Österreich vegetarisch

 

Ich habe wieder aus diesem Buch gekocht, diesmal “Erdäpfelnockerl mit Rote-Zwiebel-Sauce”. Ich dachte bis zu diesem Rezept tatsächlich immer, es hieße Nockerln im Plural, mit einem n am Ende, aber das gilt wohl nur in Salzburg? Dort jedenfalls habe ich sie einmal mit n am Ende  gegessen, wenn ich mich recht erinnere. Im Kochbuch haben sie aber kein n. Es ist kompliziert! Wie auch die Nockerl an sich, aber dazu später.

Die Geschichte dieses Rezeptes beginnt zunächst mit der etwa hundertfachen Wiederholung des Satzanfangs “Am Samstag also die Erdäpfelnockerl…”.  Und das kam so: wir machen die Essensplanung für die Woche immer am Frühstückstisch, meistens am Sonntag.  Das klingt sicher spießig, aber die Erfahrung zeigt: wenn wir nicht planen, dann gibt es auch nichts zu essen. Oder nur Nudeln. Es wird also geplant, mit netter Menüfolge für die nächsten sieben Tage und rückseitiger Einkaufsliste, da haben wir Übung. Natürlich halten wir uns dann nicht an den Plan, so geregelt leben wir dann doch nicht, aber wir essen immerhin etwa an vier von sieben Tagen das, was wir uns vorgenommen haben. Das ist eine ganz gute Quote, die alles einfacher macht, vor allem das Einkaufen.

Die Planung ist eine mehr oder weniger gemeinsame Aktion, jeder kann dabei Wünsche äußern, sie werden dann mal mehr, mal weniger berücksichtigt.  Im Falle von Sohn I, der sich stereotyp Eierstich und Heringssalat zu allem wünscht, ist das etwas heikel, sonst sind wir da ganz offen. Diese Planungssitzung artet aber natürlich schnell in die allen Eltern bekannten und etwas absurden Gesprächssituationen aus, in denen man keinen Satz zu Ende bringen kann, weil alle Familienmitglieder durcheinanderreden, keiner richtig zuhört und alle ganz eigene Ziele verfolgen und meinen, diese am besten durch Lautstärke und unbeeindrucktes Weiterreden zu erreichen. Sohn II wirft dabei, wenn man auf seine Wünsche nicht ausreichend eingeht,  auch gerne mit gerade greifbaren Gegenständen, beim Frühstück also etwa mit Brötchen. Die Herzdame gehört nun zu jenen gründlich und strukturiert denkenden  Menschen, die nach einer Unterbrechung nicht etwa da weiterreden, wo sie aufgehört haben, sondern die den letzten Satz immer wieder von vorne beginnen. Eine Eigenschaft, die mich tendenziell wahnsinnig macht, weil die Sätze auf diese Art nie ein Ende, sondern immer wieder nur einen neuen Anfang finden, als wäre man in einem endlosen Loop in Punxsatawney gefangen. Weswegen ich nach der zehnten stoischen Wiederholung von “”Am Samstag also die Erdäpfelnockerl…” und sofort darauf folgender Unterbrechung  durch ein eingeworfenes “Mit Eierstich!”geringfügig gereizt reagierte und stehend in Volksrednermanier “Sonntag! Sonntag! Wir wollen endlich den Sonntag!” deklamierte. Das wiederum fanden die Söhne sehr erheiternd und ein nicht unerheblicher Teil dieser Familie wiederholte daraufhin einen Vormittag lang immer wieder fröhlich “Am Samstag also die Erdäpfelnockerl…”. Stundenlang. Ich hab es auch nicht immer leicht.

Und ich habe es dann natürlich dennoch gekocht, denn wer Serien bloggt, der muss auch etwas abkönnen, kein Beruf ohne Risiko. Zu dem Gericht braucht man 4 große, mehlige Erdäpfel. Die legt man auf ein mit grobem Salz bestreutes Blech und lässt sie im Ofen bei 190 Grad weich werden. Das dauert etwa 50 Minuten, etwas mehr schadet sicher nicht. Bis dahin sind Nockerl übrigens kinderleicht, gar kein Problem. Währenddessen kann man schon einmal 2 rote Zwiebeln und eine Knoblauchzehe schälen und zerlegen und dann in Öl langsam (!) hellbraun braten. 1 TL Zucker dazu und etwas karamellisieren, dann mit einem EL Rotweinessig ablöschen, da wäre ich bei der Dosis eher vorsichtig. Einen Viertelliter Gemüsebrühe hinein und ein wenig köcheln lassen. Einen TL Speisestärke in etwas kaltem Wasser lösen und die Sauce damit binden. Das waren bis jetzt die Originalmengen aus dem Kochbuch, denn der Österreicher als solcher, er scheint nicht viel zu essen. Wenn Sie Hunger haben, nehmen Sie einfach alles mal zwei, besonders die Sauce, das ergibt sonst unvernünftig wenig und reicht nur zu Dekozwecken, wie man es aus zu guten Restaurants kennt.

Rote Zwiebeln

 

Auch die Sauce ist nicht weiter schwierig, die schmeckt man nur noch mit Salz und Pfeffer ab und ist schon fertig, das macht sich wie nebenher und ergibt überhaupt eine sehr gute Sauce, die kann man sich mal merken, auch für andere Zwecke. Man macht überhaupt zu wenig Zwiebelsauce, scheint mir.

Die Kartoffeln sind zwischenzeitlich vielleicht auch schon weich geworden, dann pellt man die jetzt und drückt sie mit frisch verbrannten Fingern durch eine Erdäpfelpresse, die in Österreich vermutlich jeder im Haus hat – ich natürlich nicht. Ersatzweise soll man sie durch ein Sieb drücken, und das klingt jetzt vielleicht ein wenig komisch, aber das ist mir nicht gelungen. Das eine Sieb hatte zu große Löcher, das andere zu kleine, durch das eine kamen große Kartoffelstangen, durch das andere ging gar nichts durch, das ergab alles keinen Sinn und keine passierten Erdäpfel, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich habe die dann schlichtweg gestampft und dabei 3 Dotter, einen EL gehackte Petersilie, eine Prise Muskat, eine Prise Kümmel, einen TL Crème fraîche in die Masse eingearbeitet. In der Theorie und in Österreich ergibt das dann einen glatten Teig. Bei mir ergab das ein krümeliges Desaster. An dem war noch etwas herumzuprobieren, vielleicht ein Dotter mehr, oder gar etwas Milch? Wie bekommt man das glatt? Muss es überhaupt glatt sein? Warum? Hauptsache, es pappt? Oder nicht? Da gibt es einiges zu bedenken, planen Sie an dieser Stelle ruhig ein wenig Zeit für Beratungen und Krisengespräche ein. Aus diesem Zeug jedenfalls soll man dann Nockerl machen, mit zwei Esslöffeln oder mit den Händen, die man dann vorher wohl besser ölen sollte.  Ich habe die Esslöffel genommen, ich hasse Teig an den Fingern. Das mit den Löffeln ist schwerer als es klingt, so viel steht fest. Also irgendwelche unförmigen Klopse bekommt man natürlich schnell hin, wenn man da aber mit etwas Anspruch herangeht, ist es schon fordernd. Es erinnerte mich unangenehm an meine Versuche, aus Knetmasse Mäuse zu formen. Man braucht wirklich verblüffend lange, um aus dem Teig manierliche Nockerl zu formen. Wie die Habsburger damals ein ganzes Reich gründen konnten, während die Untertanen Nockerl modellierten – unerfindlich.

Hat man den Teig endlich zu Nockerln verabeitet, brät man diese auf mittlerer Stufe ein paar Minuten von beiden Seiten, bis sie appetitliche braune Stellen bekommen. Fertig. Auf die Zwiebelsauce legen, fotografieren und servieren. Das ist tatsächlich sehr hübsch und sensationell lecker, zehn Punkte von der Herzdame und auch von mir. Die Söhne haben nur die Nockerl gegessen, die aber gerne. Kartoffelfrikadellen, wer kann dazu schon nein sagen.

Das Kochbuch empfiehlt dazu Bier oder Wein, etwa einen Rotgipfler, ich weiß nicht einmal, was das ist. Hier gab es Ratsherrn Pilsener aus Hamburg, das passte auch.

Und wenn ich das Kochbuch so durchblättere – das war sicher erst der Anfang meiner Kloßkünste.  Da geht noch was! Hamburger Nockerln! Na, mal sehen. In Kürze mehr dazu.

Erdäpfelnockerl

Erdäpfelnockerl

 

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