Mehrere Menschen um mich herum zählen neuerdings ihre Schritte. Das geht mit Handys ganz einfach, man muss das Handy nur mit einer Zähl-App in der Hosentasche haben. 10.000 Schritte pro Tag sollten es wohl sein, die muss man absolvieren, wenn man halbwegs fit sein möchte. Mehr sind natürlich noch besser. Nach neuerer Erkenntnis ist Sitzen nämlich das Böse schlechthin. Stehe auf und wandle! Das sagt einem nicht mehr die Bibel, das sagt jetzt jede Zeitschrift und jede Ratgebersendung. Aber schaffe ich jeden Tag 10.00 Schritte? Ich habe mitgespielt und gezählt, ich bin bei so etwas ja neugierig.

Manche halten 10.000 Schritte am Tag für ziemlich viel, manche für normal, mein Durchschnitt liegt deutlich darüber. Ich habe zwei Kinder und laufe schon etwa 4.000 Schritte pro Tag den Kindern hinterher, und das sogar ohne die Wohnung zu verlassen. Als ich neulich mit den Söhnen zu Fuß beim Zahnarzt und danach beim Einkaufen und dann noch auf dem Spielplatz im Park war, schickte mir die Schrittzähl-App einen Glückwunsch, ich hätte gerade so viel getan wie bei einer Bergwanderung. Familienleben ist also reiner Sport, ich habe es immer geahnt.

Aber es hat noch einen ganz anderen Grund, warum ich auf viel mehr Schritte als 10.000 pro Tag komme. Die Söhne prüfen nämlich abends meinen Zähler. Und wenn er noch deutlich unter dem Soll ist, dann schnappen sie sich das Handy und rennen damit mal eben ein paarmal um den Block. “Wir wollen ja einen fitten Vater”, hat der größere Sohn gesagt, als er keuchend von der großen Runde zurückkam und mir stolz die 16.000 auf dem Zähler zeigte. Je höher die Zahl, desto gesünder der Papa, das hat er soweit korrekt verstanden.

Familienleben ist Sport, das ist völlig richtig. Aber man bekommt auch tatsächlich viel zurück. Schritt für Schritt.

 (Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

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