Für die meisten Menschen wurde das Fahren durch Navigationsgeräte einfacher, nehme ich an. Für mich gilt das allerdings nicht.

Bevor es Navis gab, hat die Herzdame mich vom Beifahrersitz aus gelenkt, das war nicht immer ganz einfach. Sie hat eine ausgeprägte Links-Rechts-Schwäche und ich keinen Orientierungssinn, das störte dabei schon manchmal. Dann haben wir ein Navi gekauft, und zwar eines vom billigen Ende des Spektrums. Es war ein schlechtes Navi, vermutlich war es sogar das weltschlechteste Navi. Es hatte keine Links-Rechts-Schwäche, konnte aber sonst nichts, vor allem brauchte es eine Stunde, bis es überhaupt mal anging. Da hatte man ordentlich Vorsprung, um sich zu verfahren.

Dann wurde uns ein viel besseres Gerät vererbt. Das war toll, das Ding ging wesentlich schneller an und wusste tatsächlich immer Rat. Allerdings sagte es andere Wege an als das alte Navi, was die Herzdame vor die Grundsatzfrage stellte, welches Navi nun richtig lag. Im Zuge dieser Überlegungen kam sie darauf, noch eine Navi-App auf ihr Handy zu laden – und die kommt zu noch ganz anderen Schlüssen.

Wenn ich jetzt an spannenden Kreuzungen stehe, sagen mir drei Navis Möglichkeiten an. Die Herzdame blickt auf die Geräte und versucht, sich eine eigene Meinung zu bilden, denn am Ende sollte immer der Mensch entscheiden, das ist bei Technik bekanntlich ganz wichtig. Wenn ich vorsichtig frage, wo ich abbiegen soll, weil hinter mir zehn Autos hupen, sagt sie: „Ich bin noch nicht sicher.“ Dann biege ich irgendwo ab, weil man nicht im Weg stehenbleiben kann und weil es irgendeinem Navi schon recht sein wird.

Wir fahren durch nie gesehene Gegenden, philosophieren über technische Hilfsdienste und kommen viel und sehr weit herum. Denn so ist das ja mit jedem technischem Vorsprung: man kommt immer weiter. Ob man da nun hinwollte oder nicht.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung.

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