Wir haben, wie berichtet, das Jahresende genutzt, um die Wohnung wieder einmal umzubauen und etwas zu renovieren. Diese Wohnung, der ein Zimmer fehlt, nicht aber Grundfläche, eine etwas spezielle Situation. Wir können die Wände nicht verschieben, wohl aber die Möbel, wir haben da bereits eine gewisse Erfahrung. Gefühlt hat hier jedes Möbelstück schon an jeder nur irgend denkbaren Stelle gestanden. Und wenn uns gar keine Möglichkeiten mehr einfallen, tauschen wir einfach ein paar Möbel gegen neue aus, der eine oder andere wird das aus der eigenen Wohnung kennen. Man optimiert so vor sich hin.

Wir haben das Kinderzimmer gegen das Schlafzimmer getauscht, die Kinder haben jetzt deutlich mehr Platz, wir weniger. Das ist allerdings in Ordnung, denn die Kinder spielen gerne und viel auf dem Boden, die Herzdame und ich eher nicht. Das Schlafzimmer ist jetzt so kuschelig, dass man es gar nicht mehr verlassen möchte, auch dieser Artikel entsteht im Bett, so etwas gab es hier früher nie. Was bin ich wieder wandlungsfähig! Immer flexibel und beweglich bleiben, zumindest im Kopf, das ist ganz wichtig. Körperlich gilt das allerdings nur noch mit Einschränkungen, das merken wir gerade an den neuen Hochbetten der Söhne. Sie haben jetzt jeder so ein Hochbett mit Schreibtisch und Schrank und Regal drunter, jeder hat sozusagen seine eigene Insel im Raum, wenn sie schon keine eigenen Zimmer bekommen. Was ich so schlimm übrigens nicht finde, wir hatten damals ja auch keines, wir hatten überhaupt nichts.

Sie haben also neue und ziemlich hohe Betten, wir haben erst nach dem Aufbau gemerkt, dass wir Erwachsenen da oben kaum noch in die Lager hineinkommen. Also wir kommen schon hinein, es hat aber etwas von einer Zirkusnummer. Sie wissen schon, diese Schlangenmenschen, die sich in merkwürdig kleine Behältnisse sortieren können. Und wenn wir oben sind, können wir uns nicht mehr aufrichten, ohne an die Decke zu dengeln, es ist tatsächlich etwas kompliziert. Und es erfordert etwas Vorbereitung, sich von dort wieder hinunter zu bewegen, es will dabei gründlich überlegt sein, welcher Körperteil zuerst zu bewegen ist. Seit dem ersten Absturz überlege ich das noch etwas gründlicher. Die Söhne haben diese Probleme natürlich nicht, die turnen in ihrem Raum jetzt so munter herum, als hätten wir ein perfektes Biotop für ihre Altersphase geschaffen.

Um zwei Zimmer einer Dreizimmerwohnung gegeneinander zu tauschen und sie auch noch zu streichen, muss man jedenfalls, so viel noch als Erfahrungsbericht, sämtliche Möbel aus den beiden betroffenen Zimmern in den Rest der Wohnung schieben, was dazu führt, das dort garantiert etwas umfällt, wenn sich jemand bewegt. Wir haben zwei sehr bewegliche Söhne, den Rest kann man sich denken. Es war ein wenig herausfordernd.

Die Herzdame hat sich während der Umbauphase in einen immer ausgeprägteren Inneneinrichtungsrausch gesteigert. Sie las bis spät in die Nacht Wohnmagazine, schlief mit Farbfächern in der Hand ein und sah alles in dieser Wohnung, lebendes Inventar eingeschlossen, mit einem ganz neuen und beeindruckend entschlossenen Blick an. Ich hatte am Schreibtisch dauernd Angst, dass sie mir irgendwann im Vorbeigehen eine Husse überwerfen würde, um dann resolut “So schon besser!” zu verkünden und sich dann immer weiter tatkräftig dem nächsten Stück mit Optimierungsbedarf zu widmen.

Mein Schreibtisch ist wieder einmal das letzte noch unbewegte Teil der Wohnung, ich habe ihn, immer wieder die Ballade von John Maynard murmelnd, bis zum Schluss eisern umklammert. Eventuell wandert aber auch er am Wochenende an einen neuen Platz. Dann würde ich zum ersten Mal seit acht Jahren wieder regelmäßig bei Tageslicht schreiben – was mag das für die Texte auf dieser Seite ausmachen? Wird es hier wonnig-sonnig an jedem Tag mit blauem Himmel? Oder färbt jede vorbeiziehende Wolke die Inhalte grau und betrüblich? Denke ich beim Bick auf die Kirchturmuhr vor dem Wohnzimmerfenster unentwegt über Zeit und Vergänglichkeit nach? Oder bringt mich der Spielplatz vor der Kirche eher wieder auf Familiengeschichten? Ich kann mich tatsächlich gar nicht erinnern, wie es ist mit Aussicht zu schreiben. Spannend.

Falls hier aber in den nächsten Tagen immer noch erstaunlich wenig passiert – alles okay. Ich schiebe vermutlich nur gerade wieder irgendwas durch die Wohnung statt zu schreiben. Es kann sich nur noch um Wochen handeln.

 

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