Vermutlich wird Sohn I auch noch etwas zur Ausstellung “Game Masters” über Video- und Computerspiele im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe schreiben, ich beschränke mich daher auf eine kleine Anmerkung aus Sicht eines nicht spielenden Vaters, der sich sogar in aller Regel nicht einmal ansatzweise für Spiele interessiert, weder für solche auf Brettern, noch für solche auf Konsolen oder Tablets.

Museum für Kunst und Gewerbe - Foto: Roman Henze

(Foto freundlich zur Verfügung gestellt von Roman Henze, das ist ein Fotograf aus unserem kleinen Bahnhofsviertel)

Ich möchte diese Ausstellung aus pädagogischen Gründen nämlich ausdrücklich gerade Elternteilen empfehlen, die mir in dieser Aversion ähneln. Nicht, weil wir da etwas lernen würden, man lernt ja eher nichts, wenn man sich nicht interessiert – sondern weil es so fair gegenüber den Kindern ist, dort hinzugehen. Denn da hat man endlich einmal vertauschte Rollen im Museum! Die Kinder bleiben dauernd entzückt vor vollkommen nichtssagenden Ausstellungsstücken stehen, wollen alles ganz genau wissen, vertiefen sich, lesen alles nach, wollen gar nicht wieder gehen. Man steht ratlos daneben, guckt an die Decke, guckt auf den Boden, guckt in die Gegend. Man fragt nach zehn, fünfzehn endlosen Minuten vor nur einem Ausstellungsstück vorsichtig: “Können wir weitergehen?” Die Frage wird nicht einmal gehört, die Kinder sind so konzentriert, es muss ja alles angesehen und ausprobiert werden (und man kann übrigens alles ausprobieren, jedes Spiel – stundenlang). Man kann nicht begreifen, was an den Spielen so toll sein soll, zumal die sich alle ähneln, kennste eines, kennste alle. Man möchte weiter, man möchte an die frische Luft, man möchte was trinken, man muss mal, man meint, an der Bewegungslosigkeit nervlich Schaden zu nehmen. Den Kindern ist das egal, die Kinder machen hier in Kultur und verweisen zwischendurch kurz auf die Wichtigkeit der Ausstellung, hallo, das ist hier im Museum, Papa! Da lernt man was!

Man sieht auf die Uhr, man setzt sich irgendwo hin, nicht genau wissend, ob man da überhaupt sitzen darf oder ob es am Ende ein Ausstellungsstück ist, was man nach erster Einschätzung für einen Hocker hält. Man rollt mit den Augen, man stöhnt, man fragt noch einmal … egal. Es hört sowieso keiner zu. Man übt sich in Duldungsstarre, wie damals im Schulunterricht in der siebten Stunde. Die Kinder fachsimpeln, die Kinder probieren und beurteilen, die Kinder freuen sich sichtlich über das kulturelle Angebot. Die Kinder sagen irgendwann, man könnte doch auch öfter ins Museum gehen.

Es ist ein Gebot der Fairness, dass ich mich an diese Szenen unbedingt wieder erinnere. Und zwar dann, wenn ich mit den Söhnen wieder einmal irgendwo in einem anderen Museum verzückt vor einer Galerie alter Ölbilder stehen werde, gähnende Kinder in fortgeschrittener Duldungsstarre neben mir. Kinder, die mit den Augen rollen, die zur Decke sehen, zum Boden, die sich schließlich irgendwo hinsetzen, ganz egal, worauf. Die nicht begreifen, was an alten Bildern toll sein soll, zumal die sich auch noch alle ähneln, kennste eines, kennste alle. Und die dann nach zehn, fünfzehn Minuten leise fragen, ob wir nicht vielleicht endlich, endlich einmal weitergehen können. Und die mal müssen. Und frische Luft brauchen, weil sie sonst vielleicht nervlich Schaden nehmen. Und man möchte gerade etwas von Kultur murmeln – dann muss man sich erinnern.

Doch, ich glaube wirklich, es ist ein Akt der Erwachsenenbildung, sich diese Ausstellung anzusehen.

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