Ein paar Bücher der letzten Zeit kamen hier gar nicht vor, sollen aber kurz erwähnt werden.

Walter Moers: “Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär”. Das lese ich gerade den Söhnen abends vor, es ist etwas ergiebiger (700 Seiten) und hält eine Weile, das ist auch einmal schön. Ich lese den Blaubär in Hamburger Aussprache, betont norddeutsch, breit und mit spitzem s-t und s-p wie damals bei Helmut Schmidt, die Söhne haben Spaß. Und ich auch.

Jim Holt: “Gibt es alles oder nicht? Eine philosophische Detektivgeschichte” Deutsch von Hainer Kober. Der Titel klingt etwas unterhaltsamer als das Buch dann ist, tatsächlich ist es zwischendurch sogar erheblich anstrengend. Zumindest wenn man versucht, den Gedankengängen ernsthaft zu folgen, das erfordert nämlich stellenweise verschärft sportliches Denken. Das Hirn kommt gerne mal an seine Grenzen, wenn man über die Anfänge der Zeit oder von allem nachdenkt. Was war vor dem Urknall, wieso gab es den überhaupt und war der nicht sehr, sehr unwahrscheinlich, fast unmöglich? Was heißt das für uns? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass es nichts gibt? Warum gibt es dann etwas und wieviel davon? Was war vor der Zeit? Ich habe das gerne gelesen, bin zwischendurch allerdings geistig etwas ausgestiegen (Wittgenstein! Heidegger! In diesem Leben bitte nicht mehr) und habe ein paar am Rande erwähnte Themen von unerwarteter Seite aus durchdacht, es geht z.B. auch um Zahlen und Mathematik. Gott kommt ebenfalls in dem Buch vor, als philosophische Option. Und die Art, wie er vorkommt, oder wie sie vorkommt, bitte, ganz nach Belieben, die ist für religiöse und nicht religiöse Menschen gleichermaßen von Interesse. Beim Lesen können überraschende Gedanken nicht ganz ausgeschlossen werden.

Iwan S. Turgenjew: „Väter und Söhne”. Deutsch von Annelore Nitschke. Vor längerer Zeit schon einmal angefangen, jetzt wieder fortgesetzt. Das ist diese Art von klassischer Weltliteratur, bei der einem nach ein paar Seiten schon einleuchtet, dass das Buch auf jeden Fall und zweifelsfrei in diesen Kanon gehört. Die Art von Literatur, bei der man ab und zu zurückblättert und sich fragt: “Wie hat er das jetzt wieder gemacht? Da steht doch nur, dass sie durch den Garten gehen, wieso wirkt das denn bloß so?” Ich lese die üppig illustrierte Ausgabe mit den großartigen Zeichnungen von Matthias Beckmann aus der Büchergilde.

Roger Willemsen: “Gute Tage. Begegnungen mit Menschen und Orten.” Hervorragende Reiselektüre, ich habe es in einem Zug im Zug durchgelesen, von Stadt zu Stadt immer ein Kapitel. Berichte über Gespräche mit berühmten Menschen, darunter mehrere Interviews, die einen noch etwas länger beschäftigen, etwa das mit Margaret Thatcher, unheimlich und intensiv. Interessant sind alle Gespräche, sogar die, die man sich als gescheitert vorstellen muss (etwa mit Madonna), weil Interviewer und Zielperson wegen geradezu dramatischer Wesensfremdheit einfach nicht zueinander fanden. Mit beträchtlichem Genuss gelesen, eines der besten Bücher der letzten Zeit.

%d Bloggern gefällt das: