Mir ist auf Mallorca aufgefallen, dass man am Pool mittlerweile durch das Nichtvorhandensein besonderer Merkmale auffällt, so als einziger Mensch ohne Tätowierung unter lauter Gezeichneten. Das war mir tatsächlich nicht klar, wie stark das jetzt verbreitet ist, dass unterhalb eines gewissen Alters nahezu jeder irgendein Tribal, asiatische Schriftzeichen oder sonst etwas auf dem Arm, dem Nacken oder wer weiß wo hat. Man muss suchen, um eine Person zu finden, die nicht irgendwie verziert ist. Wirklich erstaunlich. Da muss auch Sohn I grübeln, der sich bar jeder Diskretion von mir die Kunstwerke erklären lässt – “was steht da auf dem Arm, Papa? Und auf dem Hals?” Das kann ich natürlich gar nicht in jedem Fall aufklären, kryptische Zeichen, seltsame Bildnisse, abstrakte Dingse auf vorbeigehenden Körpern sind nicht immer leicht zu deuten. Namen, die bekommt man hin, Namen kann man lesen oder zumindest erahnen.

Sohn I hört zu und denkt nach, er kann die Lust an Tätowierungen natürlich nachvollziehen, da er sich, wie alle Kinder, dauernd mit Kuli bemalt und mit Klebe-Tattoos verzieren lässt. Von “für immer” hat er dabei aber noch keine rechte Vorstellung, in seinem Alter sind die Bilder ein kurzer Spaß und nichts für die menschliche Ewigkeit, das liegt noch nicht im Bereich seiner Phantasie. Oder doch?

Er zeigt auf den Arm eines Mannes, um den sich ein längerer Frauenname ringelt, und fragt: „Wenn man sich den Namen seiner Freundin tätowieren lässt und dann irgendwann einmal eine neue Freundin hat und das dann wieder so macht und dann wieder und so, dann ist man doch irgendwann ganz voll mit Namen, oder? Und dann?“

 

 

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