(Es folgt ein Gastbeitrag von Patricia Cammarata. Die kennen Sie entweder von ihrem eigenen Blog oder von ihrem letzten Artikel bei mir – nämlich hier.

Wenn man Kinder hat, hat man nie wieder saubere Kleidung, kann nur blanke Nudeln essen und hat oft blaue Flecken an den Schienbeinen. Darüber schrieb ich bereits. Das ist natürlich sehr einseitig, denn zweifellos haben Kinder auch Vorteile.

Wenn sie älter werden, dann hat man z.B. sehr ähnliche Vorstellungen von gelungener Freizeitgestaltung. Im Großen und Ganzen bedeutet gelungene Freizeitgestaltung für Jugendliche nämlich „chillen“ – und zwar nachdem man bis mittags im Bett lag. Im optimalen Fall chillt man an einem Ort mit WLAN-Verbindung, denn im Grunde beschäftigt man sich den ganzen Tag damit, sich lustige Videos auf YouTube anzuschauen. Exakt so stelle ich mir mein Leben eigentlich auch vor. Endlich nicht mehr auf den Spielplatz müssen, kein Basteln mehr, keine Kinderlieder trällern und nie wieder Conni vorlesen.

Hinzu kommt, dass man Dinge tun kann, die ohne einen genervt dabeistehenden Alibi-Jugendlichen nicht mehr ohne weiteres möglich wären. Zu diesen Aktivitäten gehört beispielsweise Longboardfahren. Ohne Kind würde ich mir als Vierzigjährige ja kein eigenes Longboard kaufen, nur um das mal auszuprobieren. Undenkbar!

Weil ich auf eine Jugend voller gescheiterter Versuche Skateboard zu fahren zurück blicke, war ich an der Longboardsache schon immer interessiert und habe mich gefragt, warum diese Jugendlichen plötzlich eigentlich alle Longboardfahren. Die Antwort ist am Ende ganz einfach: Es ist sehr einfach und nicht zuletzt – es macht Spaß.

Als Teenager habe ich mich immer wieder am Skateboardfahren versucht und bin dabei kläglich gescheitert. Um überhaupt einigermaßen würdevoll geradeaus fahren zu können, muss man wirklich ziemlich viel üben. Das Gleichgewicht zu halten ist schwer, und wenn man sich dann noch an leichten Gefällen und/oder Kurven versucht, sieht man schnell aus wie eine Clownnummer in einem drittklassigen Zirkus.

Als Jugendliche mit einem zarten Selbstbewusstsein ist so etwas natürlich nicht zu ertragen, also habe ich es irgendwann aufgegeben. Als robuste Erwachsene geht das schon besser. Zumal glücklicherweise in kürzerer Vergangenheit die Longboards die Skateboards größtenteils verdrängt haben. Denn im Gegensatz zu Skateboards sind Longboards total leicht auszubalancieren. Es dauert also nicht Wochen bis man geradeaus fahren kann – nein schon nach zehn Minuten kann man sogar relativ zuverlässig Kurven fahren.

Ich hab mich also sehr gefreut, als das große Kind neulich ankam und nach einem Longboard verlangte. Da konnte ich mich generös zeigen und zum nächsten Anlass eines schenken.

Longboardfahren macht großen Spaß. Man muss nicht mal bremsen lernen. Was für mich z.B. beim Inlineskaten ein großes Problem darstellt. Wenn man zu schnell ist, steigt man einfach ab, und lässt das Longboard weiter fahren. Man schaut dann unbeteiligt in die Luft, und wenn das Longboard Passanten erschreckt oder anschrammt, wartet man einfach ab, bis die vorbei gezogen sind und holt es sich dann unauffällig wieder. Niemand vermutet eine Frau in meinem Alter als die Verursacherin solcher Ärgernisse. Alle schauen sich um und suchen nach unerzogenen Jugendlichen.

longboard

Der eigene Nachwuchs, also der, dem das Longboard eigentlich gehört, der wird übrigens auch nicht geschimpft. Der ist nämlich schon lange nicht mehr zu sehen, sondern schreibt an einem Artikel, wie peinlich und nervig Erwachsene auf geliehenen Longboards sind. Davon darf man sich aber nicht abhalten lassen. Jugendliche sind ohnehin ständig peinlich berührt von dem was Erwachsene – speziell ihre Mütter tun.

Man muss als Erwachsene mit einer gewissen Internetaffinität im Auge behalten, dass man, sobald man richtig gut Longboard fahren kann, auch als Ü30jährige einen YouTube Kanal aufmachen kann. Ich habe gehört, dass man schnell ein paar Hunderttausend Abonnenten hat. Dann muss man im Grunde nur auf die Sponsoren warten und endlich wird man reich. Das geht viel schneller als mit diesem altmodischen Bloggen.

So kann es eben auch kommen, wenn man Kinder hat. Kinder haben auch Vorteile, haben sie wirklich!


Patricia Cammarata ist IT-Projektleiterin, Psychologin und Mutter. Seit Mai 2004 bloggt sie unter dem Pseudonym
dasnuf. In ihrem Blog erzählt sie einer langen Familientradition folgend gerne Geschichten. Es fehlt ihr gelegentlich an Ernsthaftigkeit, aber so ist das eben, wenn man morgens gemeinsam mit den Kindern Clowns frühstückt.

 

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