Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wann immer wir hier soziale Themen aufgreifen, lässt es einen gruselnd vor den Kommentaren zurückschrecken, die unter den verlinkten Texten stehen. Oder zumindest kopfschüttelnd, ratlos. Christine Finke schreibt im Freitag über ihren Status als Alleinerziehende – unter dem Text werden Ihre vermeintlichen Lebensführungsfehler eifrig erläutert. “Selber Schuld” scheint immer noch eine reflexhafte Antwort auf fast alles zu sein, man kann da eine erstaunliche Härte herauslesen. Ist das die Härte der Bedrohten? Man liest doch so viel von dem immer gefährlicher werdenden Armutsrisiko?

Im folgenden Artikel wird versucht, dem Armutsbegriff etwas näher zu kommen, da begegnet man auch den Alleinerziehenden wieder – wen würde es wundern. Haben Alleinerziehende überhaupt eine Chance? “Auch in Deutschland sind nicht Kinder das Armutsrisiko, sondern auseinanderbrechende Elternpaare.”

Und gerade in Deutschland muss das Thema Armut immer mit dem Thema Chancen gemeinsam gedacht werden, nicht nur wegen der Alleinerziehenden. Nach wie vor sind Karrieren wie diese hier (sorry, Link kaputt) eher exotisch, die Gräben sind tief. Chancen sollen natürlich auch durch Inklusion eröffnet werden, das ist längst beschlossene Sache. Das klappt aber nicht so recht, wie es aussieht. Und Inklusion, das wird oft nicht bedacht, betrifft auch die Eltern behinderter Kinder. Wieso das so ist, kann man man in diesem Blog nachlesen – der Text bezog sich zwar auf den 1. Mai, das schadet inhaltlich aber überhaupt nicht. Es geht um unsichtbare Arbeit.

Und apropos Arbeit und Sozial, bei dem aktuellen Streik des Kita-Personals geht es übrigens, wenn man sich etwas genauer informiert, tatsächlich um einen Streik der Menschen in Sozial- und Erziehungsberufen. Das erklärt die Mutti hier etwas genauer.

Noch einmal kurz zurück zum Armutsbegriff – der fällt auch bei Journalisten übrigens oft etwas arm aus, denn alle Artikel zum Thema werden geradezu zwingend gleich illustriert – mit Menschen, die in Mülleimern wühlen, achten Sie mal drauf. Das ist für die Medien Armut, darüber kann man auch einmal nachdenken. So z.B. bei der Zeit, bei der man ebenfalls über die Armutsdefinitionen und die Ursachen grübelt.

Über die Ursachen nachzudenken kann nicht alles sein, Lösungen wären auch ganz nett. Zumindest kann man ja Modelle entwickeln, so etwa das des bedingungslosen Grundeinkommens. Da fängt man also quasi von unten an, neu zu denken – man kann aber auch weiter oben anfangen, die Sache mit dem Geld, dem Einkommen und dem Auskommen anders zu verstehen. Etwa dann, wenn man eine Gehaltserhöhung ablehnt und sich damit vom Zwang zur Steigerung verabschiedet.

Für den Freundeskreis Fahrrad haben wir zum Schluss noch einen Link einer eher ungewöhnlichen Quelle, nämlich von Karriere.de. Was haben die dort mit Fahrrädern im Sinn? Haben Fahrräder jetzt etwas mit Karriere und Führung zu tun? Na, so in etwa. Man beachte die Illustration, man will ja als Führungskraft richtig aussehen.

GLS Bank mit Sinn

 

One comment

  1. Christian

    Ich glaube nicht, dass „selbst Schuld” (nur?) die Härte der Bedrohten ist.
    Ich erinnere mich an die abgebrannte Bloggerin vor ein paar Jahren – und selbst wenn man wirklich schlampig mit billigen Steckdosen umgeht, dann ist die Gefahr abzubrennen ja nicht sooo hoch.
    Und trotzdem reagierte 90% der nicht-sofort-hilfsbereiten mit „naja, wenn sie nicht versichert ist, dann ist sie ja selbst Schuld.”

    Ich denke, es ist einfach die wirkungsvollste Methode, um nicht empathisch werden zu müssen, weil sie das problem komplett beim anderen lässt.

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