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Feb
Gucken Sie mal
by Maximilian Buddenbohm in
Ich verlinke sonst nicht auf Rezensionen zu meinen Büchern, aber die hier ist so schön, da muss das einmal sein.
Ansonsten wird es noch ein paar Tage eher sehr ruhig hier zugehen. Arm kaputt. Da merkt man dann im wörtlichen Sinne, das man so ein Blog doch nicht mal eben mit links betreiben kann, wenn der rechte Arm nicht mitspielt. Eine ganz linke Numer, so ein rechter Schaden. Vor vier Jahren war es der linke Arm, jetzt ist der andere. Vielleicht sollte ich mit der Nase tippen üben? Es bleibt spannend.
Feb
Signierte Bücher?
by Maximilian Buddenbohm in
Mein neues Buch „Marmelade im Zonenrandgebiet“ ist demnächst sicher auch in Ihrer Buchhandlung vorrätig, wenn es bei Ihnen denn überhaupt noch Buchhandlungen gibt, haha, kleiner Scherz. Sie könnten es dort kaufen gehen, Sie können es aber auch direkt bei mir bestellen, das hätte den charmanten Vorteil, dass ich Ihnen etwas hineinschreiben könnte. Der Versand kann in wenigen Tagen beginnen, ich warte nur noch auf die nächste Verlagslieferung. Wenn Sie bereits jetzt bei mir bestellen möchten, mailen Sie an maximilian Punkt buddenbohm @ gmx Punkt de und ich erkläre Ihnen gerne, wie es am einfachsten geht.
Eine Beschreibung zum Buch finden Sie zum Beispiel bei Amazon, wenn Sie bitte oben rechts einmal klicken wollen. Dort erhalten Sie das Werk auch als total praktisches E-Book, das kann ich Ihnen dann aber leider nicht signieren.
Wenn Sie ein anderes meiner Bücher auf diese Art direkt bei mir erwerben möchten, oder gleich mehrere, auch in gewagten Kombinationen – wir können über alle Varianten reden.
Feb
Die Würdigung des Dichters im heimischen Kreise
by Maximilian Buddenbohm in
Sohn I: „Hier liegen ja Bücher herum. Warum liegen denn hier die ganzen Bücher herum?“
Ich: „Oh, ich hab ein neues Buch geschrieben, und das hier sind die Exemplare für mich, die wurden gestern Abend geliefert. Das nennt man Belegexemplare.“
Sohn I: „Schön, aber die müssen doch nicht da liegen, wo ich frühstücken will. Räum das jetzt weg!“
Feb
Die letzte Diva
by Maximilian Buddenbohm in
Google sagt:
Whitney Houston
Elizabeth Taylor
Lola Müthel
Sophia Loren
Angelica Domröse
Hildegard Knef
Marianne Faithfull
Christian Ude
Feb
Was zum Mann gehört
by Maximilian Buddenbohm in
Da stehen Menschen an Bushaltestellen, die haben so viel Kleidung angezogen, dass die Figuren schon rundlich sind. Als ihre Großeltern damals übers Haff in den Westen gekommen sind, da hatten die auch nicht mehr angehabt. Alles was man hat! Bei den Temperaturen fällt die Wahl vor dem Kleiderschrank endlich wieder leicht. Minus 10, minus 15, das rechtfertigt noch den seltsamsten Look. Die Frauen tragen Hosen über Leggins über Strumpfhosen, die in dicken Wollsocken stecken, mit denen man in Stiefel schlüpft, die man früher nur nachts auf der Reeperbahn getragen hat. Alles egal! Hauptsache, nicht mehr frieren. Abends entblättern sich die Pärchen im Schlafzimmer, ein langwieriger Prozess, Stück um Stück fällt von den Körpern ab und dann zieht die Frau mit kritischem Blick die Augenbrauen zusammen: Der Kerl hat eine lange Unterhose an! Wie das aussieht! Sind wir modisch denn völlig verlottert? Ob er sich nicht schämt, mit den grauen Liebesstötern? Skiunterwäsche, murmelt der Mann entschuldigend und hämisch kichert die Frau, während sie ihre schwarze, dicke Strumpfhose zusammenrollt, die immer gut aussieht, immer gut sitzt, immer attraktiv ist. Dem Mann schlabbert es baumwollig unschön um die Schenkel, er weiß es, er steht bedröppelt vor der auch im Winter so sehenswerten Gemahlin. Er zieht sich schnell aus und friert lieber. Die Frau liest ein Frauenmagazin, da steht drin, dass Männer in langen Unterhosen, also wirklich, grotesk. Sie nickt und zeigt den Artikel ihrem Mann. Der Mann seufzt und reibt die kalten Beine. Ach, wenn Haare wärmen würden!
Es ist wieder Zeit, den Tatsachen ins Auge zu sehen, Ladies. Es ist verdammt kalt draußen. Entweder ihr habt Männer in langen Unterhosen, oder ihr habt bald gar keine mehr. Augen zu und durch.
Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.
Feb
Bitte vormerken – Lesung in Hamburg
by Maximilian Buddenbohm in
“Save the date”, wie wir in den gentrifizierten Stadtteilen sagen. Die traditionelle Frühlingslesung Tirili, diesmal mit Isabel Bogdan, Nils Mohl und mir. Musik von Harald Kösser, Moderation Ina Marinescu. Das wird super.
Feb
Was man bei Kälte auch tun kann
by Maximilian Buddenbohm in
Während auf Facebook und Twitter sinnige Meldungen zu Kältebussen für Obdachlose in Großstädten herumgereicht werden, die teilweise schlicht falsch und irreführend sind, und viele Menschen anscheinend die angeblichen Telefonnummern dieser Busse im Handy abspeichern und meinen, damit schon Gutes zu tun – währenddessen kann man auch zu nützlicheren Taten finden. Einer unserer Nachbarn war zum Beispiel bei der Bahnhofsmission, die hier bei uns um die Ecke ist, und hat gefragt, was gerade dringend gebraucht wird. Das waren, sehr naheliegend, Schlafsäcke. Es wurde dann in der direkten Nachbarschaft nur mal eben via Facebook gesammelt und es kam in zwei, drei Tagen genug Geld für 24 Schlafsäcke zusammen. Einfach so. Ganz direkt, ganz simpel, ganz ohne Verwaltungskosten. Bestellt, bezahlt, hingebracht. Ganz schnell. Das geht vielleicht auch in Ihrem Stadtteil?
Wir haben über 80 Mietparteien in allernächster Nachbarschaft über Facebook erreichbar und man kann von dem Netzwerk halten, was immer man möchte – es hat schon auch sehr greifbare Vorteile.
Feb
Gnadenloses Merchandising der Militanten Stubenhockerfraktion
by Maximilian Buddenbohm in
Auf vielfachen Wunsch gibt es jetzt Tasse, T-Shirt etc. mit dem Logo der Militanten Stubenhockerfraktion hier im Shop zu kaufen, damit man die richtige Gesinnung auch aufrecht in allen Lebenslagen demonstrieren kann. Auf bedruckte Outdoorkleidung haben wir aus naheliegenden Gründen verzichtet. Bitte klicken Sie die Tasse an.
Feb
Alstereis
by Maximilian Buddenbohm in
Feb
Gründung der Militanten Stubenhockerfraktion
by Maximilian Buddenbohm in
Wir haben es wirklich lange friedlich versucht, einfach drinnen zu bleiben und Euch zu ignorieren. Ihr habt aber einfach nicht aufgehört, uns mit „Schönem Wetter“ vollzutexten, von „Frischer Luft“ zu jubeln und von den Freuden der Bewegung bei minus fünfzehn Grad. Es reicht. Nein, wir möchten nicht spazieren gehen, wir möchten nicht aufs Eis, wir möchten nicht in den Schnee, nein. Akzeptiert die Wahrheit: Es ist nicht schön draußen, es ist rattenkalt.
Wir rufen Euch jetzt mit maximaler Entschlossenheit ein kampfbereites „Wir möchten hier einfach nur sitzen!” zu. Und zwar in geheizten Räumen, auf gepolsterten Möbeln. Zigtausend Generationen Evolution der Menschheit, um sich immer noch in freier Natur die Nase abzufrieren? Geht’s noch?
Lasst uns in Ruhe. Geht draußen spielen, aber tut es leise. Vielleicht möchten wir gerade ein wenig schlafen.
Der Beitritt zur Militanten Stubenhockerfraktion erfolgt berückend einfach durch Kommentare unter diesem Text, dafür muss man nicht einmal zum Briefkasten. Die Grafik darf gerne mitgenommen und verteilt werden.
(Mit Dank an Giardino für den Entwurf zur Grafik)
Jan
Ein konstruktiver Vorschlag
by Maximilian Buddenbohm in
Die Söhne besitzen ziemlich viele Bücher und sie neigen dazu, abends etliche davon mit ins Bett zu nehmen, um in Ruhe noch ein wenig zu lesen. Sie brauchen allerdings stets eine Weile, bis sie die richtigen Bücher gefunden haben, denn die stehen in keiner erkennbaren Ordnung im Regal. Das brachte Sohn I gestern Abend darauf, mit mir ein ernstes Gespräch über Ordnungssysteme zu führen, und das ist natürlich eines der Themen, über die man mit viereinhalbjährigen Jungs besonders gerne spricht. Der Sohn fragte, wie meine Bücher denn eigentlich sortiert seien und ob ich da jemals etwas finden würde. Er hörte mit Staunen, dass sie nach Ländern und Epochen sortiert sind, bzw. sortiert wären, wenn ich denn jemals Zeit hätte, dieses Projekt zu beenden. Andere Menschen aber, so erklärte ich weiter, etwa die geschätzte Isa, sortieren ihre Bücher gnadenlos nach Alphabet durch, wobei zum Beispiel meine Bücher dann neben denen von Bukowski stehen, was gar keinen Sinn ergibt, aber egal. Es ist ein freies Land, hier kann jeder sortieren, wie er will. Wieder andere, etwa der geschätze Mek, sortieren nach dem schönen Prinzip „von mir geschrieben oder nicht von mir geschrieben“. Extremere Charaktere sortieren angeblich auch nach Farbe oder Größe oder Verlag. Und der Sohn hörte zu und dachte nach und fragte schließlich, ob es denn wirklich so sei, dass jeder in anderen Wohnungen gar nichts finden würde? Und ob das denn nicht total blöd sei?
Ich erklärte ihm, dass man aus dem Büchersortieren sogar eine ganze Wissenschaft gemacht habe, wodurch die Sache übrigens dennoch nicht wesentlich einfacher geworden sei. Seltsame Menschen haben so etwas dann sogar studiert, zum Beispiel sein eigener Vater, der tatsächlich ein Dipl.—Bibl. ist, was der Sohn für einen prima Witz hielt. Ich habe es auch nicht immer einfach mit meinem eigentlich so klangvollen Titel. Und dann hat der Sohn noch etwas weiter nachgedacht, seine Bücher lange angesehen, ein paar probeweise von links nach rechts geräumt und schließlich einen Vorschlag gemacht, von dem er meint, das ihn bitte künftig jeder Mensch anwenden möge:
„Man sortiert die Bücher doch am besten einfach so, dass die Geschichten, die richtig, richtig gruselig sind und besser nicht angefasst werden, wenn es gerade dunkel wird, weil sie nämlich vielleicht Monster anlocken könnten, auf der einen Seite stehen. Dann ist das viel weniger gefährlich, dann nimmt man die nicht aus Versehen mit ins Bett. Und auf der anderen Seite dann eben die ganzen anderen Bücher, die einfach nur schön sind und die man also immer lesen kann, weil da kommen keine Monster oder Gespensters. Das kann man doch leicht verstehen? Und dann müsste man doch gar nicht mehr so lange suchen?“
Wenn Sie dann bitte alle auch bald anfangen, Ihre Bücher zuhause entsprechend umzuräumen. Ich meine, wo er doch Recht hat… Mitlesende Bibliothekare und Buchhändler wenden das im Interesse einer einfacheren Weltordnung bitte ab sofort beruflich an. Danke.
Jan
Was tun mit Kindern an grauen Sonntagen
by Maximilian Buddenbohm in
Die Söhne haben Besuch, ein Mädchen wühlt sich mit prüfend durch ihr Spielzeug, bevor es schmollend beschließt, sich zu langweilen. Gelangweilte Kleininder sind wirklich das Letzte, was man an einem Winterregensonntag um sich haben möchte, ich bin höchst alarmiert. Das Mädchen guckt sich um und sieht den Balkon vor dem Wohnzimmer, den ausgemusterten Tannenbaum darauf, das Sandspielzeug in Warteposition, die weggeklappten Sonnenliegen und die toten Topfpflanzen und fragt: „Dürfen wir da draußen spielen?“
Die Söhne schließen sich sofort quengelnd an, während es draußen dunkler wird, der Regen dichter wird und ein paar Schneeflocken darin zu erkennen sind. Der Wind frischt auf, die Nässe kommt in Schwaden quer herangeweht, ein furchtbares Wetter. Wir stecken die Kinder in Wintersachen, ziehen Regensachen drüber und lassen sie auf den Balkon, der gerade vom Regen förmlich geflutet wird. Auf den Balkon geht man nicht im Winter, also ist es großartig, auf den Balkon zu gehen. Logisch. Die Kinder spielen „Aufräumen“, danach spielen sie „Saubermachen“ und dann auch noch „Gärtnern“. Sie spielen mit verrotteten Blumentöpfen, klammen Fingern und besonderer Hingabe. Ich sitze mit heißem Tee gemütlich auf dem Sofa, lege die Beine hoch und sehe zu. Das ist die beste Spielidee, auf die der Nachwuchs jemals gekommen ist. „Noch zehn Minuten“, sage ich, „dann verbieten wir es.“ „Ja“, sagt die Herzdame, „ganz genau. Und im Laufe der Woche, wenn sie oft genug gefragt haben“, geben wir jeden Tag etwas nach und lassen sie ein paar Minuten wieder raus.“
Während wir die wild protestierenden Kinder reinholen, freue ich mich auf das nächste Wochenende. Wir werden den Kindern eine ganze Stunde Balkon erlauben! Und sie werden sehr dankbar sein und natürlich nach zwei Stunden fragen. Zwei Stunden Ruhe und Frieden, zwei Stunden Sofa und Lektüre.
Es kann so einfach sein.
Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.
Jan
Entspannt ins Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Und dann hört man seltsamen Krach aus dem Flur, springt hin und sieht: Kommode umgestürzt, vermutlich weil sich wieder ein Kind an die oberste Schublade gehängt hat. Die Kommode ist groß, voll mit tausend Sachen und entsprechend schwer und darunter guckt eine Kinderhand hervor, ein Gruselbild, wie man es aus Film und Fernsehen kennt. Und eine etwas gepresst klingende Stimme, die unverkennbar nach Sohn II klingt, ruft von unterhalb des Möbels: “Ich war das gar nicht! Ich bin auch nicht hier!”
Jan
Die Logik der Suppennudel
by Maximilian Buddenbohm in
In unserer Wohnung wird demnächst die etwas angemoderte Einbauküche im ansprechenden Design der Achtziger Jahre (Farbgebung in Sand, Schlamm- und Kackbraun) gegen eine moderne Variante getauscht. Das hört man als Mieter gern, da freut man sich und träumt von kommenden Zeiten, in denen die Küche womöglich sogar fotogen sein wird, da schmeckt dann alles sicherlich besser, wenn es endlich einen dekorativen Hintergrund hat. „Suchen Sein sich mal was Schönes aus“, hieß es seitens der Verwaltung und die Herzdame ist wahrscheinlich die einzige Frau weltweit, die auf so ein Angebot mit dem denkwürdigen Satz reagiert: „Wenn ich mir die Küchendetails hätte aussuchen wollen, dann wäre ich irgendwo Eigentümerin geworden!“
Ich finde die Auswahl nicht so problematisch, diese Aufgabe übernehme ich also, in der Küche kenne ich mich eh besser aus. Die Herzdame ist bei uns ja auch für den Autokauf zuständig, das hat hier alles seine Logik, das ziehen wir durch. Was ich aber tatsächlich schwierig finde, ist die unfassbare Menge von Zeug, die sich in den Küchenschränken befindet, und die natürlich für die Zeit des Umbaus irgendwo anders hin muss. Nirgendwo sind bei uns so viele Dinge versammelt wie in der Küche, nicht einmal das Kinderzimmer kommt damit, und das will etwas heißen. Wenn man all die Dinge erst einmal aus den Küchenschränken herausholt, dann füllen sie wahrscheinlich wochenlang die ganze restliche Wohnung aus. Das kennt sicherlich jeder von Bücherregalen, deren Inhalt sich entgegen aller physikalischen Gesetzgebung im Volumen verdoppelt, wenn man die Bücher herausnimmt. Bei Küchenschränken ist es noch schlimmer. Viel schlimmer. Seit ungefähr vier Wochen bin ich nun schon damit beschäftigt, nur den Vorratsschrank leer zu kochen, damit die Aktion etwas einfacher wird. Der bisher eingetretene Erfolg besteht darin, dass seine Tür jetzt allmählich normal schließt. Es bleibt eine Herkulesaufgabe, unter anderem wegen meines Nudelkaufknalls.
Altgediente Leser werden sich vielleicht erinnern, ich habe beim letzten Umzug bereits mit Grausen darüber geschrieben, welche Mengen von Suppennudeln sich in unserer damaligen Vorratskammer fanden. Es waren so viele, dass es mich wohl zur Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe qualifiziert hätte. Das ist ein paar Jahre her, und nun ist die Lage wieder ähnlich, Besserung ist bei diesem seltsamen Thema nicht eingetreten. Aber mittlerweile glaube ich verstanden zu haben, warum ich Suppennudeln kaufe, bis der Schrank voll ist. Es ist eine Berufskrankheit.
Und zwar scheint es mir so zu sein, dass ich mich an einen klassischen Bug in einer beliebigen Software angepasst habe, das ist vielleicht ganz naheliegend, wenn man jahrelang projektleitend mit der Entwicklung von Software, Applikationen und damit verbundener Prozesslogik zu tun hat, so etwas färbt wahrscheinlich unweigerlich irgendwann ab. Warum sollte man noch normal funktionieren, wenn es alles, womit man beruflich jeden Tag zu tun hat, auch nicht tut? Programme machen nun einmal Fehler. Ich habe mir also, genau wie ich es im Büro tun würde, ein Bild vom Prozess gemacht, der beim Suppennudelkauf und seinen Randbedingungen abläuft.
Die Situation ist so: Der Zeitplan dieser Familie hier ist seit vier Jahren von der einfachen Devise „Wir kommen zu nix“ geprägt, das gilt selbstverständlich auch für das Essen. Ich koche prinzipiell gern und habe dauernd vor, großartige Dinge auf den Tisch zu bringen, scheitere aber meist am Timing. Wenn ich nun ein Essen im Sinn habe, für das ich z.B. Suppennudeln brauche, dann kaufe ich welche, das ist soweit noch im grünen Bereich und vollkommen in Ordnung, bis dahin ein sauberes Programm. Wenn ich zu dem geplanten Essen aber nicht komme, dann kaufe ich am nächsten Tag wieder Suppennudeln. Der Task „Suppennudeln kaufen“ wird nämlich nur gelöscht, wenn ich sie zubereite, nicht aber, wenn ich sie kaufe, denn dann ist der Prozess ja noch nicht fertig. Nur der fertige Eintopf löscht die Aufgabe des Kaufs. Es ist eine Suppennudelendlosschleife, ein durchgeknalltes Programmteilchen, das man einfach mal abklemmen muss, keine große Sache. So etwas erkennt ein alter Hase wie ich doch sofort, da muss ich gar nicht erst mit dem Programmierer verhandeln. Solche Fehler werden normalerweise in Minuten behoben.
Ich weiß nur noch nicht recht, bei welchem Support ich mich jetzt deswegen melden muss.
Jan
Ich komme, um zu singen
by Maximilian Buddenbohm in
Sohn I fragt, wo ich hingehen möchte, ich erkläre ihm, dass ich ins Theater gehe, zu einem Konzert von Esther Ofarim. Er fragt, wer das sei und ich zeige ihm alte Videos von ihr auf dem iPad. Filmaufnahmen aus den sechziger Jahren, genauer gesagt vom zweiten Tag, an dem in Deutschland Farbfernsehen ausgestrahlt wurde, und wenn man das weiß, dann wirkt es gleich noch viel bunter, was die sehr junge Esther da als Kleid trägt. Sohn I wippt mit und nickt, die Musik gefällt ihm. „It’s the morning of my life“, wie passend für einen vierjährigen Jungen. Dann zeige ich einen Clip von heute, und die Frau, die da singt, ist immer noch schön, singt immer noch wie damals, ist aber viel älter und hat keinen Mann mehr dabei. Der Sohn fragt, wo denn der Mann sei, der Abi, weil der hat ihm auch gut gefallen, mit der Gitarre. Ich erkläre ihm, dass er Esther irgendwann nicht mehr gefallen hat, oder umgekehrt, was weiß ich, so etwas kommt eben vor, der Sohn kennt ja genug Beispiele im näheren Freundeskreis und in der Verwandtschaft. Ja, sagt er, das weiß er, aber gut ist das deswegen noch lange nicht. Und zusammen fand er die besser. Und er will jetzt lieber wieder die alten Sachen sehen. So.
20 Uhr im Sankt Pauli Theater auf der Reeperbahn. Das Licht geht aus und Esther Ofarim tritt in rauschendem Applaus auf, geht ans Mikro und sagt verlegen: „Ich komme, um zu singen.“ Das Publikum klatscht schon nach diesem Satz so, als müsse man sich die Zugaben jetzt schon hart erkämpfen und nach den ersten Klängen von „My Fishermann, my laddie-o“ hört man ein hundertfaches Seufzen im Saal.
Ich bin ein Kind aus den sechziger Jahren, es sind viele in meinem Alter da, noch mehr aber, die zur Generation meiner Eltern gehören. Menschen, die wie ich die Schallplatten von Esther Ofarim tausendfach gehört haben, Menschen, die mit ihrer Musik groß und alt geworden sind. Menschen, die hebräische Lieder mitsingen können, ohne ein Wort hebräisch zu sprechen, man hört es leise aus den Reihen, als Esther „Laila laila“ anstimmt. Das war auch auf der Platte, die in meiner Kindheit lief, und ich weiß heute noch jeden Ton, jede Silbe und jeden Kratzer. Das Publikum klatscht und klatscht nach jedem Song als könnte es ihr letzter sein. Esther hebt nach jedem Lied sachte die Schultern und schüttelt den Kopf, als wollte sie sagen: „besser kann ich es nun einmal nicht“, dabei ist hier jeder ganz sicher, dass sie eine der weltbesten Sängerinnen ist. Schüchtern wirkt sie, kleiner und schmaler denn je, vorsichtig tritt sie ins Rampenlicht, als wäre sie vielleicht gar nicht willkommen, dabei gibt es wohl wenig Künstlerinnen, denen so viel Liebe entgegengebracht wird. Alte Liebe, in Jahrzehnten gereift, in Sekunden neu entfacht, einfach durch den ersten Ton eines großen Liedes. Sie singt Stücke von Brecht und Leonard Cohen, von den Beatles, aus Musicals und hebräische Lieder. Den bittersten aller vorstellbaren Surabaya-Johnnys, das hoffnungsvollste „Somewhere over the rainbow“, das verständnisinnigste „Wednesday morning at five o’clock“. In den Zugaben auch das unverwüstliche „It’s the morning of my life“ und ganz zum Schluß Heine/Mendelssohn „Leise zieht durch mein Gemüt“ – und man möchte jeden Ton festhalten, damit es bloß nicht aufhört. Dann winkt sie im Gehen über die Schulter und ist weg. Die Menschen strömen hastig zu den Ausgängen, schnell in die Bahn, schnell nach Hause, die alten Platten auflegen. In Stimmen kann man zuhause sein.
Was ich eigentlich sagen wollte: Wenn Sie die Chance haben, eines ihrer wenigen Konzerte zu besuchen – gehen Sie bloß hin.








