Falls das jemand nicht kennt – ich habe vor längerer Zeit eine Sammlung von Texten zu Hamburger Stadtteilen initiiert, daraufhin haben ganz erstaunlich viele Menschen angefangen, ihre Stadtteile zu beschreiben, manche in diesem Blog, manche in anderen Blogs. Und weil das Nachdenken über die eigene Gegend wohl Spaß machte, schwappte das dann auch noch auf andere Städte über, es gab dann bald Texte über München, Riad, London usw.

Die Hauptlaufzeit der Aktion ist schon eine ganze Weile her, dennoch werden die Texte immer noch rege gelesen. Und jetzt gibt es auch noch einen Text über Hohenfelde, ganz frisch von Clara, die normalerweise hier bloggt und mir den Text heute geschickt hat. Hohenfelde, das ist ein Nachbarstadtteil unseres kleinen Bahnhofsviertels, und eine Ecke von Hamburg, die vermutlich auch viele Hamburger auf einem Stadtplan nicht korrekt einzeichnen könnten. Hohenfelde ist so ein Schnipsel der Stadt, bei dem man nach genauer Definition immer “Ach, das ist Hohenfelde” hört.

Es sind übrigens nach wie vor nicht alle Ecken der Stadt durchdefiniert, wer noch Lust hat, seinen Kiez zu betexten – immer her damit, per Link oder Artikel, das kann gerne immer noch weiter wachsen.

Und nun aber er Text von Clara Moring:

Hohenfelde – my hood!

Ich habe rüber gemacht – nach Hohenfelde! Nach 7 Jahren in der Papenhuder Strasse auf der Uhlenhorst ging es vor fast 10 Jahren auf die andere Seite des Kanals – in die Armgartstrasse. Direkt neben das ehrwürdige Gebäude, in dem bereits meine Mutter vor mehr als 50 Jahren Gestaltung studierte! Am Verkehrsknotenpunkt. Halb Hamburg fährt an unserem Wohn- und Esszimmer vorbei! Aber was soll es – ich mag Hohenfelde. Ein völlig unterschätzter Stadtteil!

„Wo wohnst Du?“

„Hohenfelde“

„Ach da fahr ich immer vorbei – das ist doch in der Nähe von Elmshorn“

„…äh.. nein“

Hohenfelde liegt mitten in der Stadt! Zwischen St-Georg, Uhlenhorst, Eilbek und Borgfelde – sogar an der Alster. Es ist ein beschaulicher Stadtteil mit mehreren kleinen Tante-Emma-Läden, inhabergeführten kleinen Apotheken und der Schwimmoper – der Alsterschwimmhalle. Ich liebe das Dörfliche in meinem Stadtteil. Charakteristisch ist der Kolonialwarenladen, der von zwei Brüdern im Hohenfelder Teil der Papenhuder Straße betrieben wird. Dort trifft man sich. Sucht man eine Wohnung – Andreas und sein Bruder wissen Bescheid. Möchte man Panini-Karten tauschen – kein Problem. Braucht man noch ‘ne Zutat zum Abendessen – die Herren haben es. Aber Obacht – es gibt hier noch Mittagspausen. So wie früher …

Mein Leben findet in dem Viertel statt. Wir wohnen hier, ich habe mein Büro in der Neubertstrasse und radel täglich mit dem Fahrrad durch den Stadtteil. Entlang am Kanal – unter der U-Bahn entlang – vorbei an der Maiboomschen Liebesbuche an die Liebende und Einsame ihre Verse gepinnt haben.

Sogar für die medizinische Versorgung ist hier gesorgt. Meine Tochter ist geborene Hohenfelderin – im Marienkrankenhaus.

Aber ich gebe es zu – ich mache auch mal rüber. Zweimal pro Tag ein paar Schritte über den Mundsburger Damm auf die Uhlenhorst zur KITA, auf die andere Seite vom Kanal zum Wochenmarkt am Immenhof und zum Einkaufen in die Lange Reihe. Da geht es über den Graumannsweg und die Barcastrasse – dort wo ein alter Herr eine Verkehrsinsel als Garten auserkoren hatte. Inzwischen ist er verstorben. Aber der Kellersche Garten wird nach wie vor von Anwohnern gepflegt! Ich mag mein Dorf in der großen Stadt.

In der Kopfsteinpflasterstraße, in der mein Büro liegt, steht eine Pinnwand. Eine einfache Pinnwand! Dort tauscht sich die Nachbarschaft aus – verabredet sich zu Flohmärkten oder White Dinners und auch unser Büro im Hinterhaus war damals dort angeschlagen. Man grüßt sich! Bin ich nicht im Büro, ist es mir auch schon mehrfach passiert dass der DHL Bote mir das Paket nach Hause brachte. „Sie waren nicht im Büro – ich dachte ich bring es Ihnen mal kurz rum“

Danke Hohenfelde – ich mag Dich!

 

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