Woanders – der Wirtschaftsteil

Ob es daran liegt, dass im Sommerloch alle Journalisten vor kleinen Snacktellerchen sitzen und unschlüssig auf leere Bildschirme starren, ob es daran liegt, dass sie sich mühsam überschüssige Pfunde abtrainieren und deswegen über jede Kalorie nachdenken, man weiß es nicht – aber die Artikel über Ernährung fliegen tief in diesem Sommer. Etwa bei der brandeins. Das hat aber Frau Haessy freundlicherweise schon nett beantwortet, da muss man nichts mehr machen.

Artikel, die gewisse Lebensmittel freisprechen, sie kursieren gerade en masse. Fett ist super, Zucker macht nichts, Fleisch ist toll und es muss nicht alles bio sein, das verlinken wir alles gar nicht erst. Man sieht die Autoren aber geradezu vor sich, wie sie nach getaner Arbeit im Garten am Grill stehen und ordentlich Fleisch nachlegen. Andere prangern natürlich den Fleischverzehr an, das wogt so hin und her. Fleischverzehr, da haben wir aber auch Fakten, das sei am Rande erwähnt, es wird die Vegetarier immerhin interessieren. Und vor dem Hintergrund dieser Fakten kann man dezent auch noch auf andere Fakten hinweisen, denn ob Fleisch gesund ist oder nicht, das ist nun einmal nicht die einzige wichtige Frage bei diesem Thema, ganz und gar nicht.

Die Kuh bedroht also die Umwelt, das ist soweit leicht nachzuvollziehen. Dass die Umwelt auch die Kuh bedroht, das liest man eher selten. Aber manchmal eben doch. Wobei einem einfällt, dass es mit den Naturschutzgebieten bei uns generell nicht ganz einfach ist.

Der letzte Satz ist natürlich unbelegter Unsinn, das kann man aus diesem Artikel so gar nicht ableiten. Das machen wir aber dennoch, weil es so schön einfach und menschlich ist, sich die Wirklichkeit aus kleinen Stichproben hochzurechnen, es wird ewig ein Grundproblem unseres Hirns bleiben. Ein Problem, das natürlich auch beim Thema Wirtschaft interessant ist, denn vielleicht ist die Wirklichkeit ganz anders. Wenn man messen würde, statt zu vermuten.

Zu den Themen, bei denen wir von Vermutungen ausgehen, gehört sicher auch das Freihandelsabkommen TTIP, ein Vorhaben, gegen das viele etwas haben und über das nur wenige Interessierte umfassend Kenntnis haben. Es ist sicherlich sinnvoll, ab und zu ein paar Fakten zu dem Abkommen nachzulegen, auch wenn die Medien sich da ganz auffällig zurückhalten.

Bei TTIP ist man schon nah an Systemfragen, wie soll das alles denn überhaupt noch gehen – und da gibt es neue Lektüre zu Grundsatzfragen auf dem Markt, das könnte interessant sein.

Eine Systemfrage ist gewissermaßen auch die der Gentrification, der Veränderung unserer Städte und der Verschiebung von Bevölkerungsgruppen in Stadtteilen. Auch beim Thema der städtischen Entwicklung gibt es überraschende Meldungen, so hat etwa das allseits bekannte Hamburger Edelviertel Blankenese eine Quartiermanagerin bekommen – wie sonst nur die Problemviertel der Stadt. Was passiert da?  Wir lernen aus dem Artikel nebenbei den Begriff “urban burbs”, womöglich kommt der hier noch öfter vor. Aber ob die Stadt nun mehr Dorf braucht oder das Dorf mehr Stadt oder was – die Lage scheint einigermaßen unklar.

Unter uns verwirrten Büromenschen gibt es bei unklaren Lagen immerhin ein altbewährtes Mittel, das beruhigt und klärt, wir schmiegen uns gerne einfach mal an einen Aktenordner. Und dann geht es wieder.

Und ein Kaffee, der hilft natürlich auch, immer und bei allem. Und der Kaffee der Wahl ist künftig nicht nur fair, nein, der wird superfair.

GLS Bank mit Sinn

2 comments

  1. Kai

    Hmm, im brandeins-Artikel stand nichts, was ich nicht auch unterschreiben könnte. Abgesehen von ethischen Fragen, ist die Frage der „richtigen“ Ernährung eben völlig anders als klar. Noch dazu ist sie immer individuell zu beantworten. Auch das klingt im Artikel an.

    Fett ist super. Zucker ist super. Prinzipiell. Deshalb stürzt sich unsere Körper bei der Verdauung ja wie der Hund auf die Wurst. Die Menge von allem ist das entscheidende. Wenn ich meinen Tagesbedarf bspw. schon durch Zucker gedeckt habe, darf ich natürlich kein Fett mehr zu mir nehmen, denn das wird sofort eingelagert. So kamen unsere Vorfahren durch die Eiszeit.

    Der Artikel räumt schön mit Mythen auf, z.B. „Obst ist gesund“ – es ist aber auch nicht ungesund (jedenfalls für die meisten). Wenn ich meinen Hunger bswp. durch fettfreies Obst stille, beuge ich vielleicht nicht dem Krebs vor. Verhindere aber, dass dem Obst noch Schokoriegel und der schön fette Käse folgen.

  2. Regionalulf

    Ach, Ernährung, du Religionsersatz (meiner ja auch). Interessant wäre ja mal was zu den Effekten hochverarbeiteter Lebensmittel gewesen. Aber nix. Schade.

    Eins würde mich auch noch interessieren, so zur Einordnung: Welche Art der Nahrungsmittelproduktion die US-Forscher da untersucht haben. Vermutlich die einheimische, industrielle. Dass die unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten insbesondere beim Fleisch nicht gut abschneidet – wenig überraschend. Interessanter wäre ein Vergleich mit Bio-Familienbetrieben gewesen, auf denen Tiere unter anderem dazu dienen, die Fruchtbarkeit der Böden zu erhalten. Aber man kann ja nicht immer alles haben. Und zu kompliziert ist auch nicht gut.

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