Ich war auf dem Barcamp Hamburg, einer sehr gelungenen Veranstaltung mit zahllosen Vorträgen zu einer bunten Themenvielfalt. Wer das Prinzip Barcamp nicht kennt: Das sind offene Veranstaltungen, bei denen vorher nicht klar ist, worum es gehen wird. Jeder Teilnehmer kann morgens im großen Plenum Themen vorschlagen, wenn sie ein paar Leute interessieren, finden die Vorträge auch statt, sonst eben nicht. Thematisch kann zwischen technischen Internetfragen, hochspeziellen Marketingstrategien, Weinverkostungen und “Wie kommt der Honig ins Glas” so ziemlich alles passieren. Betont lustige und todernste Themen, Ersteinführungen für Dummies und Expertenpanels, Workshops, Diskussionsrunden, alles möglich. Es waren wirklich interessante Sessions dabei, es sind natürlich immer viel, viel mehr, als man hören könnte, das gehört zum Prinzip der Barcamps, es finden etliche Vorträge gleichzeitig statt.

So ein Barcamp ist für uns auch ein Familienevent. Die Herzdame hat ziemlich spontan selbst eine gute besuchte Session gehalten, über die Hilfe für die Geflüchteten in Sankt Georg. Die Söhne waren den ganzen Tag in der Kinderbetreuung des Barcamps, die ihnen sehr gefallen hat, das war auch im letzten Jahr schon so. Und ich schreibe jetzt etwas über die Veranstaltung, so hat hier jeder etwas davon.

Das mit den Kinder, das läuft da übrigens so entspannt und selbstverständlich, dass andere Veranstaltungen sich gerne daran ein Beispiel nehmen könnten. Das Gewusel in Kniehöhe gehört dort einfach dazu, es ist ganz selbstverständlich, da laufen eben Kinder herum, da haben Menschen eben Babys auf dem Arm und reden dennoch übers Business. Man muss eigentlich nur beschließen, es normal zu finden, dann läuft das schon. Eine Betreuerin und ein Betreuer, ein wenig Entgegenkommen der Erwachsenen, viele Schokobrötchen und Limo, mehr braucht man gar nicht.

Und auch bei solchen Kongress-Veranstaltungen gilt: Man bekommt so viel zurück. Die Kinder waren nämlich nicht nur einfach da, zwei von ihnen haben auch gleich einen Vortrag gehalten, und der hatte es in sich. Das waren zwei elfjährige Mädchen, die etwas über ihr Verhalten im Internet erzählen wollten, was alle Erwachsenen sofort so interessant fanden, dass der Saal sehr voll war. Und zu einem Vortrag kam es dann genau genommen gar nicht, die Gäste fingen einfach sofort an zu fragen, die Mädchen antworteten, es kamen mehr Fragen und noch mehr Fragen, wirklich sehr neugierige Erwachsene waren da im Publikum. Und die Antworten waren dann so beschaffen, dass nicht wenige, mich eingeschlosssen, zu der Erkenntnis kamen, dass diese beiden Mädchen mit ihren Smartphones und Computern womöglich lange nicht so junkiehaft und besessen umgehen wie wir. Wie mein Nebenmann mir irgendwann zuflüsterte: “Die sind cooler als wir, oder?” Und das ist ja auch einmal einen Gedanken wert.

Für Kinder, das wurde sehr deutlich, gibt es auf Barcamps wirklich gute Möglichkeiten, Erwachsenen die Welt zu erklären, Sohn I hat das am Rande mitbekommen und kann sich gut vorstellen, da auch einmal etwas zu erzählen. Das klingt nur wie eine nette Anekdote, ist aber pädagogisch eine wirklich feine Sache – denn die Kinder können sich früh für kompetent und mitmachfähig halten, der Graben zwischen ihnen und den Erwachsenen wirkt dann manchmal überraschend leicht überbrückbar. Ich finde das schön.

Ich habe auch einen Vortrag über Kanban im Privatleben gehört. Und da “Man kommt zu nix” einer meiner häufigsten Sätze ist, möchte ich da gerne noch etwas länger drüber nachdenken, denn womöglich ist an diesen Methoden etwas dran. Könnte ja sein. Ich neige sonst dazu, so etwas als Berater-Spinnkram abzutun, aber Arroganz ist bekanntlich auch nicht immer der richtige Weg. Und weil wir gerade spektakulär daran scheitern, die Aufgaben im Haushalt hier streitfrei und just in time zu verteilen, versuchen wir mal eine Art abgespecktes Familien-Kanban-System, warum auch nicht. Wer sich für die ausgefeiltere Variante mit allen tollen Anglizismen interessiert, hier etwas mehr dazu.

Wir haben uns ganz einfach mit diesen bunten Tape-Dingern ein Raster an die Wand gebastelt, fünf Spalten. Die erste als Pool, da kommen die Aufgaben rein, die jemand übernehmen muss. Dann vier Spalten, eine für jeden im Haushalt. Diese Spalten haben einen Trennstrich in der Mitte, oben steht, was zu tun ist, unten das, was getan wurde, was abgehakt ist. Wirklich ganz einfach.

Man kann das mal eine Woche oder länger testweise laufen lassen und an den Wochenenden nachsehen, wer was gemacht hat. Ohne Belohnungssystem, mir werden solche Sachen zu schnell merkantil geprägt. Wir nehmen das einfach nur als Sortierspiel, und auch ein wenig um Prioritäten festzulegen. Und natürlich, um ein wenig mit dem ewigen Konkurrenzdenken der Söhne zu spielen, die sich bereits nach wenigen Minuten in den Haaren hatten, wer denn nun die meisten Aufgaben übernehmen dürfe: “Die hatte ich zuerst!”

Das Spiel scheint jedenfalls wunderbar zu motivieren. Während ich hier tippe, saugt Sohn II so ekstatisch Staub, wie Jimy Hendrix Gitarre spielte. Ich werde hier keine Beweisfilme einstellen, aber der Vergleich ist so unpassend nicht.

Weil Sohn II aber noch nicht lesen kann, werden die Aufgabenzettel gezeichnet. Und da hier niemand großartig zeichnen kann, lassen die Bildchen auf den Post-Its erheblichen Raum zur Spekulation.

Kanban-Zettel

“Wir sollen Insekten zertreten!?”

“Das ist ein Wischdings, du Blödi!”

Von diesen Startschwierigkeiten abgesehen sind heute in wenigen Stunden schon überraschend viele Aufgabenzettel vom oberen “Machen”-Bereich in den unteren “Erledigt”-Bereich gewandert, Heinzelmännchen nichts dagegen. Ich bin gespannt, wie sich das System in der nächsten Woche bewährt. Und ich glaube, wir bauen hier zwischendurch ein kleines Ratespiel mit unseren allerschönsten Aufgabenzetteln ein.

 

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