Wenn ich Links für den wöchentlichen Wirtschaftsteil finde, speichere ich sie in Evernote, wobei sie mit einem Schlagwort versehen werden. Nicht alle Schlagwörter stehen für viele Texte, denn zu einigen Themen findet man jeden Tag etwas, zu anderen nur ganz selten. Die Schlagwörter, die im Moment mit Abstand am häufigsten vergeben werden, sind: Arbeit, Essen, Stadt und Plastik.

Und als mir das auffiel, da schien es mir, als würde das traurig klingen. Arbeit, Essen, Stadt und Plastik. Sehr modern, sehr sachlich, sehr unfroh. Es könnte auch der Titel einer ziemlich harten Kurzgeschichte sein: “Arbeit, Essen, Stadt und Plastik”, so etwas wird zu Literaturwettbewerben eingeschickt und ist ungeheuer ernst gemeint. Oder es ist ein Essay in einer hochtrabenden Zeitschrift, eine kristallklare soziologische Analyse der Milieus in deutschen Großstädten, künstliche Lebewelten in Großraumbüros mit Kantinenanschluss oder so etwas, Motto vorweg, weil ein literarischer Bezug immer gut kommt: “Sie essen das graue Zeug. Dann fallen sie tot von den Stühlen.” Um einmal den Herrn Brechbühl zu zitieren, der mir plötzlich wieder einfällt. Woher kenne ich das eigentlich, aus einem Schulbuch? Wahrscheinlich doch. Da hätte man sich über all die Jahre aber auch wesentlich erbaulichere Zeilen merken können. Na, egal. Das war nur, was mir eben gerade zwischen Arbeit und Essen in der Stadt so einfiel.

Es ist ein wenig November, ist es nicht? Aber nicht mehr lange. Am Wochenende holen wir Weihnachten aus dem Keller, dieses ganze Plastikdekozeug, Sie wissen schon. Dann ändert sich auch die Grundstimmung wieder. Hier und überall. Schon aus Tradition.

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