Das postete ich gestern und es klingt natürlich wie ein Witz, aber nach etwas Nachdenken ist es doch so: Das ist gar keiner.

Mir ist in letzter Zeit nämlich immer stärker aufgefallen, dass ich mit den Söhnen zwar ab und zu pädagogisch ambitioniert in der Popmusikgeschichte herumzappe, was man durch Spotify und Youtube recht mühelos machen kann, dass ich auch in der Kinderbuchliteratur ganz selbstverständlich die Klassiker eingebaut habe, dass sie aber beim Thema Film komplett von der Gegenwart erschlagen werden. Es erscheint so viel, es ist so viel verfügbar, es ist so viel reizvoll und je nach Betrachtung auch vieles gut, wenn man das so hinnimmt, sind die Kinder mit der Filmproduktion der Gegenwart völlig ausgelastet, so viel Medienzeit haben sie ja auch gar nicht. Mit der Ausnahme der Disney-und Starwars-Kultfilme vielleicht, die vermutlich fast jeder mitnimmt, kommen ältere Produktionen nicht auf den Bildschirm, schon gar nicht in einem Haushalt wie bei uns, in dem fast nie jemand fernsieht und der Fernseher schon gar nicht nebenbei läuft.

Aber alte Spielfilme sind für einen Achtjährigen schon ein gutes Mittel, sich mit Film-, Kultur- und Weltgeschichte zu befassen, selbst dann, wenn es sich um vermeintlich schlechte, wenn nicht sogar grottenschlechte Filme wie die Plattfuß-Reihe handelt. Filme also, die ich auch als Kind oder Jugendlicher mit kaum noch nachvollziehbarer Begeisterung und Erheiterung gesehen habe, Filme aus einer komplett anderen Welt. Aus einer Welt, die aus heutiger Sicht manchmal sehr erklärungsbedürftig ist, die erstaunlich viele Fragen aufwirft. Oder noch ältere Filme, man kann doch ruhig wissen, wer Errol Flynn war, das ist doch auch Allgemeinbildung, ist es nicht? Oder Buster Keaton, um gleich vorne anzufangen? Heinz Erhardt? Heinz Rühmann? John Wayne?

Denn es ist doch wichtig, oder zumindest kann man es wichtig finden, dass ein Kind irgendwann eine Vorstellung des Kulturschaffens vergangener Perioden bekommt, und da muss man ja nicht gerade mit der Hochkultur beginnen.

In so einem Bud-Spencer-Film ist seltsame Musik, ist wirklich seltsame Mode. Da sind äußerst seltsame Verhaltensweisen, seltsame Rollenbilder, da sieht man auch einmal so etwas Exotisches wie Hausfrauen, die gibt es hier in freier Wildbahn gar nicht mehr, zumindest nicht in meinem Bekanntenkreis. Und wenn man etwas drüber nachdenkt, kommt man auch darauf, dass die Kinder vermutlich kein zutreffendes Bild von “Hausfrau” im Kopf haben. Das ist nun aber sozialgeschichtlich gar nicht unwichtig, finde ich.

Man kommt aus dem Reden und Erklären gar nicht mehr heraus, wenn da etwa im Film ein Kind vollkommen nebenbei eine Ohrfeige bekommt, weil es eben in den Siebzigern noch völlig normal war und ja, es hat uns geschadet, aber egal, da ist man dann schon wieder bei “Opa erzählt vom Krieg” und der Film ist schon längst drei Szenen weiter, in denen Männer in seltsamen Hemden unangeschnallt komische Autos fahren und dabei selbstverständlich rauchen und dann kurz darauf ein Bier in einer Währung bezahlen, die nicht Euro heißt und in der irre hohe Summen genannt werden, Italien damals eben.

Geschichte ist interessant, das finden wohl die meisten Kinder, und Geschichte kann man auf viele Arten erklären. Man kann sich also schön berechtigt komplett geistloses Zeug ansehen und sich dabei total geistreich fühlen. Pädagogik ist schon eine tolle Sache.

Louis de Funès! Ach, es wird mir ein Fest sein.

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