Ich habe vor über zehn Jahren zur Herzdame offiziell Ja gesagt. Eine der Langzeitfolgen dieser Entscheidung ist, dass ich immer öfter Ja zu ihr sage, einfach weil es nun einmal meist die richtige Antwort ist. Man hat als Paar ja irgendwann so eine Alltagsroutine, die meist um das Erwartbare kreist, man kann also dauernd etwas bejahen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sagt: “Geh mir ein Einhorn jagen” ist gering. Sie sagt eher: “Bring Milch mit.” Dem kann ich bedenkenlos zustimmen.

Auch dann, wenn ich nicht zugehört habe, was in langjährigen Beziehungen durchaus vorkommt, wer würde das leugnen. Es spricht eben dauernd neben einem, das ist so ein Alltagsgeräusch, da kann man nebenbei auch an anderes denken. Wenn die Herzdame aufhört zu sprechen und erwartungsvoll guckt, sage ich: “Ja, Schatz.” Und mache damit fast immer alles richtig, denn ein Ja ist das, was gewünscht ist. Irgendwann erinnert sie mich daran, was ich da zugesagt habe. Dann bringe ich den Müll runter oder hole Brötchen oder die Kinder irgendwo ab. Oder was auch immer. In langjährigen Beziehungen stellt man keine seltsamen Forderungen mehr an den Partner, man bestellt überschaubare, realistische Handlungen.

Deswegen wundere ich mich, dass ich neulich zugesagt haben soll, in der Fastenzeit auf Zucker zu verzichten. Die Herzdame erinnert sich aber ganz deutlich an das Gespräch und auch an meine Reaktion, sie kann den Dialog sogar nahezu wörtlich wiedergeben. Sie wird also vermutlich Recht haben, wie immer. Das ist dann wohl dieses riskante eine Prozent aller Fälle, bei dem man mit dem Ja doch nicht ganz richtig liegt. Es gibt jetzt aber kein Zurückweichen mehr, da muss ich wohl durch. Auch wenn mir die Idee des Fastens eher fremd ist, was soll‘s.

Ich mache also in diesem Jahr mit, na klar doch. Ein Mann, ein Wort, versteht sich! Nein, ein Mann, zwei Wörter: “Ja, Schatz”.

(Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

 

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