Woanders – Der Wirtschaftsteil

Es geht um Flüchtlinge – und je nach Nachrichtenlage denkt man da eher an die Fremdenfeindlichkeit am rechten und anscheinend recht breiten Rand oder aber an die Willkommenskultur. Nicht wenige haben einen Vorfall in Pinneberg bei Hamburg in dieser Woche mit dem Wort “Willkommenskultur” kommentiert. Das ist natürlich reiner Zynismus, aber tatsächlich kann man eben als Fremder in Deutschland auch an Bahnsteigkarten scheitern.

Man kann die Willkommenskultur an vielen Beispielen diskutieren, an verschiedenen Betreuungsmodellen, Schulen, Förderprogrammen usw. Oder am Beispiel einer Insel, warum auch nicht. Etwa Juist. In diesem Artikel steckt so viel, das reicht schon mindestens für einen Fernsehfilm, wenn nicht für einen Zweiteiler.

Es gibt aber vereinzelt auch Meldungen, in denen es tatsächlich nur um die Aspekte geht, die es Flüchtlingen etwas leichter machen, sich hier zurechtzufinden. Manchmal ist das sogar ganz wörtlich gemeint, etwa in der Stadt Witten.

Oder man liest, dass an der Uni Lüneburg Flüchtlinge immerhin als Gasthörer willkommen sind, auch in diesem Artikel fällt dann das Wort “Willkommenskultur”. Wobei man sich, wenn man schon über Unis nachdenkt, übrigens auch fragen kann, was es Flüchtlingen nützt, wenn sie bereits mit akademischer Ausbildung bei uns ankommen. Und wenn sie sogar Abschlüsse in Bereichen haben, die bei uns mittlerweile eher schwach besetzt sind. Fast kann man es leider raten: Es nützt gar nichts.

Man findet auch bei fleißiger Suche gar nicht so viele Meldungen, die sich auf die positiven Aspekte beschränken. Und vermutlich muss das auch so sein, weil sich das Thema Fremdenfeindlichkeit einfach nicht mehr übersehen lässt, man kann das nicht ignorieren. Bei den Krautreportern gibt es einen langen Artikel über die Auswirkungen von fremdenfeindlichen Äußerungen, dargestellt am Beispiel des Görlitzer Kaufhausinvestors, die Story war vor einigen Wochen auch in den Nachrichten.

Man muss vermutlich immer wieder und wieder daran erinnern, dass sich diese Fremdenfeindlichkeit gegen Menschen richtet, die Geschichten hinter sich haben, die wir uns gar nicht vorstellen können. Bei der taz gibt es zu einer dieser Geschichten ein Special, das es in sich hat.

Oder man liest woanders eine dieser Geschichten, etwa bei der Schriftstellerin Zoë Beck. Es handelt sich nicht um eine fiktive Geschichte: “Leben ohne Träume”.

Und Geschichten, viele sogar, gibt es auch zu den Orten, in denen die Flüchtlinge landen. Zu den Helfern, zu den Einrichtungen. Der SWR mit einem bemerkenswerten Multimediastück zu Meßstetten und den Menschen dort. Und wie sie mit den Asylsuchenden in der Kaserne nebenan umgehen. Aber es gibt natürlich auch Kommentare, die generell von der Unterbringung in Dörfern abraten. Die Kommentare unter dem Artikel scheinen intensiv moderiert zu sein und sind gar nicht uninteressant.

An dem Tag, an dem diese Kolumne entstand, brannten in Deutschland zwei Flüchtlingsheime und eine Moschee, eine orthodoxe Kirche wurde mit Brandanschlägen bedroht. Es ist noch nicht klar, warum und durch wen oder was. Es ist immerhin klar, es gab keine Verletzten. Aber da sitzt man dann vor den Nachrichten und mag es nicht glauben, wenn noch eine Meldung dieser Art und noch eine kommt. Und dann kommt noch eine, da sind wir wieder ganz bei wirtschaftlichen Fragen, zur Schwierigkeit, die Einrichtungen für Flüchtlinge zu versichern.

Aber das ist nun einmal zur Zeit die Nachrichtenlage und das lassen wir jetzt einfach mal so unfassbar stehen. Es hat womöglich alles etwas mit der Willkommenskultur zu tun, nicht wahr. Die 400 Menschen, die gestern im Mittelmeer auf der Flucht starben, sie waren jedenfalls nicht willkommen.

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