Die Söhne wollen immer noch ein Haustier, ich bin immer noch strikt dagegen. Sie gehen immer wieder alle nur denkbaren Tierarten durch. Hätten Sie Brehms Tierleben greifbar, sie würden mir wohl einfach das Register daraus vorlesen. Kakadu? Koala? Kuh? Bis Zwergwiesel, und dann wieder zurück zu Aal und von vorne. Sie schwärmen mir von den Vorteilen der Tiere vor, sie lassen die Nachteile sorgsam aus. Sie stellen sich als aufopferungsvolle Tierpfleger dar, sie sind heilig entschlossen, jederzeit alle Freuden des Lebens und jegliche freie Zeit dem Haustier unterzuordnen. Sie bitten und betteln, sie denken unentwegt über Strategien nach, wie man den unbarmherzigen Vater herumkriegen kann. Und verstehen gar nicht, wieso es bei diesem Thema nicht klappt. Was hat er denn nur? Er ist doch sonst ganz nett?

Tatsächlich habe ich bei Haustieren diese Blockade, die alle Eltern bei irgendeinem Thema haben. Die einen erlauben keine Comics, andere keine Spielzeugwaffen oder Süßigkeiten, ich möchte keine Tiere in der Wohnung. Und weil Kinder heute verhandlungsstark aufwachsen, erkläre ich es immer wieder. Gefühlt verbringe ich etwa eine Stunde des Tages mit der schon ritualisierten Haustierargumentation. “Du, Papa?” “Nein, und zwar weil …” Das läuft ganz von alleine ab, darüber muss ich nicht mehr nachdenken.

Ich habe auch gar nicht vor, mich umstimmen zu lassen, wirklich nicht. Aber ich bewundere die Söhne doch für ihre Argumente, es ist schon verblüffend, worauf der Mensch kommt, wenn er etwas dringend haben möchte. Und neulich war ich sogar kurz davor, ihnen so etwas wie den Gewinn der Hinrunde zuzugestehen. Und zwar für folgenden Satz, über den sie sicher lange, lange nachgedacht haben:

“Papa, können wir nicht doch ein Haustier? Wir möchten nicht immer nur mit Spinnen und Insekten spielen.”

(Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

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