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Woanders – diesmal mit dem Schreiben, einer Hallig, Dänemark und anderem

Feuilleton: Tom Hillenbrand mit überhaupt nicht abwegigen Hinweisen zum Schreiben. Wie es in anderen Medien heißen würde: Punkt 4 habe ich jahrelang unterschätzt. Was vielleicht ein klein wenig schade ist. Wobei neuerdings auch Twitter wie ein Notizbuch fir mich funktioniert. Dort der eine Gedanke, im Blog dann später ein Text, das kann ganz gut gehen. Link gefunden via Felix Schwenzel.

Norddeutschland: Früher war alles besser, früher gab es keine Polizeieinsätze auf Hallig Hooge.

Norddeutschland: Beklemmende Bilder aus Osterode.

Norddeutschland, bzw. noch etwas nördlicher: Ein Artikel über zweisprachige Ortsschilder in Dänemark, im Gebiet der deutschen Minderheit. Zufällig ist mir gerade beim Durchfahren der Stadt Schwarzenbek in der Nähe von Hamburg zum ersten Mal ein zweisprachiges Ortsschild hier in der Nähe aufgefallen. Unter Schwarzenbek steht dort ganz offiziell das plattdeutsche Swattenbeek. Finde ich gut.

Fotografie: Russische Teenager und Putin. Seltsam, seltsam.

Familie: Isa schreibt über Selbstverständlichkeiten und zitiert mich, bzw. die Söhne.

Gesellschaft: Volker König erzählt von Sozialämtern damals und heute und wie sich das Menschenbild dort gewandelt hat.

Feuilleton: Ein Artikel über die Ehe von Raymond Chandler

Feuilleton: Ein Kalenderblatt für Victor Hugo.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Beginnen wir einmal positiv, mit einer netten Vision. Einer Vision von städtebaulichen Maßnahmen, die ganz so wirken, als seien sie, drücken wir es ruhig ganz banal aus – nett. Richtig nett. Oder noch eher agréable, denn es geht um Paris. Da möchte man das Seine-Ufer etwas umbauen (englischer Text, wir nehmen da dankend die Vokabel pedestrianisation mit, so ein schönes Wort).

Da fällt einem doch wieder ein, dass man so etwas auch wirklich gerne mit einem anderen Fluss im Text lesen würde. Mit der Ruhr, dem Rhein, der Spree, der Elbe. Schön wär’s schon, nicht wahr.

Auch andere aktuelle Beschlüsse der Nachbarn sind interessant, etwa die zu begrünten Dächern. In dem Artikel liest man immerhin, dass Deutschland Vorreiter bei Dachgärten ist, man ist ja dankbar für jeden positiven Hinweis. Hier geht es um einen in Berlin, aber nicht um irgendeinen.

Und wenn wir schon bei Architektur und der Blickrichtung nach oben sind – in anderen Ländern denkt man über vertikale Friedhöfe nach oder hat sie sogar schon gebaut, das ist wohl in Deutschland bisher kein Thema, nicht einmal in Berlin. Dann dauert es also noch eine Weile. Um diese Friedhöfe, um Hochhäuser und anderes geht es in einem Artikel im Freitag.

In Deutschland sollte man dagegen vielleicht doch noch einmal über Dämmung nachdenken. Und zwar gründlich.

Dann bleiben wir doch noch etwas bei Städten und Ideen, da findet man noch mehr. Nämlich Neuigkeiten von der guten alten Rohrpost. Die kann man sich offensichtlich etwas größer und moderner vorstellen. Oben die Drohnen, unten die Röhren, wir sind quasi bei Science-Fiction, warum auch nicht. Bei Science-Fiction kriegt man endlich auch mal etwas spleenig klingende Themen unter, etwa “Schweizer machen Strom mit U-Booten.” Das ist übrigens tatsächlich so. Und das Bild im nächsten Artikel könnte auch einer Vision von Jules Verne entstammen, oder? Ein paar Meilen unter dem Meer… (englischer Text)

Science-Fiction auf dem Meer führt übrigens wieder rückwärts in die Geschichte, denn da werden gerade die Segel neu erfunden.

Schöne Ideen, keine Frage. Ob solche Ideen uns “blöde Primaten” noch vor uns selbst retten werden? Die Beleidigung ist nicht von mir, die entnahm ich der Zeit. Passend dazu noch ein paar Bilder? Haben wir auch.

Aber so negativ enden wir natürlich nicht, nein. Wir haben noch eine deutlich nettere Meldung für den Freundeskreis Fahrrad. In Fürstenfeldbruck gab es einen radfreundlichen Akt zivilen Ungehorsams, oder, wie man heute sagen würde, einen Fall von “reclaim your city”: einen selbstgemalten Radweg. Und alle so: geht doch!

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Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wann immer wir hier soziale Themen aufgreifen, lässt es einen gruselnd vor den Kommentaren zurückschrecken, die unter den verlinkten Texten stehen. Oder zumindest kopfschüttelnd, ratlos. Christine Finke schreibt im Freitag über ihren Status als Alleinerziehende – unter dem Text werden Ihre vermeintlichen Lebensführungsfehler eifrig erläutert. “Selber Schuld” scheint immer noch eine reflexhafte Antwort auf fast alles zu sein, man kann da eine erstaunliche Härte herauslesen. Ist das die Härte der Bedrohten? Man liest doch so viel von dem immer gefährlicher werdenden Armutsrisiko?

Im folgenden Artikel wird versucht, dem Armutsbegriff etwas näher zu kommen, da begegnet man auch den Alleinerziehenden wieder – wen würde es wundern. Haben Alleinerziehende überhaupt eine Chance? “Auch in Deutschland sind nicht Kinder das Armutsrisiko, sondern auseinanderbrechende Elternpaare.”

Und gerade in Deutschland muss das Thema Armut immer mit dem Thema Chancen gemeinsam gedacht werden, nicht nur wegen der Alleinerziehenden. Nach wie vor sind Karrieren wie diese hier eher exotisch, die Gräben sind tief. Chancen sollen natürlich auch durch Inklusion eröffnet werden, das ist längst beschlossene Sache. Das klappt aber nicht so recht, wie es aussieht. Und Inklusion, das wird oft nicht bedacht, betrifft auch die Eltern behinderter Kinder. Wieso das so ist, kann man man in diesem Blog nachlesen – der Text bezog sich zwar auf den 1. Mai, das schadet inhaltlich aber überhaupt nicht. Es geht um unsichtbare Arbeit.

Und apropos Arbeit und Sozial, bei dem aktuellen Streik des Kita-Personals geht es übrigens, wenn man sich etwas genauer informiert, tatsächlich um einen Streik der Menschen in Sozial- und Erziehungsberufen. Das erklärt die Mutti hier etwas genauer.

Noch einmal kurz zurück zum Armutsbegriff – der fällt auch bei Journalisten übrigens oft etwas arm aus, denn alle Artikel zum Thema werden geradezu zwingend gleich illustriert – mit Menschen, die in Mülleimern wühlen, achten Sie mal drauf. Das ist für die Medien Armut, darüber kann man auch einmal nachdenken. So z.B. bei der Zeit, bei der man ebenfalls über die Armutsdefinitionen und die Ursachen grübelt.

Über die Ursachen nachzudenken kann nicht alles sein, Lösungen wären auch ganz nett. Zumindest kann man ja Modelle entwickeln, so etwa das des bedingungslosen Grundeinkommens. Da fängt man also quasi von unten an, neu zu denken – man kann aber auch weiter oben anfangen, die Sache mit dem Geld, dem Einkommen und dem Auskommen anders zu verstehen. Etwa dann, wenn man eine Gehaltserhöhung ablehnt und sich damit vom Zwang zur Steigerung verabschiedet.

Für den Freundeskreis Fahrrad haben wir zum Schluss noch einen Link einer eher ungewöhnlichen Quelle, nämlich von Karriere.de. Was haben die dort mit Fahrrädern im Sinn? Haben Fahrräder jetzt etwas mit Karriere und Führung zu tun? Na, so in etwa. Man beachte die Illustration, man will ja als Führungskraft richtig aussehen.

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Woanders – diesmal mit einer Republik, Bismarck, Belohnungen und anderem

Geschichte: Für Menschen meines Alters geht es bei diesem Artikel um eine Enttäuschung in der Jugend oder in der späten Kindheit. Im Grunde hat zwar niemand je geglaubt, dass der Staat wirklich auf eine Räumung verzichten würde, aber es war für uns dann doch eine tragische Nachricht, als man die Republik Freies Wendland beendete. Ich war nie selbst da, ich habe aber die etwas Älteren sehr beneidet, die da hingefahren sind. Für uns war damals vollkommen klar – da haben die richtigen Leute für die richtige Sache eine Weile richtig Spaß gehabt. Eine Meinung, die einem immerhin bis heute nicht peinlich sein muss. Und das Ende der Republik Freies Wendland ist auch einer der Gründe, warum manche, die damals jung waren, die spätere Entwicklung von Helmut Schmidt zum guten Onkel der deutschen Politik etwas überraschend fanden – to say the least. Man beachte übrigens auch Bild 14 in der Fotostrecke. Oder, wie es in anderen Medien heißen würde – bei Bild 14 musste ich laut lachen.

Hamburg: In der Zeit geht es um die Menschen, die zu Füßen des riesigen Bismarck-Denkmals in Hamburg leben, schlafen oder arbeiten. Womit in diesem kurzen Text jetzt schon drei Kanzler vorkommen, wie isses nun bloß möglich.

Familie: Ein ausführlicher Artikel über Belohnungssysteme in der Erziehung. Eines dieser Themen, die einem immer wieder begegnen – und die äußerst leicht aus dem Ruder laufen oder eine befremdlich merkantile Richtung nehmen. Und über die man vielleicht etwas länger nachdenken sollte. Überhaupt gutes Blog, kann man ruhig mal etwas zurücklesen. Sehr informativ.

Familie: Ein Artikel über Elternabende an Unis. Dann kann man also auch noch über die Kinder schreiben, wenn sie schon aus dem Haus sind, total praktisch. In der nächsten Stufe gibt es dann Elternabende bei Arbeitgebern: “Ist die Kantine auch bio? Paula verträgt so vieles nicht.”

Schule: Ein Artikel in der FAZ über Mathe als Angstfach. So, wie ich es gerade beim Erstklässler Sohn I mitbekomme, ist mir der moderne Matheunterricht bisher übrigens ziemlich sympathisch. Während bei mir damals quasi sofort eine Drohkulisse aufgebaut wurde und man schon in der ersten Klasse lernte, dass Mathe bald richtig, richtig schwer werden würde, eine fest eingeplante Gemeinheit, ist das heute ein ziemlich freundlicher Einstieg, das kann sehr gut etwas werden. Bisher jedenfalls haben beide Söhne ein völlig entspanntes Verhältnis zu Zahlen. Sohn II muss wohl zumindest phasenweise schon als mathematisch interessiert gelten, Sohn I findet Mathe gerade spannender als Deutsch. Ich erzähle den Kindern tunlichst niemals irgendwas über meine frühere Aversion gegen das Fach, schon gar nicht von meinem blanken Horror davor. Ich arbeite heute im Büro mit Zahlen, ich habe meinen Frieden mit ihnen gemacht, aber das war doch ein ziemlich weiter Weg.

Schule: Noch einmal Mathe. In der Zeit geht es um die Zahlen, die in der deutschen Sprache unsinnig kompliziert ausgesprochen werden – was man auch ändern könnte. Wenn man sich beruflich größere Zahlen oft und schnell diktiert, merkt man, dass man die Ziffern lieber gleich alle einzeln benennt. Es klappt sonst einfach nicht.

Feuilleton: In der taz geht es um ein neues Buch von Sven Regener, in dem er Geschichten erzählt, die Andreas Dorau wiederum ihm erzählt hat, was nur bedeuten kann, dass man das Buch haben muss.

Feuilleton: Seltsam beeindruckend: Gegenstände aus dem Besitz von Frida Kahlo.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Man denkt bei Mode und Wirtschaft meist an Baumwolle, an Oberbekleidung, an die vergleichsweise bekannten Probleme in den Fabriken – vor ein paar Tagen war übrigens gerade der Jahrestag des Rana-Plaza-Einsturzes. In der Wiwo-Green gibt es ein langes Special zum Thema Leder, das ist eine ganz andere Geschichte. Aber, man ahnt es natürlich, keine bessere.

Wenn man diesen Artikel gerade gelesen hat, merkt man vielleicht bei der Erwähnung der Gerbereien auf, die in einem Bericht aus dem Reiseteil der Zeit erwähnt werden. Denn auch Gerbereien kann man im Urlaub besichtigen, bei diesen etwas speziellen Stadtführungen durch Slums. Das fällt dann wohl unter Bildungsreisen. Im Untertitel fällt zwar schon das böse Wort “Armutsporno” für diese Art von Besichtigungen, allerdings kann die Kenntnis der Zustände vermutlich auch nicht schaden. Oder sagen wir so – Nichtwissen kann nicht besser sein.

Um eine sehr spezielle Bildungsreise einiger Schweizer geht es in einer äußerst lesenswerten Reportage. Da fragen sich interessierte Bürger, ob sie das Geld, das ihrer Gemeinde vom Konzern Glencore zufließt, eigentlich annehmen sollen. Und sehen einfach mal nach, was dieser Konzern mit dem Abbau von Kohle z.B. in Kolumbien so anrichtet. Und das ist natürlich kompliziert.

Die vorhin schon erwähnte Baumwolle gibt es auch in Bio, da nehmen wir noch schnell eine deprimierende Zahl zur Kenntnis – der weltweite Marktanteil der Biobaumwolle liegt bei unter einem Prozent, aber daran kann man ja gleich beim nächsten Einkauf etwas arbeiten. Oder ist es noch sinnvoller, gar nichts zu kaufen?

“Konsum kann niemals nachhaltig sein”, so heißt es beim ORF. Gefordert wird vielmehr Verzicht, und so unlogisch klingt das erst einmal nicht. Etwas mehr im Sinne des nachhaltigen Konsums argumentiert wieder ein Artikel in der FR, der Text kommt sogar zu einem vergleichsweise positiven Ende.

Zwischen nachhaltigem Konsum und gar keinem Konsum ist der Minimalismus, die in manchen Kreisen fast schon volkssporthafte Form der Konsumverweigerung. Weniger von allem, weniger Ballast, leichter leben, leichter reisen, leichter alles. Bei Anne Schüßler kann man eine Gegenrede nachlesen, das kann vielleicht auch einmal guttun. Wer es dann dennoch unbeschwerter haben möchte – in der Zeit wird der Bildband “The new nomads” vorgestellt. Da kann man sich das leichtere Leben zumindest einmal ansehen.

Und selbstverständlich ist es auch sinnvoll, sich die Funktionsweisen des enthemmten Konsums anzusehen, man sollte ja wissen, wogegen man ist. Weswegen man ruhig einmal, da sind wir schon wieder bei der Mode, etwas über Läden wie Primark nachlesen kann, etwa hier bei den Krautreportern.

Noch im Modekontext und quasi zur Erholung ein amüsanter Artikel über den Alpaka-Boom, da kann man sehen, wie eine Preisentwicklung geradezu lehrbuchgemäß funktioniert – und wie sie irgendwann auch wieder enden wird.

Zum Schluss wie fast immer der Link für den Freundeskreis Fahrrad, der diesmal gar kein Link ist, sondern sogar 50 Links, was soll der Geiz. Denn im Fahrradjournal werden 50 deutschsprachige Fahrradblogs empfohlen, da sollte wirklich für jeden etwas dabei sein.

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Woanders – diesmal sehr norddeutsch mit Streaming, Plattdeutsch, Sylt und anderem

Hamburg: Was ich bisher gar nicht wusste – als Mitglied der Hamburger Bücherhallen kann man auch Musik streamen. Kostet nix extra und klappt. Guck an.

Norddeutschland: In meinem immer schon multikulturellen Heimatland Schleswig-Holstein gibt es vielleicht bald ein paar Amtssprachen mehr. Un denn heet dat Sleswig-Holsteen. Man beachte bitte, dass die Wikipedia in der plattdeutschen Version Nakieksel heißt. Ist das schön? Das ist wunderschön.

Norddeutschland: Es geht gleich mit den Sprachen weiter, bei kwerfeldein geht es um die Ureinwohner der Insel Sylt. Im eingebetteten Video kann man die Sprache auch hören.

Norddeutschland: In der FAZ geht es um den noch zu bauenden Fehmarnbelttunnel. Warum war ich eigentlich noch nie auf Fehmarn? Und muss man da überhaupt hin?

Feuilleton: Antje Schrupp über salziges Essen und Buchpreise. In den Kommentaren kollabieren einige geistig, aber ich finde die Basisforderung, dass eine Jury mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Perspektive etc. besetzt sein sollte, doch ziemlich einleuchtend und logisch.

In eigener Sache: Im Mindener Tageblatt ist ein Artikel über die Herzdame und mich erschienen. Der Text ist so nett, dass ich nie wieder über die Stadt lästern kann, das ist also ein klarer Fall von “Print wirkt”. Online wirkt das allerdings nur begrenzt, der Artikel ist nämlich größtenteils hinter einer Paywall. Wer es dennoch sehen möchte – bitte hier entlang.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Es geht um das, was Sie vielleicht gerade beiseite geschoben haben, um diese Kolumne zu lesen, es geht um die Arbeit. Und da fangen wir gleich mit einem besonders schwierigen Aspekt an. Zumindest ist es ein Aspekt, der uns in den Medien immer wieder begegnet, es ist eine Frage, die offensichtlich viele Menschen umtreibt, die Frage der Vereinbarkeit.

Die Vereinbarkeit ist manchmal schon schwierig, bevor überhaupt ein Kind geboren wird, dazu ein Text in der Zeit. Und wenn die Kinder da sind, dann geht die Sache mit dem Nichtfinden los. Zum einen finden Eltern keine Kitaplätze, zum anderen finden die Kitas kein Personal, wobei der letzte Aspekt etwas seltener in den Nachrichten vorkommt. Dabei sind Erzieher mittlerweile so gefragt wie früher Informatiker – es hat nur leider keine vergleichbaren finanziellen Folgen.

Und während man so allerseits nichts findet, kommen einige Eltern auf die Idee, nicht mehr zu suchen. Sie gründen selber einen Coworking-Space mit Kinderbetreuung. Und das ist dann vermutlich so ein Fall, wo eine ganz neue Idee ganz weit zurückweist, denn was stellt man da her? Ist das nicht eine Art Großfamilienbetriebssituation? Die Kinder sind in der Nähe der Erwachsenen, quasi auf dem Hof, und sie haben immer eine Bezugsperson greifbar. Die Eltern machen, was sie machen müssen, um von irgendwas zu leben, sie sehen zwischendurch nach dem Kinderrudel und trösten, wenn es aufgeschlagene Knie gibt. Zu den Mahlzeiten kommen alle zusammen… das kommt einem doch bekannt vor? Es fehlt eigentlich nur noch die angeschlossene Seniorenbetreuung und etwas Urban Gardening. Haben wir nicht die letzten hundert Jahre damit zugebracht, genau dieses an ein Dorf erinnernde Idyll Stück für Stück und ziemlich gründlich abzuschaffen? Womöglich war es ein Irrweg? Vielleicht sollten wir es einfach wieder herbeibasteln – nur ohne die ganzen Nachteile von damals, versteht sich. Und natürlich mit WLAN.

Aber man muss bei Vereinbarkeit gar nicht immer nur an Kinder denken, man kann auch anderes mit der Arbeit vereinbaren oder eben nicht, beispielsweise schlicht das eigene Leben. Also den Teil davon, den man traditionell schöner findet als die Arbeit. Die FAZ vermisst in diesem Zusammenhang eine Teilzeitkultur in Deutschland.

Im Text über die Teilzeitarbeit werden die Niederländer erwähnt, die im Schnitt viel stärker von der Vollzeit abweichen als wir, in den Niederlanden ist aber auch sonst einiges anders. Zum Beispiel die Sache mit dem Home-Office.

Unter uns Effizienzmicheln arbeitet man aber lieber die volle Zeit und beim Arbeitgeber, versteht sich, in Deutschland neigt man zum – und wir haben da gleich ein besonders schönes Wort für den Smalltalk auf der Arbeit – Präsentismus. Wir gehen auch krank zur Arbeit, wir denken wie Unternehmer, wir opfern uns auf. Das sagt jemand, der in der Zeit als “Stressexperte” vorgestellt wird, ein Begriff, der zweifellos auf sehr vielen Visitenkarten stehen könnte.

Auch in dem italienischen Unternehmen Loccioni werden die Mitarbeiter als Unternehmer im Unternehmen bezeichnet, in dem folgenden Artikel aus der brandeins ist genau dieser Aspekt aber positiv belegt. Denn in dem Betrieb läuft einiges anders als üblich. Und wenn man sich etwas umsieht, findet man selbstverständlich noch mehr Betriebe, auch in Deutschland, in denen man die Struktur der Organisation aufbricht und ganz anders wieder zusammenbaut, als wir es gewohnt sind. Vielleicht sind neue Antworten zur Frage der Vereinbarkeit auch ein Nebenprodukt dieser Veränderungen, wer weiß.

Und in der FR gibt es gerade ein üppiges und lesenswertes Special zum Thema Arbeit, darauf weisen wir noch eben hin und beenden damit den Schwerpunkt: Arbeit – unsere Religion.

Zum Schluss wie fast immer noch der Link für den Freundeskreis Fahrrad. Diesmal ein englischer Text aus der New York Times, den wir unbedingt schon wegen der Schlagzeile zitieren müssen: “Families ditch cars for cargo bikes”.

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Woanders – diesmal mit Kinderbildern, Umgangsformen, Erdmöbel und anderem

Familie: Es gab und gibt wildeste Diskussionen zum Thema Kinderbilder im Netz. Einige Artikel sind bei Johnny verlinkt , der selbst wiederum einen der besten Texte zum Thema schreibt. Ein anderer guter Text beim Nuf, sogar mit vielen interessanten Kommentaren, das ist auch mal erfreulich. Und dann gibt es noch einen wichtigen Artikel beim Leitmedium, dort geht es auch um Texte, nicht nur um Bilder, das finde ich richtig so. Ich wurde anderweitig nach meiner Meinung gefragt, wobei ich ja bekanntlich der Meinung bin, gar nicht immer eine Meinung haben zu müssen. Oder zumindest keine felsenfeste. Tatsächlich entscheide ich das mit den Bildern zwar nicht nach Tagesform, wohl aber nach so etwas wie Jahresform und aktuellem Erkenntnisstand. Es gab hier lange überhaupt keine Bilder, bis ich einmal einen Auftragstext geschrieben habe, der ohne ein Bild der Söhne einfach keinen Sinn ergeben hätte. Der erschien dann tatsächlich mit Bild, das war bisher allerdings ein einmaliger Fall. Sohn II war gerade vor ein paar Wochen in einer Zeitschrift, von beiden Söhnen gab es auch einmal Babybilder online, wenn auch sehr wenige. Ich weiß nicht recht, was richtig ist. Oder ich weiß es nur für jetzt gerade – jetzt gerade erscheinen hier in der Regel keine Bilder von ihnen, es sei denn von hinten oder zumindest nahezu völlig unkenntlich. Wenn mir morgen ein guter Grund für eine andere Regelung einfällt, dann wird das eben so sein. Jede Familie hat ihre eigene Logik und ihre ganz eigene Situation, ich glaube bei solchen Themen generell nur bedingt an die Übertragbarkeit.

Wobei ich es immer deutlicher als Problem sehe, wenn Kinder in Bloggerhaushalten Eltern haben, die dauernd irgendwie auf Sendung sind, sie selber aber quasi unsichtbar sein sollen. Aus Gründen, die sie tendenziell eher nicht verstehen werden. Das ist nicht ganz einfach, und ich habe noch keinen perfekten Plan für diese Situation. In angemessener Form online zu erscheinen ist am Ende eben auch ein wichtiger Teil der Onlinekompetenz, die sie nach meiner Vorstellung irgendwann zu erlernen haben, womöglich von mir, wahrscheinlich sogar von mir, denn die Schule leistet das vermutlich nicht. Ich bin online nicht nur Konsument, ich bin online Produzent. Und mit oder ohne Absicht, ich bin damit evtl. ein Vorbild für die Kinder. Sohn I bloggt bereits mit, das wird vermutlich eher mehr als weniger. Wie weit darf er dabei eigentlich er sein? Oder, wie ich es auf Twitter formuliert habe – wann wächst den Kindern denn ein Gesicht? Mit sieben Jahren ist man dafür ganz sicher nicht alt genug, finde ich, aber ich weiß nicht genau, wann man das ist. Mit 12? Mit 14? Im besten Fall merke ich, wenn es soweit ist.

Nein, ich habe wirklich keine feste Meinung zu dem Thema, ich muss das immer wieder neu entscheiden. Die Onlinewelt ändert sich, die Kinder ändern sich – und im besten Fall bleibe ich auch flexibel. Wir teilen alle diese Artikel von den Achtjährigen aus den USA, die auf Youtube Unmengen Dollars mit Spielzeugtestvideos verdienen, wir klicken auf Tumblr-Postings mit lustigen Kinderbildern, aber die eigenen Kinder sollen um Gottes willen nicht stattfinden. Hm. Es ist wirklich kompliziert, ist es nicht? Ich finde auch die Argumente, die betonen, dass die Gesellschaft immer kinderloser wird, auch optisch, überhaupt nicht abwegig. Das stimmt durchaus – und das ist nicht gut so.

Im Moment meine ich, dass es keinen Grund für zahllose Kinderbilder im Netz gibt, ich finde aber ohnehin die ganze Bilder- und Selfie-Flut der Teenies und Erwachsenen vollkommen gruselig und abwegig, das ist alles nicht meins. Ich sehe das eher wie hier dargestellt, aber bitte, das soll jeder machen, wie er will und sich mein sinnloses Krückstockgefuchtel dazu einfach vorstellen. Ich finde es nicht tragisch, wenn ab und zu ein gutes Foto von einem Menschen egal wechen Alters erscheint, so eines, mit dem man mutmaßlich auch weiterhin noch gut leben kann. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder später blöd finden, was die Eltern zu dem Thema einmal entschieden haben, sie liegt eh bei vermutlich 90%, ganz egal, wie viele Gedanken man sich jemals gemacht hat.

Also, ich habe heute wohl doch eine Meinung, aber ich gebe gar nicht viel darauf. Ich kann morgen einen anderen Beschluss fassen. Man muss sich eh immer wieder fragen, ob die Konsequenz, mit der man gerade eine Meinung vertritt, wirklich eine charakterliche Heldentat ist, oder vielleicht doch nur eine Sparmaßnahme im Denkprozess. Zu dem Stil übrigens, in dem auch beim Thema Kinderbilder manchmal argumentiert wird, siehe Don Dahlmanns “Fuck-off-Text” über rabiate Umgangsformen.

Familie: Der Titel klingt, als würde es noch einmal um die Medien und die Kinder gehen, das tut es dann auch, aber doch ganz anders, denn der Sohn von Frau Modeste ist selbst Instagram.

Familie: Und dann noch Frau Novemberregen über die Medienerziehung und wie lange ein Kind was darf. Man beachte den Abschnitt mit dem Zeitfenster – das ist sehr richtig und wird ganz merkwürdig wenig bedacht.

Feuilleton: Bei Rollingstone geht es sehr schön und liebevoll um einen Song von Erdmöbel.

Feuilleton: Es gibt ein neues Video von Katzenjammer. Katzenjammer ist super.

Feuilleton/Gesellschaft: Falls die Kolumne jemand nicht kennt, in der Zeit kann man mit dem Bundesrichter Thomas Fischer nachdenken. Über Recht und Gesellschaft, Literatur und Philosophie und Verbrechen – und das ist unbedingt empfehlenswert, auch die älteren Ausgaben.

Feuilleton: In der FAZ geht es um den Hörbuchmarkt in Deutschland. Ich würde eigentlich auch gerne ab und zu ein Hörbuch konsumieren, ich weiß nur nicht, wann ich das könnte. Ich glaube, Hörbücher sind eher was für Jogger. Oder für Privatiers mit reichlich Zeitguthaben? Für Menschen, die im Auto täglich eine Stunde zur Arbeit pendeln? Oder wie machen das die Leute denn bloß alle?

Hamburg: Ein Farbfilm aus Hamburg, gedreht 1945.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

In der letzten Ausgabe hatten wir gar keinen Link zu Fahrradthemen, so geht es natürlich nicht. Also nehmen wir uns in dieser Folge gleich ein paar mehr davon vor.

Wir fangen an mit einer Betrachtung zur Frage, warum man eigentlich Rad fahren sollte. Da werden die gängigsten Argumente erst einmal aussortiert, der Text bleibt dennoch nachvollziehbar und wir sind schon mitten in der Verkehrspolitik. Und wenn wir dann also alle mit dem Rad fahren, weil es nun einmal schneller geht, wo fahren wir dann? In der Fahrbahnmitte? Ist das auch noch nachvollziehbar? Oder schon allgemeines Kopfschütteln?

Beim Deutschlandradio Kultur wirft man einen Blick auf die Fahrradsituation in Europa, da ist die Rede von einem Boom des Rades. In manchen deutschen Städten muss man dem Text einfach glauben, erleben kann man es wohl eher schlecht. Wobei in dieser Infografik immerhin zwei deutsche Städte recht prominent dastehen, Kenner des Themas werden sie kaum überraschen. Die gleichen europäische Städte wie beim Deutschlandradio werden auch bei den Krautreportern erwähnt, dort geht es ausführlich um ein Berliner Start-Up, das hier übrigens schon einmal vor längerer Zeit vorkam. Velogista, ein Unternehmen, dessen Idee vielleicht ein wenig ändern kann. Ein klein wenig, denn wir reden immer noch nur über kleine Schritte, wenn wir von Deutschland reden, wenn wir von Verkehrspolitik in Deutschland reden.

“In Rostock tagen die Verkehrsminister. Es geht mal wieder nicht ums Fahrrad.” So negativ fängt ein Artikel in der taz an, man beachte beim Lesen bitte die Zahl 82.

Verkehrspolitik heißt bei uns bis auf weiteres eben nicht Fahrradförderung, heißt immer noch Straßenbau und Regelungen für Autos, eine Wende ist noch nicht recht zu erkennen. Ob Verkehrsminister eigentlich das Braess-Paradoxon kennen? Egal, Sie kennen es jedenfalls gleich. Das wertet jeden Smalltalk zum Thema Verkehr ungemein auf, das müssen Sie sich unbedingt merken, das kann man auch am Stadtplan der Gemeinde mal durchgrübeln. Ebenfalls smalltalktauglich ist sicher die Anekdote vom Ausbruch des Tamboras, der das Fahrrad auf den Weg gebracht haben soll.

Wem das an Fahrradlinks immer noch nicht reicht – beim Zukunftsinstitut wurden noch ein paar zusammengestellt, da fehlen auch die Blogs zur zeitgemäßen Fahrradmode nicht.

Zum Schluß nur noch etwas Musik, leichte Fahrradmusik. Natürlich nicht zum effizienten Herumrasen, eher zum heiteren Radeln auf besonnten Parkwegen, zum sachten Rollen durch den Frühling. Wenn man dieses Lied dabei pfeift, wird alles gleich noch entspannter.

GLS Bank mit Sinn