Woanders – Die sechsundzwanzigste Sonderausgabe Flucht und Fremdenfeindlichkeit

So, nach kleiner Erholungspause wieder weiter mit diesem Thema. Mal sehen, was von den nebenbei gesammelten Links der letzten Wochen überhaupt noch lesbar ist, ohne völlig überholt zu klingen.

Deutschland: Den ersten Text brauche ich im Grunde nur wegen der ausführlichen Plot-Schilderung. Denn es ist ja so – das kann so nicht sein. Das ist so unwahrscheinlich, es ist schon geradezu lachhaft. Auf Facebook kursierte gerade ein Witz über eine Konferenz von Drehbuchautoren, die genau wegen so einer schwachsinnigen Story Ärger bekommen. Weil sie einfach zu schlecht ausgedacht ist. Drei Brüder in dieser Konstellation in Sachsen, und sie heißen dann auch noch Hetze, na klar, haha. Der eine als Heimleiter in der AfD, der andere macht in Containern, der andere in Demos. Was haben wir gelacht. Es ist ja so, wenn man jetzt drei bis vier halbwegs vernünftige AutorInnen, BloggerInnen oder ähnliche Kreative bitten würde, sich eine Story über ein Dorf in Sachsen mit ankommenden Flüchtlimgen auszudenken, sie würden auf eine wesentlich wahrscheinlichere Version kommen. Nicht so elend klischeehaft, haarsträubend holzschnittartig, erbärmlich flach, schlicht schülerzeitungsmäßig, albern karikaturnah. Womit ich jetzt nichts gegen Schülerzeitungen sagen will, pardon. Die drei bis vier AutorInnen unserer Wahl würden auf ein Szenario kommen, das viel subtiler gestaltet wäre, feinsinniger ausgeführt, dezenter in den Details, realistischer in der Personengestaltung. Es wäre, da führt kein Weg daran vorbei, schlichtweg realistischer als die tatsächlichen Vorkommnisse. Die Literatur, das muss noch einmal wiederholt wären, würde sich für die allermeisten von uns also eindeutig echter anfühlen als die Wirklichkeit. Wir wären, es ist gar keine Frage, ziemlich sicher, welche Version da wohl stimmen kann, wenn man die Nachricht gegen den fiktiven Entwurf vergleichen würde. Müssen wir dann in Clausnitz und ähnlichen Gemeinden also nicht geradezu von einer Lügenwirklichkeit sprechen? Kommen wir damit jetzt nicht der Wahrheit näher? Und muss es uns stören, dass die Tatsachen dagegen sprechen, das stört die anderen doch auch nie? Da mal drüber nachdenken, wie der olle Kempowski gesagt hätte.

Deutschland: Da gibt es etwa einen längeren Artikel über die neuen Kinder in Golzow. Das Dorf in Brandenburg, in dem damals diese lange Dokumentation gedreht wurde – jetzt geht es um syrische Kinder, die der Bürgermeister dorthin geholt hat. Um eine Situation, die die Kommunalpolitiker ganzn und gar nicht bestellt haben, geht es in Sumte, aber auch das liest sich recht entspannt. Siehe auch Wiederau in, nanu, Sachsen.

Europa: Andere Kinder hängen währenddessen irgendwo an Grenzen fest oder klettern gerade über Zäune.

Island: Und um noch einmal etwas Nettes zu verlinken – in Island kann man sich ein paar mehr Flüchtlinge gut vorstellen: “Wir sind ja so wenige.”

Norwegen: Auch in Nordnorwegen läuft es ganz gut, nach diesem Bericht hier.

Frankreich: Ganz anders in Frankreich.

Europa: In der NZZ geht es um Architektur für Menschen, die schnell untergebracht werden müssen, die ein Dach über dem Kopf brauchen. Und beim Deutschlandfunk geht es auch um eine Idee zum Wohnen, aber noch etwas origineller. Obwohl, geschichtlich gesehen wird es tatsächlich gar nicht originell sein.

Deutschland: Es gibt jetzt eine arabische Zeitung aus Deutschland.

Deutschland: Den Kommentar eines Clausnitzers werden alle schon gelesen haben, oder? Na, hier zur Sicherheit.

Deutschland Nils Minkmar über die große Gereiztheit.

Deutschland: Medienarbeit, wie man sie gerne hat: Die Zeit lange und ausführlich über rechte Gewalttäter, die angeblich aus der Mitte kommen.

Und überhaupt: Meike Lobo über das Zeitalter der Massenhysterie. Patricia will nicht mehr zuschauen. Und es gibt hinter all dem noch etwas, das sich niemand auszusprechen traut. Obwohl es doch alle wissen.

3 comments

  1. fujolan

    Danke.
    Machst du bitte an den AFP-Link eine Warnung? Unvorbereitet sind die Fotos verdammt harte Kost.
    *wischt sich die Tränen weg

Kommentar verfassen