Fragen an die Söhne

Ich wurde hier gebeten, Fragen zu notieren, die Fremde an meine Kinder richten. Da musste ich erstaunlich lange nachdenken, was vielleicht daran liegt, dass wir in Hamburg wohnen. Wenn man sich hier fremd ist, dann spricht man sich nun einmal nicht an. Nein, auch Kinder nicht. Weder Sohn I, noch Sohn II werden dauernd von irgendwem irgend etwas gefragt, nicht beim Einkaufen, nicht auf dem Schulweg, nicht auf dem Spielplatz. Das scheint in anderen Gegenden anders zu sein.

Damit es dennoch eine Antwort gibt, nehme ich dafür die beiden häufigsten Fragen, die den Jungs von Erwachsenen gestellt werden – die dann allerdings eher keine fremden Erwachsenen sind.

Wenn wir mit dem Auto irgendwo hinfahren, etwa um jemanden zu besuchen, dann fragt man aus guten Gründen, wenn wir aus dem Auto steigen, Sohn II: “Und? Haste gekotzt?” Seine Antwort darauf ist in nahezu jedem Fall wahrheitsgemäß: “Jo.”

Und seit ein paar Monaten fragen nahezu alle Erwachsenen, die uns in egal welchem Kontext begegnen, Sohn I: “Und? Wie ist die Schule?”

Worauf die Antwort übrigens auch in jedem Fall “Jo” ist. Mehr hat er dazu nämlich nicht zu sagen. Schule ist zwar eindeutig super, aber die Frage nervt ihn allmählich doch sehr. Er fragt ja auch nicht jeden Erwachsenen bei jedem Treffen, wie es im Job so ist.

Die Söhne lernen hier also sehr früh, dass “Jo” eine sowohl zureichende als auch universal brauchbare Antwort ist. Das ist pädagogisch sicher nicht verkehrt.

 

5 comments

  1. Floyd

    Vielen Dank fürs Mitmachen. Das mit dem Kotzen ist sicherlich nur eine Phase. Eine, die ich in deinem Bucn glaube ich nicht finden konnte. Dennoch musste ich herzlich lachen. Entschuldigung dafür.

    Was ich natürlich nicht bedacht habe: Die regionalen Unterschiede. Wie konnte ich nur. Aber ich kann dich beruhigen. Berlin meldet mir, dass ihren Kindern ebenfalls keine Fragen gestellt werden, ihre Kinder aber dafür häufiger angetatscht werden.

    Aber 2 Fragen finde ich für Hamburg schon eine beachtliche Leistung. Und deshalb: Danke!

  2. mariong

    Naja, hier am Rhein, in der Mainzer Gegend fühlt man sich mit niemandem fremd. Deshalb sind wir mit unserer lockeren Art bei einem Hamburgbesuch sehr angeeckt bzw. auf Beton gestoßen. Kinder werden da nicht ausgenommen, werden also gefragt nach ihrem Alter, danach wie es ihnen in dem Kindergärten, der Schule, dem Turnverein geht….
    Da das Kind schon sehr groß ist, werden die Fragen weniger dämlich und mehr smalltalk, also schon damlich, aber nicht mehr so von oben herab.

  3. Pia

    Lieber Herr Buddenbohm,

    mit „Jo“ kommen viele Männer hervorragend durchs kommplette Leben. Nur durchs Beziehungsleben vielleicht nicht. Haben Sie bitte Mitleid mit den künftigen Lebensabschnittsfrauen Ihrer Söhne, die sich in 20 Jahren ihre Zähne am „Jo“ ausbeißen.. 😉

  4. Hans-Georg

    Ich finde die Reaktionen der Söhne genial, besonders im Hinblick darauf, dass wiederholt gestellte Fragen einfach nerven. Liebe Buddenbohms, ich kann sie zu den beiden Jungs nur beglückwünschen.

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