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Unbenannt

Man kann ja nicht immer nur Suppe kochen, also gab es heute in meiner kleinen Kochreihe etwas mit festerer Konsistenz auf den Tisch: Himmel und Erde. Ein Essen, das man wohl nicht in ganz Deutschland kennt, ein erklärungsbedürftiges Essen also. Es heißt so, weil es Äpfel und Kartoffeln vereint. Äpfel wachsen oben, grobe Richtung Himmel, die Kartoffeln wachsen in der Erde, so einfach ist das, das leuchtet jedem sofort ein.

“Das finde ich nicht”, sagte Sohn I, “Äpfel wachsen nämlich gar nicht im Himmel. Die wachsen an Bäumen und es müsste also Bäume und Erde heißen.” Ich erklärte ihm, dass man Bäume aber nicht isst, also könne es so nicht heißen, woraufhin er mir erklärte, dass man den Himmel und die Erde auch nicht esse. Triumph im Blick, das Kinn herausfordernd weit nach oben gereckt. Bei Kindern ab sechs Jahren muss man wohl doch allmählich das ganze Hirn zuschalten, wenn man mit ihnen argumentiert. Schlimm.

Zwei bis drei Äpfel braucht man, über deren Sorte man quasireligiöse Diskussionen führen kann, besonders wenn man eine Herzdame im Haushalt hat, es waren dann am Ende aber nur solche der Sorte Jonagold, also nicht gerade originell. Ich bin hier als Anhänger des Boskoops eine kleine radikale Minderheit. Vier Zwiebeln, drei Handvoll Kartoffeln, Majoran, Petersilie, Sahne, Milch, Butter und Apfelsaft, mehr braucht man nicht, da geht der Einkauf schnell und leicht, das freut den Vater ohne Zeit, der fast alles an einem einzigen Marktstand erledigen kann.

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Die Zwiebeln werden geachtelt und bei milder Hitze glasig gebraten. Dann werden sie mit ein paar Blättchen Majoran bereichert, mit Salz und Zucker gewürzt und mit Apfelsaft oder Weißwein abgelöscht. Und dürfen dann noch etwas vor sich hin brodeln und einen überaus erfreulichen Geruch entwickeln.

Nebenbei schon mal die Kartoffeln anwerfen.

Äpfel in Scheiben schneiden und in Butter und Öl anbraten, bis sie goldbraun sind und alles extrem gut nach Kindheit riecht, weil die Zwiebeln und der Majoran ja auch schon die ganze Zeit vor sich hinduften und was war das denn bloß nochmal, was immer so roch, damals als ich Kind war? Da komme ich noch nicht drauf, also brate ich erst einmal weiter. Äpfel zu braten macht Spaß und wenn man die Zwiebeln zu den Äpfeln wirft, dann riecht das Gemisch so dermaßen gut, dass man sofort sehr viel probieren muss und sich gar nicht in Ruhe um die Kartoffeln kümmern kann, die jetzt gepellt und mit aufgekochter Sahnemilch gestampft werden sollten. Ein Hauch Muskat, fertig. Alles auf einen Teller drapieren, Petersilie drüber, Foto machen, bloggen.

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Oder erst essen, versteht sich. Das schmeckt richtig gut und kann kaum schiefgehen, das Essen ist eine wirklich sichere Bank. Ein Geschmack, der allen gefällt, außerdem einer, den ich seit Ewigkeiten kenne, und zwar aus der Heimat, damals in Lübeck , da schmeckte das auch so, wenn Oma kochte und jetzt fällt es mir auch endlich ein, was das war. Diese Kombination aus Äpfeln und Zwiebeln , die gab es bei uns immer zur Leber. Das ist natürlich eine etwas unpassende Assoziation bei einem vegetarischen Kochbuch, aber was soll man machen. Ich gehörte zu den wenigen Kindern, die Leber mochten, die ist ja sogar bei vielen Erwachsenen schwierig. Aber es gab aber immer ein kleines Problem, den sie schmeckte nur so zwei, drei Bissen lang wirklich gut, danach eher nicht mehr, die zweite Hälfte der Porton war eher eine Pflichtübung. Während die Beilagen natürlich immer gut schmeckten, das hat sich bis heute gehalten. Die Leber finde ich mittlerweile doch entbehrlich, die würde außer mir hier sowieso keiner anrühren. Und ich wüsste auch gar nicht mehr, von welchem Tier die früher war, Rind oder Schwein. Kartoffeln und Äpfel kann ich aber problemlos jedem im Haushalt andrehen und das mache ich ab jetzt sicherlich auch öfter.

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Auch dieses Essen schmeckt, wie schon die Kartoffelsuppe mit Pfifferlingen, so dermaßen nach Herbst, dass man plötzlich Lust auf einen Ausflug bekommt, irgendwo ins Grüne, was mittlerweile eher das Bunte ist. Und dann sehr, sehr lange spazieren gehen, durch zunehmenden Nieselregen oder aufsteigenden Nebel, an abgeerneteten Feldern vorbei und über vermatschte Äcker, während der Himmel immer dunkler wird und mit dem aufkommenden Abendwind noch mehr Regehn herantreibt, so dass einem langsam doch etwas kalt wird – und dann irgendwo reinkommen und dieses Essen steht schon auf dem Tisch und die Bude ist komplett voll von diesem Apfelzwiebelbratduft. So müsste das sein.

Das Kochbuch empfiehlt dazu Apfelwein oder Cidre, ich trank dazu ein Riedenburger Emmerbier, das passte auch. Emmer ist eine alte Getreidesorte, aus der man früher Bier gemacht hat, merken Sie sich das. Am Ende kommt es irgendwann bei Jauch, man weiß nie.

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