Gestern gab es eine Swingtanzveranstaltung in einem Autohaus in der Hamburger Innenstadt. Das ist natürlich kein Autohaus, wie man es sich in meiner Kindheit vorgestellt hätte, das ist eher so eine hippe Bargeschichte, in der wie zufällig genau ein vollkommen unbezahlbares Auto herumsteht, als ob es eine nette und ganz selbstverständliche Dekoidee zum nachmittäglichen Latte Macchiato sei. Aus Sicht der Tanzenden stand natürlich auch dieses Einzelexemplar sinnlos im Weg herum. Egal, darum geht es nicht.

Dieser Laden hat ein Schaufenster, wenn man daran während der Musikveranstaltungen vorbeigeht, sieht man die Tanzenden und hört auch die Musik. Ich stand eine Weile mit der Herzdame vor dem Laden und sah mir an, wie die Passanten auf das Event reagierten. In der Regel war das ziemlich klischeemäßig, lebhaft interessierte Frauen, die in vielen Fällen auch sofort anfingen, etwas mitzuwippen oder sogar ein, zwei Schrittchen machten. Daneben skeptische Männer, die zum Weitergehen drängten, plötzlich irgendwohin mussten oder gottergeben abwarteten, bis sie endlich an diesem Kelch vorübergehen konnten. Es gab auch ein paar aufgeschlossene Männer, die waren aber klar in der Minderheit.

Zwei mit Einkaufstüten behängte Frauen sahen sich das eine ganze Weile an, was da in dem Laden passierte. Sie hörten auf die Musik, Bigbandsound aus der Vergangenheit, Peggy Lee und Fats Waller, Louis Prima und Amos Milburn und dergleichen, was auf Lindy-Hop-Partys eben läuft. Das ganze alte Zeug mit dem übergriffigen Rhythmus, bei dem man irgendwann unwillkürlich mitschnippt. Und die Frauen rätselten herum, was das denn nun sein könne. Nach längerem Nachdenken befanden sie schließlich: “Das ist wohl alles Achtzigerzeug, das ist mehr so cindylaupermäßig.”

Was für Menschen meines Alters wieder äußerst eindrücklich beweist: Die Achtziger, in denen man einmal jung war, sind mittlerweile auch schon verdammt lange her.

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