Am Wochenende war ich in Mannheim, allerdings nur knapp zwei Stunden lang. Und in diesen zwei Stunden habe ich es nur etwa hundert Meter aus dem Bahnhof heraus geschafft, dort hatte ich einen Termin. Bzw. wir hatten einen Termin, denn Isa war auch mit, da könnte man jetzt raten, worum es wohl ging. Spannend! Die Auflösung folgt später im Jahr, knallharter Cliffhanger auch mal in diesem Blog.

Isa wies mich übrigens irgendwann unterwegs im Zug darauf hin, dass der nächste Bahnhof Fulda sei. Zu Fulda habe ich eine super Pointe parat, also habe ich in der wie immer netzlosen Wüste zwischen den Bahnhöfen schnell einen Tweet vorbereitet, einen Fulda-Knaller-Tweet. Ich bereite auf Bahnreisen gerne Tweets vor, dann kann ich in den wenigen Minuten in Städten mit Netz mehr abschicken. Sie kennen das, nehme ich an. Und was war? Der Zug hielt in Frankfurt. Nicht in Fulda. Und Fulda kam auch später nicht. Lag auch gar nicht auf der Strecke, was ich natürlich nicht gemerkt habe, weil man mir zu süddeutscher Geografie alles erzählen kann, ich bin da leider gänzlich ahnungslos. Jetzt habe ich einen Fulda-Tweet in meinem Entwurfsordner und werde ihn so lange aufbewahren, bis ich da einmal vorbeikomme. Direkt darunter übrigens ein Weihnachtstweet, den ich im letzten Jahr nicht rechtzeitig abschicken konnte, seine Zeit wird auch noch kommen. Social-Media hat auch mit Geduld zu tun! Oder ich drücke doch eines Tages aus Versehen auf den Button „Alle senden“ und dann bin ich Weihnachten eben in Fulda, zumindest online. Es ist kompliziert.

Jedenfalls Mannheim. Man kann ja nicht reisen, ohne davon zu berichten, das geht gegen die Blogger-Ehre. Mannheim also. Denn es ist ja auch egal, wie lange man sich irgendwo aufhält, man nimmt doch immer einen Eindruck mit, man fühlt etwas, sieht etwas, assoziiert etwas. Oder man erinnert auch etwas, die Gedanken gehen zurück, habe ich diesen Ort schon einmal besucht? Die überraschende Antwort ist: jo.

Während ich nämlich sonst die Frage, ob ich irgendwo schon einmal war, ziemlich kategorisch verneinen kann, war ich tatsächlich schon in Mannheim, es ist sehr, sehr lange her. Ich war jung und karrierewillig, ich hatte gerade die erste Führungsposition inne und ich war in Sachen Online ein Topchecker ersten Grades. Ich war des Wissens übervoll, ich war auf der Höhe der Zeit, ich trug zu neue Anzüge und war viertel vor Überflug, also vollkommen unausstehlich, wie die meisten Menschen am Beginn der Karriere. Da war ich in Mannheim auf einer Konferenz zur Onlineforschung und hörte lauter Vorträge, von denen ich kein Wort verstand, was mich überhaupt nicht beeindruckte. Da würde ich mich schon noch reinarbeiten! Demnächst. Nebenbei. Neben mir saß eine junge Frau und hörte interessiert zu, schrieb mit, meldete sich sogar gelegentlich zu Wort, sie war schon auf den ersten Blick ein sehr ambitionierter und interessierter Mensch. So eine Frau, dachte ich, könnte ich doch prima in meiner Abteilung unterbringen, da könnte ich doch in meiner Glanzrolle als Führungskraftnachwuchs gleich mal super Personalentscheidungen klarmachen! Und ich habe ihr meine Karte gegeben und ein Praktikum angeboten, weil nämlich, ich Chef. Weißte Bescheid. Und die junge Dame hat gelächelt und mir dann ihre Karte gegeben.

Sie brauchte ganz sicher kein Praktikum. Sie war, wie ich später herausfand, ziemlich bekannt und hätte ich öfter ferngesehen, ich hätte das Gesicht sicher aus den Abendnachrichten im Fernsehen wiedererkannt, in denen sie regelmäßig einen Teil moderiert hat. Sie fand mich vermutlich bestenfalls niedlich.

Solche Erfahrungen muss man machen, das heilt von Arroganz, das ist elementar wichtig im Leben. Es ist aber auch statthaft, solche Erfahrungen im ersten Moment etwas peinlich und schwierig zu finden. Die Dankbarkeit kommt erst später, viel später. Das war also mein erster Tag in Mannheim, das lief nicht ganz so gut. Am zweiten Tag wäre ich dort fast von einer Straßenbahn erlegt worden, mit der man als Hamburger natürlich nicht rechnen kann. Und zwar war das so knapp, dass ich heute noch in Städten mit Straßenbahn etwas bewegungsgehemmt bin, und mich etwa in Basel dauernd panisch nach allen Seiten umgedreht habe, es muss nach Hauptfigur in einem Krimi ausgesehen haben.

Mannheim damals also, Scham und Schock, schwierige Erfahrungen. Mannheim 2015 sieht am Bahnhof so aus wie auf diesem Bild – und mehr weiß ich wirklich nicht von der Stadt. Nächstes Mal vielleicht mehr!

Mannheim

 

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