Nachdem ich gelesen habe, dass kreative Menschen sich unbedingt sofort Notizen machen sollten, wann immer ihnen etwas einfällt, habe ich das natürlich probiert. Man soll bei so etwas neugierig und aufgeschlossen bleiben, das ist wichtig, wenn man sich weiterentwickeln möchte. Und weiterentwickeln muss man sich, das steht auch überall. In der Theorie sammelt man durch diese permanenten und unbedingt handgeschriebenen Notizen viel mehr Ideen, die man später verarbeiten kann, ohne Notizen verliert man die Hälfte der guten Gedanken, wenn nicht mehr, wenn nicht sogar fast alle. Ich habe jetzt also immer, immer ein Notizbuch dabei. Und wenn ich etwas denke, das kommt ja ab und zu vor, stürze mich sofort auf den ersten halbwegs brauchbaren Gedanken. Und schreibe den auf. Egal, wo ich bin, egal, was ich gerade mache und mit wem. Ich rufe Gesprächspartnern ein hektisches “Oh, Moment!” zu und fange an zu schreiben.

Das ist tatsächlich spannend! Wenn man denn etwas denkt. Wenn man anfängt, sich bei dem Spiel zu langweilen, denkt man wohl nicht genug, das ist leider etwas ernüchternd. Umso kostbarer also die paar Perlen, die man sich wirklich erfolgreich notiert. Die man erwischt und konserviert, so dass man sie später in aller Ruhe ansehen und zu noch feineren Gedankengebilden weiterverarbeiten kann.

Es gibt nur ein Problem: Ich weiß schon nach kurzer Zeit nicht mehr, was ich da gemeint habe, mit dem ach so goldenen Satz. Dafür weiß ich jetzt recht sicher, dass ich weitgehend wirres Zeug denke und das auch noch erschreckend unleserlich aufschreibe. Ich möchte mich beim Nachlesen dauernd selbst beschimpfen, gefälligst präziser zu denken und ordentlicher zu schreiben, also wirklich.

Man wird also weder kreativer noch produktiver durch diese Methode, nein, man hält sich nach einer Weile eher für einen Trottel. Und man kommt auch nicht auf neue Ideen, schon gar nicht für Kolumnen. Oh, Moment!

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten

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