Woanders – diesmal mit Kinderbildern, Umgangsformen, Erdmöbel und anderem

Familie: Es gab und gibt wildeste Diskussionen zum Thema Kinderbilder im Netz. Einige Artikel sind bei Johnny verlinkt , der selbst wiederum einen der besten Texte zum Thema schreibt. Ein anderer guter Text beim Nuf, sogar mit vielen interessanten Kommentaren, das ist auch mal erfreulich. Und dann gibt es noch einen wichtigen Artikel beim Leitmedium, dort geht es auch um Texte, nicht nur um Bilder, das finde ich richtig so. Ich wurde anderweitig nach meiner Meinung gefragt, wobei ich ja bekanntlich der Meinung bin, gar nicht immer eine Meinung haben zu müssen. Oder zumindest keine felsenfeste. Tatsächlich entscheide ich das mit den Bildern zwar nicht nach Tagesform, wohl aber nach so etwas wie Jahresform und aktuellem Erkenntnisstand. Es gab hier lange überhaupt keine Bilder, bis ich einmal einen Auftragstext geschrieben habe, der ohne ein Bild der Söhne einfach keinen Sinn ergeben hätte. Der erschien dann tatsächlich mit Bild, das war bisher allerdings ein einmaliger Fall. Sohn II war gerade vor ein paar Wochen in einer Zeitschrift, von beiden Söhnen gab es auch einmal Babybilder online, wenn auch sehr wenige. Ich weiß nicht recht, was richtig ist. Oder ich weiß es nur für jetzt gerade – jetzt gerade erscheinen hier in der Regel keine Bilder von ihnen, es sei denn von hinten oder zumindest nahezu völlig unkenntlich. Wenn mir morgen ein guter Grund für eine andere Regelung einfällt, dann wird das eben so sein. Jede Familie hat ihre eigene Logik und ihre ganz eigene Situation, ich glaube bei solchen Themen generell nur bedingt an die Übertragbarkeit.

Wobei ich es immer deutlicher als Problem sehe, wenn Kinder in Bloggerhaushalten Eltern haben, die dauernd irgendwie auf Sendung sind, sie selber aber quasi unsichtbar sein sollen. Aus Gründen, die sie tendenziell eher nicht verstehen werden. Das ist nicht ganz einfach, und ich habe noch keinen perfekten Plan für diese Situation. In angemessener Form online zu erscheinen ist am Ende eben auch ein wichtiger Teil der Onlinekompetenz, die sie nach meiner Vorstellung irgendwann zu erlernen haben, womöglich von mir, wahrscheinlich sogar von mir, denn die Schule leistet das vermutlich nicht. Ich bin online nicht nur Konsument, ich bin online Produzent. Und mit oder ohne Absicht, ich bin damit evtl. ein Vorbild für die Kinder. Sohn I bloggt bereits mit, das wird vermutlich eher mehr als weniger. Wie weit darf er dabei eigentlich er sein? Oder, wie ich es auf Twitter formuliert habe – wann wächst den Kindern denn ein Gesicht? Mit sieben Jahren ist man dafür ganz sicher nicht alt genug, finde ich, aber ich weiß nicht genau, wann man das ist. Mit 12? Mit 14? Im besten Fall merke ich, wenn es soweit ist.

Nein, ich habe wirklich keine feste Meinung zu dem Thema, ich muss das immer wieder neu entscheiden. Die Onlinewelt ändert sich, die Kinder ändern sich – und im besten Fall bleibe ich auch flexibel. Wir teilen alle diese Artikel von den Achtjährigen aus den USA, die auf Youtube Unmengen Dollars mit Spielzeugtestvideos verdienen, wir klicken auf Tumblr-Postings mit lustigen Kinderbildern, aber die eigenen Kinder sollen um Gottes willen nicht stattfinden. Hm. Es ist wirklich kompliziert, ist es nicht? Ich finde auch die Argumente, die betonen, dass die Gesellschaft immer kinderloser wird, auch optisch, überhaupt nicht abwegig. Das stimmt durchaus – und das ist nicht gut so.

Im Moment meine ich, dass es keinen Grund für zahllose Kinderbilder im Netz gibt, ich finde aber ohnehin die ganze Bilder- und Selfie-Flut der Teenies und Erwachsenen vollkommen gruselig und abwegig, das ist alles nicht meins. Ich sehe das eher wie hier dargestellt, aber bitte, das soll jeder machen, wie er will und sich mein sinnloses Krückstockgefuchtel dazu einfach vorstellen. Ich finde es nicht tragisch, wenn ab und zu ein gutes Foto von einem Menschen egal wechen Alters erscheint, so eines, mit dem man mutmaßlich auch weiterhin noch gut leben kann. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder später blöd finden, was die Eltern zu dem Thema einmal entschieden haben, sie liegt eh bei vermutlich 90%, ganz egal, wie viele Gedanken man sich jemals gemacht hat.

Also, ich habe heute wohl doch eine Meinung, aber ich gebe gar nicht viel darauf. Ich kann morgen einen anderen Beschluss fassen. Man muss sich eh immer wieder fragen, ob die Konsequenz, mit der man gerade eine Meinung vertritt, wirklich eine charakterliche Heldentat ist, oder vielleicht doch nur eine Sparmaßnahme im Denkprozess. Zu dem Stil übrigens, in dem auch beim Thema Kinderbilder manchmal argumentiert wird, siehe Don Dahlmanns “Fuck-off-Text” über rabiate Umgangsformen.

Familie: Der Titel klingt, als würde es noch einmal um die Medien und die Kinder gehen, das tut es dann auch, aber doch ganz anders, denn der Sohn von Frau Modeste ist selbst Instagram.

Familie: Und dann noch Frau Novemberregen über die Medienerziehung und wie lange ein Kind was darf. Man beachte den Abschnitt mit dem Zeitfenster – das ist sehr richtig und wird ganz merkwürdig wenig bedacht.

Feuilleton: Es gibt ein neues Video von Katzenjammer. Katzenjammer ist super.

Feuilleton/Gesellschaft: Falls die Kolumne jemand nicht kennt, in der Zeit kann man mit dem Bundesrichter Thomas Fischer nachdenken. Über Recht und Gesellschaft, Literatur und Philosophie und Verbrechen – und das ist unbedingt empfehlenswert, auch die älteren Ausgaben.

Feuilleton: In der FAZ geht es um den Hörbuchmarkt in Deutschland. Ich würde eigentlich auch gerne ab und zu ein Hörbuch konsumieren, ich weiß nur nicht, wann ich das könnte. Ich glaube, Hörbücher sind eher was für Jogger. Oder für Privatiers mit reichlich Zeitguthaben? Für Menschen, die im Auto täglich eine Stunde zur Arbeit pendeln? Oder wie machen das die Leute denn bloß alle?

Hamburg: Ein Farbfilm aus Hamburg, gedreht 1945.

 

 

11 comments

  1. giardino

    Danke. Man sollte generell öfter zunächst mal davon ausgehen, dass Leute für sich (oder ihre Kinder) die momentan richtigen und passenden Entscheidungen treffen. Und wenn man die Ebene von Moral und persönlichen Vorwürfen mal hinter sich gelassen hat, brauchen wir die Debatte, inwieweit Kinder online wie offline in unserer Gesellschaft überhaupt noch oder nicht mehr sichtbar sein sollen, um so dringender.

  2. Ping: Kinderbilder im Netz? | needless to say
  3. Bertrand

    Vorweg; Ein Netz ohne Kinder wäre genauso arm wie ein Netz ohne Katzen. Schade, diese Debatte ist halt typisch Deutsch (die German Angst) und manifestiert sich zum Teil auch typisch Deutsch. Zum Teil sicher berechtigt zum Teil auch völlig überzogen geführt. Richtig ist jedoch, jeder nach seinem Gusto.

  4. endorphenium

    die debatte um kinderfotos im netz ist spannend. und ich bin da auch sehr unschlüssig. aber mit säugling im haushalt wird es ja doch auch auf einmal relevant. aber es ist gut zu hören, dass man nicht für immer entschieden sein muss und auch gar keine richtigen gründe dafür haben muss, wie man darüber denkt.

    die selfies finde ich dagegen überhaupt nicht gruselig, sondern eher toll. warum, dass habe ich in über selfiesversucht als antwort auf jörgen camrath zu beschreiben. ich finde, dass das auch hier passt.

  5. obadoba

    Das mit den Hörbüchern geht so wunderbar nebenbei, deswegen geht das auch so einfach. Putzen? Hörbuch. Bügeln? Hörbuch. Aufräumen? Hörbuch. Staubsaugen, Rasen mähen, Unkrautzupfen? Hörbuch. Manchmal auch in 10-Minutenabschnitten, es ist erstaunlich wieviel Zeit da völlig mühelos zusammenkommt.

  6. Ping: Das Recht am eigenen Foto | Das Nuf Advanced
  7. woerterwege

    In Sachen Hörbuch: Nüsse knacken eignet sich auch ganz gut als Nebentätigkeit.
    Ansonsten hat obadoba ja schon alles dazu gesagt.
    Unsere Wohnung ist jedenfalls immer dann am saubersten, wenn ich mal wieder ein gutes Hörbuch erwischt habe.

  8. qwert

    Zur Debatte von Kinderfotos im Netz: Ich gehöre ja zu der glücklichen Generation, die bereits mit ein wenig Internet aufgewachsen ist. Soll heißen: seit ich 13 war gab es in meinem Elternhaushalt einen Computer mit sehr langsamem und wenigem Internet. Und: ich bin seeehr froh, damals (fast) immer so klug gewesen zu sein, nicht meinen echten Namen anzugeben. Für Fotos war eh alles noch zu lahm, das lohnte nicht. Die Accounts von damals sind längst gelöscht, die Bekanntschaften auch. Was ich aber daraus mitnehme: nein, mit 14 ist man nicht alt genug, um alle Folgen im Internet abzuschätzen. Vielleicht heute mehr, weil man besser weiß, was es mit diesem Ding auf sich hat. Ich habe damals (und auch noch in den folgenden Jahren) lautstark im Netz dermaßen obskure Meinungen vertreten, dass ich heilfroh bin, dass die heute eben nicht googlebar sind. Ändern kann man sich zwar sicher immer nochmal im Leben. Mit zwanzig ist das aber nahezu pflicht. Und da ist es ganz angenehm, wenn man sich auch online nochmal neu erfinden darf.

  9. Katarina

    Das sehe ich auch ganz genauso wie du. Vor allem aber sollte das Verurteilen von anderen Elternentscheidungen mal aufhören, man sollte doch meinen jede Familie macht sich Gedanken und überlegt was für sie am besten, am praktikabelsten und generell auch am vertretbarsten ist.

  10. Ping: Melange der Woche | Karinko's Melange
  11. Ping: Über die Privatheit von Familienblogs – Das Nuf Advanced

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