Wir haben ein neues Bett, in dem schlafe ich viel besser und entspannter als in dem vorherigen, obwohl es auch nur ein normales Doppelbett ohne jeden Spezialeffekt ist. Das finde ich beunruhigend. Sehr beunruhigend sogar. Wir haben dieses neue Bett nämlich nicht, weil mit dem alten Bett etwas nicht stimmte. Ich war zufrieden damit, es gab keine Klagen. Es war eben irgendein Bett, ich habe mir nie viele Gedanken über mein Bett gemacht, ich war da eher anspruchslos.

Wir haben das neue Bett nur, weil wir alles umdekoriert und verschoben haben, weil das alte Möbel danach einfach nicht mehr gut aussah. Das war also ein reiner Zufallstreffer, das mit dem besseren Schlafen. Ich habe nicht einmal gewusst, dass ich überhaupt besser schlafen kann, ich habe mein schlechtes Schlafen gar nicht als verbesserungsfähig erkannt. Ich dachte, das sei völlig normal, wie ich schlafe.  Und jetzt werde ich den Gedanken nicht mehr los – was könnte noch alles besser in meinem Leben sein, wenn ich etwas ändern würde, was mich bis jetzt gar nicht stört?

Einfach mal was versuchen, irgendwas ändern? Wieviel Potential ist da wohl noch, an Stellen, wo man mit normalen Gedanken im Alltag nicht hinkommt? Man kommt doch nie dazu, sich um das zu kümmern, was man jahrelang einfach so hinnimmt. Ein wahrer Abgrund, vor dem man da plötzlich gedanklich steht, das ist doch von geradezu philosophischem Interesse, da wird man glatt zum Denker und grübelt sich fest. Geht nicht fast alles auch anders? Und ist dann vielleicht sogar besser? Wenn man da länger drüber nachdenkt! Dann kommt man auf tausend Ideen, da hinterfragt man alles, da sieht man plötzlich überall unendlich viele Optionen. Die Gedanken rattern nur so – und dann kann man übrigens nicht mehr schlafen. Aber wenn ich nicht mehr schlafen kann, dann hätten wir ja auch gleich das alte Bett behalten können. Ist das kompliziert!

Ja, ich weiß schon, warum aus mir kein Denker geworden ist.

 

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten

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