Wie angekündigt folgt nun ein für Nichteltern vollkommen sinnfreier Tourismus-Tipp zu Ahlbeck. Ein Hinweis von der Art, die man eigentlich einmal als Reiseführer für Eltern herausgeben müsste, am besten als stets aktualisierte Online-Ausgabe für Orte weltweit, geschrieben von vielen Familien mit ganz speziellen Erfahrungen, gemacht von wahren Experten, also von Kindern. Denn Kinder finden in der Regel nicht das interessant, was im Reiseführer steht, sondern vollkommen obskure Nebendinge. Und man reist als Familie deutlich entspannter, wenn man sich diesen obskuren Nebendingen hingibt, wenn man ihnen Zeit und Raum lässt, wenn man nicht von der Erfüllung irgendwelcher Zeitpläne träumt. Das ist eine der Lektionen, die ich tatsächlich als Vater eher schwer zu lernen fand. Ich möchte auf Reisen etwas sehen, ich habe auch oft genaue Vorstellungen, was ich sehen möchte, wo ich essen möchte, wo ich längs gehen möchte, was ich machen möchte usw. Und das ist falsch. Richtiger ist es fast immer, die Kinder vorgehen und entscheiden zu lassen.

Fährt man Ahlbeck aus westlicher Richtung an, sieht man bald die Ausschilderung zu den Parkplätzen. Wenn man P1 folgt, landet man kurz vor dem Strand auf einer sandigen Brachfläche, umrahmt von mehreren abbruchreifen Ruinen großer Häuser, die vermutlich einmal ziemlich stattlich waren. Sie bröckeln seit Jahren vor sich hin. Auf der Parkplatzbrachfläche stand vermutlich auch einmal so ein Haus, jetzt ist das einfach ein Stück holperige Buckelpiste, allerdings ein Stück mit natürlich sehr wohl funktionierendem Parkautomaten mitten im Nichts. Und P1 wird sicher in absehbarer Zeit einer prächtigen Immobilieninvestition weichen müssen, die Lage ist einfach zu gut.

Am Rand dieser Brachfläche wurden, warum auch immer, gleich mehrere große Kieshügel aufgeschüttet, vermutlich sollte irgendwann irgendein Bau beginnen, das wird allerdings auch schon eine Weile her sein, so wie es da aussieht. Aus Kindersicht ist das ringsum eine großartige Abenteuerkulisse, und auf den Kieshügeln der verlassenen Baustelle kann man prima herumspringen, von Hügel zu Hügel, es stört ziemlich sicher niemanden. Und man kann graben! Die Söhne haben dort in langer Arbeit ein riesiges Sück historisches Abflussrohr mit kryptischen Schriftzeichen drauf freigelegt, das ist Großstadtarchäologie, das ist toll. Und um dieses Rohr freizulegen mussten sie nicht nur ein klein wenig buddeln,sie mussten sich richtig anstrengen, sie mussten ziemlich tief graben, mit aller Kraft ziehen und hebeln, es dauerte und dauerte, ihnen wurde ganz heiß, sie waren hinterher richtig kaputt.

Die Herzdame und ich saßen währenddessen im Auto. Eigentlich wollten wir zum Strand. Eigentlich wollten wir Kaffee trinken, eigentlich wollten wir auf die Seebrücke, eigentlich wollte ich die Promenade entlang gehen, eigentlich wollte ich mir die großartigen Villen dort ansehen, ich liebe die Bäderarchitektur. Wir saßen aber im Auto mit Blick auf graue Abbruchhäuser und Baustellensand – und alles war gut. Die Sonne kam zwischendurch raus, es war warm im Auto. Die Kinder spielten dahinten irgendwo. Das kann man auch einmal etwas länger aushalten. Wenn Sie Kinder haben und nach Ahlbeck auf Usedom kommen – einfach P1 folgen, die Autotüren öffnen, auf den Kies zeigen und die Kinder rauslassen. Das sind doch im Grunde die Tipps, die Familien unterwegs wirklich brauchen, das sind die Tipps, die familiären Frieden auf Reisen schaffen.

Und später waren wir dann auch noch am Strand, wie gestern bereits berichtet.

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