12 von 12 im Juni

Ein ganz normaler Tag diesmal, kein Ausflug, kein Geheimprojekt, kein gar nichts. Nur etwas Sommer und eine Ahnung von Wochenende.

Nüsse

 

Ich ernähre mich am Morgen wie gewohnt von dem, was Sohn I aus dem Müsli sortiert, ich bin ein genügsamer Familienvater. Drei Nüsse für Buddenputtel, ist schon recht. Ich brauche ja nix.

Frisur von Sohn II

 

Die Herzdame stylt derweil die Frisur von Sohn II mit einem Zeug, das tatsächlich wörtlich „krassen Halt“ verspricht. Was es alles gibt! Sohn II orientiert sich frisurtechnisch gerade an Sascha Lobo und an einem Kuschelrentier, das versehentlich im Januar nicht mit der Weihnachtskiste in den Keller gezogen ist. Warum das Rentier und Herr Lobo die gleiche Frisur haben, man weiß es nicht. Sohn II jedenfalls geht stolz mit Iro zur Kita, ihm ist in geradezu bewundernswerter Weise vollkommen schnurz, was andere davon halten. Was seine Erscheinung betrifft, ist er immer schon über alles Feedback erhaben, es ist faszinierend. Er ist er. Fertig. Ich hätte das als Kind nicht so gekonnt.

Himmel über dem Mariendom

 

Draußen findet derweil ein Wetterchen statt, sogar inklusive halbwegs warmer Temperaturen.

Aprikosen

 

Ich gehe ins Büro, aus dem Büro gibt es wie immer keine Bilder. Fast keine Bilder, denn mein rustikaler Obstsalat kann wohl ruhig abgebildet werden. Im Sommer stelle ich die Ernährung tagsüber auf Obst um, das gehört so. Von regional kann hier aber keine Rede sein, schlimm.

Bier

 

Nach der Arbeit in den Park. Wir haben in diesem Stadtteil, was sicher nicht alle haben, wir haben einen wirklich funktionierenden Park. Also einen Bilderbuchpark, in den alle gehen. Um zu spielen, um sich zu sonnen, um zu lesen, zu essen, zu trinken, Gitarrre zu üben, Fußball zu spielen, in die Gegend zu starren, zu reden. Der Park ist weder besonders groß, noch besonders schön, aber es ist unserer. Es gibt Gastronomie, es gibt Stühle, es gibt Toiletten. Und wenn man lange genug dort herumsitzt, dann trifft man den ganzen Stadtteil – das ist in der Kommunikation manchmal sogar wesentlich effizienter als Facebook. So ein Park ist das.

Stefan Zweig: Balzac

 

Da kann man also sitzen und lesen, zum Beispiel das letzte Buch von Stefan Zweig, von dem mir die erste Seite zwar sehr bekannt vorkommt, der Rest aber überhaupt nicht. Vermutlich vor Jahren schon einmal angefangen und dann doch davon abgekommen. Jetzt aber!

Pommes

 

Dazu ein wenig Gemüse, der Mensch lebt nicht von Obst alllein.

Erdbeere

 

Wobei etwas Obst aber auch noch geht.

Herzdame

 

Es ist heute übrigens etwas irritierend, ganz schnell zwischen der Herzdame und einer Erdbeere hin und herzusehen. Gucke ich also lieber wieder ins Buch. Mache zwischendurch die Augen zu und höre mir diese Parkgeräuschkulisse an, dieses Gemisch aus Stimmen und Straßenverkehr und Vogelsang und auftippenden Bällen und aufploppenden Flaschen und bellenden Hunden und Flugzeugen und Musik von irgendwo. Zu und zu schön.

Schriftzug "Frei sein"

 

Auf dem Heimweg sehe ich überall diese Schrift, von einer Künstlerin großzügig im Stadtteil verteilt. Alle paar Meter sieht man diesen Hinweis, diese Frage, diese Mahnung, was auch immer. Man kann das larifari-eso-trallala-mäßig finden, man kann natürlich auch darüber nachdenken.

Illegal gepartkes Fahrrad

 

Am Straßenrand derweil die katastrophalen Folgen von zu viel Freiheit, die reine Anarchie. Die Gegend verkommt immer mehr, je gentrifizierter sie ist.

Pflanzsets von Meinwoodie

 

Zuhause wartet Post von Ozan. Ozan ist erstens supernett und zweitens der Gründer von meinwoodie, einem Öko-Startup, das gerade in der Crowdfundingphase ist. Und nein, das ist keine bezahlte Werbung, die Idee des Unternehmens finde ich einfach sympathisch. Die Söhne haben jetzt jeder einen Topf, mal sehen, was daraus wird. Eigene Zucchini! Demnächst hier also auch ein Gartenblog, warum auch nicht.

3 comments

  1. Ping: 12 Bilder vom 12. Juni | monoxyd
  2. Haike

    Das ist ein schöner Tagesrückblick! Vielen Dank dafür. Den Iro von Sohn I oder II finde ich auch sehr mutig, den Park total anziehend, den rustikalen Obstsalat sehr rustikal und Stefan Zweig großartig.

    Einen lieben Gruß von der Terasse mit einer wahnsinnig anregenden Vogelkomunikation in deinen Park, den es so eigentlich gar nichtmehr gibt in der social media Zeit.

    Haike

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