Zur Vorbereitung auf die Lesung in Stuttgart musste ich mein eigenes Blog nochmal lesen, ganze Jahrgänge, weil ich die geeigneten Texte nicht alle parat und ausgedruckt hatte, das war eine überaus seltsame Übung. Da fand ich Texte, die ich komplett vergessen hatte, teils mit Pointen, die mir völlig neu waren, manche sogar recht lustig. Es gab Texte, die fand ich besser als das, was ich heute schreibe, es gab Texte, die fand ich schechter. Es gab Texte, die ich zeitlich vollkommen falsch einsortiert hätte, die in anderen Jahren und unter anderen Umständen entstanden sind, als ich es erinnere. Da gab es auch mehrere brauchbare Ideen, die ich dann aber aus irgendwelchen Gründen nie fortgeführt habe, Herr Buddenbohm treibt Nebendinge und ist leicht abzulenken, es ist schlimm. Da gab es viele, viele Kommentare von Menschen, die nicht mehr leben oder die auf andere Art verschollen sind, und da muss man dann auch erst einmal eine Weile drüber nachdenken. Und früher gab es überhaupt die besseren Kartoffeln und auch viel mehr Kommentare, das murmelt man beim Lesen dauernd, das liegt aber vor allem an Twitter und FB, wo eben heute kommentiert wird. Und das ist immerhin technisch zu lösen, da muss man nicht bei der Erkenntnis stehenbleiben.

Da gab es natürlich auch verbesserungswürdige Stellen ohne Zahl, verunglückte Grammatik, Rechtschreibfehler, Kommafehler etc., ins Leere laufende Sätze und schräge Formulierungen, damit darf man auf keinen Fall jemals anfangen und daran herumarbeiten, aus der Nummer kommt man sonst vermutlich nie mehr heraus. Immerhin habe ich aber, abgesehen von Petitessen, nichts gefunden, was mir aus heutiger Sicht schlimm peinlich sein müsste, das ist doch auch schon ein großes Glück und wohl gar nicht selbstverständlich, wenn man mehr als ein Jahrzehnt verbloggt hat. Hätte ich mit zwanzig Jahren angefangen zu bloggen, das Ergebnis wäre sicher ein anderes, da graut es mir schon bei der Vorstellung, da hätte ich Liebeskummer verbloggt und höchst seltsame Phasen.

Es gab viele Einträge aus der Zeit, als die Söhne Babys waren, diese Phase ist mir schon wieder fremd geworden, es ist eigentlich unvorstellbar lange her. Im nächsten Jahr hat Sohn I schon ein zweistelliges Alter

Und es gab auch einen Text nicht, nämlich einen, den ich offensichtlich nie geschrieben habe, von dem ich aber ganz sicher war, ihn einmal gepostet zu haben, den habe ich umsonst gesucht. So ein langjähriges Blog ist eine merkwürdige Sache, die Erinnerung betrügt einen.

Dabei habe ich jedenfalls auch den Novembereintrag vom Dunkeltuten wiedergefunden, geschrieben vor vier Jahren. Und der ist eigentlich immer noch gültig, weil der November immer noch November ist und weil die Schlussfolgerung eh Bestand haben wird. Und da dachte ich, verlinkste den noch einmal. Man muss den November ja nicht neu erfinden.

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