Woanders – Die zwölfte Sonderausgabe Flucht und Fremdenfeindlichkeit

Und überhaupt: “Man müsste das Fähnchen der hintergründigen Erkenntnis hochalten.” Ein Kommentar von Ilija Trojanow mit einer eigentlich naheliegenden Sichtweise, die leider keine Chance auf allgemeine Wahrnehmung hat, nicht einmal in den Medien. Da flackert die Erkenntnis wohl mal kurz auf, ein Erglimmen in den Kommentarspalten, dann war es das schon wieder. Weil man mit Logik nun einmal nicht weiterkommt. Gut verdrängt ist auch die Frage nach dem Bösen und nach der Angst in der Gesellschaft. Man beguckt sich lieber kopfschütttelnd die Auswirkungen.

Deutschland: Ein Artikel über Einsiedler, die keine Fremden bei sich haben wollen. Einsiedel, das gehört zu Chemnitz. Ein hervorragender Artikel von Lenz Jacobsen, auf dessen Artikel man sowieso achten sollte.  Wie überhaupt bei dem aktuellen Topthema Flucht, das kann man ruhig einmal feststellen, die Berichterstattung der Zeit deutlich, wirklich deutlich über die anderer Medien hinausragt. Besser Reportagen, interessantere Fragen, spannendere Verzweigungen in Unterbereiche des Themas.

Deutschland: Bei der FAZ geht es um die Verleumdung von Politikern durch falsche Zitate, ein ziemlich gängiges Kampfmittel zur Zeit.

Deutschland: Christoph Twickel hat sich für die Zeit einen Hamburger Ausschnitt der Schattenwirtschaft angesehen, in der bei uns Menschen arbeiten, die dafür nicht die richtigen Papiere haben.

Deutschland: Eine zur Abwechslung etwas beruhigende Meldung ist dieser Bericht über die Stimmung bei deutschen Bürgermeistern. Und recht nett liest sich auch diese Meldung über Borkum. Schwieriger ist die Lage in Passau, wie man sich denken kann.

Deutschland: Aber es gibt auch Gründe, über die Angst und das Versagen zu schreiben.

Deutschland: Eine Frau fängt an zu helfen und steht an einem Zug: “I am your new Tanya now.”

Deutschland: “Und was passiert, wenn die Seele nicht mehr im Notfall-Modus hängt, sondern Morgenluft wittert und sich mal wieder zeigen darf? Richtig, sie flippt aus.

Deutschland: Eine ganz praktische Seite von der Verbraucherzentrale Hamburg, denn Geflüchtete sind auch Kunden, z.B. des Gesundheitssystems, der Telefongesellschaften etc. Wer irgendwo Hilfe leistet, wird solche Übersichten sicherlich nützlich finden.

Deutschland: Ein Kommentar zum “Ja, wir schaffen das” von Angela Merkel von Georg Diez. Ein Satz, der ziemlich zweifelfrei einmal in Geschchtsbüchern stehen wird, darunter eine Aufgabenformulierung, die mit “diskutieren Sie” enden wird. So viel Prognose darf sein.

Deutschland: Ein naheliegender Kommentar zur Lage bei den Wohnungen, zum verblüffend plötzlichen Ausblenden des Leerstands und zur Gier nach Neubauten auf der grünen Wiese. “Es stehen genug Wohnungen für Flüchtlinge leer.”

Deutschland: Im Landlebenblog geht es um die Wahrnehmung der Geflüchteten und der Krise in Berlin und auf dem Land.

Deutschland: Wie es sich anfühlt, nach längerer Abwesenheit jetzt nach Deutschland zurückzukommen beschreibt eine Korrespondentin der ARD: Heimkehr in ein anderes Land. Und auch ein Autor der SZ schreibt in seinem Blog über Deutschland, bzw. über das, was in Amerika davon ankommt.

Deutschland: In der taz geht es um die Strategien der Rechten, ein eher unangenehmes Thema, aber selbstverständlich notwenig. Immerhin ist die AfD in Teilen schon beim Schusswaffengebrauch an der Grenze angekommen. Nebensätze, die man mitbekommen sollte. Jens Scholz schreibt über rechte Argumentationsmuster.

Irland: Auch dort gibt es Menschen, die nicht willkommen sind. Und zwar schon ziemlich lange.

Libanon: Eine Meldung über die Lage im Libanon, wo mittlerweile jeder fünfte Mensch im Land aus Syrien kommt.

Griechenland: Ein Artikel über die privaten Helferinnen und Helfer auf Lesbos – Menschen aus aller Welt, die da hinreisen, um etwas zu tun.

7 comments

  1. Friederike

    Ich kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen. Was für eine Mühe, und was für links mal wieder, die man selber nie gefunden hätte. Und danke einmal mehr für den freundlichen Hinweis.

  2. Micha

    Was du hier alles an Infos zusammenträgst, ist wirklich imposant. Alles habe ich nicht gelesen, aber teils… Vielen Dank für deine Hinweise!

  3. Lisa

    Da muss ich auch zustimmen. Ich persönlich habe längst den Überblick verloren und bin sehr froh über die Linksammlungen hier, die mir helfen mich zu informieren.

  4. Dieter

    Zu der Umfrage unter den Bürgermeister habe ich eine Betrachtung gefunden, die das ganze nicht so entspannt sieht. Frank Lübberding hat in seinem Blog erklärt, dass die Formulierungen dieser Umfrage von den Pressesprechern der Bürgermeister kommen. Und diese Pressesprecher werden kaum sagen, dass sie die Sache nicht im Griff haben, genauso wenig wie die Pressesprecher von VW oder DFB sagen werden, dass die Kacke heftig am Dampfen es ein paar ernste Probleme gibt. Auch ein Brandbrief der NRW-Kommunen an die Kanzlerin ist weniger entspannt, schreibt er. http://www.wiesaussieht.de/2015/10/21/ganz-entspannt-mit-spiegel-online/
    Ich halte es für notwendig, die Lage so zu betrachten, wie sie ist, dann kann man die Menschen auf nötige Anstrengungen vorbereiten. Sonst endet die Sache wie die Rede von den „blühenden Landschaften“, die Erwartungen geweckt haben, die nicht zu halten waren.

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