Wenn es um Arbeit geht, geht es implizit immer auch um ihr vermeintliches oder tatsächliches Gegenteil, also um die Freizeit. Und wenn man bei der Betrachtung einer ziemlich harmlosen Freizeitbeschäftigung auf eine amüsante Produktknappheit, auf Adorno, den Neoliberalismus und die Distinktionsspirale kommt, dann ist es vermutlich ein Text von Nils Markwardt. Hier im Freitag. Da geht es also um spielerische Beschäftigungen, die müssen wir aber gar nicht nur in der Freizeit vermuten, die kann man auch im Büro finden, wo Menschen Arbeit spielen (Es ist natürlich keine Einzelmeinung, das mit unseren typischen Arbeitsstrukturen in den Büros etwas nicht stimmt).

Und auch noch einmal andersherum bleibt es interessant, wenn die Menschen in der Freizeit ab und zu mal ein wenig Arbeit ansehen, quasi wie aus Spaß. Das ist normal, das macht mittlerweile fast jeder, aber ist es richtig? Oder ist es ein Riesenproblem? Dazu eine Diskussion in Frankreich, wo der Staat eingreifen möchte (englischer Text). Es ist sehr, sehr kompliziert, vielleicht ja auch in Ihrer Firma.

Im ersten Link haben wir Adorno erwähnt, im nächsten gleich Bourdieu, für die Lektüre des Wirtschaftsteils kann man bald Bildungsurlaub einreichen. Wieso Bourdieu? Der wird in einem Text zitiert, der ein Buch zum Thema aufgreift, dass alle kennen – auch wenn sie es nicht gelesen haben. An “Wir nennen es Arbeit” kam man in gewissen Kreisen damals einfach nicht vorbei. Damals? Das Buch erschien vor zehn Jahren, guck an, in der Berliner Gazette denkt man über das Jubiläum nach.

Und wenn man schon bei der digitalen Bohème ist, dann kann man sich auch gleich die Sache mit dem Crowdworking etwas näher ansehen.

Adorno und Bourdieu reichen noch nicht, im nächsten Text kommt Hegel vor. Er ist aber dennoch lesbar. Und passend zu den Crowdworkern ist er auch noch, sehr gut passend sogar. Er schürft aber noch etwas tiefer und stellt die vollkommen berechtigte Frage, was der Trend zur Freiberuflichkeit mit der Gesellschaft macht. Wer sich detaillierter mit den Argumenten beschäftigen möchte, die bei der Verschiebung von festangestellter Arbeit in Richtung Freiberuflichkeit oder Plattformkapitalismus eine Rolle spielen, der findet sie fein aufgereiht in diesem Streitgespräch hier. Ein Vertreter eines Start-Ups und ein Gewerkschaftler diskutieren, es geht in den Kommentaren noch munter weiter.

Da fehlt jetzt ein Zwischrenruf, irgendein Statement, das etwas kämpferischer klingt, das finden wir aber beim Freitag. Es ist ein Aufruf zu spätrömischer Dekadenz, und der ist so lang, da kann man bei der Lektüre schon mal dekadent die Beine auf den Tisch legen und einen ganzen Becher Kaffee trinken.Mit Zucker, sonst zählt es womöglich nicht als Dekadenz.

Im letzten Absatz dieses Zwischenrufs wurde scherzhaft die Automatisierung angesprochen, deren fatalen Einfluss auf die Arbeit man überall in sehr ähnlichen Artikeln nachlesen kann. Eher originell – oder abstrus? -ist die folgende Sichtweise, Roboter schaffen Jobs. Viele, viele Jobs. Wobei diese ganze Moderne der Arbeitswelt in Deutschland gerade fast immer mit Industrie 4.0 assoziiert wird, dazu noch schnell ein schönes Zitat: “Ich halte die Verengung auf Industrie 4.0 für den deutschen Kastraten der Digitalisierung.”  (Quelle hier)

Etwas gründlicher wird die Sache mit der Digitalisierung und Automatisierung der Arbeit von Josef Joffe durchdacht, in einem Artikel, dessen Titel wir ganz herausragend gut zur Beendigung dieser Ausgabe des Wirtschaftstreils gebrauchen können: “Feierabend forever”. Oder zumindest bis zum nächsten Donnerstag.
GLS Bank mit Sinn

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