Heute gibt es einige Texte, in denen es etwas wirtschaftstheoretischer zugeht. Das muss auch so sein, denn es geht um die Art, wie in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen mit dem Wachstum umgegangen wird, und das ist kompliziert, auch wenn es ganz einfach anfängt. In der FAZ ist man traditionell strikt gegen Kritik am Wachstum, wer sie öfter liest, der weiß das sicher, das ist wirklich einfach, FAZ = Wachstum ist super. Bei der neuen und eher linksorientierten Wirtschaftsseite Oxi spottet man darüber und auch über die Wortwahl in Frankfurt, und das ist tatsächlich ganz amüsant. Der FAZ-Text ist zum Vergleich dort ebenfalls verlinkt.

Beim Freitag schlagzeilt man dagegen unverdrossen “Nieder mit dem Wachstum”. Welche Logik nun überzeugender ist, mag jeder selbst entscheiden – sofern denn die Logik beliebig wählbar ist. Man kann aber auch wesentlich tiefer einsteigen und z.B. ein Buch zum Thema lesen, denn genau zu dem eben erwähnten Widerspruch gibt es tatsächlich eines, es wird hier besprochen. In den Kommentaren dort laufen sich Fachleute warm, man kann sie aber dennoch wenigstens überfliegen, dann bekommt man ein Gefühl für die Streitlage. Und auch für die Schärfe, mit der die Diskussion geführt wird, diese eigentlich ganz  sachliche Diskussion.

Wenn man jetzt überlegt, welches Medium man in Deutschland sicher noch zur Fraktion der Wachstumskritik rechnen muss, dann fällt einem die taz ein – und richtig, da gab es auch wieder was.

Man muss aber vielleicht noch andere Begriffe zum Thema parat haben, wenn man über Wachstum spricht, auch solche, die aus der Soziologie kommen. Denn einige Wirtschaftsredaktionen predigen noch Wachstum, während andere Experten schon die Abstiegsgesellschaft definieren, das gehört heute auch zusammen.

Ein Stichwort, das man bis jetzt vielleicht vermisst, ist Neoliberalismus. Steht der nicht seit vielen Jahren hinter der ganzen Wachstumsideologie? Dazu im Guardian ein langer und sehr zugespitzter Text, in dem recht umfassend erklärt wird, was durch diese Ideologie, die gemeinhin nicht einmal so genannt wird, alles verursacht wird. Wie gesagt, ein langer und polemischer Text, es kostet etwas Mühe, sich da durchzubeißen – aber es ist auch ganz erfrischend. Und so detailreich, dass man zweifellos viele Aspekte zum Weiterdenken findet. Der Text endet, das ist erwartbar, mit der Frage nach einem neuen (linken) Entwurf für eine wirtschaftliche Ordnung. Egal, wie man das findet,egal, wie links oder rechts oder mittig man sich selbst in Wirtschaftsfragen sieht, die Frage, wieso es diesen Entwurf nicht längst gibt, sie ist einigermaßen naheliegend. Oder wird da etwas übersehen, was längst vorliegt?

Die Frage, was die Ökonomisierung mit der Gesellschaft macht, sie wird auch noch  bei Carta erörtert, und dieser Text endet beim gesellschaftlichen Wollen. Um das weiter auszuführen, müsste man eigentlich noch den Sinn in die Diskussion einführen, denn was man will, das soll doch sinnvoll sein, sei es nun in der Gesellschaft oder im eigenen Leben. Das passt in dieser Woche leider nicht mehr rein, aber dass man Wachstum ohne Sinn gar nicht diskutieren sollte, das kann man vielleicht halbwegs schlüssig aus den Texten heute konstruieren. Und wenn man beim Sinn ankommt, dann vielleicht auch bei langfristigen Interessen, dazu noch eben ein Soziologe.

Und weil es so schön zum ominösen Sinn passt, ganz zum Schluss noch einmal der Guardian mit einer kleinen Meldung, die geeignet ist, jegliches Wachstum zu relativieren. Und zwar gründlich.

GLS Bank mit Sinn

%d Bloggern gefällt das: