Wie hier bereits angekündigt, gibt es in diesem Blog jetzt jede Woche ein Rezept aus diesem Buch. Na gut, fast jede Woche. Nächste Woche etwa gibt es hier kein Rezept, nächste Woche gibt es hier nämlich nichts, gar nichts. Nada, Pause, aus, gone fishing. Übernächste Woche geht es dann aber selbstredend weiter im Programm.

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Ich hatte es mir ja ganz nett vorgestellt, in aller Ruhe ein Rezept nachzukochen. Dabei schön Musik hören und wie nebenbei ab und zu ein schickes Foto inszenieren, appetitlich drapierte Zutaten, geschickt ausgeleuchtetes Gemüse auf altem Holz neben dem Familiensilber, na, wie es die Foodblogger eben so treiben, Sie kennen das. Glückliche Kinder, die nach Rohkost schnappen, dankbare Küsse nach dem Nachttisch, das Bier mal aus dem Glas statt aus der Flasche, ach, man hat so Illusionen.

Tatsächlich war es aber prompt so, dass ich an dem Tag keine Sekunde Zeit für dieses Projekt über hatte, also die Herzdame in die Küche schickte und selbst wieder an den Schreibtisch ging. Die Deadline, die Deadline. Zuvor haben wir den Söhnen noch froh verkündet, dass es Kürbissuppe geben sollte. Das war klug von uns gewählt, dachten wir, denn Kürbissuppe mögen beide Söhne, wir wollten die Reihe bewusst mit einem gelungenen Essen für alle beginnen. “Menno”, antwortete Sohn I, was ich als souveräner Vater sofort dahingehend deuten konnte, dass er heute gerade keine Kürbissuppe mögen würde. Der Geschmack von Kindern ist unergründlich. Dieser Verweigerung schloss sich sein Bruder spontan zwanglos an und beide griffen mit verbiesterten Gesichtern nach den Lebensmitteln, von denen sie hier sowieso größtenteils leben. Sohn I also zu Schwarzbrot und Heringssalat, Sohn II zu Dosenmais. Die Herzdame und ich sind darüber hinaus, uns über so etwas noch aufzuregen.

Ich setzte mich wieder an den Schreibtisch und fing an zu tippen, wurde aber nach zehn Sekunden gestört, weil die Herzdame merkte, dass sie einen Hokkaido nicht ohne die Bärenkräfte ihres Mannes zerlegen kann. Ich säbelte den Kürbis für Sie durch und ging zurück an den Schreibtisch. Neuer Satz, neues Glück. Nach drei Silben fragte die Herzdame, ob ich nicht noch eben die Zwiebel? Weil sie das doch nicht so gut abkönne, mit den Augen?

Die Stimmung wurde etwas gereizt, Hektik ist meist nicht gut für Beziehungen. Ich machte die Küchentür entschlossen wieder hinter mir zu und ließ die Herzdame diskutierend mit den Söhnen zurück, die irgendwas wollten oder nicht wollten, weiß der Kuckuck, ich hatte wirklich keine Zeit mehr. Ich fing wieder an zu schreiben, wurde dabei aber von Sohn II gestört, der mit einer Tüte Kürbiskernen aus der Küche gekommen war und mich fragte, was das denn wieder sei. Und ob man das am Ende essen könne? Ich nahm die Finger von der Tastatur und erklärte dem Kind Kürbiskerne. Er probierte und ging dann versonnen nickend und knabbernd weiter, eine üppige Kürbiskernspur hinter sich lassend, in Richtung Kinderzimmer, wo er ohne Zweifel seine Beute im Bett verstecken wollte. “Oh Hänsel, mein Hänsel”, sagte ich zum Sohn, der mich verständnislos ansah. Kannte er etwa Hänsel und Gretel nicht? Die Spur aus Brosamen? Habe ich das am Ende noch nie vorgelesen? Und wozu gibt man das Kind eigentlich in eine Kita? Was machen die da den ganzen Tag?

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Ich schilderte ihm das Märchen in Kurzfassung und ging zurück an den Schreibtisch, wo sich zwischenzeitlich allerdings Sohn I hingesetzt hatte und größere Mengen Heringssalat in meine Tastatur massierte. “Papa, ich schreib auch was!” rief er mir vergnügt entgegen. Manche Tage sind deutlich anstrengender als andere.

Die Herzdame kochte währenddessen den angedünsteten Kürbis mit Kartoffeln, einer Zwiebel und einem Apfel in Brühe und Sahne und würzte das, darauf wäre ich nicht gekommen, mit Anis und Honig. Merken Sie sich das, es ist nämlich toll. Dann briet sie in einer Pfanne Mandelblättchen und Kürbiskerne, die wir Sohn II erst wieder mühsam entwenden mussten, fragen Sie nicht. Die Suppe wurde püriert, mit Apfelessig, Pfeffer und Salz abgeschmeckt und mit saurer Sahne serviert.

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Die Herzdame und ich waren begeistert, das ist tatsächlich viel besser als meine eher einfallslose Kürbissuppe, die ich sonst immer gekocht habe. Das kommt hier jetzt nur noch so auf den Tisch. Fleisch vermisst bei dem Rezept vermutlich kein Mensch. Die Kombination von gerösteten Mandelblättchen und Kürbiskernen finde ich so gut, ich wäre fast geneigt, sie als Hauptspeise mit einem leichten Kürbissuppendressing zu essen.

Abschlussurteil der Herzdame: “Sehr lecker.”
Abschlussurteil Sohn I: “Suppe? Welche Suppe?”
Abschlussurteil Sohn II: “Wo sind meine Kerne? Das sind meine Kerne!”

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