In Berlin gab es gerade den Wirtschaftstag Familie, dort wurden diverse Unternehmen verschiedener Größenordnungen und aus sehr unterschiedlichen Branchen für ihre Verdienste um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ausgezeichnet. Vorgestellt wurde bei dieser Veranstaltung auch das Konzept der Familienarbeitszeit, hier eine leider etwas sperrige Erklärung, man findet noch nicht allzu viel dazu, es wird berufstätige Eltern vermutlich dennoch interessieren.

Als Gäste waren bei der Veranstaltung auch mehrere ElternbloggerInnen geladen, eine gute Gelegenheit, das Thema Vereinbarkeit aus deren Sicht anzugehen und mal wieder einen Wirtschaftsteil fast ausschließlich mit Blogartikeln zu gestalten. Vielen Dank an alle, die via Twitter Links dazu beigetragen haben! Man kommt nicht zu einem einheitlichen Bild, wenn man diese Texte liest, dazu sind die Situationen und die Familien zu verschieden. Man kann aber kaum überlesen, dass vernünftige Betreuungsangebote eine nicht mehr zu diskutierende Selbstverständlichkeit sein sollten – und man sollte als Mann auch nicht übersehen, dass ein Zorn die Texte vieler Autorinnen prägt, an dem die Rollenverteilung im privaten und beruflichen Bereich nicht unschuldig ist.

Beginnen wir gleich mit einem älteren Wutausbruch von Frau Brüllen, der direkt zur Frage führt, ob die Sache an sich so schwierig ist oder ob gewisse Herren schlichtweg nicht mitspielen. Gewisse Herren, die doch dringend mit sich verhandeln lassen sollten.

Ein Thema, das man selbstverständlich bei dem Thema nicht auslassen und das man aus unterschiedlichen Richtungen durchdenken kann. Denn natürlich kommt man dabei immer wieder auf Grundsatzfragen, man knallt förmlich dagegen, immer wieder muss man sich fragen, was Familie ist, was Arbeit ist, was man als ArbeitnehmerIn, als Vater, als Mutter, als Kind ist und in welcher Beziehung zueinander das alles stehen soll. Man definiert immer wieder Aspekte neu und kommt nicht zwingend auf die Antwort, auf die die Nachbarn kommen.  Und wenn man anfängt, sich dabei zu rechtfertigen, lohnt auch ein etwas längerer Text zum Thema, in dem man das genau hinterfragt. Väter können ja auch einmal 15 Minuten mit so einer Rechtfertigung verbringen, 15 Minuten sind bei Vätern gerade eine sehr angesagte Zeiteinheit.

Ich habe von dem moment an, als ich anfing mich mit meiner weiblichen identität auseinanderzusetzen, erst wirklich die diskrepanz in unserer rollenverteilung gespürt.” Es ist eben auch ein Thema, das uns auf uns selbst zurückwirft, wie auch immer der Staat oder die Arbeitgeber Regelungen und Möglichkeiten vorgeben. Man kann dabei auch auf klar formulierte Wünsche kommen, wie hier am Ende des Textes.

Hab‘ nur ich das Gefühl, dass suggeriert wird, gelungene Vereinbarkeit findet nur dann statt, wenn mindestens zwei Karriere machen und das Familienleben entspannt läuft?” Noch einmal – über diese Fragen muss nachgedacht und geredet werden, und es ist ein schönes Verdienst der Blogszene, dass diesen Fragen so viel Raum gegeben werden kann, abseits der Berichterstattung über Statistiken und harte Fakten in den anderen Medien, die über die Wahrheit in Familien eh nichts aussagen.

Aber es gibt schon auch Zahlen, die ziemlich beeindruckend sind, wie in diesem Zitat, das man ruhig zweimal lesen kann, so interessant und wichtig ist es: 60 Prozent aller Eltern mit Kindern unter drei Jahren wünschen sich, dass beide Teilzeit arbeiten und sich die Care-Arbeit 50/50 aufteilen. Auf Dauer ziehen gerade mal zwei Prozent aller Familien dieses Modell durch.”  Das ist nicht irgendein Zahlenbeispiel, das ist ein erheblicher Teil des Problems in nuce.

Gefunden wurde das Zitat in einem Text, der nicht umsonst die “Teilzeit-Falle” im Titel trägt. Aber es ist eben nicht undenkbar, dass beide Teilzeit arbeiten, es ist nur ein gesellschaftlch bisher ungewohntes Konstrukt: “Vielleicht müssen wir aber auch mal an ein Modell denken, in dem wir beide 75% arbeiten.Doch, darauf kann man kommen. Und dann müsste man es noch schaffen, Teilzeit vom Karrierekiller-Stigma zu befreien. Wobei man beim Thema Teilzeit natürlich auch über Geld sprechen muss, das bleibt nicht aus.

Es wird übrigens gar nicht langweilig, Situationsberichte aus Familien durchzulesen, wenn man selbst von dem Thema betroffen ist. Es ist ungemein spannend, wie es andere machen und mehr oder weniger schaffen, hier noch ein Beispiel von zwei Selbständigen.

In diesem Blog findet man auch noch mehr Links und eine ebenso lesenswerte Tweetsammlung zum Thema.

GLS Bank mit Sinn

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