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Woanders – Der Wirtschaftsteil

Ein Interview in der Zeit mit der Autorin Karen Duve (“Anständig essen”) und der Ministerin Ilse Aigner über Tiere in der Landwirtschaft. Ganz seltsam, eine von beiden klingt wie eine Lobbyistin der Fleischindustrie. Raten Sie mal, welche.

Falls Sie beim Wort Fleisch keine Ekel-Assoziationen mit netter Bebilderung aus der Massentierhaltung, sondern evtl. Hunger bekommen haben: Auf Foodsharing.de kann man sich noch ein wenig anwendungsnah mit dem Thema Lebensmittel beschäftigen. Wer hat welche über, wer braucht welche und könnte man nicht einfach auch mal etwas kostenlos regeln? Doch, das geht.

Und bevor wir hier schon wieder zu ernsthaft werden, denken Sie doch einmal kurz über die Mc-Donald’s-Theorie nach (englischer Text). Wenn Sie mit anderen zusammen in einem Büro sitzen, können Sie die quasi sofort verifizieren.

Beim Perlentaucher gibt es eine Zusammenfassung der Rezensionen zu dem Buch “Das grüne Gewissen” von Andreas Möller. Die fallen sehr unterschiedlich aus, unterm Strich könnte man das Buch aber dennoch interessant finden, wenn man sich für das deutsche Verhältnis zur Natur interessiert. Ich lache immer noch über diesen Satz: “Sein Buch zeichnet die historischen Eckpunkte der deutschen Naturverehrung nach von der Romantik über das Dritte Reich bis zur Welt von Manufactum.”

Aus dem oben erwähnten “Grünen Gewissen” heraus kauft man bio, eh klar. Dazu ein paar sehr aufschlußreiche Zahlen im Supermarktblog.

In der Zeit ein Artikel über die Arbeitsmobilität in Europa, wer wandert warum wohin und was hat das mit der Währung zu tun. Kommen Menschen aus Osteuropa zu uns, weil die Wirtschaft hier so formidabel brummt und wir alle so irre sympathisch sind? Hm. Und wo wir schon bei Bewegung in der Bevölkerung sind – hier ein äußerst interessantes Interview mit einem Statistiker über die alternde Gesellschaft. Warum die eventuell doch nicht so schlimm ist, wie wir alle glauben, und wer eigentlich ein Interesse daran hat, dass alle Angst vor ihr haben.

Dieses Interesse haben, Sie haben’s vielleicht gerade schon nachgelesen, gewisse Konzerne – quelle surprise. Konzerne, zu denen auch Jean Ziegler deutliche Worte findet, wenn auch in ganz anderem Zusammenhang. Ach, egal, es hängt doch alles zusammen. Wie zum Beispiel auch die oben erwähnte mobile Arbeitsbevölkerung mit den Herstellungsbedingungen unserer Gemüses im nicht ganz so schönen Almeria.

Konzerne, immer nur Konzerne, was machen denn die anderen? Die bauen zum Beispiel das Fairphone. In China. Nanu! Das ging dann wohl doch nicht  in einem Gewerbegebiet bei Bielefeld? Schon gut, kleiner Scherz. Hier noch ein wenig mehr Informationen dazu, es ist auf jeden Fall ein spannendes Projekt, wer sich in den diversen Social Networks bewegt, wird ein vielfaches “Na endlich!” wahrgenommen haben. Man hört dort allerdings auch von dem Trend, den ganzen Technikrempel hinter sich zu lassen (englischer Text).

Projekte in Richtung fairer Produktion können aber selbstverständlich auch schief gehen, wie man hier am Beispiel von Milch nachlesen kann.

Bei Wiwo-Green steht in einem Interview mit einem Google-Manager, wieso sich auch Konzerne andererseits manchmal in eine sympathisch erscheinende Richtung bewegen. Was ist es wieder für ein Hin und Her, man kommt mit seinen Urteilen gar nicht nach.

Für die Fahrradfreunde hier beeindruckende Zahlen zur Belebung des Einzelhandels in Straßen mit eigenen Fahrradspuren. Die Angaben beruhen natürlich auf einer lächerlich kleinen Stichprobe, aber man könnte doch so eine leise Ahnung haben, dass sie übertragbar sind.

Zum Schluß der Design-Link der Woche, er führt zu einer schlichten Treppe. Sehr, sehr schlicht sogar.

GLS Bank mit Sinn

Woanders – diesmal mit den Lesern, der Stimme einer Dichterin, iPhone-Fotografie und anderem

Constantin Seibt über Leser und Schreiber. Constantin Seibt ist super, aber das sagte ich sicher bereits einmal.

Stefan Sichermann vom Postillon über seine Einnahmen und seine Arbeit an der Seite.

In der SZ ein Interview mit einem Messerwerfer, unter anderem über seine Beziehung. Mir wäre dann doch etwas unwohl, wenn die Herzdame nach einem Streit mit Messern nach mir werfen würde

Die Stimme von Virginia Woolf. Die einzige Aufnahme von ihr..

In der Zeit wird Richard Koci Hernandez zur iPhone-Fotografie interviewt.

Fotos von lächelnden Menschen. Aus der Rubrik Warmumsherz.

Fotos von vier Frauen aus vier Jahrzehnten. Berührend nennt man das dann wohl.

Fotos von Frauen in dänischen Trachten. In das zweite Bild der Klickstrecke bin ich geradezu schwer verliebt. Hach.

Hier steht, warum Männer aus gesundheitlichen Gründen Bart tragen müssen. Alles ganz logisch und nachvollziehbar [Bartkratzgeräusch gedanklich bitte einfügen].

Das beste Essen der letzten sieben Tage war eine Minestrone, eine im Prinzip unkomplizierte Versuppung von Zwiebeln, Knoblauch, Staudensellerie, Tomaten, Reis, Bohnen, Petersilie und Parmesan. Suppe mit Brot ist doch immer wieder elementar toll.


 

This is how I work

Isabella hat “This is how I work” geschrieben, einen Text über ihre Arbeitsweise und ihre Geräte. Ich finde es immer spannend, womit und wie andere arbeiten, in den Kommentaren bei ihr habe ich noch dieses Blog entdeckt, “The set-up”, in dem es Interviews mit Leuten aus dem Internet und anderen gibt, die ihre Ausrüstung vorstellen, Hardware und Software.  Es gibt immer noch etwas zu entdecken. Die Seite gibt es auch auf Deutsch.

Außerdem hat Isabella mich gebeten, den Fragekatalog auch zu beantworten – bitte sehr, bitte gleich:

Bloggerinnen-Typ: Ich bin ein possierliches Bloghörnchen.

Gerätschaften digital: Zwei Windows-Notebooks, bei denen mir wirklich völlig egal ist, von welcher Marke sie sind. Wenn ein Notebook kaputt ist, sehe ich bei Amazon nach, welches Notebook im Verkaufsranking auf Platz drei ist und kaufe das. Passt immer. Nummer 1 und 2 sind für überkandidelte Ansprüche, ab Nummer 3 stimmt alles.  Das geht so übrigens auch bei jedem anderen Gerät. iPhone, iPad. Mehrere Digitalkameras.

Gerätschaften analog: Äh, was?

Arbeitsweise: Von 6 bis 21 Uhr geöffnet.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung? Blogtexte schreibe ich in einem Google-Doc vor. Ich habe eine Datei für den aktuellen Blogeintrag, eine für “Woanders” eine für den Wirtschaftsteil, eine für das nächste Buch. Mehr Dateien habe ich gar nicht, da bin ich Minimalist.  Für die Linklisten recherchiere ich hauptsächlich durch die bekannten verdächtigen Social Networks und durch den Feedreader, da ist kein Geheimtipp dabei. Bookmarks verwalte ich in Google-Chrome mit der Erweiterung Neat Bookmarks, über die Geräte hinweg synchronisiert. Allerdings brauche ich kaum Bookmarks. Feedly nehme ich seit dem angekündigten Ende vom Google Reader als Feedreader, ich habe sehr viele Feeds abonniert und verbringe viel Zeit damit. Wenn ich etwas Gute in den Feeds  sehe, baue ich es sofort in eine der beiden “Woanders”-Ausgaben ein. Wenn ich es dort nicht einbauen kann, behalte ich es auch nicht, da ich nicht wüsste, wofür. Ich habe keine Halde mit “Für-später-Inhalten” oder zweifelhaften Irgendwanns. Ich bewahre überhaupt wenig auf, weder online noch im greifbaren Bereich.

Wo sammelst du deine Blogideen? Ich sammel gar nicht, Ich sitze einfach so rum und warte, ob mir etwas einfällt. Wenn mir nichts einfällt, lebe ich normal durch die Gegend und warte auf Besserung.  Und habe seit zehn Jahren Angst, dass das irgendwann nicht mehr reicht.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet: Das Tool mit dem größten Zeitgewinn ist sicher Feedly, ohne Feedly oder ein ähnliches Werkzeug könnte ich die Linklisten so überhaupt nicht herstellen. Wenn es zeitlich zu eng wird, hilft ein beherztes “Mark all as read”, sonst wird man irgendwann wahnsinnig.

Benutzt du eine To-Do List-App? Welche: Die Herzdame und ich nutzen bisher Teuxdeux, die allerdings, seit sie angekündigt haben, den Dienst auf ein Bezahlmodell zu umstellen, nicht mehr richtig funktionieren. Da müssen wir uns also etwas Neues suchen, außerordentlich lästig. Das ist das Schlimmste an diesem ganzen Onlinezeugs, dass ein endlich funktionierender und mühsam zusammengebastelter Workflow immer gleich wieder durch irgendeine Neuerung über den Haufen geworfen wird, die man als User nicht bestellt hat.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst? Auf eine gute Kamera möchte ich nicht gerne verzichten. Könnte ich aber.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere? Ich kann sehr schnell lesen, aber das können andere auch.  Ich kann außerdem sehr lange am Schreibtisch sitzen und nichts vermissen, das ist oft ganz hilfreich.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen? Element of Crime. Wenn ich Blogtexte, Geschichten, Bücher schreibe, läuft zum Einstieg imer EoC, später dann gar nichts mehr. Aber um Schreibstimmung herzustellen ist es zweckdienlich, wenn die ersten Töne von “Am Ende denk ich immer nur an dich” laufen, das ist wie bei den Pawlowschen Hunden, nur ohne Speichelfluss. Bei schlechtem Wetter geht auch Johnny Cash, das ganz späte Spätwerk. Johnny Cash ist bei Regen einfach noch besser.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall? Ich stehe um halb sechs auf und falle früh um.

Eher introvertiert oder extrovertiert? Beides. Je nach Tagesform, Medium, Wetter, Bühne, Gegend und Stimmung. Und dann beides schlimm.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten? Ich glaube, Journelle hat noch nicht.

Der beste Rat den du je bekommen hast? “Komm vorbei.” (Die Herzdame vor dreizehn Jahren eines Abends am Telefon)

Noch irgendwas wichtiges? Ich bin für die allgemeine Einführung von mehr Nickerchen.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Unsere Wortverliebtheit der Woche gilt dem außerordentlich schönen Begriff “Bärenerwartungsland”. Das ist nämlich Deutschland, ein Bärenerwartungsland, man möchte es dauernd wiederholen. Ein Wort, das froh stimmt. Denn erst dann, wenn wir den Begriff Bärenerwartungsland mit all seinen Folgen für Spaziergänge durch einsame Wälder völlig verinnerlicht haben, erst dann werden wir den Ohrwurm der Bärenmarke-Fernsehwerbung endgültig los. Das wird ein Fest.

In der Zeit ein langer und detailreicher Artikel über den Zusammenhang zwischen der Konjunktur, dem Wachstum und dem Verbrechen. Über Manager und Moral und die Frage ob und warum denn alles immer schlimmer wird.

Ein (englischer) Artikel über den kürzlich gehackten Twitter-Account der Associated Press. Die Story mit der Falschmeldung von Explosionen im Weißen Haus werden viele mitbekommen haben, die Auswirkungen an der Börse vielleicht nicht.

In der Zeit ein Artikel über Naturplastik, ein eher amüsanter Begriff für Verpackungsmaterialien aus natürlichen Rohstoffen. Sind die besser als Kunststoff? Oder haben sie wieder andere Nachteile? Und kann vielleicht mal irgend etwas nicht kompliziert sein? Man weiß es nicht.

Eine Visualisierung der Weltbevölkerung. Sehr schlicht, sehr beeindruckend.

Im Tagesspiegel ein Artikel, der die digitale Arbeit mit Ausbeutung in Verbindung bringt und tatsächlich sogar Marx erwähnt. Völker, retweetet die Signale. Oder so.

In der letzten Woche hatten wir einen Artikel zur Gentrifizierung in Berlin, in dieser Woche denkt Falk Schreiber über den Stadtteil Wilhelmsburg in Hamburg nach. Das ist dort, wo gerade die Internationale Gartenschau stattfindet, die für den Stadtteil ganz gewiss nicht ohne Folgen sein wird. Es ist sehr, sehr kompliziert. Und wenn man schon bei den Veränderungen im Stadtbild durch Gentrifizierung ist, dann kann man auch gleich noch wie nebenbei einen Blick auf die wachsenden Umsatzanteile des Onlinehandels in verschiedenen Branchen werfen und sich geistig schon einmal von den nächsten Läden in der Nachbarschaft verabschieden. Zu spät, du rettest den Freund nicht mehr.

In der NZZ wird das Buch “Wie viel ist genug?” rezensiert, geschrieben von Robert und Edward Skidelsky, die beiden sind Vater und Sohn. Es dürfte viele der Stammleser hier lebhaft interessieren.

Wieso nicht Umwelt-Aktivisten sondern eher Daimler das Car-Sharing in Deutschland vorangetrieben haben, kann man bei Wiwo-Green nachlesen.

Meldungen zu schlechten Arbeitsbedingungen bei Textilarbeitern in Bangladesch und anderswo liest man öfter, auch um Kakao  oder Kaffee drehen sich einige Meldungen – Geranien sind da schon etwas origineller. Man wird eben bei jedem Produkt auf die Frage der Herstellungsbedingungen zurückgeworfen, und es ist auch richtig so.

Und wenn man dann denkt, man kauft bio, dann wird schon alles passen, dann merkt man, dass die gute Biokartoffel gar nicht von hier kommt - und vielleicht auch im Moment gar nicht von hier kommen kann. Fatal. Und wenn man jetzt denkt, das müsste doch alles lösbar sein, dann kommt jemand und dreht etwas am Kalender, schaut weit nach vorne und sagt: oh nein. Da ist vieles regional völlig unlösbar. Im Guardian gibt es einen erhellenden Text zur Lage der Welternährung und zu Nahrungsmittelexporten im Jahr 2050.

Und beim Thema Nahrung gab es ja auch unlängst diesen Pferdefleischskandal, der ist schon fast wieder allgemein vergessen. Im Supermarktblog geht man der Frage nach, welche Folgen der Skandal hat. Man beachte unbedingt den letzten Satz.

Der Designlink der Woche diesmal wieder aus dem Bereich Architektur, es geht um das Aquarium in Kopenhagen. Das ist anscheinend kein ökologisch vorbildliches Gebäude, wie man dem Text entnehmen kann. Aber als Bewohner deutscher Ballungsgebiete ist man ja auch schon dankbar, wenn ein Haus einmal kein rechteckiger Glaskasten ist. Und rechte Ecken kann man dem Ding nun wirklich nicht vorwerfen.

GLS Bank mit Sinn

Woanders – diesmal mit platter Erotik, dem Fitti, der Neon und anderem

In der taz ein Artikel über die Erotik im Plattdeutschen. Man beachte unbedingt den Vokabelteil im Kasten am Rand, das ist sehr interessant.

Die liebe Nessy macht Sport.

Der Sonderbayer macht was selbst und schreibt drüber. Da kann er jetzt also auch bei der Neon anfangen.

Andrea Diener über das Schreiben und die Heimat. Schöner Text.

Es hat ja gelegentlich Sinn, einer Frau zu Füßen zu liegen. Und wenn die Frau dabei diese Leggins trägt, dann hat man auch noch etwas für seine Bildung getan, wenn man unten ankommt. Wie praktisch ist das denn!

Auf kwerfeldein ein Text über Wabi-Sabi, das hatte ich noch nie vorher gehört. Aber die Bilder gefallen mir. Siehe dazu auch die Wikipedia. Wieder was gelernt.

Lesflaneurs.de ist ein neues Gemeinschaftsblog über das Leben und Flanieren in Großstädten.

Das beste Essen der letzten sieben Tage war natürlich das Anspargeln im Heimatdorf. Spargel mit Butter, Kartoffeln und Schinken. So und nicht anders. Zum Herumspielen mit drolligen Rezepten gibt es speziellen grünen Spargel, bei weißem Spargel gibt es nichts zu diskutieren. Keine Experimente! Und immer ein Kilo pro Person kaufen, Geiz ist eine Todsünde.


 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, dessen Namen wir vermutlich niemals werden schreiben können, ohne noch einmal und noch einmal nachzusehen, ob es so auch wirklich ganz richtig ist, Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach also, er hat da einen Kommentar zum Thema Steuerhinterziehung geschrieben. Er betont dabei einen ethischen Aspekt, der bei dem Thema oft viel zu kurz kommt – und er drückt es vollkommen angemessen deutlich aus. Man möchte fast sagen: saudeutlich.

Man könnte es fast das Gegenteil der im obigen Artikel erwähnten “Gutsherrenart” nennen – die Gemeinwohlökonomie.  In der taz ein Artikel zu dem etwas sperrigen Begriff und zu dem, was er im betrieblichen Alltag ausmacht.

Wir nähern uns dem Sommer und der Ferienzeit, da ist es sicherlich angebracht, ab und zu ein paar Links zum Thema Reisen zu bringen. Etwa den hier, dort geht es um den Markt für Kreuzfahrtreisen, die bekanntlich nicht gerade für nachhaltigen Tourismus stehen, sondern vielmehr eine beachtliche Umweltsauerei sind – und zwar, haha,  erster Klasse.

Damit sind wir dann schon wieder bei dem Thema, das uns hier immer wieder umtreibt. Was macht man da eigentlich als Konsument, sei es beim Thema Reisebuchung oder nur beim Kauf von Äpfelchen, macht man im Mainstream mit, macht man nicht mit, macht man etwas anderes und was macht man damit dann genau? Betreibt man Ablasshandel im Konsum, ist es bewusste Lebensführung, geht es um die Schaffung neuer Märkte, um ethisches Vorgehen, was ist es nun? Ein demokratischer Akt, sagt Birger Priddat. Ein etwas sperriger Text, aber ein interessanter Beitrag zur Frage des Konsums.

Bei der Deutschen Welle gibt es ein ergiebiges Special zum Thema Landwirtschaft in Afrika.  Afrika, wo die Menschen im Gegensatz zu uns als Konsumenten gar keine Wahl haben, irgend etwas richtig oder falsch zu machen. Wie auch in Bangladesch die Konsumenten nicht gerade die Weltmode prägen, die stellen sie dort “nur” her. Im Deutschlandfunk ein wenig Hintergrund zu den Arbeitsbedingungen, die anlässlich eines aktuellen Unglücks wieder durch die Presse gingen. In diesem Zusammenhang auch längeres Nachdenken zum Thema Kleiderkauf bei Isabel Bogdan, die die Schwierigkeiten aus Konsumentensicht nachvollziehbar zusammenfasst. Bei dem Artikel sind auch die Kommentare von Interesse, wenn man zu dem Thema mehr lesen möchte.

In der letzten Woche hatten wir zwei Links zur Frauenquote. Im Zuge der dort genannten Diskussionen hat Anne Roth ein neues Blog aufgemacht, in dem es um die Präsenz von Frauen bei öffentlichen Veranstaltungen geht. 50% heißt das Blog, es ist sozusagen ein Zählblog.  Das ist übrigens unterhaltsamer, als man auf den ersten Blick vielleicht denkt, man kommt dann doch ins Grübeln.

Im Guardian eine amüsante Zusammenstellung der schlimmsten Beispiele von “Management Speak” (englischer Text). Da mal reindrillen, da liegen ein paar Issues!

Wenn man etwas mit deutscher Kommunalpolitik zu tun hat und sich langweilt, kann man einfach mal das Thema “Shared Space” am Rande erwähnen, schon drehen alle um einen herum komplett durch, das ist soweit ein erprobtes Verfahren. Weniger erprobt ist Shared Space in der Wirklichkeit, als angewandtes Verkehrskonzept. Im Fakeblog ein Beitrag über eine Gemeinde, in der man die Verkehrsteilnehmer wieder zu Gleichberechtigten erklärt hat. Wobei man warnen muss, die Betrachtung zweier benachbarter Kreisverkehre mit Linksverkehr ist tendenziell anstrengend.

Und wer sich gerade Sorgen macht, vielleicht um die wirtschaftliche Lage, um das Land oder sogar um die Welt, wer sich irgendwelche Sorgen macht und sich zwischendurch fragt, ob er sich dabei igentlich die richtigen Sorgen macht, dem kann auch geholfen werden. Hier eine Liste mit Dingen, Entwicklungen, Ereignissen, vor denen prominente Schlauköpfe Angst haben. Zur allgemeinen Entspannung bitten wir um verschärfte Beachtung der Antwort von Terry Gilliam.

Wer an das Land denkt, an die Landwirtschaft, der denkt oft noch an bäuerliche Strukturen und Methoden. Wie falsch das ist, zeigt dieser Artikel über den Flächenerwerb durch Agrarkonzerne in Deutschland.

Die Flächen werden knapp, die Preise steigen, das ist also auf dem Land nicht anders als in den Städten. Also etwa in Berlin.

Gestern war der erste Mai, “Heraus zum 1. Mai!” werden die wenigsten auf den Straßenskandiert haben. Aber eine gute Gelegenheit, über Arbeit nachzudenken, ist so ein Tag natürlich dennoch.

Der Designlink der Woche für einen Schaukelstuhl mit einem geradezu unwiderstehlichen Feature. Ist es nicht ein anziehender Gedanke, wenn das Handy wieder alle ist, einfach zu sagen: “Moment – ich muss erst einmal zwei Stunden in den Schaukelstuhl.” Man könnte meinen, es würde die Welt maßgeblich entspannen.

Und zum Schluss noch schnell ein amüsantes kleines Verwirrspiel mit sehr bekannten Logos.

GLS Bank mit Sinn

Woanders – diesmal mit Schreibtischen, Buchstaben, Kultur auf dem Land und anderem

Bilder von Arbeitsplätzen diverser Berühmtheiten. Ich mag den von Shaw sehr, aber es sind etliche recht anziehend.

Und eine typographische Spielerei zu diversen Berühmtheiten.

Bei der Wiesenraute wird Kultur auf dem Lande erklärt.

Journelle mit dem bezaubernden Titel “Ich rolle mein Geschlecht”.

Ein erhellendes Interview zur Lage der Presse mit Constantin Seibt. Viele Sätze, die man gewissen Leuten über die Schreibtische nageln möchte.

Glumm über alte Säcke.

Der Hausdrachen über Richie Havens.

Die Elltern unter Ihnen werden vermutlich die Kuh Lieselotte kennen. Der Illustrator der Bücher hat übrigens ein Blog.

Aus der Reihe “Goldene Lehrsätze von Isabel Bogdan” heute die Folge: “Man schaukelt ja allgemein zu wenig, in so einem normalen Erwachsenenleben.” Denken Sie mal drüber nach.

Eimerchen besucht den Opa.

Ein nackter Tänzer. Das können Sie aber, versprochen, auch ruhig im Büro anklicken.

Ein schöner Artikel über Agnetha, die gerne ein kleinerer Star gewesen wäre.

Bilder aus einer verlassenen Wohnung, aus einer anderen Zeit, aus einem anderen Leben.

Kiki hat einen Besucher. Achtung, der Text läßt einen nicht ohne Beklemmungen zurück.

Das Nuf wird aggressiv. Aus einem Grund,den ich sehr, sehr gut nachvollziehen kann.

Das beste Essen der letzten sieben Tage war diese Fischsuppe aus Apulien. Sehr einfach, sehr schnell, so muss das hier. Und dann muss es auch noch toll schmecken. Hat das Rezept alles geschafft.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Journelle schreibt über die Quote und die Frauen und die Arbeitswelt und warum sie ihren Arbeitsvertrag vor dem Babysitter versteckt.

In diesem Zusammenhang fällt einem auch gleich das Blog “Herrenclubs” ein, eine Bildersammlung der besonderen Art. Der Zusammenhang zum ersten Artikel wird einem bereits nach zwei, drei Bildern deutlich.

Hier ein paar bemerkenswerte Zahlen zum Markt für Autos in Deutschland, es geht um das Alter der Neuwagenkäufer. Der Neuwagen wird als Statussymbol für junge Leute anscheinend immer unwichtiger, das kann man ja durchaus als gutes Zeichen für die Umwelt verstehen, auch wenn es im Artikel nicht ganz so gemeint ist.  Dazu passt gut, dass die Jugend von heute ein anscheinend eher konservatives Verhältnis zum Geld hat. Wie jetzt, sich kein Auto auf Kredit zu kaufen, das soll konservativ sein? Es ist auf jeden Fall eine interessante Entwicklung.

Das oben erwähnte Durchschnittsalter der Neuwagenkäufer, das wohl viele verblüffend hoch finden werden, es leitet ganz zwanglos über zur alternden Gesellschaft, die hier ebenso vergnüglich wie interessant beschrieben wird.  “Die Macht der Babyboomer”, da geht es wieder erst auf den zweiten Blick um die Wirtschaft. Aber dann doch sehr.

Und jetzt einmal ab ins Kleingedruckte und zu den Nachkommastellen, denn hier gibt es einen Artikel über die Versandkosten bei Onlinehändlern und die Frage, warum dieses Thema für Firmenriesen wie Amazon und Zalando eigentlich so wichtig ist.

Weiter im Kleingedruckten, oder nein, noch besser, weiter im Juristischen. Der Lawblogger Udo Vetter denkt darüber nach, ob man E-Books verkaufen darf.

Die Telekom greift die Netzneutralität an und drosselt Internetzugänge, wenn man nicht gerade alle Inhalte nur von der Telekom selbst bezieht – und wer würde das ernsthaft tun. Das ist eine Nachricht, die vielleicht doch wichtiger ist, als man es ihrer Platzierung auf vielen News-Portalen ansieht.  Es ist dann wohl höchste Zeit, sich mehr für das echte Netz zu interessieren. Und wer das mit der Drosselung nicht ganz verstanden hat, das ist ja immerhin möglich bei so einem technischen Thema, der kann sich das von Sven mit ein paar Zahlenbeispielen ganz einfach und geradezu kindgerecht erklären lassen.

Währenddie Telekom an Drosselung denkt, denken andere übrigens gerade an das Internet als Menschenrecht. Kommt einem irgendwie moderner vor, nicht wahr.

Beim Thema Netz kann man auch einmal einen Blick auf die Nachbarn werfen und sich ansehen, wie etwa die Holländer Smartphones im Alltag benutzen. Auch beim Einkaufen. Oder im Museum. Oder im Bus.

Die Tafeln, die Essen an Arme ausgeben und Menschen helfen, die wirtschaftlich gescheitert sind, die sind natürlich eine feine Sache. Oder auch nicht. Je nach Standpunkt.

Auch arm dran sind natürlich traditionell die Künstler. All die Hungerleider mit den hübschen Ideen, die nichts abwerfen. Deren Werke man immer gerne konsumiert, aber nie gerne bezahlt. Wenn man den berühmten armen Poeten von Spitzweg ein wenig bearbeitet und da ein Notebook oder ein Smartphone statt des Papiers reinretouchiert, dann hat man ja ein verblüffend aktuelles Bild des freien Schreibers oder Medienkünstlers in Berlin Mitte. Und der braucht ganz dringend die Künstlersozialkasse, die allerdings gerade ein erhebliches Problem hat.

Markus Reiter kümmert sich auf Deutschlandradio Kultur um die “gefühlte Inflationsrate” und andere Emotiönchen. Das ist gefühlt gar nicht so unwichtig, was er da schreibt, um es einmal adäquat auszudrücken.

Ein Aufreger der Woche ist für viele sicherlich das Thema EU und Saatgut, das mit teils arg unsachlichen Meldungen durch das Netz ging. Unaufgeregter kann man das hier beim Deutschlandfunk nachlesen.  Oder auch bei Wiwo Green.

Und zum Schluss nun noch der Design-Link der Woche – ein E-Bike im Vintage-Look. Einfach schön.

GLS Bank mit Sinn

Woanders – diesmal mit vielen Büchern und Musik und Tanz und am Ende denk ich immer nur an dich

Ein nettes Tumblr-Blog zur Buchkultur.

Und hier eines über Bücher und Kaffee.

Bookporn hatte ich neulich schon einmal verlinkt, aber vielleicht hat es ja jemand übersehen, hier lieber noch einmal.

Und hier noch einer nur über Bücherregale.

Bei der Wiesenraute geht es faszinierend schön um Zeiten. Nicht um die guten, alten, sondern um die in der Grammatik.

Alexandra über Freundschaften damals und Twitter heute. Und Tiere.

Die Herzdame lernt gerade, wie gestern bereits angesprochen,, den Swingtanz. Falls sich jemand darunter nichts vorstellen kann, sie möchte also so etwas hier. Ein mitreißendes Video, es inspiriert sogar mich. Nicht zum Tanzen, versteht sich, aber ich frage mich schon seit Tagen, ob ich nicht mal wieder Weste zum Hemd tragen sollte.

Die Swingbegeisterung hat übrigens bei der Herzdame einen Ursprung, den ich klar benennen kann. Das Internet ist schuldig, nämlich mit diesem spektakulären Video hier, damit fing alles an. Musik dieser Art läuft hier seither in Endlosschleife. Es hätte schlimmer kommen können, nehme ich an.

Das Gegenteil von Swing ist übrigens Sven Regener, um das musikgeschichtlich einmal kurz zusammenzufassen, und bei seiner Band Element of Crime war ich gerade mit der geschätzten Isa im Konzert. Wir leiden beide unter schwerer Eocitis, d.h. wir sondern zwanghaft und unentwegt EoC-Liedtextzitate ab. Den Tag vor dem Konzert haben wir praktisch nur damit verbracht, uns auf Facebook Liedzeilen zuzuchatten. Eocitis kann zu wirklich schweren Anfällen führen, es überkommt einen plötzlich und funktioniert dann auch ohne jeden Zusammenhang, wirklich schlimm. Ich will mehr für dich sein als eine Schleusenbekanntschaft. Angenehm ist jedenfalls, dass man bei Gesprächen mit anderen Patienten plötzlich ohne erkennbaren Zusammenhang aufstehen und “Romantik!” brüllen darf. Sie nicken dann nur lächelnd und verstehen. So schön. Ein Salat darf nie mit Nudeln sein. Und falls jemand die Anspielung in der Überschrift nicht verstanden hat: Das erklärt sich hier.

Vor Element of Crime spielte die mir bis dahin unbekannte Maike Rosa Vogel. Die läuft hier jetzt öfter und zu ihr würde ich auch gerne noch einmal gehen. Für fünf Minuten oder auch deutlich länger. Auch schön: Ich bin ein Hippie.

Das beste Essen der letzten sieben Tage wurde serviert, und zwar von Freunden, und zwar in einem Garten, und zwar vom Grill. Denn die ersten drei, vier Male ist Grillen immer noch toll, bevor man dann ab Mitte Juni endgültig keine Würstchen, Steaks und riesigen Bauchfleischfladen mehr sehen kann. Also ich jedenfalls. Aber das erste Grillen im Jahr, doch, das hat was.

Woanders – Der Wirtschaftsteil

3D-Druck, der kommt hier öfter vor. Ist das eigentlich eine grüne Technologie,ist das ein sinnvoller Gedanke? Hier ein paar Antworten dazu, die vielleicht gar nicht so naheliegend sind (englischer Text).

Und gleich der erste Kommentator unter dem oben verlinkten Text erwähnt die unfassbar großen Plastikmüllstrudel im Ozean, die man womöglich auch als Rohstoffquelle betrachten kann, wie er schreibt, obwohl das Wort roh dann vielleicht doch falsch ist. Aber egal, diese schwimmenden Plastikmüllfelder sind übrigens mittlerweile so groß geworden, dass sie gerade zum Staat ausgerufen wurden.

Man denkt bei diesen schwimmenden Müllgebilden gerne Richtung Atlantik oder Pazifik, aber natürlich sind auch Nord- und Ostsee voller Müll.  Wer einmal die Basstölpel gesehen hat, die auf Helgoland in Plastiknetzschnipseln verrecken, vergisst den Anblick so leicht nicht mehr. Hier im Norden gibt es ein Projekt mit Fischern, die mit Schleppnetzen (böse, böse!) Müll fischen fahren (fein, fein!). Und schon geht wieder alles durcheinander, getreu dem Motto unserer Zeit: “Es ist kompliziert.” Und schwierig bleibt es ganz sicher auch.

Kritik am wirtschaftlichen Dogma des Wachstums kommt hier ebenfalls öfter vor, diesmal fanden wir eine lesenswerte Kolumne im englischen Guardian, in der es um das Wachstum des Konsums und das Wachstum der Bevölkerung geht und um die Frage, ob wir uns eigentlich überhaupt noch die richtigen Fragen stellen.

Wir wachsen jedenfalls, der Konsum wächst, die Menschheit wächst, alles wird größer, üppiger, zahlreicher, fetter. Wie außerordentlich sinnig, dass es jetzt auch Fettkraftwerke gibt.  Energie durch Überfluss, so etwas schafft ja Raum für ganz neuen Parolen. Eine wirklich fette Leistung!

Und was kommt wohl dabei heraus, wenn sehr viele deutsche Experten sehr lange und sehr gründlich über Wachstum nachdenken? Nicht viel. Aber es lohnt sich dennoch, das hier beim Deutschlandradio einmal nachzulesen.

Experten können auch ganz bescheiden ausfallen, mit einem klaren, nüchternen Blick auf die Ergebnisse ihrer Arbeit, mit einer geradezu fernöstlich anmutenden Ruhe und Bescheidenheit angesichts ihres geringen Einflusses – und wenn man sich als Stadtplaner um Megacitys kümmert, dann muss man wohl auch so sein.

Noch eine kleine Runde Wirtschaftswissen für alle, in mundgerechten Happen – wie geht eigentlich eine Spekulationsblase?

In fast jedem Link geht es hier heute um Wachstum, da wollen wir irgendetwas auch kleiner werden lassen, und sei es aus Prinzip. Heute schrumpfen wir einfach Windräder.

Zum Schluss der Architekturlink der Woche, wieder zum Innenausbau. Einfach eine Treppe. Aber eine, die wir in der Kindheit alle gerne gehabt hätten, nicht wahr.

GLS Bank mit Sinn

Frühkindliche Förderung

In der letzten Ausgabe von “Woanders” habe ich einen Text zur frühkindlichen Förderung verlinkt und das Nuf hat das Thema hier grandios aufgegriffen. Wie man bei ihr auch in den Kommentaren erkennen kann, stößt das Thema anscheinend auf breites Interesse. Verschiedentlich liest man dabei zum Thema eine Haltung, die auch ich vertrete, nämlich einfach immer alle Kinderfragen zu beantworten, in welcher Richtung die auch anfallen mögen. Die Söhne dürfen sich für alles interessieren, was ihnen einfällt, wir mühen uns dann nach Kräften, ihnen das Wissen zu vermitteln, nach dem sie gerade verlangen. Sei es nun technisch, aus der Natur, aus der Geschichte, aus den Religionen, aus der Biologie, aus der Physik, weiß der Kuckuck. Technische Fragen interessieren mich selbst nicht einmal ansatzweise, aber danach geht es nicht. Die Kinder müssen nicht die gleichen Interessen haben, wie ich, die dürfen sich selbstverständlich auch für Bagger oder Fußball oder für sonst etwas interessieren. Mal fällt es uns leicht, ihre Fragen zu beantworten, mal fällt es uns überhaupt nicht leicht. Mal doziert man so vor sich hin, mal macht man etwas vor, mal macht man mit ihnen etwas gemeinsam, mal staunt man nur noch, weil man auch nichts weiß. Mal kommt man ins Schlingern, weil man nicht recht einschätzen kann, was man alles zumuten kann, etwa zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs, zur Krankheit AIDS, zum Hunger in der Welt, zur Armut in der Stadt. Ich weiche keinen Fragen aus, ich versuche aber, sie altersgerecht zu beantworten, das ist nicht immer einfach. Mal weiß ein Kind auch offensichtlich mehr als wir, weil in der Kita ein Thema spannend genug  präsentiert wurde. Mit altägyptischen Gottheiten zum Beispiel würde Sohn I jedes Quizspiel gegen mich gewinnen, es soll mir recht sein. Er kann auch mehr Spanisch als ich, aber nicht etwa, weil er da großartig Förderunterricht hätte, sondern weil eine Erzieherin aus Venezuela da spielerisch genug mit umgeht und mit den Kindern gemeinsam zählt und dergleichen, das geht dann ziemlich schnell. Sohn I kann jetzt viersprachig bis zehn zählen, Deutsch, Plattdeutsch, Englisch, Spanisch. An Portugiesisch und Finnisch bastelt er gerade, wobei er aber zurecht annimmt, dass Finnisch irgendwie nicht ernst gemeint sein kann. Das ist alles einfach Spaß und keine besondere Leistung und kein Mensch zieht am Kind irgendwie herum. Auf diese Art kommen die Kinder aber verblüffend weit. Einfach so.

Und wenn sich die Kinder mal für gar nichts interessieren und einen Tag schlecht gelaunt in die Gegend gucken wollen, dann dürfen sie das hier auch. Damit haben viele Eltern verblüffende Schwierigkeiten, das auszuhalten, das macht mich immer wahnsinnig, all die Kinder, die in jeder wachen Minute beschäftigt sein müssen und nicht in Ruhe schlecht drauf sein dürfen. Spiel doch was! Lies doch was! Soll ich mit dir spielen? Geht es dir nicht gut? Geh doch raus! Geh doch rein! Mach was! Soll ich was mit dir machen? Das verdient noch einmal einen eigenen Blogeintrag, diese Unsitte unserer Zeit, Kinder dauernd zu beschäftigen, was für ein Unfug. Wir mühen uns da eher, Inseln der Langeweile herzustellen.  Ich glaube, es war Jesper Juul, der in einem Interview die heute notwendige “Fadisierung des Alltags” erwähnte, das fand ich sehr hübsch. Was machen wir heute? Nichts.

Ich bringe die Söhne morgens zur Kita, die Söhne nutzen die Gelegenheit und haben da ein paar Fragen, vor allem Sohn I. Ob man etwa bei der Baustelle da vorne, wo die Rohre verlegt werden,  auch Knochen finden könnte, von so Königen, wie da neulich in England? Wie hieß der noch einmal? Richard III., sage ich, ganz souveräner Vater mit erheblichem Bildungsvorsprung. Von diesem ausgegrabenen König hatten die Söhne auf meinem Notebook vor ein paar Wochen ein Bild auf einer Nachrichtenseite gesehen und dann auch noch ein Filmchen und das fanden sie natürlich sehr spannend. Ein richtiger König! Ein richtiger König unter einem Parkplatz! Wie irre ist das denn. Und der erste und der zweite Richard, die waren dann sein Vater und sein Opa, oder wie? Äh. Und wer kam dann nach ihm, wie hieß sein Sohn? Oder hatte der keinen? Wer kam denn dann nach ihm? Eine Prunzessin? Die Söhne sprechen Prinzessin mit u aus, immer schon, beide. Der Prinz, aber die Prunzessin. Und woran starb der König, vom dem man  das Skelett gefunden hat, war das im Krieg? Weiß man das? Und woher weiß man das? Schwert? Pfeil? Lanze? Hatten die schon Gewehre? Und gegen wen war der, der Krieg? Und wer war denn damals hier gerade König? Und wo liegt der jetzt? Nicht unter einem Parkplatz, was? Gab es hier überhaupt einmal Könige? Jetzt aber nicht mehr, oder? Warum nicht? Und in England? Da immer noch? Warum? Ist das noch die Familie von damals? Oh, sage ich und nun ja, und die Reste meiner Allgemeinbildung scheppern hohl in meinem Kopf.  Das war damals doch bei Richard irgendwas mit den Rosenkriegen, dämmert mir schwach, aber hat die irgendwer jemals verstanden, also abgesehen von Shakespeare? Und wieso eigentlich Rosen? Und welches Jahrhundert war das, und wer gegen wen?

Ich bringe die Söhne zur Kita, gehe zurück an meinen Schreibtisch und lese die Rosenkriege in der Wikipedia nach, die Tudors, die Yorks, irgendwas mit Lancaster und Richard III. Und dann noch Plantagenet, noch so ein Name bei dem irgendwas dumpf klingelt im Kopf, aber ohne nennenswerte Resonanz. Ach guck, und dann kamen schon die Stuarts. Ich lese diverse Königsgeschlechter nach, das ist im Grunde ganz interessant, das hat man alles schon einmal gehört. Wenn man erst einmal angefangen hat – da fallen einem dauernd so Versatzstücke ein, die man aus Büchern, sogar Jugendbüchern und Filmen und Theaterstücken kennt, von Robin Hood über Schillers Maria Stuart bis hin zu dem König, der seine Frauen alle umbrachte, Sie wissen schon, der Dings. War es nicht irgendein Heinrich? Und wann war der nun wieder?  Faszinierend. Auf mich wartet eigentlich Arbeit, aber die Geschichte der britischen Thronfolge hält mich noch eine Weile auf und dann muss ich ja auch noch nachsehen, wer hier zu der Zeit König war. Oder Kaiser, oder was weiß ich. Viel, so viel steht immerhin fest, viel weiß ich offensichtlich nicht. Es war übrigens ein Habsburger, falls das interessiert, Friedrich III. Auch interessant, die Habsburger, aber dafür reicht die Zeit nun wirklich nicht mehr, die waren ja auch erschreckend ergiebig. Ich bin noch vor dem zweiten Kaffee, aber schon tief im 15. Jahrhundert, diese Kinderfragen machen einen definitiv nicht dümmer.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Doch, ich finde es ganz in Ordnung, so früh am Tag von meinen Kindern gefördert zu werden.

Woanders – diesmal mit dem Latte-Faktor, Diogenes, Playmobil und anderem

Frau Novemberregen über den Latte-Faktor.

Andreas Wolf über sein Studium.

Das Nuf findet Playmobil toll. Wir natürlich auch alle.

Sebastian Baumer geht auf ein Festival und “beobachtet aus erster Hand”.

Eine Handvoll Thesen zur Zukunft der Buchbranche. Ich glaube, ich würde keinem einzigen Punkt vehement widersprechen wollen.

In der Zeit ein Artikel über Philipp Keel, den Chef vom Diogenes Verlag. Das Wort Ebook kommt nur in einem Satz vor und Amazon möchte er nicht beim Namen nennen. Na, wenn’s hilft.

Ein frisches Urteil, das alle Eltern interessieren müsste, deren Kinder Zugang zum Internet haben. Also hoffentlich alle.

In der Zeit ein Artikel mit Kritik an frühkindlicher Förderung.

Thierry Chervel über den Spiegel mit ein paar wirklich großartigen Sätzen. “Die eigentliche Struktur der Öffentlichkeit ist heute das Internet.” So sieht es aus.

Das beste Essen der letzten sieben Tage war ein Eintopf mit Fisch, nach irgendeindem Rezept aus einem dieser kleinen Tim-Mälzer-Heftchen, das ich jetzt leider nicht wiederfinde. Auch nicht nach ziemlich langer Suche, es ist wirklich äußerst merkwürdig. Aber dieses Fischgericht war wirklich super, das sollten Sie auch einmal machen. Es ist, wie gesagt, in einem dieser Heftchen. Ich glaube, es war portugiesisch. Also das Essen, nicht das Heftchen.

 

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wir hatten die Internetwährung Bitcoins schon einmal erwähnt, das ist auch so ein Thema, das ziemlich sicher nicht mehr weggeht. Es gab in den letzten Tagen etliche Artikel dazu in Wirtschaftszeitungen, aber hier gibt es in einem Blog eine angenehm kurze und sehr lesbare Erklärung zur Währung, da wirkt man beim nächsten Smalltalk doch gleich viel kompetenter.

Dass ein deutsches Arbeitsgericht einen Arbeitgeber und einen Arbeitnehmer zum Würfeln verurteilt hat, das haben alle mitbekommen? Dann ist es ja gut.

Bio & Regio, das hört man immer öfter zusammen und fast gleichlautend. Auf Utopia findet man gerade ein wenig Aufklärung zum Begriff “regional” bei Lebensmitteln und zu den Komplikationen, die sich dabei ergeben. Zur Abwechslung sind auch die Bildstrecken im Artikel interessant. Und wenn man sich bezüglich der Regionalität schlau gemacht hat, dann kann man gleich noch bei den Begriffen etwas weitermachen und über Fair Trade nachdenken, etwa hier bei Foreign Affairs, wo das Fair-Trade-Konzept allerdings scharf angegriffen wird (englischer Text). Mal sehen, ob wir dazu in Kürze einen Text mit  etwas anderer Position finden – Hinweise nehmen wir übrigens immer gerne entgegen.

Und wenn Fair-Trade vielleicht gar nicht richtig ist, was ist es denn dann? Darüber denken auch andere nach, nicht nur Sie. In dieser Linksammlung finden sich immer wieder Texte zur Frage, was denn nun richtig ist, was falsch ist und woran man das denn erkennen kann und was man daraus ableiten soll – in dieser Woche fragt sich das z.B. Isabel Bogdan, mit einem übrigens glanzvollen Schlusssatz zum Begriff des Gutmenschen. Und hier gibt es bei ihr auch gleich noch eine Fortsetzung zum Thema, und weitere Artikel zum Thema sind in Planung, wie gut informierte Quellen berichten. Also ich zum Beispiel.

Und gute Menschen, um das noch kurz anzuschließen, arbeiten womöglich künftig weniger, weil tatsächlich einiges dafür spricht, mit weniger Arbeitszeit auszukommen. Allerdings denken das schlechte Menschen vermutlich auch – irgendwas ist immer.  Bestimmt nicht weniger arbeiten übrigens die Textilarbeiterinnen in Bangladesch, auch wenn die großen Modekonzerne gerade sehr gerne ein wenig an ihrem Image drehen möchten und ziemlich viel Text zum Thema absondern.

Noch einmal kurz zurück zu den Begriffen, Kai Biermann analysiert hier das überaus niedliche Wort “Steuersünder”.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Thema, bei dem viele Menschen reflexartig und nahezu bedingungslos zustimmen möchten. Dieser provokante Disclaimer hier kann zwanglos dazu benutzt werden, die Sattelfestigkeit der eigenen Argumentationssicherheit zu prüfen.  Aber Achtung, der Link führt zu Heise und wie immer gilt dort: Nur nervlich sehr stabile Menschen mit heiterem Naturell, Gemütsbernhardiner und routinemäßig Sedierte dürfen dort einen Blick in die Kommentare werfen.

In Tallinn sind jetzt die öffentlichen Verkehrsmittel für die Einwohner der Stadt kostenlos. Das lässt doch hoffen, wer weiß, vielleicht ziehen die ersten deutschen Städte schon in hundert Jahren nach!

Gleich noch eine gute Nachricht hinterher, wenn wir schon in Jubelstimmung sind, ein Neunzehnjähriger macht etwas gegen den Müll im Meer. Unbedingt auch den eingebetteten Film ansehen. Das ist wirklich toll und macht gute Laune.

Zum Thema Frauenquote eine interessante Meldung von Daimler, wo die Alphamännchen tatsächlich auf die Barrikaden zu gehen scheinen. Die Geschichte greift einem wirklich ans Herz. Kleiner Scherz.

Und in der letzten Woche hatten wir einen Link zur Armut in Frankreich, da wollen wir nicht unfair sein und jetzt auch einmal nach Großbritannien sehen.

Ganz zum Schluss in dieser Woche einmal nicht zur Architektur, sondern zum Design und zur Windkraft. Mit einem wirklich bezaubernden Film über windgesteuerte Roboter. Das hat etwas von Science-Fiction und Phantasy, das ist seltsam und anrührend und überhaupt ganz wunderbar. In den Kommentaren steht die schöne Formulierung “inventing for the sake of inventing stuff”, das trifft es sehr schön. Und wenn Sie der Film in spielerische Stimmung bringt, dann werfen Sie doch eben noch einen Blick auf den hier verlinkten Kinderfilm, der inhaltlich wirklich faszinierend dicht an dem Film über den Erfinder der Windroboter dran ist. Und dann husch, husch, ab in den Hobbykeller und etwas zusammenschrauben. Die Welt braucht auch zweckfreie Zonen. Wer weiß, was daraus entsteht.

GLS Bank mit Sinn

 

 

Woanders – diesmal mit Hochzeitsbildern, Kulturpessimismus und anderem

Das ist albern, wirklich sehr albern, aber ich habe gelacht – hier ein paar Hochzeitsbilder.

Mehr Bilder, sehr erstaunliche Bilder von einem kleinen Kind und wilde Tieren. Auch die beiden Filme im Artikel lohnen sich. Via kwerfeldein.

Percanta wird kulturpessimistisch.

Das Nuf erklärt dem Nachwuchs das Internet. Und endet mit einer Frage, die ich mir auch dauernd stelle.

Ein nützlicher Text (englisch) für überforderte Eltern. Also für alle Eltern. Leugnen zwecklos.

Steffan Mesch schreibt in der Zeit über Amazon und Goodreads.

Und ich bin gerade süchtig nach der Musik von La Caravane Passe. Großer Spaß, sehr gut für die Stimmung. Geradezu frühlingshaft, sofern ich noch richtig erinnere, was das war.

Das beste Essen der letzten sieben Tage war eines der allereinfachsten Gerichte, die man überhaupt auf den Tisch bringen kann, das braucht mal wieder keinen Link zu irgendeinem Rezept. Vegetarisch, althergebracht, bio, regional, schmeckt sogar allen in der Familie, was will man mehr. Pellkartoffeln! Oder, wie jemand auf Facebook ganz richtig  kommentierte:  Glück mit vier Silben.

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Etwas Sightseeing in der Gegend von Fukushima, warum auch nicht. Dazu muss man wohl nichts mehr sagen, einfach etwas herumklicken, das reicht schon. Streetview der ganz anderen Art.

Die Klimaerwärmung lässt nach wie vor viele Menschen kalt, wir sind ja hier bisher eher nicht betroffen, wenn man einmal davon absieht, dass härtere Winter in Deutschland mutmaßlich auch eine Folge davon sind, auch wenn es für viele etwas widersinnig klingt. Aber egal, das macht ja nichts, dann sind die Winter eben winterlich. Vielleicht beunruhigt es da schon etwas mehr, dass die Klimaerwärmung ein Problem für den weltweiten Kaffeeanbau ist (englischer Text)? Es ist ja wirklich nicht so schlimm, sich einen verschneiten Morgen Ende April vorzustellen – aber einen verschneiten Morgen Ende April ohne Kaffee – das geht dann doch entschieden zu weit.

Ach, und wenn wir schon beim Kaffee sind – Kakao könnte auch knapp werden.

Aber solange es Kaffee und Kakao noch gibt,  solange kaufen wir den lebensnotwendigen Stoff womöglich im Bioladen. Fairtrade und so, eh klar. Oder weil es tatsächlich besser schmeckt? Oder weil es gesünder ist? Kennen Sie eigentlich den Health Halo Effect? Hier ein englischer Text dazu.  Das Ergebnis ist interessant, bestätigt aber auch nur das, was vermutlich viele aus ihrem Bekanntenkreis schon wissen werden. Ich kann das hier allerdings nicht weiter ausführen, ohne von Müttern in meiner Umgebung mit Dinkelkeksen beworfen zu werden.

3D-Drucker gegen Armut, die Schlagzeile ist etwas arg plakativ, die Idee und die Möglichkeiten dahinter aber wirklich faszinierend.

Einige Interviews mit CEOS großer und sehr großer Firmen zu ihrem Tagesablauf (englischer Text). Falls Sie Spätaufsteher sind, lassen Sie besser alle Hoffnung fahren, noch großartig Karriere zu machen, denn das frühe Aufstehen ist allen Interviewpartnern gemein.  Nein, im Ernst, das ist natürlich nicht repräsentativ für erfolgreiche Menschen – aber die rigide Taktung dieser Manager ist schon faszinierend. Funktionierende Maschinen sind doch irgendwie immer faszinierend, nicht wahr.

Der Haltungsturner Wolfgang Luenenbuerger-Reidenbach schreibt über seinen Opa und über dessen Nachbarn Kuddel und erst dann, wenn man sich den am Ende des Textes verlinkten TED-Talk-Film ansieht, versteht man, was das mit unserer Arbeitswelt zu tun hat. Sehr viel. Text und Film dauern zusammen etwas länger, aber das sind 20 gut investierte Minuten.

In der Zeit gibt es mittlerweile schon den dritten Teil der Reihe über das Für und Wider wirtschaftlichen Wachstums. Und immer noch laden die Artikel sehr zum Mitdenken ein. Oder zum Gegenandenken, da ist für jeden etwas dabei.

Bei Wibke Ladwig findet man das Ergebnis einer Blogparade, bei der die Teilnehmer, es sind tatasächlich fast 100, beschrieben haben, was sie beruflich machen. Die Frage nach dem Beruf ist in vielen Fällen gar nicht mehr so leicht zu beantworten, weil so viele Tätigkeiten gleichzeitig gemacht werden, weil seltsame Dinge gemacht werden, weil Neues gemacht wird, weil es kompliziert ist, weil es das vielleicht so gar nicht geben kann, außer in genau diesem  einen Fall. Für die Liste der Teilnehmer nach unten scrollen und dann wird es inhaltlich sehr, sehr bunt und man wird es ganz bestimmt nicht in einem Rutsch schaffen, das auch nur querzulesen.  Aber man lernt doch eine Menge dabei.

Es gab in dieser Rubrik schon verschiedentlich Meldungen zur Armut in Deutschland, da kann man auch einmal einen Blick auf die Nachbarn werfen, etwa nach Frankreich, wo mit dem Frühling die Zwangsräumungen von Wohnungen wieder beginnen. Ja, Sie lesen richtig. Frankreich, nicht Spanien.

Zum Schluß wie fast immer das Thema Architektur, in dieser Woche ein Hinweis auf das welthöchste Holzhaus. Vergessen Sie besser gleich die Holzhüttenoptik aus den Romanen Ihrer Jugend.

GLS Bank mit Sinn