Vielleicht ist das Folgende interessant für Menschen, die privat oder beruflich auch manchmal oder permanent Nachrichten zu bestimmten Themen sammeln – wie gehe ich eigentlich beim Wirtschaftsteil vor?

Der Wirtschaftsteil umfasst jede Woche rund (sehr rund) zehn Artikel aus möglichst breit gestreuten Medien, die sich mit nachhaltiger Wirtschaft, Umwelt- und Sozialpolitik im allerweitesten Sinne sowie mit Sinn- und Moralfragen beschäftigen. Als der Wirtschaftsteil startete, waren die Links in jeder Woche noch thematisch bunt gemischt und nur textlich verbunden, im Moment sind sie so gebündelt, dass es jeweils eine inhaltliche Klammer gibt und ein Aspekt vertieft wird. Das kann sich auch wieder ändern. Allerdings wird bei der Bündelung etwas deutlicher, was mir immer wichtig ist, nämlich dass es keine einfachen Lösungen gibt und an jeder Ecke überraschende Abgründe zu finden sind – weil es eben kompliziert ist. An der Botschaft hänge ich, wie vielleicht dem einen oder anderen bereits auffiel.

Die Artikel müssen also zu dem weiten – aber nicht endlos weiten – Themenkreis passen, sie müssen außerdem halbwegs originell sein und auch nicht schon per Agenturmeldung in jeder Lokalzeitung gewesen sein, reine Nachrichtenmeldungen scheiden also weitgehend aus. Die würde keiner noch einmal lesen wollen, auch wenn sie noch so sehr passen, auch wenn sie noch so toll sind. Außerdem sollten die Texte lesbar geschrieben sein, das ist gerade bei Wirtschaftsthemen ein Kriterium, das enorm viel Ausschuss produziert. Und sie müssen mich interessieren. Es ist meine Kolumne, es ist mein Geschmack, hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein. Kurator und Imperator, was mir nicht gefällt, wird gelöscht. Zack.

Mein Interesse kann ich dabei häufig gar nicht rational begründen, es gibt viele, viele Artikel, die gut geschrieben sind und die auch passen, die mir aber dennoch egal sind und daher nicht in Betracht kommen. Das sind eben die Algorithmen in mir und Algorithmen, das weiß man, machen dauernd Fehler und sind wenig nachvollziehbar. Ist so.

Ich brauche also ziemlich viele Artikel zur Auswahl, damit am Ende eine Kolumne mit etwa zehn Meldungen dabei herauskommen kann. Dazu muss ich permanent nach Themen und Schlagworten sortiert sammeln, denn man findet natürlich nicht an einem Tag zehn spannende Meldungen zur Kultur der Arbeit usw., das dauert.

Um genug Artikel abgrasen zu können, müssen mir möglichst viele aufs Handy oder aufs Notebook gespült werden. Ich möchte nicht aktiv suchen gehen, es sei denn, ich recherchiere etwas nach. Um die Timelines bei Twitter und Facebook auszuwerten, nutze ich Nuzzel, dazu habe ich hier bereits einmal etwas geschrieben: ““Die Timelines als Milchvieh betrachtet”.

Die Bedeutung der dort erwähnten Twitterlisten kann man gar nicht hoch genug einschätzen, wer bei Twitter ist und auf meinem Profil nachsieht, findet dort z.B. auch die öffentliche Liste “Wirtschaftsteil und Politik”. Wer sich diese Liste näher ansieht, wird erstaunlich viele PolitikerInnen der Grünen darin finden. Das liegt daran, dass einzelne Grüne in aller Regel tatsächlich sehr grün sind und auch entsprechend interessante Texte zu ökologischen, nachhaltigen Themen verteilen – erst in der Gesamtheit der Partei vermisst man dann plötzlich die Farbe und vielleicht auch die Ausrichtung. Einen ähnlichen Effekt gibt es übrigens auch bei der SPD und sozialen Aspekten, im Grunde könne beide Parteien irgendwie nicht aus der Summe ihrer Mitglieder bestehen, aber darum geht es hier gar nicht, pardon.

Nuzzel sehe ich mir immer morgens an, im Laufe des Tages werte ich Twitter (dann die Haupttimeline, nicht die Listen) über Something aus. Eine enorm praktische, aber total schlichte App, die mir alle geposteten Links von den Menschen, denen ich auf Twitter folge, magazinartig darstellt. Wirklich simpel, wirklich gut, für mich unentbehrlich.

Auf dem Handy sehe ich auch noch nach, was bei Niuws vermeldet wird, das ist eine kuratierte Nachrichtenapp. Man kann verschiedene Themenfelder abonnieren, darunter auch solche, die exakt zum Wirtschaftsteil passen.

Auf dem Notebook nutze ich außerdem piqd, wo ebenfalls ausgewählte Nachrichten zu diversen Themenfeldern dargestellt werden. Die auswählenden Damen und Herren haben hier aber wesentlich mehr Raum für ihre Einleitung vor der Fundstelle, und das ist durchaus ein Gewinn.

Für die schnelle Presseschau nehme ich Newstral und auch Google News, beide Seiten kann man ziemlich gründlich seinem Bedarf anpassen.

Blogs und alles, was man sonst noch abonnieren kann, lese ich über Inoreader. Ein anderer Reader würde dabei den selben Zweck erfüllen, ich habe keine riesigen Unterschiede zwischen den Produkten feststellen können. Das Ding soll eben Feeds lesen und als ungelesen/gelesen darstellen, mehr Zaubertricks brauche ich da gar nicht. Ich habe viele Abos, das liegt auch daran, dass man bei den meisten Zeitungsseiten mittlerweile einzelne Rubriken und auch einzelne AutorInnen abonnieren kann, da kommt dann schnell etwas zusammen. Das wird natürlich längst nicht alles gelesen, aber doch alles überflogen.

Erstaunlich viele Links finde ich durch Seiten-Abos und empfehlende Freunde auf Facebook, wenige, aber manchmal gute Links auch auf Medium. Facebook lasse ich mir durch eine Erweiterung bändigen (F.B. Purity), so dass die Timeline nicht ständig auf “Hauptmeldungen” umspringt und mir diverse Sachen (wie etwa Spieleanfragen) gar nicht erst angezeigt werden, man kann da eine Menge einstellen.

Alles, was ich tagsüber finde, speichere ich erst einmal in Getpocket, darauf bin ich vor einiger Zeit durch diesen Artikel hier gekommen. In Getpocket kann man wiederum auch Texte empfehlen und Empfehlungen anderer User lesen, da kommt dann auch noch etwas zusammen.

Zwei Newsletter sind mir wichtig. Zum einen der morgendliche der Krautreporter zur allgemeinen Weltlage, den ich sehr angenehm im Tonfall finde, ohne jede Arroganz verfasst, freundlich und eher zögerlich einordnend, mit viel Respekt vor den Quellen. Zum anderen die immer interessante Schmausepost zu allen Foodthemen, ich erwähnte sie hier im Blog bereits mehrfach.

All das zusammen ergibt sehr viele Artikel pro Tag, die ich nicht alle lesen kann, nicht einmal ansatzweise. Ich bin also ziemlich abhängig von der Überschrift und dem ersten Absatz, wenn die nicht interessieren, hat der Rest des Textes kaum eine Chance. Manchmal aber doch, nämlich entweder wenn der Text von sehr viele Menschen empfohlen wird, oder aber wenn ich der oder dem Empfehlenden so sehr vertraue, dass wohl etwas dahinter sein muss, wenn da ein Link ausdrücklich weitergereicht wird.

Ich lese also alles an und entscheide sehr schnell und mit unruhig zuckendem Löschfinger, dann speichere ich das, was mir einigermaßen spannend vorkommt, von Getpocket in Bookmarks um. Bookmarks kann ich besser sortieren, da bin ich altmodisch. Und da sammeln sich dann langsam, manchmal auch sehr langsam, drei, vier, fünf Links zum Thema Inklusion oder ökologische Mode oder Landwirtschaft etc. an, fein säuberlich untereinander, wie früher auf den Karteikarten. Und wenn es zehn oder fünfzehn oder zwanzig oder mehr Links sind, dann reichen sie vielleicht (!) für eine Ausgabe des Wirtschaftsteils, denn ich lese die Texte erst gründlich und vollständig, wenn ich anfange, eine Ausgabe zu schreiben. Wobei dann selbstverständlich auch noch einmal viele (etwa ein Drittel) aus der Sammlung fliegen.

Bemerknisse am Rande:

Ich gehe eher selten auf Medienseiten, ich lasse mir Links zu den Medien eher vor die Füße spülen. Ich sammele also eher, als dass ich jage. Jagdsituationen gibt es zwar auch, aber nur, wenn mir ausdrücklich eine bestimmte Information, ein bestimmter Text fehlen. Das ist bei vielleicht bei zwei von zehn Links in einer Ausgabe der Fall.

Ich finde eher zu wenig Links aus Blogs, das ist schade, aber wirklich schwer zu ändern. Denn es gibt zwar reichlich gute Blogs mit wirklich großartigen Artikeln da draußen, die ich überhaupt nicht wahrnehme, aber wenn meine Filterblase nicht bis zu ihnen reicht, wird es problematisch. Es ist schwer und mühsam, in andere Filterblasen einzudringen, auch wenn es überhaupt nicht unmöglich ist. Aber man muss stets durch ein wüstes Dickicht an Texten, die einen nicht ansatzweise interessieren, um Schätze von anderen Inseln zu heben, das kostet enorm viel Zeit. Eine ausgefeilte Strategie für das Suchen und Finden außerhalb der Filterblase habe ich immer noch nicht gefunden. Hinweise nehme ich gerne entgegen, das ist ein Thema, das es in sich hat, scheint mir.

Was ich auch fast nie schaffe, ist mir zu merken, woher ein Link kam und das entsprechend zu würdigen. Das ist etwas unhöflich und tut mir tatsächlich leid, es ist aber schwer zu ändern, die Links rauschen einfach zu schnell durch.

Und schließlich führt all dies erstens zu einer weiteren Ausgabe des Wirtschaftsteils am Donnerstag und zweitens zu einer besonderen Form der Blödigkeit bei mir. Man kann mich mehrmals in der Woche mit leerem Blick und geistlosem Gesichtsausdruck antreffen, nämlich immer dann, wenn mir nach Stunden oder Tagen einfällt, dass ein bestimmter Textauschnitt, den ich nicht gespeichert habe, jetzt doch vielleicht ganz gut passen würde, ich aber trotz allen Nachdenkens nicht mehr darauf komme, wo ich den denn bloß gesehen habe. Schlimm!

%d Bloggern gefällt das: