Da gab es doch wieder Diskussionen über böse Spiele, die von der Jugend auf dem Computer, dem Handy oder worauf auch immer gespielt werden. Spiele, die unseren Nachwuchs entweder komplett verblöden oder aber aggressiv machen, zumindest gerüchtehalber, Stichwort Killerspiele, Sie kennen das. Darüber denke ich nach, weil mich das Thema etwas verunsichert. Aber nicht als Vater, wie man zunächst denken könnte, nein, eher als erwachsener Durchschnittsbürger. Denn es ist doch so: wir haben ja auch einmal gespielt. Wir alle. Und wenn es tatsächlich so ist, dass die heutigen Spiele die Kinder dermaßen beeinflussen, dass sie dabei ihre Intelligenz einbüßen oder sonstwie durchdrehen – müssen wir uns dann nicht fairerweise fragen, was die Spiele unserer Kindheit mit uns gemacht haben? Erklärt das nicht auch etwas? Warum sollte es denn so sein, dass unsere Spiele sich nicht auf uns ausgewirkt haben, das ergibt doch keinen Sinn. Spiel ist Spiel, ob nun digital oder mit handgeschnitzten Holzfiguren, alle Kinder spielen zu allen Zeiten hochkonzentriert, hingegeben, begeistert, engagiert, die Zeit vergessend. Mit was auch immer.

Vermutlich müssen wir also nur einmal überlegen, was wir gespielt haben, und uns dann fragen, wie wir sind, vielleicht hilft das tatsächlich weiter. Ich z.B. habe damals, ich bin noch Generation Brettspiel, stundenlang Mensch ärgere dich nicht und Malefiz gespielt. Das klingt so nett und harmlos, aber was heißt das bei näherer Betrachtung? Ich habe als Kind intensiv gelernt, andere komplett in den Wahnsinn zu treiben und ihnen Steine in den Weg zu legen. Ich müsste wohl meine heutigen Kollegen fragen, ob sich das tatsächlich bis heute spürbar auswirkt – aber die reden nicht so gerne mit mir. Komisch eigentlich.

(Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten)

%d Bloggern gefällt das: