollkommen schlüssige Entscheidungsgrundlage, finde ich.

Tadaa gibt es nur für iPhone und bevor das hundert Kommentatoren anmerken: ja, das ist doof und bedauerlich. Aber die Firma ist klein und mal eben so im Handumdrehen erweitert man so etwas nicht auf Android. Aber sonst macht das wirklich Spaß. Falls es jemand ausprobieren möchte – man findet mich dort ganz originell unter meinem Namen.

Hamburger Hafen
Hier noch ein Bild vom Tadaa-Hauptquartier. Na gut, es ist in Wahrheit ein paar Meter weiter.  Und ein klein wenig kleiner. Aber in der gleichen Stadt!

Guten Morgen

Es ist noch früh, es ist sogar sehr früh. Der ganze Stadtteil scheint noch zu schlafen, es ist kein Mensch zu sehen. Die Turmuhr an der Kirche zeigt genau 5 Uhr und die Glocken läuten nicht, dass tun sie hier erst später am Tag. Ich stehe auf dem Balkon und sehe mir die menschenleeren Straßen an.  Ein süßer Fliederduft liegt in der Luft, keine Wolke am Himmel, ein Maimorgen wie aus dem Bilderbuch. Nichts rührt sich. Das hier ist Hamburg-Mitte, das hier ist definitiv keine City, that never sleeps. Aber die Vögel sind natürlich längst wach und singen unglaublich laut, ein irrsinniges Konzert in den Büschen rund um den Spielplatz, ein Sänger lauter als der andere, da kann ich mich wohl auch unter der Dusche etwas gehen lassen. Draußen schmettert die Amsel ihr Frühlingslied, drinnen tremoliert der muntere Buddenbohm. Ein Mann im Einklang mit der Natur, das passiert mir ja auch nicht gerade jeden Tag, so als überzeugter Büromensch. Ich singe von all den Vögeln, die schon da sind, was könnte passender sein. Ein schöner Morgen, der so beginnt, alles harmoniert, nichts stört. Abgesehen von Sohn I, der verschlafen den Kopf durch den Duschvorhang steckt und mich kritisch ansieht.

Sohn I: “Papa, du weißt aber schon, dass du die ganze Zeit im falschen Ton singst?”

Es wird jetzt wirklich höchste Zeit, den Jungen beim Kinderchor wieder abzumelden. Er weiß zu viel.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Ein Interview in der Zeit mit der Autorin Karen Duve (“Anständig essen”) und der Ministerin Ilse Aigner über Tiere in der Landwirtschaft. Ganz seltsam, eine von beiden klingt wie eine Lobbyistin der Fleischindustrie. Raten Sie mal, welche.

Falls Sie beim Wort Fleisch keine Ekel-Assoziationen mit netter Bebilderung aus der Massentierhaltung, sondern evtl. Hunger bekommen haben: Auf Foodsharing.de kann man sich noch ein wenig anwendungsnah mit dem Thema Lebensmittel beschäftigen. Wer hat welche über, wer braucht welche und könnte man nicht einfach auch mal etwas kostenlos regeln? Doch, das geht.

Und bevor wir hier schon wieder zu ernsthaft werden, denken Sie doch einmal kurz über die Mc-Donald’s-Theorie nach (englischer Text). Wenn Sie mit anderen zusammen in einem Büro sitzen, können Sie die quasi sofort verifizieren.

Beim Perlentaucher gibt es eine Zusammenfassung der Rezensionen zu dem Buch “Das grüne Gewissen” von Andreas Möller. Die fallen sehr unterschiedlich aus, unterm Strich könnte man das Buch aber dennoch interessant finden, wenn man sich für das deutsche Verhältnis zur Natur interessiert. Ich lache immer noch über diesen Satz: “Sein Buch zeichnet die historischen Eckpunkte der deutschen Naturverehrung nach von der Romantik über das Dritte Reich bis zur Welt von Manufactum.”

Aus dem oben erwähnten “Grünen Gewissen” heraus kauft man bio, eh klar. Dazu ein paar sehr aufschlußreiche Zahlen im Supermarktblog.

In der Zeit ein Artikel über die Arbeitsmobilität in Europa, wer wandert warum wohin und was hat das mit der Währung zu tun. Kommen Menschen aus Osteuropa zu uns, weil die Wirtschaft hier so formidabel brummt und wir alle so irre sympathisch sind? Hm. Und wo wir schon bei Bewegung in der Bevölkerung sind – hier ein äußerst interessantes Interview mit einem Statistiker über die alternde Gesellschaft. Warum die eventuell doch nicht so schlimm ist, wie wir alle glauben, und wer eigentlich ein Interesse daran hat, dass alle Angst vor ihr haben.

Dieses Interesse haben, Sie haben’s vielleicht gerade schon nachgelesen, gewisse Konzerne – quelle surprise. Konzerne, zu denen auch Jean Ziegler deutliche Worte findet, wenn auch in ganz anderem Zusammenhang. Ach, egal, es hängt doch alles zusammen. Wie zum Beispiel auch die oben erwähnte mobile Arbeitsbevölkerung mit den Herstellungsbedingungen unserer Gemüses im nicht ganz so schönen Almeria.

Konzerne, immer nur Konzerne, was machen denn die anderen? Die bauen zum Beispiel das Fairphone. In China. Nanu! Das ging dann wohl doch nicht  in einem Gewerbegebiet bei Bielefeld? Schon gut, kleiner Scherz. Hier noch ein wenig mehr Informationen dazu, es ist auf jeden Fall ein spannendes Projekt, wer sich in den diversen Social Networks bewegt, wird ein vielfaches “Na endlich!” wahrgenommen haben. Man hört dort allerdings auch von dem Trend, den ganzen Technikrempel hinter sich zu lassen (englischer Text).

Projekte in Richtung fairer Produktion können aber selbstverständlich auch schief gehen, wie man hier am Beispiel von Milch nachlesen kann.

Bei Wiwo-Green steht in einem Interview mit einem Google-Manager, wieso sich auch Konzerne andererseits manchmal in eine sympathisch erscheinende Richtung bewegen. Was ist es wieder für ein Hin und Her, man kommt mit seinen Urteilen gar nicht nach.

Für die Fahrradfreunde hier beeindruckende Zahlen zur Belebung des Einzelhandels in Straßen mit eigenen Fahrradspuren. Die Angaben beruhen natürlich auf einer lächerlich kleinen Stichprobe, aber man könnte doch so eine leise Ahnung haben, dass sie übertragbar sind.

Zum Schluß der Design-Link der Woche, er führt zu einer schlichten Treppe. Sehr, sehr schlicht sogar.

GLS Bank mit Sinn

Archäologisches Museum 2.0

Nachdem ich neulich über das Helms Museum (Archäologisches Museum Hamburg) gebloggt habe, kam ich mit dem Kurator ins Gespräch und wir haben gemeinsam überlegt, eine kleine Aktion für Hamburger Blogger zu machen. Das Museum ist sehr um Social Media bemüht und hat gerade eine App für die Besucher gelauncht. Michael Merkel, Kurator und im Museum der Fachmann für die App wie auch für den Facebookauftritt würde das gerne einigen technik- und/oder kulturinteressierten Bloggern vorstellen -> und zwar am Freitagnachmittag in dieser Woche im Museum in Harburg.

Ich habe für diese Veranstaltung (kostet nix) im kleinen Kreis noch einige wenige Plätze frei – wer Interesse am Thema hat, melde sich bitte bei mir via Nachricht an (maximilian.buddenbohm at gmx.de), die Details folgen dann umgehend.

 

Woanders – diesmal mit den Lesern, der Stimme einer Dichterin, iPhone-Fotografie und anderem

Constantin Seibt über Leser und Schreiber. Constantin Seibt ist super, aber das sagte ich sicher bereits einmal.

Stefan Sichermann vom Postillon über seine Einnahmen und seine Arbeit an der Seite.

In der SZ ein Interview mit einem Messerwerfer, unter anderem über seine Beziehung. Mir wäre dann doch etwas unwohl, wenn die Herzdame nach einem Streit mit Messern nach mir werfen würde

Die Stimme von Virginia Woolf. Die einzige Aufnahme von ihr..

In der Zeit wird Richard Koci Hernandez zur iPhone-Fotografie interviewt.

Fotos von lächelnden Menschen. Aus der Rubrik Warmumsherz.

Fotos von vier Frauen aus vier Jahrzehnten. Berührend nennt man das dann wohl.

Fotos von Frauen in dänischen Trachten. In das zweite Bild der Klickstrecke bin ich geradezu schwer verliebt. Hach.

Hier steht, warum Männer aus gesundheitlichen Gründen Bart tragen müssen. Alles ganz logisch und nachvollziehbar [Bartkratzgeräusch gedanklich bitte einfügen].

Das beste Essen der letzten sieben Tage war eine Minestrone, eine im Prinzip unkomplizierte Versuppung von Zwiebeln, Knoblauch, Staudensellerie, Tomaten, Reis, Bohnen, Petersilie und Parmesan. Suppe mit Brot ist doch immer wieder elementar toll.


 

Ausflug

Freya Friedewalde

Mühle

Raps

 

Und der Milchbauer stand tatsächlich vor dem Kuhstall, sah sinnend in den trüben Himmel und sagte: “Regen im Mai, April vorbei.” Jetzt muss ich meine ganzen schönen Vorurteile über Nordostwestfalen und ihren Humor nachjustieren. Schlimm.

This is how I work

Isabella hat “This is how I work” geschrieben, einen Text über ihre Arbeitsweise und ihre Geräte. Ich finde es immer spannend, womit und wie andere arbeiten, in den Kommentaren bei ihr habe ich noch dieses Blog entdeckt, “The set-up”, in dem es Interviews mit Leuten aus dem Internet und anderen gibt, die ihre Ausrüstung vorstellen, Hardware und Software.  Es gibt immer noch etwas zu entdecken. Die Seite gibt es auch auf Deutsch.

Außerdem hat Isabella mich gebeten, den Fragekatalog auch zu beantworten – bitte sehr, bitte gleich:

Bloggerinnen-Typ: Ich bin ein possierliches Bloghörnchen.

Gerätschaften digital: Zwei Windows-Notebooks, bei denen mir wirklich völlig egal ist, von welcher Marke sie sind. Wenn ein Notebook kaputt ist, sehe ich bei Amazon nach, welches Notebook im Verkaufsranking auf Platz drei ist und kaufe das. Passt immer. Nummer 1 und 2 sind für überkandidelte Ansprüche, ab Nummer 3 stimmt alles.  Das geht so übrigens auch bei jedem anderen Gerät. iPhone, iPad. Mehrere Digitalkameras.

Gerätschaften analog: Äh, was?

Arbeitsweise: Von 6 bis 21 Uhr geöffnet.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung? Blogtexte schreibe ich in einem Google-Doc vor. Ich habe eine Datei für den aktuellen Blogeintrag, eine für “Woanders” eine für den Wirtschaftsteil, eine für das nächste Buch. Mehr Dateien habe ich gar nicht, da bin ich Minimalist.  Für die Linklisten recherchiere ich hauptsächlich durch die bekannten verdächtigen Social Networks und durch den Feedreader, da ist kein Geheimtipp dabei. Bookmarks verwalte ich in Google-Chrome mit der Erweiterung Neat Bookmarks, über die Geräte hinweg synchronisiert. Allerdings brauche ich kaum Bookmarks. Feedly nehme ich seit dem angekündigten Ende vom Google Reader als Feedreader, ich habe sehr viele Feeds abonniert und verbringe viel Zeit damit. Wenn ich etwas Gute in den Feeds  sehe, baue ich es sofort in eine der beiden “Woanders”-Ausgaben ein. Wenn ich es dort nicht einbauen kann, behalte ich es auch nicht, da ich nicht wüsste, wofür. Ich habe keine Halde mit “Für-später-Inhalten” oder zweifelhaften Irgendwanns. Ich bewahre überhaupt wenig auf, weder online noch im greifbaren Bereich.

Wo sammelst du deine Blogideen? Ich sammel gar nicht, Ich sitze einfach so rum und warte, ob mir etwas einfällt. Wenn mir nichts einfällt, lebe ich normal durch die Gegend und warte auf Besserung.  Und habe seit zehn Jahren Angst, dass das irgendwann nicht mehr reicht.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet: Das Tool mit dem größten Zeitgewinn ist sicher Feedly, ohne Feedly oder ein ähnliches Werkzeug könnte ich die Linklisten so überhaupt nicht herstellen. Wenn es zeitlich zu eng wird, hilft ein beherztes “Mark all as read”, sonst wird man irgendwann wahnsinnig.

Benutzt du eine To-Do List-App? Welche: Die Herzdame und ich nutzen bisher Teuxdeux, die allerdings, seit sie angekündigt haben, den Dienst auf ein Bezahlmodell zu umstellen, nicht mehr richtig funktionieren. Da müssen wir uns also etwas Neues suchen, außerordentlich lästig. Das ist das Schlimmste an diesem ganzen Onlinezeugs, dass ein endlich funktionierender und mühsam zusammengebastelter Workflow immer gleich wieder durch irgendeine Neuerung über den Haufen geworfen wird, die man als User nicht bestellt hat.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst? Auf eine gute Kamera möchte ich nicht gerne verzichten. Könnte ich aber.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere? Ich kann sehr schnell lesen, aber das können andere auch.  Ich kann außerdem sehr lange am Schreibtisch sitzen und nichts vermissen, das ist oft ganz hilfreich.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen? Element of Crime. Wenn ich Blogtexte, Geschichten, Bücher schreibe, läuft zum Einstieg imer EoC, später dann gar nichts mehr. Aber um Schreibstimmung herzustellen ist es zweckdienlich, wenn die ersten Töne von “Am Ende denk ich immer nur an dich” laufen, das ist wie bei den Pawlowschen Hunden, nur ohne Speichelfluss. Bei schlechtem Wetter geht auch Johnny Cash, das ganz späte Spätwerk. Johnny Cash ist bei Regen einfach noch besser.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall? Ich stehe um halb sechs auf und falle früh um.

Eher introvertiert oder extrovertiert? Beides. Je nach Tagesform, Medium, Wetter, Bühne, Gegend und Stimmung. Und dann beides schlimm.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten? Ich glaube, Journelle hat noch nicht.

Der beste Rat den du je bekommen hast? “Komm vorbei.” (Die Herzdame vor dreizehn Jahren eines Abends am Telefon)

Noch irgendwas wichtiges? Ich bin für die allgemeine Einführung von mehr Nickerchen.

 

Wir tun es schon wieder

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Isa und ich lesen wieder vor und schon wieder tun wir es gemeinsam. Wenn das so weitergeht, fangen wir irgendwann reflexmäßig an irgendwas abzulesen, sobald wir uns sehen.

Das letzte Mal lasen wir in einer Weinhandlung, jetzt lesen wir in einem Schuhgeschäft, da steigt die Spannung, was die Nummer drei wird. Auf einem Biohof? In einem Fischgeschäft? Ein Abend in der Apotheke? Lesungen im Einzelhandel, am Ende haben wir damit wieder einen Trend begründet, das soll uns recht sein. Aber erst einmal lesen wir auf Einladung der Inhaberin in einem Schuhgeschäft, nämlich bei Sophie the cat  am Hansaplatz in Hamburg Sankt Georg. Das ist charmanterweise nur rund 500 Meter von meinem Schreibtisch entfernt, endlich mal eine Lesung, die mir wirklich entgegenkommt, das schätze ich sehr.

Am 03. Juni, das ist ein Montag, um 20 Uhr. Eintritt 7 Euro.  Es gibt Wein vom Weindealer aus der Gurlittstraße (hier auch auf Facebook), das ist eine äußerst sympathische Weinhandlung, wie ich als überzeugter Nichtweintrinker tatsächlich aus Erfahrung bestätigen kann. Mit anderen Worten, man bekommt beim Weindealer auch Bier. Die weintrinkenden Freunde waren bisher aber tatsächlich immer begeistert von den Weinen dort.

Wir lesen aus Blogs und Büchern, ich lese dabei nur Sachen, die ich bisher nicht öffentlich gelesen habe.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Unsere Wortverliebtheit der Woche gilt dem außerordentlich schönen Begriff “Bärenerwartungsland”. Das ist nämlich Deutschland, ein Bärenerwartungsland, man möchte es dauernd wiederholen. Ein Wort, das froh stimmt. Denn erst dann, wenn wir den Begriff Bärenerwartungsland mit all seinen Folgen für Spaziergänge durch einsame Wälder völlig verinnerlicht haben, erst dann werden wir den Ohrwurm der Bärenmarke-Fernsehwerbung endgültig los. Das wird ein Fest.

In der Zeit ein langer und detailreicher Artikel über den Zusammenhang zwischen der Konjunktur, dem Wachstum und dem Verbrechen. Über Manager und Moral und die Frage ob und warum denn alles immer schlimmer wird.

Ein (englischer) Artikel über den kürzlich gehackten Twitter-Account der Associated Press. Die Story mit der Falschmeldung von Explosionen im Weißen Haus werden viele mitbekommen haben, die Auswirkungen an der Börse vielleicht nicht.

In der Zeit ein Artikel über Naturplastik, ein eher amüsanter Begriff für Verpackungsmaterialien aus natürlichen Rohstoffen. Sind die besser als Kunststoff? Oder haben sie wieder andere Nachteile? Und kann vielleicht mal irgend etwas nicht kompliziert sein? Man weiß es nicht.

Eine Visualisierung der Weltbevölkerung. Sehr schlicht, sehr beeindruckend.

Im Tagesspiegel ein Artikel, der die digitale Arbeit mit Ausbeutung in Verbindung bringt und tatsächlich sogar Marx erwähnt. Völker, retweetet die Signale. Oder so.

In der letzten Woche hatten wir einen Artikel zur Gentrifizierung in Berlin, in dieser Woche denkt Falk Schreiber über den Stadtteil Wilhelmsburg in Hamburg nach. Das ist dort, wo gerade die Internationale Gartenschau stattfindet, die für den Stadtteil ganz gewiss nicht ohne Folgen sein wird. Es ist sehr, sehr kompliziert. Und wenn man schon bei den Veränderungen im Stadtbild durch Gentrifizierung ist, dann kann man auch gleich noch wie nebenbei einen Blick auf die wachsenden Umsatzanteile des Onlinehandels in verschiedenen Branchen werfen und sich geistig schon einmal von den nächsten Läden in der Nachbarschaft verabschieden. Zu spät, du rettest den Freund nicht mehr.

In der NZZ wird das Buch “Wie viel ist genug?” rezensiert, geschrieben von Robert und Edward Skidelsky, die beiden sind Vater und Sohn. Es dürfte viele der Stammleser hier lebhaft interessieren.

Wieso nicht Umwelt-Aktivisten sondern eher Daimler das Car-Sharing in Deutschland vorangetrieben haben, kann man bei Wiwo-Green nachlesen.

Meldungen zu schlechten Arbeitsbedingungen bei Textilarbeitern in Bangladesch und anderswo liest man öfter, auch um Kakao  oder Kaffee drehen sich einige Meldungen – Geranien sind da schon etwas origineller. Man wird eben bei jedem Produkt auf die Frage der Herstellungsbedingungen zurückgeworfen, und es ist auch richtig so.

Und wenn man dann denkt, man kauft bio, dann wird schon alles passen, dann merkt man, dass die gute Biokartoffel gar nicht von hier kommt - und vielleicht auch im Moment gar nicht von hier kommen kann. Fatal. Und wenn man jetzt denkt, das müsste doch alles lösbar sein, dann kommt jemand und dreht etwas am Kalender, schaut weit nach vorne und sagt: oh nein. Da ist vieles regional völlig unlösbar. Im Guardian gibt es einen erhellenden Text zur Lage der Welternährung und zu Nahrungsmittelexporten im Jahr 2050.

Und beim Thema Nahrung gab es ja auch unlängst diesen Pferdefleischskandal, der ist schon fast wieder allgemein vergessen. Im Supermarktblog geht man der Frage nach, welche Folgen der Skandal hat. Man beachte unbedingt den letzten Satz.

Der Designlink der Woche diesmal wieder aus dem Bereich Architektur, es geht um das Aquarium in Kopenhagen. Das ist anscheinend kein ökologisch vorbildliches Gebäude, wie man dem Text entnehmen kann. Aber als Bewohner deutscher Ballungsgebiete ist man ja auch schon dankbar, wenn ein Haus einmal kein rechteckiger Glaskasten ist. Und rechte Ecken kann man dem Ding nun wirklich nicht vorwerfen.

GLS Bank mit Sinn

Hamburger Regionalwaren

Da ich für den donnerstäglichen Wirtschaftsteil jetzt öfter Themen mit Bezug auf Bio und Öko und Regio und dergleichen lese, kam ich neulich über einen Kommentarlink auf die Seite “Hamburger Regionalwaren”, die ich nicht kannte und die mir interessant vorkam. Ich habe mit dem Gründer der Firma ein paar Mails getauscht und dann haben wir beschlossen, uns einmal zu treffen. Und da Sachen machen mit Isa traditonell mehr Spaß macht und sie sich auch gerade intensiv mit diesen Themen beschäftigt, waren wir dann zu dritt.

Wie immer, wenn es bei Isa und mir um Termine geht, dauerte die Planung allerdings ein wenig. In diesem Zusammenhang sei kurz erwähnt, dass Isa mich nicht ganz zu Unrecht gerne als “kalenderbehindert” bezeichnet, während sie selbst das kürzeste Kurzzeitgedächtnis aller mir bekannten Menschen hat, weswegen unsere gemeinsame Planung nicht immer einfach ist. Dass wir dennoch ziemlich häufig gemeinsam unterwegs sind, spricht sehr für ihren duldsamen und belastbaren Charakter und für meine ungewöhnlich treue Anhänglichkeit. Wir haben ziemlich viele Mails geschrieben, bis wir dieses Treffen endlich klar hatten. Mails, in denen wir Ulf Schönheim, den Gründer der Firma Regionalwaren, immer wieder der Einfachheit halber als den “Regionalulf” bezeichneten. Als wir ihn dann Wochen später tatsächlich trafen, mussten wir ihm daher erst einmal erklären, dass er jetzt nicht mehr Ulf, sondern Regionalulf heißt. Er trug es mit Fassung, das sprach schon einmal für ihn.

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