Dieses Blog hat, wie sicherlich bekannt, einen Hauptsponsor, mit dem ich inhaltlich bestens zurecht komme, das ist eine Marke, die ich sehr gerne vertrete, die GLS Bank, für die ich auch wöchentlich schreibe. In einem gewissen Sinne ist das hier also eine Dauerwerbesendung, und da die Bank nicht irgendeine Bank ist, finde ich das auch richtig so. Zumal sich die Interessen und Werte, die die Bank vertritt, mit meinen stark überschneiden, zu dem wöchentlichen Wirtschaftsteil kam es überhaupt nur wegen dieser gemeinsamen Interessen.

Es gibt weitere Firmen, denen ich sozusagen freundschaftlich verbunden bin, weil mich interessiert, was sie machen, auch wenn sie hier nicht als Sponsor auftreten. Etwa die Regionalwert AG Hamburg für den norddeutschen Raum, bei der wir gerade, im Rahmen äußerst bescheidener Möglichkeiten, Miteigentümer geworden sind. Die werden hier sicher noch öfter vorkommen. Das ist eine tolle Sache, das Thema interessiert mich sehr, das verdient Unterstützung. Isa und ich haben den Vorstand, den Regionalulf, vor einiger Zeit hier interviewt, wenn man das liest, versteht man das sicherlich.

Beim Thema Reise, mit dem ich mich künftig gerne etwas mehr beschäftigen möchte, ist es auf den ersten Blick nicht ganz einfach, geeignete Partner zu finden, die in dieses Muster wenigstens halbwegs hineinpassen. Für die Südtirolreise ist das allerdings gelungen, da hatte ich den Sponsor Roter Hahn – für die Kontaktvermittlung übrigens Dank an Petra von Foodfreak.

Der Rote Hahn ist eine Verbundmarke für den Urlaub auf dem Bauernhof in Südtirol, da werden etwa 1.600 Betriebe vertreten. Das klingt banal touristisch, ist es aber nicht nur, da geht es noch um etwas mehr.

Wie in Deutschland auch, können in Südtirol immer mehr bäuerliche Betriebe allein durch die Landwirtschaft nicht mehr bestehen, schon gar nicht die Biobetriebe. Wenn man sieht, dass dort auf jedem nur irgend nutzbaren Fleckchen Boden ein Apfelbaum steht, kann man sich vorstellen, dass das Angebot nach der Ernte über die Nachfrage hinausgeht. Es gibt zu viele Äpfel auf dem europäischen Markt, zumal der Konsum eher rückläufig und der Handelsweg nach Russland im Moment nicht offen ist. Auf meine Frage, warum die Apfelanbaufläche immer noch weiter erweitert wurde und wird, gab es eine interessante, ganz einfache Antwort: “Weil man es den Bauern nicht verbieten kann.” Alleine auf den Obstanbau zu setzen ist aber hier nicht mehr der richtige Weg.

Die Bauern ergänzen den Betrieb seit Jahren immer öfter um Zimmervermietung, Hofläden, bäuerliche Schankbetriebe usw., man sucht überall nach weiteren Standbeinen. Im Grunde so, wie wir das hier auch von Höfen in halbwegs ansprechender Lage kennen. Allerdings sind die Kriterien in diesem Verbund so eng ausgelegt, dass die Bauern dabei immer garantiert hauptsächlich Bauern bleiben. Sie müssen also weiter Obst anbauen oder Tiere halten, sie müssen Produkte vom Hof anbieten können, sonst sind sie nicht mehr dabei. Sie dürfen nur eine begrenzte Anzahl von Zimmern haben (maximal fünf Wohnungen oder acht Zimmer), sie können nicht aus Scheunen große Hotels machen. Da geht es also nicht um Bauernhof-Attrappen, da geht es um den Erhalt lebendige Höfe und um die Frage, wie man die Region, die landwirtschaftlichen Produkte, die Landschaft, die bäuerlichen Berufe und den Tourismus unter einen Hut bekommt, ohne dabei eine Art Agrar-Disney-Land zu erschaffen. Oder den Disney-Faktor doch immerhin so gering wie möglich zu halten. Oder genau richtig, es ist, wenn man drüber nachdenkt, tatsächlich äußerst kompliziert.

Dafür muss man sich jedenfalls fragen, was bäuerliche Tradition in Südtirol eigentlich ist, da muss man regionale Güter und Besonderheiten definieren, da muss man sich auch mit der Bio-Frage auseinandersetzen, was nicht immer einfach ist. Ich habe mit einem Bauern gesprochen, der mir sehr überzeugt sagte “Jeder denkende Mensch landet irgendwann beim Bio-Anbau”, ein anderer, ein paar Felder weiter, hat mir genau so überzeugt vorgerechnet, wie wenig Pestizide auf seinen konventionell angebauten Äpfeln landen – das ist dort wie überall, die Sache ist nicht entschieden und Meinung steht gegen Meinung. Entschieden ist nur die Sache mit der Region, die Region soll hier vorgehen. Immerhin.

Und das scheint, auch abgesehen vom Roten Hahn, bestens zu funktionieren. Wenn man durch Südtirol fährt, sieht man enorm viele Hinweise auf regionale Produkte in handwerklicher Qualität, traditioneller Qualität, Bioqualität usw., das zieht sich durch. Für kulinarisch interessierte Reisende ist das eine sehr gute Nachricht, man bekommt selbst in kleinsten Betrieben, denen man von außen eher nur Imbissqualität zutraut, erstaunlich gutes Essen. Bestellt man Apfelschorle, ist die fast immer aus eigenem Anbau oder aus direkter Nachbarschaft, bei den Betrieben des Roten Hahns fragt man sogar vergeblich nach Cola oder Fanta, das gehört zum Prinzip – man bekommt aber ganz selbstverständlich so etwas wie selbstgemachte Holunder-Limo. Aus Früchten, die vermutlich im Umkreis von wenigen hundert Metern gewachsen sind. In diesem Regionalkonzept scheinen sich dort alle weitgehend einig zu sein.

Das Thema wird mich vielleicht noch etwas weiter umtreiben, da es mir gerade so vorkommt, als seien die Betriebe in Südtirol in dieser Hinsicht erheblich besser organisiert als z.B. die Betriebe an der Nordsee, das finde ich interessant, dem kann man auch noch weiter nachgehen. Wobei ich mehrfach gehört habe, dass die Südtiroler Bauern eine glänzende Tradition darin haben, sich gemeinsam zu organisieren, das sollen sie erheblich besser als andere können. Keine Ahnung, ob es stimmt, der flüchtige Eindruck nach nur einer Woche scheint es zu bestätigen.

Unter einigen Artikeln und Hinweisen zu unserer Südtirol-Reise wird man jedenfalls diesen Hinweis finden:

Roter Hahn

Ich habe mich in Südtirol mit Menschen vom Roten Hahn unterhalten, ich habe auch ein paar Betriebe besucht, die zu dieser Marke gehören, die werden hier in den nächsten Tagen zwischen den Reiseberichten als Reise-Tipp vorkommen und so ausgewiesen sein.

 

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