Mittlerweile habe ich doch etwas Training darin, Bemerknisse aller Art sofort handschriftlich zu notieren, und sie haben sich dadurch tatsächlich vervielfacht. Man muss nur im Laufe eines Tages oft genug Shakespeare zitieren (“Mein Buch! Nur schnell mein Schreibheft her!” – der olle Hamlet ruft das), dann läuft das schon. Es kommt noch vor, dass ich es tagelang vergesse irgendwas aufzuschreiben, aber es wird doch seltener.

Manche Notizen wandern ins Manuskript, manche Notizen kommen mir nach zwei, drei Tagen eher sinnlos und viel zu banal vor, was natürlich daran liegt, dass ich meist nur furchtbar banales Zeug denke. Schlimm, aber was soll man machen. An manche Notizen kann ich nach einer Weile mit etwas Glück einen anderen Gedanken anlegen, das wird dann so ein Assoziationsdomino, ein immerhin recht unterhaltsames Spiel. Das wird übrigens eher besser, wenn man älter wird. Oder zumindest kann man sich das immer erfolgreicher einbilden, das ist auch recht, längst nicht jeder Selbstbetrug ist schädlich.

Manche Notizen sind nach ein paar Tagen noch gut oder seltsam oder interessant genug, die werden dann ein Blogeintrag oder eine Kolumne für die Zeitung. Wie der folgende sehr kurze Dialog, den ich fast wortgleich zweimal in Südtirol geführt habe. Ein ganz banaler Wortwechsel, und doch so irre, so verkehrt … Ich meine, ich schreibe hier dauernd über die Themen Ernährung, Bio, Regio, Öko, Trallala, Slowfood und Schnickschnack, ich mache mir – wie so viele! – gar nicht wenig Gedanken, was ich wann wo einkaufe und wie ich was finde und verarbeite, und ich freue mich, wenn ich etwas auftreibe, das ich gut und vertretbar und dann womöglich auch noch bezahlbar finde, das ist ja selten und kostbar und lobenswert – und dann fahre ich also in die Berge, auf eine Alm, und führe diesen Dialog:

“Haben Sie Eis?”

“Ja, aber nur aus eigener Herstellung, tut mir leid.”

Das Eis aus eigener Herstellung war dann in beiden Fällen ganz wunderbar, in einem Fall war es Apfeleis, und die Äpfel wuchsen vermutlich ein paar Meter weiter, wie man sich das auf einem Berg in Südtirol ganz idyllisch vorstellt, aber hey, die Gäste fragen vermutlich einfach zu oft nach Eis am Stil oder nach Cornetto oder nach Monster-Slush oder was weiß ich. “Nur aus eigener Herstellung, tut mir leid.”

Es gibt Notizen, da kann man sich nach Wochen noch aufregen. Aber wenn man es verbloggt hat, dann geht es bald wieder. Hoffentlich.

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