12 von 12 im Juli

Ich stelle gerade fest, dass der 12. sowohl im Juli als auch im August neben den Reisezeiten liegt. Wie gemein ist das denn! Da kann man ja gar keine Anbgeberbilder aus südlichen Gefilden oder vom Meer posten! Das ist wirklich enttäuschend, im nächsten Jahr müsssen wir den Urlaub anders planen. Mehr so auf die 12 optimiert.

Der Tag beginnt mit dem Brötchenholen, das in diesem Haushalt immer an dem hängt, der zuerst Hunger bekommt, also immer an mir. Da wir in der Stadtmitte einer Millionenstadt wohnen, kann man auf dem kurzen Weg entspannt die Hipster-Stellenanzeigen in den Schaufenstern durchlesen.

Stellenanzeige Ottos Burger

 

Dann Frühstück. Mich treibt ja ein wenig der Ehrgeiz um, das einmal so schön hinzubekommen, wie der Herr Leitmedium (siehe hier). Das ist nicht einfach, das ist ein hochgestecktes Ziel – aber ich bin auf gutem Weg.

Ei auf Teller

 

Nach dem Frühstück etwas Textarbeit, ich trinke Club-Mate und schreibe über Berlin, ich nenne es Method-Writing. Dann steige ich in einen Zug nach Oldenburg, um dort Isa zu treffen. Worum es da wohl ging! Die Auflösung wieder später im Jahr, sagen wir September.

Da ich neulich darüber geschrieben habe, dass meine Zugreisen immer ganz normal ausfallen, fällt diese natürlich nicht mehr normal aus, das muss wohl so sein. Der Zug hat, das habe ich auch noch nicht erlebt, nur Wagen der 1. Klasse. Sie mussten wohl ein paar tauschen und haben in der Eile keine anderen gefunden, das will man sich gar nicht genauer vorstellen. In den neuen Wagen hatten sämtliche Reservierungen keine Gültigkeit, ein paar Wagen fehlten auch weiterhin, ich konnte dann während der Fahrt wunderbar Aspekte des Volkszorns studieren, man macht sich keinen Begriff.

Wenn man die Bevölkerung wirklich auf die Barrikaden bringen will, dann braucht man weder Migranten, noch Griechenland, noch Überwachung – es reicht, einfach die Sitzplatzreservierungen zu streichen. Das war nicht schön, und mir tat der etwa neunjährige Junge sehr leid, der alleine reiste und etwas verängstigt mitten zwischen keifenden Erwachsenen saß, die sich um Plätze stritten, die Zugbegleiter anbrüllten und immer wieder „So ja nun nicht!“ schnaubten.  Und die ganze Fahrt über versuchten, sich gegenseitig um die Plätze zu bringen. „Ich war nur auf Toilette!“ „Der Platz war frei!“ Mir tat auch die Mutter leid, die im Gang mit zwei weinenden Kindern auf dem Boden saß, alle drei sichtlich am Ende der Beherrschung. Der Junge hatte „Mio, mein Mio“ auf dem Schoß, das ist als Trost in solchen Momenten auch nur bedingt geeignet. Es hat mich aber doch daran erinnert, dass ich dieses Buch für Sohn I noch besorgen muss.

Ich habe dennoch versucht, etwas zu lesen.

Berlin-Moskau

 

Ein sehr gutes Buch, ich habe es damals, als es erschien, schon einmal angelesen (stellt sich heraus – es steht sogar schon im Regal ,und ich habe eine Doublettte gekauft. Aber es steht im Herzdamenteil des Regals, da gucke ich natürlich nicht dauernd nach, die Gütergemeinschaft endet dort). Ein wirklich gutes Buch, allerdings geht der Text, wie der Titel schon sagt, nach Osten – und der Zug fuhr nach Westen. Ich weiß nicht, ob andere Menschen da auch empfindlich sind, ich mag so etwas nicht. Das ist doch schlimm unstimmig.

In Bremen stieg ich in einen Regionalexpress und fuhr über Delmenhorst (bei der Durchfahrt immer leise singen, quasi Ehrensache) nach Oldenburg. Also Oldenburg in Oldenburg, wie der Zugbegleiter durchsagte, nicht etwa Oldenburg in Holstein. Der Mann vor mir erzählte seiner Begleitung, dass er aus Oldenburg in Oldenburg käme, aber jahrelang in Oldenburg in Hostein gelebt habe. Ob der bei seinen Erinnerungen immer im Geiste „in Oldenburg“ oder „in Holstein“ an jede Szene dranhängt? Schicksale gibt es!

In Oldenburg ging ich vorbei an geschlossenen und sehr lustlos wirkenden Eros-Centern und vorbei an dieser bemerkenswert emotionalen Wandbotschaft in die Stadt.

Graffiti

 

Vorbei auch an berlinerisch wirkenden Gastro-Tempeln.

Pommesbude in Oldenburg

 

Dahinter wird Oldenburg dann ganz hübsch.

Oldenburg an der Hunte

 

Die Stadt ist am Sonntag allerdings nicht direkt als turbulent zu bezeichnen.

Straße in Oldenburg

 

Solche Szenen geben Abzug in der Metropolennote, da muss man ehrlich sein.

Straße in Oldenburg

 

Aber man darf sich nicht täuschen lassen!

Zettel - Oldenburg schläft nicht

 

Und wenn man genau hinsieht, dann merkt man, die Stadt ist in Bereitschaft. Da geht noch was. Irgendwann.

Klappstühle in Olddenburg

 

Was viele gar nicht wissen, in Oldenburg sind die Häuser durchgegendert. Rosa und Blau, da weiß man, wo man hingehört. Moderne Zeiten!

Rosa und blaue Wände

 

In Oldenburg haben wir dann etwas gearbeitet, was man so macht. Dann sind wir zurückgefahren. Und da ich jetzt schon 11 Bilder verbraten habe, reicht es nur noch für das Feierabendbier, übrigens eines, das ich sehr empfehlen kann. Ganz hervorragend, ein wirklich äußerst schwarzes Schwarzbier, auf dem Etikett steht der sensationell bescheuerte Slogan: „Ein Schwarzbier der maritimen Boheme“ Mit ohne Sonderzeichen. Ich mag es dennoch.

Kohlentrimmer Schwarzbier

 

Alle anderen Beiträge zu 12 von 12 im Juli bei Caro.

 

8 comments

  1. Alu

    Andere Oldenburg Einblicke als ich sie kenne. Danke dafür. Und das Buch fand ich auch toll. Lg alu

  2. Nico Lindner

    Moin, Max!

    Was hat dich zu uns nach Oldenburg getrieben? Komme ruhig mal an einem Samstag wieder – der Unterschied ist bemerkenswert.

    Best, Nic

  3. Ping: #12von12 im Juli | nullenundeinsenschubser
  4. Ralf

    Moin Herr Buddenbohm,
    also bei der Fahrt durch Delmenhorst darf ruhig laut singen. Merkt eh keiner. Die Delmenhorster scheinen den Zug zu meiden.
    Oldenburg dagegen ist ein durchaus achtbares Städtchen, immerhin die drittgrößte Stadt Niedersachsens. Was ja auch was aussagt. Mir jedenfalls hat es da gefallen: http://siegfriedweb.de/graphitto/?p=747

    Schönen Gruß
    -> jetzt erstmal »Delmenhorst« hören

  5. adelhaid

    in diesem zug habe ich, glaube ich, auch schon gesessen. alles 1. klasse wagen, aber aus den späten 80ern, wie es scheint. für mich eine angenehme überraschung, da ich diesen zug am späten abend betrat und da war’s nicht mehr so voll.

    und oldenburg – kann man machen.

  6. Christine

    Ich habe fast zehn Jahre meines Lebens in Oldenburg in Oldenburg verbracht. Und wenn ich irgendwas über „Oldenburg“ höre, dann ergänzt mein Gehirn ganz automatisch „in Oldenburg“.
    Trotzdem eine feine Stadt.

    Leider lebe ich nun im viel weniger malerischem Mönchengladbach. Man kann nicht immer Glück haben.

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