Woanders – die achte Sonderausgabe Flucht und Fremdenfeindlichkeit

Deutschland: Jemand reicht ein paar Scheiben Käse über eine Theke und der Knoten ist geplatzt.

Deutschland: “Ich habe mich selten in meinem Leben so glücklich gefühlt.” Vermutlich einer der wichtigsten Sätze in den Artikeln der heutigen Sammlung.

Europa: John OIiver erklärt die Flüchtlingskrise. Selbstverständlich etwas speziell.

Deutschland: Im Spiegel erzählen Prominente mit Fluchthintergrund von ihren Erfahrungen. Man beachte den Teil mit der Fremdheit bei Frau Weisband.

Österreich: Tu felix austria – in Österreich geht der Präsident demonstrieren, ohne reflexmäßig in immer gleicher Weise von Freiheit und Verantwortung zu faseln. Auch mal schön.

Hamburg: Eine Frau vom NDR erzählt von einer Nacht am Hauptbahnhof. Nach dem Bericht versteht man auch, wieso man, wenn man morgens durch den Bahnhof geht, manchmal gar nicht weiß, wer da eigentlich fertiger aussieht, die Helferinnen oder die Menschen auf der langen Reise.

Deutschland: Apropos Dank, das ist auch ein neues Bild in diesem Land: Dankesdemos. Klingt wie ein griechischer Philosoph, hm?

Deutschland: Und in der taz bedankt sich Hilal Szegin und stellt dabei noch so einiges richtig, was “Helferkritiker” gerade von sich geben.

Sachsen: Und ich danke Neli, die per Kommentar zur letzten dieser Sammlungen auf diesen Artikel von Kitty Koma hinwies, ein weiterer Versuch, die Lage in und um Dresden zu erklären.

Deutschland: Zur Frage, ob das Gutmenschentum sich mit Willkommensaktionen an Bahnhöfen gefeiert habe, lang , ausführlich und recht besonnen die FAZ.

Deutschland: Gute Menschen auch in den kleinen Zeitungen, teils mit Begriffen benannt, die man so noch gar nicht wahrgenommen hat, etwa ehrenamtliche Makler.

Hamburg: Es herrscht weiterhin Chaos in der Stadt, wobei sich, wenn man genau aufpasst und mit Leuten spricht, die mit der Hilfe etwas zu tun haben, etwas abzeichnet, was man vielleicht auf den ersten Blick falsch verstehen könnte. Es liegt sehr oft gar nicht daran, dass irgendeine Ressource nicht da ist, erschöpft ist, verbraucht ist, wenn etwas nicht funktioniert. Es liegt oft schlicht daran, dass Behörden die Absprache untereinander nicht auf die Reihe kriegen und nach wie vor niemand zentral und übergreifend zuständig für die Lage ist, es liegt auch daran, dass der Bürgermeister im frühzeitigen Winterschlaf ist und ein funktionierendes Staatswesen einfach etwas anderes ist. Das finde ich schon wichtig.

Deutschland: Meike Winnemuth schreibt über das Aber und die Hilfe und Menschen, die von Tiefgarage zu Tiefgarage fahren, ein Bild übrigens, das vermutlich erschreckend wörtlich zutrifft.

Hamburg: Wie viel Arbeit und Engagement in scheinbar profanen Vorgängen steckt, das kann man wieder bei Sven nachlesen, der immer noch dabei ist, eine Unterkunft mit WLAN zu versorgen. Es ist sehr kompliziert.

Hamburg: Eine Begegnung der besonderen Art: Obdachlose besuchen die Massenunterkunft in den Messehallen, die mittlerweile schon wieder aufgelöst wurde.

Deutschland: Wer noch einmal über die Bürokratie in diesem Land staunen möchte – Näheres zum Märchen vom beschleunigten Asylverfahren.

Deutschland: Der Bundesinnenminister gab Sätze von sich, die man auch beim dritten Nachlesen nicht für möglich halten möchte. Die taz schreibt ebenso überdeutlich wie nachvollziehbar: “Dieser Minister ist widerlich.” Die Zeit etwas gemäßigter: “De Mazière ist nüchtern besser.” Noch einmal zur Erinnerung: Der Herr Minister ist Nachfahre französischer Flüchtlinge, die womöglich damals mit Postkutschen durch das ganze Land gefahren sind. Schlimm!

Deutschland: Der Spiegel kümmert sich derweil um Herrn Söder. Auch das völlig verdient.

Deutschland: Passend dazu ein Komentar mit dem offensichtlich notwendigen Hinweis: Refugees und Migrantinnen sind handelnde Subjekte. Eine Sichtweise, die manchmal etwas zu kurz kommt.

Deutschland: Etliche Texte zum Fremdsein bei einer Blogparade, alle gelistet beim sowieso immer lesenswerten Landlebenblog.

Berlin: Wie Geflüchtete und Sofas zusammenfinden.

Kosovo: Ein Migrationsforscher mit Hintergrundwissen zum Kosovo. Wer keine Zeit hat, liest vielleicht dennoch den letzten Absatz.

Deutschland: Beim mehrsprachigen Refugee-Guide für Deutschland kann man mal den deutschen Text nachlesen und sich fragen: Sind wir so? Hätte man selbst das auch so geschrieben? Oder hätte man ganz andere Aspekte betont? Schöne Aufgabe auch für die Oberstufe, sollte man meinen. Wie erklärt man dieses Land?

Deutschland: Die FAZ über die Situation der hochqualifizierten Flüchtlinge, die alle so dringend haben wollen.

Deutschland: Einer von denen, die vielleicht noch hier ankommen werden: Ateeq, 12 Jahre alt.

USA/Europa: Kann man eigentlich etwas von der Situation an der Südgrenze der USA lernen? Der Mediendienst-Integration mit Zahlen und Fakten.

Fotos: Bilder aus Südeuropa.

Fotos: Bei der Time gibt es nachkolorierte Bilder von Flüchtlingen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Und natürlich kommt man zur einzig möglichen Erkenntis: Es hat sich nichts geändert.

 

6 comments

  1. Anne

    Vielen Dank.
    Den Käsescheiben-Text sollte man dem vorgeblich um die Sportstunden ihrer Kinder besorgten sächsischen Landeselternrat als Hausaufgabe aufgeben. Ich mag ihre Pressemitteilung nicht verlinken; das 3. Argument ist umwerfend.

  2. Jochen

    Ich wollte einfach einmal DANKE sagen, für die ganze Arbeit die Du Dir machst.
    Wirklich toll.

  3. Anni

    Beim österreichischen Präsidenten darf man froh sein, dass er überhaupt inhaltlich was sagt. :-)
    Aber: viele haben aufgehört, stumm zu sein. Die schweigende Mehrheit ist nimmer stumm. Und das ist gut so.

  4. lihabiboun

    Ach Herr Buddenbohm, was für eine großartige Sammlung – auch von mir herzlichen Dank für Ihre Arbeit!

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